Genioplastik (Kinnkorrektur)

Das Gesicht profiliert in gewisser Hinsicht unser Aussehen. Das Zusammenspiel von Wangen, Nase, Kiefer und Kinn stehen in Proportion zueinander und geben dem Gesicht eine Form. Ein schmaler oder asymmetrischer Kieferknochen wird oft für unschön gehalten und lässt sich, wie auch andere Kieferfehlstellungen oder optische Makel im Kinnbereich mit einer sogenannten Genioplastik chirurgisch korrigieren. Mit Abstand am häufigsten, und am unkompliziertesten ist dabei die Behandlung eines fliehenden Kinns. Die Operation dauert in der Regel nicht lange, sodass sie sich manchmal auch ambulant durchführen lässt. Nach etwa einer Woche sieht man bereits den vollen Effekt und ist alltags- und gesellschaftsfähig. Eine andere häufige Problematik ist das bekannte Doppelkinn, bei dem sich unterhalb des Kinns überschüssiges Gewebe aus Haut oder Fett anlagert. Hierzu gibt es effektive, minimal-invasive Methoden, mit denen auch dieses Problem gelöst werden kann. Welche das sind und was es sonst über Eingriffe im Kinnbereich zu wissen gibt, liest Du hier.


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Zuletzt aktualisiert: 21. Oktober, 2020



Was versteht die Medizin unter einer Genioplastik?

Unter dem Begriff Genioplastik, zu Deutsch auch Kinnplastik, Kinnkorrektur oder Kieferkorrektur, fasst man diejenigen Techniken zusammen, die zum Ziel haben, die Form des Kinns zu verändern und somit in den Bereich der plastischen und ästhetischen Chirurgie fallen. Die weitverbreitete Schönheitskorrektur hat zum Ziel die gesamte untere Gesichtshälfte zu formen, sodass Kinnfehlstellungen behoben werden, die Kiefer richtig stehen und der Lippenschluss gewährleistet bleibt. Das heißt, dass der operative Eingriff auch aus medizinischer Notwendigkeit heraus stattfindet, meistens aber aus ästhetischen Gründen.
 
Die Kinnkorrektur verleiht dem Profil des Patienten ein ästhetisches Erscheinungsbild

Aus welchen Gründen entscheiden sich Patienten für eine Genioplastik?

Eine Genioplastik soll in erster Linie eine fehlerfreie körperliche Funktion sicherstellen, aber auch zu einer optimierten Erscheinungsform des Kinns und damit des Gesichts beitragen und somit die Lebensqualität des Patienten erhöhen.
 
Eine der bekanntesten, aber recht seltenen Formen der Kieferfehlstellungen ist die Progenie, die im Extremfall auch als „Habsburger-Lippe“ bezeichnet wird. Normalerweise spricht man bei dieser Form einfach von einem vorstehenden Kinn, da dieses, vor allem im Profil, stark hervorsticht. Die Progenie ist dadurch gekennzeichnet, dass die unteren Schneidezähne vor den oberen stehen, sodass im Regelfall der Unterkiefer hervorsteht. In manchen Fällen kann es auch sein, dass der Oberkiefer unterentwickelt ist, was wiederum zu Zahnfehlstellungen führen kann. Vor allem aber verleiht die Form dem Gesicht übermäßig kantige und harte Züge.
 
Den umgekehrten und stärker verbreiteten Fall nennt die Medizin Mikrogenie, bei dem der Unterkiefer hinter dem Oberkiefer liegt. Diese Ausprägung wird meist durch einen Überbiss begleitet. Symptome sind ein „fliehendes Kinn“ und eine vorspringende Oberlippe. Auch das hat negative Auswirkungen auf die Zahnstellungen und es kann sogar so weit kommen, dass der Arzt den Mund als Problemfeld an sich behandeln muss. Außerdem ist der Lippenschluss, also das bündige und gerade Aufliegen der Lippen aufeinander, gefährdet. Ist der Mund permanent geöffnet, kann auch das weitere negativen gesundheitliche Folgen mit sich ziehen.
 
Ein sogenanntes Doppelkinn dagegen hat nichts mit den Knochen zu tun. Schon in jungen Jahren kann durch genetische Disposition, oder aber durch Übergewicht oder Hauterschlaffung ein Doppelkinn entstehen, welches dem Gesicht ein schwammiges Aussehen gibt und den Hals gedrungen wirken lässt.
 
Zuletzt gibt es auch funktionelle oder sogar medizinische Notwendigkeiten, die aus den obigen Kinnfehlstellungen heraus einen Eingriff bedingen. Handelt es sich um starke Fehlstellung von Kiefer und Zähnen, führt das oft zu Problemen beim Kauen oder Sprechen, und ohne Lippenschluss kann eine Mundatmung Infekte herbeiführen.

Welche Möglichkeiten der Genioplastik gibt es?

Um die Gestalt des Kinns anzupassen, kann der Chirurg, je nach Ausgangssituation und gewünschtem Endergebnis, Knochen am Kinn abtragen, oder aber durch körpereigene oder fremde Materialien, Knochen aufbauen und somit vergrößern. Intensivere Operationen stellen die Verschiebeplastik oder die moderne „Chin Wing“-Operation dar, die häufig zusammen mit anderen Behandlungen, z.B. der Zähne und des Kiefers durchgeführt werden. Durch diese beiden aufwendigeren chirurgischen Eingriffe lässt sich das Kinn und der gesamte Unterkiefer in großer Freiheit bewegen.
 
Die leichteste, und häufigste Genioplastik ist das Auftragen von Materialien, wodurch sich ein fliehendes, oder asymmetrisches Kinn korrigieren lässt, der Chirurg also insgesamt ein markanteres Gesicht mit klareren Konturen erschafft.
 
Wenn Du mit dem Gedanken einer Kinnkorrektur spielst, solltest Du wissen, dass der Arzt auch ein fliehendes Kinn grundsätzlich mit nicht-invasiven, aber dafür weniger effektiven und kurzfristig wirksamen Behandlungen korrigieren kann, zum Beispiel mit Hyaluron oder Fetteinspritzungen. Diese Füllflüssigkeiten baut der Körper mit der Zeit ab, weshalb sie der Spezialist etwa alle ein bis zwei Jahre erneut spritzen muss.
 
Während Fehlentwicklungen der Zähne mit diversen kieferorthopädischen Eingriffen behandelt werden können, ist ein unschönes Kinn dem Wachstum des unterliegenden Knochens zu verdanken und lässt sich deshalb effektiv nur mit der Operation dauerhaft korrigieren.
 
Ein stark noch vorn geschobenes Kinn lässt sich mit der Kinnkorrektur sehr gut beheben

Wie bereite ich mich auf eine Kinnkorrektur vor?

Das Kieferwachstum sollte abgeschlossen sein, das bedeutet, dass für Jugendliche, die sich noch im Wachstum befinden, eine operative Behandlung des Kinns nicht infrage kommt. Grundsätzlich operieren Chirurgen nur in sehr seltenen Fällen aus ästhetischen Gründen an Minderjährigen. Solltest Du noch nicht 18 sein, brauchst Du die Zustimmung Deiner Erziehungsberechtigten. Ansonsten sind eine allgemeine gute Gesundheit und Tauglichkeit zur Operation nötig, denn so lässt sich das Risiko minimieren, dass es zu einer Unverträglichkeit der Vollnarkose kommt.

Wie läuft eine Kinnkorrektur ab?

Die genaue Behandlung ist stark vom Befund, Deinen individuellen Präferenzen und dem Ziel der Therapie abhängig. Zu Beginn jedes Eingriffs steht der persönliche Beratungstermin mit dem behandelnden Chirurgen, bei welchem Deine individuellen Wünsche und Vorstellungen besprochen, Fragen geklärt und ein erster Überblick über mögliche Eingriffe, Techniken und Kosten gegeben werden soll. Im selben Termin findet meist auch die Untersuchung der betroffenen Stelle statt, das heißt, der Knochen bzw. das Kinn wird mit bildgebenden Verfahren erfasst und von Deinem behandelnden plastischen Chirurgen untersucht. Im Anschluss findet oft zusätzlich eine Vorher-Nachher-Simulation statt, um Dir ein genaueres Bild vom möglichen Ergebnis zu vermitteln.
 
Der Eingriff an sich dauert oft unter einer Stunde und ist in einigen Fällen sogar ambulant möglich.
 
Der Chirurg öffnet den Weg zum Knochen über das Innere des Mundes mit wenigen Schnitten, bei einer Kinnvergrößerung oft auch unter dem Kinn. Bei einer Kinnverkleinerung besteht die unkomplizierte Möglichkeit des Abschleifens des vorstehenden Kinns. Dabei führt der Arzt eine kleine medizinische Fräse in das geschnittene Loch ein und trägt den Knochen an den zuvor bestimmten Stellen etwas ab.
 
Bei einer Kinnvergrößerung kommen meistens Fremdmaterialien, Prothesen, zum Einsatz, oder auch Knorpel oder Knochenmaterial, die der Spezialist zuvor bei Dir entnommen hat. Die Implantate aus Eigenmaterial stammen oft aus der Nase, aus Knorpel vom Ohr oder von der Rippe. Die Materialien befestigt der Arzt anschließend in dem vorhandenen Knochen.
 
Da es in manchen Fällen vorkommt, dass der Körper die körperfremden Materialien nicht gut annimmt oder aber ein stärkerer Effekt gewünscht ist bzw. die Ausgangssituation sich als besonders kompliziert darstellt, gibt es auch die Option der Verschiebeplastik. Dabei durchtrennt der Arzt mit einem sogenannten Knochenschnitt den ganzen Knochen und positioniert und fixiert diesen mittels Schienen neu. Bei einer Kinnverkleinerung ist es ebenfalls möglich, ein Stück des Knochens zu entfernen, sodass der gesamte Unterkiefer kürzer ist, als zuvor. Bei der recht ähnlichen, neuen „Chin Wing“-Methode, löst der Chirurg den gesamten unteren Bereich des Unterkiefers und fixiert diesen zum Schluss neu.

Welche Komplikationen können bei einer Kinnkorrektur auftreten?

Wie bei allen Operationen besteht eine geringe Chance einer Infektion, der man allerdings mit gewissenhafter Hygiene während und nach dem Eingriff gut vorbeugen kann. Außerdem können nach dem Eingriff Rötungen, Schwellungen oder andere Symptome auftreten, die normalerweise nach wenigen Tagen von selbst abklingen. Oft bleibt für einige Tage ein Taubheitsgefühl in der operierten Stelle, das in einigen Fällen chronisch werden kann, falls ein Nerv zerstört wurde.
 
Eine Kinnkorrektur dauert in der Regel nicht lang und kann teilweise ambulant durchgeführt werden
 
Bei einer möglichen Verwendung körperfremder Materialien kann es zu einer allergischen Reaktion kommen. Es kann auch immer passieren (wenn es auch selten ist), dass das Resultat nicht so aussieht wie von Dir gewünscht, da die Fixierung gerade bei körpereigenen Materialien versagen kann. Mögliche Folgen sind Verhärtungen oder Asymmetrien in der behandelten Gesichtspartie, die in einer zweiten Operation korrigiert werden müssen.
 
Die Narben des Eingriffs, wenn vorhanden, sind in der Regel sehr klein und kaum zu erkennen. Letztendlich kann der Kieferknochen an das Implantat anwachsen, was jedoch ebenfalls sehr selten passiert.

Ist eine Kinnkorrektur schmerzhaft?

Da die Behandlung in aller Regel unter Vollnarkose, oder zumindest starker Betäubung, erfolgt, bekommst Du von der ganzen Prozedur nichts mit. Die anschließende Heilung des behandelten Kiefers kann Schmerzen auslösen, daher verschreibt Dir der Arzt, wenn notwendig, schmerzlindernde Medikamente. Meist klingen alle Symptome in unter einer Woche wieder ab, dann ist es Dir auch wieder möglich, normal zu essen und zu sprechen.

Wie gestaltet sich die Nachsorge bei einer Kinnkorrektur?

Während die eigentliche Operation mit einem Aufenthalt im Klinikum von normal maximal zwei Tagen abgeschlossen ist, braucht es zusätzlich eine Regenerationsphase von etwa einem Monat und bei intensiveren Eingriffen entsprechend länger. Der behandelte Knochen muss heilen und braucht dazu eine intensive Schonung. Für die ersten Tage nach der OP musst Du einen Stützverband tragen, den – wie auch die Fäden – ein Arzt entfernt.
 
Zudem bist Du dazu angehalten in dieser Zeit weder Alkohol zu trinken noch zu rauchen.
 
Sind Schrauben oder Schienen im Kiefer, kann der Chirurg diese auf Wunsch ab sechs Monaten nach der Operation entfernen. Alles in allem ist bereits während der Regenerationsphase ein normaler Alltag möglich.

Wann sind die endgültigen Ergebnisse sichtbar?

Der Effekt ist bei den chirurgischen Methoden sofort bemerkbar. Allerdings musst Du für einige Tage Nachsorge betreiben und deshalb auch ein Verband tragen.

Wie viel kostet eine Kinnkorrektur?

Behandlungen sind in Art, Dauer und Aufwand stark unterschiedlich und entsprechend variieren die Kosten. Du erhältst bei Deinem behandelnden plastischen Chirurgen schon nach ersten Informationsgesprächen auf Deinen Wunsch hin einen detaillierten und direkt auf Dich abgestimmten Kostenvoranschlag.
 
Grundsätzlich gilt, dass man mit einem vierstelligen Betrag von 3.000€ aufwärts rechnen muss. Darin sind Arzthonorar, OP-Kosten, Anästhesie, etwaige Materialien, Übernachtungen und Nachsorge inkl. Steuer enthalten. Da die Operation der größte Kostenpunkt ist, kosten längere, aufwendigere Eingriffe entsprechend mehr, und auch Eingriffe mit höherem Aufwand am Knochen oder Materialaufwand sind teurer.
 
Die Kosten einer Kinnkorrektur musst Du in der Regel selbst tragen

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten für eine Kinnkorrektur?

Krankenkassen übernehmen die Kosten einer Genioplastik in aller Regel nicht. Nur in seltenen Fällen übernehmen private wie gesetzliche Kassen die Kosten, und zwar nur dann, wenn der Eingriff notwendig ist. Die genaue Abgrenzung ist von Kasse zu Kasse unterschiedlich, die Voraussetzungen sind dann strikt auszulegen:
 

  • Besteht eine medizinische Notwendigkeit der Behandlung (siehe vor allem auch mögliche zusammenhängende Probleme an Mund und Zähnen, aber auch funktionelle Störung des Kiefers)?
  • Gibt es funktionelle Störungen durch Beeinträchtigungen beim Kauen und Sprechen?
  • Ist ein ästhetischer Eingriff durch andere, psychisch-emotionale Krankheiten gerechtfertigt?

In diesen Fällen übernimmt die Krankenkasse oftmals große Teile der Behandlung oder sogar die gesamten Kosten. Für die einzelnen Leistungen und Bestimmungen solltest Du Dich bei Deiner Versicherung oder Kieferorthopäden informieren.


Dauer Dauer

Bis zu 60 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

Ca. 4 Wochen

Stationärer Aufenthalt Stationär

Bis zu 2 Nächte

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PD Dr. med. Dr. med. dent. Christine Jacobsen

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Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Alexander Kübler

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Das Wichtigste zusammengefasst

Eine Genioplastik ist ein chirurgischer Eingriff am Kiefer, der meist aus ästhetischen Gründen durchgeführt wird, um die Form des Gesichts zu verändern


Im Allgemeinen kann ein zu weit vorstehendes Kinn abgetragen, oder ein fliehendes Kinn mit körpereigenen oder -fremden Materialien aufgebaut werden, es gibt aber auch Formen dazwischen, sowie weitergehende, kompliziertere Eingriffe am Knochen des Unterkiefers


Neben den ästhetischen Aspekten kann eine Kieferfehlstellung auch mit Zahnfehlstellungen, Ess-, Sprach- und medizinischen Störungen einhergehen, die eine Begründung der Operation seien können. Der Eingriff ist in der Regel ungefährlich und ohne zu großen Aufwand in einer Operation durchführbar. Auch die Nachsorge schränkt das Leben nur für etwa zwei Wochen etwas ein


Allerdings müssen die Kosten von mindestens 3000 Euro meist privat getragen werden, wenn keine medizinische oder körperliche Notwendigkeit besteht

Dr. Benjamin Gehl

Dr. Simone Hermanns

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