Mastitis (Brustentzündung)

Die Zeit des Stillens wird von den meisten frischgebackenen Müttern nicht nur als besonders schöne, sondern auch die Mutter-Kind-Bindung betreffend besonders intensive Periode beschrieben. Umso tragischer erscheint es, wenn dieser Vertrauen schaffende Vorgang durch negative Erfahrungen gestört wird - so zum Beispiel durch plötzlich auftretende schmerzhafte Veränderungen der Brust, begleitet von Abgeschlagenheit und mitunter hohem Fieber, auch als Mastitis bekannt. Worum es sich bei einer Mastitis handelt und weshalb diese nicht nur in der Stillperiode auftreten kann, erfährst Du hier.


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Zuletzt aktualisiert: 5. Juni, 2020



Was versteht die Medizin unter einer Mastitis?

Bei der Mastitis handelt es sich um eine meist bakterielle Entzündung der Brustdrüse. Am häufigsten sind Frauen im gebärfähigen Alter betroffen, da diese meist im Rahmen der Stillperiode nach der Geburt auftritt. Selten kann eine Mastitis auch bei Männern auftreten.

Welche Formen von Mastitis gibt es?

Die Medizin unterscheidet zwischen zwei Formen der Mastitis: Mastitis puerperalis und Mastitis non-puerperalis.
 
Bei der ersten Form, der Mastitis puerperalis, handelt es sich um die weitaus häufigere Brustdrüsenentzündung während der Stillzeit. Die weibliche Brustdrüse ist in dieser Zeit mechanisch (durch das Saugen des Kindes) als auch funktionell (Produktion der Muttermilch) zahlreichen Reizen ausgesetzt, die eine entzündliche Veränderung in dieser Zeit begünstigen.
 
Die zweite Form, also Mastitis non-puerperalis bekannt, umfasst alle Brustdrüsenentzündungen, die nicht im Zusammenhang mit dem Stillen stehen.

Die Brustwarze erscheint häufig verhärtet und es kann ebenso zu unspezifischen Symptomen wie Fieber, Abgeschlagenheit, Schüttelfrost und Schwellung der Achsellymphknoten kommen.

Wie sehen die Symptome bei einer Mastitis aus?

Beide Mastitis-Formen gehen ungefähr mit denselben Symptomen einer. Auffallend ist ein meist einseitiger Schmerz im Bereich der Brustwarze, den 70 bis 80 Prozent der Betroffenen verspüren.
 
Zudem können die typischen Zeichen einer Entzündung auftreten: Schwellung, Rötung und Überwärmung der Brustwarze sowie des umgebenden Areals. Die Brustwarze erscheint häufig verhärtet und es kann ebenso zu unspezifischen Symptomen wie Fieber, Abgeschlagenheit, Schüttelfrost und Schwellung der Achsellymphknoten kommen.

Welche Ursachen hat eine Mastitis?

Die Mastitis puerperalis ist – so wird angenommen – auf eine Kombination aus kleinsten Verletzungen der Brustwarze sogenannte Rhagaden (Saug- und Reibungswunden durch das Stillen des Kindes) und einem Milchstau zurückzuführen.
 
Ein solcher Milchstau kann durch Unregelmäßigkeiten beim Stillen (zu kurzes oder zu seltenes Stillen) beziehungsweise durch eine falsche Stillposition oder einen unzureichenden Saugreflex des Kindes ausgelöst werden.
 
Über die Wunden an der Brustwarze können Hautbakterien (häufigster Erreger ist Staphylokokkus aureus, Streptokokken, seltener Staphylokokkus epidermidis und Pseudomonas) oder auch Speichelbakterien des Kindes leicht eindringen und sich sowohl über die Lymphgefäße als auch Milchgänge ausbreiten. Verstopfte Milchgänge begünstigen diesen Prozess.
 
Die Mastitis non-puerperalis entsteht stets durch eine Verlegung der Milchgänge beziehungsweise durch übermäßige Produktion von Muttermilch auch ohne stattgefundene Schwangerschaft und Geburt. Man nimmt einen Sekretstau als Ursache in Kombination mit einer Sekundärinfektion durch Keime an.
 
Neben bösartigen Tumorerkrankungen (Paget-Karzinom, inflammatorisches Mammakarzinom), die umgehend ausgeschlossen werden müssen, können zudem bestimmte Medikamente (Tranquilizer, Ovulationshemmer), Schilddrüsenerkrankung, Mastopathie, Rauchen und eine sogenannte Hyperprolaktinämie (hierbei handelt es sich um eine Erhöhung des Prolaktinspiegels, also jenes Hormons, das für das Wachstum der Brustdrüse und Milchsekretion verantwortlich ist) ursächlich sein.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Mastitis?

Grundsätzlich handelt es sich um eine Blickdiagnose – in Kombination mit typischen Zusatzinformationen wie einer stattgefundenen Geburt und aktueller Stillperiode, kann der Gynäkologe eine Mastitis puerperalis ohne weitreichende Diagnostik feststellen und sofort behandeln.
 
Besteht der Verdacht, dass die Infektion schon länger besteht und sich bereits ein Abszess gebildet haben könnte, wird eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt, mit der Tiefe und genaue Lage des Abszesses festgestellt werden kann.
 
Handelt es sich um eine Mastitis non-puerperalis muss unbedingt nach Abheilung eine zusätzliche Diagnostik in die Wege geleitet werden, um die eigentliche Ursache zu finden beziehungsweise um bösartige Tumorerkrankungen auszuschließen.
 
Dazu gehören sowohl eine Untersuchung des Blutes als auch eine Bildgebung (Mammographie, Computertomographie). Je nach Krankheitsursache kommen eventuell noch weitere Untersuchungen hinzu.

In der Mehrzahl der Fälle handelt es sich um eine Mastitis puerperalis, am häufigsten sind demnach Frauen im gebärfähigen Alter betroffen.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

In der Mehrzahl der Fälle handelt es sich um eine Mastitis puerperalis, am häufigsten sind demnach Frauen im gebärfähigen Alter betroffen.

Welche Folgen hat die Mastitis für Mutter und Kind?

In den meisten Fällen haben weder Mutter noch Kind mit ernsthaften Folgen zu rechnen, auch die Mutter-Kind-Beziehung und die Stillerfahrung müssen durch eine Mastitis nicht automatisch bedroht sein. In der Regel darf und soll man als Betroffene weiterhin stillen und die Brust dabei regelmäßig ausmassieren, um den Milchfluss zu unterstützen.
 
Ein medikamentöses Abstillen bewirkt meist eher eine Verschleppung des Verlaufs und ist deshalb nur in Ausnahmesituationen zu empfehlen. Die Infektion kann durch das Anlegen des Kindes an die Brust laut aktuellem Stand der Forschung nicht auf das Kind übergehen, gleichzeitig gibt es zahlreiche antibiotische Medikamente (Amoxicillin), die über die Muttermilch nicht auf das Kind übergehen und daher trotz des Stillens angewendet werden können.
 
Nur in seltenen, schweren Fällen oder falls die Berührungen des Kindes beim Stillen zu schmerzhaft sind, kann es notwendig werden eine Stillpause einzulegen, dann sollte aber trotzdem weiterhin die Milch abgepumpt werden. Hier solltest Du Dich mit Deinem Arzt und/oder der Stillberatung beraten, wie dies am besten vor sich gehen kann und welche Alternativen in Betracht zu ziehen sind.

Wie verläuft die Behandlung bei einer Mastitis?

Da es sich um eine bakterielle Infektion handelt, erfolgt eine Therapie durch Einnahme eines Antibiotikums über mehrere Tage. In den meisten Fällen ist dies in Kombination mit Schonung, Bettruhe und Kühlung der Brust ausreichend.
 
Zusätzlich können entzündungshemmende und schmerzstillende Medikamente eingenommen werden, hier wird vor allem Ibuprofen empfohlen. Wichtig ist, weiterhin zu stillen beziehungsweise Milch abzupumpen und die Brust regelmäßig zu massieren, um einen möglichen Milchstau nicht zu intensivieren.
 
In seltenen Fällen muss die Milchproduktion medikamentös verhindert werden, hierzu verschreibt der behandelnde Arzt sogenannte Prolaktinhemmer. Die Behandlung der Mastitis non puerperalis ist im Prinzip dieselbe wie bei der Mastitis puerperalis. Je nach Ursache kann es hier allerdings zu einem chronischen Verlauf kommen.

Bleibt eine Mastitis unbehandelt, kann sich die Infektion weiter ausbreiten und zudem zu einem Abszess führen.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Bleibt eine Mastitis unbehandelt, kann sich die Infektion weiter ausbreiten und zudem zu einem Abszess führen. Ein Abszess ist ein abgekapseltes Infektionsareal, in dem sich Eiter sammelt.
 
Ein Abszess muss mittels chirurgischer Intervention behandelt werden – dabei setzt der Chirurg einen kleinen Schnitt, sodass sich der Eiter entleeren kann. Meist spült der behandelnde Arzt den entleerten Abszess im Anschluss mit einer antibakteriellen Lösung, um ein erneutes Auftreten zu verhindern.

Wie kann ich eine Mastitis vorbeugen?

Vorbeugen kannst Du de facto nur einer puerperalen Brustdrüsenentzündung, indem Du allen voran auf Stilltechnik und Stillfrequenz achtest. Außerdem sollte auf einen gut sitzenden Büstenhalter unbedingt geachtet werden. Die Stilldauer sollte nicht zu kurz sein, die Seite sollte regelmäßig gewechselt werden und auf ausreichende hygienische Maßnahmen und Pflege wunder Brustwarzen ist unbedingt zu achten!

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Ja, die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland, Österreich und der Schweiz übernehmen die Behandlungskosten medikamentöser und falls notwendig chirurgischer Therapien. Die Behandlung erfolgt über den niedergelassenen Gynäkologen und gegebenenfalls zusammen mit einer extra geschulten Hebamme (Stillberatung), die chirurgische Behandlung eines Abszesses kann ambulant oder tagesklinisch durchgeführt werden.


Dauer Dauer

Drei Tage

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

Das Wichtigste zusammengefasst

Bei einer Mastitis handelt es sich um eine Entzündung der Brust, genauer gesagt der Brustdrüsen. Meist tritt sie bei stillenden Müttern meist in den ersten sechs Wochen nach der Geburt auf, selten kann sie jedoch auch nicht-stillende Mütter und sogar Männer betreffen. Man unterscheidet hierbei einer Mastitis puerperalis von der Mastitis non-puerperalis.


Ursache ist eine Verlegung der Milchgänge, die zu einem Milchstau führt sowie das Eindringen von Bakterien über kleinste Wunden an der Brustwarze. Das Eindringen der Keime führt zur Reaktion des Immunsystems und damit zur Entzündung. Wird nicht rasch behandelt, kann sich die Entzündung abkapseln und es entsteht ein Abszess.


Eine Mastitis äußert sich durch Schmerzen an Brustwarze und betroffener Brust sowie durch sichtbare und fühlbare Veränderungen (Rötung, Schwellung und Überwärmung der betroffenen Seite).Hinzu kommen häufig unspezifische Krankheitssymptome wie Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit und Schwäche.


Zur Therapie kommt neben Schonung, Bettruhe und regelmäßiger Kühlung der Brust eine medikamentöse antibiotische und schmerzstillende Behandlung.

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