Prurigo nodularis

Prurigo nodularis ist eine seltene Hautkrankheit unbekannten Ursprungs und im wahrsten Sinne des Wortes zum „aus der Haut fahren“. Patienten erfahren häufig eine wahre Odyssee von Arzt zu Arzt, bis die Ursache geklärt ist. Die Krankheit zeichnet sich durch einen starken Juckreiz und rötlich-braunen Hautknötchen aus. Mitunter kann die Genesung Monate bis Jahre in Anspruch nehmen, sodass Patienten viel Geduld aufweisen müssen.


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Medizinische Expertin

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Online-Redaktion

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Zuletzt aktualisiert: 19. März, 2020



Was versteht die Medizin unter einer Prurigo nodularis?

Unter Prurigo nodularis versteht die Medizin eine seltene Hautkrankheit mit einer Häufigkeit von 1 zu 1.000.000, die durch juckende Hautknötchen meist im Sakral- und Bauchbereich sowie den Streckseiten von Armen und Beinen gekennzeichnet ist. In vielen Bereichen der Krankheit liegen der Medizin noch keine ausreichenden Erkenntnisse vor. Bekannt jedoch ist, dass vorwiegend Frauen ab dem 50. Lebensjahr davon betroffen sind. Patienten leiden unter chronischem quälenden Juckreiz – medizinischer Fachausdruck: Pruritus, wobei die Haut durch ständiges Kratzen immer weiter geschädigt wird. Erst bei andauerndem Juckreiz von länger als sechs Wochen sprechen Mediziner von einem chronischen Verlauf. Zudem unterscheiden Experten den Juckreiz auf nicht-entzündlicher Haut sowie auf bereits entzündeter Oberfläche mit oder ohne Kratzspuren.

Unter Prurigo nodularis versteht die Medizin eine seltene Hautkrankheit mit einer Häufigkeit von 1 zu 1.000.000

Wie sehen die Symptome einer Prurigo nodularis aus?

Die typischen Symptome der Krankheit sind größere, rötliche Knoten auf der Haut, welche oft über den ganzen Körper verstreut sind und häufig verhornen und austrocknen. Dabei weisen sie eine Breite und Tiefe von mehr als 0,5 cm auf. Am häufigsten entstehen sie im Sakral- und Bauchbereich sowie auf den Streckseiten von Armen und Beinen – das Gesicht, die Fußsohlen und Handflächen sind nicht betroffen.

Durch den übermäßigen Juckreiz versuchen Patienten sich durch kratzen Erleichterung zu verschaffen, was die Symptome aber verstärkt, da sich durch das Bearbeiten der Knoten mit Händen und Nägeln neue Knoten bilden, die jucken, beißen und brennen. Es gibt auch weitere Hauterkrankungen, die oftmals mit Prurigo nodularis zusammenfallen wie Schuppenflechte (Psoriasis), Krätze (Skabies) oder Neurodermitis (atopische Dermatitis). Aber nicht nur Hauterkrankungen, sondern auch andere Krankheiten können mit Prurigo nodularis zusammenfallen.

  • Leber- oder Nierenerkrankungen
  • Diabetes
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Medikamentenunverträglichkeit
  • neurologische Krankheiten
  • psychische Erkrankungen, wie eine Depression

Wie ist der Verlauf einer Prurigo nodularis?

Zunächst tritt auf der unversehrten Haut ein starker Juckreiz auf, den Betroffene durch Kratzen vermehrt zu hemmen versuchen. Dadurch wird die Haut aber geschädigt und es kommt auf Dauer zu einer Hautveränderung. Es treten rötlich-braune Knötchen auf, die sich auf den ganzen Körper, insbesondere auf Arme und Beine verteilen können. Die Therapie erfolgt durch Medikamente und Salben und kann oft Monate bis Jahre dauern, sodass Patienten viel Geduld haben müssen.

Was sind die Ursachen für eine Prurigo nodularis?

Die Ursache für Prurigo nodularis ist noch relativ unerforscht und kann recht vielfältig sein. Auffallend ist jedoch, dass die Krankheit zumeist begleitend zu anderen Hautkrankheiten auftritt. Aber es gibt auch andere Ursachen, die zu Hautveränderungen führen können:

Prurigo nodularis als Folge anderer Hauterkrankungen

Häufig entsteht der Juckreiz in Zusammenhang mit anderen Hauterkrankungen, wie Neurodermitis, Schuppenflechte oder Nesselsucht. Allen Krankheiten ist gemeinsam, dass die Haut dabei sehr trocken ist und sie sich leicht entzündet. Auch können Milben für einen starken Juckreiz verantwortlich sein. Diese übertragen die Krätze (Skabies). Weitere Ursachen können Pilze, eine Sonnenallergie, Altersjucken, bei älteren Menschen, oder das sogenannte Winterjucken, bei einem schnellen Temperaturwechsel, sein. Doch es gibt auch Juckreiz, der durch zu viel Wasserkontakt entsteht. Dieser verschlechtert sich durch häufige Schwimmbadbesuche oder zu langem Duschen. Gerade bei älteren Personen kann sich zudem ein bullöses Pemphigoid bilden, eine chronische Autoimmunkrankheit mit juckender Blasenbildung auf der Haut.

Es treten rötlich-braune Knötchen auf, die sich auf den ganzen Körper, insbesondere auf Arme und Beine verteilen können

Innere Erkrankungen als Ursache für Prurigo nodularis

Im Gegensatz zu Hautkrankheiten tritt der Juckreiz bei inneren Erkrankungen am Beginn meist auf der gesunden Haut auf. Erst durch Kratzen und damit Schädigen der Hautoberfläche bilden sich nach und nach die für Prurigo nodularis typischen Knötchen. Betroffene leiden meist unter einer chronischen Nierenschwäche – wie in etwa bei Dialysepatienten, Lebererkrankungen, Diabetes und Funktionsstörungen der Schilddrüse. Auch bei einem Eisenmangel oder einer Magersucht kann es zu Hautveränderungen kommen. Besonders HIV-Patienten haben ein erhöhtes Risiko an Prurigo nodularis zu erkranken.

Neurologische Erkrankungen als Auslöser von Prurigo nodularis

Neurologische Auslöser für einen chronischen Juckreiz können Multiple Sklerose oder Nervenschmerzen in Folge einer Gürtelrose sein. Werden die Nerven im Bereich des Rückenmarks komprimiert oder liegen Veränderungen der Halswirbelsäule vor, kann es zu einem Jucken an der Außenseite des rechten Unterarms kommen, was Mediziner als brachioradialer Pruritus bezeichnen. Sollte der Juckreiz am Rücken oder direkt neben der Wirbelsäule auftauchen sprechen Ärzte von der Notalgia paraesthetica, welche durch eine Störung der Nerven in diesem Bereich oder im Rückenmark ausgelöst wird.

Medikamente als Auslöser von Juckreiz und Prurigo nodularis

Es gibt eine Reihe von Medikamenten, die vor allem bei einer Langzeiteinnahme einen Juckreiz auslösen und die Entstehung von Hautknötchen begünstigen, wie etwa Antibiotika, Entzündungshemmer, bestimmte Psychopharmaka oder Blutgerinnungsmittel.

Psychische Erkrankungen als Ursache von Prurigo nodularis 

Dazu zählen in etwa Depressionen, Zwangsstörungen wie ein Waschzwang oder Halluzinationen, die einen starken Juckreiz hervorrufen und damit die Bildung von Hautknoten begünstigen können.

Wie lässt sich eine Prurigo nodularis diagnostizieren?

Für den Arzt ist es wichtig, zuerst andere Krankheiten auszuschließen. Deshalb wird er im Falle eines Juckreizes vorerst eine visuelle Untersuchung bei Dir vornehmen. Sind Knötchen vorhanden, kann er eine Hautprobe entnehmen und unter dem Mikroskop genauer ansehen. Solltest Du Prurigo nodularis haben, wird der Experte eine erhöhte Anzahl von Immunzellen sowie stark großflächig verhornte Stellen der Ober- und Unterhaut und eine erhöhte Anzahl an Nervenfasern feststellen.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Am häufigsten tritt die Krankheit bei Frauen im mittleren und höheren Lebensalter, etwa ab 50 Jahren, auf.

Welche Folgen hat eine Prurigo nodularis für den Betroffenen?

Die Knötchen werden von Betroffenen oft als unattraktiv und entstellend angesehen, weshalb sie Orte wie Schwimmbäder oder Badeseen meiden. Auch kommt es oft durch das Kratzen zu Narbenbildungen. Patienten ist es meist auch unangenehm, auf ihre Erkrankung angesprochen zu werden. Viele fühlen sich nicht mehr begehrenswert, was sich auf das Selbstbewusstsein und Sexualverhalten auswirken kann. Resultierend aus der sozialen Isolation führt Prurigo nodularis oft zu Depressionen. Diese sollte, ebenso wie die stark juckenden Knötchen, behandelt werden.

Es gibt eine Reihe von Medikamenten, die vor allem bei einer Langzeiteinnahme einen Juckreiz auslösen und die Entstehung von Hautknötchen begünstigen

Ist die Prurigo übertragbar?

Einige Krankheiten, die mit der Prurigo nodularis in Verbindung stehen, sind über Hautkontakt, Tröpfcheninfektion oder auch beim Geschlechtsverkehr übertragbar. So können sich andere Menschen leicht mit Pilzen, Milben oder Herpesviren anstecken. Aber auch Windpocken oder Gürtelrose zählen zu hoch ansteckenden Krankheiten. Bleiben diese Erkrankungen unbehandelt können sie zu Prurigo nodularis führen.

Wie lässt sich eine Prurigo nodularis behandeln?

Nachdem die Krankheit sehr viele Erscheinungsbilder hat und immer individuell gesehen werden muss, ist auch die Behandlung abhängig vom genauen Beschwerdebild des Patienten. Im Vordergrund stehen dabei immer die Erforschung und Beseitigung der Ursache und die Minimierung der Beschwerden. Dazu sind mehrere Fachärzte in die Untersuchungen und Behandlung eingebunden, wie in etwa der Hautarzt, Internist oder ein Experte für Nierenkrankheiten (Nephrologe). Oftmals hilft eine Umstellung der Medikamente. Kurzfristige hoch dosierte äußerliche Kortisonanwendungen können Abhilfe verschaffen. Bei besonders therapieresistenten Formen kann das Kortison auch zusammen mit einem Lokalanästhetikum direkt in die Läsionen gespritzt werden. Eine Fototherapie vor allem mit UVB und UVA1 Strahlung oder einer Fotochemotherapie (PUVA-Therapie) kann in speziellen Fällen Linderung verschaffen. Folgendes kann außerdem noch helfen:

  • Hautpflege: Spezielle Cremes, die entzündungshemmend und feuchtigkeitsaufbauend wirken, um die Hautbarriere wieder neu aufzubauen.
  • Medikamente: Der Arzt kann Dir je nach der jeweiligen Grunderkrankung kortisonhaltige Salben oder Cremes ohne Kortison verschreiben. Bei Allergien helfen auch Antihistaminika.
  • Psychologische Begleitung: Oft ist eine Psychotherapie empfehlenswert, da sich viele Patienten zurückziehen.
  • Ernährungsumstellung: Auch kann Dir eine Umstellung Deiner Essgewohnheiten, insbesondere die Vermeidung bestimmter Lebensmittel helfen.

Manche Patienten empfinden die Behandlung mit Medikamenten und Salben als noch belastender und greifen auf naturheilkundliche Maßnahmen zurück. Dabei solltest Du mit einer Darmsanierung beginnen, um Deinen Körper auf die folgende Behandlung vorzubereiten. Neben einer Eigenbluttherapie kommen auch Akupunktur und Kolloide zum Einsatz. Das sind Teilchen oder Tröpfchen, die meist in Flüssigkeit fein verteilt sind.

Wie kann ich eine Prurigo nodularis vorbeugen?

Auf jeden Fall gilt es, Stress zu vermeiden und autogenes Training und regelmäßig Sport zu praktizieren. Denn wenn es der Psyche nicht gut geht, kann sich das in Form von Hauterkrankungen wie Prurigo nodularis niederschlagen.

Was kann der Betroffene selbst gegen Prurigo nodularis tun?

Wenn Du Prurigo nodularis hast, solltest Du überhitzte trockene Räume wie Saunen meiden und auch keine Pflegeprodukte mit Alkohol verwenden, da diese Deine Haut austrocknen. Auch solltest Du nicht zu häufig mit sehr heißem Wasser duschen und Stress vermeiden.

Wenn Du Prurigo nodularis hast, solltest Du überhitzte trockene Räume wie Saunen meiden und auch keine Pflegeprodukte mit Alkohol verwenden

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Untersuchungen bei den Fachärzten werden von den Krankenversicherungsanstalten übernommen, soweit Dein Arzt einen Kassenvertrag hat. Sollte das nicht der Fall sein, musst Du die Kosten selbst tragen, außer Du hast eine private Krankenversicherung. Falls Du eine Psychotherapie brauchst, kannst Du Dich bei einem Therapeuten mit Kassenvertrag für einen Kassenplatz anmelden. Dabei musst Du aber mitunter mit langen Wartezeiten rechnen. Falls Du die Therapie privat bezahlen möchtest, kann es sein, dass Du trotzdem noch einen Teil durch Deine Krankenkasse zurückerstattet bekommst.


Dauer Dauer

Bis zu mehreren Wochen

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

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Das Wichtigste zusammengefasst

Prurigo nodularis ist eine seltene Hauterkrankung, Häufigkeit 1 zu 1.000.000, die noch nicht ausreichend erforscht ist


Typische Symptome sind extrem juckende rötlich-braune Hautknötchen, die meist im Sakral- und Bauchbereich sowie den Streckseiten der Arme oder Beine auftauchen, aber auch an anderen Stellen des Körpers entstehen können


Oft tritt Prurigo nodularis in Kombination mit anderen Erkrankungen wie Hauterkrankungen, Leber- oder Nierenerkrankungen, Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen, neurologische Krankheiten sowie psychische Erkrankungen, wie eine Depression und Medikamentenunverträglichkeiten auf


Die Behandlung der leichteren Formen erfolgt vorwiegend mit Medikamenten und Salben, wobei der Patient ganzheitlich betrachtet werden muss. Die Dauer der Behandlung kann sich über Monate und Jahre ziehen und ist abhängig von der Ursache

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