Mundrose (Periorale Dermatitis)

Die periorale Dermatitis, oder Mundrose, ist eine nicht-infektiöse, relativ verbreitete Hautkrankheit. Sie tritt vorwiegend bei jungen Frauen zwischen 16 und 45 Jahren auf, die ihre Haut mit zahlreichen Kosmetika zu stark pflegen, weshalb die Krankheit früher auch als „Stewardessen-Krankheit“ bezeichnet wurde. Zu den typischen Symptomen zählen Pusteln, Rötungen und Knötchen im Gesicht, die zwar nicht ansteckend, aber für Betroffene sehr belastend sind. Sie treten speziell um den Mund, an den Wangen, um die Nase oder die Augenlider auf. Unbehandelt kann eine periorale Dermatitis sehr hartnäckig und langwierig sein. Mit der richtigen Therapie heilt sie jedoch häufig narbenlos nach einigen Wochen aus.


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Zuletzt aktualisiert: 23. März, 2020



Was versteht die Medizin unter der perioralen Dermatitis?

In der Medizin wird die Mundrose periorale Dermatitis (POD) genannt, was übersetzt „Hautentzündung um den Mund“ bedeutet. Des Weiteren ist die Krankheit unter „Rosazeaartige Dermatitis“ oder „Stewardessen-Krankheit“ bekannt, da Flugbegleiterinnen früher kortisonhaltige Cremes aus Amerika nach Deutschland brachten und diese „falsch“ angewendet haben. Die Krankheit zeichnet sich durch entzündliche Knötchen oder Papeln und Knötchen mit zentraler Eiterblase, sogenannten Papulopusteln, aus, welche in 40 Prozent aller Fälle allein im Mundbereich, in 15 Prozent der Fälle im Mund- und Nasenbereich und in den anderen Fällen nur im Nasenbereich auftreten.
 

Die Krankheit zeichnet sich durch entzündliche Knötchen oder Papeln und Knötchen mit zentraler Eiterblase, sogenannten Papulopusteln, aus, welche in 40 Prozent aller Fälle allein im Mundbereich, in 15 Prozent der Fälle im Mund- und Nasenbereich und in den anderen Fällen nur im Nasenbereich auftreten
 
Auch die Augenlider können davon betroffen sein. Da die Symptome vor allem um die Gesichtsöffnungen auftreten, verwenden Ärzte auch den Begriff „periorifizielle Dermatitis“. Die Krankheit ist nicht-infektiös und nicht ansteckend, da sie weder durch Viren noch durch Bakterien oder andere Keime, sondern durch ein „Überpflegen“ der Haut und dadurch verursachten Zerstörung der Hautbarriere verursacht wird.

 Was sind die Symptome einer Mundrose?

Am häufigsten entstehen Hautrötungen mit kleinen Knötchen und eventuell auch Bläschen um den Mund herum. Oft zeigt sich auch ein länglicher, schmaler Ausschlag unmittelbar am Rand der Lippen. Dazu können Juckreiz, Brennen, Stechen, eine leichte Schuppung und trockene Haut kommen. Selten sind die Bläschen auch mit Eiter gefüllt. Die nicht befallenen Flecken im Gesicht fühlen sich unangenehm trocken an und spannen. Bleiben die Beschwerden über einen längeren Zeitraum bestehen, können Bakterien oder Milben die Haut zusätzlich befallen, wodurch sich die Symptomatik verschlimmert.

 Welche Ursachen hat eine Mundrose?

Die genaue Ursache der Mundrose konnte bisher nicht endgültig erforscht werden. Mediziner vermuten ein „Überpflegen“ der Haut mit Kosmetika, Hautpflegeprodukten, Make-up sowie Reinigungsmitteln oder kortisonhaltigen Cremes. Bei der perioralen Dermatitis wird die Hautbarriere durch eine wiederholte Reizung gestört, weshalb sich die Haut gespannt und trocken anfühlt und sich mitunter entzündet. Vor allem Patienten mit einer Neigung zu allergischen Reaktionen wie Neurodermitis, Heuschnupfen und Asthma erkranken eher an einer Mundrose. Auch Sonnenschutzmittel oder Glukokortikoide in Form einer Salbe oder Asthma- sowie Nasensprays können zu einem Ausbruch einer perioralen Dermatitis führen.

 Welche Folgen hat eine Mundrose für den Betroffenen?

Aufgrund der Störung der Hautbarriere verliert die Haut viel Flüssigkeit. Sie wird rot und bildet Schuppen oder schmerzende Bläschen. Patienten versuchen, die Schmerzen und das unangenehme Spannungsgefühl meistens durch noch mehr Eincremen zu lindern und geraten dadurch in einen wahren Teufelskreis, da dies die Haut noch mehr reizt. Zudem wird das äußere Erscheinungsbild während der Akutphase der Mundrose als entstellend empfunden, was die Betroffenen stark belastet.
 
Unter anderem kännen Kosmetikprodukte eine Mundrose auslösen
 

Wie ist der Krankheitsverlauf bei einer perioralen Dermatitis?

Ein „Überpflegen“ der Haut und ein ständiger Wechsel an Hautpflegemittel führen zu deren Austrocknung. Da die Schutzfunktion dadurch nicht mehr aufrecht ist, können Krankheitserreger leichter eintreten und Infektionen hervorrufen. Die Haut verliert immer mehr an Feuchtigkeit, da sie die Flüssigkeit nicht mehr richtig einlagern kann. Bei der perioralen Dermatitis kommt es deshalb zur Bildung von Knötchen und Bläschen im Gesicht, die mit einer ausreichenden Behandlung meist innerhalb vier bis sechs Wochen wieder ohne Narbenbildung ausheilt. Ohne Behandlung kann die Mundrose chronisch werden und über Monate oder sogar Jahre hindurch bestehen.

Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Es wird empfohlen, beim ersten Auftreten von Symptomen einen Hautarzt aufzusuchen und auf keinen Fall weitere Hautpflegeprodukte zu verwenden, da die Beschwerden so verstärkt werden könnten. Zudem sind bei schwereren Verläufen manchmal auch Antibiotika notwendig. Der Arzt verschreibt Dir gut verträgliche medizinische Cremes, welche die Symptome lindern und so das Abheilen beschleunigen.

Wie diagnostiziert der Arzt eine periorale Dermatitis?

Falls bei Dir ein Hautausschlag im Mundbereich auftritt, solltest Du ehestmöglich einen Haus- oder Hautarzt aufsuchen. Dieser wird mit Dir ein ausführliches Anamnesegespräch über verwendete Pflege- und Kosmetikprodukte sowie Allergien oder Körperpflegegewohnheiten führen. Der Arzt muss eine periorale Dermatitis von anderen ähnlichen Krankheitsbildern wie Akne, Rosazea (entzündliche Hauterkrankung mit geweiteten Äderchen im Gesicht) oder Herpes abgrenzen. Für eine ausführliche Diagnose stehen keine erkrankungsspezifischen Laborparamter zur Verfügung. So zählt eine gute Blickdiagnose zu den verlässlichsten Methoden. Insbesondere die Aussparung der Hautveränderungen unmittelbar um den Lippenbereich deuten auf eine Mundrose hin.

Welche Behandlungs- und Therapieformen gibt es?

Bei der Behandlung der perioralen Dermatitis kommen nicht-medikamentöse Therapien, wie die Nulltherapie sowie Cremes oder Tabletten zum Einsatz. Bei der Nulltherapie musst Du auf jegliche Kosmetika und Hautpflegeprodukte verzichten, damit Reizstoffe und Auslöser vermieden werden und sich Deine Haut erholen kann.
 
Kommt bei Dir eine medikamentöse Behandlung zum Einsatz, verwenden Ärzte vorerst Salben und Cremes, beispielsweise mit den Wirkstoffen Adapalen und Azelainsäure, Antibiotika für die Haut wie Metronidazol und Erythromycin oder Ichthyol, Pimecrolimus beziehungsweise Tacrolimus. Zeigt sich nach etwa drei Wochen Behandlung keine Besserung des Hautbildes, greifen Dermatologen auf eine Therapie mit Tabletten zurück, um die Krankheit von innen heraus zu bekämpfen.
 
Bei der Behandlung der perioralen Dermatitis kommen nicht-medikamentöse Therapien, wie die Nulltherapie sowie Cremes oder Tabletten zum Einsatz
 
Diese Therapie sollte in der Regel aber nicht länger als acht Wochen durchgeführt werden, da es dabei zu Nebenwirkungen kommen kann. Ärzte setzten dabei Wirkstoffe, beispielsweise aus der Gruppe der Tetrazykline, ein, wobei nicht deren antibiotische Wirkung, sondern ein antientzündlicher Effekt für eine Besserung der Symptome verantwortliche gemacht wird. Nur sehr selten kommen Retinoide – chemische Substanzen, die dem Vitamin A sehr ähnlich sind – zur Anwendung, wobei die Therapie mit selbigen meist mehr als sechs Monate dauert.

 Welche Komplikationen können während der Behandlungen auftreten?

Negative Folgen einer perioralen Dermatitis drohen nur, wenn Du diese nicht behandeln lässt. Durch die Schädigung der Haut kann es zu bakteriellen Infektionen im Gesicht kommen. Zudem besteht das Risiko eines schubartigen, chronischen Krankheitsverlaufs. Während der Behandlung kann es zudem zu erhöhten Spannungszuständen der Haut und einer vorübergehenden Verschlechterung der Beschwerden kommen, da sich die Haut von den Pflegeprodukten erst entwöhnen muss. Auch psychische Beeinträchtigungen können aufgrund der entstellenden Hautveränderungen im Gesicht auftreten, da sich Betroffene für ihr Aussehen schämen und sich zurückziehen. Eine Psychotherapie kann hierbei hilfreich sein.

Was kann ich selbst bei der Erkrankung tun?

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, die Du tun kannst, um die Symptome zu lindern. Zunächst ist es aber wichtig, dass Du Abstand von Pflegeprodukten nimmst. Zwar kann es anfangs zu einer Verschlechterung der Symptome kommen, diese klingen aber nach der Entwöhnung der Haut schnell wieder ab.
 
Zur Linderung der Beschwerden kannst Du auch Umschläge mit grünem oder schwarzen Tee machen. Die Gerbstoffe wirken beruhigend auf die Haut. Auch eine ausgewogene Ernährung hat einen positiven Effekt auf den Krankheitsverlauf. Zur Unterstützung der Abheilung der Haut kannst Du eine Zinkcreme dünn auf die betroffenen Hautstellen auftragen.

Kann ich einer perioralen Dermatitis vorbeugen?

Grundsätzlich gilt: Weniger ist mehr! Du kannst einer perioralen Dermatitis vorbeugen, indem Du auf intensives Pflegen und Schminken Deiner Haut verzichtest. Verwende nur Pflegeprodukte, die Du auch verträgst und ändere Dein Pflegemittel, wenn Du darauf mit Rötungen oder sogar Pusteln reagierst. Auf keinen Fall solltest Du kortisonhaltige Cremes in Deinem Gesicht verwenden, da diese das Auftreten eines Ausschlags begünstigen. Achte auf eine ausgewogene Ernährung und auf genügend Ausgleich im Alltag.
 
Grundsätzlich gilt: Weniger ist mehr! Du kannst einer perioralen Dermatitis vorbeugen, indem Du auf intensives Pflegen und Schminken Deiner Haut verzichtest
 

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Alle nötigen Untersuchungen sowie Medikamente und spezielle Zubereitungen nach ärztlicher Verordnung werden von den Sozialversicherungsträgern bezahlt. Über die jeweiligen Bestimmungen kannst Du Dich über die Website Deines Sozialversicherungsträgers informieren.


Dauer Dauer

Mehrere Wochen

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

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Das Wichtigste zusammengefasst

Eine periorale Dermatitis oder Mundrose ist eine häufig vorkommende, nicht infektiöse, nicht ansteckende Hauterkrankung, die vor allem bei Frauen zwischen 16 und 45 Jahren auftritt


Die typischen Symptome sind Rötungen, Knötchen und Bläschen im Gesicht, die vor allem im Mund-, Nasen- oder Augenlidbereich auftreten


Übertriebene Hautpflege und starkes Schminken zählen zu den Hauptauslösern der Mundrose


Behandelt wird die Mundrose durch Nulltherapie, spezielle Cremes oder Tabletten. Zudem solltest Du auf sämtliche Hautpflegeprodukte verzichten

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