Gliederschmerzen

Schmerzende Glieder haben wohl die meisten von uns schon einmal erlebt. Meistens tritt das unangenehme Ziehen in Armen, Beinen, Händen oder Füßen während einer Erkältung auf und verschlimmert somit das ohnehin schon leidige Krankheitsbild. In den meisten Fällen sind Gliederschmerzen harmlos und verschwinden zusammen mit der zugrunde liegenden Ursache. In manchen Fällen deuten die schmerzenden Glieder aber auch auf eine chronische Ursache hin, die eine gesonderte Behandlung erfordert. Da es sich bei Gliederschmerzen um ein besonders unspezifisches Symptom handelt, muss zunächst die genaue Ursache geklärt werden, ehe man sich für eine Therapie entscheiden kann.


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Zuletzt aktualisiert: 3. August, 2020



ICD-10-GM-2020 M79.6

Was versteht die Medizin unter Gliederschmerzen?

Gliederschmerzen ist ein Sammelbegriff für Schmerzen, die als Muskel-, Gelenk- und/oder Knochenschmerzen in den Extremitäten auftreten. Sie zählen zu den häufigsten unspezifischen Beschwerden in der Allgemeinbevölkerung.
 
Die Schmerzen in Armen und Beinen treten häufig vorübergehend auf und sind in vielen Fällen Anzeichen und Symptom einer akuten Infektion im Körper, welche dieser zu bekämpfen versucht. Neben den Gliederschmerzen ruft eine solche Infektion in der Regel weitere Symptome hervor, wie eine erhöhte Temperatur beziehungsweise Fieber und Kopfschmerzen.
 
Es kann allerdings auch eine Vielzahl an nicht entzündlichen rheumatischen Erkrankungen wie die Fibromyalgie, Hormonstörungen, chronische Infektionen wie Hepatitis C oder auch bestimmte Krebserkrankungen für die Symptome verantwortlich sein und sogar einige schwere Formen von psychischen Krankheiten, wie Depressionen werden mit Gliederschmerzen in Verbindung gebracht. Meistens werden sie von Betroffenen als stechend oder ziehend beschrieben und können mitunter sehr stark sein.

Bei Gliederschmerzen klagen Betroffene über ein schmerzhaftes Ziehen in den Extremitäten.

Wie häufig sind Gliederschmerzen und wer ist besonders davon betroffen?

Mehr als die Hälfte der Frauen leidet in der Zeit während und nach den Wechseljahren neben anderen Beschwerden, wie Schweißausbrüchen, auch unter Schmerzen in Muskeln und Gelenken. Vermutet wird, dass der sinkende Östrogenspiegel verantwortlich ist, denn ähnliche Beschwerden zeigen sich auch bei Frauen, die eine Hormontherapie abrupt abbrechen. Um die Hormonveränderungen als Ursache der Muskel- und Gelenkbeschwerden zu bestimmen, sollte der Arzt vorher andere mögliche Ursachen immer ausschließen.
 
Auch in den Tagen kurz vor der Periode berichten einige Frauen von ausgeprägten Gliederschmerzen, welche vermutlich ebenfalls aus einem kurzzeitig veränderten Hormonhaushalt herrührt. In diesem Fall sprechen Mediziner auch von PMS, dem Prämenstruellen Syndrom, welches neben Gliederschmerzen auch andere Symptome in der Zeit kurz vor der Monatsblutung mit sich bringt.
 
Ein ähnliches hormonelles Ungleichgewicht findet sich zuletzt auch bei Frauen während der Schwangerschaft. Vor allem in den ersten Wochen kommt es häufig zu Gliederschmerzen, zusammen mit anderen typischen Symptomen, wie morgendlicher Übelkeit und starker Müdigkeit.

Was sind die Symptome bei Gliederschmerzen?

Kennzeichnend für die Schmerzen an Muskeln, Knochen oder Gelenken der Extremitäten Arm, Hand, Fuß und Bein sind ein unangenehmes Ziehen, welches sich oft schleichend schlimmer wird und vor allem bei Bewegung, in stärkerer Ausprägung aber auch im Ruhezustand auftritt.
 
Je nach ihrer spezifischen Ursache werden die Gliederschmerzen von anderen Symptomen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Fieber (im Falle eines grippalen Infekts) oder geschwollene und steife Gelenke und Morgensteifheit (im Falle von rheumatischen Erkrankungen) begleitet.
 
Häufig sind Gliederschmerzen selbst ein (unspezifisches) Symptom und gehen auf eine körperliche Ursache zurück, wie eine Infektion, Hormone oder eine Verletzung. Sie können aber auch ein eigenständiges Krankheitsbild beschreiben, wie im Fall von Rheuma. Diese Breite an möglichen Ursachen macht Gliederschmerzen als Symptom sehr unspezifisch.

Welche Ursachen haben akute Gliederschmerzen?

Treten die Schmerzen sehr plötzlich auf oder werden innerhalb weniger Tage stärker, ist dies häufig ein Anzeichen für eine zugrunde liegende organische oder systemische Beeinträchtigung, wie eine Erkältung oder grippale Infektion. Auch bei einer Infektion im Körper, wie im Fall von Masern, Mumps oder Meningoenzephalitis können Gliederschmerzen als Begleitsymptom auftreten und Anzeichen dafür sein, dass Dein Körper gegen Krankheitserreger oder Schadstoffe ankämpft.
 
Auch können die Schmerzen an den Extremitäten durch physische Verletzungen, Verspannungen und Durchblutungsstörungen (etwa nach einer Überbeanspruchung) oder auch bei dauerhafter Fehlbeanspruchung bestimmter Gelenke und Muskeln zurückführen. In diesem Fall sind die Schmerzen lokal auf die betroffene Stelle beschränkt. Auch bei einer starken psychischen Belastung, wie beispielsweise bei Depressionen, wurden Gliederschmerzen als Begleitsymptom gefunden.
 
So können Rücken-, Kopf-, Nacken- oder Gelenkschmerzen aber auch Herzrasen, Schweißausbrüche und Atemnot Ausdruck von besonders belastenden Lebenssituationen, von Stress oder Ängsten und versteckten Depressionen sein.

Ist die Ursache von Gliederschmerzen eine Infektion, können Kopfschmerzen als zusätzliches Symptom auftreten.

Welche Ursachen haben chronische Gliederschmerzen?

Wenn die Schmerzen nicht plötzlich auftreten, sondern sich schleichend entwickeln und langfristig bestehen, spricht man von chronischen Gliederschmerzen. Diese haben eine andere körperliche Ursache als akut einsetzende Schmerzen.
 
Oft zeigen sich Gliederschmerzen beispielsweise als Begleitsymptom bei Gicht, Rheuma und Morbus Bechterew. Je nach Art der rheumatischen Erkrankung können Sehnen, Muskeln, Knochen oder sogar Knorpel schmerzen und sich unter Umständen auch entzünden.

Warum schmerzen Glieder bei einer Erkältung?

Typischerweise setzen Gliederschmerzen bei einer Erkältung etwa ein bis zwei Tage nach der Infektion ein. Das unangenehme Ziehen deutet darauf hin, dass Dein Immunsystem damit begonnen hat, die Krankheitserreger zu bekämpfen. Dabei werden spezielle Botenstoffe, wie zum Beispiel Prostaglandine, ausgeschüttet, die ein wichtiger Teil der Abwehrreaktion und des Heilungsprozesses des Körpers sind. Diese Botenstoffe lösen eine sogenannte entzündliche Antwort aus, was Du wiederum an schmerzenden Gliedern spürst. Hängen Deine Gliederschmerzen also mit einer Erkältung zusammen, sollten diese spätestens mit Abklingen der Erkältung wieder verschwinden.

Wann sollte ich mit Gliederschmerzen zum Arzt gehen?

Treten Gliederschmerzen im Zuge eines grippalen Infekts auf, sollten diese nach einigen Tagen wieder nachlassen. Ähnliches gilt für den Fall von Überanstrengung, Verspannungen oder Verletzungen. Auch hier sollten die Beschwerden, je nach Art und Ausprägung der physischen Belastung, nach einer gewissen Zeit wieder abklingen.
 
Ist dies nicht der Fall und Deine Gliederschmerzen sind lang anhaltend, ohne ausmachbare Ursache oder intensivieren sich, solltest Du einen Arzt aufsuchen und die Ursache abklären lassen. Das gilt auch, wenn Du hohes Fieber bei Dir wahrnimmst, Dich sehr erschöpft und kraftlos fühlst oder unter Schweißausbrüchen und Schüttelfrost leidest.

Wie diagnostiziert der Arzt Gliederschmerzen?

In einem ersten Anamnesegespräch wird der Arzt sich von Dir den genauen Ort, Intensität und Dauer Deiner Schmerzen beschreiben lassen. Wichtig ist auch, dass Du ihm dabei genau sagst, um welche Art von Schmerz es sich handelt, also ob es sich eher ziehend, stechend oder dumpf, pulsierend anfühlt.
 
Nach Abklären bestimmter umweltbezogener Faktoren, wie Dein Sportverhalten oder Deine Belastung am Arbeitsplatz, folgt eine körperliche Untersuchung. Dabei können schon wichtige Hinweise auf die Art der Ursache gewonnen werden. So sind zum Beispiel lokale Entzündungen und Infektionen meist schnell an Rötungen, Schwellungen und den eng umschriebenen Schmerzbereich erkennbar. Ein grippaler Infekt wiederum äußert sich durch erkältungsspezifische Zeichen wie eine erhöhte Körpertemperatur.
 
Vermutet der Arzt eine orthopädische Ursache, also physische Beeinträchtigungen durch Verletzungen, Verspannungen oder Fehlbeanspruchung, können bildgebende Verfahren wie Röntgen oder ein CT eingesetzt werden.

Welche Behandlungs- und Therapieverfahren helfen bei Gliederschmerzen?

Die bei Gliederschmerzen eingesetzte Therapie richtet sich ganz nach der jeweiligen Schmerzursache, die beste Behandlung besteht in der Bekämpfung der zugrunde liegenden Erkrankung. Wenn Deine Gliederschmerzen also auf eine Erkältung oder Grippe zurückzuführen sind, kannst Du kalte Wickel anwenden, um die Schmerzen zu lindern.
 
Auch Schmerzmittel sind eine Möglichkeit, die unangenehmen Beschwerden in den Griff zu bekommen. Hiermit solltest Du grundsätzlich aber eher sparsam umgehen. Wichtig ist auch, dass Du hydriert bleibst, also viel trinkst. Vor allem Tees wie Lindenblütentee und Wasser mit Elektrolyten können helfen. Auch solltest Du Dich schonen, Dich vor allem nicht körperlich anstrengen und viel schlafen.
 
Wenn Deine Gliederschmerzen nicht von einer Erkältung herrühren, sondern Ausdruck einer anderen Grunderkrankung sind, muss diese Erkrankung gezielt therapiert werden. Gegen eine Neuritis beispielsweise helfen Medikamente. Liegt eine orthopädische Ursache vor, hilft die Entlastung des schmerzenden Gelenks oder Muskels. Ein Training zum Ausgleich der überbeanspruchten Stelle, zum Beispiel in Form von Physiotherapie, kann ebenfalls helfen.

Bei Gliederschmerzen kann ein Training zum Ausgleich der überbeanspruchten Stelle helfen.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung von Gliederschmerzen?

Die Kosten für den Arztbesuch zur Diagnosestellung und Therapieeinleitung sowie alle weitere medizinisch notwendigen Schritte, werden von den Krankenkassen übernommen. Lediglich Hausmittel zur Eigenbehandlung der Symptome, etwa bei Erkältung, werden nicht bezahlt.
 


Dauer Dauer

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Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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Das Wichtigste zusammengefasst

Gliederschmerzen ist ein Sammelbegriff für Schmerzen, die als Muskel-, Gelenk- und/oder Knochenschmerzen in den Extremitäten auftreten und oft als ziehend beschrieben werden.


Sie treten häufig vorübergehend auf und sind in vielen Fällen Anzeichen und Symptom einer akuten Infektion im Körper, welche dieser zu bekämpfen versucht.


Besonders betroffen sind Frauen während der Schwangerschaft, während der Wechseljahre oder in den Tagen kurz vor der Menstruation (PMS). In diesen Phasen durchläuft der Körper starke hormonelle Veränderungen in kurzer Zeit, genauer sinkt der Östrogenspiegel, was vermutlich mit den stechenden Gliedern in Verbindung steht.


Die Therapie richtet sich ganz nach der Diagnose. Je nach zugrunde liegender Erkrankung, Verletzung oder sogar starken psychischen Belastungen, im Falle von Depressionen, wird eine andere Behandlung eingeleitet.

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