Coxarthrose

Jedes Jahr bekommen 15.000 Personen in Österreich ein künstliches Hüftgelenk implantiert. Häufigster Grund dafür ist eine Arthrose des Hüftgelenks, die Coxarthrose, bei der der Knorpel von Hüftkopf und/oder Hüftpfanne beschädigt ist. Verursacht im Frühstadium der Erkrankung eine Abnutzung des Knorpels oftmals keine Beschwerden, können in einem fortgeschrittenen Stadium Betroffene erheblich in ihrem Alltag beeinträchtigt sein.


AUTOR

Medizinischer Experte

CO-AUTOR

Online-Redaktion

Dieser Text wurde nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Medizinern geprüft.


Zuletzt aktualisiert: 5. Juni, 2020



Hinweis: Dieser Beitrag dient zur Information über die Coxarthrose. Es ist jedoch möglich, dass einzelne der hier aufgeführten Leistungen noch nicht von unseren Ärzten angeboten werden. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, Dir bald für weitere Behandlungsfelder einen Spezialisten bieten zu können. Bei Fragen zu unserem Leistungsspektrum kannst Du Dich gerne jederzeit bei uns melden!

Was versteht die Medizin unter einer Coxarthrose?

Unter einer Coxarthrose, auch als Hüftgelenksarthrose bezeichnet, verstehen medizinische Experten eine verschleißbedingte Erkrankung des Hüftgelenks. Sie stellt vor der Kniearthrose die häufigste Form der Arthrose beim Menschen dar. Das Hüftgelenk setzt sich aus Hüftgelenkspfanne (vom Beckenknochen gebildet) und Hüftgelenkskopf (vom Oberschenkelknochen gebildet) zusammen. Die Gelenkflächen sind von Knorpel überzogen, der sich durch ständige Belastung zunehmend abnutzt, dünner wird und stellenweise einreißt. In der Folge steigt der Druck auf den darunter liegenden Knochen.

Coxarthrose

Wie sehen die Symptome der Coxarthrose aus?

Im Allgemeinen verläuft eine Hüftarthrose schleichend, sodass Betroffene oft lange Zeit symptomlos bleiben. Erste Beschwerden einer Coxarthrose äußern sich in Form von Anlaufschmerzen. Darunter sind Schmerzen zu verstehen, die Betroffene bei den ersten Schritten verspüren, aber dann wieder nachlassen. Im weiteren Verlauf der Erkrankung bestehen die Schmerzen dann oftmals dauerhaft und sogar im Ruhezustand. Insbesondere bei ungünstiger Lagerung der Hüfte klagen viele Patienten über Schmerzen der Hüfte. Weiterhin nimmt die Beweglichkeit und Belastbarkeit des Hüftgelenks immer weiter ab, wodurch sich das Bein dann nicht mehr wie gewöhnlich beugen und strecken lässt und die Ausführung von Spreiz- und Drehbewegungen Probleme bereitet. Mitunter können die Beschwerden auch von der Leistengegend bis in das Gesäß und das Kniegelenk ausstrahlen.

Welche Ursache hat die Erkrankung?

Anhand der Ursache der Erkrankung unterscheiden Mediziner eine primäre von einer sekundären Hüftarthrose. Die primäre Form ist angeboren, die Ursache lässt sich also nicht auf eine erst auftretende Erkrankung zurückführen. Von einer sekundären Form sprechen Mediziner hingegen, wenn eine Erkrankung für eine Schädigung des Gelenkknorpels verantwortlich ist. Darunter fallen zum Beispiel Infektionen oder rheumatische Erkrankungen des Hüftgelenks, aber auch Stoffwechselerkrankungen und Verletzungen des Hüftgelenks können zu einer Coxarthrose führen.

Wie diagnostiziert ein Arzt Coxarthrose?

Bei Verdacht auf eine Coxarthrose stellt Dir Dein behandelnder Arzt Fragen in Bezug auf den Verlauf der Schmerzen sowie etwaige Vorerkrankungen, Unfälle und Fehlstellungen im Bewegungsapparat. In einer anschließenden körperlichen Untersuchung prüft er die Beweglichkeit und Schmerzempfindlichkeit des Hüftgelenks. Weiterhin achtet er auf Auffälligkeiten in Haltung und Gang. Darunter zählen zum Beispiel Fehlstellungen, untypische Bewegungsabläufe oder eine Schonhaltung Deinerseits. Zusätzliche Untersuchungen wie die der Lendenwirbelsäule und der Kniegelenke können dem Mediziner Aufschluss darüber geben, ob möglicherweise eine andere Erkrankung wie ein Bandscheibenvorfall vorliegt. Für die Diagnose einer Coxarthrose stehen Deinem Arzt des Weiteren bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall und Magnetresonanztomografie (MRT) zur Verfügung. Eine Röntgenuntersuchung kann dem Mediziner Hinweise auf eine mögliche ursächliche Erkrankung liefern und es lässt sich das Ausmaß des Gelenkverschleißes beurteilen. Bei unklarem Befund können ergänzend eine Ultraschalluntersuchung und/oder ein MRT vorgenommen werden.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Am häufigsten sind Personen über dem 50. Lebensjahr von einer Coxarthrose betroffen, womit ein hohes Lebensalter den größten Risikofaktor überhaupt darstellt. Zwar ist eine nachlassende Funktion des Hüftgelenks mit zunehmendem Alter normal, wenn jedoch Belastbarkeit und Leistung des Hüftgelenks hinter der altersgerechten Erwartung zurückbleiben, ist dringend eine Therapie angeraten. Zu einem Gelenkverschleiß können ebenfalls schwere berufliche Belastung, Leistungssport sowie Übergewicht führen. Ein größeres Risiko an einer Coxarthrose zu erkranken, haben des Weiteren im allgemeinen Frauen, da ihre Gelenkknorpel im Vergleich zu denen von Männern nicht so großen Belastungen standhalten. Außerdem leiden sie häufiger an einer Hüftdysplasie.

Coxarthrose

Welche Folgen hat die Hüftgelenksarthrose für die Patienten?

Erkennbar ist eine Coxarthrose dabei an einem charakteristischen Schonhinken an der von der Knorpelschädigung betroffenen Seite. Durch eine Fehl- oder Schonhaltung kommt es zu einer Verkürzung von Bändern, Sehnen und Muskeln, die sich in unmittelbarer Nähe des Hüftgelenks befinden. Im fortschreitenden Verlauf der Erkrankung, ohne entsprechende Behandlung, sind Betroffene erheblich in ihrem Alltag eingeschränkt. Selbst einfache Tätigkeiten wie das Anziehen von Schuhen, das Gehen normaler Strecken ohne Schmerzen und das Hinabsteigen von Treppen bereiten Schwierigkeiten.

Welche Stadien gibt es bei einer Coxarthrose?

Anhand des Verlaufs einer Coxarthrose differenzieren Mediziner vier Stadien. Das erste Stadium ist durch eine strukturelle Veränderung des Gelenkknorpels gekennzeichnet, wobei dieser noch seine Pufferfunktion erfüllen kann. Im zweiten Stadium ist die Beschädigung des Knorpels sichtbar, der Knorpelüberzug über den beteiligen Knochen jedoch noch intakt. Im dritten Stadium zeigen sich bereits Veränderungen der Knochenstruktur, vorhandene Risse ziehen durch die gesamte Dicke der Knorpelschicht. Im vierten Stadium ist die Knorpelschicht an vielen Stellen komplett abgerieben, wodurch die Knochen direkt aneinander reiben können. In der Folge versteift die Hüfte nun vollständig und es bestehen Schmerzen.





Welche nicht-operativen Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Nicht-operative Behandlungsmaßnahmen haben das Ziel, eine mechanische Entlastung des betroffenen Hüftgelenks zu erreichen und Schmerzen von Betroffenen zu lindern. In einem frühen Stadium der Coxarthrose kommen regelmäßige physiotherapeutische Maßnahmen zur Anwendung, die der Kräftigung der Muskeln und der Korrektur falscher Bewegungsabläufe dienen. Betroffene lernen ebenfalls, wie sie ihre Gelenke im Alltag durch entsprechende Verhaltensmuster selbst entlasten können. Als weitere entlastende Maßnahmen des Gelenks können eine Unterarmgehstütze und Orthesen sowie weitere orthopädische Hilfsmittel zum Einsatz kommen.

Mithilfe von physikalischen Therapien wie einer Wärme- oder Fototherapie lassen sich zusätzlich muskelentspannende und schmerzlindernde Effekte erzielen. Eine medikamentöse Behandlung dient ebenfalls der Schmerzlinderung und wird vor allem in aktivierten entzündlichen Phasen durchgeführt, um Entzündungen im Gelenk zu therapieren. Häufig dabei verschriebene Medikamente sind orale nichtsteroidale Antiphlogistika oder alternativ kortisonhaltige Salben.


Welche Hausmittel können bei Coxarthrose helfen?

Zur Entspannung der um das Gelenk befindlichen Muskulatur können sanfte Massagen mit Olivenöl oder Kokosöl helfen. Ingwer wirkt schmerzlindernd, entzündungshemmend sowie abschwellend und kann sich daher als Tee zubereitet oder als Zugabe zu Speisen positiv auf die Beschwerden einer Coxarthrose auswirken. Weiterhin haben Gerstengras, Kurkuma und Apfelessig einen entzündungshemmenden Effekt und entsprechende Zubereitungen daraus kannst Du als ergänzende Behandlung einer Hüftarthrose verwenden. Allgemein empfehlen wir Dir, ausreichend zu trinken und Dich nährstoffreich zu ernähren, um die Funktion der Gelenkflüssigkeit zu verbessern.

Wann muss eine Coxarthrose operiert werden?

Bei fortgeschrittenem Verschleiß des Hüftgelenks, der Betroffene durch die bestehenden Schmerzen im Alltag enorm beeinträchtigen kann, ist eine Operation meist unumgänglich. 
Je nachdem, wie stark der Gelenksdefekt dabei ausgeprägt ist, kann entweder nur ein Teil oder das ganze Gelenk operativ durch eine Prothese ersetzt werden. Zudem besteht die Möglichkeit im frühen Stadium der Erkrankung kleine Eingriffe am Gelenk vorzunehmen. Bei diesen minimal-invasiven Eingriffen, die sich unter dem Begriff Hüftarthroskopie zusammenfassen lassen, kann der Chirurg mit gelenkerhaltenden Maßnahmen wie der Behandlung von Strukturschäden am Knochen einem weiteren Verschleiß vorbeugen.

Coxarthrose

Was muss ich vor einer Operation beachten?

Vor einer Operation solltest Du mittels Physiotherapie Deine Muskulatur im erkrankten Bereich aufbauen und die Durchblutung fördern. Derartige Maßnahmen beschleunigen die Heilung nach dem Eingriff und verringern die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von postoperativen Komplikationen. Weiterhin bekommst Du kurz vor der Operation von Deinem Arzt ein Antibiotikum verschrieben, das der Vorbeugung von Infektionen der Wunde oder der Knochen dient. Etwa 14 Tage vor dem Eingriff solltest Du Medikamente, welche sich auf Deine Blutgerinnung auswirken können, ansetzen. Dazu gehören beispielsweise Aspirin, Plavix, ASS, Thrombo ASS oder Marcoumar. Du solltest ebenfalls auf den Konsum von Nikotin und Alkohol verzichten, da sich das negativ auf Deine Wundheilung auswirken kann.

Wie verläuft die Operation bei einer Coxarthrose?

Eine der häufigsten durchgeführten Operationen zur Behandlung einer Coxarthrose ist die Implantation eines künstlichen Hüftgelenks. Dieser Eingriff erfolgt in den meisten Fällen unter Vollnarkose. Unter Umständen lässt er sich auch minimal-invasiv durchführen. Ziel der Operation ist es, das natürliche Gelenk zu entfernen und anschließend das künstliche Gelenk einzusetzen. Dafür positioniert Dich das Operations-Team in Seitenlage der nicht zu operierenden Seite. Vordere und hintere Beckenstützen halten das Becken und das zu operierende Bein liegt in einer Beinlagerschale. Der Chirurg setzt nun einen Hautschnitt an der betroffenen Hüfte und klappt anschließend die Muskulatur zur Seite, um freie Sicht auf das Gelenk zu bekommen. Im nächsten Schritt eröffnet er das Gelenk und entfernt die betroffenen Teile des Gelenks. Daraufhin bringt er die Teile des künstlichen Hüftgelenks in den Knochen ein, verankert diese sicher und befestigt sie gegebenenfalls zusätzlich mit Zement. Anhand von Röntgenbildern lässt sich der korrekte Sitz der Hüftprothese kontrollieren. Letztlich näht der Mediziner das eröffnete Operationsgebiet wieder zu.

Was muss ich nach der Operation beachten?

Bereits kurz nach dem operativen Eingriff beginnt im Krankenhaus die Frühmobilisation, bei der Du unter Anleitung eines Physiotherapeuten Übungen durchführst, die der Bewegung, Belastung und Kräftigung des Hüftgelenks dienen. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus schließt sich eine Rehabilitation an, in der Du das Hüftgelenk nach genauen Vorgaben belastest und bewegst, sowie Muskeln gezielt trainierst. Ziel hierbei ist es, mögliche Komplikationen zu verhindern und Dich wieder an Deine gewohnten Tätigkeiten heranzuführen.

Des Weiteren finden regelmäßige Kontrolluntersuchungen statt, in denen unter anderem der Zustand des künstlichen Hüftgelenks überprüft wird. Dadurch kann Dein Arzt etwaige Abnutzungen oder Lockerungen frühzeitig erkennen, wodurch der Umfang eines erneuten Eingriffs möglichst gering gehalten werden kann.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Wie auch bei anderen operativen Eingriffen können beim Einsetzen einer Hüftprothese Komplikationen auftreten. Bei einigen Patienten kommt es zur Lockerung oder Verschiebung des künstlichen Gelenkersatzes, wodurch eine neuerliche Operation notwendig ist. Des Weiteren besteht bei einem künstlichen Hüftgelenk gegenüber einem normalen Hüftgelenk ein erhöhtes Risiko einer Luxation (Gelenksverrenkung des Hüftkopfes). Außerdem kann es zu einem Knochenbruch um die Prothese kommen. In einigen Fällen sind die Beine nach dem medizinischen Eingriff nicht mehr gleich lang, weshalb dann das Tragen von Schuhen mit ausgleichenden Sohlen notwendig werden kann. Weitere Komplikationen umfassen eine Nervenverletzung, Thrombose, Allergie auf Zement oder Metall sowie Infektionen des Knochens. In der Regel verläuft die die Operation jedoch komplikationslos ab.

Kann ich die Coxarthrose vorbeugen?

Einer Hüftarthrose kannst Du in verschiedener Weise vorbeugen. Wichtig ist es, Deine Gelenke bis ins hohe Alter gesund zu halten. Dafür empfehlen wir Dir, regelmäßig gelenkschonende Bewegungen wie Radfahren, Walking oder Schwimmen zu betreiben. Weniger gut geeignet sind hingegen Sportarten wie Tennis oder Fußball, da diese das Hüftgelenk stark beanspruchen. Auch gesundheitsförderndes Muskeltraining kann zu einer Entlastung der Gelenke führen und dabei helfen, Fehlstellungen und Schonhaltungen zu korrigieren. Weiterhin wirken sich eine Reduktion von Übergewicht sowie eine ausgewogene, gesunde Ernährung positiv auf Deine Gelenke aus. Bei bereits bestehenden Fehlstellungen oder Erkrankungen der Hüfte solltest Du diese frühzeitig behandeln lassen, um einer Coxarthrose als Folgeerkrankung vorzubeugen. Da manche Menschen unterschiedlich lange Beine haben, sollte eine solche Beinlängendifferenz unbedingt durch Schuheinlagen oder andere orthopädische Hilfsmittel ausgeglichen werden.

Coxarthrose

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten aller erforderlichen Diagnose- und Behandlungsmaßnahmen.

 

Quellen

Wülker, N. (Hrsg.) (2010): Orthopädie und Unfallchirurgie. 2. Auflage. Stuttgart

Tschauner, C.: Orthopädie und orthopädische Chirurgie: das Standardwerk für Klinik und Praxis. Becken, Hüfte: 114 Tabellen, Georg Thieme Verlag, 2004

Putho, A. (2014): Komplikationen nach Gelenkersatz. In: EbM-Guidelines


Dauer Dauer

60-120 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu 6 Wochen

Stationärer Aufenthalt Stationär

1-2 Wochen

Das Wichtigste zusammengefasst

Eine Coxarthrose bezeichnet eine verschleißbedingte Erkrankung des Hüftgelenks


Zu Beginn der Erkrankung treten typischerweise Anlaufschmerzen auf. Im weiteren Verlauf bestehen die Schmerzen dauerhaft. In der Folge kommt es zu erheblichen Bewegungseinschränkungen


Nicht-operative Behandlungsmethoden beinhalten physiotherapeutische und physikalische Maßnahmen, orthopädische Hilfsmittel sowie eine medikamentöse Schmerztherapie


Eine der häufigsten durchgeführten Operationen zur Behandlung einer Coxarthrose ist die Implantation eines künstlichen Hüftgelenks

Arzt finden