Reiterhosen

Reiterhosen sind hartnäckige Fettansammlungen an den Außenseiten der Oberschenkel, die in den meisten Fällen Frauen betreffen. Männer sind aufgrund ihrer anderen Gewebestruktur extrem selten betroffen. Reiterhosen lassen sich durch gezieltes Training und angepasste Ernährung nur sehr schwer reduzieren, weshalb auch sehr sportliche Frauen mit einem trainierten Körper unter Reiterhosen leiden können. In der Regel sind Reiterhosen genetisch bedingt, was auch für Cellulite im Bereich der Oberschenkel und am Po sorgen kann. Wenn sich durch Sport und eine Diät keine Erfolge mehr einstellen, ist ein medizinischer Eingriff zur Entfernung der Reiterhosen notwendig. Dadurch kann sich der Umfang der Oberschenkel sowie Cellulite verringern und eine schlankere Silhouette bilden.


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Zuletzt aktualisiert: 15. Juni, 2020



ICD-10-GM-2020 R60.9

Was versteht die Medizin unter Reiterhosen?

Das Reiterhosen-Syndrom hat in der medizinischen Fachsprache den Namen Lipödem. Es handelt sich um eine symmetrische Fettverteilungsstörung an den Beinen und Armen, die durch eine Vermehrung und Vergrößerung der Fettzellen im lokalen Unterhautfettgewebe zustande kommt.
 
In späteren Stadien kommt es zusätzlich zu einer mehr oder weniger starken Wassereinlagerung aufgrund zunehmend brüchiger und durchlässiger Gefäße. So kann es im Verlauf zu einer starken Umfangsvermehrung kommen. Das Reiterhosen-Syndrom zeichnet sich im Gegensatz zur Fettleibigkeit durch einen äußerst unangenehmen Druckschmerz in den betroffenen Körperbereichen aus.

Was ist der Unterschied zwischen Lipödemen und Reiterhosen?

Bei Reiterhosen handelt es sich um eine krankhafte Veränderung des Fettgewebes unter der Haut, also um ein Lipödem. Die Fettverteilungsstörung kann im fortgeschrittenen Stadium auch andere Körperteile betreffen. Reiterhosen sind also ein Lipödem, welches (bislang) nur die Außenseiten der Oberschenkel betrifft.

Unter Reiterhosen versteht die Medizin Fettpölsterchen an den Oberschenkeln, dem Gesäß und an den Hüften.

Was sind die Anzeichen für Reiterhosen?

Neben der Fettansammlung an Oberschenkeln, Gesäß und Hüften gibt es noch andere Symptome, die auf Reiterhosen hinweisen. Typisch ist ein symmetrisches Auftreten der Symptome. Auch die Beine können sich extrem schwer anfühlen. Die betroffenen Bereiche sind besonders empfindlich und reagieren schon auf geringen Druck mit Schmerzen. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es dann zunehmend zu oben beschriebenen Wassereinlagerungen.

Welche Ursachen haben Reiterhosen?

Meistens entstehen Reiterhosen in bestimmten Lebensphasen, zum Beispiel in der Pubertät, in der Schwangerschaft oder in der Menopause. Das liegt daran, dass es in diesen Phasen zu starken hormonellen Umstellungen kommt. Man nimmt daher bislang an, dass die Ursachen der Reiterhosen hormonell und genetisch bedingt sind, die tatsächliche und spezifische hormonelle Ursache ist allerdings bislang unentdeckt.
 
Man vermutet eine deutliche Beteiligung des weiblichen Hormons Östrogen, da man weiß, dass Fettzellen auf ihrer Oberfläche Andockstellen (Rezeptoren) besitzen, die auf das Hormon reagieren. So gehen Mediziner davon aus, dass das Verhältnis von Lymphbildung und Lymphtransport in den Lymphgefäßen durch eine hormonelle Dysbalance in eine Schieflage gerät und daher nicht mehr reibungslos funktioniert.

Wie können Reiterhosen entfernt werden?

Um Reiterhosen zu entfernen, stehen Dir und Deinem Arzt verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Heutzutage haben sich die Fettabsaugung sowie die Fett-weg-Spritze bewährt. Die gängigere Methode, um Reiterhosen zu entfernen, ist die Fettabsaugung, die auch unter dem Namen Liposuktion bekannt ist. Dabei gibt es verschiedene Techniken. Eine Liposuktion sorgt für eine effektive Straffung der Oberschenkel.
 
Die klassische Fettabsaugung arbeitet meist mit der sogenannten Tumeszenzmethode, bei welcher der Arzt eine relativ große Menge Tumeszenzlösung in das Fettgewebe spritzt. Die mit Betäubungsmitteln versetzte Lösung sorgt dafür, dass sich die Fettzellen verflüssigen, wodurch der Arzt sie dann leicht aus dem Gewebe lösen und mithilfe von Kanülen absaugen kann.
 
Abgesehen von diesem klassischen Vorgehen gibt es noch weitere Techniken der Fettabsaugung zur Behandlung der Reiterhosen. Eine ultraschall-assistierte Liposuktion kann das Herauslösen und Verflüssigen der Fettzellen durch Ultraschall unterstützen und so das Absaugen der Fettdepots erleichtern.

Die Fettabsaugung ist die gängigste Methode zur Behandlung von Reiterhosen.

Ähnlich arbeitet auch die Bodyjet-Methode der Fettabsaugung. Dabei handelt es sich um eine wasserstrahl-assistierte Technik der Liposuktion, die ebenfalls Fettzellen aus dem Gewebe herauslöst. Anschließend saugt der Arzt das Fett ab, entfernt so die Reiterhosen und lässt die Oberschenkel deutlich schmaler und straffer erscheinen.
 
Eine nicht-operative Methode der Fettentfernung bietet die Fett-weg-Spritze. Im Gegensatz zu der Fettabsaugung erfordert diese Methode keinen chirurgischen Eingriff. Bei der Behandlung mit der Fett-weg-Spritze, die auch unter dem Namen Injektionslipolyse bekannt ist, spritzt der Arzt einen Wirkstoff namens Phosphatidylcholin in das Fettgewebe, der dafür sorgt, dass sich die Fettzellen auflösen. Der Körper transportiert dann die aufgelösten Fettzellen ab und scheidet sie aus.
 
Im Gegensatz zu den klassischen Methoden ist hier keine Fettabsaugung nötig und die Reiterhosen lassen sich schonend verkleinern. Bis ein zufriedenstellendes Ergebnis erreicht ist, können mehrere Behandlungen nötig sein. Zwischen den einzelnen Behandlungen sollte jedoch genug Zeit liegen, damit sich der Körper ausreichend erholen kann. Wichtig ist allerdings anzumerken, dass sich die Injektionslipolyse nur für kleine Fettdepots eignet und daher nicht als Ersatz zur Fettabsaugung angesehen werden sollte.

Wie läuft eine Fettabsaugung der Reiterhosen ab?

Zunächst führst Du ein Gespräch mit Deinem Arzt, in welchem er Dich zu den verschiedenen Techniken, dem gewählten Verfahren sowie zu den Möglichkeiten, Grenzen und Risiken einer Fettabsaugung berät. Wie bei allen anderen plastisch-chirurgischen Eingriffen solltest Du auch bei der Fettabsaugung zwei Wochen vor der Operation auf das Rauchen und die Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten wie Aspirin verzichten.
 
Wenn Du zu Blutergüssen neigst, ist es von Vorteil einige Tage vorher keine Schmerzmittel wie nicht-steroidale-Antirheumatika (z. B. Ibuprofen oder Diclofenac) einnimmst. Die Paracetamol-Einnahme ist kein Problem.
 
Vor der Operation markiert der Arzt die entsprechenden Areale auf Deiner Haut mit einem Stift. Außerdem betäubt er die zu behandelnde Körperpartie mit der Tumeszenz-Lokalanästhesie, indem er ein Lokalanästhetikum in das Unterhautfettgewebe injiziert. Diese Form der örtlichen Betäubung weist ein deutlich geringeres Risiko als eine Vollnarkose auf und ist daher auch das Mittel der Wahl. Mithilfe feiner Kanülen saugt der Arzt dann das überschüssige Körperfett ab. Die Fettabsaugung dauert je nach Umfang und Technik eineinhalb bis vier Stunden.
 
Nach dem Eingriff legt Dir das OP-Team Kompressionswäsche an den abgesaugten Arealen an, welche Du die nächsten sechs Wochen tragen sollst. Wenn Du Schmerzen hast, stellt Dir das Team auch schmerzstillende Medikamente bereit. Etwa nach drei Tagen kannst Du wieder Deinen gewohnten Aktivitäten nachgehen, nur auf Sport solltest Du etwa zwei Wochen lang verzichten.

Welche Komplikationen können bei der Behandlung von Reiterhosen auftreten?

Da es sich, unabhängig von der gewählten Methode, um einen medizinischen Eingriff handelt, können auch bei der Entfernung der Reiterhosen Komplikationen auftreten. Allerdings treten sie nur selten auf und lassen sich in der Regel durch die strenge Einhaltung aller Hygiene- und Sicherheitsvorschriften gut kontrollieren.
 
Nach den Behandlungen zur Fettentfernung kann es zu leichten Schwellungen, Rötungen und Blutergüssen kommen. Dies ist normal und geht mit der Zeit von selbst wieder zurück. Außerdem besteht immer ein gewisses Risiko für Infektionen, welches jedoch durch sauberes Arbeiten auf ein Minimum reduziert werden kann.
 
Eine mögliche Komplikation der Fett-weg-Spritze ist, dass Betroffene möglicherweise nicht auf den injizierten Wirkstoff reagieren und es daher nicht zu der gewünschten Lipolyse und einem Ausbleiben des gewünschten Ergebnisses kommt. Häufig bilden sich kleinere Hämatome oder Schwellung nach der Behandlung, die jedoch nach wenigen Tagen von selbst verschwinden.
 
In seltenen Fällen kann es auch zu Abszessen oder einem Absterben des betroffenen Gewebes mit anschließender unschöner Narbenbildung kommen. Dies ist jedoch äußerst selten und vor allem nur bei nicht korrekt eingehaltenen Hygienemaßnahmen und größeren Fettdepots beobachtet worden. Wichtig ist deshalb, diese Art der Behandlung nur von speziell geschultem medizinischen Personal durchführen zu lassen.

Ausdauersport wie Joggen eignen sich besonders gut, um Reiterhosen zu bekämpfen.

Welche Sportarten und -übungen helfen bei Reiterhosen?

Jede Art von intensivem Cardio- beziehungsweise Ausdauertraining in Verbindung mit Kräftigungsübungen ist hilfreich, um Fett ab- und Muskeln aufzubauen. Außerdem stärken die Übungen das Bindegewebe und straffen die Haut. Hierbei gilt: je intensiver das Training, desto besser.
 
Bei Reiterhosen sind bestimmte Ausdauersportarten besonders geeignet. Dazu gehören zum Beispiel Walken mit und ohne Gewichtsmanschetten, Nordic Walking, Fahrradfahren in hügeligem Gelände, Step-Aerobic, Zumba und Joggen. Außerdem ist auch Schwimmen zu empfehlen, wobei Du Deinen Schwimmstil regelmäßig ändern solltest. Auch Laufen auf dem Crosstrainer im Wechsel mit Training auf dem Stepper kann helfen, die Fettpölsterchen zu verkleinern.
 
Zum Aufbau der Muskulatur und damit zur Straffung benötigst Du lediglich ein Widerstandsband und etwa drei Mal pro Woche 15 bis 20 Minuten Zeit. Passende Übungen wie Squat Jacks, Single Leg Hip Raises, Donkey Kicks, Side Lunges und Side-Lying Led Lifts findest Du zum Beispiel im Internet.

Welche Ernährung ist bei Reiterhosen die richtige?

Achte auf eine proteinreiche Ernährung mit viel gesunden Fetten wie Fisch, Eiern, fermentierten Milchprodukten wie Joghurt und magerem Fleisch. Dazu solltest Du ausreichend Obst und Gemüse zu Dir nehmen. Vermeide beziehungsweise verringere dagegen Deine Kohlenhydratmengen, süße und mit transfetten belastete Lebensmittel wie Pommes, Chips sowie Alkohol.
 
Manche Menschen schwören außerdem auf Intervallfasten. Hier gibt es verschiedene Modelle wie zum Beispiel 16:8 (16 Stunden fasten, 8 Stunden essen). Falls Du diese Art der Ernährung ausprobieren möchtest, ist es wichtig, Dir das für Deine Lebensumstände passende Modell heraus zu suchen. Solltest Du nicht gesund sein, sondern an einer Erkrankung wie Diabetes leiden, ist es wichtig, jede Ernährungsumstellung mit Deinem behandelnden Arzt zu besprechen.

Können Massagen bei Reiterhosen helfen?

Die konservative Therapie der Reiterhosen nennt sich auch komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE) und umfasst regelmäßige Lymphdrainagen, unterstützt durch das dauerhafte Tragen von Kompressionsstrümpfen. Durch die KPS versucht der Therapeut, das Fettgewebe sozusagen auszupressen.
 
Die Lymphdrainage ist nur dann erfolgreich, wenn Du sie zwei- bis dreimal pro Woche durchführen lässt. Allerdings solltest Du bei dieser Methode keine vollständige Heilung erwarten, sondern lediglich eine Besserung, da sich das Lipödem ständig nachbildet, weshalb es oft einer lebenslangen Behandlung bedarf. Neben der konservativen Therapie können natürlich auch andere Arten von Massagen helfen.

Was kann ich zusätzlich gegen Reiterhosen tun?

Um das Gesäß und die Oberschenkel zu straffen, kannst Du zusätzlich noch viel tun! Wechselduschen, bei welchen der Wasserstrahl möglichst hart eingestellt sein sollte, sowie Salz-Peelings unter Verwendung basischen Kristallsalzes können helfen, Reiterhosen zu verringern. Auch Anti-Cellulite-Massagen mit Cremes oder Ölen eignen sich gut, da sie die Durchblutung anregen. Die Cremes und Öle enthalten meist Wirkstoffe wie Koffein, Guarana, Ginkgo, L- Carnitin oder Rosskastanienextrakt. Alle diese Wirkstoffe sollen die Mikrozirkulation anregen und den Fettabbau stimulieren.
 
Wichtig ist es aber, dass Du Dir nicht zu viel versprichst, da sie nur unterstützend wirken und eine gesunde Ernährung sowie regelmäßigen Sport nicht ersetzen. Das Ergebnis ist außerdem stark vom Grad der Reiterhosen abhängig. Achte unbedingt darauf, dass Du ausreichend trinkst, am besten eineinhalb bis zwei Liter stilles Wasser im Wechsel mit ungesüßtem Tee.

Achte bei Reiterhosen auf eine proteinreiche und ausgewogene Ernährung.

Kann ich Reiterhosen vorbeugen?

Da die Auslöser für die Bildung eines Lipödems – also auch der Reiterhosen – nicht eindeutig bekannt sind, ist eine Vorbeugung sehr schwierig. Sport und Diäten helfen nur sehr begrenzt, trotzdem solltest Du auf eine gesunde Lebensweise mit einer ausgewogenen Ernährung und viel Bewegung achten.

Wie viel kostet die Behandlung von Reiterhosen?

Die Kosten für die Entfernung der Reiterhosen hängen von der gewählten Methode der Fettentfernung ab. Zusätzlich variieren sie von Patient zu Patient, da die Reiterhosen unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Aus diesem Grund hat der Umfang der Operation einen Einfluss auf die Kosten. Dazu kommen noch unterschiedlich hohe Kosten für das Honorar des Arztes, die gewählte Klinik und mögliche Materialkosten.
 
Eine Fettabsaugung kann bis zu 3.000 Euro und mehr kosten, eine Behandlung mit der Fett-weg-Spritze bis zu 600 Euro. Beachte allerdings, dass der Arzt die Behandlung gegebenenfalls wiederholen muss, wodurch weitere Kosten anfallen.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Behandlung von Reiterhosen?

Die Krankenkassen übernehmen nur die konservative Behandlung der Reiterhosen. Eine operative Therapie hingegen musst Du in aller Regel selbst zahlen. Frage trotzdem bei Deinem Versicherungsträger nach, da es natürlich in manchen Fällen auch Ausnahmen geben kann.


Dauer Dauer

Je nach Behandlungsmethode

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu 3 Tage

Stationärer Aufenthalt Stationär

Maximal 1 Tag

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Dr. med. Daniel Lonic, MD (USA), FEBOPRAS

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Dr. (Univ. Aleppo) Nizar Yassine

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Dr. med. Volker Alt

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Das Wichtigste zusammengefasst

Reiterhosen sind hartnäckige Fettansammlungen an den Außenseiten der Oberschenkel, die sich auch durch Sport und Diäten kaum verringern lassen


Reiterhosen sind eine Art des Lipödems, welches sich auf die Außenseiten der Oberschenkel beschränkt


Zur Behandlung der Reiterhosen stehen die Fettabsaugung und die Fett-weg-Spritze zur Verfügung, konservative Therapien bringen lediglich eine Verbesserung und müssen oft lebenslang angewendet werden


Durch bestimmte Sportarten und Übungen, sowie eine gesunde Lebensweise kannst Du den Reiterhosen zumindest ein wenig entgegenwirken, außerdem kannst Du Dein Gesäß und Deine Oberschenkel durch Wechselduschen, Salz-Peelings, Anti-Cellulite-Massagen und ausreichend Wasserzufuhr straffen

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