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MOOCI › Allgemeine Dermatologie › Neurodermitis (Atopische Dermatitis)
Neurodermitis (Atopische Dermatitis)

Neurodermitis (Atopische Dermatitis)

Rund 15 Prozent aller Menschen sind im Laufe ihres Lebens von Neurodermitis betroffen, was sie zu einer der häufigsten Hauterkrankungen überhaupt macht.

Dauer
5-30 Minuten (je nach Behandlung)
Klinik
Nicht notwendig
Ausfallzeit
Keine
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Was ist Neurodermitis?

Unter dem Begriff Neurodermitis, auch als atopische Dermatitis oder atopisches Ekzem bezeichnet, versteht man eine chronisch bestehende, entzündliche Erkrankung der Haut. Genaue Ursachen und Entstehungsmechanismen sind bis heute nicht vollständig verstanden. Man geht von einem komplexen Zusammenspiel vieler Faktoren aus. Zentral ist dabei der immunologische Entzündungsprozess; häufig wird zudem diskutiert, dass autoimmune Prozesse beteiligt sein könnten.

Neurodermitis (Atopische Dermatitis) - Was ist Neurodermitis? KI-generiertes Bild

Was ist unter einer Autoimmunerkrankung zu verstehen?

Bei einer Autoimmunerkrankung handelt es sich um einen Überbegriff für eine Vielzahl an Krankheitsbildern, bei denen das Immunsystem fälschlicherweise auf körpereigene Strukturen reagiert und dabei einen Entzündungsprozess auslöst. Wie und wann genau eine Erkrankung ausbricht, ist ebenfalls nicht vollständig verstanden. Angenommen wird eine genetische Prädisposition, durch die es – begünstigt durch unterschiedliche Umweltfaktoren, durchgemachte Erkrankungen sowie hormonelle oder mikrobielle Faktoren – zur Aktivierung und zum Ausbruch kommen kann.

Neurodermitis oder doch nur trockene Haut?

Neurodermitis (Atopische Dermatitis) - Neurodermitis oder doch nur trockene Haut?

Das Vorhandensein von trockener Haut gilt nicht als Krankheit, sondern als Symptom. Trockene Haut kann durch viele unterschiedliche Faktoren bedingt sein. Diese reichen von äußeren Einflüssen wie Kälte und Lufttrockenheit über leicht zu beeinflussende körperliche Zustände wie Dehydratation bis hin zu manifesten Erkrankungen, die das Hautbild verändern (z. B. Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes oder eben Neurodermitis). Mit steigendem Alter neigt die Haut zudem häufiger zu Trockenheit und benötigt vermehrt unterstützende Pflege, da körpereigene Rückfettungsmechanismen nachlassen.

Die Neurodermitis hingegen gilt als manifeste Erkrankung, deren Hauptsymptom die trockene Haut darstellt. Grund dafür ist vor allem die durch die chronische Entzündung gestörte Wasser­speicher- und Barrierefunktion der Haut.

Kann Neurodermitis ganz plötzlich auftauchen?

Häufig verläuft die Neurodermitis in Schüben. Das bedeutet: Hautveränderungen treten akut, also innerhalb weniger Tage auf, oder verschlechtern sich in diesem Zeitraum deutlich.

Kann eine Neurodermitis auch erst im Alter auftreten?

Ja, das ist möglich, allerdings handelt es sich um eine seltene Variante. In über 80 Prozent der Fälle treten erste Symptome vor dem Vorschulalter auf.

Was sind die Ursachen von Neurodermitis?

Die genauen Ursachen und detaillierten Abläufe der Erkrankung sind noch nicht umfassend erkannt. Man geht von unterschiedlichen, aus mehreren Faktoren bestehenden Entstehungsmechanismen aus. Dazu gehört eine genetische Prädisposition: Die genetische Information für die Haut scheint bei Betroffenen verändert zu sein, sodass bestimmte Schutz- und Barrierefunktionen weniger ausgeprägt sind. Bestimmte genetische Mutationen können dazu führen, dass Erreger und Allergene leichter durch die Haut eindringen und dabei eher immunologische Prozesse auslösen. Individuell können sehr unterschiedliche Triggerfaktoren bestehen, die Entzündungsprozesse auslösen oder verschlimmern.

Diskutiert wird zudem die sogenannte Hygiene-Hypothese. Dabei wird angenommen, dass durch bessere Hygienemaßnahmen bestimmte Kontakte mit Antigenen im Kindesalter seltener werden und das Immunsystem dadurch weniger stark „trainiert“ wird. Durch die genetisch bedingte Störung der Hautbarrierefunktion und die veränderte immunologische Situation kann es bei Kontakt mit bestimmten Antigenen (Triggern) zu einer akuten Verschlechterung des ohnehin schon geschädigten Hautbildes kommen.

Neurodermitis (Atopische Dermatitis) - Was sind die Ursachen von Neurodermitis?

Ist die Neurodermitis psychisch bedingt?

Bei der Neurodermitis handelt es sich nicht um eine rein psychisch bedingte Erkrankung, da nachvollziehbare zelluläre Prozesse im Zentrum stehen. Eine schwere Form kann jedoch langfristig psychisch belasten, weil Betroffene unter sichtbaren Hautveränderungen und starkem Juckreiz leiden. Eine verschlechterte psychische Verfassung kann wiederum wie ein Teufelskreis wirken, da Stress die Beschwerden zusätzlich verstärken kann.

Inwiefern kann Stress eine Rolle bei Neurodermitis spielen?

Neurodermitis (Atopische Dermatitis) - Inwiefern kann Stress eine Rolle bei Neurodermitis spielen?

Stress und emotionale Belastung können den Verlauf der Neurodermitis beeinflussen, weil dabei entstehende Signalproteine in der Haut bestimmte Reize auslösen können. Zusätzlich kann Stress die Funktionsfähigkeit des Immunsystems beeinträchtigen und überschießende Immunantworten auf Antigene in der Haut begünstigen.

Welche Triggerfaktoren können eine Neurodermitis auslösen?

Neben Stress sowie psychischer und emotionaler Belastung können bestimmte Materialien (z. B. Wolle), unterschiedliche Tierhaare, Hormone, starke Schweißproduktion, extreme Hitze und Kälte sowie Lebensstilfaktoren (z. B. Nikotinkonsum, Übergewicht) auslösende Faktoren sein. Wie auch bei anderen Erkrankungen aus dem atopischen Formenkreis spielen Allergien eine wichtige Rolle. Insbesondere die Exposition gegenüber bekannten Allergenen (Hausstaubmilben, Pollen, Gräser, Tierhaare) kann zu einer Verschlechterung der Symptomatik beitragen. Mehr dazu findest Du auch bei Tierhaarallergie sowie Kontaktallergie.

Neurodermitis (Atopische Dermatitis) - Welche Triggerfaktoren können eine Neurodermitis auslösen?

Wer ist am häufigsten von einer Neurodermitis betroffen?

Neurodermitis ist eine recht häufige Erkrankung. Betroffen sind vor allem Menschen in westlichen Industriestaaten; zudem wird eine Häufung eher im Norden beschrieben, während Menschen in südlichen Regionen und direkt am Meer seltener erkranken. Außerdem zeigt sich die Erkrankung häufig sehr früh: Circa 13 Prozent der Betroffenen entwickeln erste Symptome innerhalb des ersten Lebensjahres, bis zum Einschulungsalter sind es etwas über 20 Prozent. Insgesamt zeigt sich über die letzten Jahrzehnte ein deutlicher Anstieg, was neben genetischen Komponenten auch auf Umweltfaktoren (z. B. Abgase, Hygiene, Klima) hinweisen kann.

Welche weiteren Erkrankungen werden oftmals mit einer atopischen Dermatitis in Verbindung gebracht?

Die atopische Dermatitis gehört zu den Erkrankungen des atopischen Formenkreises, zu dem auch das Asthma bronchiale und die allergische Rhinokonjunktivitis (Heuschnupfen) zählen. Atopische Erkrankungen stellen eine Sonderform der Allergien dar, nämlich die Immunglobulin-E vermittelten Typ-I-Allergien (Soforttypallergien). Dieser Allergieform liegt eine Fehlfunktion mit einem Zuviel an IgE-Antikörpern zugrunde, wodurch vermehrt und überaktiv allergische Reaktionen ausgelöst werden können.

Ist Neurodermitis vererbbar?

Neurodermitis (Atopische Dermatitis) - Ist Neurodermitis vererbbar?

Neurodermitis ist nicht im klassischen Sinne vererbbar, wie es bei genetischen Erkrankungen mit einem einzelnen Gendefekt der Fall sein kann. Es zeigt sich jedoch durchaus ein gehäuftes familiäres Auftreten, was die Annahme einer genetischen Veranlagung unterstützt.

Ist Neurodermitis ansteckend?

Nein, Neurodermitis ist nicht ansteckend. Eine Berührung der Haut von Betroffenen führt daher nicht zur Übertragung.

Wie verläuft die Erkrankung?

Erste Symptome treten typischerweise im frühen Kindesalter auf, teils bereits in den ersten Lebensmonaten. In vielen Fällen nimmt die Schwere der Erkrankung mit steigendem Alter wieder ab; Erwachsene sind dann häufig nahezu beschwerdefrei. Der Verlauf ist schubweise und wiederkehrend: Akute Phasen mit starker Symptomatik und Ruhephasen wechseln sich ab. Ausprägung und betroffene Körperstellen können je nach Person und Lebensphase variieren.

Wie sehen die Symptome der Erkrankung aus?

Leitsymptom ist die trockene Haut in Kombination mit starkem, unangenehmem Juckreiz. Durch einen veränderten Feuchtigkeits- und Stoffwechselhaushalt wird die Haut sehr trocken und empfindlich. Sowohl die Hauttrockenheit als auch immunbedingte zelluläre Prozesse tragen zum Juckreiz bei.

Typische Körperstellen sind große Beugen (Ellenbeuge, Achsel, Leiste, Kniebeuge), Gesicht, Nacken und Hände. Die Haut ist insgesamt rau und trocken, in akuten Phasen gerötet und leicht geschwollen. Bei Säuglingen kann der sogenannte Milchschorf auftreten – eine gelbliche Krustenbildung im Kopf- und Gesichtsbereich, die als frühe Erstmanifestation vorkommen kann.

Eine Verschlechterung des Hautbildes bewirkt häufig der ständige Juckreiz: Durch Kratzen wird die Haut zusätzlich verletzt. In der Folge können offene, blutende und nässende Stellen entstehen, die später verkrusten.

Neurodermitis (Atopische Dermatitis) - Wie sehen die Symptome der Erkrankung aus?

Wie äußert sich Neurodermitis bei Babys und Kindern?

Unterschiede im Säuglings-, Kinder-, Jugend- und Erwachsenenalter ergeben sich durch die Schwere der Symptomatik, die Dauer der Schübe und die typischerweise betroffenen Stellen. Während bei Säuglingen häufig der bereits erwähnte Milchschorf vorkommt, sind bei Kleinkindern und Kindern eher andere Körperregionen betroffen, die durch trockene, rissige, gerötete und schuppende Haut gekennzeichnet sein können.

Wie sehen die Symptome einer Neurodermitis bei Jugendlichen und Erwachsenen aus?

Besteht die Neurodermitis bis ins Jugend- und Erwachsenenalter fort, zeigt sich häufig eine Abnahme akuter Schübe und eine Verschiebung hin zu chronisch geschädigter Haut. Betroffene leiden dann eher unter trockener, ledrig veränderter Haut (Lichenifikation), die von Vernarbungen, hyperpigmentierten Arealen und Knötchen begleitet sein kann.

Wie lange dauert ein Neurodermitis-Schub an?

Die Dauer eines Schubs ist individuell und kann – abhängig von körperlichen und Umweltfaktoren – sehr unterschiedlich sein. Ausgelöst wird ein Schub häufig durch Triggerfaktoren oder Kontakt mit bestimmten Allergenen. Ein Schub kann wenige Tage, aber auch mehrere Wochen oder Monate dauern. Bei sehr schweren Verläufen ist zeitweise kaum zwischen Schub und beschwerdearmen Intervallen zu unterscheiden.

Beeinflussen können dies unter anderem: Jahreszeit (im Winter ist die Haut oft trockener und anfälliger), Stress, Hormone sowie der allgemeine körperliche Zustand (z. B. gleichzeitige Erkrankungen oder Infektionen).

Wann und welchen Arzt sollte man bei einer Neurodermitis aufsuchen?

Neurodermitis (Atopische Dermatitis) - Wann und welchen Arzt sollte man bei einer Neurodermitis aufsuchen?

Bemerkst Du anhaltenden Juckreiz sowie trockene, rissige Haut, die wiederholt zu Rötungen und Schuppen neigt, oder verschlechtert sich Dein Hautbild bei Kontakt mit bestimmten Stoffen oder Materialien, könnte dies auf eine Neurodermitis hinweisen. Das lässt Du am besten über den Hausarzt oder einen Hautarzt abklären. Da sich die atopische Dermatitis häufig im Säuglings- und Kleinkindalter manifestiert, geht es hier oft darum, indirekte Zeichen (häufiges Kratzen, Kratzspuren oder blutige Stellen) zu erkennen und über den Kinderarzt abklären zu lassen.

Wie erfolgt die Diagnose einer Neurodermitis?

Die Diagnose ergibt sich durch das Vorliegen der wichtigsten Leitsymptome an typischen Körperstellen. Zusätzlich wichtig ist eine familiäre Häufung der Erkrankung selbst oder verwandter Erkrankungen aus dem atopischen Formenkreis. Auch das gehäufte Auftreten von Allergien innerhalb der Familie kann ein Hinweis sein.

Weitere Kriterien, die für Neurodermitis sprechen können, sind eine doppelte Lidfalte sowie eine paradoxe Gefäßreaktion (Dermographismus). Teil der Diagnostik sollte außerdem eine Allergieaustestung sein. Durch eine laborchemische Blutuntersuchung kann eine erhöhte Anzahl an IgE-Antikörpern festgestellt werden, die ebenfalls Hinweise liefern kann.

Neurodermitis (Atopische Dermatitis) - Wie erfolgt die Diagnose einer Neurodermitis?

Wann sollte man mit einer Neurodermitis ins Krankenhaus?

Grundsätzlich ist Neurodermitis kein Grund für einen stationären Krankenhausaufenthalt, da Diagnostik und Therapiebegleitung meist gut ambulant erfolgen können. Es gibt jedoch Ausnahmen, bei denen eine rasche Abklärung wichtig ist, etwa bei bakteriellen oder viralen Superinfektionen. Durch Hautverletzungen können Keime eindringen und Entzündungen verursachen. Wenn eine Körperstelle stark anschwillt, große Schmerzen entstehen oder (bei Dir oder Deinem Kind) hohes Fieber auftritt, solltest Du Dich schnellstmöglich in einem Krankenhaus vorstellen.

Welche Arten von Neurodermitis gibt es?

Unterschieden werden kann zwischen einer intrinsischen und einer extrinsischen Form der Dermatitis. Beide unterscheiden sich im klinischen Erscheinungsbild und in der Behandlungsweise nicht wesentlich; vielmehr geht es um ein Verständnis immunologischer und zellulärer Vorgänge, die sich zwischen den Formen unterscheiden.

Bei der häufiger vorkommenden extrinsischen Form spielen IgE-Antikörper eine entscheidende Rolle. IgE-Antikörper binden an in der Haut vorkommende Mastzellen und leiten bei Kontakt mit einem Antigen Reaktionen ein. Eine zentrale Reaktion ist die Ausschüttung von Histamin – ein Stoff, der für allergische Reaktionen, Juckreiz sowie Schwellung, Rötung und mögliche Quaddelbildung verantwortlich ist. Bei Betroffenen mit sehr schweren Verlaufsformen können erhöhte IgE-Spiegel im Blut nachweisbar sein.

Bei der intrinsischen Form steht dagegen weniger die typische IgE-vermittelte allergische Reaktion im Vordergrund. Stattdessen wird angenommen, dass andere Komponenten des Immunsystems (insbesondere T-Zellen) eine größere Rolle spielen.

Welche Körperstellen sind besonders davon betroffen?

Typischerweise variieren die betroffenen Stellen im Laufe des Lebens. Während bei Säuglingen und Kleinkindern vor allem Kopfhaut, Wangen und Stirn sowie Rumpf und Streckseiten von Armen und Beinen betroffen sein können, verändert sich das Muster mit zunehmendem Alter. Häufig verlagern sich die Beschwerden eher in die Beugeseiten der Extremitäten. Bei Erwachsenen sind zudem oft Hände und Füße betroffen, die zu dünner, rissiger und juckender Haut neigen können.

Neurodermitis (Atopische Dermatitis) - Welche Körperstellen sind besonders davon betroffen?

Kann Neurodermitis auch im Intimbereich auftreten?

Der Intimbereich gehört normalerweise nicht zu den typischerweise betroffenen Stellen. Dennoch kann es in Einzelfällen vorkommen, dass auch dort übermäßige Hauttrockenheit und Juckreiz auftreten.

Was sind die Auswirkungen der Neurodermitis?

Für Betroffene bedeutet Neurodermitis zumindest in bestimmten Lebensphasen eine deutliche Einschränkung im Alltag. Das beginnt bei der aufwendigen Hautpflege und reicht bis zu Fragen wie: Welche Stoffe werden als Kleidung oder Bettwäsche vertragen? Wie ist es möglich, mit geeignetem Schutz in die Sonne zu gehen? Wichtig ist, Triggerfaktoren möglichst zu meiden. Das kann sich auch auf Lebensmittel, Hygiene, Haustiere und Naturkontakte auswirken.

Welche negativen Folgen bringt das atopische Ekzem für die Betroffenen mit sich?

Neurodermitis ist nicht nur eine Hauterkrankung, da Betroffene insbesondere in akuten Phasen häufig unter hohem Leidensdruck stehen. Im Vordergrund steht der Juckreiz, der als quälend empfunden werden kann und oft nachts zunimmt – die Schlafqualität leidet dann deutlich. Gerade bei Kindern ist Juckreiz problematisch, da sie automatisch kratzen und die Haut weiter verletzen. Nicht selten kommt es zu Blutungen und bleibenden Narben.

Hinzu kommt, dass Neurodermitis als Hautkrankheit äußerlich sichtbar ist, was zu Stigmatisierung führen kann. Besonders in der Pubertät – wenn Aussehen häufig eine größere Rolle spielt – können sichtbare Hautdefekte zu Ausgrenzung führen. Mehr zum Begriff Ekzem findest Du hier.

Neurodermitis (Atopische Dermatitis) - Welche negativen Folgen bringt das atopische Ekzem für die Betroffenen mit sich?

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Behandlungsmöglichkeiten bei der Neurodermitis sind sehr vielfältig und lassen sich in medikamentöse, nicht-medikamentöse und alternativmedizinische Zusatztherapien einteilen. Vor allem für die medikamentöse Therapie existiert ein Stufenschema der WHO, es lassen sich jedoch nicht alle Stufen mit nicht-medikamentösen, basispflegenden und alternativmedizinischen Methoden kombinieren.

In welche Stufen teilt sich die Therapie der atopischen Dermatitis?

In der Behandlung der atopischen Dermatitis wurde ein Stufenmodell entwickelt, das sich nach der Schwere der Symptomatik richtet.

Stufe 1

Hier liegt als einziges Symptom lediglich die trockene Haut vor. Es handelt sich also in erster Linie um den Hautzustand im nicht-akuten Stadium der Erkrankung. Bei Stufe 1 erfolgt eine rein symptomatische und nicht kurative (heilende) Therapie. Im Mittelpunkt steht eine gründliche Basispflege der Haut, die den Wasserhaushalt verbessern, die Schutzfunktion stabilisieren und die erhöhte Empfindlichkeit reduzieren soll. Zum Einsatz kommen unterschiedliche Cremes und Salben, Bäder, Shampoos und Pflegekuren. Auch die Vermeidung von Triggerfaktoren ist wichtiger Teil der Stufe-1-Therapie, um akute Schübe zu vermeiden.

Stufe 2

Hier kommt es zu einer leichten Verschlechterung der Haut und es entstehen erste Anzeichen der akuten Entzündungsreaktion. Die Stufe wird durch leichte Ekzeme definiert; Zeichen der akuten Entzündung wie Rötung, leichte Schwellung, Nässen und Bläschenbildung werden sichtbar. Der Juckreiz nimmt zudem zu. In der Therapie der Stufe 2 wird die Basispflege der ersten Stufe um kurative Wirkstoffe erweitert.

Zur Anwendung kommen gut antientzündlich wirksame Kortisonpräparate in niedrig potenter Form (Klasse I und II) sowie Calcineurininhibitoren, die immunsuppressiv wirksam sind. Sowohl Kortisone als auch Calcineurininhibitoren werden in Stufe 2 lediglich topisch (auf der Haut) in Form von Salben oder Cremes angewendet.

Stufe 3

Stufe 3 ist durch eine nochmalige Verschlechterung des Hautbildes und Zunahme des Ekzems gekennzeichnet. Ein genaues Unterscheidungskriterium zur Stufe 2 existiert allerdings nicht, sodass die beiden Stufen ineinander übergehen und von behandelndem Arzt zu behandelndem Arzt unterschiedlich eingeschätzt werden können. Als Hilfestellung wird nicht nur das Hautbild, sondern auch der Gesamtzustand des Patienten in Hinblick auf Leidensdruck durch Juckreiz, Schmerzen und Einschränkung im Alltag herangezogen.

In der Stufe-3-Therapie werden zusätzlich höher potente Kortisonpräparate (Klasse III und IV) angewendet.

Stufe 4

Diese Stufe ist durch persistierende, therapieresistente, stark ausgeprägte Ekzeme gekennzeichnet. Es erfolgt eine Umstellung auf Medikamente zum Schlucken, sodass die Wirkung nicht mehr lediglich auf der Haut stattfindet, sondern das gesamte Immunsystem beeinflusst wird. Sowohl Kortisonpräparate als auch Calcineurininhibitoren (z. B. Tacrolimus) können oral eingenommen werden. Hinzu kommt als Option Cyclosporin A, das immunsuppressiv wirkt, indem es die Aktivität der T-Zellen blockiert.

Seit 2017 ist zudem auch ein spezifischer Antikörper zugelassen, der bestimmte Zytokine gezielt blockiert.

In den letzten Jahren sind darüber hinaus weitere zielgerichtete Wirkstoffe hinzugekommen:
Zu den wichtigsten zählen JAK-Inhibitoren wie Upadacitinib, Abrocitinib und Baricitinib, die gezielt entzündliche Signalwege im Immunsystem unterbrechen. Diese Medikamente sind oral verfügbar, wirken schnell und reduzieren den Juckreiz deutlich. Sie können eine Alternative sein, wenn Biologika wie z. B. Dupilumab nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden.

Neuere Biologika wie Nemolizumab (ein Antikörper gegen den Juckreiz-vermittelnden Botenstoff Interleukin-31 (IL-31)) bieten zusätzliche Optionen speziell für Patienten mit chronischem, therapieresistentem Pruritus.

Zudem gewinnen mikrobiom-basierte Therapien an Bedeutung. Hierbei kommen therapeutische Bakterienstämme wie Staphylococcus hominis A9 zum Einsatz, um das gestörte Gleichgewicht der Hautflora zu stabilisieren. Diese Form der Therapie befindet sich derzeit in klinischer Erprobung und gilt als besonders schonend.

Wie kann die Lichttherapie (Phototherapie) bei einer Neurodermitis helfen?

Die Anwendung einer Lichttherapie hat in den letzten Jahren einen immer höheren Stellenwert in der Behandlung der Neurodermitis erhalten. Sie sollte additiv und nicht anstelle von medikamentösen Therapieoptionen im akuten Schub angewendet werden. Lichttherapien werden nur selten von Spitälern, eher von niedergelassenen Dermatologen angeboten.

Neurodermitis (Atopische Dermatitis) - Wie kann die Lichttherapie (Phototherapie) bei einer Neurodermitis helfen?

Zur Anwendung bei der Lichttherapie kommt künstliches UV-Licht, das einen entzündungshemmenden Effekt hat und eine mögliche bakterielle Besiedelung der geschädigten Haut reduzieren soll. Unterschieden wird zwischen UVA- und UVB-Strahlen. UVA-Strahlen besitzen eine höhere Eindringtiefe und können Effekte in tiefer liegenden Hautschichten erzielen. UVB-Strahlung wirkt eher oberflächlich, das Risiko potenzieller Nebenwirkungen der UV-Strahlung (Hautkrebsrisiko!) ist jedoch geringer. Eine Sonderform ist die PUVA-Therapie (Photochemotherapie). Hierbei wird UVA-Strahlung mit pflanzlichen Wirkstoffgruppen namens Psoralen kombiniert, die photosensibilisierend wirken und die Effekte der Lichttherapie verstärken können. Mehr dazu findest Du auch unter Lichttherapie / Phototherapie.

Wie funktioniert die Balneo-Phototherapie?

Bei der Balneo-Phototherapie handelt es sich ebenfalls um eine Kombinationstherapie. Zur Anwendung kommt eine spezifische Badetherapie in hochprozentiger Salzwasserlösung und eine UV-Licht-Bestrahlung. Das Salzwasserbad (Solebad) und die Bestrahlung mit Licht können dabei sowohl synchron als auch hintereinander stattfinden. Zudem besteht auch die Möglichkeit, die Badetherapie mit einer PUVA-Therapie zu kombinieren.

Kann eine Thalasso-Therapie die Symptome der Neurodermitis lindern?

Bei der Thalasso-Therapie handelt es sich um eine Therapiesonderform, bei der ebenfalls mit Meerwasser und Meerwasserprodukten (Algen, Meeresschlamm, Meeresluft) gearbeitet wird. Im Gegensatz zur Balneo-Phototherapie handelt es sich hierbei um eine mehrtägige Kurform, die nur in unmittelbar am Meer liegenden Instituten abgehalten werden kann. Die Wirkung von Meerwasser wird auf die Kombination aus Salz und Wasser sowie auf Spurenelemente und Mineralstoffe zurückgeführt, die den Heilungsprozess der Haut unterstützen können. Die Meereskur verbindet dabei mehrere wohltuende Effekte gleichzeitig: Kontakt mit Meerwasser, Einatmen der Meeresluft und natürliche Sonneneinstrahlung.

Wie wirkt die Bioresonanztherapie?

Bei der Bioresonanztherapie wird angenommen, dass mithilfe elektromagnetischer Wellen krankhafte Schwingungen im Körper ausgelöscht werden können. Eindeutige Belege für die Wirksamkeit dieser Behandlungsform gibt es allerdings nicht, weshalb Fachärzte von der Anwendung abraten.

Was kann ich selbst bei einer Neurodermitis machen?

Die wichtigste Eigenmaßnahme bei einer Neurodermitis ist das Wissen und Meiden von Triggerfaktoren, da Du dadurch häufige Schübe deutlich reduzieren kannst. Da die Auslöser individuell sehr unterschiedlich sein können, ist es wichtig, Deine persönlichen Triggerfaktoren zu kennen und ihnen möglichst auszuweichen. Ebenfalls hilfreich ist es, Allergien austesten zu lassen, da diese ebenfalls in engem Zusammenhang mit einer Verschlechterung der Neurodermitis stehen.

Was muss ich bei der Ernährung beachten?

Neurodermitis (Atopische Dermatitis) - Was muss ich bei der Ernährung beachten?

Was Ernährung von Betroffenen betrifft, gibt es von der WHO keine eindeutigen Empfehlungen. Da allerdings auch Lebensmittel zahlreiche Allergene enthalten und Neurodermitiker häufig unter Lebensmittelunverträglichkeiten und Allergien leiden, ist es wichtig, darauf zu achten, was Du konsumierst und wie Du darauf reagierst. Gerade als Elternteil eines betroffenen Säuglings oder Kindes solltest Du neue Lebensmittel sehr behutsam austesten und beobachten, wie Dein Kind reagiert. Zu den typischen Intoleranzen und Allergenen gehören die Histaminintoleranz, Laktoseintoleranz, Glutenintoleranz sowie Allergien gegen Nüsse, Soja, Zitrusfrüchte etc. Sollte hier ein begründeter Verdacht bestehen, ist es sinnvoll, die Allergien austesten zu lassen und diese Lebensmittel zu meiden. Spezielle langfristige Diäten sind weniger sinnvoll, da sich Reaktionen auf Lebensmittel im Laufe der Zeit ändern und Allergien wieder vergehen können.

Wie oft sollte man bei einer Neurodermitis baden oder duschen?

Neurodermitis (Atopische Dermatitis) - Wie oft sollte man bei einer Neurodermitis baden oder duschen?

Am besten für Deine Haut ist es, nicht öfter als einmal am Tag zu duschen, um unnötige Irritationen zu vermeiden. Ein Vollbad mit medizinischen Badezusätzen hat zwar in der Regel eine wohltuende Wirkung, aber auch hier gilt: nicht zu oft und nicht mit zu heißem Wasser. Nach dem Duschen empfiehlt es sich, die Haut und Kopfhaut nicht grob abzurubbeln, sondern sanft zu trocknen.

Welche Badezusätze können bei einer Neurodermitis helfen?

Auch im Bereich der Dusch- und Badepflege gibt es zahlreiche Heil- und Zusatzstoffe, deren Ziel die kontinuierliche Pflege und Verbesserung des Hautbildes ist. Neben der heilenden Wirkung von Salzzusätzen scheinen auch unterschiedliche Öle, Getreide und Bleichmittel Unterstützung zu bringen. Ölbäder (z. B. Sojabohnen- oder Paraffinöl) bilden einen Hautfilm, der auch nach dem Bad eine dünne Schutzschicht mit rückfettenden Eigenschaften hinterlassen kann.

Auch Haferflockenpulver und Reiskleie wird eine juckreizstillende und lindernde Eigenschaft nachgesagt, weshalb sie als Bade- und Duschzusätze erhältlich sind und vor allem für Kinder schonend sein können.

Die Behandlung mit geringen Mengen an Bleichmittel als Badezusatz wurde in Studien überprüft und zeigte eine positive Wirkung, da dadurch die Besiedelung mit Hautkeimen minimiert und Superinfektionen reduziert werden konnten. Allerdings solltest Du hier nicht eigenmächtig experimentieren, da es zu Verätzungen kommen kann. Sprich bitte zunächst mit Deinem Arzt über diese Methode.

Pflegende Bäder können insgesamt zur Stabilisierung der Haut beitragen. Bei Verschlechterung solltest Du allerdings nicht zögern, einen Arzt aufzusuchen und gegebenenfalls zu stärkeren Wirkstoffen zu greifen.

Was kann ich gegen den Juckreiz bei einer Neurodermitis machen?

Neurodermitis (Atopische Dermatitis) - Vermeide es mit scharfen Fingernägeln zu kratzen

Vermeide es, mit scharfen Fingernägeln zu kratzen

Neurodermitis (Atopische Dermatitis) - Kühlende Umschäge können Linderung bringen

Kühlende Umschläge können Linderung bringen

Neurodermitis (Atopische Dermatitis) - Basistherapie mit feuchtigkeitsspendende & nachfettende Cremes oder Salben

Basistherapie mit feuchtigkeitsspendenden & nachfettenden Cremes oder Salben

Neurodermitis (Atopische Dermatitis) - Behandlung mit kortisonhaltigen Substanzen

Behandlung mit kortisonhaltigen Substanzen

Für die meisten Betroffenen stellt der Juckreiz das größte Problem und das schlimmste Symptom der Erkrankung dar. Der Drang, juckende Stellen zu kratzen, ist oft sehr groß, doch lindert Kratzen den Juckreiz nicht nachhaltig und trägt nicht zur Verbesserung der Hautsituation bei. Möchtest Du gegen den Juckreiz nicht sofort zu kortisonhaltigen Substanzen greifen, können einige simple Tricks Abhilfe schaffen: Versuche, nicht mit scharfen Fingernägeln zu kratzen, um die Haut nicht zusätzlich zu verletzen und das Eindringen von Keimen zu begünstigen. Kurze Fingernägel sind von Vorteil, falls Du Dich unbewusst kratzt. Kühlende Umschläge können ebenfalls helfen. Eine solide Basistherapie mit feuchtigkeitsspendenden und nachfettenden Cremes und Salben ist darüber hinaus von großer Bedeutung, um die Haut zu stabilisieren.

Neurodermitis (Atopische Dermatitis) - Wie sieht die richtige Hautpflege bei einer Neurodermitis aus?

Wie sieht die richtige Hautpflege bei einer Neurodermitis aus?

Die richtige Hautpflege ist bei der Neurodermitis sehr wichtig. Nur wenn Du Deine Haut richtig pflegst, kannst Du sie vor zusätzlicher Austrocknung und vor Infektionen schützen. Hygienische Pflege steht dabei an erster Stelle. Die Wahl der Pflege hängt vom Hauttyp ab: Bei trockener, juckender Haut steht die Pflege mit eher fetthaltigen Präparaten im Vordergrund. Diese bilden einen Schutzfilm, unter dem Feuchtigkeit gespeichert werden kann. Zudem wird das Eindringen von Bakterien abgeschwächt. Leicht entzündete, schuppende Haut solltest Du eher mit fettreduzierten und feuchtigkeitsspendenden Salben behandeln. Achte auf Produkte mit möglichst wenigen Zusatzstoffen, da diese zusätzliche Reize verursachen können. Eine geeignete Hautpflege besitzt einen leicht sauren pH-Wert und unterstützt den Säureschutzmantel der Haut.

Welche Kleidung ist bei Neurodermitis am besten geeignet?

Auf die richtige Wahl der Kleidung und Bettwäsche ist insbesondere zu achten, da sie der Haut oft über mehrere Stunden eng anliegt und zusätzlich reizen kann. Es gibt beschichtete Spezialkleidung, die hautschonend ist. Möchte man nicht gleich zu solchen Varianten greifen, ist es meist hilfreich, Wolle zu meiden und bei Schals, Mützen, Handschuhen und Socken auf andere Materialien auszuweichen.

Neurodermitis (Atopische Dermatitis) - Welche Kleidung ist bei Neurodermitis am besten geeignet?

Achte auf fein gewebte und glatte Materialien wie Baumwolle oder Seide

Schonender sind fein gewebte und glatte Materialien wie Baumwolle und Seide. Gerade bei Kindern kann es helfen, durch Anziehen feiner Handschuhe mit glatter Oberfläche Verletzungen durch Kratzen zu verhindern. Bei Sportbekleidung ist insbesondere auf atmungsaktive Stoffe zu achten, da erhöhte Schweißproduktion die Haut reizen kann. Sind auch die Füße betroffen, solltest Du vor allem im Sommer möglichst geschlossenes Schuhwerk meiden, um Schweißbildung nicht zusätzlich zu fördern.

Bei der Wahl der Bettwäsche solltest Du außerdem auf Tierhaare verzichten und gegebenenfalls zu allergikerfreundlichen Produkten greifen.

Was kann ich gegen Stress machen?

Um Stress abzubauen, gibt es keine einheitliche Lösung. Wichtig ist, sich bewusst Zeit für sich selbst zu nehmen. Entspannende Tätigkeiten können beispielsweise ein Tag auf der Couch, Sport, Yoga, Meditation oder ein langes Bad sein.

Neurodermitis (Atopische Dermatitis) - Was kann ich gegen Stress machen?

Gibt es Hausmittel zur Behandlung von Neurodermitis?

Neurodermitis (Atopische Dermatitis) - Gibt es Hausmittel zur Behandlung von Neurodermitis?

Neben medizinischen Produkten, Medikamenten und Therapiemöglichkeiten gibt es einige Hausmittel, die leicht zu beschaffen und einzusetzen sind. Dazu zählen vor allem Apfelessig (als Umschlag oder Haar- und Kopfhautkur) sowie Kamille (z. B. als Salbe oder Creme). Auch Umschläge aus Kamillentee können die Haut beruhigen, ebenso wie schwarzer Tee, dessen Gerbstoffe das Eindringen von Bakterien reduzieren und den Juckreiz mindern können.

Nachtkerzenöl ist reich an Gamma-Linolsäure, die ein essenzieller Baustein der Haut ist und bei Neurodermitikern reduziert sein kann. Linolsäure spielt eine wichtige Rolle in der Wasserregulierung und Barrierefunktion der Haut. Durch Anwendung von Nachtkerzenöl kann sich die Hauttrockenheit und damit auch der Juckreiz verbessern.

Olivenöl kann beim Auftragen auf die Haut ebenfalls eine schützende und stabilisierende Wirkung auf den Wasserhaushalt haben. Vor allem bei stark schuppender Haut kann dies hilfreich sein.

Lässt sich die Neurodermitis vollkommen heilen?

Heilen lässt sich eine Neurodermitis auch mit anhaltender Hautpflege und Schubtherapie nicht. Die Veranlagung zu trockener, empfindlicher Haut, zu Allergien und verwandten Symptomen aus dem atopischen Formenkreis bleibt ein Leben lang bestehen.

Kann die Neurodermitis auch von selbst wieder verschwinden?

Bei der Mehrzahl der Betroffenen neigt die Erkrankung dazu, im Laufe des Jugend- und jungen Erwachsenenalters abzuklingen, sodass Schübe immer seltener werden und Betroffene häufig jahrelang nahezu symptomfrei leben können – auch ohne therapeutische Maßnahmen.

Was sollte ich bei Neurodermitis noch beachten?

Da die Erkrankung von hoher Instabilität geprägt ist und selbst kleinste Triggerfaktoren zur Auslösung akuter Schübe führen können, sollten Neurodermitiker in einigen Dingen und Lebensbereichen mit Einschränkungen rechnen. Dies betrifft neben Ernährung, Körperpflege und Stressmanagement auch die Wahl der Urlaubsorte, Hygiene und Sauberkeit zu Hause sowie die Wahl von Spielsachen bei Kindern.

Insbesondere Personen mit Allergien sollten darauf achten, möglichst keinen Allergenen ausgesetzt zu werden. Dies betrifft im Haushalt vor allem Hausstaubmilben, aber auch die Anschaffung von Haustieren. Bestehen Allergien oder sind bestimmte Felle und Haarsorten als Triggerfaktoren bekannt, ist es wichtig, auch die Wahl von Kinderspielzeug (Kuscheltiere, Puppen etc.) zu beachten.

Sind Tattoos bei einer Neurodermitis möglich?

Grundsätzlich sind Tätowierungen bei Neurodermitikern möglich, doch nicht ratsam. Nicht nur bedeutet die Tätowierung eine zusätzliche Irritation und Verletzung der ohnehin geschädigten und geschwächten Haut, auch kann durch die Farbe und deren Bestandteile ein zusätzliches Allergiepotenzial bestehen.

Neurodermitis (Atopische Dermatitis) - Sind Tattoos bei einer Neurodermitis möglich?

Wie wirken sich Alkohol und Nikotin auf die Neurodermitis aus?

Neurodermitis (Atopische Dermatitis) - Wie wirken sich Alkohol und Nikotin auf die Neurodermitis aus?

Alkohol in moderaten Mengen hat nur wenig Auswirkung auf den Hautzustand und wurde bisher nicht spezifisch mit einer Verschlechterung der Neurodermitis in Zusammenhang gebracht. In größeren Mengen solltest Du als Neurodermitiker auf Alkohol verzichten, da dieser mit Veränderungen und Erkrankungen der Haut (z. B. Palmarerythem oder Rosazea) in Verbindung gebracht wird.

Schlimmer noch als Alkohol ist der Einfluss von Nikotin auf die Haut: Es fördert die Hautalterung und beeinflusst Stoffwechsellage und Blutversorgung der Haut negativ. Durch die Verschlechterung der Durchblutung kommt es zu zusätzlicher Austrocknung und zu Wundheilungsstörungen, die sich vor allem in akuten Schüben negativ auswirken und die Behandlungsdauer erhöhen können.

Darf ich bei Neurodermitis Make-up verwenden?

Auch als Neurodermitiker darfst Du Make-up-Produkte verwenden. Beachte dabei allerdings umso mehr die intensive Pflege vor dem Auftragen und die Notwendigkeit, die Produkte vor dem Schlafengehen wieder zu entfernen.

Wo sollte man mit einer Neurodermitis am besten Urlaub machen?

Die heilende Wirkung von Meerwasser und Sonnenlicht wurde bereits erwähnt. Urlaub am Strand und in der Sonne (ein passender Sonnenschutz darf dennoch nicht vergessen werden) wird häufig als gute Option beschrieben.

Neurodermitis (Atopische Dermatitis) - Wo sollte man mit einer Neurodermitis am besten Urlaub machen? KI-generiertes Bild

Wie lässt sich einer Neurodermitis vorbeugen?

Da es sich um eine Erkrankung mit genetischer Veranlagung handelt, kannst Du der Erkrankung selbst praktisch nicht vorbeugen. Ist die Erkrankungsveranlagung in der Familie bereits bekannt, kann allerdings bei Neugeborenen darauf geachtet werden, dass ein Ausbruch und ein schwerer Verlauf weniger wahrscheinlich werden. Empfohlene Maßnahmen sind ein möglichst langes Stillen oder – falls dies nicht möglich ist – die Anwendung hypoallergener Babynahrung. Auch Haustiere und die Exposition gegenüber Zigarettenrauch sollten bei Risikokindern vermieden werden.

Welche weiteren Erkrankungen ähneln der Neurodermitis?

Obwohl die Symptomatik der Neurodermitis meist eindeutig ist, müssen andere Hauterkrankungen ausgeschlossen werden. Bei Säuglingen ist dies vor allem das seborrhoische Ekzem, das dem Milchschorf sehr ähnlich sehen kann. Zu unterscheiden ist Neurodermitis außerdem von der Psoriasis (Schuppenflechte), die ebenfalls chronisch und schubhaft verlaufen kann, sich jedoch im Verteilungsmuster und im Aussehen unterscheidet.

Auch infektiöse Erkrankungen wie Hautpilzbefall können sich in Schuppung, Rötung und Juckreiz äußern. Zudem können andere Formen von Ekzemen verantwortlich sein. Dazu zählen etwa das allergische Kontaktekzem oder das toxische Kontaktekzem. Je nach Lokalisation können z. B. auch ein Handekzem oder ein Analekzem in Betracht gezogen werden.

Was kostet die Behandlung der Neurodermitis und übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Neurodermitis (Atopische Dermatitis) - Kosten

Die Kosten der Behandlung einer Neurodermitis richten sich insbesondere nach der Schwere des Verlaufes. Bei vielen Betroffenen kommt es nur zu leichten Schüben, sodass basispflegende Maßnahmen und kurze Kortisontherapien ausreichen. Andere hingegen müssen auf eine größere Bandbreite an Therapien zurückgreifen. Viele dieser Therapien übernimmt die Krankenkasse in voller Gänze beziehungsweise leistet einen hohen Beitrag.

Dies gilt nicht nur für medikamentöse Therapien, sondern auch für ärztlich verordnete alternative Zusatztherapien. Basispflegende Produkte sind allerdings häufig selbst zu bezahlen, wodurch mitunter hohe Kosten entstehen können. In welchen Fällen die Krankenkasse wie viel übernimmt, hängt vom Versicherungsträger und der medizinischen Notwendigkeit ab. Haus-, Haut- und Kinderarzt können Dir hierzu bei der Einordnung helfen.

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Häufige Fragen

Was ist Neurodermitis?
Neurodermitis ist eine chronisch-entzündliche Hautkrankheit mit stark juckender, trockener Haut. Sie verläuft in Schüben und kann durch genetische und Umweltfaktoren ausgelöst werden.
Ist Neurodermitis heilbar?
Nein, Neurodermitis ist nicht heilbar, aber gut behandelbar. Mit der richtigen Pflege und Therapie lassen sich Schübe deutlich reduzieren.
Welche Behandlung hilft bei Neurodermitis am besten?
Zur Basistherapie gehören feuchtigkeitsspendenden Cremes. Bei akuten Schüben helfen Kortisonpräparate, JAK-Inhibitoren oder Biologika wie Dupilumab.
Kann Stress Neurodermitis verschlimmern?
Stress kann bestehende Symptome verschlechtern und neue Schübe auslösen. Entspannungstechniken sind daher eine wichtige Ergänzung der Behandlung.
Ist Neurodermitis ansteckend?
Nein, Neurodermitis ist nicht ansteckend und kann durch Hautkontakt nicht übertragen werden.
Welche Hausmittel helfen bei Neurodermitis?
Kühlende Umschläge, Nachtkerzenöl, Haferbäder oder Kamillentee können den Juckreiz lindern. Sie ersetzen jedoch keine ärztliche Behandlung.
Welche Kleidung ist bei Neurodermitis geeignet?
Atmungsaktive, glatte Materialien wie Baumwolle oder Seide sind ideal. Auf Wolle und synthetische Stoffe solltest Du verzichten.
Redaktionelle Verantwortung

Dieser Beitrag wurde von der internen MOOCI-Redaktion erstellt, inhaltlich geprüft und freigegeben. Bei der Recherche und Aufbereitung setzen wir auch KI-gestützte Werkzeuge ein; jeder Text wird vor der Veröffentlichung von unserer Redaktion fachlich gegengelesen. Die redaktionelle Verantwortung trägt Nadja Sukalia, Content Managerin bei MOOCI. Die medizinische Prüfung erfolgt durch Ärztinnen und Ärzte aus unserem Fachnetzwerk.

Dr. med. Kerstin Ortlechner

Dr. med. Kerstin Ortlechner

Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten

Dr. Kerstin Ortlechner ist Fachärztin für Dermatologie mit Zusatzkompetenzen in Allgemein-, Sport- und Notfallmedizin. Nach dem Medizinstudium in Innsbruck und der Facharztausbildung in der Dermatologie am KH Hietzing bei Univ.-Prof. Dr. Andreas Steiner sammelte sie prägende Erfahrungen u. a. bei Dr. Peter Caspari (Plastische Chirurgie, München) und David A. Colbert, M.D. (New York Dermatology Group). 2018 eröffnete sie ihre eigene Praxis in Wien. Ihr Schwerpunkt liegt auf moderner, natürlicher Anti-Aging-Medizin und hautärztlicher Prävention – mit hoher Präzision, Evidenz und einem Blick für Ästhetik.

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Letzte Aktualisierung: 28.09.2026

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