Histaminintoleranz

Bei einer Histaminintoleranz kommt es zu einer Unverträglichkeitsreaktion, wenn Betroffene erhöhte Mengen von Histamin zu sich nehmen. Der Stoff ist in zahlreichen Lebensmitteln enthalten, kommt aber auch auf natürliche Weise im Körper vor. Symptome sind zum Beispiel Juckreiz, Quaddeln auf der Haut, Magen-Darm-Probleme und Kopfschmerzen. Bei einer Histaminintoleranz kommt es zu einem Missverhältnis zwischen der Menge an Histamin, die über die Nahrung in den Körper gelangt und jener, die der Körper abbaut. Betroffen davon sind etwa ein bis vier Prozent der Bevölkerung, überwiegend Frauen im mittleren Alter.


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Zuletzt aktualisiert: 13. September, 2021

INHALTSVERZEICHNISInhaltsverzeichnis

Geraten die Bildung, die Zufuhr und der Abbau des biologischen Botenstoffs Histamin aus dem Gleichgewicht, kommt es zu den Symptomen einer Histaminintoleranz.

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Die Symptome sind vielfältig und betreffen je nach Patient unterschiedliche Bereiche des Körpers. Da Histamin auch im Zusammenhang mit allergischen Reaktionen eine wichtige Rolle spielt, können die Symptome jenen einer Allergie ähneln. Sie können die Haut, das Gehirn, das Herz-Kreislaufsystem, den Magen-Darm-Trakt, aber auch den Genitalbereich betreffen. Auch hinsichtlich der Intensität unterscheiden sich die Symptome je nach Patient. Meist treten die Symptome kurz nach der Zufuhr von Histamin auf. Sie verschwinden im Normalfall wieder, wenn die Histaminzufuhr gestoppt wird.

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Körpereigene Enzyme, sogenannte Diaminoxidase (DAO), bauen Histamin, das über die Nahrung in den Körper gelangt, im Normalfall ab, weshalb es nicht in den Dünndarm gelangt. Ist dieser Vorgang gestört, kommt es zu den Symptomen einer Histaminintoleranz. Weshalb das Abbauen von Histamin bei manchen Menschen nicht funktioniert, ist noch nicht eindeutig geklärt.

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Ein Histaminintoleranz-Test verläuft in drei Phasen. Zu Beginn musst Du den Konsum von histaminhaltigen Lebensmitteln komplett einstellen. Anschließend nimmst Du in Absprache mit dem Arzt kleinere Mengen histaminhaltiger Nahrungsmittel zu Dir und beobachtest Deine Symptome genau. Schließlich folgt die Dauerphase, in der Du Empfehlungen für eine dauerhafte Ernährungsweise erhält.

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In der akuten Phase verabreicht der Arzt zur Behandlung einer Histaminintoleranz Antihistaminika. Sie verhindern, dass das Histamin im Körper seine volle Wirkung entfalten kann. Eine Dauerlösung sind sie allerdings nicht. Besonders wichtig bei einer Histaminintoleranz ist es, histaminhaltige Lebensmittel weitestgehend zu meiden und eine individuelle Ernährungsweise zu erarbeiten, bei der es zu keinen Symptomen kommt.

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Bei einer Histaminintoleranz ist es wichtig herauszufinden, welche Lebensmittel bei Dir zu Symptomen führen und den Konsum dieser bestmöglich auf ein Minimum zu reduzieren. Wenn Du Raucher bist, ist es ratsam, schnellstmöglich damit aufzuhören, da Rauchen die Symptome einer Histaminintoleranz begünstigt.

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Verlauf und Prognose hängen wesentlich davon ab, wie gut sich der Patient an eine histaminarme Diät hält. Jedoch stellt eine Histaminintoleranz für Betroffene in der Regel keinen ernsthaften Einschnitt in den Alltag dar. Wichtig ist, dass Du herausfindest, welche Lebensmittel bei Dir Symptome auslösen und welche Du problemlos konsumieren darfst.

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Ein gesunder Lebensstil ist die beste Vorbeugung gegen eine Histaminintoleranz. Eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung stellen sicher, dass es zu keinen Mangelerscheinungen kommt. Diese können eine Histaminintoleranz begünstigen.

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Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für die Diagnose und Therapie einer Histaminintoleranz. Unter Umständen kann jedoch ein Selbstbehalt anfallen, weshalb wir empfehlen, die Kostenübernahme im Vorfeld zu klären und Dich diesbezüglich ausführlich zu informieren.

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Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

Eine Histaminintoleranz ist eine Unverträglichkeit gegenüber einer großen Menge Histamin. Es gibt einen individuellen Grenzwert. Erst wenn dieser überschritten wird, kommt es zu den typischen Symptomen.


Die Symptome einer Histaminintoleranz sind vielfältig. Möglich sind zum Beispiel Nesselsucht, Kopfschmerzen, Herzrasen, eine verstopfte Nase, Durchfall oder Bauchschmerzen.


Bei einer Histaminintoleranz handelt es sich meist um eine erworbene Störung beim Abbau von Histamin im Körper.


Zentral bei der Behandlung sind die Umstellung der Ernährung und der Verzicht auf den Verzehr histaminhaltiger Lebensmittel.

Was versteht die Medizin unter einer Histaminintoleranz?

Histamin ist ein biologischer Botenstoff, der im Körper verschiedene Funktionen auslöst. Dazu zählt die Sekretion von Magensaft, die Erweiterung der Blutgefäße und das Senken des Blutdrucks. Histamin ist ein Neurotransmitter, also ein Nervenbotenstoff, der unter anderem den Appetit kontrolliert, für die Lernfähigkeit, das Gedächtnis und Emotionen zuständig ist und den Schlaf-wach-Rhythmus reguliert. Auch bei allergischen Reaktionen spielt Histamin eine wichtige Rolle. Bei einer allergischen Reaktion dient es als Vermittler von Entzündungsprozessen. Histamin löst bei Kontakt mit einem Allergen die typischen Allergiesymptome aus. Dazu zählen neben Juckreiz, einer geröteten Haut und der Bildung von Quaddeln auch allgemeines Unwohlsein, Asthmaanfälle, Erbrechen, Durchfall und Kopfschmerzen.
 
Entsteht ein Ungleichgewicht zwischen Bildung, Zufuhr und Abbau des biogenen Amins Histamin im Körper, kommt es zu einer Histaminintoleranz. In den meisten Fällen ist die Ursache eine gestörte Aktivität des Enzyms, das für den Abbau von Histamin zuständig ist. Die Diagnose einer Histaminintoleranz gestaltet sich oft als schwierig, da die Symptome je nach Patient sehr verschieden sind und es auch einen individuellen Grenzwert gibt. Erst wenn dieser überschritten wird, zeigen sich Symptome. Die Symptome reichen von allergieähnlichen Reaktionen, Kopfschmerzen und Schwindel bis hin zu Blähungen und Durchfall. Es stehen zahlreiche Testverfahren zur Verfügung, die dem Arzt dabei helfen, die Diagnose zu stellen.

Histaminintoleranz - Was versteht die Medizin unter einer Histaminintoleranz?

Was sind die Symptome bei einer Histaminintoleranz?

Histaminintoleranz - Was sind die Symptome bei einer Histaminintoleranz?

Die Symptome einer Histaminintoleranz sind sehr vielfältig. Während bei manchen Betroffenen nur einzelne Probleme wie Hautrötungen und Juckreiz auftreten, macht sich die Histaminintoleranz bei anderen im gesamten Körper oder in mehreren Körperbereichen bemerkbar.

Der Grund dafür ist, dass verschiedene Zellen und Organe Histamin-Rezeptoren haben. Indem Histamin an Rezeptoren andockt, entfaltet es seine Wirkung. Führst Du dem Körper eine große Menge an Histamin zu, sind diese Andockstellen ohne Pause aktiv. Bei Menschen mit einer Überempfindlichkeit kommt es dann zu unterschiedlichen Beschwerden in verschiedenen Körperbereichen.
 
Unmittelbar nach dem Konsum von histaminreichen Lebensmitteln oder Getränken können sich Symptome im Bereich der Atmung zeigen und anfallsartige Hautrötungen auftreten. In leichten Fällen kommt es zu einer laufenden oder einer verstopften Nase. In extremen Fällen kann zu viel Histamin einen Asthmaanfall mit starker Atemnot auslösen. Bei manchen Betroffenen zeigen sich erste Symptome etwa nach einer Stunde in Form von Bauchgrummeln oder Durchfall. In seltenen Fällen treten Symptome wie Kopfschmerzen erst am nächsten Tag auf. Bis das Histamin abgebaut wird, dauert es in der Regel 24 Stunden.

Histaminintoleranz - Symptome auf der Haut

Symptome auf der Haut

Zu viel Histamin kann die Mastzellen aktivieren, wodurch allergene Inhaltsstoffe freigesetzt werden. Das äußert sich in Form von Nesselsucht (Urtikaria). Auf der Haut entstehen kleine Schwellungen, so genannte Quaddeln. Die Symptome können am gesamten Körper auftreten. Im Normalfall verschwinden die Symptome innerhalb von 24 Stunden, vorausgesetzt der Kontakt mit dem Auslöser besteht nicht weiter. Die Mastzellen setzen zudem eine Substanz frei, die zu starkem Juckreiz führt. Betroffen sind vor allem Bereiche, in denen Quaddeln auftreten. Darüber hinaus kommt es bei einer Histaminintoleranz zu einer gesteigerten Durchblutung. Die Blutgefäße erweitern sich und es kann mehr Blut hindurchströmten. Die betroffenen Bereiche sind gerötet und warm.

Histaminintoleranz - Juckreiz

Histaminintoleranz - Symptome im Gehirn

Symptome im Gehirn

Auch im Gehirn kommt es zu dieser Erweiterung der Blutgefäße. Sind die Arterien, die die Hirnhäute versorgen, betroffen, führt das zu Kopfschmerzen. Übelkeit und Erbrechen sowie Schwindel sind mögliche Beschwerden, wenn die Histaminintoleranz zu Symptomen im Gehirn führt. Ebenso kann es zu starker Müdigkeit kommen.


Histaminintoleranz - Symptome im Herz-Kreislauf-System

Symptome im Herz-Kreislauf-System

Weiten sich aufgrund des Histamins die Herzkranzgefäße (Koronargefäße), können Herzrasen oder -stolpern die Folge sein. Bei manchen Betroffenen kommt es zu starkem Herzklopfen. Weiten sich hingegen Blutgefäße in den Extremitäten, kann das zu einem starken Abfallen des Blutdrucks führen. In besonders extremen, aber sehr seltenen Fällen kann der Körper nicht mehr genug Blut zurück ins Herz transportieren. Schocksymptome sind die Folge.


Histaminintoleranz - Symptome im Magen-Darm-Trakt

Symptome im Magen-Darm-Trakt

Im Bereich des Magen-Darm-Trakts steigert zu viel Histamin die Produktion von Magensäure. Es kommt zu einer stärkeren Aktivierung der Muskelzellen in der Wand des Magen-Darm-Trakts. Bauchschmerzen, Krämpfe sowie Blähungen und Durchfall sind die Folge. Symptome im Magen-Darm-Trakt treten vor allem nach dem Verzehr histaminreicher Getränke oder Lebensmittel auf.


Histaminintoleranz - Symptome im Genitalbereich

Symptome im Genitalbereich

Im weiblichen Körper kann eine Histaminintoleranz auch Symptome im Genitalbereich nach sich ziehen. Sowohl die Gebärmutter als auch die Eierstöcke produzieren Histamin, um die Östrogen-Konzentration zu erhöhen. Östrogen sorgt dafür, dass sich die Gebärmutter während der Regelblutung zusammenzieht. Zieht sich die Gebärmutter besonders stark zusammen, kann das Schmerzen verursachen. Zu viel Histamin im Körper kann also für eine schmerzhafte Menstruation mitverantwortlich sein.

Welche Ursachen hat eine Histaminintoleranz?

Verschiedene Zellen wie Mastzellen, Nervenzellen oder Blutplättchen sind dafür zuständig, Histamin aus der Aminosäure Histidin herzustellen und in den jeweiligen Zellen zu speichern. Bestimmte Reize, wie Medikamente oder Nahrungsmittel, aber auch Entzündungen, Verletzungen oder Sauerstoffmangel können die Ausschüttung von Histamin bewirken.

Histamin löst bei Kontakt mit einem Allergen die für eine Allergie typischen Symptome aus. Das können Hautrötungen, Juckreiz, Quaddeln, Durchfall, Erbrechen und Asthmaanfälle sein. All diese Symptome treten auch bei einer Histaminintoleranz auf. Dennoch handelt es sich dabei nicht um eine Allergie an sich. Die Symptome einer Histaminintoleranz sind keine Folge einer Überreaktion des Immunsystems auf ein Allergen. Die Ursache ist meist eine erworbene und in seltenen Fällen eine angeborene Störung beim Abbau von Histamin. Durch die körpereigene Produktion oder durch eine histaminhaltige Nahrung fällt mehr Histamin an, als der Körper abbauen kann. Ab einem gewissen Wert treten Symptome einer Histaminintoleranz auf. Der Grenzwert ist von Person zu Person unterschiedlich.

Histaminintoleranz - Welche Ursachen hat eine Histaminintoleranz?

Gestörter Histamin-Abbau
Im Körper gibt es zwei Enzyme, die für den Abbau von Histamin zuständig sind. Bei manchen Menschen ist das Enzym, das für den Abbau von Histamin aus den Lebensmitteln zuständig ist, das Diaminooxidase (DAO), nicht in ausreichender Menge vorhanden. Es besteht ein Enzymmangel. Bei anderen Betroffenen ist das DAO in seiner Aktivität gestört. Ein Mangel an Vitamin B6 oder Vitamin C, aber auch die Einnahme bestimmter Medikamente können die Funktion dieses Enzyms negativ beeinträchtigen. In beiden Fällen gerät der Histamin-Haushalt aus dem Gleichgewicht. Bei Betroffenen kann sich das in Form einer Histaminintoleranz äußern. Nicht nur Lebensmittel und Medikamente können eine Histaminintoleranz auslösen, sondern auch die vermehrte Produktion von körpereigenem Histamin – etwa bei einer allergischen Reaktion. Eine histaminreiche Ernährung erhöht das Risiko zusätzlich.

Welche Medikamente können eine Histaminunverträglichkeit auslösen?

Histaminintoleranz - Welche Medikamente können eine Histaminunverträglichkeit auslösen?

Histamin wird aufgrund bestimmter Reize von verschiedenen Zellen freigesetzt. Manchmal wird ein solcher Reiz von einem Medikament ausgelöst. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um eine unerwünschte Nebenwirkung.

Andere Medikamente beeinflussen den Abbau von Histamin. Außerdem gibt es Medikamente, die die Konzentration von Histamin im Blut erhöhen können. Medikamente, die eine Histaminintoleranz auslösen können, sind zum Beispiel Röntgenkontrastmittel, einige Medikamente zur Muskelentspannung, bestimmte Medikamente gegen Bluthochdruck und Herzerkrankungen, Schmerzmittel, wie Acetylsalicylsäure oder Diclofenac, bestimmte Antibiotika sowie manche Krebs- und Rheumamedikamente. Wenn der Betroffene die Einnahme des ursächlichen Medikaments beendet, verschwindet die Histaminintoleranz in vielen Fällen wieder.

Histaminintoleranz - Andere Medikamente beeinflussen den Abbau von Histamin

Welche Nahrungsmittel enthalten viel Histamin?

Histaminintoleranz - Welche Nahrungsmittel enthalten viel Histamin?

Nach dem Verzehr von histaminhaltigen Lebensmitteln erhöht sich die Konzentration von Histamin im Blut. Schafft der Körper es nicht, das Histamin abzubauen, gerät er aus dem Gleichgewicht. Es kommt zu den typischen Beschwerden einer Histaminintoleranz.

Beinahe alle Lebensmittel und auch manche Getränke enthalten in stark unterschiedlichen Mengen Histamin oder dessen Vorläuferstoff Histidin. Aus diesem Grund ist in länger gereiftem Käse mehr Histamin enthalten. Selbiges gilt für geräucherten Schinken im Vergleich zu gekochtem Schinken. Viele Menschen mit Histaminintoleranz vertragen folgende Produkte häufig schlechter oder gar nicht:

  • Fisch: Makrele, Hering, Sardine, Thunfisch

  • Käse: Gouda, Camembert, Cheddar, Emmentaler, Swisstaler, Parmesan

  • Fleisch: Wurst, Salami, geräucherter Schinken

  • Gemüse: Sauerkraut, Spinat, Aubergine, Tomaten, Avocado

  • Alkohol: Rotwein, Weißwein, ober- und untergäriges Bier, Champagner

  • Sonstiges: Rotweinessig, Sojasoße, Hefepräparate

Die Diaminoxidas (DAO) Enzyme sind neben dem Abbau von Histamin auch für den Abbau anderer biogener Amine zuständig. Dazu zählen zum Beispiel Tyramin, Serotonin oder Spermin. Wenn die Enzyme zu viel damit zu tun haben, diese abzubauen, schaffen sie es nicht, das Histamin zu zerlegen. So kann es sein, dass selbst kleine Mengen Histamin zu Beschwerden führen. Lebensmittel, die biogene Amine enthalten, sind zum Beispiel:

  • Ananas, Bananen, Birnen, Himbeeren, Orangen, Kiwi, Papaya

  • Erdnüsse

  • Hülsenfrüchte

  • Weizenkeime

Andere Lebensmittel enthalten selbst zwar kein Histamin oder biogene Amine, sorgen aber dafür, dass körpereigenes Histamin freigesetzt wird. Dazu zählen etwa:

  • Zitrusfrüchte, Erdbeeren

  • Tomaten und Produkte, die Tomaten enthalten (Ketchup, Tomatenmark,…)

  • Kakao und daher auch Schokolade

  • Meeresfrüchte

  • Nüsse (v.a. Chashewnüsse und Walnüsse)

  • Alkohol

Histaminintoleranz - Nahrungsmittel

Welche Risikofaktoren begünstigen eine Histaminunverträglichkeit?

Histaminintoleranz - Welche Risikofaktoren begünstigen eine Histaminunverträglichkeit?

Forscher vermuten einen Zusammenhang zwischen Histaminintoleranz und dem Östrogenspiegel. Ein überwiegender Teil der Betroffenen ist weiblich und ein großer Teil älter als 40 Jahre. Wissenschaftler gehen daher von einem Zusammenhang zwischen dem sinkenden Östrogenspiegel und Histaminintoleranz aus.

Die Einnahme bestimmter Medikamente, die die DAO-Bildung hemmen, können Histamin enthalten und somit eine Unverträglichkeitsreaktion begünstigen. Ein ungesunder Lebensstil begünstigt die Entstehung einer Histaminunverträglichkeit. Vitamin- oder Mineralstoffmangel wirken sich ebenfalls auf die Entstehung der Erkrankung aus. Auch dauerhafter Stress, Tabakrauch und Abgase stehen im Verdacht, eine Histaminintoleranz zu beeinflussen.

Wie funktioniert der Histaminintoleranz-Test?

Häufig gehen der Diagnose einer Histaminintoleranz zahlreiche Arztbesuche voraus. Das liegt daran, dass die Symptome einer Histaminintoleranz häufig unspezifisch sind. Wenn Du den Verdacht hast, an einer Histaminintoleranz zu leiden, wendest Du Dich am besten an einen Dermatologen oder einen Internisten mit Spezialisierung auf allergische Erkrankungen. Der Arzt klärt in einem Gespräch allergische Erkrankungen und Nahrungsmittelunverträglichkeiten ab. Er stellt beispielsweise Fragen zum Zusammenhang zwischen den Symptomen und dem Verzehr bestimmter Lebensmittel. Um diese Frage möglichst genau beantworten zu können, ist es sinnvoll, wenn Du ein Ernährungstagebuch führst. Darin solltest Du auch festhalten, ob sich Deine Symptome bessern, wenn Du auf den Verzehr bestimmter Lebensmittel verzichtest. Der Arzt klärt außerdem, ob die Symptome im Zusammenhang mit der Einnahme bestimmter Medikamente oder bei weiblichen Betroffenen im Zusammenhang mit dem Zyklus stehen.
 
Häufig hängen die Symptome einer Histaminintoleranz mit der Nahrungszufuhr zusammen. Teil der Diagnose ist daher ein Nahrungsmitteltest. Zusätzlich kann dadurch auch die individuell verträgliche Histamin-Dosis eingeschätzt werden. Der Histaminintoleranz-Test erfolgt in drei Phasen:

Histaminintoleranz - Wie funktioniert der Histaminintoleranz-Test?

1. Karenzphase: Über einen Zeitraum von 14 Tagen muss der Patient möglichst kein Histamin mit der Nahrung aufnehmen. Du erhältst vom Arzt eine Liste mit Lebensmitteln, auf die Du verzichten solltest.

 

2. Testphase: Sie dauert bis zu sechs Wochen. Schrittweise werden bestimmte Lebensmittel wieder in den Speiseplan integriert. Parallel dazu führst Du ein Ernährungstagebuch, in dem Du auch eventuelle Symptome festhältst. So kann der Arzt Rückschlüsse über Deine individuelle Histamin-Schwelle ziehen.

 

3. Dauerphase: Der Patient erhält Empfehlungen für die dauerhafte Ernährungsweise. Neben der individuellen Histamin-Schwelle berücksichtigt der Arzt dabei auch den Energiebedarf, Hormonspiegel und Medikamenteneinnahme. In allen Phasen werden auch Einflussfaktoren wie Medikamenteneinnahme, Stress und Hormonstatus erhoben.

Eine weitere Möglichkeit, um festzustellen, ob eine Histaminintoleranz vorliegt, ist ein Provokationstest. Mit diesem Test kann der Arzt auch feststellen, wie viel Histamin der Patient verträgt, bevor Symptome auftreten. Vor der Durchführung des Tests muss sich der Patient einige Zeit möglichst histaminfrei ernähren. Zum Testzeitpunkt dürfen sich keine Symptome einer Histaminintoleranz zeigen. Der Arzt verabreicht dabei im Zwei-Stunden-Rhythmus eine steigende Histamin-Dosis, und zwar so lange, bis Symptome auftreten.
 
Weitere Tests, die im Zuge der Diagnose einer Histaminintoleranz zum Einsatz kommen können, sind die Messung der DAO-Aktivität im Blutserum, der Histamin-50-Pricktest sowie die Messung der Histamin-Menge im Stuhl, Blut oder Blutplasma.

Von welchen Krankheiten muss eine Histaminintoleranz abgegrenzt werden?

Im Zuge der Diagnose einer Histaminintoleranz müssen auch andere Ursachen wie eine Nahrungsmittelunverträglichkeit, eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, Geschwüre der Magenschleimhaut oder ein neuroendokriner Tumor ausgeschlossen werden. All diese Krankheiten können zu ähnlichen Symptomen wie eine Histaminintoleranz führen.
 
Eine Histaminintoleranz kann auch als Symptom einer anderen Erkrankung auftreten. So kann es bei manchen entzündlichen Darmerkrankungen zu einem Mangel am Enzym DAO kommen, welches für den Abbau von Histamin zuständig ist. Durch einen Mangel kann der Körper nicht mehr genug Histamin abbauen. Erkrankungen, die im weiteren Verlauf zu einer Histaminintoleranz führen, sind zum Beispiel chronisches Nierenversagen, Leberzirrhose, Leberentzündung, Seekrankheit, Urtikaria (Nesselsucht).

Histaminintoleranz - Von welchen Krankheiten muss eine Histaminintoleranz abgegrenzt werden?

Wie wird eine Histaminintoleranz behandelt?

In der akuten Phase verabreicht der Arzt zur Behandlung einer Histaminintoleranz Antihistaminika. Diese verhindern, dass das Histamin im Körper seine volle Wirkung entfalten kann und dass das Histamin an den Rezeptoren andockt. Sie eignen sich besonders gut, wenn es zu Symptomen wie Nesselsucht, allergischem Schnupfen, Kopfschmerzen oder Schwindel kommt. Die Einnahme von Medikamenten ist allerdings keine Dauerlösung.
 
Bei einer Histaminintoleranz ist es besonders wichtig, dass Du histaminhaltige Lebensmittel weitestgehend meidest. Dazu musst Du die Ernährung umstellen. Um das Auftreten der Beschwerden und den Verlauf der Erkrankung im Blick zu behalten, legst Du am besten ein Ernährungstagebuch an. Gemeinsam mit Deinem Arzt kannst Du Punkte ermitteln, die Du darin festhalten kannst. Verzichte so gut wie möglich auf Medikamente, die eine Histaminintoleranz auslösen können. In manchen Fällen kommt auch eine medikamentöse Behandlung der Histaminintoleranz infrage.
 
Bei der Ernährung ist es wichtig, möglichst auf histaminhaltige Lebensmittel wie Käse oder Gepökeltes und auf Lebensmittel, die die Freisetzung von Histamin anregen, wie Tomaten oder Erdbeeren, zu verzichten. Histamin ist in beinahe allen Lebensmitteln enthalten, daher ist es wichtig, gemeinsam mit dem Arzt den individuellen Schwellenwert zu ermitteln. Dieser Wert ist außerdem einer gewissen Schwankung unterworfen. So kann es sein, dass sich am einen Tag Symptome zeigen und am nächsten nicht. Faktoren wie der Abstand zwischen zwei Mahlzeiten, Alkoholkonsum und Medikamenteneinnahme beeinflussen diesen Schwellwert.
 
Falls Medikamente der Auslöser einer Histaminintoleranz sind, kann es sinnvoll sein, diese abzusetzen. Dies darf allerdings nur in Absprache mit Deinem Arzt geschehen! Er kann einschätzen, ob das Medikament gefahrlos abgesetzt werden kann und ob eine sinnvolle Alternative zur Verfügung steht.
 
Manchmal ist es nicht möglich, auf ein Medikament zu verzichten, etwa bei einer Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel. In diesem Fall verschreibt Dir der Arzt ein Antihistaminikum, um den Symptomen einer Histaminintoleranz vorzubeugen. Antihistaminika blockieren die Histamin-Rezeptoren und verhindern somit Symptome. Mastzellstabilisatoren bewirken, dass Mastzellen weniger Histamin freisetzen.
 
DAO-Präparate kann der Betroffene vor einer histaminhaltigen Mahlzeit einnehmen, um den Beschwerden einer Histaminintoleranz vorzubeugen. All diese Medikamente eignen sich allerdings nicht zur langfristigen Behandlung einer Histaminintoleranz und sind kein Ersatz für die Umstellung der Ernährung. Sie dürfen nur in Absprache mit dem Arzt eingenommen werden. Eventuell musst Du auch Vitamin C und Vitamin B6 Präparate einnehmen.

Was kann ich selbst bei einer Histaminintoleranz tun?

Histaminintoleranz - Wurde bei Dir eine Histaminintoleranz diagnostiziert

Wurde bei Dir eine Histaminintoleranz diagnostiziert, ist es zu Beginn wichtig, Lebensmittel, die zu Beschwerden führen, für mindestens vier Wochen konsequent zu meiden. Dadurch gönnst Du auch Deinem Darm eine Erholungs- und Regenerationsphase. Am besten erstellst Du gemeinsam mit einem Arzt einen individuellen Ernährungsplan. So kannst Du sicherstellen, dass Mangelerscheinungen ausbleiben. Wichtig ist, dass Du Deine Symptome gut im Auge behältst. Zur Unterstützung kannst Du ein Ernährungstagebuch erstellen. Viele Betroffene können schrittweise zu einer normalen Ernährung übergehen, indem sie durch die Zufuhr kleiner Mengen bestimmter Lebensmittel ihre persönlichen Verträglichkeiten austesten.

Histaminintoleranz - Verzichte so gut Du kannst auf histaminhaltige Lebensmittel

Verzichte so gut Du kannst auf histaminhaltige Lebensmittel. Möchtest Du nicht ganz auf den Verzehr verzichten, versuche nur kleine Mengen eines histaminhaltigen Lebensmittels zu Dir zu nehmen. Histaminintolerante Käseliebhaber verzichten besser auf Hartkäse wie Emmentaler, Parmesan oder Bergkäse. Auch lange gereifter Schnittkäse, reifer Schimmelkäse oder Roh- und Schmelzkäse führen eher zu Beschwerden als junge, weniger lang gereifte Käse wie Butterkäse, Streichkäse, Frischkäse oder Topfen.

Histaminintoleranz - Wurstfans greifen anstatt zu Rohwurstsorten wie Salami

Wurstfans greifen anstatt zu Rohwurstsorten wie Salami oder Rohschinken besser zu Kochwurst. Betroffene haben zudem häufig Probleme beim Verzehr von mariniertem Fleisch, wie wir es vom Grillen oder vom Döner kennen. Selbiges gilt für lange gegartes Fleisch wie bei Braten oder Gulasch. Die Fischsorten Hering, Thunfisch, Makrele oder Sardellen sind oft problematisch für Betroffene. Grundsätzlich gilt auch bei Fisch: Frischer oder tiefgekühlter Fisch ist besser bekömmlich als getrockneter, geräucherter oder eingesalzener Fisch. Weinliebhaber verzichten am besten auf Rotwein und greifen stattdessen zu Weißwein.

Histaminintoleranz - Betroffene stillen ihre Lust auf Süßes am besten mit Fruchtgummi

Betroffene stillen ihre Lust auf Süßes am besten mit Fruchtgummi oder Bonbons anstatt mit Schokolade oder anderen Süßigkeiten, die Kakao enthalten. Auch auf Schokokuchen verzichtest Du besser. Salzstangen, Kartoffelchips, sofern sie keinen Hefeextrakt und keine Geschmacksverstärker enthalten, sind normalerweise völlig unproblematisch. Nüsse und Lebensmittel, die Nüsse enthalten, hingegen führen bei vielen Betroffenen zu Beschwerden. Das gilt vor allem für Walnüsse und Cashewnüsse.

Histaminintoleranz - Wie ist die Prognose bei einer Histaminintoleranz?

Wie ist die Prognose bei einer Histaminintoleranz?

Auf den Verlauf und die Prognose haben Betroffene einen wesentlichen Einfluss. Die richtige Ernährung ist zentral bei der Behandlung. Umso besser Du auf histaminhaltige Lebensmittel verzichtest, umso deutlicher bessern sich die Beschwerden. Nimm Deine Nahrung möglichst frisch zu Dir. Vor allem Gerichte, die Hackfleisch oder Fisch enthalten, können schnell zu Symptomen einer Histaminintoleranz führen, wenn Du sie aufwärmst.

Wie kann ich einer Histaminintoleranz vorbeugen?

Ein gesunder Lebensstil ist die beste Vorbeugungsmaßnahme gegen eine Histaminintoleranz. Eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung stellen sicher, dass es zu keinen Mangelerscheinungen kommt. Diese können nämlich eine Histaminintoleranz begünstigen. Um einer Histaminintoleranz vorzubeugen, kannst Du den Konsum von histaminreichen Lebensmitteln einschränken und auf eine histaminarme Diät umsteigen. Ebenso solltest Du auf Medikamente, die zu einer Histaminintoleranz beitragen können, möglichst verzichten. Auch Rauchen führt zu einer Histaminausschüttung. Bei Rauchern hat die Umstellung der Ernährung ohne gleichzeitigen Rauchstopp kaum einen Erfolg.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung einer Histaminintoleranz?

Histaminintoleranz - Kosten

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für die Diagnose und Therapie einer Histaminintoleranz. Je nach Versicherungsträger kann ein Selbstbehalt anfallen. Genauere Informationen dazu erhältst Du direkt bei Deinem behandelnden Arzt oder der Krankenkasse.


Über die Autorin: Dr. Simone Hermanns

Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe


Dr. med. Simone Hermanns ist als Fachärztin am Universitätsspital Zürich tätig und unterstützt MOOCI seit Februar 2020 als medizinische Expertin für den Bereich der Gynäkologie und Geburtshilfe.

Seit nunmehr 7 Jahren arbeitet sie voller Energie und Lebenslust als Ärztin in verschiedenen klinischen Fachbereichen in Deutschland und der Schweiz. Die Liebe zur Medizin entdeckte Sie besonders im operativen Bereich,da die Vielfältigkeit dieses Bereichs immer wieder aufs Neue fasziniert.

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Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

Eine Histaminintoleranz ist eine Unverträglichkeit gegenüber einer großen Menge Histamin. Es gibt einen individuellen Grenzwert. Erst wenn dieser überschritten wird, kommt es zu den typischen Symptomen.


Die Symptome einer Histaminintoleranz sind vielfältig. Möglich sind zum Beispiel Nesselsucht, Kopfschmerzen, Herzrasen, eine verstopfte Nase, Durchfall oder Bauchschmerzen.


Bei einer Histaminintoleranz handelt es sich meist um eine erworbene Störung beim Abbau von Histamin im Körper.


Zentral bei der Behandlung sind die Umstellung der Ernährung und der Verzicht auf den Verzehr histaminhaltiger Lebensmittel.

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