Deine Fingernägel wachsen etwa drei Millimeter im Monat, Zehennägel nur rund einen Millimeter. Bis ein Fingernagel vollständig erneuert ist, vergehen etwa sechs Monate, bei den Zehennägeln bis zu 18 Monate. Genau diese Langsamkeit macht Nägel zu einem stillen Protokoll Deiner Gesundheit. Ein schwerer Infekt, ein Nährstoffmangel, eine Chemotherapie oder ein Schub einer Hauterkrankung hinterlassen im Nagel Spuren, die erst Wochen später sichtbar werden und dann monatelang bleiben. Viele Nagelveränderungen sind harmlos. Andere sind ein frühes Anzeichen für Mangelzustände, Hautkrankheiten oder Erkrankungen innerer Organe, und selten versteckt sich unter dem Nagel ein Hautkrebs. In diesem Beitrag lernst Du, welche Veränderungen Du beobachten darfst, welche Du abklären lassen solltest und was der Dermatologe dabei untersucht.
Das Wichtigste in Kürze
Nagelveränderungen entstehen durch Verletzungen, Mangelzustände, Hauterkrankungen wie Psoriasis oder Nagelpilz und durch innere Krankheiten, wobei die Form der Veränderung Hinweise auf die Ursache gibt. Längsrillen und weiße Flecken sind meist harmlos, während Querrillen, Tüpfelnägel, Uhrglasnägel, Löffelnägel und Verfärbungen ärztlich beurteilt werden sollten.
Ein dunkler Längsstreifen unter dem Nagel, der sich verändert oder auf die umgebende Haut übergreift, muss dringend auf ein Melanom untersucht werden. Der Dermatologe klärt Nagelveränderungen mit Dermatoskop, Pilzkultur und Blutwerten ab, in allen DACH-Ländern ist das bei Verdacht Kassenleistung.
Wie ist ein gesunder Nagel aufgebaut?
Der sichtbare Nagel, die Nagelplatte, besteht aus fest verbundenen Hornzellen, die reich an Keratin sind. Sie entsteht in der Nagelmatrix, einer Wachstumszone, die unter der Nagelhaut verborgen liegt und deren vorderer Teil als heller Halbmond, die Lunula, am Nagelgrund durchschimmert. Die Nagelplatte gleitet beim Wachsen über das Nagelbett, das gut durchblutet ist und dem Nagel seine rosige Farbe gibt. Seitlich und am Ansatz schützt der Nagelwall mit der Nagelhaut das empfindliche Wachstumsgewebe vor Keimen und Verletzungen.
Alles, was die Matrix stört, zeigt sich später als Formveränderung der Nagelplatte. Alles, was das Nagelbett betrifft, äußert sich als Verfärbung oder Ablösung. Und alles, was von außen kommt, also Pilze, Bakterien, Chemikalien oder Verletzungen, greift meist zuerst die Oberfläche und die Ränder an.
Ein gesunder Nagel ist glatt, leicht gewölbt, gleichmäßig rosa und fest, aber elastisch. Abweichungen davon sind zunächst nur ein Hinweis, keine Diagnose.
Welche Nagelveränderungen gibt es und was bedeuten sie?
Nagelveränderungen lassen sich in drei Gruppen einteilen: Veränderungen der Form und Oberfläche, Veränderungen der Farbe und Veränderungen der Festigkeit und Struktur. Viele Menschen erkennen ihre eigene Beobachtung in einer der folgenden Beschreibungen wieder. Was Du dabei wissen solltest: Keine dieser Veränderungen erlaubt für sich allein eine Diagnose.
Längsrillen, die von der Nagelwurzel zur Spitze verlaufen, sind die häufigste Nagelveränderung überhaupt. Sie nehmen mit dem Alter zu, weil die Matrix mit den Jahren ungleichmäßiger arbeitet, und sind in aller Regel harmlos. Sehr ausgeprägte Längsrillen mit brüchigen Nägeln können auf Durchblutungsstörungen, Rheuma oder Eisenmangel hinweisen.
Querrillen, in der Fachsprache Beau-Linien, laufen quer über den Nagel und entstehen, wenn das Nagelwachstum für einige Tage oder Wochen gestört war. Typische Auslöser sind ein fieberhafter Infekt, eine Operation, eine Chemotherapie, ein seelischer Schock oder ein ausgeprägter Zinkmangel. Am Abstand der Rille zur Nagelwurzel kannst Du abschätzen, wann das Ereignis stattgefunden hat. Betreffen Querrillen alle Nägel gleichzeitig, spricht das für eine Ursache im ganzen Körper. Ist nur ein Nagel betroffen, war es meist eine örtliche Verletzung oder eine Entzündung am Nagelwall.
Weiße Flecken oder Punkte, die sogenannte Leukonychie, entstehen fast immer durch kleine Verletzungen der Matrix, etwa durch Anstoßen, Maniküre oder Nägelkauen. Die weit verbreitete Erklärung mit Kalziummangel stimmt nicht. Ganz weiße Nägel oder weiße Querbänder, die über alle Nägel laufen, sind dagegen selten und können auf Leber- oder Nierenerkrankungen, Eiweißmangel oder Vergiftungen hinweisen.
Tüpfelnägel zeigen viele kleine, wie mit einer Nadel eingestochene Grübchen auf der Nageloberfläche. Sie sind ein klassisches Zeichen der Schuppenflechte und kommen bei bis zu 50 Prozent der Betroffenen vor, oft bevor die Haut überhaupt Symptome zeigt. Auch bei kreisrundem Haarausfall und Ekzemen treten Tüpfel auf.
Ölflecken, also gelblich-braune Flecken unter der Nagelplatte, und eine Ablösung des Nagels vom Nagelbett, die Onycholyse, gehören ebenfalls zur Nagelpsoriasis. Eine Ablösung kann aber auch nach Verletzungen, durch Schilddrüsenüberfunktion, Pilzinfektionen, Kontakt mit Chemikalien oder bestimmte Medikamente entstehen.
Uhrglasnägel wölben sich stark nach oben und ähneln einem umgedrehten Uhrglas, häufig zusammen mit verdickten Fingerendgliedern, den Trommelschlägelfingern. Sie sind ein wichtiges Zeichen für einen chronischen Sauerstoffmangel und weisen auf Erkrankungen von Lunge und Herz hin, etwa auf eine COPD, Lungenfibrose, Lungenkrebs, angeborene Herzfehler oder eine Herzinnenhautentzündung. Uhrglasnägel, die sich innerhalb weniger Monate neu entwickeln, erfordern eine zeitnahe ärztliche Abklärung.
Löffelnägel, die Koilonychie, sind das Gegenteil: Die Nagelplatte sinkt in der Mitte ein und hebt sich an den Rändern, sodass ein Wassertropfen darauf liegen bleiben würde. Sie sind ein typisches Zeichen eines länger bestehenden Eisenmangels, kommen aber auch bei Schilddrüsenerkrankungen, Durchblutungsstörungen und nach häufigem Kontakt mit Laugen und Lösungsmitteln vor.
Brüchige, splitternde oder blättrig aufgeschichtete Nägel, die Onychoschisis, betreffen vor allem Menschen, deren Hände häufig mit Wasser, Spülmittel, Desinfektionsmittel oder Nagellackentferner in Kontakt kommen. Der Wechsel zwischen Quellen und Austrocknen zerstört den Zusammenhalt der Hornschichten. Dahinter können aber auch Eisenmangel, Zinkmangel, Biotinmangel, Schilddrüsenunterfunktion, Ekzeme oder das Alter stecken.
Verdickte, gelbliche, krümelige Nägel sind das Bild des Nagelpilzes, der Onychomykose, der häufigsten Nagelerkrankung überhaupt. Er beginnt meist am freien Rand des Großzehennagels und breitet sich langsam zur Wurzel aus. Ähnlich sehen Nagelpsoriasis und altersbedingte Verdickungen aus, weshalb ein Pilznachweis vor jeder Behandlung sinnvoll ist.
Was verraten Verfärbungen der Nägel?
Die Farbe des Nagels entsteht vor allem durch das Nagelbett darunter. Verfärbungen geben deshalb Hinweise auf Durchblutung, Pigmente und Ablagerungen.
Gelbliche Nägel entstehen meist durch Nagelpilz, langjähriges Rauchen oder farbige Nagellacke ohne Unterlack. Grünliche oder schwarzgrüne Verfärbungen deuten auf eine bakterielle Besiedlung mit Pseudomonas hin, die sich besonders unter abgelösten Nägeln oder unter künstlichen Nägeln ansiedelt.
Bläuliche Nägel zeigen einen Sauerstoffmangel im Blut und kommen bei Kälte, aber auch bei Herz- und Lungenerkrankungen vor. Blasse, fast weiße Nagelbetten sind ein Hinweis auf Blutarmut, meist durch Eisenmangel. Halb-und-halb-Nägel, bei denen der untere Teil weiß und der obere rötlich-braun ist, kommen bei chronischer Niereninsuffizienz vor. Terry-Nägel mit fast vollständig weißem Nagelbett kommen bei Leberzirrhose, Herzschwäche und Diabetes vor, aber auch im hohen Alter ohne Krankheitswert.
Rote oder braune, feine Längsstriche unter dem Nagel, die wie Splitter aussehen, sind kleine Einblutungen in das Nagelbett. Sie entstehen meist durch Verletzungen, zum Beispiel beim Sport oder bei handwerklicher Arbeit. Treten sie an mehreren Nägeln ohne erkennbare Ursache auf, können sie auf eine Endokarditis, eine Gefäßentzündung oder eine Schuppenflechte hinweisen und sollten abgeklärt werden.
Braune oder schwarze Verfärbungen brauchen besondere Aufmerksamkeit. Ein Bluterguss nach einer Quetschung oder nach langen Wanderungen in engen Schuhen erscheint rot-blau bis schwarz, wächst mit dem Nagel heraus und hat einen scharf begrenzten Rand. Ein dunkler Längsstreifen, der von der Nagelwurzel bis zur Spitze läuft, die Melanonychie, kann dagegen viele Ursachen haben. Bei Menschen mit dunkler Haut sind solche Streifen an mehreren Nägeln häufig und meist harmlos. Auch Medikamente, Pilze, Schwangerschaft, Verletzungen und gutartige Muttermale in der Matrix färben den Nagel. Gefährlich wird es, wenn ein einzelner Streifen neu entsteht, breiter als etwa drei Millimeter ist, unregelmäßig gefärbt ist, sich verändert, den Nagel aufsprengt oder wenn sich das Pigment auf die Nagelhaut oder den Nagelwall ausbreitet. Dieses Hutchinson-Zeichen ist ein Warnhinweis auf ein Melanom unter dem Nagel.
Wann ist ein dunkler Streifen unter dem Nagel ein Hautkrebs?
Das subunguale Melanom, also der schwarze Hautkrebs unter dem Nagel, ist selten und macht in Mitteleuropa nur etwa ein bis drei Prozent aller Melanome aus. Es betrifft am häufigsten Daumen und Großzehe und tritt meist zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr auf. Bei Menschen mit dunkler Haut ist es anteilig deutlich häufiger. Weil das Melanom unter dem Nagel oft mit einem Bluterguss, einem Pilz oder einem Nagelmuttermal verwechselt wird, wird es im Durchschnitt später erkannt als andere Melanome und hat dadurch eine schlechtere Prognose.
Für die Einschätzung eines dunklen Nagelstreifens hat sich eine einfache Merkhilfe etabliert, die auf den Buchstaben A bis F beruht. A steht für Alter zwischen 50 und 70 sowie Herkunft. B steht für einen braunen bis schwarzen Streifen, der breiter als drei Millimeter ist und unscharfe Ränder hat. C bedeutet Change, also eine Veränderung in Breite, Farbe oder Wachstum, oder das Ausbleiben einer Besserung trotz Behandlung. D steht für den betroffenen Finger, wobei Daumen, Großzehe und Zeigefinger am häufigsten betroffen sind. E steht für Extension, die Ausbreitung des Pigments auf Nagelhaut oder Nagelwall. F steht für eine familiäre oder persönliche Vorgeschichte mit Melanomen oder auffälligen Muttermalen.
Trifft einer dieser Punkte auf Dich zu, gehört der Nagel zeitnah zum Hautarzt. Der Dermatologe untersucht den Streifen mit dem Dermatoskop und entscheidet, ob eine Gewebeprobe aus der Nagelmatrix nötig ist. Diese Biopsie ist die einzige Möglichkeit, ein Melanom sicher auszuschließen. Bei früh erkannten, dünnen Melanomen sind die Heilungschancen gut, weshalb Du im Zweifel lieber einmal zu viel zum Arzt gehst.
Auch ein Nagel, der sich ohne erkennbare Ursache ablöst, wund wird, blutet, dauerhaft nässt oder unter dem sich ein Knoten bildet, sollte untersucht werden. Neben dem Melanom können sich ein Plattenepithelkarzinom oder Warzen durch humane Papillomviren unter dem Nagel entwickeln.
Welche Nährstoffmängel zeigen sich an den Nägeln?
Nägel bestehen aus Keratin, und für dessen Aufbau braucht Dein Körper Eiweiß, Mineralstoffe und Spurenelemente wie Eisen und Zink, Biotin und weitere Vitamine. Ein Mangel zeigt sich am Nagel jedoch meist spät, unspezifisch und nie allein. Greif deshalb nicht reflexhaft zu Kapseln, sondern lass zunächst die Ursache klären.
Eisenmangel ist der häufigste Nährstoffmangel weltweit und betrifft in den DACH-Ländern vor allem Frauen im gebärfähigen Alter, Schwangere, Menschen mit vegetarischer oder veganer Ernährung, Ausdauersportler und Menschen mit chronischen Blutverlusten oder Darmerkrankungen. An den Nägeln zeigt er sich durch Brüchigkeit, Längsrillen, blasse Nagelbetten und in fortgeschrittenen Fällen durch Löffelnägel. Begleitend treten Müdigkeit, Haarausfall und Kälteempfindlichkeit auf. Der aussagekräftige Laborwert ist das Ferritin, der Eisenspeicherwert, ergänzt um ein Blutbild und bei Entzündungen um das CRP, weil Ferritin bei Entzündungen fälschlich normal erscheinen kann.
Zink ist an der Zellteilung in der Nagelmatrix beteiligt. Ein Mangel entsteht bei einseitiger Ernährung, veganer Kost mit vielen Phytaten, chronischen Darmerkrankungen, Alkoholmissbrauch, Nierenerkrankungen und in der Schwangerschaft. Am Nagel zeigen sich weiße Querbänder, Querrillen, Brüchigkeit und Entzündungen am Nagelwall, dazu kommen Hautekzeme, schlechte Wundheilung, Haarausfall und Infektanfälligkeit. Zink im Serum ist als Laborwert nur bedingt zuverlässig, ein Mangel wird deshalb aus Symptomen, Ernährung und Laborwert zusammen beurteilt.
Biotin gehört zu den B-Vitaminen und wird bei brüchigen Nägeln am häufigsten beworben. Ein echter Biotinmangel ist bei normaler Ernährung selten und kommt vor allem nach langer Antibiotikaeinnahme, bei Alkoholabhängigkeit, unter bestimmten Epilepsiemedikamenten und bei angeborenen Stoffwechselstörungen vor. Die Studienlage zu Biotin bei brüchigen Nägeln stützt sich auf sehr kleine, ältere Untersuchungen ohne Placebogruppe, in denen Dosierungen von 2,5 Milligramm täglich die Nageldicke verbesserten. Ein Nutzen bei Menschen ohne Mangel ist nicht belegt. Wichtig ist, dass hoch dosiertes Biotin Laborwerte verfälschen kann, unter anderem Schilddrüsen- und Herzwerte wie Troponin. Wenn Du Biotin nimmst, sag es vor jeder Blutabnahme.
Auch Eiweiß-, Vitamin-B12- und Vitamin-D-Mangel werden mit Nagelveränderungen in Verbindung gebracht, die Belege sind aber schwach.
Welche Hauterkrankungen verändern die Nägel?
Die Nägel gehören zu den Hautanhangsgebilden, und viele Hautkrankheiten machen vor ihnen nicht halt. Die drei wichtigsten sind Nagelpilz, Schuppenflechte und Ekzeme.
Nagelpilz betrifft je nach Altersgruppe fünf bis 20 Prozent der Bevölkerung und wird meist durch Fadenpilze verursacht, die über Fußpilz, feuchte Schuhe, Schwimmbäder und kleine Verletzungen in den Nagel gelangen. Risikofaktoren sind Diabetes, Durchblutungsstörungen, ein geschwächtes Immunsystem und höheres Alter. Der Nagel wird gelblich, verdickt, bröckelig und löst sich vom Nagelbett. Ohne Behandlung heilt Nagelpilz nicht aus, sondern breitet sich auf weitere Nägel aus. Die Therapie mit antimykotischen Lacken, in Ausnahmefällen einer harnstoffhaltigen Salbe zum Ablösen der erkrankten Nagelplatte oder mit Tabletten als systemische Therapie dauert Monate und gelingt nur, wenn die Diagnose durch einen Pilznachweis gesichert ist.
Schuppenflechte befällt bei etwa der Hälfte der Betroffenen auch die Nägel, bei Menschen mit Psoriasis-Arthritis sogar bei bis zu 80 Prozent. Tüpfel, Ölflecken, Ablösung, Krümelnägel und Splitterblutungen sind die typischen Zeichen. Eine Nagelpsoriasis gilt als Hinweis auf eine spätere Gelenkbeteiligung, weshalb Du Tüpfelnägel mit Gelenkschmerzen beim Dermatologen ansprechen solltest.
Ekzeme am Nagelwall, zum Beispiel ein chronisches Handekzem durch Feuchtarbeit oder ein Kontaktekzem durch Acrylate in künstlichen Nägeln, stören die Matrix und führen zu Querrillen, Verdickung, rauen Oberflächen und Ablösungen. Auch eine chronische Nagelbettentzündung durch Bakterien oder Hefepilze, die bei Menschen mit ständig feuchten Händen häufig ist, verformt den Nagel dauerhaft. Lichen ruber kann die Matrix vernarben und den Nagel dauerhaft zerstören, weshalb hier eine frühe Behandlung entscheidend ist.
Welche inneren Erkrankungen spiegeln sich in den Nägeln?
Nagelveränderungen sind selten das erste und nie das einzige Zeichen einer systemischen Erkrankung, also einer Krankheit, die den ganzen Körper betrifft, aber oft ein hilfreiches Puzzleteil.
Bei Herz- und Lungenerkrankungen fällt der Sauerstoffmangel auf. Uhrglasnägel und Trommelschlägelfinger entstehen, wenn das Gewebe über Monate zu wenig Sauerstoff bekommt, etwa bei COPD, Lungenfibrose, Lungenkrebs, Bronchiektasen, angeborenen Herzfehlern oder einer Endokarditis. Splitterblutungen an mehreren Nägeln gehören zu den klassischen Zeichen der Herzinnenhautentzündung und sollten bei Fieber und Herzgeräuschen sofort abgeklärt werden.
Lebererkrankungen wie eine Zirrhose zeigen sich in Terry-Nägeln mit weißem Nagelbett und in einer Rötung der Handflächen. Chronische Nierenerkrankungen führen zu Halb-und-halb-Nägeln und zu brüchigen, matten Nägeln. Bei Schilddrüsenüberfunktion kann sich der Nagel vom Bett lösen und die Nagelplatte wird weich, bei Schilddrüsenunterfunktion werden die Nägel brüchig, dick und wachsen langsam, oft begleitet von trockener Haut, Haarausfall und Müdigkeit.
Diabetes erhöht das Risiko für Nagelpilz, verlangsamt das Wachstum, verdickt die Nägel und macht sie anfällig für Entzündungen, die bei gestörter Durchblutung und Nervenschädigung an den Füßen gefährlich werden können. Bei Diabetes gehören die Zehennägel deshalb regelmäßig kontrolliert.
Auch Medikamente verändern Nägel. Chemotherapien führen zu Querrillen und Ablösungen, einige Antibiotika machen die Nägel lichtempfindlich, Retinoide dünnen sie aus. Wer neu ein Medikament nimmt und Nagelveränderungen bemerkt, spricht das beim behandelnden Arzt an, setzt das Präparat aber nie eigenmächtig ab.
Wie klärt der Hautarzt Nagelveränderungen ab und was zahlt die Krankenkasse?
Der erste Ansprechpartner für Nagelveränderungen ist der Dermatologe, weil Nägel zur Haut gehören und Hautärzte in der Nageldiagnostik ausgebildet sind. Bei Verdacht auf eine innere Ursache arbeitet er mit Hausarzt, Internist oder Rheumatologen zusammen.
Die Untersuchung beginnt mit einem Gespräch über den zeitlichen Verlauf, Verletzungen, Beruf, Maniküre, Vorerkrankungen, Medikamente, Ernährung und Beschwerden an Haut, Gelenken und Haaren. Hast Du zwischendurch Fotos der Veränderung gemacht, hilft das bei der Beurteilung des Verlaufs. Danach betrachtet der Arzt alle 20 Nägel, denn das Muster ist entscheidend: ein Nagel, mehrere oder alle, Finger und Zehen, begleitende Hautzeichen.
Mit dem Dermatoskop, einer beleuchteten Lupe, beurteilt er Pigmentstreifen, Blutungen, Gefäße und Oberflächenstrukturen. Bei Verdacht auf Pilz entnimmt er Nagelspäne für ein Mikroskop-Präparat, eine Pilzkultur oder einen molekularen Nachweis. Bei Verdacht auf Psoriasis, Lichen ruber oder ein Melanom kann eine Gewebeprobe aus Nagelbett oder Matrix nötig sein. Bei Verdacht auf eine innere Ursache oder einen Mangel folgen Blutwerte: Blutbild, Ferritin, Zink, gegebenenfalls Biotin, TSH und weitere Schilddrüsenwerte, Leber- und Nierenwerte, Blutzucker beziehungsweise HbA1c, Entzündungswerte und bei Rheumaverdacht Autoantikörper.
In Deutschland ist die dermatologische Abklärung von Nagelveränderungen bei Beschwerden oder begründetem Verdacht eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung, ebenso Pilznachweis, Biopsie und die genannten Blutwerte. Rein kosmetische Anliegen und Laborwerte ohne Verdacht zahlst Du selbst. In Österreich übernimmt die Krankenkasse die Untersuchung beim Kassendermatologen mit e-card, bei Wahlärzten erhältst Du einen Teil der Kosten zurück, und Blutwerte im Rahmen der jährlichen Vorsorgeuntersuchung ab 18 Jahren decken Blutbild, Blutzucker, Leber- und Nierenwerte ab, nicht aber Ferritin oder Zink, die bei Verdacht separat verordnet werden. In der Schweiz zahlt die Grundversicherung die ärztliche Abklärung bei medizinischem Anlass abzüglich Franchise und Selbstbehalt von zehn Prozent, wobei Laboruntersuchungen nach der Analysenliste des Bundes vergütet werden und Zusatzversicherungen nur für kosmetische Anliegen relevant sind.
Was kannst Du selbst für gesunde Nägel tun?
Die wirksamste Maßnahme ist der Schutz vor Feuchtigkeit und Chemikalien. Trag bei Spül-, Putz- und Gartenarbeit Handschuhe, am besten Baumwollhandschuhe unter Gummihandschuhen, damit die Hände nicht schwitzen. Wasch die Hände mit lauwarmem Wasser und milden, rückfettenden Reinigern und creme sie danach ein, am besten mit einer Pflege, die Urea oder Glycerin enthält und auch die Nagelhaut einschließt. Bei stark geschädigter Nagelhaut kann der Hautarzt eine individuelle Rezeptur aus der Apotheke verordnen. Verzichte auf acetonhaltige Nagellackentferner, häufige Lackwechsel und künstliche Nägel, deren Acrylate Allergien auslösen und die Nagelplatte ausdünnen. Nagelhaut solltest Du nicht schneiden, sondern nur nach dem Baden sanft zurückschieben, weil sie die Matrix vor Keimen schützt.
Feil die Nägel in eine Richtung, halte sie kurz und schneide Zehennägel gerade, um eingewachsene Nägel zu vermeiden. Wechsle Socken täglich, trockne die Zehenzwischenräume ab und trag in Schwimmbad und Sauna Badeschuhe.
Bei der Ernährung zählt die Gesamtversorgung mit Eiweiß, Eisen, Zink und Biotin aus Hülsenfrüchten, Vollkorn, Nüssen, Eiern, Milchprodukten, Fisch oder Fleisch. Nahrungsergänzungsmittel sind nur sinnvoll, wenn ein Mangel nachgewiesen ist, und gehören in der Dosis mit dem Arzt abgestimmt, weil zu viel Zink die Kupferaufnahme hemmt und zu viel Eisen Darm und Leber belastet. Eine Beratung in der Apotheke hilft bei der Auswahl eines Präparats, ersetzt aber nicht die Diagnose beim Hautarzt. Auch Arzneipflanzen wie Schachtelhalm oder Hirse, die wegen ihres Kieselsäuregehalts für feste Nägel beworben werden, haben keinen belegten Nutzen. Verzichte auf Nikotin, das die Nägel gelb färbt und die Durchblutung des Nagelbetts verschlechtert.
Schau Deine Nägel außerdem etwa einmal im Monat bei gutem Licht bewusst an, auch die Zehennägel.
Warum sind Nägel ein Frühwarnsystem für gesundes Altern?
Aus Sicht der Longevity-Medizin sind Nägel ein unscheinbares, aber ehrliches Biomarker-Fenster. Sie verraten, wie gut Dein Körper über Monate mit Sauerstoff, Eisen, Eiweiß und Spurenelementen versorgt war, ob chronische Entzündungen ablaufen und ob Organe wie Leber, Niere, Herz und Schilddrüse im Gleichgewicht sind. Viele Erkrankungen, die sich an den Nägeln zeigen, verkürzen die gesunde Lebensspanne am stärksten: Herz-Kreislauf-, Lungen-, Nieren- und Lebererkrankungen sowie Diabetes. Ein Blick auf die Nägel ersetzt keine Vorsorgeuntersuchung, kann aber der Anlass sein, sie wahrzunehmen.
Mit dem Alter verlangsamt sich das Nagelwachstum, die Nagelplatte wird dünner und rilliger, das Risiko für Pilzinfektionen steigt. Die Hautkrebsvorsorge beim Hautarzt schließt auch die Nägel ein. Sprich dabei aktiv an, wenn Dir etwas aufgefallen ist, denn Melanome unter dem Nagel werden zu oft übersehen, weil niemand danach gefragt hat.
Wann solltest Du mit Nagelveränderungen zum Arzt gehen?
Ein weißer Fleck, feine Längsrillen oder ein Bluterguss nach einer Quetschung brauchen keinen Arzttermin. Termine beim Dermatologen sind oft knapp, weshalb Du bei einem dunklen Streifen den Verdacht bei der Terminvergabe ausdrücklich nennen solltest. Zum Dermatologen solltest Du gehen, wenn eine Nagelveränderung neu auftritt und nicht innerhalb weniger Wochen wieder verschwindet, wenn mehrere oder alle Nägel betroffen sind, wenn Du gleichzeitig Beschwerden an Haut, Haaren, Gelenken oder im Allgemeinbefinden hast, wenn Nägel sich ablösen, verdicken, verfärben oder verformen, oder wenn eine Entzündung am Nagelwall länger als eine Woche anhält. Ohne Verzögerung gehört zum Arzt, wer einen neuen dunklen Längsstreifen unter dem Nagel entdeckt, insbesondere wenn er breiter wird, unregelmäßig gefärbt ist oder auf die Nagelhaut übergreift, wer neu entstandene Uhrglasnägel bemerkt oder wer Splitterblutungen zusammen mit Fieber und Krankheitsgefühl hat.
Über die Arztsuche auf MOOCI findest Du Hautärztinnen und Hautärzte in Deiner Nähe, die Nagelveränderungen fachgerecht abklären.
Quellen
S1-Leitlinie Onychomykose (Deutsche Dermatologische Gesellschaft, AWMF 013-003)
Levit EK et al. The ABC rule for clinical detection of subungual melanoma. J Am Acad Dermatol 2000
Krebsinformationsdienst des DKFZ: Malignes Melanom, Sonderformen und Früherkennung
S3-Leitlinie Therapie der Psoriasis vulgaris (AWMF 013-001), Abschnitt Nagelpsoriasis
Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Referenzwerte für Eisen, Zink und Biotin
Gesundheitsportal Österreich: Vorsorgeuntersuchung, Leistungsumfang
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