Eingewachsener Zehennagel

Wenn ein Zehennagel in die Nagelhaut einwächst, kann das sehr schmerzhaft sein. Zum Glück lassen sich leichte Beschwerden einfach lindern und klingen normalerweise schnell ab. Aber auch, wenn die Entzündung chronisch wird, gibt es Lösungen. Welche die Therapieoptionen sind und wie Du eingewachsene Zehennnägel am besten vorbeugen kannst, zeigen wir Dir hier.


AUTOR

Dr. med. Benjamin Gehl

Medizinischer Experte

CO-AUTOR

Miriam Ankrah

Online-Redaktion


Letztes Update: 13. November, 2019



Was versteht die Medizin unter einem eingewachsenen Zehennagel?

In der Medizin bezeichnet man das Krankheitsbild des eingewachsenen Zehennagels als „Unguis incarnatus“ oder auch „Onychocryptosis“. Davon spricht man, wenn ein Nagel, zum Beispiel aufgrund eines angeborenen Nagel-Schiefstand, in die umliegende Haut einwächst. Aber auch wenn die den Nagel umgebende Nagelfalz den Nagel überwuchert, ist von einem eingewachsenen Nagel die Rede. Betroffen ist in den meisten Fällen der Großzeh.

Wie sehen die Symptome bei einem eingewachsenen Zehennagel aus?

Jeder, der schon einmal einen eingewachsenen Zehennagel hatte, kennt das Hauptsymptom dieses Krankheitsbildes: Schmerzen. Gerade in Bewegung und durch Druck des umgebenden Schuhs kann ein eingewachsener Nagel zur Qual werden. Durch das Einwachsen in die Haut verletzt der Nagel außerdem das entsprechende Gewebe, was auch eine Eintrittsstelle für Keime sein kann. Dadurch können eingewachsene Nägel akute Entzündungen hervorrufen, die bei fehlender Behandlung und einem schwachen Immunsystem chronisch werden. In schweren Fällen kann sich sogar der betroffene Zehenknochen entzünden. Dann sprechen Mediziner von einer „Osteitis“. Aus dieser kann sich in der Folge auch eine durch Keime verursachte Athritis, also Gelenksentzündung, des Zehengrundgelenks entwickeln.

Eingewachsene-Zehennägel

Welche Ursachen hat ein eingewachsener Zehennagel?

Die Ursache für einen eingewachsenen Zehennagel liegt in vielen Fällen in zu kleinem und engem Schuhwerk begründet. Aber auch falsches Nägelschneiden ist ein häufiger Grund für das Einwachsen. Denn schneidet man den Fußnagel oval, wie man das von Fingernägeln gewohnt ist, schiebt sich der festere Fußnagel oft automatisch ins Nagelbett und wächst so ein. Durch die Verletzung verändert sich das Nagelbett, das im Rahmen der Verletzung sogenanntes Granulationsgewebe bildet. Dieses wächst dann zusätzlich, im Versuch die Verletzung zu reparieren, über den eingewachsenen Nagel und verstärkt das Krankheitsbild so.

Außerdem begünstigt fehlende Fußhygiene die Entzündung zusätzlich. Aber auch Vererbung kann eine Ursache für eingewachsene Zehennägel darstellen, dann nämlich, wenn die Nagelachse von vorneherein falsch angelegt ist und der Nagel permanent schief wächst. Solche Nägel sind oft deutlich verformt und Mediziner sprechen in diesen Fällen von „Rollnägeln“. Betroffene leiden meist an wiederkehrenden, schmerzhaften Nagelbettentzündungen, die häufig operativ versorgt werden müssen.

Wie diagnostiziert der Arzt einen eingewachsenen Zehennagel?

Die Diagnose des eingewachsenen Zehennagels ist im Regelfall eine Blickdiagnose. Die Stelle, an der der Nagel in die Nagelfalz einwächst, präsentiert sich meist aufgrund der Entzündung geschwollen und rot, während das seitliche Ende des Nagels nicht sichtbar ist.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Eingewachsene Nägel sind ein sehr häufiges Krankheitsbild. Hierbei sind Männer aber deutlich häufiger betroffen als Frauen.

Welche Folgen hat der eingewachsene Zehennagel für die Patienten?

Davon abhängig, wie schwer der eingewachsene Zehennagel ausgeprägt ist, empfinden Patienten stärkere oder weniger starke Schmerzen. Gleichzeitig kann es bei stark entzündeten Fällen zu einer operativen Sanierung kommen. Mitunter können eingewachsene Zehennägel einer mehrmaligen Behandlung bedürfen, was mit entsprechenden Unannehmlichkeiten für Betroffene verbunden ist. Trotz allem ist der eingewachsene Nagel aber kein ernstes Krankheitsbild und hat, gerade bei früher Behandlung, keine längerfristigen Folgen.

Was kann ich gegen einen eingewachsenen Zehennagel tun?

Bevor Du mit einem eingewachsenen Zehennagel den Arzt aufsuchen musst, kannst Du schon zuhause einige schmerzlindernde und entzündungshemmende Maßnahmen ergreifen. Mit einem warmen, seifenhaltigen Fußbad lässt sich die Haut der Nagelfalz aufweichen und sich in leichten Fällen nach ungefähr zwanzig Minuten einfach zur Seite schieben. Die durch das Einwachsen entstandene Wunde kann man dann mit einer für Wunden geeigneten, desinfizierenden und antiseptischen Salbe oder Flüssigkeit behandeln.

Eingewachsene-Zehennägel

Außerdem ist es sinnvoll den betroffenen Zeh zu entlasten und vor Druck zu schützen. Hierfür kann man zum Beispiel einen Zehenkeil verwenden, den man in den Zehenzwischenraum legt, um die betroffene Stelle so von Druck zu befreien. Dies kann man auch durch ein auf Zug angebrachtes Pflaster erreichen, mit dem man die Nagelhaut vom Nagel wegzieht. Aber auch der Besuch in einer Apotheke oder beim Podologen kann sich lohnen. Hier gibt es spezifische Hilfsmittel wie sterile Tamponaden, Nagelspangen und Kunststoffschienen, die die betroffene Stelle entlasten. Gerade für chronisch Betroffene, bei denen eingewachsene Nägel in der Familie liegen und die sichtbar verformte Nägel haben, empfehlen Experten konservative Methoden wie Schienen und Nagelspangen. Diese bringt man dauerhaft auf dem Nagel an, wo sie ihn dann von der Nagelfalz weghalten und auch die Wachstumsrichtung des Nagels verändern. So können gerade verformte eingewachsene Nägel gut behandelt werden. Allerdings setzt bei diesen Maßnahmen die Besserung oft nicht sofort ein und benötigt einige Wochen bis Monate.

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Ist die Nagelfalz aber schon stark entzündet und bleiben auch entzündungshemmende sowie antibakterielle Salben ohne Erfolg, kann eine Operation indiziert sein. Ob dies der Fall ist, findet der Facharzt gemeinsam mit Dir heraus.

Was muss ich vor einer Operation beachten?

Da die operative Sanierung eines eingewachsenen Nagels in fast allen Fällen ohne Vollnarkose auskommt und meist sehr schnell geht, musst Du in den meisten Fällen nichts Spezielles beachten. Sinnvoll ist aber eine Entlastung des betroffenen Zehs durch oben genannte Maßnahmen sowie das Tragen weiter, im besten Fall zehenfreier Schuhe bis zum Operationstermin.

Wie verläuft die Operation bei einem eingewachsenen Zehennagel?

Zunächst verabreicht der behandelnde Arzt ein Lokalanästhetikums auf Höhe des Zehen-Grundgelenks mit zwei Einstichen, welches die sensiblen Nervenbahnen des betroffenen Zehs hemmt und so jeglichen Schmerz nimmt. Um starke Blutungen zu vermeiden, bindet der Operateur außerdem den Zeh mit einem Gummiband ab. Das operative Standardverfahren besteht in der sogenannten Emmert-Plastik: Hierbei entfernt der Chirurg ein keilförmiges Nagelstück in dem betroffenen Bereich inklusive Nagelbett und Nagelmatrix, also dem für das Nachwachsen des Nagels zuständigen Teil. Dadurch verschmälert sich der Nagel insgesamt, was einem erneuten Einwachsen vorbeugt. Eine neue und schonendere Methode besteht in der Verödung der Nagelmatrix: Auch hier wird der eingewachsene Teil des Nagels durch einen Schnitt bis zur unter der Haut liegenden Matrix entfernt, diese aber belassen.

Um eine erneute Nagelproduktion der Nagelmatrix zu vermeiden, verödet man diese lediglich chemisch. Dadurch schont man das umliegende Gewebe, was in Studien zu deutlich verringerten Schmerzen nach der Operation, einer geringeren Anzahl an Komplikationen sowie schnelleren Heilungserfolgen führte. Die durch die Operation entstandene Wunde lässt man in beiden Fällen in der Regel alleine zuwachsen. Eine Adaption der Nagelränder an die Nagelfalz mithilfe von Nähten ist aber auch möglich. Allerdings kommt es immer auf den Befund an. Lokale Entzündungen können aufgemacht und entleert werden. Manchmal kürzt der Arzt den Nagel zurück und feilt diesen mit Längsrillen, denn dann dreht er sich nach beim Wachsen nach außen. Erst wenn all diese Methoden nicht den gewünschten Erfolg bringen, kommt die Emmert-Plastik in Betracht.

Eingewachsene-Zehennägel

Was muss ich nach der Operation beachten?

Direkt nach der Operation ist es sinnvoll, den Fuß einige Zeit hochzulagern. Dadurch kann man Nachblutungen verhindern. Schmerzmittel lindern allfällig auftretende Schmerzen. Um eine weitere Entzündung zu verhindern und eventuell während der Operation ins Operationsgebiet gelangte Bakterien zu bekämpfen, sollten Patienten nach der Operation für einige Tage eine antibiotische Therapie einnehmen. Auch Wundkontrollen, sowie Verbandswechsel erfolgen nach der Operation noch. Wenn der Operateur die Nagelränder mit der Nagelfalz vernäht hat, muss das Nahtmaterial außerdem nach zehn Tagen gezogen werden.

Was kann ich nach der Operation tun, um die Heilung zu verbessern?

Damit der betroffene Zeh gut abheilen kann, ist es ratsam, diesen einige Tage nur leicht zu belasten und Beanspruchung sowie Druck zu vermeiden. Die Wundstelle sollten Patienten regelmäßig nach der Operation kontrollieren und auf Entzündungszeichen wie starke Rötung und Eiterbildung sowie erneutes Einwachsen des Nagels achten.

Wann kann ich nach der Operation wieder arbeiten oder Sport betreiben?

Nach eineinhalb bis zwei Wochen ist die Wunde abgeheilt und man kann wieder arbeiten gehen. Es ist aber ratsam auf starke Belastungen wie lange Laufstrecken noch ein wenig länger zu verzichten. Wenn bei Belastung aber keine Schmerzen auftreten und Nagel und Nagelfalz gut verheilt sind, steht einer Vollbelastung nichts mehr im Weg.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Die nicht-operativen Therapiemethoden bergen nur wenige Risiken. Gegen verwendete Salben und Tinkturen kann sich eine Allergie entwickeln. Dann solltest Du diese nicht weiterverwenden und Rücksprache mit einem Arzt halten. Operationen haben allgemeine Risiken: Während oder nach der Operation kann es zu einer unerwarteten Blutung kommen und auch Wundinfektionen sowie Wundheilungsstörungen zählen zu möglichen Risiken. Es ist außerdem möglich, dass während der Operation Nerven verletzt werden, was zu dauerhaften Kribbel-Empfindungen oder Taubheit führen kann. Ein bei Nageloperationen spezifisches Risiko ist die Verletzung der Strecksehne des Zehs, was einen eingeschränkten Bewegungs-Spielraum zur Folge hat.

Wie kann ich einen eingewachsenen Zehennagel am besten vorbeugen?

Lockeres, luftdurchlässiges Schuhwerk spielt bei der Vorsorge eingewachsener Zehennägel ebenso eine Rolle wie richtiges Nägelschneiden. Hierbei sollte man darauf achten, den Fußnagel gerade und nicht zu kurz abzuschneiden.

Eingewachsene-Zehennägel

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Sowohl für eine podologische Behandlung mit Anlegung einer Spange oder Schiene, wie auch für eine Operation übernehmen die Krankenkassen die Kosten. Solltest Du Dir trotzdem unsicher sein, dann frage am besten bei Deinem Versicherungsträger nach oder kontaktiere unsere Spezialisten.

 

Quellen

Haneke E. (1987) Operative Therapie von Nagelkrankheiten. In: Petres J. (eds) Aktuelle Behandlungsverfahren. Fortschritte der operativen Dermatologie, vol 3. Springer, Berlin, Heidelberg

Mainusch, O.M. & Löser, C.R. Hautarzt (2018) 69: 726. (letzter Zugriff: 08.07.2019)

NCBI: Pubmed (letzter Zugriff: 08.07.2019)


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Das Wichtigste zusammengefasst

Die Ursachen eingewachsener Fußnägel liegen vor allem in unpassendem Schuhwerk und falschem Nägelschneiden


Leichte Formen kannst Du selbst behandeln, bei schwereren Entzündungen solltest Du aber Spezialisten aufsuchen


Nicht-operativ lassen sich eingewachsene Nägel gut mit Nagelspangen oder -schienen behandeln. Ist der Nagel aber stark eingewachsen, muss man diesen chirurgisch versorgen


Um einen eingewachsenen Zehennagel zu vermeiden, solltest Du auf die richtige Technik beim Schneiden achten, zudem sollten Deine Schuhe nicht zu eng sein