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Klinodaktylie

Klinodaktylie

Hast Du schon einmal bemerkt, dass ein Finger leicht schief steht oder zur Seite abweicht?

Dauer
Ca. 60 Minuten
Klinik
Bis zu 3 Tage
Ausfallzeit
Bis zu 3 Monaten
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Was ist eine Klinodaktylie?

Die Klinodaktylie ist ein angeborenes Symptom des Handgelenks, bei dem ein Knochenglied im Allgemeinen radial abgewinkelt zu den anderen Knochengliedern steht. Meistens ist dabei der Kleinfinger betroffen. Die genaue Ursache findet sich in der Wachstumsfuge, die bei Kindern, im Gegensatz zu Erwachsenen, noch eine wichtige Rolle während der Entwicklung des Knochenwachstums spielt. Ist sie längs falsch ausgebildet, wirkt sie wie eine Klammer und lässt den Knochen nicht gerade in der normalen Längsrichtung, sondern eher tetraederförmig wachsen, sodass die folgenden Glieder alle mit verdreht sind. Dadurch verdreht sich der ganze Finger und richtet sich meistens in Richtung Handinnenseite. Man spricht auch synonym von einer Fehlstellung der Phalangen des Skeletts an Hand oder Fuß.

Unter der Klinodaktylie ist eine Fehlstellung der Finger zu verstehen. Am häufigsten sind die kleinen Finger betroffen KI-generiertes Bild

Wie häufig ist die Klinodaktylie und wer ist davon betroffen?

Die Klinodaktylie tritt oft isoliert auf oder ist bedingt durch eine andere, meist genetische Erkrankung, oder eine solche, die durch Schädigung des Kindes im Mutterleib hervorgerufen wurde. Fehlstellungen dieser Art treten bei etwa einem Promille der Neugeborenen auf, man kann aber von einer hohen Dunkelziffer unauffälliger Fälle ausgehen.

Welche Arten der Klinodaktylie gibt es?

Die Medizin unterscheidet danach, welches Gelenk betroffen ist:

  • Eine Klinobasodaktylie bezeichnet die Klinodaktylie mit der Fehlstellung im Grundgelenk
  • Eine Klinomesodaktylie, wenn die Abwinklung aus dem Mittelgelenk rührt, und schließlich
  • Eine Klinoteledaktylie mit der Abwinklung im Endgelenk

Außerdem unterscheidet die Medizin welche Extremitäten, in welche Richtung und vor allem um wie viel Grad verdreht sind.

Was sind die Symptome einer Klinodaktylie?

In den meisten Fällen ist das Symptom am Kleinfinger zu finden, kann aber auch in den anderen Finger, am Daumen oder an den Zehen lokalisiert sein, normalerweise symmetrisch, also an den gleichen Fingern/Zehen beider Extremitäten. Im Regelfall ist ein Finger Richtung Daumen geknickt und verdreht. Die Symptome sind oft nicht stark ausgeprägt, sodass sie sogar manchmal erst spät bemerkt werden. In einigen Fällen verringert sich die Beweglichkeit, und manchmal kann die Klinodaktylie auch schmerzhaft sein.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Klinodaktylie?

Fällt diese Handfehlstellung nicht direkt bei der Geburt auf, kann der Arzt sie meist schon durch eine einfache Blickdiagnose diagnostizieren. Alternativ gibt es natürlich bildgebende Verfahren, wie Röntgen oder das fMRT, um feststellen zu können, ob und an welchem Glied ein Knochen falsch gewachsen ist.

Welche Behandlungs- und Therapieformen der Klinodaktylie gibt es?

Die Wachstumsfuge ist am Anfang ähnlich einer Klammer, woraus der Knochen eines Kindes noch wächst. Bei einem jungen Kind bis zu sechs Jahren kann man die gestörte Wachstumsfuge operativ mit einer sogenannten Resektion korrigieren, sodass die Fehlstellung von allein wieder herauswächst. Auf diese Weise kann der Arzt eine Drehung in die richtige Richtung um bis zu 20° erreichen.

Die Klinodaktylie macht sich durch gekrümmte Finger bemerkbar

Ist der Patient älter, kann der Mediziner ähnlich vorgehen, allerdings ist der Eingriff am Knochen für einen starken Effekt aufwendiger, was auch eine aufwendigere und längere Nachsorge bedingt.

Bei den chirurgischen Eingriffen entnimmt der Chirurg Knochenmaterial aus anderen Körperteilen, wie zum Beispiel aus Deinen Rippen oder dem Beckenkamm und zudem auch Fettgewebe. Dieses setzt er wieder am Gelenk ein.

Oft reicht eine konservative Therapie aus, nur bei starken Fällen, Fällen am Daumen oder einer stetigen Verschlechterung, raten Ärzte häufig zu einer Operation.

Bei der konservativen Therapie findet keine chirurgische Korrektur der Fehlstellung statt. Stattdessen kommen Orthesen zum Einsatz, die Deine Finger stützen und so durch das Wachstum sanft korrigiert.

Wann ist eine Operation bei einer Klinodaktylie sinnvoll?

Hat das Kind Schmerzen, sind die Finger oder Zehen um mehr als 20° abgewinkelt, oder ist der Daumen beeinträchtigt, ist eine Operation sinnvoll. Auch wenn das Greifen schwerfällt, ist eine möglichst frühe Operation angeraten. Ein früher Zeitpunkt ist ein guter Zeitpunkt, da sich die Klinodaktylie somit nicht mit der Zeit verschlimmern kann, und sogar das Kindeswachstum selbst als Chance nutzt. Daher ist eine Operation vor dem Grundschulalter am besten.

Wie läuft eine Operation der Klinodaktylie ab?

Die Operation ist mit einem Aufenthalt von bis zu drei Tagen im Krankenhaus verbunden. In einem etwa einstündigen Eingriff korrigiert der Chirurg die Knochen, indem er diese umsetzt, oder vielleicht sogar zuvor entnommenes Knochenmaterial neu einsetzt. Eine Alternative ist das Einsetzen von weicherem Fettgewebe, das die Fuge stützt und bei jüngeren Kindern die Fehlstellung durch das Wachstum des Kindes von allein ausgleicht. Ist die gewünschte Achskorrektur bei der Operation gelungen, findet anschließend oftmals eine Stabilisierung des Knochenglieds mithilfe von Drähten statt. Die Drähte muss der Arzt nach spätestens einem Monat wieder in einer kleineren Operation entfernen.

Auf welche Erkrankungen kann eine Klinodaktylie hinweisen?

Die Klinodaktylie kann ebenfalls ein Anzeichen für weitere Erkrankungen sein

Die Auffälligkeit im Handskelett kann auf folgende Erkrankungen hinweisen:

  • Alagille-Syndrom
  • Cohen-Syndrom
  • De-Grouchy-Syndrom
  • Ehlers-Danlos-Syndrom
  • Fetales Alkoholsyndrom
  • Herz-Hand-Syndrom Typ IV
  • Juberg-Hayward-Syndrom
  • Juberg-Marsidi-Syndrom
  • Kabuki-Syndrom
  • Kranio-ektodermale Dysplasie
  • Cornelia-de-Lange-Syndrom
  • Mutchnick-Syndrom
  • Oro-fazio-digitales Syndrom Typ 1
  • Peters-Plus-Syndrom
  • Silver-Russell-Syndrom
  • Trisomie 3
  • Trisomie 8
  • Trisomie 9p-Syndrom
  • Down-Syndrom (Trisomie 21)
  • Trisomie X

Wie unterscheidet sich eine Klinodaktylie von einer Kamptodaktylie?

Die Kamptodaktylie ist insofern der Klinodaktylie ähnlich, als sie die kleinen Finger betrifft. Hier spricht man allerdings von einer Beugekontraktur statt von einer Fehlstellung des Knochens, das heißt, dass vermutlich die Sehnen oder die Muskeln verantwortlich für die Spreizung des Fingers sind. Auch ist der Finger oft weniger verdreht, und mehr gebeugt als „Hammerfinger“. Die Kamptodaktylie wird ebenfalls oft vererbt und ist schon bei Kleinkindern vorhanden, allerdings kann man daran auch infolge eines Unfalls erkranken.

Welche anderen Fehlbildungen an Armen und Händen gibt es?

Neben der Klinodaktylie gibt es noch Dutzende weitere „-melien“ und „-daktylien“, die verschiedene Fehlbildungen von Extremitäten respektive Fingern beschreiben. Der Wortteil „-melie“ steht für „Gliedmaß“, „daktylos“ ist griechisch für Finger. Die Fehlstellungen der Gliedmaßen werden im Allgemeinen schon im Mutterleib entwickelt und die Schwere der Ausprägung kann sehr unterschiedlich ausfallen, mitunter auch kaum eine Beeinträchtigung darstellen. Ein weiterer interessanter Fall ist die Polysyndaktylie, bei welcher einzelne Finger „zu viel“ vorhanden sind. Von einer Tetramelie spricht die Medizin, wenn alle vier Gliedmaßen betroffen sind, und von einer Amelie, wenn gar keine Gliedmaßen ausgebildet sind. Die „Phokomelie“ hat mit den Contergan-Babys traurige Berühmtheit erlangt.

Im besten Fall erfolgt die Behandlung der Klinodaktylie bereits im Kindesalter

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten für eine Klinodaktylie?

Der Arztbesuch zur Diagnose sowie die Therapie zahlt normalerweise die Krankenversicherung. Therapien, die notwendig für die schmerzfreie Bewältigung des Alltags sind, sind in der Regel ebenfalls eine Kassenleistung. Allerdings solltest Du zuvor bei Deinem Versicherungsträger anfragen, welche Behandlungen gedeckt sind. Da bei der Behandlung, und bei der Frage, ob überhaupt eine Therapie, geschweige denn ein operativer Eingriff sinnvoll sind, ein Handlungsspielraum der Eltern besteht, kann es sein, dass die Kasse eine als nicht notwendig eingestufte Behandlung nicht zahlt. Für die einzelnen Leistungen und Bestimmungen solltest Du Dich bei Deiner Versicherung informieren.

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Häufige Fragen

Wie häufig tritt Klinodaktylie auf?
Klinodaktylie betrifft etwa 1 von 1.000 Neugeborenen, jedoch gibt es viele unerkannte Fälle.
Welche Arten von Klinodaktylie gibt es?
Klinodaktylie wird nach dem betroffenen Gelenk unterteilt: Klinobasodaktylie (Grundgelenk), Klinomesodaktylie (Mittelgelenk) und Klinoteledaktylie (Endgelenk).
Wann ist eine Operation bei Klinodaktylie notwendig?
Eine Operation ist sinnvoll, wenn der betroffene Finger stark abgewinkelt ist, Schmerzen verursacht oder die Beweglichkeit stark eingeschränkt ist.
Welche Erkrankungen können mit Klinodaktylie verbunden sein?
Klinodaktylie kann auf genetische Erkrankungen wie das Alagille-Syndrom oder das Down-Syndrom hinweisen.
Was ist der Unterschied zwischen Klinodaktylie und Kamptodaktylie?
Kamptodaktylie betrifft meist den kleinen Finger und führt zu einer Beugekontraktur, während Klinodaktylie eine abnorme Abwinkelung der Knochenglieder ist.
Welche anderen Fehlbildungen an Händen und Füßen gibt es?
Weitere Fehlbildungen umfassen Polysyndaktylie (zu viele Finger) oder Amelie (Fehlen von Gliedmaßen).
Redaktionelle Verantwortung

Dieser Beitrag wurde von der internen MOOCI-Redaktion erstellt, inhaltlich geprüft und freigegeben. Bei der Recherche und Aufbereitung setzen wir auch KI-gestützte Werkzeuge ein; jeder Text wird vor der Veröffentlichung von unserer Redaktion fachlich gegengelesen. Die redaktionelle Verantwortung trägt Nadja Sukalia, Content Managerin bei MOOCI. Die medizinische Prüfung erfolgt durch Ärztinnen und Ärzte aus unserem Fachnetzwerk.

Dr. Benjamin Gehl

Dr. Benjamin Gehl

Facharzt für plastische, ästhetische & rekonstruktive Chirurgie

Als Facharzt für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie liegt die Leidenschaft von Dr. Gehl schon immer im Bereich der medizinischen Contentproduktion. Aufgrund seiner Ausbildung, einer langjährigen Einsatzzeit in der rekonstruktiven und plastischen Chirurgie, sowie zahlreichen Auslandseinsätzen in Indien, Afrika und Amerika weiß er, welche Techniken und Behandlungen für medizinische Indikationen international Anwendung finden und State of the art sind. Weiterhin beschäftigt er sich täglich mit neuen Trends und Techniken in der operativen und nicht-operativen Chirurgie. Fortbildungen sowie Studien zählen genauso zu seiner Leidenschaft wie die Veröffentlichung wissenschaftlicher Arbeiten zu den neuesten fachspezifischen Themen.

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Letzte Aktualisierung: 28.09.2026

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