Syndaktylie

Eine der häufigsten Fehlbildungen der Hand stellt die Syndaktylie dar. Der Begriff leitet sich aus dem griechischen „syn“ für zusammen und „daktylos“ für Finger ab. Im Folgenden erfährst Du unter anderem, wie die Syndaktylie entsteht und welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen.


AUTOR

Dr. med. Benjamin Gehl

Medizinischer Experte

CO-AUTOR

Miriam Ankrah

Online-Redaktion


Letztes Update: 13. November, 2019



Was versteht die Medizin darunter?

Bei einer Syndaktylie, umgangssprachlich als „Schwimmhäute“ bezeichnet, handelt es sich um eine angeborene Fehlbildung der Hände oder Füße, bei der benachbarte Finger oder Zehen zusammengewachsen sind, wodurch es zum Fehlen des Zwischenraumes kommt.

Syndaktylie

Wie sehen die Symptome aus?

Charakteristisches Symptom der Syndaktylie ist ein Zusammenwachsen von Fingern oder Fußzehen. Besonders häufig sind Mittel- und Ringfinger davon betroffen. Bei starker Ausprägung können sogar sämtliche Finger einer Hand zusammengewachsen sein.

Welche Ursache hat die Erkrankung?

Bei einigen Betroffenen ist die Erkrankung auf die Vererbung zurückzuführen. Hierbei liegt ein Gendefekt vor, der dazu führt, dass es zu keiner Trennung der einzelnen Abschnitte der Finger oder Zehen während der Embryonalentwicklung kommt. Die fehlende Trennung kann dabei allein oder in Kombination mit anderen Krankheiten, beispielsweise dem Apert-Syndrom oder dem Smith-Lemli-Opitz-Syndrom, auftreten. Eine weitere Ursache kann das Amniotische-Band-Syndrom darstellen, bei dem sogenannte amniotische Schnürringe, das heißt stark klebende Bänder, Körperteile wie Finger und Zehen des ungeborenen Kindes abschnüren.

Auch äußere Einflüsse auf den Embryo während der Schwangerschaft können zu einem Zusammenwachsen von Fingern und Zehen beitragen. Dazu zählen unter anderem der Genuss von Alkohol und die Einnahme bestimmter Medikamente. In seltenen Fällen ist es auch möglich, dass sich die Fehlbildung erst in einer späteren Lebensphase entwickelt. Sprechen Mediziner von einer exogenen Syndaktylie, sind Unfälle und Verletzungen ursächlich für die Erkrankung, in deren Folge bei unzureichender medizinischer Versorgung Haut und Knochen nicht abheilen konnten. Hierzu zählen z.B. Verbrennungen.

Wer ist davon betroffen?

Statistisch betrachtet, ist eines von 3000 Neugeborenen von einer Syndaktylie betroffen. In 20 bis 40 Prozent aller Fälle tritt die Anomalie durch Vererbung innerhalb der Familie auf. Doch auch zufällige Prozesse während der Schwangerschaft, wie zum Beispiel beim Amniotischen-Band-Syndrom, können zu Fehlbildungen führen, weshalb eine Vorbeugung prinzipiell nicht möglich ist.

Syndaktylie

Welche Folgen kann die Erkrankung haben?

Durch das Zusammenwachsen von Fingern oder Zehen können motorische Funktionen vor allem der Hände und teilweise auch der Füße erheblich eingeschränkt sein. Sind alle Finger miteinander verbunden, ist ein normales Greifen nicht möglich, wodurch Betroffene einfache Bewegungen nicht mehr ausführen können, was zu erheblichen Problemen im Alltag führen kann. Kinder, die an einer Syndaktylie erkrankt sind, leiden häufig auch seelisch unter dieser Anomalie. In der Folge können sich soziale Ängste oder depressive Verstimmungen bilden.

Welche Formen gibt es?

Bezogen auf die Ausprägung, unterscheiden Mediziner eine ossäre Syndaktylie, bei der knöcherne Strukturen miteinander verschmolzen sind, von einer Weichteilsyndaktylie, die durch eine Verwachsung von Weichteilgewebe gekennzeichnet ist. Die kutane Syndaktylie, eine Unterform der Weichteilsyndaktylie, bei der lediglich eine Hautverbindung zwischen den Fingern besteht, stellt die am häufigsten auftretende Form dar. Des Weiteren kann eine Unterteilung in eine partielle Syndaktylie, bei der die betroffenen Finger bis zum Mittelgelenk verbunden sind, und eine totale Syndaktylie erfolgen, bei der die Verschmelzung bis zum Endgelenk reicht.

Was ist der Unterschied zur Brachydaktylie und zur Symbrachydaktylie?

Von einer Brachydaktylie sprechen Mediziner bei einer Verkürzung der Finger, wobei mitunter ganze Fingerglieder fehlen können. Treten sowohl eine Verwachsung der Finger (Syndaktylie) als auch eine Kurzfingrigkeit (Brachydaktylie) auf, handelt es sich um eine Symbrachydaktylie.

Für wen ist die Operation geeignet?

Bei Betroffenen, die unter der Syndaktylie leiden, sollte die Operation zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr erfolgen. Ein medizinischer Eingriff sollte dabei umso früher stattfinden, je deutlicher der Größenunterschied der betroffenen Finger ist. Durch einen frühzeitigen Operationszeitpunkt lassen sich negative Auswirkungen in Bezug auf die motorische und kognitive Entwicklung des Kindes vermeiden. Die Durchführung einer operativen Durchtrennung der Zehen im Kleinkindesalter ist in der Regel nicht notwendig, da zusammengewachsene Zehen meist keine Beschwerden beim Erlernen des Gehens verursachen. Eine Operation erfolgt hierbei meist im Erwachsenenalter aus ästhetischen Gründen, sofern der Patient dies wünscht.

Syndaktylie

Was passiert vor einem Eingriff?

Um eine knöcherne Syndaktylie von einer Weichteilsyndaktylie unterscheiden zu können, kommen im Vorfeld einer Therapie bildgebende Untersuchungsmethoden, wie Röntgen zur Anwendung. Gegebenenfalls kann eine Magnetresonanztomografie (MRT) der Hand oder des Fußes zusätzliche Informationen über die Weichteilstrukturen geben, wobei hierbei eine Narkose erforderlich ist, um eine Ruhigstellung der Gliedmaße des Säuglings zu gewährleisten.

Was muss ich vor einer Operation beachten?

Aufgrund des Risikos von Durchblutungsstörungen können Mediziner oft nur zwei Finger während eines Eingriffes trennen. Sind mehrere Finger betroffen, erfolgen die Operationen in der Regel nacheinander in einem Abstand von sechs Monaten. Des Weiteren ist zu beachten, dass die Operationsdauer in der Regel mehr als drei Stunden beträgt.

Welche Techniken und Operationsmethoden gibt es?

Bei partiellen Syndaktylien kommt häufig eine operative Durchtrennung der Finger oder Zehen ohne Hauttransplantation zum Einsatz. Hierbei schafft der Chirurg zwischen den nun getrennten Fingern oder Zehen eine neue Falte, die sogenannte Interdigitalfalte. Durch präzise Schnittverläufe der Haut kann der Mediziner gewährleisten, dass spätere Narben kaum mit dem Auge zu erkennen sind. Besteht jedoch nur eine geringe Hautverschieblichkeit, muss neben der Durchtrennung auch eine Hauttransplantation erfolgen, wobei als Entnahmestelle oftmals die Leiste dient. Besonders bei Kindern ist es wichtig, keine großen mitwachsenden Narben entstehen zu lassen, da diese durch ihren Zug Finger und Zehen verkrümmen lassen können.

Was muss ich nach der Operation beachten?

Nach der Operation ist eine Ruhigstellung der Hand für etwa zehn Tage im Gips notwendig. Wurde der medizinische Eingriff am Fuß durchgeführt, ist das Tragen eines Spezialschuhs für ungefähr zwei bis drei Wochen erforderlich. Nach dieser Zeit erfolgt die Entfernung der Fäden, die oftmals in einer Kurznarkose stattfindet. Für den Zeitraum der Heilphase kann unter Umständen eine tägliche Thrombose-Prophylaxe ratsam sein.

Wie lange dauert die Heilung?

In der Regel erfolgt die Heilung aufgrund des jungen Alters der Patienten schnell.

Syndaktylie

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

In der Regel werden die Kosten durch die Krankenkasse übernommen, da es sich um einen medizinisch indizierten Eingriff handelt. Du kannst Dich gerne auch an unsere Ärzte wenden, falls Du Dur bezüglich der Kosten unsicher sein solltest.

Quellen

MSD Manual

Universitätsmedizin Mannheim

Universitäts-Kinderspital Zürich


Dauer Dauer

ca. 2 Stunden

Ausfallzeit Ausfallzeit

1-14 Tage

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

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Das Wichtigste zusammengefasst

Syndaktylie ist eine angeborene Fehlbildung, bei der die Finger oder Zehen zusammengewachsen sind


In der Folge können motorische Funktionen vor allem der Hände stark eingeschränkt sein. Betroffene leiden auch psychisch unter dieser optischen Auffälligkeit


Eine Operation der miteinander verbundenen Finger erfolgt in der Regel vor dem dritten Lebensjahr, die der Zehen hingegen oft erst im Erwachsenenalter


Mediziner führen eine operative Durchtrennung der zusammengewachsenen Finger oder Zehen entweder mit einer oder ohne eine Hauttransplantation durch