Heuschnupfen (Pollinosis, allergische Rhinitis)

Heuschnupfen oder auch Pollenallergie ist eine allergische Erkrankung. Verursacht wird sie durch eine Überempfindlichkeit gegen die Pollen bestimmter Pflanzen. Die Symptome treten nur während der Jahreszeit auf, in der die jeweiligen Pollen fliegen. Zur Bekämpfung eines Heuschnupfens stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Mit einer Hyposensibilisierung können die Symptome meistens dauerhaft bekämpft oder verringert werden.


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Zuletzt aktualisiert: 10. März, 2020



Was versteht die Medizin unter Heuschnupfen?

Heuschnupfen beruht auf einer Überempfindlichkeit gegen die Eiweißkomponenten bestimmter Pollen. Es handelt sich um eine saisonale allergische Rhinitis. Pflanzen geben während ihrer Blütezeit Pollen an die Luft ab. Bei einer Überempfindlichkeit führt der Kontakt mit diesen zu einer Produktion von Antikörpern (IgE- Antikörper) gegen die Pollen und führen zu einer allergischen Reaktion der Schleimhäute der Atemwege, der Nase oder den Augen.

Heuschnupfen beruht auf einer Überempfindlichkeit gegen die Eiweißkomponenten bestimmter Pollen

Die Symptome werden durch die Botenstoffe Histamin und Leukotriene ausgelöst, welche von körpereigenen Abwehrzellen (Mastzellen) abgegeben werden. Bleibt Heuschnupfen unbehandelt, kann dies zur Entwicklung von allergischem Asthma führen. Wie bei anderen Allergieformen oder Neurodermitis zählt der Heuschnupfen zu den atopischen Erkrankungen. Ursache ist eine Überreaktion des Immunsystems beim Kontakt mit bestimmten Substanzen – in diesem Fall Pollen.

Wie sehen die Symptome von Heuschnupfen aus?

Die Symptome einer Pollenallergie können eine verstopfte oder laufende Nase, die juckt und kribbelt, Niesattacken mit starker Sekretion oder Juckreiz an den Schleimhäuten sein. Ebenso kommt es zu Husten, Bronchitis und Asthmaanfällen, sowie Bindehautentzündung mit juckenden, geröteten und tränenden Augen. Je nachdem von welcher Pollenart die Allergie ausgelöst wird, treten die Symptome zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Jahr auf. Betroffene von einer Allergie gegen die Pollen von Bäumen wie Erle, Birke, Esche oder Hasel, leiden im Frühling unter den Symptomen des Heuschnupfens.

Sind Gräser- oder Getreidepollen verantwortlich kommt der Heuschnupfen im Sommer, bei Kräuterpollen (Beifuß, Ragweed, Traubenkraut) im Herbst vor. Treten die Symptome das ganze Jahr über auf, können Hausstaubmilben oder die Sporen von Schimmelpilzen der Auslöser sein. Manchmal greift die Erkrankung von den Augen und der Nase auf die Lunge über und führt zu allergischem Asthma. Um das zu verhindern, ist es wichtig, dass die Erkrankung früh erkannt und behandelt wird.

Wie diagnostiziert der Arzt Heuschnupfen?

Der Heuschnupfen äußert sich meist anhand typischer Symptome, somit ist eine Verdachtsdiagnose meist schnell gestellt. Auf den Auslöser des Heuschnupfens gibt die Jahreszeit, in der die Symptome auftreten, wichtige Hinweise. Um die Diagnose einer Pollenallergie eindeutig zu stellen, wird ein Allergietest, beispielsweise ein sogenannter Pricktest, durchgeführt. Dabei ritzt der Arzt die Haut an und appliziert Pollenextrakte. Liegt eine Überempfindlichkeit vor, zeigt sich innerhalb von 20 Minuten eine Reaktion mit Rötung bis hin zur Quaddelbildung.

Welche Ursachen kann die Pollenallergie haben?

Es gibt zwar eine genetisch bedingte Veranlagung zum Heuschnupfen, also eine allergische Diathese, dennoch ist Heuschnupfen nicht angeboren. Nur durch wiederholten Kontakt mit dem allergieauslösenden Stoff entwickelt sich die Überreaktion des Immunsystems. Neben einer familiären Vorbelastung begünstigen aber auch andere Faktoren die Entwicklung eines Heuschnupfens. Dazu zählen Aktiv- und Passivrauchen und eine hohe Belastung mit Abgasen. Aber auch übertriebene Hygiene begünstigt die Entwicklung von Allergien. Wenn Kinder in einem nahezu sterilen Umfeld aufwachsen, kann sich ihr Immunsystem nicht ausreichend entwickeln. Der Körper reagiert dann häufig verstärkt auf körperfremde Stoffe.

Pflanzen geben während ihrer Blütezeit Pollen an die Luft ab. Bei einer Überempfindlichkeit führt der Kontakt mit diesen zu einer Produktion von Antikörpern

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Heuschnupfen ist weit verbreitet. In Österreich leiden mehr als 20 Prozent darunter. Üblicherweise zeigen sich die Symptome erstmals im Kindes- oder Jugendalter. Es häufen sich aber auch Fälle, in denen es zu einem spontanen erstmaligen Auftreten der Symptome im Erwachsenenalter kommt.

Wie kann ich Heuschnupfen behandeln lassen?

Es ist wichtig, Heuschnupfen zu therapieren, da sich sonst allergisches Asthma entwickeln kann. Du solltest unbedingt zum Arzt gehen, wenn Du starke Symptome, wie Nesselsucht oder Atembeschwerden, hast. Idealerweise suchst Du einen Allergologen auf. Während der Pollensaison stehen spezielle Medikamente, sogenannte Antiallergika, zur Verfügung, mit denen sich die Symptome lindern lassen. Antihistaminika in Form von Nasenspray oder auch Tabletten unterdrücken die Pollenallergie, indem sie verhindern, dass sich freigesetztes Histamin an andere Zellen bindet. Dadurch wird die allergische Reaktion unterbrochen.

Lokal angewendete Cortisonpräparate in Form eines Nasensprays sind die effektivsten Medikamente für die nasalen Symptome. Zudem gibt es sogenannte Cromone, die die Abwehrzellen stabilisieren und etwas schwächer als Antihistaminika und Cortison sind. Ihr Nachteil ist allerdings der verzögerte Wirkungseintritt, sodass sie schon eine Woche vor dem ersten Pollenflug eingenommen werden sollten. Falls starker Juckreiz auftritt, kannst Du diesen durch die Anwendung von Hautpflegeprodukten lindern. Diese sollten Inhaltsstoffe wie Dexpanthenol, Urea oder Aloe vera enthalten.

Pollenallergie oder Erkältung: Woran erkenne ich die Unterschiede?

Eine Erkältung wird häufig von Fieber begleitet, verschwindet aber nach wenigen Tagen wieder. Beim Heuschnupfen tritt die laufende Nase oft zusammen mit einem Juckreiz um die Augenpartie auf. Die Symptome verschwinden nicht nach wenigen Tagen, sondern bleiben so lange bestehen, wie die Pollen der jeweiligen Pflanze fliegen. Typisch für Heuschnupfen ist auch, dass sich die Symptome verschlimmern, wenn sich der Betroffene draußen aufhält.

Welche Kreuzreaktionen können mit Nahrungsmitteln auftreten?

Bei einer Kreuzallergie lösen Eiweißstoffe, die dem Allergieauslöser ähnlich sind, ebenfalls allergische Reaktionen aus. Zu den häufigsten Nahrungsmittelallergien, die im Zusammenhang mit einer Pollenallergie stehen, gehören:

  • Bei Birke, Erle oder Hasel als Auslöser: Aprikose, Apfel, Avocado, Birne, Kiwi, Kirsche, Karotte, Kartoffel, Haselnuss, Litschi, Mandel, Sellerie, Tomaten, Pfeffer Senf, Koriander, Kümmel.
  • Bei Gräsern als Auslöser: Erdnuss, Getreidemehle, Kartoffel, Soja, Sellerie, Petersilie, Thymian.
  • Bei Kräutern als Auslöser: Fenchel, Karotten, Haselnuss, Anis, Curry, Kümmel, Koriander, Dill, Muskat, Pfeffer und Petersilie.
  • Bei Naturlatex als Auslöser: Ananas, Bananen, Ficus benjamini, Grapefruit und Maracuja.

Mit einer Hyposensibilisierung lassen sich die Symptome von Heuschnupfen meist deutlich reduzieren oder ganz loswerden

Lässt sich Heuschnupfen vollständig heilen?

Mit einer Hyposensibilisierung lassen sich die Symptome von Heuschnupfen meist deutlich reduzieren oder ganz loswerden. Diese Form der Behandlung wird auch spezifische Immuntherapie (SIT) genannt. Dafür ist es wichtig, den Auslöser der Pollenallergie zu kennen. Der Körper wird dabei Schritt für Schritt an den Kontakt mit dem Allergen gewöhnt und lernt so, den Stoff zu dulden. Die Hyposensibilisierung erfolgt in Form von Injektionen oder in Tabletten- beziehungsweise Tropfenform. Eine spezifische Immuntherapie dauert zwischen drei bis fünf Jahren.

Gibt es  Hausmittel, welche die Symptome der Pollenallergie lindern?

Mit ein paar Verhaltensregeln lassen sich die Symptome einer Pollenallergie unter Kontrolle halten. Versuche zu der Jahreszeit, in der die Pollen, auf die Du allergisch reagierst, fliegen, Deinen Aufenthalt im Freien auf ein Minimum zu reduzieren. Lüfte nur kurz und am besten nachts oder während es regnet. Halte Fenster im Haus oder im Auto geschlossen. Wasche Deine Haare abends vor dem Zubettgehen, um Dir nachts nicht die Pollen in die Nase und in die Augen zu reiben.

In vielen Fällen lassen sich die Symptome von Heuschnupfen durch die Einnahme des Spurenelements Zink lindern. In der Apotheke kannst Du Dir einen Pollenflugkalender holen. Und im Internet kannst Du genaue Vorhersagen darüber finden, wann die Pollen fliegen, die Deine Allergie auslösen. Auch die richtige Ernährung trägt zur Linderung der Symptome bei. Iss viel frisches Obst mit einem hohen Vitamin C Gehalt. Dadurch lässt sich das Histamin, das den Juckreiz auslöst, binden. Auch Bananen, Sonnenblumenkerne und Leinsamen vermindern die Histamin-Produktion.

Vermeide Lebensmittel, die Histamine enthalten. Dazu zählt Käse, Rohwurst, wie Salami und Speck, Meeresfrüchte und Fisch, Sauerkraut, Spirituosen, Rotwein, Sekt und einige Gemüsesorten wie Tomaten, Spinat oder Auberginen. Iss jeden Tag einen Viertelliter Naturjoghurt. Die Bakterien darin können sich positiv auf die Produktion von körpereigenen Abwehrstoffen auswirken. Bei starken Beschwerden kannst Du Deine Nasenschleimhaut mit Nasenspülungen mit Kochsalz von den Pollen reinigen.

Auch bei der Urlaubsplanung solltest Du, wenn möglich, die Jahreszeit mit einbeziehen. Am besten verreist Du dann, wenn der Pollenflug am stärksten ist. Reiseziele im Hochgebirge, am Meer oder auf Inseln sind für Pollenallergiker besonders geeignet. In diesen Regionen ist die Luft meistens pollenarm.

Kann ich die Kontaktallergie vorbeugen?

Häufige Infektionen sind ein Einflussfaktor bei der Entstehung von Allergien. Es ist daher wichtig, dass Du ein starkes Immunsystem hast. Achte auf ausreichend Sport und Bewegung und eine ausgewogene, gesunde Ernährung. Auch regelmäßige Kneipp-Anwendungen trainieren das Immunsystem. Muttermilch ist ein zentraler Punkt bei der Entwicklung eines starken Immunsystems. Du solltest Dein Kind daher, wenn möglich, stillen. In den ersten Lebensmonaten trägst Du dadurch zum gezielten Aufbau der Allergieabwehr Deines Kindes bei.

Häufige Infektionen sind ein Einflussfaktor bei der Entstehung von Allergien

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für die Diagnose.


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Das Wichtigste zusammengefasst

Heuschnupfen ist eine Kontaktallergie, die durch die Pollen verschiedener Pflanzen ausgelöst wird


Die Symptome treten nur zu der Jahreszeit auf, in der die Pollen fliegen


Um eindeutig festzustellen, welche Stoffe die allergischen Reaktionen auslösen muss der Arzt einen Allergietest durchführen


Wenn Heuschnupfen nicht behandelt wird, kann sich daraus allergisches Asthma entwickeln

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