Wenn Deine Nase morgens verstopft ist, die Augen jucken und Du häufig niesen musst, obwohl keine typische Pollensaison besteht, kann eine Hausstauballergie dahinterstecken. Genau genommen reagierst Du dabei nicht auf den Staub selbst, sondern auf Eiweißstoffe von Hausstaubmilben. Diese Allergene finden sich vor allem im Milbenkot, aber auch in anderen Bestandteilen der Milben. Die Hausstauballergie, genauer Hausstaubmilbenallergie, zählt zu den häufigen ganzjährigen Allergien. Da Hausstaubmilben in Innenräumen dauerhaft vorkommen, können Beschwerden über das ganze Jahr bestehen und sich besonders nachts oder am frühen Morgen bemerkbar machen.
Das Wichtigste in Kürze
Nicht der Hausstaub selbst löst die Allergie aus, sondern Eiweißstoffe von Hausstaubmilben, die sich vor allem im Kot und in anderen Milbenbestandteilen finden. Die Beschwerden können deshalb ganzjährig auftreten. Typisch sind Niesattacken, eine verstopfte oder laufende Nase sowie juckende und tränende Augen. Bei manchen Betroffenen kommen Husten, Atemnot oder andere asthmatische Beschwerden hinzu.
Die Diagnose beruht auf den Beschwerden und dem Nachweis einer Sensibilisierung, beispielsweise durch einen Pricktest oder die Bestimmung spezifischer IgE Antikörper im Blut. Ein positiver Allergietest allein beweist noch keine klinisch relevante Allergie. Neben Maßnahmen zur Verringerung der Allergenbelastung und Medikamenten gegen die Beschwerden kommt bei geeigneten Patienten eine spezifische Immuntherapie infrage. Sie kann die allergische Reaktion langfristig beeinflussen.
Was ist eine Hausstauballergie?
Bei einer Hausstauballergie reagiert Dein Immunsystem auf bestimmte Eiweißstoffe von Hausstaubmilben. Die winzigen Spinnentiere leben in praktisch jedem Haushalt und ernähren sich unter anderem von abgestorbenen Hautschuppen. Besonders günstige Bedingungen finden sie in warmer und relativ feuchter Umgebung.
Die allergieauslösenden Eiweißstoffe stammen vor allem aus dem Kot der Milben, kommen aber auch in anderen Bestandteilen der Tiere vor. Die Allergene gelangen in den Hausstaub und können beim Aufwirbeln eingeatmet werden. Bei entsprechend sensibilisierten Menschen lösen sie an den Schleimhäuten von Nase, Augen und Atemwegen eine allergische Reaktion aus.
Viele Hausstaubmilben finden sich in Matratzen, Kissen und Bettdecken, aber auch in Teppichen und Polstermöbeln. Deshalb bemerken manche Betroffene ihre Beschwerden besonders nachts oder am Morgen. Die Milben selbst stechen nicht und übertragen keine Krankheiten. Problematisch sind bei einer Hausstaubmilbenallergie ihre Allergene.
Fachlich ist die Bezeichnung Hausstaubmilbenallergie genauer, im Alltag wird jedoch meist von Hausstauballergie gesprochen.
Wie entsteht eine Hausstauballergie?
Am Anfang steht eine Sensibilisierung. Das Immunsystem bildet spezifische IgE Antikörper gegen bestimmte Milbenallergene. Bei erneutem Kontakt können unter anderem Mastzellen aktiviert und Botenstoffe wie Histamin freigesetzt werden. Dadurch entstehen typische Beschwerden wie Niesen, eine laufende Nase oder juckende Augen.
Warum manche Menschen eine Hausstaubmilbenallergie entwickeln und andere nicht, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eine familiäre Veranlagung für allergische Erkrankungen beziehungsweise eine Atopie erhöht das Risiko. Eine Hausstauballergie beginnt häufig bereits im Kindes oder Jugendalter, kann grundsätzlich aber auch später auftreten.
Auch die Menge der Milbenallergene im Wohnumfeld beeinflusst die Exposition. Ob daraus tatsächlich eine klinische Allergie entsteht, lässt sich jedoch nicht allein an der Milbenbelastung festmachen. Menschen mit einer atopischen Veranlagung entwickeln häufiger mehrere allergische Erkrankungen, beispielsweise Neurodermitis oder Heuschnupfen.
Welche Symptome verursacht eine Hausstauballergie?
Die häufigsten Beschwerden betreffen Nase und Augen. Typisch sind anfallsartiges Niesen, eine laufende oder verstopfte Nase sowie Juckreiz in der Nase. Hinzukommen können gerötete, tränende oder juckende Augen und geschwollene Lider. Bei stärkeren Beschwerden können auch Schlafstörungen, Müdigkeit und eine verminderte Leistungsfähigkeit auftreten.
Da Hausstaubmilben das ganze Jahr in Innenräumen vorkommen, sind die Beschwerden meist nicht auf eine bestimmte Jahreszeit beschränkt. Häufig sind sie nachts und morgens ausgeprägter. Bei manchen Menschen verstärken sie sich außerdem zu Beginn der Heizperiode. Die Stärke und der zeitliche Verlauf können jedoch individuell deutlich variieren.
Bei einem Teil der Betroffenen sind auch die unteren Atemwege beteiligt. Mögliche Symptome sind Husten, Kurzatmigkeit, ein Engegefühl in der Brust oder pfeifende Atemgeräusche. Allergische Rhinitis und allergisches Asthma treten häufig gemeinsam auf. Der Begriff „Etagenwechsel“ wird für die Entwicklung zusätzlicher Beschwerden der unteren Atemwege verwendet, bedeutet aber nicht, dass eine unbehandelte Hausstauballergie zwangsläufig zu Asthma wird.
Die Beschwerden können sehr unterschiedlich stark sein. Manche Menschen bemerken lediglich eine verstopfte Nase, während andere unter ausgeprägten Niesattacken, Augenbeschwerden oder Schlafproblemen leiden. Da die Symptome auch bei anderen Erkrankungen auftreten können, bleibt eine Hausstauballergie mitunter längere Zeit unerkannt.
Kann sich eine Hausstauballergie auch auf der Haut zeigen?
Hautbeschwerden gehören nicht zu den typischen Leitsymptomen einer Hausstaubmilbenallergie. Eine besondere Verbindung besteht jedoch zur Neurodermitis. Viele Menschen mit atopischer Dermatitis sind auch gegen Hausstaubmilben sensibilisiert, und bei einem Teil der Betroffenen können Milbenallergene die Erkrankung beeinflussen.
Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass jede Neurodermitis durch Hausstaubmilben ausgelöst oder verschlechtert wird. Auch der Nutzen einer konsequenten Milbenvermeidung für die Haut ist nicht eindeutig belegt. Neuere Leitlinien sehen für eine allgemeine Empfehlung zur Milbenvermeidung bei atopischer Dermatitis keine ausreichende Evidenz.
Treten vor allem Juckreiz, Quaddeln oder andere Hautveränderungen auf, sollten deshalb auch andere Ursachen berücksichtigt werden. Ein allergischer Hautausschlag oder eine Kontaktallergie beruhen beispielsweise auf anderen allergischen Mechanismen und Auslösern. Ein Hautarzt kann bei unklaren Beschwerden die möglichen Ursachen voneinander abgrenzen.
Wie unterscheidet man eine Hausstauballergie von anderen Allergien?
Ein wichtiger Hinweis ist der zeitliche Zusammenhang der Beschwerden. Treten Symptome über das ganze Jahr auf und verstärken sie sich beispielsweise nachts, morgens oder beim Bettenmachen, kann das für eine Hausstaubmilbenallergie sprechen. Heuschnupfen hängt dagegen von den jeweiligen Pollenflugzeiten ab und zeigt daher häufig einen saisonalen Verlauf.
Auch Veränderungen der Umgebung können Hinweise liefern. Werden die Beschwerden außerhalb der eigenen Wohnung deutlich schwächer oder verstärken sie sich beim Bettenmachen und anderen Tätigkeiten, bei denen Staub aufgewirbelt wird, kann dies zur Diagnose beitragen. Solche Beobachtungen beweisen die Ursache allerdings nicht.
Eine sichere Abgrenzung zu anderen Allergien wie Tierallergien oder Schimmelpilzallergien erfolgt deshalb anhand der Krankengeschichte und einer gezielten Allergiediagnostik. Mehrere Sensibilisierungen können gleichzeitig bestehen.
Wie wird eine Hausstauballergie festgestellt?
Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch über Art, Zeitpunkt und Verlauf der Beschwerden. Auch das Wohnumfeld, mögliche Auslöser und andere allergische Erkrankungen sind für die Beurteilung wichtig.
Zur weiteren Diagnostik wird häufig ein Pricktest durchgeführt. Dabei werden kleine Mengen verschiedener Allergenextrakte auf die Haut des Unterarms gegeben und die oberste Hautschicht mit einer Lanzette leicht angestochen. Nach etwa 15 bis 20 Minuten wird beurteilt, ob sich eine Quaddel und Rötung gebildet haben.
Alternativ oder ergänzend kann im Blut spezifisches IgE gegen Hausstaubmilbenallergene bestimmt werden. Pricktest und Blutuntersuchung weisen zunächst eine Sensibilisierung nach. Eine klinisch relevante Hausstaubmilbenallergie liegt erst dann nahe, wenn das Testergebnis zu den tatsächlich auftretenden Beschwerden und der Exposition passt.
Bleibt trotz Anamnese und Sensibilisierungstest unklar, ob Hausstaubmilben die Beschwerden tatsächlich auslösen, kann in ausgewählten Fällen ein nasaler Provokationstest sinnvoll sein. Dabei wird die Nasenschleimhaut unter kontrollierten Bedingungen mit einem Allergenextrakt in Kontakt gebracht und die Reaktion beurteilt.
Was kann man selbst gegen Hausstaubmilben tun?
Hausstaubmilben lassen sich nicht vollständig vermeiden. Ziel ist deshalb, die Allergenbelastung vor allem im Schlafzimmer zu verringern. Dort finden Milben in Matratzen, Kissen und Bettdecken besonders günstige Bedingungen.
Wie helfen Encasings und heiße Wäsche?
Ein möglicher Baustein sind milbenallergendichte Bezüge für Matratze, Kissen und Bettdecke, sogenannte Encasings. Sie können die Allergenbelastung im Bett reduzieren. Ob Encasings allein die Beschwerden deutlich verbessern, ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt, weshalb sie am besten mit weiteren Maßnahmen kombiniert werden. Bettwäsche sollte regelmäßig bei mindestens 60 Grad gewaschen werden.
Welches Raumklima ist bei Hausstauballergie sinnvoll?
Auch das Raumklima lässt sich beeinflussen. Hausstaubmilben vermehren sich besonders gut bei Wärme und hoher Luftfeuchtigkeit. Für das Schlafzimmer werden häufig etwa 18 bis 20 Grad und regelmäßiges Lüften empfohlen. Glatte Böden lassen sich leichter feucht reinigen als Teppiche. Beim Staubsaugen kann ein Gerät mit HEPA Filter dazu beitragen, weniger feine Partikel wieder an die Raumluft abzugeben. Teppiche und Vorhänge müssen jedoch nicht grundsätzlich entfernt werden, wenn sie regelmäßig gereinigt werden.
Was ist bei Kuscheltieren zu beachten?
Auch Kuscheltiere sollten regelmäßig gereinigt werden. Wenn das Material es erlaubt, ist Waschen bei 60 Grad sinnvoll. Alternativ können Stofftiere für mindestens mehrere Stunden tiefgekühlt werden. Da dadurch vorhandene Allergene nicht entfernt werden, sollten sie anschließend möglichst gewaschen werden.
Es ist nicht möglich, eine Wohnung vollständig milbenfrei zu machen. Sinnvoller ist es, mehrere geeignete Maßnahmen dauerhaft zu kombinieren und zu beobachten, ob sich dadurch Deine Beschwerden verringern.
Wie wird eine Hausstauballergie behandelt?
Reichen Maßnahmen zur Verringerung der Allergenbelastung nicht aus, können Medikamente die Beschwerden lindern. Antihistaminika werden beispielsweise als Tabletten, Nasenspray oder Augentropfen eingesetzt. Bei einer ausgeprägteren allergischen Entzündung der Nase gehören kortisonhaltige Nasensprays zu den wirksamen Behandlungsmöglichkeiten. Salzhaltige Nasensprays oder Nasenspülungen können die Schleimhäute zusätzlich befeuchten und Allergene entfernen. Welche Behandlung geeignet ist, hängt von Art und Stärke der Beschwerden ab.
Eine weitere Möglichkeit ist die allergenspezifische Immuntherapie, auch Hyposensibilisierung genannt. Sie ist eine krankheitsmodifizierende Behandlung und setzt gezielt an der allergischen Reaktion auf das jeweilige Allergen an. Bei einer Hausstaubmilbenallergie kann sie Beschwerden und den Bedarf an Medikamenten verringern. Sie kommt vor allem infrage, wenn eine klinisch relevante Allergie sicher nachgewiesen ist und die Beschwerden trotz anderer Maßnahmen bestehen.
Die Immuntherapie kann als subkutane Immuntherapie mit Spritzen oder als sublinguale Immuntherapie über Tabletten oder Tropfen unter der Zunge erfolgen. Welche Präparate zur Verfügung stehen, hängt unter anderem vom Alter, der Indikation und dem jeweiligen Land ab. Die Behandlung wird meist über mindestens drei Jahre durchgeführt.
Eine Immuntherapie kann das Immunsystem langfristig beeinflussen. Dass sie bei einer Hausstaubmilbenallergie zuverlässig verhindert, dass später Asthma entsteht, lässt sich jedoch nicht für jeden Patienten versprechen.
Wann sollte man mit einer Hausstauballergie zum Arzt gehen?
Eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn die Beschwerden über längere Zeit anhalten, immer wiederkehren oder Schlaf und Alltag deutlich beeinträchtigen. Auch wenn Medikamente aus der Apotheke nicht ausreichend helfen oder unklar ist, ob tatsächlich Hausstaubmilben die Ursache sind, sollte die Allergie untersucht werden.
Besondere Aufmerksamkeit erfordern Beschwerden der unteren Atemwege. Husten, Atemnot, ein Engegefühl in der Brust oder pfeifende Atemgeräusche können auf eine Beteiligung der Bronchien beziehungsweise ein allergisches Asthma hinweisen und sollten zeitnah abgeklärt werden.
Als Ansprechpartner kommen je nach Beschwerden Hausarzt, Kinderarzt, Hautarzt, HNO Arzt oder Lungenfacharzt sowie allergologisch spezialisierte Praxen infrage. Besteht gleichzeitig eine Neurodermitis, kann insbesondere eine dermatologische und allergologische Abklärung sinnvoll sein. Über MOOCI findest Du Ärzte in Deiner Nähe, die Dich bei Diagnose und Behandlung einer Hausstauballergie unterstützen.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung einer Hausstauballergie?
Auch die Kostenübernahme lässt sich für Deutschland, Österreich und die Schweiz nicht pauschal zusammenfassen. Sie hängt unter anderem vom zugelassenen Präparat, der medizinischen Indikation und dem jeweiligen Versicherungssystem ab. Vor Beginn sollte deshalb geklärt werden, welche Kosten übernommen werden. In Österreich werden notwendige und zweckmäßige Diagnose und Therapiemaßnahmen grundsätzlich von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen, wobei Selbstbehalte möglich sind.
Werden die Kosten für Encasings übernommen?
Ob die Kosten für Encasings übernommen werden, hängt vom Land und von der Versicherung ab. In Deutschland übernehmen beispielsweise verschiedene gesetzliche Krankenkassen ärztlich verordnete Encasings unter bestimmten Voraussetzungen. In der Schweiz gehören sie dagegen nicht zu den Pflichtleistungen der Grundversicherung.
Quellen
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