Zahnabdruck

Ob nun eine Krone, Zahnbrücke, Zahnprothese oder Zahnspange geplant ist: Der bei Patienten unbeliebte Zahnabdruck steht vielen zahnmedizinischen Behandlungen bevor. Eine korrekte Abformung der Zähne trägt wesentlich zum Endergebnis bei, weshalb dieser Schritt oftmals die Weichen für den weiteren Verlauf stellt. Informationen über die verschiedenen Arten der Abformung und deren Abläufe findest Du im Folgenden


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Zuletzt aktualisiert: 21. Oktober, 2020



Was versteht die Medizin unter einem Zahnabdruck?

Bei einem Zahnabdruck handelt es sich um eine korrekte Darstellung der Zähne und des Kiefers des Patienten. Um dies zu erhalten, gibt es mehrere Möglichkeiten: Einerseits der klassische Abdruck, wobei der Patient eine Art Löffel gefüllt mit Abformmasse für einige Minuten auf seine Zähne gesetzt bekommt, andererseits die neue Variante des Intraoralscans. Letzterer kommt ganz ohne Abdruckmasse aus, denn eine spezielle Kamera scannt hierbei die Zähne und bildet daraus ein digitales 3D-Modell.
 
Ein Zahnabdruck stellt die exakte Form und Lage der Zähne dar

Wozu dient der Zahnabdruck?

Einsatz findet der Zahnabdruck vor allem in der Prothetik, da in diesem Bereich die exakte Stellung jedes einzelnen Zahns, sowie etwaige Lücken essenziell für die Anfertigung der gewünschten Produkte sind. Bekommt der Patient beispielsweise ein Zahnimplantat, muss dieses perfekt zwischen die anliegenden Zähne passen und einen korrekten Mundschluss erlauben. Gleiches gilt für Zahnbrücken, Zahnkronen und Teilprothesen. Auch die Herstellung von Vollprothesen basiert auf einer Abformung des Kiefers, um einen passenden und schmerzfreien Sitz zu ermöglichen.
 
Neben dem prothetischen Einsatz des Zahnabdrucks benötigt auch der Kieferorthopäde eine exakte Abbildung der Zähne für das Anfertigen einer Zahnspange. Hierbei ist die Art der Spange irrelevant. Ob fest oder herausnehmbar – ein Zahnabdruck gehört dazu. Dadurch kann der behandelnde Arzt Zahn– und Kieferfehlstellungen optimal behandeln und durch weitere Abformungen auch den Therapieerfolg messen.

Wie funktioniert der klassische Zahnabdruck?

Für den klassischen Zahnabdruck gibt es verschiedene Einsatzgebiete und dem zufolge auch unterschiedliche Materialien und Vorbereitungen. Bei jeder Abformung gilt aber, dass der Arzt eine gummiähnliche Masse in einen Löffel, der an die Kiefergröße des Patienten angepasst ist, füllt und diesen schließlich in den Zahnraum einbringt. Dort härtet die Abformmasse je nach Material für 5-10 Minuten aus, während dieser Zeit darf der Patient in den meisten Fällen den Mund nicht bewegen. Anschließend entfernt der Doktor vorsichtig den Abdruck mithilfe des Löffels und kann diesen nun zur weiteren Verarbeitung benutzen.
 
Bei einer Abformung für Zahnkronen und -brücken müssen die Zähne, die als Befestigung dienen (Pfeilerzähne), zuerst angeschliffen werden. Um einen präziseren Gebissabdruck zu erhalten, wie es bei den eben genannten Zahnersatzteilen und Zahnimplantaten notwendig ist, spritzt der Arzt eine lokale Betäubung in das zu behandelnde Gebiet und legt einen Faden ein, der eine exakte Formung der Präparationsgrenze und eine Trockenlegung der Stelle ermöglicht. Ist das Zahnfleisch nach einigen Minuten durch den Faden ein wenig abgedrängt, entnimmt der Zahnarzt jenen und führt die Abformung durch. Da die Abformmasse einen unangenehmen Geschmack hat und den Gaumen teils bedeckt, führt der klassische Zahnabdruck bei vielen Patienten zu einem Würgereiz.

Welches Material wird für einen Zahnabdruck verwendet?

Die verwendete gummiartige Masse besteht meist aus Alginat, ein Pulver, das mit Wasser angerührt wird und dadurch eine kittähnliche Konsistenz erhält. Die Grundsubstanz besteht aus Algen und Kieselsäure. Dieses Material eignet sich sehr gut für Zahnspangenabdrücke oder zur Erfolgskontrolle. Bei Präzisionsabdrücken finden Silikone und Polyether ihren Einsatz. Diese sind härter und schwerer zu entfernen, allerdings bilden sie die Zahnsituation genauer ab.
 
Vor der Anfertigung einer Zahnspange oder Zahnprothese ist die Erstellung eines Zahnabdrucks unbedingt notwendig

Wie lange dauert ein Zahnabdruck?

Die Dauer der Abformung richtet sich einerseits nach dem verwendeten Material und andererseits nach der Vorbereitungszeit. Alginat härtet beispielsweise bereits nach zwei Minuten aus, während Silikon- und Polyethermassen ungefähr sieben Minuten Aushärtungszeit benötigen. Abformungen ohne besondere Vorbereitung mit Alginat können innerhalb von zehn Minuten abgeschlossen werden. Bei der Präzisionsabformung ist die Vorarbeit intensiver, weshalb die Gesamtzeit des Arztbesuchs circa 30 Minuten beträgt.

Wie funktioniert ein Zahnabdruck bei lockeren Zähnen?

Da die klassischen Abformmassen des Präzisionsabdrucks wesentlich härter sind, können diese bei gelockerten Zähnen, beispielsweise bei Menschen mit Parodontitis, zur Verschlechterung des Zustands bis zum Zahnausfall führen. Demnach verwendet der Zahnarzt in solchen Fällen gerne den digitalen Zahnabdruck oder Alginat. Steht jedoch eine Prothesenanfertigung bevor und eine präzise Abformung ist unumgänglich, gibt es spezielle Massen, die hierfür verwendet werden.

Wie funktioniert der Zahnabdruck bei einem zahnlosen Kiefer?

Der Abdruck für eine Totalprothese, also einem kompletten Gebissersatz, geschieht meist in mehreren Schritten. Zuerst fertigt das Labor mithilfe eines ersten Alginatabdrucks einen individuellen Löffel an. Der behandelnde Zahnarzt verwendet diesen dann für die eigentliche Kieferabformung, indem er zwei verschiedene Massen in den Löffel füllt und den Abdruck durchführt. Durch die unterschiedlichen Materialien gelingt es besonders gut, den Prothesenrand darzustellen. Anders als bei der klassischen Abformung, bittet der Doktor den Patienten den Mund zu bewegen. So soll der Behandelte hierbei seine Zunge zeigen, grinsen, pfeifen und Ähnliches, damit eine präzise Weichteilabbildung gesichert ist und die Prothese schmerzfrei sitzt.

Was ist der digitale Zahnabdruck und wie funktioniert er?

Der digitale Zahnabdruck stellt für viele Patienten eine große Erleichterung dar, da der Arzt lediglich einen kleinen Scanner in den Mund einbringt. Dieser Intraoralscanner nimmt – je nach Modell – ungefähr 7000 3D-Punkte pro Bild auf. Durch diese Leistung ist es möglich, einen 3D-Abdruck zu formen, der in Echtzeit über einen Bildschirm verfolgbar ist. Der Scanner selbst ist ein kleines, leicht zu manövrierendes Gerät, das durch künstliche Intelligenz unterstützt wird. Das zeigt sich darin, dass der Scanner beispielsweise „erkennt“, ob ein scharfes Bild entsteht oder ob der Scannende zittrige Hände hat und diese Unebenheiten ausgleichen kann.
 
Weiters leitet er den Untersuchenden an, gewisse Areale erneut zu scannen, sollten diese nicht genau dargestellt sein. Der digitale Abdruck wird bereits mehrfach eingesetzt und ist für die Planung von Zahnspangen, -kronen, -brücken oder Teilprothesen eine gern genutzte Alternative. Bei Vollprothesen findet der Intraoralscan noch keinen Einsatz, da hierbei vor allem die Bewegung während des Abdrucks und die genaue Randdarstellung nicht äquivalent gut stattfinden kann. Der Prozess dauert wenige Minuten und ist sowohl benutzer- als auch patientenfreundlich.
 
Heutzutage lässt sich auch mithilfe eines 3D-Scans ein genauer Zahnabdruck erstellen

Welche Vorteile hat der digitale Zahnabdruck gegenüber der klassischen Methode?

Der größte Vorteil für die Patienten liegt wohl im Wegfall des Würgereizes. Da die Kamera wesentlich kleiner ist als ein Abformlöffel samt -masse und auch keinen unangenehmen Geschmack hat, ist diese Abdruckart für die meisten Menschen deutlich angenehmer. Weiters unterstützt der interaktive Charakter dieser Untersuchung durch die Echtzeitanalyse am Bildschirm die Bereitschaft der Behandelten wiederzukommen. Vor allem für Personen mit Zahnarztängsten erleichtert diese Untersuchung den Arztbesuch.
 
Auch für den Untersucher ergeben sich Vorteile durch diese Innovation. So ist der Scan beispielsweise sofort digitalisiert und ermöglicht es dem Zahnarzt Simulationen am Modell durchzuführen. Die Untersuchung dauert außerdem nur wenige Minuten und ist für die Untersuchten absolut schmerzfrei.

Kann ich selbst einen Abdruck meiner Zähne machen?

Aktuell stehen „at home“ Abdruck Kits einiger Zahnspangenunternehmen zur Verfügung. Bei dieser neuen Art der Zahnspangenanpassung stehen Patienten und Ärzte nicht direkt in Kontakt, sondern kommunizieren online miteinander. So kann sich eine Person, mit einem Zahnkorrekturwunsch das Abdruckset zu sich nach Hause bestellen, die Abformung nach Anleitung des Herstellers durchführen und das Ergebnis dann in das jeweilige Labor senden. Nach einigen Wochen erhält der Patient dann herausnehmbare Zahnspangen, die eine Korrektur der Fehlstellungen durchführen.

Was kann ich gegen den Würgereiz tun?

Leider ist der Würgereiz bei der klassischen Abformmethode nicht zu vermeiden. Das Material am Gaumen, sowie der unangenehme Geschmack verursachen bei den meisten Menschen diesen Reflex. Durch einige Tipps kann allerdings das Ausmaß des Würgereizes verringert werden. So hilft es dem Patienten meist, den Abdruck im aufrechten Sitz durchzuführen, ebenso wie eine bewusste Nasenatmung. Auch das Ablenken durch Zählen, mit den Zehen wackeln oder Ähnliches vermindert den Würgereiz.

Wie viel kostet ein Zahnabdruck?

Die Kosten für einen Zahnabdruck variieren von Praxis zu Praxis. Tendenziell gilt jedoch, dass der digitale Abdruck etwas teurer ist, man kann hierbei mit 20€ bis 50€ rechnen.
 
Die Krankenkasse übernimmt die Kosten von notwendigen Zahnabdrücken. Einen 3D-Scan musst Du allerdings selbst zahlen

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für einen Zahnabdruck?

Auch dies unterscheidet sich zwischen verschiedenen Praxen und den Gründen für die Abformung. Zahlt der Patient privat für die Behandlung, wie es zum Beispiel bei Veneers oftmals der Fall ist, muss er auch für die Kosten des Zahnabdrucks aufkommen. Übernimmt die Krankenkasse die Therapie, deckt sie auch meist den Preis des Abdrucks. Dies gilt allerdings nur für die klassische Methode, die digitale Abformung ist stets privat zu bezahlen.

 


Dauer Dauer

5-10 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

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Das Wichtigste zusammengefasst

Der Zahnabdruck ist für vielerlei Behandlungen der erste Schritt. Ob Zahnspangen, Prothesen, Brücken oder Kronen, dem Patient steht eine Gebissabformung bevor. Diese ist zwar schmerzfrei, jedoch für viele Menschen unangenehm, da ein Würgereiz mit der klassischen Abformmethode einhergeht


Eine Alternative zum klassischen Zahnabdruck mit einem Löffel und einer Abformmasse ist der digitale Scan. Dabei nimmt ein kleiner Scanner sehr viele Bilder vom Mund des Patienten auf und erstellt ein 3D-Modell


Für die meisten prothetischen Eingriffe bietet sich die digitale Variante an, bei der Vollprothese bevorzugt der Zahnarzt allerdings die klassische Abformung, da diese die Weichteile besser abbildet


Die Kosten für den Intraoralscan begleicht der Patient privat, bei dem klassischen Gebissabdruck übernimmt die Krankenkasse oftmals einen Teil des Preises

Dr. Benjamin Gehl

Dr. Simone Hermanns

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