Tripper (Gonorrhoe)

Tripper, medizinisch auch als Gonorrhoe bekannt, ist eine sexuell übertragbare Erkrankung und gehört zu den häufigsten Geschlechtskrankheiten. Die Krankheit wird durch Gonokokken Bakterien verursacht und hauptsächlich beim ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen. Besonders die Schleimhäute der Harnröhre und der Geschlechtsorgane werden von den Erregern befallen. Zudem können der Analbereich und der Rachen davon betroffen sein, selten auch Gelenke, Haut, Leber und das Herz sowie bei Neugeborenen die Augen. Ein Brennen beim Wasserlassen und Ausfluss deuten auf eine Infektion hin. Betroffen sind vor allem Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 25 Jahren. Die Prognose für eine Heilung ist bei einer frühzeitigen Behandlung mit Antibiotika sehr gut.


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Zuletzt aktualisiert: 17. Januar, 2022

INHALTSVERZEICHNISInhaltsverzeichnis

Gonorrhoe oder auch Tripper ist eine bakterielle Infektion der Schleimhäute der Harnwege und Geschlechtsorgane mit dem Bakterium Neisseria gonorrhoeae. Sie gehört zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten weltweit. Betroffen sind vor allem jüngere Frauen und Männer zwischen 15 und 30 Jahren.

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Primär befallen die Gonokokken die Schleimhäute der Harnwege und Geschlechtsorgane, wo sie Reizungen, Rötungen und Entzündungen auslösen. Männer zeigen häufig eine Harnröhrenentzündung mit Harndrang und Schmerzen beim Wasserlassen. Bei Frauen wird hauptsächlich der Gebärmutterhals befallen, allerdings sind die Symptome mit veränderten Ausfluss häufig wesentlich milder. Allerdings zeigen einige Männer und ungefähr die Hälfte der infizierten Frauen keine Symptome. Neben den Harnwegen und Geschlechtsorganen sind der Enddarm und der Rachen primäre Infektionsorte, die ebenfalls oft unbemerkt bleiben.

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Verursacht wird Gonorrhoe durch Gonokokken, paarweise auftretende kugelförmige Bakterien. Diese können außerhalb des Körpers nicht lange überleben, die Hauptansteckung findet beim ungeschützten Geschlechtsverkehr oder bei der Geburt statt.

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Um Tripper zu diagnostizieren, müssen die Gonokokken nachgewiesen werden. Am einfachsten kann dies durch Abstriche der primären Infektionsorte wie Gebärmutterhals, Harnröhre, Enddarm und Rachen mittels Kultur oder Nukleinsäureamplifikation (NAT) erfolgen. Bluttests sind nicht so zuverlässig, Urintests zeigen nur in gewissen Fällen ein zuverlässiges Ergebnis. Mittlerweile gibt es auch Selbsttest für den Heimgebrauch, die an ein zertifiziertes Labor geschickt werden.

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Wie jede bakterielle Infektion wird auch Gonorrhoe mit Antibiotika behandelt. Allerdings besitzen die Gonokokken oft Resistenzen gegen bestimmte Mittel, daher wird oft eine duale Therapie mit zwei verschiedenen Antibiotika durchgeführt. Eine einfache Infektion erfordert meist nur eine einmalige Dosis.

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Mit einer frühzeitigen Diagnose und Behandlung heilt Gonorrhoe folgenlos ab. Zu spät behandelt kann es aber zu Komplikationen kommen, die lebensbedrohlich sein können.

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Wichtig ist die Verwendung von Kondomen oder Femidome, auch wenn sie keinen hundertprozentigen Schutz bieten können. Zusätzlich sollten Personen, die häufig ihre Sexualpartner wechseln, sich regelmäßig auf sexuell übertragbare Krankheiten hin testen.

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Wenn Betroffene den Verdacht hegen, an Gonorrhoe erkrankt zu sein, bezahlt die Krankenkasse die Behandlungen. Heimtests müssen selbst bezahlt werden.

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Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

Tripper, medizinisch auch als Gonorrhoe bekannt, ist eine der häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten weltweit, ausgelöst durch das Bakterium Neisseria gonorrhoeae (Gonokokken).


Primär befallen Gonokokken die Schleimhäute von Harnröhre, Gebärmutterhals, Enddarm und Rachen, können aber in die inneren Geschlechtsorgane aufsteigen oder sich über den Blutkreislauf über den ganzen Körper ausbreiten.


Übertragen wird Tripper durch ungeschützten Geschlechtsverkehr oder die Geburt. Da viele Patienten symptomlos bleiben oder leichte Beschwerden übersehen, wird die Krankheit oft unwissentlich weiterverbreitet.


Die Behandlung erfolgt zumeist mit einer einmaligen Dosis zweier Antibiotika. Allerdings entwickeln die Gonokokken leicht Resistenzen gegen bestimmte Antibiotika, die die Behandlung zunehmend erschweren.

Was versteht die Medizin unter Tripper?

Tripper, beziehungsweise Gonorrhoe oder auch Gonorrhö geschrieben, gehört zu den sexuell übertragbaren Krankheiten (Geschlechtskrankheiten), die ausschließlich beim Menschen auftritt. Ausgelöst wird die Erkrankung durch Bakterien, den sogenannten Gonokokken, welche sich vorwiegend in den Schleimhäuten der Harnwege und der Geschlechtsorgane ansiedeln.

Tripper (Gonorrhoe) - Was versteht die Medizin unter Tripper?

Wie häufig ist Tripper und wer ist davon betroffen?

Tripper (Gonorrhoe) - Wie häufig ist Tripper und wer ist davon betroffen?

Wie häufig Tripper wirklich ist, lässt sich schwer sagen, da nicht jedes Land eine Meldepflicht für diese Erkrankung besitzt. In Österreich ist die Infektion mit Gonorrhoe beschränkt meldepflichtig, in Deutschland wurde die Meldepflicht aufgehoben.

Die Schätzungen der WHO liegen bei 60 bis 100 Millionen Neuerkrankungen pro Jahr weltweit. Das macht Tripper zu einer der häufigsten sexuell übertragbaren Krankheit neben Chlamydien und Trichomonaden (Trichomoniasis). In der EU ist Gonorrhoe sogar die häufigste STI.
 
Die Infektionszahlen sind aber weltweit nicht einheitlich, während in einigen Ländern die Inzidenz zurückgeht, steigt sie in anderen Ländern an. In Deutschland dürften 11 bis 25 Menschen pro 100.000 Einwohner an Gonorrhoe erkranken, in den USA sind es ungefähr 115 pro 100.000 Einwohner. Betroffen sind Männer wie Frauen gleichermaßen, allerdings eher junge Menschen zwischen 15 und 30 Jahren. Nur selten erkranken Kinder an Tripper, vorwiegend Neugeborene einer infizierten Mutter oder Opfer sexuellen Missbrauchs.

Was sind die Symptome von Tripper?

Tripper (Gonorrhoe) - Was sind die Symptome von Tripper?

Nicht immer äußert sich eine Tripper-Infektion mit den typischen Symptomen. Bei Männern verläuft die Infektion bei zehn bis 20 Prozent asymptomatisch, bei Frauen zeigen sogar 50 Prozent keinerlei Beschwerden.

Primär befallen die Bakterien die oberste Schicht der Schleimhäute (Epithel) von Harnröhre (Urethra), Gebärmutterhals (Zervix), Enddarm (Rektum) und Rachen (Pharynx). Insbesondere bei Neugeborenen dient den Gonokokken die Augenbindehaut als Eintrittspforte, von der sie sich auf die Hornhaut ausbreiten.
 
Bei einem einfachen Verlauf verursachen die Erreger lokal im Bereich ihrer Eintrittspforte Rötungen, Reizungen und Entzündungen. Je nach sexuellen Vorlieben ist die Infektion nicht auf eine Körperregion beschränkt, sondern gleichzeitig an mehreren Körperstellen lokalisiert. Je nach betroffener Region entwickeln sich entsprechende Symptome. So verursacht die Infektion der Harnwege Ausfluss, Harndrang und Schmerzen beim Wasserlassen. Ähnlich zeigt sich die Infektion der Geschlechtsorgane mit Ausfluss.
 
Eine Infektion des Enddarms bleibt oft symptomlos, nur einige vorwiegend männliche Patienten klagen über eine Entzündung des Enddarms mit Schmerzen und Stuhldrang sowie rektalen Juckreiz, Schmerzen beim Stuhlgang, Ausfluss aus dem After, Verstopfung und Blut- oder Schleimbeimengungen im Stuhl. Analverkehr wird bei einer rektalen Gonorrhoe oft als schmerzhaft empfunden.

Tripper (Gonorrhoe) - Eine Infektion des Enddarms bleibt oft symptomlos

Tripper (Gonorrhoe) - Ähnlich verhält es sich mit einer Infektion des Mund- und Rachenraums

Ähnlich verhält es sich mit einer Infektion des Mund- und Rachenraums, die in den meisten Fällen unentdeckt bleibt. Die wenigsten Patienten klagen über Symptome in Form einer Pharyngitis, eine schmerzhafte Halsentzündung. Halsschmerzen wirken nicht wie die klassischen Anzeichen einer sexuell übertragbaren Krankheit, daher werden sie von vielen Betroffenen als Erkältung gedeutet. In ungefähr fünf Prozent der Gonorrhoe-Infektionen ist der Rachen der einzige Infektionsort, bei fünf bis 25 Prozent der Betroffenen ist der Pharynx neben anderen Körperstellen mitbetroffen.

Tripper (Gonorrhoe) - Augentripper zeigt sich entweder asymptomatisch

Augentripper zeigt sich entweder asymptomatisch, mild oder schwerwiegend mit den gleichen Beschwerden wie eine Bindehautentzündung (Konjunktivitis). Die Augenlider sind stark geschwollen, es kommt zu einer starken Durchblutung, Eiterbildung und Verklebung der Augen. Während Erwachsene oft nur an einem Auge Beschwerden haben, sind bei Neugeborenen beide Augen betroffen. Die sogenannte Blennorrhoe entwickelt sich plötzlich, die Augen eitern stark, die Bindehaut ist gerötet und stärker durchblutet. Meistens sind neben den Augen auch der Rachen und in selteneren Fällen die Nase, Vagina und After der Babys infiziert. Da diese aber oft asymptomatisch verlaufen, steht die Entzündung der Augen im Vordergrund.

Unbehandelt breiten sich die Gonorrhoe-Erreger weiter im Körper aus, wobei der Rückzug der Gonokokken ins Gewebe mit einem Rückgang der Schleimhautbeschwerden im Zusammenhang stehen kann. Nicht nur steigen die Gonokokken die Geschlechtsorgane auf, die sich ebenfalls entzünden können, mitunter breiten sie sich noch weiter im Abdomen (Bauchraum) aus.
 
Zudem können die Bakterien in den Blutkreislauf gelangen und sich über den gesamten Körper bis in das Gehirn und Herz ausbreiten und vielfältige Entzündungen hervorrufen. Unter anderem bilden einige Patienten das sogenannte Arthritis-Dermatitis-Syndrom, auch als disseminierte Gonokokkeninfektion (DGI) bezeichnet, aus. Ein höheres Risiko, eine disseminierte Gonokokkeninfektion zu entwickeln, zeigen Frauen nach der Menstruation, nach einer Geburt oder mit einer eingesetzten Spirale, wahrscheinlich aufgrund des veränderten Scheidenmilieus.
 
Dem Namen nach kommt es bei dem Arthritis-Dermatitis-Syndrom vorwiegend zu Hautveränderungen, Gelenkentzündungen und Sehnenscheidenentzündungen, begleitet von Fieberschüben, einem allgemeinen Krankheitsgefühl und gelegentlichen Schüttelfrost. Die Patienten bekommen Hautausschläge an Armen und Beinen mit Pusteln oder kleinen Einblutungen in der Haut (Petechien). Oft sind auf den Fingern blutgefüllte beziehungsweise eitrige Bläschen oder scheinbar wunde Stellen zu sehen.

Tripper (Gonorrhoe) - Arthritis

Außerdem leiden Betroffene oftmals an einer Polyarthritis mit wandernden Schmerzen, Schwellungen, Druckempfindlichkeit und Bewegungseinschränkungen in den Gelenken der Extremitäten sowie Eiterbildung. Die Haut über dem betroffenen Gelenk ist meist warm und rot. In manchen Fällen kommt es zu schmerzhaften Entzündungen der Sehnenscheide oder der Sehne selbst, die auch anschwellen kann.
 
Eine lokale Form der DGI ist die septische Arthritis, eine schmerzhafte Arthritis mit Ergüssen, die ein bis zwei der großen Gelenke wie Knie, Knöcheln, Handgelenken oder Ellenbogen betrifft. Die Gelenke schmerzen stark, sind geschwollen und in ihrer Bewegung stark eingeschränkt, die Haut darüber erwärmt und gerötet. Meist beginnt die Erkrankung mit Fieber, zusätzlich sind Hautläsionen möglich. Die genitale Gonorrhoe kann auch im Falle einer disseminierten Gonokokkeninfektion beziehungsweise septischen Arthritis asymptomatisch sein.

Wie äußert sich Gonorrhoe beim Mann?

Männer leiden nach einer Infektion mit Gonokokken häufig an einer Harnröhrenentzündung (Urethritis), mit häufigen Harndrang, manchmal sogar einer Dranginkontinenz, brennenden Schmerzen beim Wasserlassen, Juckreiz und eitrigen übelriechenden Ausfluss aus der Harnröhre. Anfangs sind es nur geringe Mengen eines schleimigen Sekrets, welches mit der Zeit gelblich-grünlich cremig wird. Möglich ist auch ein eitriger Ausfluss morgens und ein ansonsten eher glasiger Ausfluss.

Unbehandelt bleiben die Beschwerden bis zu acht Wochen bestehen. Mit der Zeit nimmt der Ausfluss aus der Harnröhre wieder ab, zurückbleibt ein Tropfen Eiter, der sogenannte „Bonjour-Tropfen“, der sich morgens vor dem ersten Wasserlassen an der Eichel des Penis zeigt. Die Schmerzen können so stark werden, dass Männer sie als Glassplitter in der Harnröhre beschreiben. Rund um den Damm und die Blasengegend kann sich hingegen ein dumpfer Schmerz ausbreiten.

 

Außerdem kann es zu schmerzhaften Schwellungen und einer Druckschmerzhaftigkeit des Penis und der Vorhaut kommen, die Harnröhrenöffnung ist gerötet oder geschwollen. Ohne Therapie kann sich die Infektion weiter ausbreiten und mitunter zu Schmerzen, Druckempfindlichkeiten, Wassereinlagerungen und Schwellungen im Hoden sowie Unterbauchschmerzen führen. Eventuell bildet sich auch nur ein einseitiger Schmerz im Hoden aus. Die Beschwerden werden oft von Fieber begleitet. Präpubertierende Jungen zeigen ebenfalls häufig Schmerzen beim Wasserlassen.

Tripper (Gonorrhoe) - Wie äußert sich Gonorrhoe beim Mann?

Welche Anzeichen weisen bei einer Frau auf Tripper hin?

Frauen zeigen nicht nur seltener Symptome, ihre Beschwerden sind meistens wesentlich milder ausgeprägt. Wie beim Mann können Harndrang und ein brennender Schmerz beim Wasserlassen auftreten. Oft verändert sich der Ausfluss aus der Scheide und es kommt zu Kontaktblutungen nach dem Geschlechtsverkehr, was aber viele Patientinnen nicht weiter beachten. Bei einer Entzündung des Gebärmutterhalses handelt es sich um einen übel riechenden eitrigen oder blutigen Ausfluss.
 
Entzündungen der Vaginalschleimhaut durch Tripper kommen bei erwachsenen Frauen eher seltener vor. Schmerzen im Intimbereich stammen meistens von den befallenen Bartholin-Drüsen im Bereich der kleinen Schamlippe, die aber nur in seltenen Fällen infiziert werden. Mädchen vor der ersten Regelblutung zeigen eher Reizungen, Rötungen und Ödeme der Vulva, Scheidenentzündungen, Brennen beim Wasserlassen und eitrigen vaginalen Ausfluss.
 
In der Schwangerschaft kommt es durch die hormonelle Umstellung zu Veränderungen in der Vagina, die sie bei einer Gonokokken-Infektion anfälliger für eine Entzündung macht. Zudem kann sich eine bestehende Arthritis oder Sehnenscheidenentzündung in der Schwangerschaft verschlechtern.

Ohne eine geeignete Therapie steigen die Gonokokken über die Gebärmutterschleimhaut in die Eileiter und Eierstöcke auf. Eine Entzündung dieser Organe wird als Entzündung des kleinen Beckens (pelvic inflammatory disease, PID) bezeichnet. Bei einigen Patientinnen verläuft eine PID symptomlos, bei anderen geht sie mit Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie), starken Unterbauchschmerzen, Druckschmerzhaftigkeit des Abdomens und Fieber einher. Eine Entzündung der Gebärmutterschleimhaut führt oft zu Zwischenblutungen, Schmierblutungen oder einer stärkeren, länger dauernden Menstruationsblutung.

 

In weiterer Folge ist eine Bauchfellentzündung (Peritonitis) mit starken Unterbauchschmerzen oder eine Perihepatitis, auch als Fitz-Hugh-Curtis-Syndrom bezeichnet, möglich. Die Perihepatitis entsteht durch eine Konzentration der Gonokokken rund um die Leber und geht mit ähnlichen Symptomen wie andere Lebererkrankungen oder wie starke Schmerzen im rechten Oberbauch, Übelkeit und Erbrechen einher.

Tripper (Gonorrhoe) - Welche Anzeichen weisen bei einer Frau auf Tripper hin?

Welche Ursachen hat Tripper?

Tripper (Gonorrhoe) - Welche Ursachen hat Tripper?

Gonorrhoe wird durch das Bakterium Neisseria gonorrhoeae ausgelöst. Diese Bakterien, auch Gonokokken genannt, sind aerobe (sauerstoffabhängige), grammnegative Kugelbakterien (Kokken), die paarweise auftreten (Diplokokken). An ihrer Oberfläche besitzen sie fadenförmige, aus Proteinen bestehende Fortsätze (Pili).

Eines dieser Proteine ist Pilin, das beim Anheften an die Schleimhautzellen der Harnröhre oder des Gebärmutterhalses unterstützt. Einige Gonokokken werden von den Granulozyten des Immunsystems aufgenommen und abgetötet, mit spezifischen Antigenen an ihrer Oberfläche können die Tripper-Erreger aber das Immunsystem umgehen. Ein Teil der Bakterien wird von den Schleimhautzellen selbst aufgenommen, wo sie sich vor dem Immunsystem geschützt vermehren und Mikrokolonien bilden.
 
Im Falle der Transzytose werden die Gonokokken auf der anderen, der sogenannten Lumen abgewandten Seite wieder entlassen. Innerhalb der Zellen lösen die Gonokokken schließlich durch bestimmte Proteine eine Entzündung aus, die Deckzellen werden zerstört und das Gewebe geschädigt. Gelangen die Erreger in die Blutbahn, können sie sich im ganzen Körper ausbreiten.
 
Die Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt mit der infizierten Schleimhaut und dem Sekret. Das größte Risiko birgt demnach ungeschützter Sex, insbesondere im Zusammenhang mit sexuellen Dienstleistungen, einem neuen Partner, häufig wechselnden Sexualpartnern oder einem Partner mit riskantem Sexualverhalten. Zudem gehen einige Sexualpraktiken wie Anal- und Oralverkehr mit einem größeren Risiko einher. Auch Vergewaltigungen und sexueller Missbrauch fördern die Verbreitung von Tripper. Zudem können eine HIV-Infektion und die Einnahme von Partydrogen eine Infektion begünstigen.

Tripper (Gonorrhoe) - HIV-Infektion

Wie wird Tripper übertragen?

Gonokokken brauchen 36 bis 38 °C, eine hohe Luftfeuchtigkeit und einen Kohlendioxidgehalt (CO2-Gehalt) von fünf bis zehn Prozent. Der menschliche Körper bietet die perfekten Lebensbedingungen, außerhalb des Körpers gehen sie aber schnell zugrunde. Daher ist die wahrscheinlichste Übertragung durch Geschlechtsverkehr und die Geburt, denn dort haben die Schleimhäute direkten Kontakt mit den infizierten Schleimhäuten und Sekreten.
 
Selbst bei einem asymptomatischen Verlauf der Infektion kann die Krankheit durch ungeschützten Geschlechtsverkehr weiter verbreitet werden. Dabei können alle Sexpraktiken zu einer Ansteckung führen, sowohl vaginaler, passiver (rezeptiver), analer, oraler als auch oral-analer Geschlechtsverkehr, wobei eine pharyngale Gonorrhoe seltener auf die Geschlechtsorgane übertragen wird. Bei Frauen kommt eine Infektion des Enddarms nicht nur durch passiven Analverkehr zustande, sondern öfter als Sekundärinfektion durch die infizierten Genitalsekrete aus der Vagina.
 
Eine Ansteckung oral-oral durch Küssen ist wohl sehr selten, kann aber wie eine Übertragung durch die gemeinsame Verwendung von Sexspielzeugen oder anderen verunreinigten Gegenständen sowie die Masturbation mit den Händen nicht ausgeschlossen werden. Auf einem Toilettensitz hingegen können Gonokokken nicht lange genug überleben, um eine Gefahr darzustellen. Feuchte Handtücher könnten zwar Lebensbedingungen für Gonokokken bieten, doch ist eine Ansteckung durch ein kontaminiertes Handtuch nicht zu erwarten.
 
In der Regel bilden sich nach der Infektion zwei bis zehn Tage später die ersten Symptome, es können aber auch bis zu 14 Tage vergehen. Männer bemerken meistens früher, nach etwa zwei bis sieben Tagen erste Beschwerden; Frauen hingegen eher nach zehn Tagen. Eine disseminierte Gonokokkeninfektion zeigt sich meistens zwei bis drei Wochen nach der Erstinfektion mit Gonorrhoe.
 
Doch ist Geschlechtsverkehr nicht die einzige Art der Übertragung. Da der Gebärmutterhals der bevorzugte Ort des Gonokokkenbefalls ist, kann sich ein Kind auch bei der Geburt durch Kontakt mit den Sekreten infizieren. Ungefähr 30 bis 40 Prozent der Kinder infizierter Mütter stecken sich bei der Geburt an. Meistens befallen die Erreger dann die Augen und den Mund- und Rachenraum des Neugeborenen. Neugeborene entwickeln die Symptome der Konjunktivitis meist in den ersten zwei bis fünf Tagen nach der Geburt.
 
Bei Erwachsenen ist die Ursache von Augentripper normalerweise Schmierinfektionen durch Berühren und Augenreiben mit kontaminierten Fingern, die zuvor die infizierten Genitalien berührt haben.

Tripper (Gonorrhoe) - Wie wird Tripper übertragen?

Wie wird Tripper diagnostiziert?

Tripper (Gonorrhoe) - Wie wird Tripper diagnostiziert?

Bei Beschwerden oder Verdacht auf eine Infektion ist ein Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten (Dermatologie und Venerologie) die richtige Ansprechperson. Frauen können sich alternativ an den Frauenarzt (Gynäkologe), Männer an den Urologen wenden. Sogar der Hausarzt kann als erste Anlaufstelle dienen.

Am Anfang steht ein Gespräch, in dem der Arzt nach den Beschwerden, der Krankengeschichte und anderen medizinisch relevanten Daten fragt. Da es sich um eine sexuell übertragbare Krankheit handelt, wird der Arzt auch Fragen nach dem Sexualverhalten, den Sexualpartnern und Sexualpraktiken stellen. Anschließend folgt eine körperliche Untersuchung, die schon erste Hinweise auf die Erkrankung liefern kann.
 
Um eine Diagnose zu stellen, müssen die Erreger nachgewiesen werden, was im Falle der Gonorrhoe nicht immer einfach ist. Zu diesem Zweck nimmt der Arzt einen Abstrich der betroffenen Region, bei der Frau ist es das Vaginal- oder besser Gebärmutterhalssekret, beim Mann das Harnröhrensekret. Besteht ein Ausfluss aus der Harnröhre, reicht es, wenn der Arzt die Eichel des Mannes mit einem Wattestäbchen, Tupfer oder einer Glasscheibe berührt. Ohne Ausfluss führt der Mediziner ein Wattestäbchen ungefähr einen Zentimeter tief in die Harnröhre des Mannes ein. Zu diesem Zweck sollte der Patient zwei bis vier Stunden vorher nicht mehr urinieren.
 
Im besten Fall nimmt der Arzt auch gleich Abstriche von allen anderen möglichen Körperstellen wie dem Rachen, dem Enddarm und eventuell der Augenbindehaut. Das Harnröhrensekret des Mannes eignet sich sogar für einen Nachweis mittels Gramfärbung, welche die Bakterien je nachdem, ob sie grampositiv oder gramnegativ sind, anfärben kann. Bei einem Abstrich des Rachens, Enddarms und Gebärmutterhalses sowie bei asymptomatischen Männern ist die Färbung nicht aussagekräftig.

Gonokokken-Nachweis

Der Nachweis der Gonokokken im Abstrich kann auf zwei Arten erfolgen, entweder durch eine Kultur oder einen Nukleinsäureamplifikationstest (NAT beziehungsweise englisch NAAT).

 

Im Falle der Kultur muss der Abstrich möglichst schnell auf ein geeignetes Medium aufgebracht und unter einer CO2 angereicherten Atmosphäre ins Labor gebracht werden, da Gonokokken sehr empfindlich beim Transport sind. Die Abstriche und darin enthaltenen Bakterien werden dann auf speziellen Nährmedien gezüchtet. Zusätzlich können diese in der Kultur auf ihre Empfindlichkeit gegenüber bestimmte Antibiotika getestet werden (Antibiogramm). Genitale Abstriche des Gebärmutterhalses oder der Harnröhre liefern dabei bessere Ergebnisse als anale, vaginale oder pharyngale Abstriche.

 

Die Nukleinsäureamplifikation ist ein PCR-Test, der das Bakterienerbgut vermehrt und so nachweisen kann. Dafür sind nicht einmal lebende Bakterien notwendig, es reichen schon abgestorbene Gonokokken. Neben der größeren Empfindlichkeit im Vergleich zur Kultur ist auch die mögliche gleichzeitige Austestung einer Chlamydien-Infektion ein großer Vorteil dieses Tests.

Tripper (Gonorrhoe) - Gonokokken-Nachweis

Ein Nachteil einer NAT ist das fehlende Antibiogramm, welches für die Behandlung und Forschung unerlässlich ist, auch wenn die Therapie schon vor den Ergebnissen gestartet wird. Außerdem sind Gonokokken genetisch durchaus variabel, was sich auf die Empfindlichkeit des Tests auswirken kann. Pharyngale Abstriche aus dem Rachen eignen sich weniger für eine NAT, da im Hals viele apathogene (harmlose) Neisseria Bakterien leben, die das Ergebnis verfälschen können. Daher müssen positive Ergebnisse eines pharyngalen Abstriches noch durch einen anderen Test bestätigt werden.
 
Auch der Urin des Mannes kann mittels Nukleinsäureamplifikation auf Gonokokken getestet werden, bei der Frau liefert Urin keine verlässlichen Ergebnisse. Dabei soll der Erststrahlurin genommen werden, da hier eine größere Erregeranzahl zu erwarten ist. Auch vor der Urinprobe sollten die Patienten zwei Stunden nicht mehr Wasserlassen. Theoretisch lassen sich auch Antikörper gegen Gonokokken im Urin nachweisen, es kann aber keine Kultur angelegt werden.
 
Leidet der Patient unter Gelenkentzündungen, zeigt sich die Gelenkflüssigkeit meist trüb bis eitrig und mit einer großen Zahl an Leukozyten. Diese Flüssigkeit kann der Arzt mit einer Nadel aus dem Gelenk entnehmen und dieses mittels Kultur auf die Tripper-Erreger hin austesten.
 
Schwieriger ist die Diagnose, wenn der Patient systemische Symptome, aber keine genitalen Beschwerden zeigt. Oft ist eine der ersten Untersuchungen eine Blutuntersuchung, auch um andere Erkrankungen auszuschließen. Zwar lassen sich im Blut Antikörper gegen Gonokokken und die Gonokokken selbst in einer Blutkultur nachweisen, jedoch sind die Ergebnisse nicht immer verlässlich. Nur ungefähr 30 bis 40 Prozent der Fälle werden mit einer einmaligen Blutkultur erkannt, deshalb müsste sie öfters angelegt werden. Im Gegensatz zu Gonorrhoe eignet sich die Blutuntersuchung besser zur Diagnose von HIV und Syphilis, die gleichzeitig mit der Tripper-Infektion vorliegen können.
 
Neben der Blutkultur sind auch andere Tests wie Antikörpertests, Antigentests, Nukleinsäurehybridisierungstests sowie serologische Untersuchungen oft nicht aussagekräftig. Der beste Nachweis erfolgt am primären Infektionsort, daher sind Abstriche von Zervix, Rektum und Urethra des Mannes immer noch am besten hierfür geeignet.
Wurde eine Gonorrhoe nachgewiesen, werden in der Regel die Proben des Patienten auf andere sexuell übertragbare Krankheiten wie Chlamydien, HIV und Syphilis hin untersucht.
 
Eine Untersuchung auf bakterielle Infektionen während der Schwangerschaft erfolgt normalerweise bei der ersten Pränataluntersuchung. Besteht der Verdacht einer Infektion, kann auch im dritten Trimester ein Screening auf Tripper durchgeführt werden.

Tripper (Gonorrhoe) - Pränataluntersuchung

Kann ich mich selbst auf Gonorrhoe testen?

Tripper (Gonorrhoe) - Kann ich mich selbst auf Gonorrhoe testen?

Mittlerweile gibt es Tests für den Heimbedarf, die von Gesundheitsämtern, Testprojekten und Checkpoints sowie der Aidshilfe ausgegeben werden und anschließend an ein Labor geschickt werden müssen. Das auswertende Labor ist zertifiziert und arbeitet nach modernen medizinischen Standards – so kann die Qualität der Tests garantiert werden.

Im Internet gibt es viele Tests zu erwerben, doch nicht jeder dieser Tests ist wirklich zuverlässig und aussagekräftig. Wichtig sind eine seriöse Homepage und die Kooperation mit einem zertifizierten Labor, um einen qualitativ hochwertigen Test zu erhalten. Dennoch ist ein Test, egal ob für den Heimgebrauch oder bei einem Arzt, nie zu 100 Prozent sicher, es können immer falsche Ergebnisse entstehen. Daher sind nach einem positiven Test immer weitere Untersuchungen notwendig, um das Ergebnis zu bestätigen. Wenn Du Beschwerden hast, dann wende Dich auch bei einem negativen Ergebnis an einen Arzt, um diese abklären zu lassen.
 
Auch beim Kauf eines Tests für den Heimgebrauch steht am Anfang eine Beratung, um Dich über die Erkrankung und ihre Bedeutung aufzuklären. Anschließend versenden die Anbieter den Test, den Du später per Post erhältst. Die Proben entnimmst Du einfach selbst, dann schickst Du den Test mit der Probe an das Labor. Das Labor kontaktiert Dich dann, um Dir das Ergebnis mitzuteilen und eventuell eine Therapie zu verschreiben. Diese Tests können auch in einem Abo bestellt werden, dann werden die Tests regelmäßig alle drei, sechs oder zwölf Monate an Dich geschickt.

Wie wird Tripper behandelt?

Tripper (Gonorrhoe) - Wie wird Tripper behandelt?

Als bakterielle Infektion wird Gonorrhoe mit Antibiotika behandelt. Leider sind Gonokokken genetisch sehr variabel, daher bilden sie schnell Resistenzen gegen bestimmte Antibiotika oder sogar Multiresistenzen gegen mehrere Medikamente aus.

Schon seit den 1970er-Jahren sind viele Tripper-Erreger gegen Penicillin resistent. Daher besteht die Standardtherapie heutzutage aus zwei verschiedenen Antibiotika, die in einer einmaligen Dosis (Single-Shot-Therapie) verabreicht werden, um eventuelle Resistenzen durch das zweite Medikament auszugleichen.
 
Die Gabe des ersten Antibiotikums erfolgt meistens intravenös, in einigen Fällen intramuskulär, auch wenn es wesentlich schmerzhafter ist, das zweite hingegen in Tablettenform. Selten werden die Ergebnisse des Antibiogramms abgewartet, bevor die Behandlung begonnen wird. Sollten nach spätestens 24 Stunden noch immer Beschwerden vorliegen oder diese zurückkehren, liegt wahrscheinlich ein Therapieversagen aufgrund von Resistenzen vor. Spätestens dann sind eine Kultur und ein Antibiogramm notwendig. Eine pharyngale Gonorrhoe ist mit dieser Therapieform meistens schwieriger zu behandeln, da die Gonokokken im Rachen schlechter auf eine einmalige Dosis reagieren.
 
Eine gleichzeitige Chlamydien-Infektion oder systemische Symptome wie eine Arthritis machen eine längere Antibiotikaeinnahme von sieben Tagen bis zu einem Monat notwendig.
Wichtig ist, die medikamentöse Therapie nicht vorzeitig abzubrechen, da so die Gonokokken leichter Resistenzen entwickeln und die Therapie schwieriger wird.
 
Eine disseminierte Gonokokkeninfektion wird etwa mit einer dualen Therapie behandelt: 24 bis 48 Stunden lang regelmäßig alle paar Stunden mit einer Infusion und einer anschließenden oralen Therapie für vier bis sieben Tage. Allerdings erfordert eine Arthritis eine langwierigere Behandlung, um die Gelenkfunktion zu erhalten. Dazu gehört eine Drainage der Synovialflüssigkeit, eine Immobilisierung (Fixierung) in einer bestimmten Lage und passive physiotherapeutische Übungen, die der Patient durchführen muss. Lassen die Schmerzen nach, absolviert der Patient aktive Übungen zur Dehnung und Muskelstärkung. Dennoch können eine Zeit lang noch Ergüsse entstehen, die teilweise entzündungshemmende Medikamente erfordern. Bei Augentripper verschreibt der Arzt zusätzlich antibiotische Salben oder Augentropfen zur Behandlung.

Warum muss bei Gonorrhoe der Sexualpartner mitbehandelt werden?

Tripper (Gonorrhoe) - Warum muss bei Gonorrhoe der Sexualpartner mitbehandelt werden?

Ein wesentlicher Bestandteil der Therapie ist die Behandlung des Sexualpartners. In der Regel handelt es sich bei symptomatischen Personen um die Sexualpartner der letzten zwei bis acht Wochen vor Auftreten der Symptome, bei asymptomatischen Patienten der letzten zwölf Wochen. Einige Mediziner halten es für sicherer, die Sexualpartner der letzten sechs Monate auf die Erkrankung hinzuweisen.

Unbehandelt können die Sexualpartner den Patienten erneut anstecken, so kommt es zu einem Ping-Pong-Effekt gegenseitiger Ansteckung zwischen den beiden. Der einfachste Weg ist die beschleunigte Paartherapie, der Arzt gibt dann dem Patienten einfach ein Rezept für seinen Sexualpartner mit. Es wäre aber besser, wenn der Partner sich selbst von einem Arzt untersuchen lässt, da der Betroffene Allergien, andere Erkrankungen oder andere sexuell übertragbare Krankheiten haben kann. Auch ein scheinbar gesunder Partner sollte sich einer Untersuchung und Antibiotikatherapie unterziehen, da die Gefahr eines asymptomatischen Verlaufs besteht. Einige Ärzte verschreiben den Sexualpartnern der letzten 14 Tage eine Antibiotikatherapie, ohne die Untersuchungsergebnisse abzuwarten.

Tripper (Gonorrhoe) - Welche Rolle spielt die Nachkontrolle bei Tripper?

Welche Rolle spielt die Nachkontrolle bei Tripper?

Ein wichtiger Bestandteil der Therapie ist die Nachkontrolle, um den Therapieerfolg nachzuweisen. Bis dahin ist ungeschützter Geschlechtsverkehr zu vermeiden, denn nur so lassen sich eine Weiterverbreitung und ein Ping-Pong-Effekt mit Sexualpartnern verhindern. Für die Nachkontrolle entnimmt der Arzt erneut einen Abstrich der betroffenen Körperstellen, um die Gonokokken nachzuweisen. Mittels Kultur findet die Nachkontrolle frühestens 72 Stunden, meistens aber ein bis zwei Wochen nach Beendigung der Therapie statt. Im Falle der NAT sind es mindestens drei bis vier Wochen, da der Nukleinsäureamplifikationstest auch die abgetöteten Erreger nachweist.
 
Schwangere werden schon nach der Diagnose behandelt, für schwangere und stillende Frauen gibt es oft eigene Antibiotika, die dem Kind nicht schaden. Neugeborene einer infizierten Mutter erhielten früher eine Prophylaxe, die sogenannte Credé-Prophylaxe, bei der einprozentige Silbernitrat in die Augen gegeben wurde. Allerdings zeigten sich viel zu starke Nebenwirkungen, daher gilt diese als veraltet. Heute erhalten die Neugeborenen als „Augentripperprophylaxe“ eine Einmaldosis Antibiotika entweder intravenös oder intramuskulär verabreicht sowie antibakterielle Augentropfen oder Salben. Die Augen sollten zusätzlich mit einer sterilen Kochsalzlösung gespült werden.
 
Oft sind sowohl die Mütter als auch die Neugeborenen neben Tripper gleichzeitig mit Chlamydien infiziert. Die Chlamydien-Infektion äußert sich meistens zwei Wochen nach der Geburt mit einer Bindehautentzündung und wird erst dann gesondert behandelt.

Wie ist die Prognose bei Tripper?

An sich ist die Prognose einer Tripper-Infektion gut, solange sie frühzeitig erkannt und behandelt wird. Dann heilt sie folgenlos, oftmals sogar innerhalb von 24 Stunden ab. In einigen Fällen kann eine asymptomatische unbehandelte Gonorrhoe innerhalb von einigen Wochen selbstständig ausheilen. Doch kann eine unbehandelte Erkrankung chronisch werden. Die Patienten leiden dann an einer chronischen Entzündung der inneren Geschlechtsorgane und anhaltenden Schmerzen. Außerdem können sich die Tripper-Erreger auch über den restlichen Körper ausbreiten und weitere Entzündungen auslösen.
 
Breiten sich die Gonokokken über den gesamten Körper aus, besteht die Gefahr einer Gonokokken-Sepsis, einer überschießenden Immunreaktion, die die Organe schädigt und so zu einem Multiorganversagen führt. Dieser Zustand ist lebensbedrohlich und muss sofort in einem Krankenhaus behandelt werden.
 
Meistens befallen die Tripper-Erreger die Haut und die Gelenke, können aber im schlimmsten Fall eine Meningitis (Hirnhautentzündung) oder eine Entzündung der Herzinnenwand, vorwiegend an den Herzklappen (Endokarditis) auslösen. Eine Arthritis ist meistens gut behandelbar, wenn auch langwierig. Der Großteil der Patienten erhält seine vollständige Gelenkfunktion zurück.
 
Nach einer Tripper-Infektion besteht keine Immunität, da Gonokokken eine sehr variable Oberfläche haben. Deshalb kann auch keine zuverlässige Impfung entwickelt werden. Jeder Patient kann sich immer wieder erneut anstecken.
 
Ein großes Problem stellen die vielen Resistenzen dar, da die Gonokokken sehr leicht fremde Gene aufnehmen können und auch weitergeben. Gerade im Halsbereich mit den vielen anderen vorkommenden Neisseria Bakterien entwickeln sich leicht Resistenzen.
Durch die Entzündungen der Schleimhäute durch die Gonokokken-Infektion können die HI-Viren leichter in die Schleimhaut eindringen, zudem befinden sich mehr HI-Viren in den Sekreten und Entzündungen der Schleimhäute. Deshalb erleichtert eine Gonorrhoe-Infektion eine Ansteckung mit HIV und HIV-positive Patienten, die an einer Gonorrhoe erkranken, können die Hi-Viren leichter übertragen und andere infizieren.

Tripper (Gonorrhoe) - Wie ist die Prognose bei Tripper?

Tripper (Gonorrhoe) - Mögliche Folgen von Tripper beim Mann

Mögliche Folgen von Tripper beim Mann

Bei einem Mann können sich die Prostata (Prostatitis), Cowper-Drüsen, Samenbläschen (Vesikulitis), Samenleiter, Samenstrang (Funikulitis) oder die Nebenhoden (Epididymitis) entzünden. Ohne geeignete Antibiotikatherapie besteht die Gefahr, dass die Nebenhodenkanälchen oder Samenleiter verkleben und zu einer dauerhaften Unfruchtbarkeit (Sterilität) führen. Zudem kann eine chronische Harnröhrenentzündung im schlimmsten Fall zu einer Harnröhrenstriktur, einer Verengung der Harnröhre führen. Seltener sind Abszesse der kleinen Drüsen, wie der Tyson-Drüse oder Littre-Drüse, und Abszesse rund um die Harnröhre (periurethrale Abszesse).


Tripper (Gonorrhoe) - Mögliche Folgen von Gonorrhoe bei Frauen

Mögliche Folgen von Gonorrhoe bei Frauen

Bei der Frau können die Gonokokken durch die inneren Geschlechtsorgane aufsteigen und Entzündungen der Gebärmutter, Eileiter (Salpingitis) und Eierstöcke oder aller genannten Organe auslösen. Wie die Samenleiter können auch die Eileiter verkleben und verwachsen, dauerhafte Sterilität und ein höheres Risiko einer extrauterinen Schwangerschaft sind die Folge. Häufig handelt es sich um Eileiterschwangerschaften, die unbemerkt zu lebensbedrohlichen inneren Blutungen führen können. Die Entzündung des kleinen Beckens (PID) mit den Geschlechtsorganen kann sich weiter auf das Bauchfell (Peritonitis) bis rund um die Leber (Perihepatitis) ausbreiten.

 

Im ersten Schwangerschaftstrimester kann die Infektion ebenfalls aufsteigen. Viele Frauen erleiden eine Fehlgeburt, eventuell sogar einen septischen Abort mit einer anschließenden Infektion der Gebärmutter. Eine Eileiter- oder Bauchfellentzündung ist im ersten Schwangerschaftsdrittel ebenfalls nicht ausgeschlossen. Im zweiten und dritten Trimester verschließt ein Schleimpfropf den Muttermund, damit ist das Aufsteigen der Gonokokken erschwert. Dennoch besteht aufgrund der Tripper-Infektion die Gefahr einer Frühgeburt und eines niedrigen Geburtsgewichts.

 

Eine Gonorrhoe-Infektion der Neugeborenen betrifft primär die Bindehaut, kann aber schnell die Hornhaut befallen und zur Erblindung führen. Die Prognose einer Augeninfektion mit Gonokokken ist bei Kindern dennoch besser als bei Erwachsenen. Auch bei Erwachsenen geht sie schnell auf die Hornhaut über, zudem können die Granulozyten unseres Immunsystems ein Geschwür oder eine Perforation (Durchlöcherung) der Hornhaut verursachen.

Tripper (Gonorrhoe) - Eine Gonorrhoe-Infektion der Neugeborenen betrifft primär die Bindehaut

Wie kann ich mich vor Tripper schützen?

Tripper (Gonorrhoe) - Wie kann ich mich vor Tripper schützen?

Neben der Geburt findet die Ansteckung hauptsächlich durch ungeschützten Geschlechtsverkehr mit vielen wechselnden Partnern statt. Die sicherste Methode, um sich vor Geschlechtskrankheiten zu schützen, ist eine regelmäßige und korrekte Verwendung eines Kondoms, Femidoms oder bei Oralverkehr auch eines Lecktuchs.

Allerdings bleibt ein kleines Restrisiko, denn auch ein Kondom ist keine Garantie, sich nicht anzustecken. Das würde nur eine strikte Abstinenz jeglicher Sexualpraktiken mit sich bringen.
 
Wer ein in dieser Hinsicht riskantes Sexleben führt, der sollte sich besser regelmäßig testen lassen und bei Beschwerden sofort den Arzt aufsuchen. Wichtig ist auch, den Partner mit zu behandeln und während der Therapie bis zur Nachkontrolle abstinent zu bleiben. Nur so kann eine Weiterverbreitung verhindert werden. Sexspielzeuge sollten regelmäßig und vor allem gründlich mit Wasser und Seife gereinigt werden. Am besten verwendet jeder Partner sein eigenes Kondom.
 
In der Schwangerschaft hat neben der Gesundheit der Frau auch die Gesundheit des ungeborenen Kindes höchste Priorität. Vorsorgeuntersuchungen und ein Screening auf Gonorrhoe während der Schwangerschaft sind der beste Schutz des Kindes.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten bei Tripper?

Tripper (Gonorrhoe) - Kosten

Hat der Patient Symptome oder aufgrund seines Sexualpartners den Verdacht, an Tripper erkrankt zu sein, übernimmt die Krankenkasse die Kosten der Behandlung. Ausnahmen bilden Selbstbehalte bei Medikamenten oder einem notwendigen Krankenhausaufenthalt.
Die Selbsttests für den Heimgebrauch gehören nicht zu den Kassenleistungen und müssen vom Patienten selbst bezahlt werden.


Über die Autorin: Dr. Simone Hermanns

Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe


Dr. med. Simone Hermanns ist als Fachärztin am Universitätsspital Zürich tätig und unterstützt MOOCI seit Februar 2020 als medizinische Expertin für den Bereich der Gynäkologie und Geburtshilfe.

Seit nunmehr 7 Jahren arbeitet sie voller Energie und Lebenslust als Ärztin in verschiedenen klinischen Fachbereichen in Deutschland und der Schweiz. Die Liebe zur Medizin entdeckte Sie besonders im operativen Bereich,da die Vielfältigkeit dieses Bereichs immer wieder aufs Neue fasziniert.

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Dauer Dauer

Mehrere Wochen

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

Tripper, medizinisch auch als Gonorrhoe bekannt, ist eine der häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten weltweit, ausgelöst durch das Bakterium Neisseria gonorrhoeae (Gonokokken).


Primär befallen Gonokokken die Schleimhäute von Harnröhre, Gebärmutterhals, Enddarm und Rachen, können aber in die inneren Geschlechtsorgane aufsteigen oder sich über den Blutkreislauf über den ganzen Körper ausbreiten.


Übertragen wird Tripper durch ungeschützten Geschlechtsverkehr oder die Geburt. Da viele Patienten symptomlos bleiben oder leichte Beschwerden übersehen, wird die Krankheit oft unwissentlich weiterverbreitet.


Die Behandlung erfolgt zumeist mit einer einmaligen Dosis zweier Antibiotika. Allerdings entwickeln die Gonokokken leicht Resistenzen gegen bestimmte Antibiotika, die die Behandlung zunehmend erschweren.

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