Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis)

Eine Sehne ist eine halbelastische Verbindung zwischen einem Muskel und dem Knochen, an dem er ansetzt. Er hat dabei die Aufgabe die Kraft des Muskels auf den Knochen zu übertragen und dadurch Bewegungen zu ermöglichen. Die Sehnenscheide ist dabei eine mit Flüssigkeit gefüllte Hülle, die die Sehne umgibt, Bewegungen möglich macht und gleichzeitig schützt. Gewisse Reize können allerdings zu einer Entzündung führen, die mitunter sehr unangenehm und langwierig sein kann.


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Zuletzt aktualisiert: 16. September, 2020

Was versteht die Medizin unter einer Sehnenscheidenentzündung?

Unter einer Tendovaginitis wird eine Entzündung des die Sehne umgebenden röhrenartigen Gewebes verstanden.

Wie sehen die Symptome von einer Sehnenscheidenentzündung aus?

Symptome der Sehnenscheidenentzündung sind stechende Schmerzen, die anfangs vor allem bei bestimmten Bewegungen auftreten und im fortgeschrittenen Stadium sogar in Ruhe durchaus ausgeprägt vorhanden sein können. Meist hast Du starke Schmerzen und gewisse Bewegungen sind nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich.

Dr. med. Christina Luther

“Im Bereich des Daumengrundgelenks kommen die Schmerzen in der Hand häufig aufgrund einer Sehnenscheidenentzündung zustande.”

Dr. med. Christina Luther

Was ist die Ursachen für eine Sehnenscheidenentzündung?

Die Entzündung der Sehnenscheide entsteht stets durch einen ungewohnten mechanischen Reiz. Dieser kann entweder durch chronische Überbelastung, Fehlbelastung oder durch ungewohnte, neue Bewegungen ausgelöst werden. Prominente Beispiele für chronische Überbelastungszustände sind Sehnenscheidenentzündungen im Bereich der Hände beispielsweise bei professionellen Musikern (Klavier, Cello, Geige) oder aber bei Sportlern (Tennisspieler). Die häufigste Fehlbelastungen entsteht im Zuge der Computerarbeit durch eine nicht ergonomische Führung und Haltung der Maus, was häufig zu Sehnenscheidenentzündungen im Bereich der Unterarmmuskulatur führt.

Wie ist der Verlauf einer Sehnenscheidenentzündung?

Da die Problematik mitunter lange Zeit ignoriert und ein Arztbesuch hinausgeschoben wird, kann der Verlauf durchaus langwierig sein. Bei regelrechter Therapie und Schonung der betroffenen Sehnenscheiden und Muskelabschnitte, sind die Heilungschancen und ein vollständiges Verschwinden der Symptome allerdings sehr gut und in wenigen Tagen/ Wochen möglich.

Wie lässt sich eine Sehnenscheidenentzündung diagnostizieren?

Die Diagnose der Sehnenscheidenentzündung lässt sich meist im Laufe eines Anamnesegespräches und einer klinischen Untersuchung feststellen. Hinweisend sind Deine Hobbys sowie Dein Beruf. In zweifelhaften Fällen kann zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden, hier kann der Arzt entzündliche Veränderungen und Flüssigkeitsansammlungen rund um die Sehne feststellen.

Die Diagnose der Sehnenscheidenentzündung lässt sich meist im Laufe eines Anamnesegespräches und einer klinischen Untersuchung feststellen

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Die Ursachen der Sehnenscheidenentzündungen geben auch Rückschlüsse darauf, wer am häufigsten betroffen ist. Hier sind vor allem Sportler (insbesondere Hobbysportler die mit fehlender Erfahrung und sehr hoher Intensität einsteigen), Musiker, Personen, die viel Computer- und Schreibtischarbeiten verrichten. Auch gewisse Lebensphasen und Situationen, in denen viel und schwer gehoben wird beispielsweise Mütter, die ihre Kinder viel 
herumtragen, oder Personen, die einen Umzug vollziehen, sind gefährdet. 
Am häufigsten betroffen ist hierbei Sehnenansätze der Hand oder des Ellbogens, seltener tritt die Sehnenscheidenentzündung im Bereich der Füße und Sprunggelenke auf.

Welche Folgen hat eine Sehnenscheidenentzündung für den Betroffenen?

Abgesehen von den ohne Therapie meist stärker werdenden Schmerzen und der durchaus auch den Alltag beeinträchtigenden Bewegungseinschränkung, können anhaltende Entzündungsreaktionen zu Vernarbungen im Gewebe führen. Gerade im Falle der häufig betroffenen Hand führen solche knotige Vernarbungen zum sogenannten „schnappenden Finger“. Dabei kommt es zu einem pathologischen Zug auf die Sehne mit zusätzlicher Einengung, wodurch sich Sehne und Muskel nur noch unter Kraftaufwand mit einer ruckenden Bewegung ausstrecken lassen. Ebenso Folge solcher Vernarbungen ist die Sonderform „Tendovaginitis stenosans de Quervain“ – diese betrifft eine einzelne Sehne der Hand, die durch Einengung schmerzhaft in ihrer Gleitfähigkeit eingeschränkt ist und häufig mit einer Schwellung einhergeht.

Welche nicht-operativen Behandlungen gibt es bei einer Sehnenscheidenentzündung?

Die primären Behandlungsansätze der Sehnenscheidenentzündung sind stets nicht-operative. Dabei werden meist mehrere Methoden kombiniert:

Die wichtigste Maßnahme ist stets die Unterbindung des pathologischen Reizes. Dies kann beispielsweise durch eine Abstinenz der sportlichen Betätigung oder durch Umstellung des Arbeitsplatzes passieren.

Schonung
Ein ebenso essenzieller Teil der Therapie ist die Ruhigstellung und Schonung der betroffenen Sehne beziehungsweise Muskulatur. Dies geschieht meist durch eine Schiene, die den Muskel so stützen soll, dass gewisse Bewegungen nicht möglich sind. Nur in seltenen Fällen ist das Anlegen eines Gipsverbandes notwendig.

Medikamentöse Therapie
Häufig sind betroffene Patienten sehr schmerzgeplagt, weshalb durch den Arzt gerne schmerzlindernde Salben oder orale Medikamente verschrieben werden, die nicht nur den Schmerz reduzieren, sondern auch die Entzündung bekämpfen. Bei fehlendem Ansprechen der oralen Therapie besteht außerdem die Möglichkeit eine Mischung aus entzündungshemmenden (Cortison) und schmerzstillenden Präparaten direkt an die betroffene Sehne zu injizieren.

Häufig sind betroffene Patienten sehr schmerzgeplagt, weshalb durch den Arzt gerne schmerzlindernde Salben oder orale Medikamente verschrieben werden

Physiotherapeutische Ansätze (Bewegungs- und Dehnungsübungen) helfen nicht nur dabei eine eingeschränkte Beweglichkeit wieder herzustellen, sondern verdeutlichen auch, welche Bewegungen gemieden werden sollten. Die gelernten Übungen können und sollen auch zu Hause regelmäßig durchgeführt werden.

Weitere Therapieoptionen sind die Stoßwellentherapie, bei der mit geringer Energie wellenartige Impulse von außen direkt an die entzündete Region abgegeben werden, oder Lasertherapie, bei der ins Gewebe ausgesendete Laserlichtwellen biochemische und zelluläre Prozesse in Gang setzen, die Schmerzen und Entzündung bekämpfen.

Dr. med. Christina Luther

“Hand, Ellenbogen und Schulter müssen immer als eine Einheit betrachtet werden. Wenn ein Patient mit Handschmerzen kommt, ist deswegen eine sorgfältige klinische Untersuchung sehr wichtig.”

Dr. med. Christina Luther

Wann muss operiert werden?

Operative Eingriffe sind nur in seltenen Fällen und nur dann notwendig, wenn konservativen Methoden versagt haben oder der Verdacht auf eine ausgeprägte Engstelle, die nur operativ beseitigt werden kann, besteht (wie beispielsweise bei der Tendovaginitis stenosans de Quervain).

Was sollte ich vor der Operation beachten?

Grundsätzlich handelt es sich um einen kurzen, wenig aufwendigen Eingriff, der oftmals auch ambulant durchgeführt werden kann. Ob ein solcher allerdings wirklich notwendig ist, hängt in erster Linie vom Deinem persönlichen Empfinden ab. Bist Du sehr schmerzgeplagt und hast alle anderen Therapieoptionen ausgeschöpft, ist die Bereitschaft zu einer Operation wahrscheinlich recht hoch. Ratsam ist es, dass Du Dir stets eine zweite Meinung einholst und Dir den Ablauf, Risiken und mögliche Komplikationen der Operation genau erklären lässt. Nimmst Du Medikamente ein, dann teile dies Deinem Arzt bitte mit. Gerade Arzneimittel, welche sich auf die Blutgerinnung auswirken, solltest Du etwa zwei Wochen vor der Operation absetzen. Dein Arzt kann Dir eventuell für diesen Zeitraum einen Ersatz verschreiben.

Was sollte ich nach dem Eingriff beachten?

Wie bei jedem operativen Eingriff besteht nach der Operation die Gefahr von Nachblutungen oder Schwellungen, die mitunter sehr unangenehm sein können. In den ersten Tagen wird ein Stütz- oder Bewegungsverband getragen, um die Wunde und die betroffene Sehne beziehungsweise den Muskel zu schützen und vollständig oder partiell ruhigzustellen. Nach 10-14 Tagen erfolgt die Entfernung der Nähte. Ob die Notwendigkeit einer Physiotherapie oder physikalischen Therapie besteht, sollte mit dem behandelnden Chirurgen geklärt werden, meist aber wird heute bereits direkt nach der OP bewegt, sodass kleine Gelenke und Finger nicht versteifen.

Wie kann ich eine Sehnenscheidenentzündung vorbeugen?

Eine wirkliche Vorbeugung ist insofern schwierig, da nicht jede Person automatisch bei Über- oder Fehlbelastung eine Sehnenscheidenentzündung entwickelt. Sollte allerdings der Verdacht auf eine entzündliche Veränderung bestehen, ist eine rasche Vorstellung bei Arzt oder Physiotherapeut sinnvoll. Bei Personen, die viel Computerarbeit verrichten, können spezielle aufrechte Mäuse eingesetzt werden, die die unnatürliche Haltung der Hand ein wenig reduzieren.

Musiker sind häufig von einer Sehnenscheidenentzündung betroffen

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Dies kommt in erster Linie auf die Art der Behandlung an. Eine orthopädische Begutachtung und Behandlung mit schmerzstillenden und entzündungshemmenden Salben oder Tabletten wird stets von der Kasse übernommen. Spezielle Schienen oder stützende Verbände werden oftmals nur teilweise von der Krankenkasse übernommen. Weitere Therapieoptionen wie Physiotherapie werden durch die Kasse bezahlt, hier ist mitunter mit längeren Wartezeiten zu rechnen – sollte eine schnellere Intervention gewünscht sein, besteht natürlich auch die Möglichkeit, privat Physiotherapie in Anspruch zu nehmen. Stoßwellentherapie und Lasertherapie sind in der Regel selbst zu bezahlen, hier leistet die Kasse keine Zuschüsse. Der operative Eingriff hingegen wird von der Krankenkasse übernommen, auch hier sind Wartezeiten von mehreren Monaten nicht unüblich.

 


Dauer Dauer

Bis zu 40 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu 14 Tage

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

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Dr. med. Carlo Hasenöhrl

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Dr. med. Christina Luther

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Das Wichtigste zusammengefasst

Bei einer Sehnenscheidenentzündung, auch Tendovaginitis genannt, handelt es sich um eine Entzündung des die Sehne röhrenartig umgebenden und schützenden Gewebes


Ursachen der Sehnenscheidenentzündung sind meist chronisch-mechanische Reizungszustände von außen, die sowohl durch langandauernde Über- und Fehlbeanspruchung eines Muskels, als auch durch zu häufiges Durchführen bestimmter für die Muskulatur ungewohnter Bewegungen ausgelöst werden können


Zu den konservativen Therapieoptionen zählen das Vermeiden der auslösenden Bewegung/des auslösenden Reizes, medikamentöse Schmerztherapie, Ruhigstellung des Muskels durch Schienen, Stütz- oder Gipsverbände, Inanspruchnahme von Physiotherapie oder physikalische Therapie, von Stoßwellentherapie oder Lasertherapie


Ein operativer Eingriff kommt stets als letzte Option nach Versagen aller anderen konservativen Maßnahmen zum Einsatz

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