Achillodynie

Die Achillodynie ist eine schmerzhafte Entzündung der Achillessehne, welche chronisch oder auch akut sein kann. Die Schmerzen treten häufig nach extremen oder ungewohnten sportlichen Belastungen auf, falsches Schuhwerk kann dabei ebenfalls ein Auslöser sein. Die Schmerzen äußern sich vor allem im hinteren Unterschenkel und in der Ferse, bei Belastung verstärkt sich der Schmerz. Meistens behandelt der Arzt nicht-operativ, wobei vor allem im frühen Stadium die Prognosen gut sind.


AUTOR

Dr. med. Benjamin Gehl

Medizinischer Experte

CO-AUTOR

Miriam Ankrah

Online-Redaktion


Letztes Update: 13. November, 2019



Was versteht die Medizin unter einer Achillodynie?

Sprechen Mediziner von einer Achillodynie, bezeichnen sie damit ein Schmerzsyndrom der Achillessehne, welches zu den häufigsten Sportverletzungen zählt. Die Achillessehne ist die stärkste Sehne des Menschen und ermöglicht das Strecken und Beugen des Fußes. Da sie beim Gehen mit einer Kraft belastet wird, die dem achtfachen Deines Körpergewichts entspricht, ist eine Verletzung an dieser Stelle äußerst schmerzhaft.

Achillodynie

Wie sehen die Symptome bei einer Achillessehnenentzündung aus?

Hast Du des Öfteren Schmerzen beim Treppensteigen oder beim Laufen? Das kann auf eine Achillodynie hindeuten. Die Achillessehne ist dabei verdickt und reagiert bei Druck mit Schmerzen. Der betroffene Bereich fühlt sich sehr warm und geschwollen an. In weiterer Folge kann sich auch Deine Unterschenkelmuskulatur verhärten und verkürzen. Dies dehnt dann die Achillessehne wieder und die Schmerzen halten an. Einige Patienten berichten von bewegungsabhängigem tast- und hörbarem Knirschen in der Sehne – sogenannten Medizin Krepitationszeichen. Es entsteht, wenn sich Fibrin-Ablagerungen in der Sehne bilden.

Welche Ursachen hat die Achillodynie?

Ursächlich für eine Achillodynie ist eine lokale Überbeanspruchung der Achillessehne. Diese kann sowohl durch ständige gleichförmige Belastungen wie joggen als auch durch ungewohnte, kurze Tätigkeiten wie der Aufnahme einer neuen Sportart entstehen. Mögliche orthopädische Ursachen der Achillodynie sind Fußdeformitäten wie ein Platt- oder Senkfuß, ein instabiles Sprunggelenk, ein Außenbandriss oder eine Bänderdehnung, eine X-Bein-Stellung, ungleich lange Beine, falsches Schuhwerk beim Sport, Stoffwechselstörungen oder eine bereits bestehende Verkürzung der Achillessehne oder des Wadenmuskels. Die Achillodynie kann aber auch in Folge anderer Erkrankungen oder scheinbar grundlos auftreten.

Wie diagnostiziert ein Arzt eine Achillodynie?

Zunächst führt Dein Arzt ein ausführliches Anamnesegespräch mit Dir, in dem er unter anderem herausfinden möchte, welche Symptome Du hast, wann und wo genau die Schmerzen auftreten, wie lange diese schon anhalten, ob es etwas gibt, das die Schmerzen lindert, wie oft Du Sport treibst und welchen Sport Du ausübst. Nach diesem Gespräch ist sich Dein Arzt bei der Diagnose oft schon sehr sicher, sodass er auf eine apparative Untersuchung verzichtet. In manchen Fällen führt der Arzt ein MRT (Magnetresonanztomografie/ Kernspin), ein Röntgen oder eine Ultraschalluntersuchung durch, um Verdickungen und Bindegewebseinlagerungen sichtbar zu machen, die infolge der Entzündung auftreten können. Allerdings muss Dein Arzt verschiedene andere Erkrankungen ausschließen. Dazu gehören Arthritiden des Sprunggelenks, Knochenerkrankungen, Fersensporn, Apophysitis calcanei, Haglund-Deformität und Paratendinitis.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Die Achillodynie ist eine klassische Sportverletzung. Daher sind vor allem Sportler von ihr betroffen, allerdings auch Frauen, die vermehrt hohe Schuhe tragen und Personen, die ihren Trainingszustand überschätzen und plötzlich zu viel trainieren. Weitere Risikofaktoren sind ein Alter zwischen 35 bis 45 Jahren, männliches Geschlecht, Übergewicht, Rheuma und Fußfehlstellungen beziehungsweise bereits bestehende Verletzungen. Personen, die vorwiegend auf hartem Untergrund trainieren, sind ebenfalls überdurchschnittlich häufig von der Achillodynie betroffen.

Achillodynie

Welche Folgen hat die Achillodynie für die Patienten?

Da die Achillessehne die stärkste Sehne im menschlichen Körper ist, ist es extrem schmerzhaft, wenn diese entzündet ist. Betroffene klagen vor allem über Schmerzen direkt nach dem Aufstehen oder bei Belastung. Dies kann den Alltag und sportliche Aktivitäten enorm einschränken.

Welche nicht-operativen Behandlungsmethoden gibt es?

Um die Achillodynie zu behandeln ist meistens nicht sofort eine Operation nötig. Primär geht es in einem ersten Schritt bei nicht-operativen Behandlungsmethoden darum, die Sehne zu entlasten. Dies kann durch Verbände, spezielle Bandagen, Schuheinlagen und in besonders schweren Fällen durch Ruhigstellung im Gips erreicht werden. Auch wenn die Sehne entlastet werden muss, solltest Du die Wadenmuskulatur regelmäßig dehnen, frage für konkrete Übungen am besten Deinen Arzt oder Physiotherapeuten.

Eine akute Entzündung kannst Du wie immer mit Eis, Sportsalben wie Diclofenac und der Einnahme von entzündungshemmenden Medikamenten behandeln. Klingen Deine Schmerzen ab, kannst Du mit physiotherapeutischen Übungen, wie beispielsweise exzentrischem Muskeltraining beginnen. Auch leichtes Training ist dann wieder möglich, achte nur darauf, Dich genügend aufzuwärmen. Manche Ärzte empfehlen Injektionen mit Kortison. Diese sind aber in der Fachwelt umstritten, da sie zwar kurzfristig wirksam sind, aber auch das Risiko von Sehnenrissen erhöhen.

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Eine Operation kann Dein Arzt erwägen, wenn die konservative Therapie über längere Zeit hinweg keine nennenswerte Verbesserung der Symptome bringen konnte.

Was muss ich vor einer Operation beachten?

In Absprache mit Deinem Arzt solltest Du blutverdünnende Medikamente wie zum Beispiel Plavix, ASS, Thrombo ASS, Marcoumar oder Aspirin absetzen. Auch auf Alkohol und Nikotin solltest Du etwa zwei Wochen vor dem Eingriff verzichten.

Wie verläuft die Operation bei einer Achillodynie?

Du musst nicht zwangsläufig in der Klinik bleiben, der Eingriff kann sowohl ambulant als auch stationär durchgeführt werden. Meistens handelt es sich um einen minimal-invasiven Eingriff. Dabei spaltet der Chirurg die Sehnenhaut (Peritendineum) oder er entfernt Teile des veränderten Gewebes (Debridement). Die Operation dauert zwischen 20 und 45 Minuten und wird entweder in Vollnarkose oder örtlicher Betäubung durchgeführt. Nur bei weit fortgeschrittener Erkrankung muss der Arzt einen größeren Schnitt machen und danach die Sehne wieder vernähen.

Achillodynie

Was muss ich nach der Operation beachten?

Nach der Operation bekommst Du für circa zwei bis vier Wochen einen Spezialstiefel mit Absatzerhöhung verschrieben. Danach solltest Du Dich in physiotherapeutische Behandlung begeben, um die Sehnenkontinuität und ihre Funktion langsam wiederherzustellen. Du kannst Dich auch für eine stationäre Reha entscheiden, diese dauert bis zu sechs Monaten. Nach zwei bis vier Wochen bist Du wieder arbeitsfähig und nach frühestens drei Monaten kannst Du auch wieder anfangen Sport zu treiben.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Neben allgemeinen Operationsrisiken wie postoperativen Blutungen oder Infektionen kann es bei einer Achillodynie-Operation zu Narbenbildung an der betroffenen Sehne kommen, welche Dir ebenfalls Schmerzen bereiten kann. Leider kann die Sehne auch leichter reißen als früher, sofern sie im Zuge des operativen Eingriffs nicht nur gespalten, sondern auch genäht wurde. Eine Operation ist keine Gewähr dafür, dass alle Deine Symptome verschwinden. Sie können auch nach dem Eingriff weiter bestehen bleiben.

Wie kann ich eine Achillessehnenentzündung vorbeugen?

Sport gilt zwar als größter Risikofaktor für die Entwicklung einer Achillodynie, Du musst aber natürlich nicht auf Sport verzichten. Achte darauf, dass Du zwischen den einzelnen Trainingseinheiten genug Erholungspausen machst und Dich vor Trainingsbeginn ausreichend aufwärmst. Wichtig ist es auch, dass Du Dich während des Trainings nicht überbelastest. Du kannst auch im Alltag einer Achillessehnenentzündung vorbeugen. Dafür solltest Du auf passendes Schuhwerk achten. Für Frauen besonders relevant: nicht zu oft und zu lange hohe Schuhe tragen! Dadurch kann sich die Achillessehne verkürzen und eine schmerzhafte Achillodynie nach sich ziehen.

Achillodynie

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Ob Deine Krankenkasse alle Kosten für die Behandlung der Achillodynie übernimmt, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Dies hängt unter anderem von der Wahl der konkreten Behandlung ab. Generell übernehmen die Krankenkassen die Kosten für ärztlich indizierte Behandlungen. Frage am besten bei Deinem Versicherungsträger nach, ob die Kosten teilweise oder sogar vollständig übernommen werden.

Quellen

Wirth, C. J. et al: Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2007

Klein, C.: Orthopädie für Patienten [Orthopaedics for Patients]. Publisher: Michels-Klein, Remagen 2014

Jerosch, J. & Heisel, J.: Operative Therapie von Fuß und Sprunggelenk, Deutscher Ärzte Verlag, 1. Auflage, 2009


Dauer Dauer

20-45 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

2-4 Wochen

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

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Das Wichtigste zusammengefasst

Die Achillodynie ist eine schmerzhafte Entzündung der Achillessehne. Sie kann akut oder chronisch sein


Die Achillessehne ist die stärkste Sehne des Menschen und ermöglicht das Strecken und Beugen des Fußes


Die Achillodynie ist eine klassische Sportverletzung, kann aber auch andere, nicht immer eindeutige Ursachen haben


Es gibt verschiedene operative Methoden, abhängig vom Schweregrad der Erkrankung