Kapselfibrose


Die Kapselfibrose stellt bei Brustvergrößerungen mittels Implantaten die häufigste Komplikation dar. Die eindeutigen Ursachen der Gewebeverhärtung sind noch ungeklärt, allerdings gibt es Risikofaktoren, die deren Entstehung begünstigen können.
 Kapselfibrosen treten heutzutage bei etwa fünf bis zehn Prozent der Patientinnen auf. Was zu tun ist, erfährst Du bei uns!


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Medizinischer Experte

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Online-Redaktion


Zuletzt aktualisiert: 3. Dezember, 2019

Was versteht die Medizin darunter?

Eine Kapselfibrose entsteht als dünne Gewebsschicht aus Narbengewebe um ein Implantat herum, da der Körper das Implantat als Fremdkörper erkennt und es „abkapseln“ möchte. Dieser Vorgang ist eine ganz normale Immunreaktion des Organismus. Meistens bemerkst Du das überhaupt nicht, da die Gewebsschicht lediglich als Schutzfunktion des Körpers dient und dabei weich und elastisch bleibt. Es kann allerdings passieren, dass der Körper stärker reagiert und eine dickere und festere Schicht um die Implantate herum bildet.

Wann sollte ich einen Arzt aufsuchen?

Wenn Du Schmerzen hast oder die Brust leicht verhärtet ist, solltest Du den Gang zum Arzt nicht scheuen. Eine leichte Kapselfibrose musst Du nicht zwangsläufig behandeln lassen, allerdings kann Dir Dein Arzt Medikamente zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung verordnen. Falls allerdings zusätzlich die Form verändert ist, sollte der Arzt unbedingt einen Blick darauf werfen. Das heißt nicht automatisch, dass er operieren muss oder dass Deine Implantate herausgenommen werden müssen. Dein Arzt kann Dir beispielsweise Massagen oder spezielle medikamentöse Therapien sowie Ultraschallbehandlungen verschreiben. Der Erfolg dieser einzelnen Therapien ist jedoch stark umstritten. Massagen haben hiervon allerdings noch am besten bewährt, auch in prophylaktischer Form.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Kapselfibrose?

Liegt Deine Operation bereits mehr als zwei Jahre zurück, kannst Du Dir relativ sicher sein, dass Du keine Kapselfibrose mehr bekommst. Normalerweise tritt diese Gewebeverhärtung innerhalb der ersten Monate bis zu maximal zwei Jahre nach dem Eingriff auf. Dein Arzt erkennt das Problem dadurch, dass eine Brust fester als die andere ist. Je nach Schweregrad wirken die Brüste asymmetrisch, auch dies kann Dein Arzt erfühlen. Mittels Ultraschall, Röntgen oder MRT kann der Spezialist nicht sicher erkennen, ob Du von einer Kapselfibrose betroffen bist. Bei der Diagnostik ist der Arzt vor allem auf Deine Beschreibung der Symptome und den klinischen Befund angewiesen.

Wie sehen die Symptome einer Kapselfibrose aus?

Übliche Symptome sind Verhärtungen der Brust, beziehungsweise am Implantat. Hinzukommen meist Schmerzen und Spannungsgefühle, sowie eine auffällige Verformung, Asymmetrie oder Faltenbildung.

Wie sehen die unterschiedlichen Stadien einer Kapselfibrose aus?

Insgesamt lässt sich die Kapselfibrose in vier unterschiedliche Stadien einteilen.

Im ersten Stadium bemerkst Du eine leichte Verhärtung und es kann zu einem Spannungsgefühl kommen. Schmerzen treten in der Regel keine auf. Die Kapselfibrose im zweiten Stadium macht sich durch eine etwas ausgeprägtere Verhärtung der Brust bemerkbar und auch das Spannungsgefühl nimmt zu, zudem können leichte Schmerzen auftreten. Im dritten Stadium haben sich bereits feste Kapseln rund um das Implantat gebildet. Die Brust ist stark verhärtet und die Schmerzen haben deutlich zugenommen. Im vierten und damit letzten Stadium der Kapselfibrose, siehst Du die Verhärtung nun auch deutlich am Aussehen der Brust, denn diese verformt sich zunehmends. Der Busen schmerzt bei jeder Berührung und Bewegung stark.

Kapselfibrose

Was sind die Ursachen einer Kapselfibrose?

Es gibt viele verschiedene Ursachen, welche dafür verantwortlich sind, dass eine Kapselfibrose entstehen kann. So ist die Kapselfibrose unter anderem eine Reaktion des Immunsystems auf das Implantat. Doch auch die Art und Weise, wie operiert wurde, kann dazu beitragen, dass es zu den unangenehmen Verhärtungen an Deiner Brust kommt. Hat der Arzt beispielsweise sehr traumatisch operiert, also so, dass beim Eingriff viel Gewebe beschädigt wurde, ist die Entstehung einer Kapselfibrose möglich. Damit es erst gar nicht so weit kommt, ist eine schonende Präparation von seitens des Arztes sehr wichtig! Weitere Ursachen sind Einblutungen in die Brust und eine ungünstige Lage des Implantats. Das Risiko für diese Komplikation ist höher, wenn das Implantat über dem Brustmuskel implantiert wurde. Ebenfalls kommt für die Entstehung der Fibrose eine Kontamination des Implantats mit Bakterien infrage.

Wer ist von einer Kapselfibrose betroffen?

Prinzipiell kann jede Person eine Kapselfibrose bekommen, die ein Brustimplantat im Körper hat, allerdings hängt das Risiko auch mit dem Alter des Implantats zusammen. Ist Deine Brustvergrößerung schon viele Jahre her, dann besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit, an einer Kapselfibrose zu erkranken. Das liegt daran, dass die Implantate früher in den meisten Fällen eine glatte Oberfläche hatten und zudem bei einem Riss das Silikon austreten konnte. Dadurch war die Gefahr einer Kapselfibrose deutlich erhöht. Heutzutage haben die Implantate eine sogenannte “Mesmo”- Beschichtung. Das bedeutet, dass die Oberfläche des Implantats angeraut ist, wodurch die Wahrscheinlichkeit an einer Kapselfibrose zu erkranken, sinkt.

Warst Du in der Vergangenheit im Rahmen einer Brustkrebstherapie Bestrahlungen ausgesetzt oder besitzt Du eine genetische Veranlagung zu Narbenbildung, ist das Risiko erhöht. 
Falls Dein Implantat über dem Brustmuskel gesetzt wurde, hast Du ebenfalls ein erhöhtes Risiko für eine Kapselfibrose. Auch wenn das jetzt etwas beängstigend klingt, solltest Du nicht in Panik verfallen! Das Risiko zur Entwicklung einer Kapselfibrose ist heutzutage eher gering. Falls Du trotzdem besorgt sein solltest, kannst Du jederzeit einen Spezialisten aufsuchen, welcher Deine Brust begutachtet. Du selbst kannst zudem das Risiko aktiv minimieren, indem Du Dich genau an die Nachsorgeempfehlungen Deines Arztes hältst. Konkret bedeutet das, dass Du sechs Wochen lang einen Kompressions-BH tragen solltest sowie auf rauchen, Alkohol und Sport sowie andere übermäßige körperliche Aktivitäten verzichtest.

Kapselfibrose

Wann ist eine Operation notwendig?

Je früher Du eine Kapselfibrose erkennst und behandeln lässt, desto wahrscheinlicher ist es, dass Dein Arzt auf eine Operation verzichten kann.
Wenn der Spezialist allerdings mit minimal-invasiven Methoden keine Besserung herbeiführen konnte, ist die Entfernung oder der Wechsel der Implantate meist nicht vermeidbar. Eine Operation muss spätestens bei einer Kapselfibrose dritten Grades erfolgen. 
Vorsicht bei Kapselsprengungen durch manuellen Druck! Durch dieses Verfahren kann Dein Implantat beschädigt werden, außerdem besteht die Gefahr, dass sich die Kapsel erneut bildet.

Was muss ich vor der Operation beachten?

Vor der Operation solltest Du gesund sein und Stress vermeiden. Plane, wenn möglich, keine Verpflichtungen für etwa zwei Wochen nach dem Eingriff. Um eine möglichst komplikationslose Behandlung zu erzielen, solltest Du außerdem auf Alkohol und Nikotin verzichten, sowie Medikamente meiden, die Einfluss auf die Blutgerinnung haben, wie zum Beispiel Aspirin, ASS, Thrombo ASS, Plavix oder Marcoumar. Falls Du Medikamente einnimmst, dann sage dies auf jeden Fall Deinem Arzt. Dieser teilt Dir dann mit, welche Medikamente Du bis zur Operation einnehmen darfst und welche Du weglassen solltest.

Wie verläuft die Behandlung einer Kapselfibrose und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten bei einer Kapselfibrose. Diese zielen darauf ab die Kapsel aufzulösen, zu erweitern oder im Rahmen einer chirurgischen Behandlung zu entfernen.

Eine minimal-invasive Methode ist der Fibrosenschnitt oder die Endoskopische Kapsulotomie. Dabei schneidet der Chirurg in das geschrumpfte, vernarbte Kapselgewebe ein, wodurch das Implantat wieder mehr Platz hat und sich erneut entfalten kann. Eine solche Behandlung führt Dein Arzt allerdings in der Regel nur bei leichten Kapselfibrosen durch.

Eine weitere Therapie von leichten Kapselfibrosen ist die Ultraschall-Methode. Dabei erzeugt ein Ultraschallwellen-Generator spezielle Hochfrequenz-Wellen, um die Durchblutung und Sauerstoffversorgung im betroffenen Gewebe anzuregen. Diese Behandlung ist für Dich nicht schmerzhaft. Ein Vorteil dieser Therapie ist, dass auch wiederkehrende Fibrosen innerhalb von circa sechs Sitzungen aufgelöst werden können, wobei immer zwei Termine pro Woche angeraten sind. Eine Einheit dauert meist zwischen 20 und 40 Minuten. Allerdings muss auch gesagt werden, dass die Behandlung von vielen Medizinern als eher fraglich angesehen wird und diese zudem nicht immer funktioniert.

Bei einer ausgeprägten Kapselfibrose kann ein Implantatwechsel notwendig sein. Der Chirurg entfernt dabei das Implantat über die vorhandene OP-Narbe und beseitigt dabei entweder Teile oder die gesamte verdickte Kapsel. Ein Vorteil des Implantatwechsels ist, dass Dein Arzt danach die Lage des neuen Implantats verändern kann.

Kapselfibrose

Wenn Du unter einer starken und schmerzhaften Kapselfibrose leidest, ist es am sinnvollsten, das Implantat komplett zu entfernen. Stattdessen kann der Chirurg die Brust mit Eigenfett anreichern. Allerdings muss gesagt werden, dass Du mit Eigenfett meist nicht zu Deinem Wunschergebnis kommst, denn das Fett baut sich größtenteils wieder ab. Zudem lässt sich die Brust mit Eigenfett nicht so schön formen, wie durch ein Implantat. Mittlerweile ist es ebenfalls umstritten, ob eine Brustvergrößerung mit Eigenfett nicht das Risiko für eine Brustkrebserkrankung fördert.

Der Ablauf der Eigenfett-Transplantation ist nicht komplex. Der Chirurg injiziert körpereigenes Fettgewebe gleichmäßig in das Fettgewebe Deiner Brust. Normalerweise sind zwei Behandlungstermine im Abstand von mehreren Monaten erforderlich, um das Volumen der herausgenommenen Implantate wiederherzustellen.

Was muss ich nach der Behandlung beachten?

Am Wichtigsten ist es, dass Du Dich an die Anweisungen Deines Arztes hältst. Du solltest in den ersten Wochen nach dem Eingriff keine anstrengenden Aktivitäten wie beispielsweise Sport ausüben. Verzichte bitte auf den Konsum von Alkohol und Nikotin, denn diese beiden Stoffe wirken sich negativ auf die Wundheilung aus. Zudem ist es wichtig, dass Du den Spezial-BH, welchen Dir Dein Arzt verschreibt, immer trägst, und zwar am besten für etwa sechs Wochen tagsüber und auch beim Schlafen.

Mit welchen Risiken und Komplikationen geht der Eingriff einher?

Wie bei jedem operativen Eingriff können Schmerzen auftreten. Vor allem im Bereich der Arme sind postoperative Schmerzen nicht unüblich. Weiters kann es in den ersten 24 Stunden nach der Operation zu Nachblutungen kommen, sollte diese nicht von selber wieder aufhören, kann die Brust deutlich anschwellen. In diesem Fall ist eine erneute Operation erforderlich. Wenn Blut in das Unterhautgewebe austritt, kann es zu Hämatomen, also blauen Flecken im behandelten Bereich kommen. Durch frühzeitiges Kühlen kannst Du mögliche Schmerzen und das Auftreten von Hämatomen abmildern. Wie bei jedem Eingriff ist es möglich, dass sich das operierte Gewebe infiziert. Suche bei Rötung, Schwellung und Überwärmung der Haut, die von Schmerzen begleitet wird umgehend Deinen Arzt auf. 
Auch nach einer Entfernung der Kapselfibrose kann sich um das Implantat eine neue Gewebeverhärtung bilden, die eine weitere Therapie nötig macht.

Kapselfibrose

Kann ich danach wieder ein Implantat einsetzen lassen?

Ja, nach der Entfernung des Implantats kannst Du Dir neue Implantate einsetzen lassen, Dein Arzt kann sogar die Lage Deines Implantats ändern, falls Du das möchtest. Für den Implantatwechsel musst Du nicht zwingend einen neuen Termin ausmachen. Der Chirurg kann die neuen Implantate gleich einsetzen, nachdem er die alten entfernt und die Kapselfibrose behandelt hat.

Welche Rolle spielen die unterschiedlichen Implantate bei der Entstehung einer Kapselfibrose?

Ältere Implantate haben eine glatte Oberfläche. Bei einem Riss kann Silikon austreten, was das Risiko einer Kapselfibrose erhöht. Wie bereits erwähnt, kommen heute in den meisten Fällen jedoch Implantate zum Einsatz, welche eine “Mesmo”- Beschichtung haben. Durch die raue Oberfläche geht das Risiko an einer Kapselfibrose zu erkranken, stark nach unten. Und auch zehn Jahre nachdem der Chirurg das Implantat eingesetzt hat, ist das Risiko für eine Kapselfibrose deutlich geringer. Bei den neueren, aufgerauten Implantaten ist diese Gefahr wesentlich geringer.

Wie lässt sich eine Kapselfibrose vorbeugen? 
Achte darauf, dass Dein Arzt Implantate der neuesten Generation verwendet sowie auf sorgfältige Hygiene während der Operation achtet. Gewebeschonende und blutarme Techniken haben ein geringeres Risiko zur Narbenbildung und sind damit zu empfehlen. 
Nach dem Eingriff solltest Du alle vorgegebenen Verhaltensmaßnahmen Deines Arztes gewissenhaft befolgen. Außerdem kann vorbeugend mithilfe der Ultraschall-Methode das Risiko für eine Kapselfibrose minimiert werden.

Wie setzen sich die Kosten einer Kapselfibrose zusammen?

Die Kosten für Deine Behandlung sind variabel und setzen sich zusammen aus dem Gehalt des durchführenden Chirurgen, den Kosten für die Medikamente und den bei der OP verwendeten Materialien. Des Weiteren ist die Anmietung des OP-Saals und das Vor- und Nachgespräch im Preis inbegriffen, sowie ein möglicher stationärer Aufenthalt. Falls Du Dich dafür entscheidest, neue Implantate einsetzen zu lassen, dann solltest Du zuvor abklären, ob Du selbst für die Kosten aufkommen musst, oder ob die Krankenkasse eventuell einen Teil übernimmt. Bei Fragen kannst Du Dich gerne auch an unsere Spezialisten wenden.

Kapselfibrose

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Behandlung in der Regel nicht oder bestenfalls teilweise. Bei einer diagnostizierten Kapselfibrose übernehmen die Krankenkassen nur die Kosten für die Implantatentfernung, aber nicht für einen Implantatwechsel sowie den stationären Aufenthalt. Du hast die Möglichkeit, eine Zusatzversicherung für Kapselfibrosen abzuschließen. Diese deckt dann alle anfallenden Behandlungskosten, falls es nach der Brustvergrößerung zu Komplikationen kommen sollte.


Dauer Dauer

1-2 Stunden

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu 7 Tagen

Stationärer Aufenthalt Stationär

1 Nacht

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Das Wichtigste zusammengefasst

Bei der Kapselfibrose handelt es sich um eine normale Immunabwehr des Körpers, die sich durch eine Kapselbildung um das Implantat herum zeigt


Fällt die Reaktion des Körpers aufgrund verschiedenster Einflüsse oder Prädispositionen zu stark aus, kann es zu Schmerzen oder Verformungen der Brust kommen


In diesem Fall kann der Arzt entweder nicht-invasiv oder chirurgisch arbeiten, um das Problem zu beseitigen


Im Falle einer Implantatentfernung gibt es die Möglichkeit einer Eigenfettbehandlung. Es ist jedoch auch möglich, während des Eingriffes neue Implantate einzusetzen

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