Was ist BIA-ALCL?
BIA-ALCL (Brustimplantat-assoziiertes anaplastisches großzelliges Lymphom) ist eine seltene Krebserkrankung des Immunsystems, die in Verbindung mit Brustimplantaten auftreten kann. Es handelt sich nicht um Brustkrebs, sondern um eine spezielle Form des Lymphoms, die meist in der Flüssigkeit um das Implantat oder im umliegenden Gewebe auftritt.
Die Erkrankung entwickelt sich durchschnittlich etwa zehn Jahre nach der Implantation, kann aber auch früher oder später auftreten (zwischen einem und 32 Jahren). Sie betrifft vor allem Frauen um die 50 Jahre.
Welche Symptome treten auf?
Die ersten Anzeichen von BIA-ALCL sind meist plötzliche Veränderungen der Brust, oft viele Jahre nach der Implantation. Am häufigsten kommt es zu einer unerwarteten Schwellung, weil sich Flüssigkeit um das Implantat sammelt. Das passiert in der Regel nicht direkt nach der OP, sondern frühestens nach einem Jahr – meistens aber erst nach etwa zehn Jahren. Manche Betroffene bemerken auch einen festen Knoten in der Nähe des Implantats. Begleitend können Schmerzen, Spannungsgefühle oder ein anhaltendes Reizgefühl auftreten. Diese Symptome solltest Du unbedingt ärztlich abklären lassen, damit die Ursache bestimmt werden kann.
Wo im Brustbereich tritt BIA-ALCL auf?
BIA-ALCL entsteht in der Regel in der Nähe des Brustimplantats, meist in der bindegewebigen Kapsel, die sich um das Implantat bildet. Es entwickelt sich nicht direkt im Brustgewebe. In den meisten Fällen befinden sich die erkrankten Zellen entweder in der Flüssigkeit, die sich um das Implantat sammelt (Serom), oder innerhalb der Kapsel selbst.
Wie oft tritt BIA-ALCL auf?
Nach einer Erhebung der ISAPS wurden 2019 weltweit 1.795.551 Brustvergrößerungen durchgeführt. Die Brustvergrößerung ist damit immer noch der häufigste operative Eingriff in der Plastischen Chirurgie. Diesem Jahreswert stehen die publizierten Fallzahlen von BIA-ALCL gegenüber:
USA (Januar 2020): 753 Fälle (enthält auch internationale Fälle)
Frankreich (Juli 2020): 86 Fälle
United Kingdom (August 2020): 78 Fälle
Italien (Juli 2020): 59 Fälle
Deutschland (April 2021): 35 Fälle
Schweiz (Juli 2020): 6 Fälle
Im Jahr 2020 hat die Europäische Vereinigung der Plastischen Chirurgen (EURAPS) für Europäerinnen mit Brustimplantaten ein Risiko von 1:13.745 an BIA-ALCL errechnet. Die Zahlen oben zeigen, dass die in Deutschland, Österreich und der Schweiz erfassten BIA-ALCL-Fälle relativ niedrig sind. Es ist deshalb höchst unwahrscheinlich, dass Du überhaupt mit einer BIA-ALCL-Situation konfrontiert wirst. Die genaue Entstehungsursache dieses Lymphoms ist noch nicht erforscht. Es gibt zahlreiche Theorien, die zurzeit diskutiert werden.
Die ALCL Problematik ist eine ernst zu nehmende Thematik. ALCL ist kein Brusttumor an sich. Es handelt sich um ein unkontrolliertes T-Zell Wachstum, das erwiesenermaßen auch bei anderen Implantaten in der Orthopädie, Kieferchirurgie, etc. auftreten kann. Die ersten Publikationen darüber fanden 1997 und 2008 statt. Dazwischen besteht eine sehr lange Periode, in der über keine ALCL Fälle berichtet wurde. Erst in den vergangenen Jahren wurden mehrere Fälle, jedoch vor allem in Australien, beschrieben.
Wenn man diese Publikationen genauer betrachtet, so vermisst man doch einiges an Evidenz. Bei den wenigen Todesfällen wurde entweder keine ordnungsgemäße Therapie durchgeführt oder aber diese viel zu spät eingeleitet. Das Risiko an einem Brust-Implantat assoziierten ALCL zu erkranken liegt im Promille-Bereich. Die Vorteile der qualitativ hochwertigen Silikon Implantate überwiegen dieses minimale Risiko bei Weitem. Trotzdem muss auf diese Erkrankung im Aufklärungsgespräch hingewiesen werden. Sollten dennoch große Bedenken bestehen, kann noch immer die Möglichkeit der Eigenfett-Brustvergrößerung angeboten werden.
Welche Ursachen hat BIA-ALCL?
Die genaue Ursache für die Entstehung von BIA-ALCL ist noch nicht vollständig geklärt, jedoch gibt es verschiedene Theorien, die derzeit diskutiert werden. Ein wichtiger Risikofaktor ist der Einsatz texturierter Brustimplantate. Studien der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA zeigen, dass diese Implantate mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von BIA-ALCL verbunden sind.
Das BIA-ALCL tritt häufig etwa zehn Jahre nach der Implantation auf. Zunächst bildet sich zwischen dem Implantat und der umgebenden Bindegewebskapsel eine Flüssigkeitsansammlung, ein sogenanntes Serom, in dem sich die Tumorzellen ansiedeln. In den meisten Fällen bleibt der Tumor zunächst auf das Serom beschränkt. Wenn das BIA-ALCL jedoch unbehandelt bleibt, kann es die Kapsel durchdringen und sich auf benachbarte Lymphknoten ausbreiten. In seltenen Fällen kann es auch zu einer Fernmetastasierung kommen.
Welche Rolle spielt die Oberfläche des Implantats?
Die Oberflächen der Implantate werden als glatt, mikro- und makrotexturiert und als polyurethanbeschichtet bezeichnet. Implantate mit Nano-Oberflächen sind den glatten Implantaten zugeordnet. Wie bereits erwähnt, gibt es eine international anerkannte Norm ISO 14607:2018, die die Oberflächen nach ihrer Beschaffenheit klassifiziert. Innerhalb der mikrotexturierten Implantate kann man nochmals fein-mikrotexturierte Implantate definieren. Polyurethanbeschichtete Implantate lassen sich nicht in diese Klassifizierung einordnen.
Die Diskussion um die Oberflächenbeschaffenheit hat in den vergangenen Jahren auf internationaler Ebene einen erhöhten Einsatz runder, glatter Implantate ausgelöst. Gleichzeitig ist sich die Fachwelt darüber einig, dass für anatomische Implantate eine gewisse Oberflächenstruktur bei exakt bemessener Implantatlage erforderlich ist, damit sie ihre Position im Brustgewebe halten können. Wir empfehlen Dir, Deinen behandelnden Chirurgen zu fragen, mit welchen Oberflächen er Erfahrung hat und welche Oberfläche in Deinem Fall am besten geeignet ist. Es gibt jedoch Hersteller, die Implantate mit glatten, fein-mikrotexturierten, mikrotexturierten und mit Polyurethanschaum-beschichteten Implantaten anbieten.
Auch wenn es zahlreiche Hypothesen gibt, steht ein wissenschaftlich begründeter Zusammenhang zwischen Brustimplantatoberflächen und ALCL noch aus.
Die Diskussion, die vornehmlich in plastisch chirurgischen Kreisen geführt wird und nicht in Brust chirurgischen bzw. senologischen Kreisen, ist zu meinem Bedauern unterwandert von persönlichen, publizistischen aber auch politischen Interessen, aber auch klar von Firmen gesteuerten Motivationen. Hierdurch kommt es zu ungerechtfertigten Verunsicherungen bei Patienten und einem hohen Maß an Verwirrungen bei Behandlern. BIA ALCL ist definitiv multifaktoriell und letztendlich ist noch nicht abschließend geklärt, ob es sich nicht in Frühphasen um eine rein proliferative Erkrankung handelt. Das Zahlenwerk ist ungewiss. So müssen die bisher detektierten Fälle auf die Gesamtzahl von geschätzten 35 Millionen implantierten Implantaten in Relation gestellt werden. Dies führt zu komplett unterschiedlichen statistischen Angaben zu den Zahlen z.B. aus Australien. Wenn es sich also um eine tatsächlich progressive Erkrankung handeln würde, würden bereits seit Mitte der 2000er Jahre fatale Fälle in den Karzinomstatistiken zu finden sein. Dies ist nicht der Fall. Das Zusammenspiel von genetischen Grundlagen, Implantat- Immunsystem Interaktionen und Infektionen scheint zurzeit eine möglich Ätiologie darzustellen. Die Quintessenz aus all den Erkenntnissen, die wir bisher haben, ist das jeder Behandler hoch aufmerksam sein muss bei Patienten mit Serombildungen nach 5-8 Jahren um ein Implantat und bei Knotenbildung um ein Implantat. Nicht indiziert sind voreilige Implantatentnahmen oder gar Implantatwechsel.
Sollte ich bei einer Brustvergrößerung nur noch auf glatte Implantate bestehen?
Die überwiegende Mehrheit der Gesellschaften für Plastische Chirurgie sind überzeugt, dass texturierte Implantate und damit auch anatomische Implantate einen festen Platz in der Brustvergrößerung und in der Brustrekonstruktion haben. Gerade wenn Du sehr schlank bist, aber auch in der Brustrekonstruktion und bei angeborenen Anomalien können anatomische Implantate sehr schöne Ergebnisse erzielen und nach dem derzeitigen Stand der Erkenntnis kann für keine Implantatoberfläche das Auftreten von BIA-ALCL ganz ausgeschlossen werden.
Wenn Du Brustimplantate hast, ist es wichtig, dass Du nicht nur zu den von Deinem Arzt empfohlenen, meist jährlichen Kontrolluntersuchungen gehst, sondern auch dann ärztlichen Rat suchst, wenn Du plötzlich auftretende Schwellungen, Schmerzen oder Rötungen im Brustbereich entdeckst. Besonders für Frauen mit Brustimplantaten ist es wichtig, dass sie zwischen den Kontrollterminen ihre Brüste selbst untersuchen. Dabei ist es hilfreich, wenn Du Dir in der Praxis oder im Krankenhaus einmal zeigen lässt, wie Du Deine Implantate vom Brustgewebe unterscheiden kannst.
Wie wird BIA-ALCL diagnostiziert?
BIA-ALCL ist zwar selten, aber wenn bei Dir der Verdacht auf diese Erkrankung besteht, wird Dein Arzt eine Flüssigkeitsprobe aus der Umgebung des Implantats entnehmen. Diese Probe wird an ein spezialisiertes Labor geschickt, das auf die Diagnose von BIA-ALCL spezialisiert ist. Sollte der Test positiv ausfallen, wird sofort die passende Behandlung eingeleitet.
Die Flüssigkeit, die sich um das Implantat bildet (Serom), wird auf Hinweise auf BIA-ALCL untersucht. Wenn die Diagnose bestätigt wird, folgt in der Regel ein PET/CT-Scan, um festzustellen, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist.
Kommen bei Dir Knoten in der Achselhöhle vor, könnte das darauf hinweisen, dass sich die Krankheit auf die Lymphknoten ausgebreitet hat. In diesem Fall wird eine Untersuchung der Lymphknoten durchgeführt, entweder durch eine Nadelbiopsie oder eine Operation, um einen Lymphknoten zu entnehmen und zu analysieren. In einigen Fällen können auch Blutuntersuchungen oder eine Knochenmarksbiopsie notwendig sein, um das Ausmaß der Erkrankung zu überprüfen.
Nach der Diagnose wirst Du an einen Onkologen überwiesen, der mit Dir die nächsten Schritte für die Behandlung bespricht.
Wie wird BIA-ALCL behandelt?
Die Behandlung von BIA-ALCL hängt davon ab, in welchem Stadium sich die Erkrankung befindet. In vielen Fällen reicht es aus, wenn der Chirurg Deine Brustimplantate und die umgebende Kapsel vollständig entfernt. Wenn sich die Erkrankung jedoch weiter ausgebreitet hat, kann zusätzlich eine Chemotherapie, Strahlentherapie oder sogar eine Stammzellentransplantation erforderlich sein.
Wird BIA-ALCL frühzeitig erkannt, ist die Prognose sehr gut. Um mögliche Komplikationen rechtzeitig zu erkennen, solltest Du regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen bei Deinem Facharzt durchführen lassen. Diese finden in der Regel einmal jährlich statt und beinhalten häufig auch Ultraschallkontrollen sowie PET/CT-Scans zur weiteren Überwachung.
Muss ich mein Implantat wegen des möglichen Risikos für BIA-ALCL entfernen oder wechseln lassen?
Die prophylaktische Entfernung von Implantaten wegen des möglichen Risikos für BIA-ALCL ist in der Regel nicht notwendig. Ohne Komplikationen, die eine Explantation erforderlich machen, besteht kein Grund dafür, die Implantate entfernen zu lassen. Eine Operation bringt nämlich immer gewisse Risiken und Stress für Deinen Körper mit sich. Ein weiterer Grund, nicht voreilig zu agieren, ist, dass ein Austausch texturierter Implantate gegen Implantate mit einer glatten Oberfläche das Risiko einer Kapselkontraktur erhöhen kann. Dies würde ebenfalls eine Re-Operation erforderlich machen. Es ist aber wichtig, dass Du regelmäßig Kontrolluntersuchung durchführen lässt.
[…] Es ist für die Patientin ungemein wichtig den Eingriff der Brustvergrößerung und Brustrekonstruktion bei entsprechend ausgebildeten Fachärzten für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie durchführen zu lassen, die auch in der wichtigen Phase der Nachsorge bei Fragen und Problemen da sind und entsprechend handeln können. Die amerikanische FDA (Behörde für Lebens- und Arzneimittel, Anm. MOOCI) und die Gesundheitsministerien vieler EU Staaten haben erst kürzlich die weitere Verwendung von makrotexturierten Implantaten erlaubt. Brustimplantate mit allen Oberflächenbeschaffenheiten können somit weiterhin sowohl für ästhetische als auch rekonstruktive Zwecke verwendet werden.
Ist eine Krebsvorsorge mit Brustimplantaten möglich?
Auch mit Brustimplantaten kann bei Dir eine aussagefähige Krebsvorsorge durchgeführt werden: Mit einer speziellen Technik, der Eklundtechnik, ist die Mammografie auch möglich, wenn Du ein Brustimplantat trägst. Im Allgemeinen sind jedoch mehr Aufnahmen erforderlich, als wenn Du kein Implantat in der Brust hättest. Es ist wichtig, dass Du den Radiologen vor der Mammografie über Deine Brustimplantate in Kenntnis setzt.
Wo kann ich mich unabhängig informieren?
Wir können sehr gut verstehen, dass bei Dir noch Bedarf besteht, persönliche Fragen zu beantworten, möchten jedoch noch einmal betonen, dass Du nicht in Panik verfallen solltest. Bei Fragen kommt in erster Linie der Chirurg infrage, der Deine Operation durchgeführt hat bzw. durchführen wird. Unsere MOOCI-Spezialisten stehen Dir ebenfalls immer mit Rat und Tat zur Seite. Sie können Fragen zur Sicherheit der Implantate beantworten und durch ihre Informationen dazu beitragen, dass Du souverän mit der aktuellen Situation umgehen kannst.
Informationen gibt es auch auf folgenden Internetseiten:
Deutschland
Österreich:
Schweiz:
Häufige Fragen zu BIA-ALCL
Was ist ein BIA-ALCL?
Das Brustimplantat-assoziierte anaplastisch-großzellige Lymphom (BIA-ALCL) ist eine seltene, aber ernstzunehmende Krebserkrankung des Immunsystems, die in Verbindung mit texturierten Brustimplantaten gebracht wird. Es handelt sich nicht um Brustkrebs, sondern um eine Form des Non-Hodgkin-Lymphoms, das sich meist in der Flüssigkeit oder im Gewebe um das Implantat herum entwickelt.
Welche Symptome können auf ein BIA-ALCL hinweisen?
BIA-ALCL tritt häufig Jahre nach der Implantation auf und äußert sich meist durch:
- Plötzlich auftretende Schwellungen oder Flüssigkeitsansammlungen um das Implantat
- Verhärtungen oder Knoten in der Brust oder Achselhöhle
- Schmerzen oder Spannungsgefühle in der betroffenen Brust
- Veränderungen der Brustform
Solltest du diese Symptome bemerken, ist eine ärztliche Abklärung dringend erforderlich.
Sollte ich meine Implantate vorsorglich entfernen lassen?
Experten raten aktuell nicht zur vorsorglichen Entfernung von Implantaten, sofern keine Beschwerden bestehen. Falls du jedoch verunsichert bist oder Symptome hast, solltest du mit deinem Arzt über deine individuellen Risiken sprechen.
Wie hoch ist das Risiko für BIA-ALCL?
Das Risiko für BIA-ALCL ist sehr gering. Laut einer Berechnung der Europäischen Vereinigung der Plastischen Chirurgen (EURAPS) aus dem Jahr 2020 liegt das Risiko für Europäerinnen mit Brustimplantaten bei etwa 1 zu 13.745. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit, an BIA-ALCL zu erkranken, sehr niedrig ist. Allerdings ist zu beachten, dass das Risiko auch von Faktoren wie dem Implantat-Typ (z. B. texturiert oder glatt) und der Dauer des Implantats abhängt.
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Häufige Fragen
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