Ein trockener Mund kommt gelegentlich bei fast jedem vor, etwa bei Aufregung, nach langem Sprechen oder morgens nach dem Aufwachen. Meist verschwindet das unangenehme Gefühl schnell wieder. Bleibt der Mund jedoch über längere Zeit trocken oder kehren die Beschwerden regelmäßig zurück, lohnt sich eine genauere Abklärung. Medizinisch wird dabei zwischen zwei Begriffen unterschieden: Xerostomie beschreibt das subjektive Gefühl von Mundtrockenheit. Hyposalivation bedeutet dagegen, dass tatsächlich messbar zu wenig Speichel gebildet wird. Beides kann gleichzeitig vorkommen, ist aber nicht dasselbe. Mundtrockenheit wird mit zunehmendem Alter häufiger, ist jedoch keine normale Alterserscheinung. Besonders Medikamente und mehrere gleichzeitig eingenommene Arzneimittel spielen bei älteren Menschen eine große Rolle.
Das Wichtigste in Kürze
Xerostomie bezeichnet das subjektive Gefühl eines trockenen Mundes. Wird tatsächlich zu wenig Speichel gebildet, spricht man von Hyposalivation. Beides kann gemeinsam auftreten, muss aber nicht. Zu den häufigsten Ursachen gehören Medikamente. Auch Flüssigkeitsmangel, das Sjögren-Syndrom, Diabetes, eine Kopf-Hals-Bestrahlung und nächtliche Mundatmung können Mundtrockenheit begünstigen.
Dauerhaft zu wenig Speichel erhöht vor allem das Risiko für Karies und Pilzinfektionen im Mund und kann Essen, Schlucken, Sprechen oder das Tragen von Zahnersatz erschweren. Kleine Schlucke Wasser, zuckerfreier Kaugummi und eine sorgfältige Mundhygiene können Beschwerden lindern. Hält die Mundtrockenheit an, sollte die Ursache ärztlich oder zahnärztlich abgeklärt werden.
Warum ist Speichel für die Mundgesundheit wichtig?
Speichel übernimmt im Mund viele Aufgaben. Die großen und kleinen Speicheldrüsen produzieren über den Tag verteilt eine beträchtliche Menge davon, wobei der Speichel zum größten Teil aus Wasser besteht. Seine weiteren Bestandteile erfüllen wichtige Schutzfunktionen. Kalzium und Phosphat unterstützen die Remineralisation des Zahnschmelzes, während verschiedene Proteine und Enzyme an Verdauung und Abwehr beteiligt sind.
Speichel hilft außerdem dabei,
- Säuren im Mund zu puffern,
- Nahrungsreste schneller zu entfernen,
- Zähne und Schleimhäute feucht zu halten,
- Nahrung zu schlucken,
- deutlich zu sprechen und
- Geschmacksstoffe wahrzunehmen.
Ist der Speichelfluss dauerhaft vermindert, fehlen diese Schutzfunktionen teilweise. Besonders das Kariesrisiko kann dadurch deutlich steigen. Speichel spielt auch in der medizinischen und zahnmedizinischen Diagnostik eine zunehmende Rolle. Welche Möglichkeiten es dabei gibt, wird in einem eigenen Beitrag genauer erklärt.
Woran lässt sich Mundtrockenheit erkennen?
Ein trockener Mund fühlt sich nicht bei jedem gleich an. Typisch sind beispielsweise ein klebriges oder pelziges Gefühl sowie zäher oder schaumiger Speichel.
Weitere mögliche Beschwerden sind:
- trockene oder spröde Lippen
- Brennen im Mund
- eine trockene oder gerötete Zunge
- verändertes Geschmacksempfinden
- Schwierigkeiten beim Sprechen
- Probleme beim Schlucken trockener Nahrung
- Mundgeruch
- wiederkehrende Beschwerden unter Zahnprothesen
Manche Betroffene brauchen beim Essen immer wieder einen Schluck Wasser, weil Brot oder andere trockene Lebensmittel schlecht zu schlucken sind. Auch nachts kann Mundtrockenheit störend sein und zum Aufwachen führen. Treten solche Beschwerden regelmäßig auf oder halten sie länger an, sollte die Ursache abgeklärt werden.
Welche Ursachen kann ein trockener Mund haben?
Eine der häufigsten Ursachen für Mundtrockenheit sind Medikamente. Zahlreiche Wirkstoffe können das Trockenheitsgefühl verstärken oder die Speichelproduktion beeinflussen. Dazu gehören unter anderem bestimmte Medikamente gegen Allergien, Depressionen, Bluthochdruck sowie verschiedene beruhigende oder entwässernde Präparate. Besonders bei mehreren gleichzeitig eingenommenen Medikamenten steigt das Risiko. Das ist auch ein Grund dafür, warum Mundtrockenheit bei älteren Menschen häufiger vorkommt. Das Alter selbst ist dagegen keine Krankheit und führt nicht zwangsläufig zu einem trockenen Mund. Wenn Du vermutest, dass ein Medikament die Beschwerden verursacht, solltest Du es nicht eigenständig absetzen. Dein Arzt kann prüfen, ob ein anderer Wirkstoff, eine angepasste Dosierung oder eine andere Lösung infrage kommt.
Erkrankungen als mögliche Ursache
Auch verschiedene Erkrankungen können Mundtrockenheit verursachen oder begünstigen. Beim Sjögren-Syndrom greift das Immunsystem unter anderem Speichel- und Tränendrüsen an. Typisch sind deshalb anhaltende Mundtrockenheit und trockene Augen.
Auch bei Diabetes kann Mundtrockenheit auftreten. Besonders zusammen mit starkem Durst und häufigem Wasserlassen sollte ein erhöhter Blutzucker ärztlich abgeklärt werden. Mundtrockenheit allein ist jedoch kein Beweis für Diabetes.
Eine weitere wichtige Ursache ist eine Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich. Werden dabei Speicheldrüsen geschädigt, kann die Speichelproduktion langfristig vermindert sein. Auch während verschiedener Krebstherapien kann ein trockener Mund auftreten, die Mechanismen unterscheiden sich jedoch je nach Behandlung.
Weitere mögliche Ursachen sind Erkrankungen oder Abflussstörungen der Speicheldrüsen sowie bestimmte neurologische oder autoimmune Erkrankungen.
Welchen Einfluss haben Alltag und Gewohnheiten?
Zu wenig Flüssigkeit, starkes Schwitzen oder akute Erkrankungen mit Flüssigkeitsverlust können den Mund vorübergehend trocken werden lassen. Aber auch Stress oder Angst können die Speichelproduktion kurzfristig verändern. Ein klassisches Beispiel ist der trockene Mund vor einem Vortrag oder einer Prüfung. Bei dauerhaft bestehenden Beschwerden sollte Stress jedoch nicht vorschnell als alleinige Ursache angenommen werden.
Alkohol und Tabak können trockene und empfindliche Schleimhäute zusätzlich reizen. Koffeinhaltige Getränke können bei manchen Menschen die Beschwerden verstärken. Auch Mundatmung kann den Mund austrocknen, beispielsweise bei einer behinderten Nasenatmung. Schnarchen allein bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Du nachts dauerhaft durch den Mund atmest.
Warum ist der Mund nachts häufig trocken?
Der Speichelfluss ist im Schlaf natürlicherweise deutlich geringer als am Tag. Deshalb fällt eine bestehende Mundtrockenheit nachts oder direkt nach dem Aufwachen häufig besonders auf. Kommt zusätzlich eine nächtliche Mundatmung hinzu, kann die Schleimhaut weiter austrocknen. Mögliche Gründe dafür sind beispielsweise eine verstopfte Nase, Allergien oder andere Behinderungen der Nasenatmung.
Auch bei schlafbezogenen Atmungsstörungen wie einer obstruktiven Schlafapnoe wird Mundtrockenheit häufiger berichtet. Ein trockener Mund allein reicht jedoch nicht aus, um daraus auf eine Schlafapnoe zu schließen. Wenn zusätzlich beobachtete Atempausen, Luftschnappen oder ausgeprägte Tagesmüdigkeit auftreten, sollte eine mögliche Schlafapnoe ärztlich abgeklärt werden.
Trockene Raumluft kann das Trockenheitsgefühl zusätzlich verstärken. Eine angenehmere Luftfeuchtigkeit kann dann helfen, die Beschwerden zu lindern, behandelt aber nicht die eigentliche Ursache der Mundtrockenheit.
Welche Folgen kann ein trockener Mund haben?
Speichel schützt Zähne und Mundschleimhaut auf verschiedene Weise. Wird dauerhaft zu wenig Speichel gebildet, fehlen Teile dieser Schutzwirkung. Besonders relevant ist das Kariesrisiko. Speichel hilft dabei, Säuren zu puffern, Nahrungsreste aus dem Mund zu entfernen und den Zahnschmelz mit Mineralstoffen zu versorgen. Bei ausgeprägter Hyposalivation kann Karies deshalb schneller entstehen, unter anderem an Zahnhälsen und freiliegenden Wurzeloberflächen. Auch die Bedingungen für die Mikroorganismen im Mund verändern sich. Bei Mundtrockenheit treten beispielsweise häufiger Pilzinfektionen wie Mundsoor auf.
Weitere mögliche Folgen sind:
- Brennen und empfindliche Mundschleimhaut
- Mundgeruch
- Schwierigkeiten beim Essen und Schlucken
- Probleme beim Sprechen
- Beschwerden beim Tragen von Zahnprothesen
- ein erhöhtes Risiko für Zahnschäden bei ausgeprägtem Speichelmangel
Auch Zahnfleischentzündungen können bei Menschen mit Mundtrockenheit vorkommen. Ein direkter Zusammenhang zwischen Speichelmangel und Parodontitis ist jedoch weniger eindeutig als bei Karies und oralen Pilzinfektionen.
Wann sollte Mundtrockenheit abgeklärt werden?
Ein gelegentlich trockener Mund nach Sport, bei Stress oder nach einer kurzen Nacht ist meist kein Grund zur Sorge. Eine ärztliche oder zahnärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn die Mundtrockenheit regelmäßig auftritt, länger anhält oder weitere Beschwerden dazukommen. Dazu gehören beispielsweise:
- Schwierigkeiten beim Schlucken
- anhaltendes Brennen im Mund
- wiederkehrende Karies oder Pilzinfektionen
- trockene Augen
- schmerzhafte oder geschwollene Speicheldrüsen
- starker Durst und häufiges Wasserlassen
- deutliche Veränderungen von Geschmack oder Mundschleimhaut
Je nach Beschwerden kannst Du Dich an Deinen Zahnarzt oder Hausarzt wenden. Der Zahnarzt beurteilt unter anderem Zähne, Zahnfleisch, Schleimhäute und Speicheldrüsen. Bei Bedarf kann auch untersucht werden, ob tatsächlich zu wenig Speichel produziert wird. Besteht der Verdacht auf eine Erkrankung wie Diabetes oder das Sjögren-Syndrom, können weitere Untersuchungen beim Hausarzt oder einem entsprechenden Facharzt notwendig sein.
Wenn ein Medikament als mögliche Ursache infrage kommt, solltest Du es nicht eigenständig absetzen oder verändern. Besprich mit Deinem Arzt, ob eine Alternative oder Anpassung möglich und medizinisch sinnvoll ist.
Was hilft bei einem trockenen Mund im Alltag?
Welche Maßnahme hilft, hängt von der Ursache und davon ab, ob Deine Speicheldrüsen noch ausreichend Speichel bilden können. Für eine kurzfristige Linderung können kleine Schlucke Wasser hilfreich sein. Mehr zu trinken steigert bei einer echten Speicheldrüsenunterfunktion jedoch nicht automatisch die Speichelproduktion.
Zuckerfreie Kaugummis oder Lutschpastillen können den Speichelfluss anregen, wenn die Speicheldrüsen noch reagieren. Besonders wegen des erhöhten Kariesrisikos sollten sie zuckerfrei sein.
Weitere hilfreiche Maßnahmen können sein:
- regelmäßig Wasser zum Befeuchten des Mundes trinken
- Speisen bei Bedarf mit Soßen oder Flüssigkeit leichter schluckbar machen
- sehr trockene Lebensmittel meiden, wenn sie Beschwerden verursachen
- stark zuckerhaltige Getränke und häufige zuckerreiche Snacks reduzieren
- Alkohol und Tabak möglichst vermeiden
- bei empfindlicher Schleimhaut scharfe oder stark salzige Speisen reduzieren
- bei trockener Raumluft auf eine angenehme Luftfeuchtigkeit achten
Für die Zahnpflege ist eine fluoridhaltige Zahnpasta besonders wichtig. Je nach Kariesrisiko kann der Zahnarzt zusätzliche Fluoridmaßnahmen empfehlen. Auch die Zahnzwischenräume sollten regelmäßig mit einer passenden Methode gereinigt werden.
Bei dauerhaft behinderter Nasenatmung ist es sinnvoll, deren Ursache abklären zu lassen. Eine bewusste Steuerung der Nasenatmung während des Schlafs ist dagegen kaum möglich.
Wie wird Mundtrockenheit behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Sind Medikamente beteiligt, kann der behandelnde Arzt prüfen, ob sich Wirkstoff, Dosierung oder Einnahmeschema verändern lassen. Das ist allerdings nicht bei jedem Medikament möglich. Bei einer Grunderkrankung wie dem Sjögren-Syndrom oder Diabetes steht deren angemessene Behandlung im Vordergrund. Dadurch verschwindet die Mundtrockenheit jedoch nicht zwangsläufig vollständig. Nach einer Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich kann die Speicheldrüsenfunktion dauerhaft eingeschränkt sein. Dann konzentriert sich die Behandlung häufig darauf, Beschwerden zu lindern und Zähne sowie Schleimhäute möglichst gut zu schützen.
Speichelersatz und Speichelstimulation
Sprays, Gele oder andere Speichelersatzprodukte können die Schleimhäute befeuchten und das Sprechen, Essen oder Schlafen angenehmer machen. Sie ersetzen die natürlichen Funktionen des Speichels jedoch nicht vollständig. Sind noch funktionsfähige Speicheldrüsen vorhanden, kann versucht werden, die Speichelproduktion anzuregen. Neben zuckerfreiem Kaugummi kommen bei ausgewählten Patienten auch Medikamente infrage. Ein Beispiel ist Pilocarpin, das unter anderem bei Sjögren oder nach einer Kopf-Hals-Bestrahlung eingesetzt werden kann. Wegen möglicher Nebenwirkungen und Gegenanzeigen wird es ärztlich verordnet und überwacht. Bei erhöhtem Kariesrisiko können zusätzlich individuelle Fluoridmaßnahmen und regelmäßigere zahnärztliche Kontrollen sinnvoll sein.
Was kann Mundtrockenheit über die Gesundheit aussagen?
Mundtrockenheit ist ein Symptom mit vielen möglichen Ursachen. Häufig stehen Medikamente oder eine Kombination mehrerer Arzneimittel dahinter. Manchmal liefert die Mundtrockenheit aber auch einen Hinweis darauf, dass eine weitere Abklärung sinnvoll ist. Trockener Mund zusammen mit trockenen Augen kann beispielsweise zum Sjögren-Syndrom passen. Starker Durst und häufiges Wasserlassen können Anlass geben, den Blutzucker zu überprüfen. Das bedeutet nicht, dass Mundtrockenheit automatisch auf eine solche Erkrankung hinweist. Sie ist dafür zu unspezifisch. Auch ein direkter Zusammenhang zwischen Xerostomie und beschleunigtem Altern ist nicht belegt. Der gesundheitliche Nutzen einer Behandlung liegt vor allem darin, Beschwerden zu lindern, Essen und Sprechen zu erleichtern und Komplikationen wie Karies oder Pilzinfektionen möglichst zu vermeiden.
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Quellen
Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ): Trockener Mund bei Krebs – Mundtrockenheit vorbeugen und behandeln. Aktualisiert am 23.05.2023 – https://www.krebsinformationsdienst.de/nebenwirkungen-bei-krebs/mundtrockenheit
National Institute of Dental and Craniofacial Research (NIDCR): Dry Mouth. Zuletzt überprüft im Oktober 2024 – https://www.nidcr.nih.gov/health-info/dry-mouth
Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Xerostomie. Gesundheitslexikon – https://www.gesundheit.gv.at/lexikon/X/xerostomie-hk.html
Furness S, Bryan G, McMillan R, Birchenough S, Worthington HV: Interventions for the management of dry mouth: non-pharmacological interventions. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2013;(9):CD009603. PMID: 24006231. PMCID: PMC7100870. DOI: 10.1002/14651858.CD009603.pub3 – https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24006231/
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