Der Rachen hat mehr als zwei Mandeln
Was umgangssprachlich „die Mandeln“ heißt, sind die Gaumenmandeln. Sie sind aber nur ein Teil eines Rings aus lymphatischem Gewebe, der den Rachen umgibt. Dazu gehören auch die Rachenmandel hinter der Nase und die Zungenmandel am Zungengrund, also ganz hinten unten auf dem Zungenrücken.nnDieses Gewebe hat, wie die Gaumenmandeln, eine zerklüftete Oberfläche mit kleinen Buchten. Dort sammeln sich abgeschilferte Zellen, Speisereste und Bakterien und verdichten sich mit der Zeit zu weißlich-gelben Bröckchen. Chemisch entsteht dabei dasselbe wie bei klassischen Mandelsteinen: schwefelhaltige Verbindungen, die den typischen, sehr unangenehmen Geruch verursachen. Steine am Zungengrund sind in der HNO-Literatur als Beschwerde bei vergrößerter Zungenmandel beschrieben.
Warum nach einer Operation Reste zurückbleiben können
Die zweite Erklärung liegt in der Operation selbst. Mandelgewebe wird nicht immer vollständig entfernt, und selbst bei vollständiger Entfernung können kleine Inseln zurückbleiben. Aus solchen Resten kann erneut Gewebe wachsen; in Untersuchungen zum Nachwachsen nach teilweiser Mandelentfernung ließ sich das histologisch nachweisen. In diesen Resten können sich wieder Buchten und damit Steinchen bilden.nnBeides erklärt, warum die Aussage „ohne Mandeln keine Mandelsteine“ zu kurz greift. Sie stimmt für die große Masse der Gaumenmandeln, nicht aber für das übrige lymphatische Gewebe im Rachen.
Was beim Mundgeruch sonst noch geprüft gehört
Dass Magenspiegelung und Zahnstatus unauffällig waren, ist ein wichtiger Zwischenschritt, schließt aber nicht alles aus. Die häufigste Ursache für anhaltenden Mundgeruch liegt im Mundraum selbst, allen voran der Belag auf dem hinteren Zungenrücken, außerdem entzündetes Zahnfleisch und Zahnfleischtaschen, die bei einer normalen Kontrolle nicht immer auffallen.nnAls weitere Quelle kommt der Nasen-Rachen-Raum infrage, etwa eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung mit Sekret, das nach hinten abläuft. Auch eine verminderte Speichelmenge, häufig als Nebenwirkung von Medikamenten, begünstigt Geruchsbildung. Bei zehn Jahren Beschwerdedauer lohnt es sich, diese Quellen systematisch abzuarbeiten, statt sie einzeln zu vermuten.
Der nächste Schritt für Dich
Vereinbare einen Termin in einer HNO-Praxis und bitte ausdrücklich um eine endoskopische Beurteilung des Zungengrunds und des Mandelbetts. Genau dort werden die beiden beschriebenen Ursachen sichtbar, mit dem bloßen Blick in den Mund sind sie es nicht. Schildere dabei die Vorgeschichte mit der Operation und den Befund Deines Zahnarztes, das grenzt die Suche deutlich ein.nnWerden Ablagerungen gefunden, reicht oft ein vorsichtiges Entfernen in der Praxis; bei wiederkehrenden Beschwerden stehen Verfahren zur Verfügung, die die Buchten im Gewebe verschließen. Parallel ist eine gründliche Reinigung des hinteren Zungenrückens sinnvoll, ebenso eine professionelle Zahnreinigung mit Kontrolle der Zahnfleischtaschen. Versuche bitte nicht, die Stellen selbst mit spitzen Gegenständen auszuräumen, das verletzt die Schleimhaut und verschlimmert das Problem.
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