Poland-Syndrom (Amazonenbrust)

Das Poland-Syndrom stellt eine Fehlbildung dar und zählt zur Familie der Brustdeformitäten. Das Syndrom macht sich oft durch eine sichtbare Asymmetrie bemerkbar, da es zu einem einseitigen Fehlen des großen Brustmuskels kommt. Diese Fehlbildung entwickelt sich bereits in der embryonalen Phase und ist somit angeboren. Nachfolgend kannst Du alles über die unterschiedlichen Typen, Symptome, Behandlungsmöglichkeiten und vieles mehr erfahren.


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Zuletzt aktualisiert: 16. Juni, 2020



ICD-10-GM-2020 Q79.8

Was versteht die Medizin unter einem Poland-Syndrom?

Bei dem Poland-Syndrom handelt es sich um angeborene Anomalien, die vor allem die Muskeln und das Skelett betreffen. Hierbei fehlen in der Regel zwei Teile des dreiteiligen Brustmuskels. Das heißt, es kommt dabei zu einer einseitig verkleinerten oder vollständig fehlenden Brust.
 
Allerdings können auch Armfehlbildungen und Fehlbildungen an den inneren Organen entstehen. Anomalien an Niere, Herz und Genitalien sind demnach genauso möglich. Da bei dieser Erkrankung vorwiegend die Brust betroffen ist, wird die Krankheit auch Amazonenbrust genannt.

Welche Typen des Poland-Syndroms werden unterschieden?

Im Grunde unterscheiden Ärzte zwischen drei verschiedenen Arten der Amazonenbrust.
 

  • Typ I: Hierbei ist die Brust der Frau teilweise oder nur leicht unterentwickelt. Die Fett- und Hautschicht kann die Rippen aber teilweise bedecken.
  • Typ II: Bei dieser Art fehlt die Brust der jeweiligen Körperseite teilweise oder meist auch vollständig.
  • Typ III: Dabei kommt es zu einer starken Deformation des Brustkorbs und zu einer Schrumpfung des Gewebes unter der Haut. So sind auch flache Einsenkungen auf der Hautoberfläche und eine Verdünnung der Haut möglich.

Wie häufig ist das Poland-Syndrom und wer ist davon betroffen?

Die Amazonenbrust tritt besonders selten auf, denn die Häufigkeit bei einer Geburt liegt bei etwa 1:20.000 bis 1:30.000. Davon können sowohl Mädchen als auch Buben betroffen sein. Die Beeinträchtigung tritt aber viel häufiger bei dem männlichen Geschlecht auf, nämlich circa doppelt so oft. In den meisten Fällen treten die Anzeichen nur auf der rechten Körperhälfte auf.

Das Poland-Syndrom äußert sich vor allem durch eine einseitige Fehlbildung der Brust.

Was sind die Symptome eines Poland-Syndroms?

Die Symptome des Syndroms treten meist nur an einer Körperhälfte auf. Die Anomalien können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Bei der Amazonenbrust sind vor allem die Brustmuskeln und die Brustdrüse betroffen. Dabei kommt es auf der rechten Körperseite doppelt so häufig wie bei der linken zu der Fehlbildung.
 
So kann die Brust der jeweiligen Körperhälfte entweder unterentwickelt sein oder vollkommen fehlen. In diesem Zusammenhang ist meist auch der breite Rückenmuskel unterentwickelt. Oft ist die Brustwarze auf beiden Seiten vorhanden, jedoch kann sie auch fehlgebildet sein oder gänzlich fehlen. Die betroffene Brustwarze weist oft einen verkleinerten Warzenhof auf. Ebenso kann durch die Fehlbildung des Brustmuskels die jeweilige Achselfalte ungenügend ausgeprägt sein. Dadurch bleibt in den meisten Fällen die Achselbehaarung aus.

Welche Ursachen hat ein Poland-Syndrom?

Die Ursachen des Syndroms sind aus medizinischer Sicht noch nicht ausreichend geklärt. Grundsätzlich gehen Ärzte jedoch von einer unterbrochenen Blutzufuhr in der sechsten und siebten Schwangerschaftswoche aus. Dabei sind sie sich auch einig, dass das Poland-Syndrom nicht genetisch bedingt ist. Dennoch kann die Erkrankung familiär gehäuft auftreten.

Welche Probleme können bei einem Poland-Syndrom auftreten?

Da die Betroffenen bei dem Poland-Syndrom normalerweise an einer Muskelschwäche leiden, können sie viele Sportarten oder anspruchsvolle Tätigkeiten nicht immer problemlos ausüben.
 
Auch Fehlbildungen an den Fingern oder den Füßen können den gewöhnlichen Alltag der betroffenen Person erheblich erschweren. In seltenen Fällen können einige Finger auch vollkommen fehlen. Im Grunde ist eine kausale Behandlung nicht möglich. Daher sind die Personen mit Poland-Syndrom oft ihr ganzes Leben lang auf verschiedene Therapien angewiesen.

Wie diagnostiziert der Arzt das Poland-Syndrom?

Der Mediziner kann die Diagnose aufgrund des klinischen Gesamtbilds der Symptome stellen. Insbesondere die deutliche Brustasymmetrie weist auf das Poland-Syndrom hin. Zudem kann der behandelnde Arzt mit einem Ultraschall oder einer Computertomographie weitere Veränderungen an den Organen, die bei dem Syndrom entstehen können, feststellen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten des Poland-Syndroms gibt es?

Vor allem weibliche Betroffene entscheiden sich für die professionelle Behandlung, wenn eine Brustdeformität vorliegt. Oftmals entwickelt sich auch ein starker Leidensdruck bei jungen Patienten. So ziehen sie eine einseitige Brustvergrößerung in Erwägung, da die Korrektur durch einen Chirurgen die einzige Therapiemöglichkeit darstellt.
 
Meistens behandelt der Mediziner die verkleinerte Brust mit einem Silikonimplantat. Denn dies ist in den unterschiedlichsten Größen und Formen verfügbar. In einzelnen Fällen kann das Implantat aber genauso speziell angefertigt werden. Eine weitere Möglichkeit zur Behandlung stellt die Eigenfettunterspritzung dar. Hierzu nimmt der behandelnde Arzt eine Fettabsaugung vor. Anschließend kann er das gewonnene Fett nach der Aufarbeitung in die verkleinerte Brust injizieren.
 
Ein aufwendigeres Verfahren wird bei der Lappentransplantation durchgeführt. Zu dem Asymmetrie-Ausgleich kann der Chirurg einen Hautfettlappen an einer anderen Körperstelle entnehmen und in die Brust einsetzen. Dabei entnimmt der operierende Arzt das Haut- und Fettgewebe mit den Blutgefäßen und fügt es in die Brust ein und schließt das Blutgefäß an ein neues Gefäß an. Dabei kann er das entnommene Gewebe formen und mit der anderen Brust angleichen.

Besonders junge Patientinnen leiden psychisch stark unter einer Amazonenbrust.

Wie kann ich mich auf eine Operation der Amazonenbrust vorbereiten?

Vor dem chirurgischen Eingriff findet ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt statt, indem er Dich über die verschiedenen Operationstechniken informiert. Anhand eines 3D-Scans des Brustkorbs kann er Dir auch den genauen Ablauf erklären. Daher erfolgt das Gespräch immer in Verbindung mit den aufgenommenen, dreidimensionalen Bildern.
 
Zudem wirst Du auch darüber informiert, dass Du bestimmte Medikamente, wie beispielsweise Gerinnungshemmer, einige Tage vor der OP nicht einnehmen darfst.

Wie verläuft eine Operation der Amazonenbrust?

Der chirurgische Aufbau mit Implantaten erfolgt immer unter Vollnarkose mit Intubation. Insgesamt ist hierfür ein Krankenhausaufenthalt von meist drei Tagen notwendig. Das heißt, Du übernachtest einen Tag vor der OP im Krankenhaus und bleibst mindestens einen Tag nach dem Eingriff noch im Spital. Denn der Arzt muss präoperativ die Ränder und die genaue Positionshöhe markieren.
 
Bei der Operation erfolgt ein Hautschnitt, der entweder in der Unterbrustfalte oder über die Achselhöhle durchgeführt wird. Oftmals legt der operierende Arzt den Zugang über die Achseln, da es hierbei zu einer verminderten Narbenbildung kommt. Dieser Schnitt verläuft bis zu den oberen Rippenknochen. Anschließend kann der Chirurg das Implantat kurz falten und über den kleinen Hautschnitt einsetzen.
 
Da diese Silikonimplantate vorwiegend für medizinische Zwecke gedacht sind, haben sie besonders weiche Ränder, damit das Einsetzen über einen minimalen Schnitt erleichtert wird. Danach kann der Operateur das Implantat an der jeweiligen Stelle platzieren. Im Anschluss näht der Mediziner die offene Hautstelle mit einem resorbierbaren Nahtmaterial.
 
Gleich nach dem Eingriff wird auch ein Kompressionsverband an die Brust angelegt. Ein Aufbau mittels eines Hautfettlappens bedarf einer genauen Planung, ist aufwendiger und benötigt einen längeren Krankenhausaufenthalt von rund einer Woche. Einzelheiten bezüglich des Eingriffs solltest Du mit deinem Chirurgen besprechen.

Welche Komplikationen können bei einer Operation der Amazonenbrust auftreten?

Da die Korrektur der Fehlbildung nur durch einen chirurgischen Eingriff ermöglicht werden kann, bringt diese Behandlungsmethode, wie jedes medizinische Verfahren, Risiken mit sich. Wählst Du einen qualifizierten Facharzt, der speziell für diese Behandlung ausgebildet wurde, dann sind die Komplikationen eher gering, jedoch können diese nicht vollständig ausgeschlossen werden.
 
So kann es durch den Eingriff zu Ergüssen oder Infektionen kommen. Grundsätzlich ist allerdings eine Antibiotikatherapie während der OP vorgesehen, um mögliche Entzündungen zu verhindern. Ein weiteres mögliches Risiko stellt die anhaltende Sensibilitätsstörung des jeweiligen Hautbereichs dar. Das heißt, Du kannst noch in den ersten Monaten nach dem operativen Eingriff eine verminderte Empfindungsfähigkeit auf der Haut direkt über dem Implantat verspüren. In der Regel vergeht dies jedoch nach einigen Monaten wieder spontan.
 
In den ersten Tagen und Wochen nach der Operation kann es durch das Einsetzen des Implantats zu sogenannten Seromen kommen. Ein Serom ist ein Hohlraum, der jedoch nicht vorgebildet ist, in dem sich vor allem Lymphflüssigkeit und Blutserum ansammelt. Ist dies der Fall, kann eine Punktion mit einer hauchdünnen Hohlnadel mit Entfernung der Flüssigkeit notwendig sein.
 
Aus diesem Grund legen manche Chirurgen während der OP einen kleinen Schlauch (Drainage) in die Brust ein, damit eine mögliche Flüssigkeitsansammlung abfließen kann. Diese Drainage wird meist am ersten postoperativen Tag gezogen.

Wie gestaltet sich die Nachsorge bei einer OP der Amazonenbrust?

Oftmals kann es nach dem operativen Eingriff zu leichten Schmerzen kommen, die Du jedoch mit Schmerzmitteln kontrollieren kannst. Im Normalfall musst Du nach der OP vier bis sechs Wochen einen Kompressions-BH tragen – sowohl am Tag als auch in der Nacht.
 
Im Grunde wirst Du auch für ein bis zwei Wochen nach der Behandlung von der Arbeit krankgeschrieben. Ärzte empfehlen meist für zwei bis drei Monate vollkommen auf Sport zu verzichten. Zusätzlich solltest Du für vier bis sechs Wochen die Sonne meiden und auf Sauna und Solarium verzichten, damit es nicht zu einer bräunlichen Verfärbung der Narbe kommt. Anschließend solltest Du im ersten Jahr die Narbe unbedingt bei direktem Kontakt mit UV-Strahlung mit einem hohen Lichtschutzfaktor schützen.

Der Arzt kann eine Amazonenbrust bzw. ein Poland-Syndrom unter anderem mithilfe von Implantaten behandeln.

Wann ist das endgültige Ergebnis nach einer OP des Poland-Syndroms sichtbar?

In der Regel dauert es zwei bis drei Monate, um das endgültige Ergebnis zu sehen. Das Resultat erkennst Du nicht sofort, da dieser Zeitraum notwendig ist, bis die Wassereinlagerungen und Schwellungen verschwunden sind. Zudem kannst Du meist die sportlichen Aktivitäten nur schrittweise aufnehmen. Bis zum endgültigen Ergebnis inklusive Narbenheilung kann es bis zu zwölf Monate dauern.

Wie viel kostet die Behandlung einer Amazonenbrust?

Eine präzise Preisangabe ist etwas schwierig, da vor allem das Ausmaß der Erkrankung eine Rolle spielt. Jedoch bestimmt auch die gewählte Therapiemethode die Kosten. In besonders schweren Fällen ist auch eine Kostenübernahme durch den gesetzlichen Versicherungsträger möglich.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten für eine Behandlung des Poland-Syndroms?

Die Übernahme der Therapiekosten durch die Krankenkasse hängt vor allem von der Ausprägung der Fehlbildung ab. Dabei kann Dein Versicherungsträger entweder nur einen Teil der Kosten übernehmen oder die gesamten Operationskosten zahlen. Da bei diesem Eingriff meist auch ein Krankenhausaufenthalt nötig ist, kann für Dich auch ein Selbstbehalt anfallen. Du solltest Dich somit sicherheitshalber schon im Voraus bei Deiner Krankenversicherung darüber informieren.


Dauer Dauer

Je nach Behandlungsmethode

Ausfallzeit Ausfallzeit

Je nach Behandlungsmethode

Stationärer Aufenthalt Stationär

Bis zu 1 Woche

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Das Wichtigste zusammengefasst

Bei dem Poland-Syndrom handelt es sich um eine angeborene Fehlbildung, die vor allem die Brust betrifft


Die Symptome des Syndroms treten meist nur an einer Körperhälfte, um genauer zu sein, an der rechten, auf


Da Personen mit dem Poland-Syndrom oft an einer Muskelschwäche leiden, können sie viele Sportarten oder anspruchsvolle Tätigkeiten nicht immer problemlos ausüben


Vor allem weibliche Betroffene entscheiden sich für die professionelle Behandlung, wenn eine Brustdeformität vorliegt, da sich oft ein starker Leidensdruck entwickelt

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