Windeldermatitis

Bei einer Windeldermatitis leiden Betroffene an einem „wunden Po“, also an einem Hautausschlag im Intim- und Gesäßbereich. Oftmals liegt gleichzeitig ein Pilz- oder Bakterienbefall der Haut vor. Manchmal kann sich der Ausschlag auch auf benachbarte Hautareale ausbreiten. Besonders bei Säuglingen und Kleinkindern ist die Windeldermatitis sehr geläufig, sie kann aber auch bei älteren Personen auftreten. Sie ist in der Regel gut behandelbar.


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Zuletzt aktualisiert: 4. März, 2020



Was versteht die Medizin unter Windeldermatitis?

Die Windeldermatitis bezeichnet in der Medizin eine irritative Kontaktdermatitis im Windelbereich bei Neugeborenen und Säuglingen sowie bei inkontinenten Patienten. Die Erkrankung tritt relativ häufig auf und beginnt meist zwischen dem neunten und zwölften Lebensmonat. Etwa zwei Drittel aller gewickelten Kinder im Säuglings- und Kleinkindalter sind von einer Windeldermatitis betroffen.

Die Windeldermatitis bezeichnet in der Medizin eine irritative Kontaktdermatitis im Windelbereich bei Neugeborenen und Säuglingen

Wie sehen die Symptome einer Windeldermatitis aus?

Die betroffene Haut erscheint zunächst unscharf gerötet und nässt in manchen Fällen. Am Rand des Windelausschlags können sich kleine Eiterbläschen oder Hautknötchen bilden. Wenn zusätzlich Pilze oder seltener Bakterien die Stelle besiedeln, fallen die Symptome intensiver aus. Die befallene Haut kann sehr stark jucken und schmerzt unter Umständen. In schweren Fällen durch eine bakterielle Superinfektion mit Staphylokokken oder Streptokokken können sich größere Blasen bilden, die Haut kann sich ablösen und es können Gewebeschäden entstehen. In besonders seltenen Fällen können Betroffene auch Fieber entwickeln. Auch Hautveränderungen am Oberkörper, im Gesicht und auf dem Kopf können auf eine Windeldermatitis rückführbar sein. Babys, die an einer Windeldermatitis leiden, weinen häufiger und schlafen schlechter.

Was sind die Ursachen für eine Windeldermatitis?

Es gibt viele Ursachen für die Entstehung einer Windeldermatitis. Die Genitalhaut kann durch wiederholten und längeren Kontakt mit Urin oder Kot gereizt werden. Unter der Windel staut sich die Feuchtigkeit und Wärme, sodass sich eine sogenannte feuchte Kammer bildet. Infolgedessen quillt die obere Hautschicht auf, wodurch sie ihre Schutzfunktion verliert. Besonders der längere Kontakt mit Urin ist durch die Aufspaltung des Harnstoffs (Urea) in, unter anderem, Ammoniak ein nicht zu vernachlässigender Faktor bei der Entstehung einer Windeldermatitis. Ammoniak reizt die Haut und hebt den pH-Wert der Haut leicht an. Dadurch verliert die Haut ihren Säureschutzmantel und bietet somit einigen krankheitserregenden Keimen die Möglichkeit, die natürliche Hautbarriere zu durchdringen und sich zu vermehren.

Ein weiterer Risikofaktor bei der Entstehung oder Verstärkung der Windeldermatitis sind Wickel- und Pflegeprodukte, da enge Windeln auf der Haut scheuern und sie reizen oder schädigen können. Außerdem können Unverträglichkeiten gegenüber bestimmten Materialien der Windel auftreten. Natürlich spielt die Hygiene ebenfalls eine bedeutende Rolle: Bei mangelnder Hygiene steigt das Risiko, an einer Windeldermatitis zu erkranken. Bestimmte Grunderkrankungen erhöhen das Risiko für eine Windeldermatitis. Dazu zählen Darm- oder Durchfallerkrankungen, da häufiger und flüssiger Stuhlgang die Hautreizung verstärkt.

Darmpilzerkrankungen können auch zu einer Pilzbesiedlung der Intim- oder Gesäßregion führen ohne, dass die Haut vorgeschädigt ist. Weitere begünstigende Faktoren sind die Prädisposition, also die genetische Veranlagung, für Hauterkrankungen, wie Neurodermitis, Schuppenflechte, seborrhoisches Ekzem oder generell trockene Haut. Ein geschwächtes Immunsystem oder die Einnahme von Antibiotika erhöht das Risiko für vielerlei Erkrankungen, so auch für die Windeldermatitis. Neueren Studien zufolge kann ein Mangel an Biotin (Vitamin B7) oder an Zink die Entstehung einer Windeldermatitis begünstigen.

Bei mangelnder Hygiene steigt das Risiko, an einer Windeldermatitis zu erkranken

Wer ist am häufigsten von der Erkrankung betroffen?

Hauptsächlich sind Säuglinge und Kleinkinder von einer Windeldermatitis betroffen, allerdings können auch ältere, inkontinente Menschen daran erkranken.

Wann sollte ich einen Arzt aufsuchen?

Eltern oder pflegende Personen sollten bereits kleine Hautirritationen ernst nehmen, da sich diese schnell zu großflächigen Entzündungen entwickeln können. Bessert sich der Zustand über mehrere Tage hinweg nicht oder blutet die Haut stark, sollte ein Kinder- oder ein Facharzt für Hauterkrankungen aufgesucht werden.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Windeldermatitis?

Normalerweise genügt dem Arzt ein Blick auf die betroffene Region, um die möglichen Krankheitsbilder einzugrenzen. Die klassischen Anzeichen wie Rötung, Pusteln, Nässen oder Schuppen sowie die Lokalisation des Ausschlags geben ihm dabei wichtige Hinweise. Danach muss der Arzt den Verdacht auf Windeldermatitis von anderen Hautkrankheiten wie Neurodermitis, Milchschorf oder Schuppenflechte abgrenzen. Im Rahmen der körperlichen Untersuchung bezieht er daher auch weitere Krankheitsanzeichen in seine Überlegungen ein. Möchte er bei schweren Verläufen den genauen Erreger bestimmen, nimmt er außerdem einen Hautabstrich. Um eine Allergie als Auslöser des Ausschlags auszuschließen, führt der Arzt weitere Tests, wie den Epikutantest oder Bluttests, durch.

Wie ist der Krankheitsverlauf bei einer Windeldermatitis?

Der Verlauf der Windeldermatitis kann sich in vier Phasen gliedern. Sie beginnt mit einer Entzündung der Haut, welche von einer Rötung im Gesäßbereich begleitet wird. Diese breitet sich in der Regel sehr schnell, manchmal innerhalb von Stunden, auf den Genitalbereich aus. In schweren Fällen wandert die Windeldermatitis weiter. Die wunden und offenen Stellen können sich bis auf die Oberschenkel und den Bauch ausbreiten. Bei einem zusätzlichen Bakterien- oder Pilzbefall dazu, können sich nässende Pusteln, Pickel und eine schuppende Haut bilden. Es müssen dabei nicht alle Stadien durchlaufen werden.

Die Windeldermatitis beginnt mit einer Entzündung der Haut, welche von einer Rötung im Gesäßbereich begleitet wird

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Bei der Windeldermatitis gilt wie bei vielen anderen Erkrankungen auch: Je früher sie behandelt wird, desto besser. Du solltest zunächst einmal die Windeln häufiger wechseln, besonders nach jedem Stuhlgang. Reinige dann den Po- und Genitalbereich mit Wasser, entferne dabei alle Cremerückstände und trockne die Haut danach gründlich ab. Im Anschluss daran solltest Du eine Wundschutzcreme auftragen. Eine wichtige Regel bei einer effektiven Behandlung einer Windeldermatitis lautet: Lass so viel Luft wie möglich an die betroffenen Hautpartien.

Wenn der Ausschlag nach zwei bis drei Tagen nicht besser wird, solltest Du einen Arzt aufsuchen. Dieser verschreibt meist wirkstoffhaltige Salben, wie zum Beispiel Hautschutzcremes mit Zink, oder Wundcremes mit Dexpanthenol. Liegt gleichzeitig ein Pilz- oder Bakterienbefall vor, kann Dir Dein Arzt zusätzlich antimykotische, antibiotische oder sogar kortisonhaltige Salben verschreiben. In schweren Fällen ist die orale Gabe von Antibiotika angebracht.

Welche Hausmittel helfen bei einer Windeldermatitis?

Generell hilft es, wenn Du die Haut möglichst trocken hältst. Entzündungshemmende Badezusätze, zum Beispiel aus Eichenrinde, können die Beschwerden lindern. Hast Du bestimmte Produkte im Verdacht, die Windeldermatitis auszulösen, hilft es oftmals schon, das Produkt zu wechseln, vorzugsweise auf allergiegetestete Produkte. Eine Ernährungsumstellung des Babys oder der stillenden Mutter mit Verzicht auf saure und scharfe Speisen kann sich ebenfalls positiv auf den Verlauf der Erkrankung auswirken. Spezielle Wundschutzpasten, zum Beispiel mit Lebertran, Zink oder Dexpanthenol, helfen gegen die Hautreizung.

Wie kann ich eine Windeldermatitis vorbeugen?

Eine Windeldermatitis kann man gut vorbeugen, indem man so oft wie möglich Luft an den Intim- und Gesäßbereich kommen lässt, häufig Windeln wechselt und immer eine schützende Creme oder Paste aufträgt. Bei Unverträglichkeiten gegenüber Einmalwindeln kann sich die Investition in Stoffwindeln lohnen. Aus demselben Grund solltest Du Plastik- und Gummihöschen vermeiden. Sitzbäder mit lauwarmen Kamillentee, Thymiantee oder Schafgarbentee können helfen, die Entzündung zu lindern. Heilwolle, die in die Windel eingelegt wird, soll über das darin enthaltene natürliche Wollwachs Entzündungen hemmen und bei der Belüftung und Flüssigkeitsaufnahme förderlich sein.

Welche Komplikationen können während der Behandlung auftreten?

In aller Regel heilt die Windeldermatitis relativ schnell und folgenlos ab. Bei übermäßiger Behandlung mit kortisonhaltigen Salben kann sich das sogenannte Granuloma gluteale infantum bilden. Dabei entstehen derbe, bläulich-rote und schmerzhafte Knötchen entlang einer Hautspaltlinie im Intimbereich. Normalerweise bildet sie sich zurück, wenn die Windeldermatitis wieder verschwindet, sie kann aber in seltenen Fällen auch sichtbare Narben hinterlassen. Manchmal kommt es zu Windeldermatitis-Rückfällen oder einer Ausbreitung auf andere Körperregionen. Besonders wahrscheinlich ist dies, wenn bereits Grunderkrankungen wie eine Abwehrschwäche oder Allergien vorliegen.

Manchmal kommt es zu Windeldermatitis-Rückfällen oder einer Ausbreitung auf andere Körperregionen

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Im Normalfall übernehmen die Krankenkassen die Kosten für Diagnostik und Behandlung der Erkrankung.


Dauer Dauer

Bis zu 7 Tage

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

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Das Wichtigste zusammengefasst

Bei der Windeldermatitis handelt es sich um eine häufige Erkrankung bei Säuglingen und inkontinenten Personen; sie heilt in den meisten Fällen komplikationslos aus


Zu den Symptomen gehört ein Hautausschlag im Intim- und Gesäßbereich, hervorgerufen durch verschiedene Faktoren, besonders durch längeren Kontakt mit Fäkalien in Kombination mit fehlender Luftzirkulation an der Haut


Kernsymptome sind eine starke Rötung, Jucken und Brennen, sowie in einigen Fällen Nässen oder Bläschenbildung, in schweren Fällen löst sich die Haut ab. Oft wird die betroffene Hautpartie gleichzeitig mit Pilzen oder Bakterien besiedelt


Du kannst der Windeldermatitis sehr gut vorbeugen und auch Hausmittel helfen meist unterstützend. Wenn die Symptome nicht nachlassen sollten, scheue den Gang zum Arzt nicht

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