Follikulitis (Haarfollikelentzündung)

Eine Follikulitis ist eine Entzündung der Haarfollikel. Sie äußert sich in unschönen Pickeln und Hautausschlägen. Meist wird eine Follikulitis durch eine Infektion mit Bakterien ausgelöst, doch es gibt auch einige Faktoren, wie mangelnde Hygiene oder trockene Haut, die das Entstehen einer Follikulitis begünstigen. Wir erklären Dir, was Follikel genau sind, wie es zu einer Infektion kommen kann und was Du gegen eine Follikulitis tun kannst.


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Zuletzt aktualisiert: 6. August, 2020



ICD-10-GM-2020 L73.9

Was sind Haarfollikel?

Der Begriff Follikel kommt vom lateinischen Wort „folliculus“ – das bedeutet übersetzt Bläschen. Als Haarfollikel oder Haarbälge bezeichnet die Medizin Strukturen, die die einzelnen Haarwurzeln bläschenförmig umhüllen. Sie sind für die Verankerung, die Produktion und das Wachstum der Haare verantwortlich. Haarbälge befinden sich überall am menschlichen Körper – abgesehen von den Lippen, den Handflächen und den Fußsohlen. Allerdings wächst nicht aus jedem Follikel ein Haar und manche Härchen sind auch so fein, dass Du sie kaum sehen kannst.

Die Haarfollikel sind dafür da, den Haaren ihren Halt zu geben.

Wie sind Haarfollikel aufgebaut?

Die Haarfollikel sind in der Haut eingebettet. Sie umfassen zwei Schichten: die innere und die äußere Wurzelscheide. Erstere umhüllt die Haarwurzel, verzahnt ihre Hornschuppen mit denen des Haares und verankert dieses so im Balg. Zweitere verbindet die innere Wurzelscheide mit dem Bindegewebe.
 
Den unteren Teil des Haarbalgs nennt man Haarzwiebel, da er von der Form an das Knollengemüse erinnert. In ihm befindet sich die sogenannte Matrix, die hornbildende Zellen enthält. Von unten reicht die Dermalpapille in die Zwiebel hinein. Diese versorgt das Haar mit Nährstoffen und Sauerstoff. Dadurch vermehren sich die Zellen in der Matrix, drängen nach oben, verfestigen sich in der Verhornungszone und verlängern dadurch die Haarwurzel und den Haarschaft immer weiter. Die Wurzel ist jener Abschnitt des Haares, der sich im Follikel befindet, der Schaft ist der sichtbare Teil, welcher aus der Haut herausragt.
 
Außerdem sind an den Haarbalg noch eine Talgdrüse, die die Haare einfettet und ein kleiner Muskel angeschlossen. Dieser kann den Follikel zusammenziehen und so den Haarschaft aufrichten. Das passiert, wenn Dein Körper seine Temperatur selbst reguliert, und äußert sich in dem, was Du als Gänsehaut kennst.

Was sind die Funktionen von Haarfollikeln?

Die Hauptfunktionen der Follikel sind die Verankerung der Haare in der Haut und die Förderung des Haarwachstums. Die Verhornung der Zellen in der Zwiebel schiebt das Haar immer weiter aus der Haut heraus und der Schaft verlängert sich. Das passiert allerdings nicht überall am Körper gleich schnell.
 
Neben der Geschwindigkeit variiert auch die Länge der Wachstumsphasen. Bei Haupthaaren betragen diese zwei bis sechs Jahre, bei Wimpern und Augenbrauen hingegen maximal sechs Monate. Aus diesem Grund können Kopfhaare auch viel länger werden. Ist die Wachstumsphase vorbei, folgen eine rasche Übergangs- und eine kurze Ruhephase. Danach fällt das Haar aus und ein neues beginnt zu wachsen. Der gesamte Zyklus startet somit von vorne.
 
Auch für die Haarfarbe spielen die Follikel eine Rolle. Je nach Art und Gehalt des Farbstoffes Melanin, haben Menschen blonde, rote, braune oder schwarze Haare. Weiße oder graue Haare entstehen durch die natürliche Abnahme des Melaningehalts mit zunehmendem Alter. Des Weiteren münden einige Drüsen und Nervenfasern in den Haarfollikeln. Erstere stellen zum Beispiel Duftstoffe her, zweitere sind wichtig für den Tastsinn.

Was versteht die Medizin unter einer Follikulitis?

Als Follikulitis bezeichnen Mediziner eine Infektion eines oder mehrerer Haarfollikel. Durch Bakterien entstehen dabei kleine Taschen in der Haut, die mit Eiter gefüllt sind und aussehen wie rote oder weiße Pickel. Die Infektion kann oberflächlich oder tiefgehend sein. Liegt sie in der Tiefe, treten sogenannte Furunkel auf. Das sind entzündete Knötchen und Eiter-gefüllte Hohlräume. Verbinden sich mehrere Furunkel, bilden sich größere Knoten, welche man Karbunkel nennt.
 
Folliculitis decalvans
 
Eine spezielle Form der Follikulitis ist die Folliculitis decalvans. Sie ist sehr selten, verläuft chronisch und kann sowohl Männer als auch Frauen betreffen. Diese Kopfhauterkrankung geht mit einer sehr intensiven Entzündung und Zerstörung der Haarbälge einher. Sie schreitet langsam fort und zeigt sich zunächst meist am Randbereich der Kopfhaare durch Rötungen und Pusteln. An den betroffenen Stellen vernarbt die Haut, weswegen Mediziner hier auch von einer vernarbenden Alopezie sprechen. Alopezie ist der Fachbegriff für permanenten Haarverlust, bei dem die Haare nicht wieder nachwachsen.

Typische Symptome einer Follikulitis sind Furunkel, Pickel und eine juckende Haut.

Was sind die Symptome einer Follikulitis?

Hast Du eine Follikulitis, sind die betroffenen Hautstellen irritiert, jucken und verursachen leichte Schmerzen. Ansonsten solltest Du in der Regel keine Symptome haben. Bei Furunkeln und Karbunkeln kann hingegen auch Fieber auftreten. Folliculitis decalvans äußert sich durch stärkere Schmerzen, spontane Blutungen, brennende Empfindungen und Narben.

Welche Ursachen hat eine Follikulitis?

Eine Follikulitis kann bakteriell, pilzartig, viral oder parasitär sein. Meist lösen jedoch Bakterien des Typs Staphylococcus aureus eine Infektion der Haarfollikel aus, indem sie in den Haarbalg eindringen. Bei chronischer Follikulitis könnte es auch sein, dass sich die Staphylokokken in den Nasengängen der Person befinden. Übertragbar sind sie durch direkten Kontakt mit infizierten Personen oder Tieren sowie kontaminierten Oberflächen.
 
Folliculitis decalvans wird ebenso durch Staphylokokken ausgelöst, jedoch ist hier die Entzündungsreaktion übermäßig stark. Seit Jahren gibt es einen Staphylococcus-Stamm, der gegen früher wirksame Antibiotika resistent ist. Diesen nennt die Medizin „Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus“ (MRSA).
 
Auch Pseudomonas aeruginosa kann eine Haarbalgentzündung auslösen. In diesem Fall sprechen Ärzte von einer „Whirlpool-Follikulitis“, da dieses Bakterium häufig in unzureichend chemisch behandeltem Wasser vorkommt. Diese Form setzt sechs Stunden bis fünf Tage nach dem Kontakt ein und tritt vor allem an den Körperstellen auf, die von der Badebekleidung bedeckt waren.
 
Manchmal kräuseln sich Haare nach dem Rasieren und dringen erneut in die Haut ein – es entsteht ein eingewachsenes Haar. Dieses verursacht eine gering ausgeprägte, milde Reizung oder Entzündung, welche die Medizin als Pseudofolliculitis barbae bezeichnet.

Welche Faktoren begünstigen das Entstehen einer Follikulitis?

Es gibt verschiedene Faktoren, die eine Follikulitis begünstigen können. Die Wahrscheinlichkeit einer Entzündung erhöht sich durch:

  • die Irritation der Haut beim Rasieren
  • starkes und häufiges Schwitzen
  • trockene Haut
  • unzureichende Hygiene
  • enge Kleidung, die ständig an der Haut reibt
  • Diabetes
  • ein schwaches Immunsystem
  • Mangelernährung

Verwendest Du häufig Öle oder fetthaltigen Salben für Deine Haut, könnte das ebenso die Bildung einer Haarbalgentzündung fördern. Dadurch verstopfst Du nämlich die Haarfollikel und schließt die Erreger, die bereits eingedrungen sind, im Inneren ein.

An welchen Körperstellen kann eine Follikulitis auftreten?

Prinzipiell kann eine Follikulitis an allen Stellen am Körper auftreten, an denen sich Haarfollikel befinden. Am häufigsten sind jedoch der Bartbereich, das Gesäß, der Intimbereich, die Brust und die Oberschenkel betroffen.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Follikulitis?

Der Arzt kann eine Follikulitis relativ einfach erkennen, da sie ein typisches Erscheinungsbild aufweist. Ist die Entzündung besonders stark, macht er in der Regel einen Abstrich für eine bakterielle Untersuchung. Zusätzlich kann er eine Probe aus der Nase und der Leistengegend entnehmen, sollte die Follikulitis häufig wiederholt auftreten. Eine Untersuchung des Blutes ist normalerweise nicht erforderlich.

Wie wird eine Follikulitis behandelt?

Zunächst stellt der Arzt die Ursache für die Follikulitis fest. Ist es nur eine sehr milde und oberflächliche Entzündung, ist meist keine Therapie notwendig. Whirlpool-Follikulitis verschwindet beispielsweise in der Regel innerhalb einer Woche. Zusätzlich helfen desinfizierende Waschlotionen oder antiseptische Mittel, die Du lokal auftragen musst. Du kannst auch drei bis vier Tage Polyhexanid, Polyvidon-Jod, Octenidin oder Chlorhexidin oder antibiotische Salben mit und ohne Zink anwenden.
 
Bei stärkeren und tiefgehenden Infektionen verschreibt Dir der Arzt möglicherweise Antibiotika, die Du eine Zeit lang einnehmen musst. Außerdem könnte es sein, dass Du Dich am ganzen Körper mit antibakterieller Seife waschen und Deine Nase mit einer antibiotischen Salbe ausstreichen musst.
 
Bei Furunkeln oder Karbunkeln können Antibiotika ebenso helfen. Manchmal entleert der Arzt diese außerdem mithilfe einer Nadel – das solltest Du allerdings auf keinen Fall bei Dir selbst probieren! Bei schweren Fällen oder wenn Furunkel im Gesicht auftreten, könnte ein Krankenhausaufenthalt nötig sein.
 
Für chronische Follikulitis, die wiederholt auftritt, gibt es eine weitere Behandlungsmöglichkeit. Der Mediziner entnimmt dabei eine Eiterprobe und schickt diese an ein Labor. Dort wird eine Bakterienkultur angelegt, die dazu dient, ein geeignetes Antibiotikum auszuwählen.
 
Die Behandlung von Folliculitis decalvans ist nicht besonders leicht und dauert oft relativ lange. Die tägliche Kopfwäsche mit Keim-vermindernden Shampoos ist ein essenzieller Bestandteil, daneben kommen systematische Antibiotikatherapien über vier bis acht Wochen zum Einsatz. Das führt häufig zu einer Besserung, dennoch kann diese Form der Alopezie erneut auftreten.

Eine Follikulitis tritt vor allem im Intimbereich, am Gesäß, Brust, Oberschenkel oder im Bartbereich auf.

Wie kann ich einer Follikulitis vorbeugen und was kann ich selbst tun?

Hygiene ist beim Vorbeugen das A und O. Reinige Deinen Körper mit Wasser und antibakterieller Seife, die Chlorhexidin enthält. Halte Deine Haut feucht und schütze sie vor dem Austrocknen. Auf die häufige Verwendung von fetthaltigen Cremes solltest Du aber eher verzichten, da diese die Follikel verstopfen können. Trag außerdem am besten keine zu enge Kleidung – vor allem nicht im Sommer, wenn Du sowieso viel schwitzt. Ist der Bart von der Infektion betroffen, kann es helfen, ihn wachsen zu lassen und vorerst auf das Rasieren zu verzichten.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung einer Follikulitis?

Wie bei allen medizinisch notwendigen Untersuchungen und Behandlungen übernimmt auch hier die Krankenkasse die Kosten. Verschreibt Dir der Arzt zur Behandlung der Follikulitis beispielsweise ein Antibiotikum, musst Du nur die Rezeptgebühr selbst bezahlen.

 


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Das Wichtigste zusammengefasst

Ein Haarfollikel beziehungsweise Haarbalg ist eine anatomische Struktur, die ein Haar umschließt und für dessen Verankerung und Wachstum verantwortlich ist.


Entzünden sich die Haarfollikel durch eine Infektion – zum Beispiel mit Staphylokokken –, sprechen Mediziner von einer Follikulitis.


Ärzte unterscheiden verschiedene Arten von Haarbalgentzündungen: Sie können oberflächlich oder tiefgehend sein. Bei in der Tiefe liegenden Infektionen kann es zu Furunkeln oder Karbunkeln kommen. Daneben gibt es außerdem die sogenannte „Whirlpool-Follikulitis“ und die Folliculitis decalvans.


Bei der Behandlung kommt es auf die Stärke der Follikulitis an. Leichte Entzündungen verschwinden meist nach kurzer Zeit, durch antibakterielle Seifen und Salben kannst Du den Prozess unterstützen. Bei schweren Fällen musst Du mit hoher Wahrscheinlichkeit Antibiotika einnehmen, um die Infektion loszuwerden.

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