Chlamydien

Auch wenn Chlamydien eigentlich eine Gruppe von Bakterien sind, die beim Menschen viele unterschiedliche Erkrankungen hervorrufen können, wird der Begriff meist für die gleichnamige Geschlechtskrankheit verwendet. Dabei kommt es zu einer Infektion der Geschlechtsorgane und der Harnwege, die oftmals vollkommen beschwerdefrei verläuft, manchmal aber auch ernsthafte Komplikationen verursachen und mitunter sogar zu Unfruchtbarkeit führen kann. Die Erkrankung ist eine der häufigsten sexuell übertragenen Infektionen, etwa 300.000 Menschen stecken sich jährlich neu an.


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Zuletzt aktualisiert: 18. März, 2020



Was versteht die Medizin unter Chlamydien?

Chlamydien sind eine Gruppe von Bakterien (unter anderem Chlamydia trachomatis, Chlamydia psittaci und Chlamydia pneumoniae), die eine große Bandbreite an Erkrankungen auslösen können. Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnen Chlamydien allerdings meist die Geschlechtskrankheit Chlamydien (Chlamydia trachomatis), die die Geschlechtsorgane und die Harnwege befällt und unbehandelt zu Unfruchtbarkeit führen kann.

Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnen Chlamydien allerdings meist die Geschlechtskrankheit Chlamydien

Wie sehen die Symptome von Chlamydien aus?

Bei etwa 80 Prozent der Frauen und 50 Prozent der Männer treten keine spürbaren Symptome auf. Wenn Symptome auftreten, unterscheiden sie sich, je nachdem, ob die betroffene Person weiblich, männlich oder ein Neugeborenes ist. Bei Frauen kommt es nach etwa zwei bis sechs Wochen infolge der Infektion zu einer eitrigen Harnröhrenentzündung mit starkem Ausfluss, Brennen oder Jucken beim Wasserlassen. Breitet sich die Infektion auf den Gebärmutterhals, die Eileiter und die Eierstöcke aus, kann es zu weiteren Beschwerden wie Unterleibsschmerzen, blutigem Ausfluss, Fieber und Zwischenblutungen kommen.

Beim Mann können nach der zwei- bis sechswöchigen Inkubationszeit ebenfalls Schmerzen, Jucken oder Brennen beim Wasserlassen auftreten, dazu kann ein schleimig-eitriger Ausfluss und eine Nebenhodenentzündung kommen.

Bei Neugeborenen sind die Symptome einer Chlamydieninfektion breit gefächert. Ist die Mutter mit Chlamydien infiziert, infizieren sich etwa 60 bis 70 Prozent der Kinder bei der Geburt. Sie leiden dann an einer Bindehautentzündung, seltener an einer Mittelohrentzündung. Aspiriert das Kind während der Geburt infektiöses Vaginalsekret, kann es zu einer schweren Lungenentzündung kommen. Zusätzlich haben sie bei einer unentdeckten Chlamydieninfektion der Mutter in der Schwangerschaft ein erhöhtes Risiko für ein geringes Geburtsgewicht. Auch Fehlgeburten sind häufiger, wenn die Frau von Chlamydien betroffen ist. Zudem kommt es oftmals zum vorzeitigen Blasensprung.

Wie erfolgt die Diagnose von Chlamydien?

Im Rahmen der körperlichen Untersuchung erhält der Arzt oft schon Hinweise auf eine mögliche Chlamydieninfektion. Dazu zählen gelblicher Ausfluss oder ein gelbliches Sekret am Gebärmutterhals. Weiters können auch unklare Unterleibsbeschwerden auf eine chronische Chlamydieninfektion hinweisen. Im Anschluss an die körperliche Untersuchung nimmt der Arzt einen Abstrich des Gebärmutterhalses oder beim Mann einen Abstrich der Harnröhre. Ist diese befallen, können die Erreger auch über einen Urintest nachgewiesen werden. Dies deutet dann auf eine frische Infektion hin, bei einer chronischen Infektion ist es oft schwieriger, den Erreger nachzuweisen, da der Abstrich der Schleimhäute keine Hinweise mehr geben kann.

 

Besteht der Verdacht einer Chlamydieninfektion, nimmt Dein Arzt eine Blutprobe und veranlasst eine serologische Blutuntersuchung. Sie gibt darüber Aufschluss, ob sich Antikörper im Blut befinden, kann aber den Zeitpunkt der Infektion nicht näher eingrenzen. Eine akute Infektion lässt sich frühestens nach sechs bis acht Wochen im Blut nachweisen. Neuerdings gibt es verschiedene Chlamydien-Selbsttests für den Heimgebrauch. Das Robert-Koch-Institut rät allerdings vom Gebrauch solcher Schnelltests ab, da die Ergebnisse sehr ungenau sind und bei Harnwegserkrankungen, während der Regelblutung und in der Schwangerschaft nicht durchgeführt werden können. Zum Teil müssen die Proben auch erst eingesandt und im Labor ausgewertet werden. Hast Du allerdings schon einen solchen Test durchgeführt und zeigt er ein positives Ergebnis an, solltest Du auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen, damit er das Ergebnis bestätigen oder eine Infektion ausschließen kann.

Besteht der Verdacht einer Chlamydieninfektion, nimmt Dein Arzt eine Blutprobe und veranlasst eine serologische Blutuntersuchung.

Welche Ursachen haben Chlamydien?

Die Infektion erfolgt meist über die Schleimhäute der Harnwege, der Geschlechtsorgane oder den Analbereich. Du kannst Dich bei ungeschütztem Vaginal-, Anal- oder Oralverkehr anstecken, genauso beim gemeinsamen Gebrauch von infizierten Gegenständen wie Sexspielzeug. Infizierte Mütter können die Erreger bei der Geburt auf ihr Kind übertragen. Selten kann der Erreger über Fliegen übertragen werden. Eine Subgruppe der Chlamydien überträgt sich über die Tröpfcheninfektion, also durch Husten oder Niesen. Eine weitere Subgruppe findet sich meist im Feinstaub oder im Tierkot. Wird dieser aufgewirbelt, gelangt der Erreger über die Atemwege in die Lunge und löst dort eine Infektion aus.

Welche Folgen können Chlamydien für Betroffene haben?

Je länger die Infektion unerkannt oder unbehandelt bleibt, desto größer ist das Risiko für Komplikationen und Folgeschäden. Bei Frauen können sich die Erreger über die Harnwege auf die Geschlechtsorgane ausbreiten und so eine schwerwiegende Eileiter- oder Gebärmutterhalsentzündung verursachen. Dabei verkleben oder vernarben die Eileiter, was in weiterer Folge zu Unfruchtbarkeit oder einem erhöhten Risiko für Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaften führen kann. Auch für den Mann ist eine unbehandelte Chlamydieninfektion keine Kleinigkeit. Sie beginnt mit einer Harnröhrenentzündung, die sich im schlimmsten Fall auf die Prostata und die Nebenhoden ausbreiten kann, wodurch es zu sehr schmerzhaften Entzündungen kommt. Seltener als bei Frauen kann es jedoch auch bei Männern durch eine unbehandelte Chlamydieninfektion zu Unfruchtbarkeit kommen. Für beide Geschlechter steigt das Risiko für eine Infektion mit HIV, wenn gleichzeitig eine unbehandelte Chlamydieninfektion besteht.

Wer ist am häufigsten von Chlamydien betroffen?

Am häufigsten sind junge Frauen im Alter von 20 bis 25 Jahren betroffen, allerdings ist diese Altersgruppe auch bei Männern gefährdet. Vor allem bei häufig wechselnden Sexualpartnern beziehungsweise ungeschütztem Geschlechtsverkehr ist das Risiko für eine Infektion mit Chlamydien erhöht.

Am häufigsten sind junge Frauen im Alter von 20 bis 25 Jahren betroffen, allerdings ist diese Altersgruppe auch bei Männern gefährdet.

Welche unterschiedlichen Formen von Chlamydien gibt es?

Es gibt drei verschiedene Chlamydien-Arten, die Erkrankungen beim Menschen hervorrufen können. Die Chlamydia trachomatis, die bekannteste Art der Infektion, die Chlamydia psittaci, welche über Feinstaub und Tierkot übertragen wird und Infektionen der Lunge verursacht und die Chlamydia pneumoniae, die über Tröpfcheninfektion übertragen wird und die Atemwege befällt.

Wie lassen sich Chlamydien behandeln?

Eine Chlamydieninfektion wird standardmäßig mit verschiedenen Antibiotika behandelt. Die Behandlungsdauer richtet sich danach, welche Organe betroffen sind und welche Wirkstoffe verwendet werden. Ist bei Dir der Gebärmutterhals entzündet, musst Du die Medikamente etwa zehn Tage lang einnehmen. Ist zusätzlich der obere Genitaltrakt entzündet, beträgt die Behandlungsdauer etwa 20 Tage. Eine stationäre Behandlung ist nur in besonders schweren Fällen erforderlich. Du solltest darauf achten, während der Behandlung auf sexuelle Kontakte zu verzichten und den Partner beziehungsweise die Partner der letzten zwei Monate mitbehandeln zu lassen.

Wie stehen die Heilungschancen bei Chlamydien?

Wenn die Infektion früh erkannt und behandelt wird, stehen die Heilungschancen in der Regel sehr gut, das Risiko für Spätfolgen und Komplikationen ist sehr gering. Allerdings verläuft die Erkrankung oft asymptomatisch, sodass sie keinen Arzt aufsuchen und die Infektion chronisch wird. Bei einer chronischen Infektion können die Eileiter verkleben und vernarben, bei Männern kann sie sich auf Prostata und Nebenhöhlen ausweiten. In diesem Erkrankungsstadium gestaltet sich eine Behandlung schwieriger und langwieriger. Du solltest also auch bei leichten und unspezifischen Symptomen einen Arzt aufsuchen, sowie regelmäßige Tests auf Chlamydien durchführen lassen. Wurden bei Dir Chlamydien diagnostiziert, ist es essenziell, dass Du die verschriebenen Medikamente konsequent anwendest, da die Erkrankung ansonsten wieder aufflammen kann.

Was passiert, wenn Chlamydien unbehandelt bleiben?

Die häufigste Komplikation bei einer unbehandelten Chlamydieninfektion ist ungewollte Kinderlosigkeit beispielsweise durch verklebte oder vernarbte Eileiter der Frau. Lässt sich ein Partner behandeln, der andere jedoch nicht, stecken sie sich immer wieder gegenseitig an und die Infektion kann nicht ausheilen. Dieses Phänomen ist als Ping-Pong-Effekt bekannt.

Wie kann ich Chlamydien vorbeugen?

Um der Infektion mit Chlamydien vorzubeugen, solltest Du vor allem bei häufig wechselnden Sexualpartnern auf ungeschützten Geschlechtsverkehr verzichten und stattdessen Kondome verwenden. Im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge während der Schwangerschaft führen Ärzte ein Chlamydienscreening durch, um Folgeschäden oder Komplikationen zu reduzieren. Für Frauen zwischen 20 und 25 Jahren kommen die gesetzlichen Krankenkassen für ein jährliches Chlamydienscreening auf, da diese Gruppe besonders gefährdet ist. Regelmäßige Tests werden allerdings bis zum 34. Lebensjahr von den Fachverbänden empfohlen. Leider gibt es noch keine Impfung gegen Chlamydien.

Um der Infektion mit Chlamydien vorzubeugen, solltest Du vor allem bei häufig wechselnden Sexualpartnern auf ungeschützten Geschlechtsverkehr verzichten und stattdessen Kondome verwenden.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Für ein jährliches Chlamydienscreening im Alter von 20 bis 25 Jahren kommen die gesetzlichen Krankenkassen auf. Auch die Behandlung einer bestehenden Chlamydieninfektion wird in aller Regel von den Versicherungsträgern übernommen.


Dauer Dauer

Bis zu 20 Tage

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

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Das Wichtigste zusammengefasst

Chlamydien sind eine Gruppe von Bakterien, die beim Menschen viele unterschiedliche Erkrankungen hervorrufen können, am häufigsten ist jedoch von Chlamydia trachomatis die Rede, dem Erreger der Geschlechtskrankheit „Chlamydien“.


Eine der häufigsten sexuell übertragenen Infektionen, verläuft häufig asymptomatisch und wird daher oft erst spät erkannt, was die Behandlung verkompliziert und das Risiko für Komplikationen erhöht


Als Folge kann sowohl bei Männern als auch bei Frauen Unfruchtbarkeit resultieren


Für Frauen zwischen 20 und 25 Jahren wird einmal pro Jahr ein Screening auf Chlaymdien bezahlt, frage also bei Deinem Frauenarzt

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