Knochendichtemessung (Osteodensitometrie)

Die Knochendichtemessung oder auch Osteodensitometrie ist eine Möglichkeit, Osteoporose zu diagnostizieren oder auszuschließen. Außerdem kann Dein Arzt mithilfe der Knochendichtemessung den Erfolg einer Osteoporose-Behandlung beurteilen. Die Methode, die heutzutage am häufigsten verwendet wird, ist die sogenannte DXA-Messung, allerdings kommen in manchen Fällen auch andere Verfahren infrage. Wann und wie die Knochendichtemessung zum Einsatz kommt, erfährst Du im folgenden Beitrag!


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Zuletzt aktualisiert: 21. Juli, 2020



OPS-2020 3-900

Was versteht die Medizin unter einer Knochendichtemessung?

Die Osteodensitometrie ist ein Verfahren zur Messung der Knochendichte. Genau genommen untersucht der Arzt dabei den Mineralsalzgehalt des Knochens auf quantitative Art und Weise. Meist kommt das Verfahren zum Einsatz, wenn ein Verdacht auf Osteoporose, also Knochenschwund besteht.

Eine geringe Knochendichte erhöht die Wahrscheinlichkeit für Knochenbrüche.

Welche Bedeutung hat die Knochendichte für den Körper?

Die Knochendichte wird oft direkt mit der Stabilität der Knochen in Verbindung gebracht, allerdings ist sie nur eine Variable für die Stabilität der Knochen. Neben der Knochendichte ist auch die Struktur der Knochen von Bedeutung. Außerdem verändert sich die Knochendichte permanent, sie passt sich flexibel an die Anforderungen und Belastungen des Körpers an. Bei Osteoporose gibt es einen Zusammenhang zwischen einer geringen Knochendichte und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Knochenbrüche.

Wann ist eine Knochendichtemessung erforderlich?

Die Messung wird allen Frauen empfohlen, besonders jenen, die über 65 Jahre alt sind, sowie allen postmenopausalen Frauen, die Knochenbrüche hatten. Auch Frauen, die erwägen, sich einer Osteoporose-Therapie zu unterziehen, und deren Entscheidung vom Ergebnis einer Knochendichtemessung abhängt, sowie alle Frauen, die sich einer längeren Hormontherapie unterziehen, sollten eine Knochendichtemessung durchführen lassen.
 
Außerdem gibt es weitere Indikationen, wie die altersabhängige Abnahme der Körpergröße, Rückenschmerzen, bei denen die Ursache unklar ist, oder vorausgegangene Frakturen. Daneben sollten sich auch schlanke Raucher, transplantierte Patienten, Personen, die an einer Anorexia nervosa leiden oder litten, sowie Personen, die an Gelenkerkrankungen mit eingeschränkter Beweglichkeit leiden, untersuchen lassen.
 
Wurde bei Dir eine Langzeittherapie über mehr als sechs Monate mit knochenschädigenden Medikamenten wie Kortikosteroiden, Marcumar oder Antiepileptika durchgeführt oder liegt eine Hyperthyreose und ein Hyperparathyreoidismus vor, leidest Du an einer chronischen Niereninsuffizienz, chronischen Erkrankungen und Operationen im gastrointestinalen Bereich oder sind deine Eierstöcke vor der Menopause entfernt worden, solltest Du Deine Knochendichte kontrollieren lassen.

Was lässt sich mit einer Knochendichtemessung feststellen?

Mithilfe der Knochendichtemessung kann Dein Arzt die Diagnose der Osteoporose stellen, sowie den Krankheitsverlauf kontrollieren, wenn bereits eine Osteoporose vorliegt. Die Knochendichtemessung liefert dem Arzt wichtige Informationen über die Beschaffenheit Deiner Knochen.

Mit welchen Verfahren kann der Arzt die Knochendichte messen?

Dein Arzt hat verschiedene Verfahren zur Auswahl, mithilfe derer er Deine Knochendichte messen kann. Bei der DXA- oder DEXA-Messung, dem am häufigsten eingesetzten Verfahren, wird Deine Hüfte und Deine Lendenwirbelsäule mit Röntgenstrahlen in zwei unterschiedlichen Intensitäten beschossen. Je nach der Bestrahlungsstärke absorbiert das unterschiedlich dichte Gewebe die Strahlung verschieden stark. Der Arzt kann aus den gemessenen Absorptionsanteilen die Dichte des Knochens errechnen.
 
Eine andere Möglichkeit zur Messung der Knochendichte ist der quantitative Ultraschall. Dafür positioniert der Arzt einen Ultraschallsender und einen entsprechenden Empfänger an zwei gegenüberliegenden Seiten des Knochens. In den meisten Fällen wählt der Arzt das Fersenbein, die Speiche oder die Fingerknochen. Dein Arzt kann nun erkennen, wie stark die vom Schallkopf ausgesandten Ultraschallwellen vom Knochen abgeschwächt werden.
 
Die letzte Methode zur Messung der Knochendichte ist die quantitative Computertomographie. Der Ablauf ist dabei identisch zu anderen CT-Aufnahmen. Du liegst auf dem Rücken und fährst dann durch den Computertomographen, der Schichtaufnahmen der Wirbelkörper anfertigt. Ein Vorteil dieser Methode ist, dass damit die kleinen Knochenbälkchen gut erfasst werden können. Allerdings ist die Strahlenbelastung höher als bei den anderen Verfahren, weswegen sie nur selten zur Messung der Knochendichte eingesetzt wird.

Eine Knochendichtemessung dauert nur 10 bis 15 Minuten, in dieser Zeit solltest Du ruhig liegen bleibem.

Wie verläuft eine Knochendichtemessung?

Um eine Osteoporose zu diagnostizieren oder sie auszuschließen, führt der Arzt zunächst ein ausführliches Anamnesegespräch mit Dir. Zur Knochendichtemessung mittels einer DXA-Messung stellt der Arzt das Gerät auf Dein Alter, Dein Gewicht und Deine Größe ein. Du darfst Dich dann angezogen auf eine Liege legen, nachdem Du alle metallischen Gegenstände entfernt hast. Diese würden die Messung beeinträchtigen. Deine Beine platzierst Du erhöht auf einem Würfelkissen.
 
Dann kann die Knochendichtemessung beginnen. Während ein Bügel mittels Röntgenstrahlen Deine Lendenwirbelsäule vermisst, solltest Du ruhig liegen bleiben. Das Röntgenbild wird zeitgleich auf einen Bildschirm übertragen. Nach einiger Zeit weist Dich Dein Arzt an, Deine Position auf der Liege zu verändern, indem Du die Beine leicht spreizt, sodass das Gerät auch Deine Hüfte untersuchen kann. Die Untersuchung dauert insgesamt etwa 20 Minuten, dann kann Dein Arzt die Messergebnisse auswerten.

Welche Rolle spielen der T-Wert und der Z-Wert bei einer Knochendichtemessung?

Bei der Auswertung der DXA-Messung gibt es zwei Werte, die klinisch von Bedeutung sind: der Z-Wert und der T-Wert. Der Z-Wert vergleicht die Knochendichte der gemessenen Person mit einer Vergleichsgruppe, also mit dem Durchschnittswert von Personen im gleichen Alter und mit gleichem Geschlecht. Der T-Wert vergleicht die Werte der untersuchten Person mit denen eines normalen jungen Erwachsenen im Alter von 20 bis 30 Jahren, um einen Vergleich mit der maximalen Knochendichte zu ermöglichen.
 
Da die Knochenmineraldichte mit fortschreitendem Alter in allen Skelettarealen abnimmt, ist bei allen Patienten, die über 30 Jahre alt sind, der T-Wert niedriger als der Z-Wert, wobei die Unterschiede mit dem Alter zunehmen. Für die Diagnose einer Osteoporose zieht der Arzt vor allem den T-Wert zur Rate. Ein normaler Knochen befindet sich im Bereich von -1 Standardabweichung unter dem gemessenen T-Wert. Bei -1 bis -2,5 Standardabweichungen spricht der Arzt von einer Osteopenie, einer Vorstufe der Osteoporose.
 
Eine präklinische Osteoporose liegt vor, wenn Dein T-Wert bis zu -2,5 Standardabweichungen vom Optimalwert abweicht. Bei der Diagnose einer manifesten Osteoporose muss zusätzlich dazu mindestens ein osteoporotischer Knochenbruch vorliegen.

Wie hoch ist die Bestrahlung bei einer Knochendichtemessung?

Viele Patienten machen sich Sorgen, wenn sie Röntgenstrahlung ausgesetzt sind. Auch die Knochendichtemessung kommt nicht ohne sie aus. Allerdings liegt die Strahlenbelastung durch moderne DXA-Geräte bei etwa einem bis sechs Mikrosievert, was viel weniger ist, als die durchschnittliche jährliche Strahlenbelastung durch die Umwelt oder die Strahlung bei einem Flug über den Atlantik.

Was muss ich nach einer Knochendichtemessung beachten?

Die Knochendichtemessung ist kein Verfahren, nach welchem Du als Patient besondere Vorsichtsmaßnahmen beachten musst. Abhängig vom Ergebnis leitet Dein Arzt dann weitere Schritte ein. Falls Deine Knochendichte im Normalbereich liegt, reicht es, wenn Du abhängig von Deinen individuellen Risikofaktoren in ein bis zwei Jahren wieder zu einer Untersuchung kommst. Wenn Dein Arzt nach der Messung der Knochendichte allerdings eine Osteoporose diagnostiziert hat, folgen weitere Untersuchungen, wie zum Beispiel Blut- oder Urintests, mithilfe derer der Arzt die Ursache ermittelt und dann eine geeignete Therapie einleitet.

Wo wird eine Knochendichtemessung durchgeführt?

Die Messung der Knochendichte erfolgt normalerweise in einer Radiologiepraxis, bei einem Orthopäden oder im Krankenhaus.

Die Knochendichtemessung kommt vor allem beim Verdacht auf Osteoporose zum Einsatz.

Wie viel kostet eine Knochendichtemessung?

Eine Knochendichtemessung mittels einer DXA kostet in etwa 50 Euro.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für eine Knochendichtemessung?

Vor 2013 haben die Krankenkassen in Deutschland die Kosten für eine Messung der Knochendichte nur dann übernommen, wenn bereits mindestens ein osteoporotisch bedingter Knochenbruch vorlag. Nach einer Gesetzesänderung im Jahr 2013 können die Kosten nun auch von den Krankenkassen übernommen werden, wenn eine gezielte medikamentöse Behandlungsabsicht des Arztes besteht.
 
Das bedeutet, dass jetzt auch das Vorliegen von Osteoporose-Risikofaktoren ausreicht, damit die Krankenkasse die Kosten übernimmt. Auch wenn Dein Arzt vermutet, dass sich bei Dir eine Osteoporose aufgrund einer anderen Erkrankung entwickelt hat, übernehmen die Krankenkassen die Kosten.
 
In Österreich und der Schweiz benötigst Du für eine Messung der Knochendichte eine ärztliche Zuweisung, welche ab dem Tag der Ausstellung einen Monat lang gültig ist. Die Krankenversicherungsträger übernehmen die Kosten dafür, wenn die Untersuchung medizinisch sinnvoll ist, also zum Beispiel bei Frauen ab dem 65. Lebensjahr.
 


Dauer Dauer

10-15 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

-

Stationärer Aufenthalt Stationär

-

Das Wichtigste zusammengefasst

Die Knochendichtemessung wird vorrangig zur Abklärung einer Osteoporose sowie zur Verlaufskontrolle bei einer Osteoporose-Behandlung eingesetzt.


Das häufigste Verfahren ist heutzutage die DXA- oder DEXA-Messung. Eine andere Möglichkeit ist eine quantitative Ultraschalluntersuchung, in Ausnahmefällen kann der Arzt auch eine quantitative Computertomographie durchführen.


Obwohl es sich bei der DXA-Messung um eine Röntgenuntersuchung handelt, ist die Strahlenbelastung recht gering.


Leider musst Du die Kosten von etwa 50 Euro in vielen Fällen selbst tragen, wenn Du nicht zu einer Risikogruppe gehörst und Dein Arzt keine medikamentöse Behandlungsabsicht geltend machen kann.

Dr. Benjamin Gehl

Dr. Simone Hermanns

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