Frozen Shoulder (Schultersteife)

Eine Frozen Shoulder oder eine Schultersteife wird bei einer zunehmenden Bewegungseinschränkung des Schultergelenks diagnostiziert. Meistens ist nur eine der beiden Schultern betroffen. Neben der Bewegungseinschränkung sind starke Schmerzen ein weiteres Hauptsymptom der Erkrankung. Diese kann im Normalfall auch ohne ärztliche Behandlung ausheilen. Allerdings kann dies auch ein bis drei Jahre, bis Du wieder komplett beschwerdefrei bist. Auf den Besuch beim Arzt solltest Du trotzdem nicht verzichten, zehn bis 20 Prozent der Betroffenen behalten dauerhafte Einschränkungen zurück.


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Zuletzt aktualisiert: 5. Juni, 2020



Hinweis: Dieser Beitrag dient zur Information über die Frozen Shoulder. Es ist jedoch möglich, dass einzelne der hier aufgeführten Leistungen noch nicht von unseren Ärzten angeboten werden. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, Dir bald für weitere Behandlungsfelder einen Spezialisten bieten zu können. Bei Fragen zu unserem Leistungsspektrum kannst Du Dich gerne jederzeit bei uns melden!

Was versteht die Medizin unter der Frozen Shoulder?

Die Frozen Shoulder ist in der Medizin als adhäsive Kapsulitis bekannt und beschreibt eine Gruppe von Gelenkerkrankungen, bei denen Betroffene in Folge von chronisch entzündlichen Prozessen in der Gelenkkapsel starke Schmerzen im Schultergelenk beziehungsweise in der Schulter haben. Des Weiteren ist durch die schmerzhafte Entzündung die Beweglichkeit des Schultergelenks eingeschränkt, daher auch der Name der Erkrankung. Mediziner codieren die Schultersteife mit dem ICD-10 Code M75.0. Ärzte unterscheiden weiters zwischen der primären und der sekundären Schultersteife.

Schultersteife

Wer ist am häufigsten von einer Schultersteife betroffen?

Die Frozen Shoulder ist relativ verbreitet, etwa zwei bis fünf Prozent der Bevölkerung verspüren die charakteristischen Schulterschmerzen und Einschränkungen. Die Schultersteife ist besonders bei Personen zwischen 40 und 60 Jahren verbreitet, Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.

Wie diagnostiziert der Arzt die Frozen Shoulder?

Vermutest Du, an einer Schultersteife zu leiden, solltest Du im Optimalfall direkt einen Orthopäden aufsuchen. Im Anamnesegespräch nimmt der Arzt Deine Krankengeschichte auf, indem er Dich nach Deinen Symptomen und Beschwerden fragt und sich erkundig, ob Du noch an anderen Krankheiten leidest, Verletzungen oder Unfälle hattest. Im Anschluss daran erfolgt die körperliche Untersuchung. In diesem Rahmen kann der Arzt typische Schmerzen auslösen und Bewegungseinschränkungen feststellen.

Bei Bedarf führt er noch bildgebende Untersuchungen durch, um Schädigungen an den am Gelenk beteiligten Strukturen festzustellen oder sie auszuschließen. Bildgebende Untersuchungen werden auch oft in Vorbereitung für eine mögliche Operation durchgeführt. Besonders häufig verwenden Ärzte dazu die Computertomografie (CT), die Magnetresonanztomografie (MRT) oder auch die Ultraschalluntersuchung (Sonografie).

Wie sehen die Symptome der Schultersteife aus?

Typisch für eine Frozen Shoulder sind Schulterschmerzen und eine dadurch entstehende Bewegungseinschränkung im betroffenen Bereich. Zusätzlich ist die Schulter häufig geschwollen und erwärmt. In zwei Drittel der Fälle ist nur eine Schulter betroffen, bei einem Drittel der Patienten allerdings beide Schultern. Die primäre Frozen Shoulder ist allerdings eine Erkrankung, die sich in Phasen entwickelt, sie tritt also nicht von heute auf morgen auf. Im Gegenteil, die Entwicklung dauert mehrere Monate oder sogar Jahre, in denen drei Stadien zu verzeichnen sind.

Stadium I, auch „Freezing Phase“ oder Einfrierphase genannt, dauert etwa drei bis neun Monate an. Du hast zunehmend starke Schmerzen und auch erste Bewegungseinschränkungen. Die Beschwerden können aber auch zum Teil plötzlich eintreten. Die Schmerzen entwickeln sich allmählich zu Dauerschmerzen, die auch in Ruhe und vor allem in der Nacht auftreten. In Stadium II oder der Plateauphase, die bis zu 15 Monate andauern kann, haben Betroffene vor allem mit der Bewegungseinschränkung zu kämpfen, die in diesem Stadium die Symptomatik dominiert. Die Schultersteife hat ihren Höhepunkt erreicht, die Schmerzen flauen aber allmählich ab.

Frozen Shoulder

Stadium III, auch Thawing Phase oder Auftauphase genannt, ist kennzeichnend für eine sich bessernde Bewegungseinschränkung. Auch die Schmerzen sind nicht mehr oder nur noch kaum vorhanden. Stadium III kann bis zu neun Monate anhalten. Wichtig ist, dass die Zeitangaben zur Dauer der einzelnen Phasen nur allgemeine Angaben darstellen. In Einzelfällen können die Phasen stark von diesen Zeiträumen abweichen.

Welche Ursachen kann die Frozen Shoulder haben?

Warum eine primäre Schultersteife auftritt, ist zum jetzigen Zeitpunkt unbekannt. Experten vermuten hormonelle Veränderungen sowie Blutzucker- und Stoffwechselstörungen als auslösende Faktoren. Mögliche Ursachen für eine sekundäre Frozen Shoulder sind Verletzungen oder Erkrankungen im Schulterbereich. Dazu zählen eine Rotatorenmanschettenruptur oder das Impingement-Syndrom. Als weiterer Auslöser kommen Operationen im Schulterbereich in Frage. Auch neurologische Ursachen wie eine Erkrankung der peripheren Nerven, Morbus Parkinson oder eine Reizung beziehungsweise Schädigung von Nervenwurzeln können die Frozen Shoulder auslösen. Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, Morbus Addison oder Schilddrüsenerkrankungen erhöhen ebenfalls das Risiko für eine Schultersteife. Auch bei Patienten, die Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Barbiturate oder Psychopharmaka einnehmen, entwickelt sich gelegentlich eine Frozen Shoulder.

Welche nicht-operativen Behandlungen gibt es?

Zu Behandlungsbeginn versuchen Ärzte zunächst Deine Schmerzen zu lindern. Mittel der Wahl sind dabei einerseits Schmerzmittel mit entzündungshemmender Wirkung wie zum Beispiel NSAR sowie Glukokortikoide wie beispielsweise Kortison. Auch Kälteanwendungen wie Coolpacks können helfen, die Beschwerden zu lindern.

Um das Schultergelenk aufzudehnen und die Schmerzen zu lindern, kann Dein Arzt Dir eine Lösung aus Wasser, Kochsalz und Kortison injizieren. Allerdings bringen die Injektionen keine lang anhaltende Besserung. Begleitend hat es sich als hilfreich erwiesen, von Beginn an eine Physiotherapie durchzuführen, da diese die Heilung unterstützt. Der Therapeut führt mit Dir gemeinsam Dehnungsübungen und ein Kräftigungstraining durch. Sei Dir bewusst, dass die konservative Therapie der Frozen Shoulder sehr langwierig ist und auch die Schmerzen und die Bewegungseinschränkung nur langsam vergehen können. Ergänzend können Ärzte und Therapeuten unter anderem Laser-, Magnetfeld- oder Kurzwellentherapien einsetzen, die Wirksamkeit dieser Methoden ist allerdings nicht gut untersucht oder belegt.

Frozen Shoulder

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Ärzte raten zu einer Operation, wenn konservative Therapien nach etwa sechs bis zwölf Monaten nicht zu einer deutlichen Besserung der Symptome geführt haben.

Was muss ich vor einer Operation beachten?

Wie vor jeder Operation solltest Du auf Alkohol und Nikotin verzichten und blutgerinnende Medikamente wie zum Beispiel Plavix, ASS, Thrombo ASS, Marcoumar oder Aspirin in Absprache mit Deinem Arzt aussetzen. Wenn Du unter sehr starken Schmerzen leidest, kannst Du die Einnahme von Schmerzmitteln mit Deinem Arzt absprechen.

Wie verläuft die Operation der Schultersteife?

Chirurgen operieren die Schultersteife im Rahmen einer arthroskopischen Spaltung der Gelenkkapsel. Er löst oder lockert dann das vernarbte und geschrumpfte Kapselgewebe mittels Laser oder Elektroinstrumenten. Noch in Narkose erfolgt eine Mobilisierung des Schultergelenks, um eventuelle Restvernarbungen zu lösen.

Welche Risiken und Komplikationen kann der Eingriff bergen?

Die Risiken für Komplikationen bei einer Operation der Schultersteife sind sehr gering. Prinzipiell möglich sind Infektionen, Wundheilungsstörungen, eine erneute Verschlechterung der Beweglichkeit, Verletzung von Gefäßen und Nerven sowie das Andauern von Restbeschwerden oder eine verbleibende Reststeife.

Was muss ich nach dem Eingriff beachten?

Nach dem chirurgischen Eingriff verschreibt Dir Dein Arzt Krankengymnastik, um erneuten Verwachsungen und Verklebungen vorzubeugen. Dabei führt der Therapeut aktive und passive Übungen mit Dir durch und mobilisiert das Schultergelenk auf dem sogenannten Schulterstuhl. Damit Du keine Schmerzen hast, wenden Ärzte moderne Verfahren wie lokale Schmerzkatether an. Im Anschluss an die stationäre Behandlung solltest Du Dich um eine Fortführung der Gelenkmobilisierung beim Physiotherapeuten bemühen und auch alleine Stretchingübungen durchführen.

Schultersteife

Kann ich eine Schultersteife vorbeugen?

Leider kannst Du einer Schultersteife im Allgemeinen nicht aktiv vorbeugen. Allerdings kannst Du schon beim Auftreten der ersten Symptome einen Arzt aufsuchen, um eine Verschlimmerung der Erkrankung und eine späte Operation zu verhindern.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlungen?

Normalerweise übernehmen die gesetzlichen und privaten Krankenkassen die Kosten für die Diagnose und Behandlung einer Frozen Shoulder. Bekommst Du die Physiotherapie ärztlich verordnet, wird auch diese von den Versicherungsträgern übernommen, in bestimmten Fällen oder ab einer bestimmten Zahl an Behandlungsterminen, muss der Chefarzt die Behandlung bewilligen. Entscheidest Du Dich für eine Behandlung bei einem Wahltherapeuten, übernehmen die Kassen allerdings bestenfalls 80 Prozent der Kosten.

Quellen

Klinikum der Universität München

Jung, J., Kelm, J., Nührenbörger, C., Sei, R.: Schultersteife im Sport. Standards der Sportmedizin. Standards der Sportmedizin Schultersteife. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin. Jahrgang 56, Nr. 9 (2005). (letzter Zugriff: 06.11.2019)

Universitätsklinikum Giessen und Marburg (letzter Zugriff: 06.11.2019)

Universität Witten/ Herdecke und Kliniken Köln (letzter Zugriff: 06.11.2019)


Dauer Dauer

20-120 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

4-6 Wochen

Stationärer Aufenthalt Stationär

2-3 Tage

Das Wichtigste zusammengefasst

Eine Frozen Shoulder oder eine Schultersteife wird bei einer zunehmenden Bewegungseinschränkung des Schultergelenks diagnostiziert


Konservative Behandlungmöglichkeiten umfassen den Einsatz von Schmerzmitteln, Kälteanwendungen, Injektionen und Physiotherapie


Chirurgen operieren mittels einer arthroskopischen Spaltung der Gelenkkapsel, wenn konservative Verfahren nicht zu einer Besserung führen


Nach dem Eingriff ist eine konsequente Krankengymnastik der beste Prädiktor für eine erfolgreiche Heilung

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