Latexallergie

Bei einer Latexallergie reagiert das Immunsystem allergisch auf Naturlatex oder synthetisch hergestellte Latexprodukte. Vor allem medizinisches Personal leidet daher häufig unter einer Latexallergie. Typische Symptome sind eine gerötete, juckende und brennende Haut an den Kontaktstellen bei Betroffenen. In schwereren Fällen kann es zu Kreislaufschwierigkeiten oder sogar zu einem allergischen Schock kommen. Um Spätfolgen zu verhindern, sollten Menschen mit einer Latexallergie den Kontakt zu Latexprodukten unbedingt vermeiden. Bisher gibt es allerdings keine Behandlungsmethode, lediglich die Symptome können durch Medikamente gelindert werden.


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Online-Redaktion

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Zuletzt aktualisiert: 17. Juni, 2020



Was versteht die Medizin unter einer Latexallergie?

Die Medizin versteht unter einer Latexallergie eine allergische Reaktion des Körpers gegen Naturlatex oder synthetische Latexprodukte. Dabei unterscheiden Ärzte zwischen zwei Arten von Allergien:

Der „Soforttyp“ oder Typ1-Latexallergie

Der Körper reagiert prompt und produziert Antikörper gegen bestimmte Eiweißstoffe im Naturlatex. Typischerweise treten an den Kontaktstellen sofort stark juckende Quaddeln auf, welche sich auf den ganzen Körper ausdehnen können. Die Haut ist dabei gerötet. In weiterer Folge kann es zu einem Reizhusten mit Atemnot sowie einem Asthma-Anfall kommen. Im Falle einer schweren Überreaktion des Körpers können Betroffene auch Kreislaufprobleme bekommen bis hin zur Ohnmacht und Atemnot. Ärzte sprechen dann von einem „anaphylaktischen Schock“, welcher lebensgefährlich sein kann.

Die Medizin versteht unter einer Latexallergie eine allergische Reaktion des Körpers gegen Naturlatex oder synthetische Latexprodukte

Der „Spättyp“ oder Typ4-Latexallergie

Hierbei reagiert der Körper gegenüber Zusatzstoffen im Latex – wie beispielsweise Farbstoffen oder Antioxidantien – erst etwa zwölf Stunden nach Kontakt allergisch. Dabei erkennen die sogenannten T-Lymphozyten des Immunsystems diese Zusatzstoffe als gefährlich an und wehren sie ab. Es kommt zu den typischen Symptomen einer Allergie wie einer Rötung der Haut oder einer Blasenbildung mit Juckreiz. Mediziner sprechen von einem Kontaktekzem, welches bei anhaltendem Kontakt mit den Zusatzstoffen chronisch werden kann. Die Hautstellen sind schuppig, rissig und werden dicker, die Infektionsgefahr steigt.

Wie sehen die Symptome einer Latexallergie aus?

Die Symptome einer Latexallergie hängen vom Typ der Allergie ab. Kann es beim Typ1-Latexallergie zu einer Quaddelbildung mit geröteter Haut, eventueller Atemnot und lebensgefährlichen Kreislaufproblemen kommen, zeigt sich der Typ2-Latexallergie durch schuppige, juckende und rissige Haut, die sehr anfällig für Infektionen ist. Doch beide Typen bergen bei anhaltendem Kontakt mit Latex die Gefahr eines chronischen Verlaufs, bei dem die Symptomatik auf dem gesamten Körper zu finden ist. Ähnlich wie bei anderen Allergien können zudem die Augenlider anschwellen oder Störungen des Verdauungstraktes oder der Atemwege auftreten. In schwereren Fällen kann die Latexallergie zu einem Asthma-Anfall oder zu einem anaphylaktischen Schock führen.

Wie ist der Verlauf einer Latexallergie?

Eine Latexallergie besteht wie die meisten anderen Allergien ein Leben lang und lässt sich auch nicht endgültig behandeln. Um typische Symptome zu umgehen, solltest Du den Kontakt zu Latex komplett vermeiden. Bei akuten allergischen Reaktionen ist es wichtig, dass Du sofort einen Arzt aufsuchst, da der Verlauf durch eine entsprechende Behandlung, beispielsweise mit Medikamenten, positiv beeinflusst werden kann. Falls der Kontakt zu Latex bestehen bleibt und keine Gegenmaßnahmen unternommen werden, kann dies schwere allergische Reaktionen auslösen.

Was sind die Ursachen einer Latexallergie?

Wie und warum eine Latexallergie entsteht, ist noch nicht eindeutig geklärt. Die Medizin geht davon aus, dass viele Faktoren zusammenspielen. So fanden Wissenschaftler heraus, dass Personen, die schon früh Kontakt zu Latex hatten, später eher eine Latexallergie aufweisen. Latex findet sich in einer Reihe von alltäglichen Gebrauchsgegenständen, wie Handschuhen, Schnullern, Ballons, Kondomen oder Wärmeflaschen. Der Naturlatex selbst ist eine allergene Substanz, die Proteine enthält, gegen welche der Körper allergisch reagiert. Dabei kommt es häufig zu Kreuzallergien wie in etwa auf Avocados, da diese chemisch ähnliche Eiweiße enthalten.

Latex findet sich in einer Reihe von alltäglichen Gebrauchsgegenständen, wie Handschuhen, Schnullern, Ballons, Kondomen oder Wärmeflaschen

Der industriell hergestellte Latex beinhaltet wiederum allergieauslösende Zusatzstoffe wie Antioxidantien oder Farbstoffe. Hast Du häufig Kontakt zu Latex, entwickelt Dein Körper eine Immunabwehr gegen das Material, was sich „Sensibilisierung“ nennt. Wenn Du dann erneut mit Latex in Berührung kommst, reagiert das Immunsystem übermäßig und es kommt zu den typischen körperlichen Reaktionen. Im späteren Verlauf kann sich die Allergie auch als Kontaktallergie manifestieren.

Wie lässt sich die Latexallergie diagnostizieren?

Zuerst wird Dich der Hautarzt nach Deinen Beschwerden fragen und nach den Umständen, unter welchen diese auftreten. Falls Dir schon Allergien bekannt sind, etwa aus früheren Allergietests, solltest Du diese bekannt geben, da sie für eine schnelle Diagnose Deinem Arzt behilflich sein können. Anschließend kann Dir der Mediziner Blut abnehmen und dieses im Labor nach IgE-Antikörper gegen Naturlatex untersuchen. Dieser Test wird auch RAST-Test genannt.

Aussagekräftiger als der RAST-Test ist aber der Prick-Test, bei welchem die Haut an einigen Stellen leicht angeritzt wird und die Abwehrzellen der Haut mit Latexallergenen in Kontakt gebracht werden. Der Arzt testet dabei, ob allergische Reaktionen auftauchen. Um eine eindeutige Diagnose stellen zu können, gibt es auch die Möglichkeit einen Provokations-Test durchzuführen. Dabei musst Du für 20 Minuten einen Latexhandschuh anziehen. Der Arzt beobachtet, ob es zu Hautveränderungen oder Kreislaufproblemen kommt. Damit Dir nichts passiert, wirst Du in der Regel während der Untersuchung ständig überwacht.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

In Österreich leiden in etwa 170.000 Menschen an einer Latexallergie. Die meisten davon sind in einem Pflegeberuf tätig. Ungefähr zwei bis 17 Prozent aller Personen, die im medizinischen Bereich arbeiten, haben eine Latexallergie. In besonders schweren Fällen ist sogar ein Berufswechsel notwendig. Auch Menschen, die durch medizinische Eingriffe häufig mit Latex in Kontakt gekommen sind oder bereits an einer anderen Allergie beziehungsweise Erkrankung wie Asthma oder Neurodermitis leiden, haben ein erhöhtes Risiko, eine solche Allergie zu entwickeln.

Der Mediziner kann Dir Blut abnehmen und dieses im Labor nach IgE-Antikörper gegen Naturlatex untersuchen

Welche Folgen hat eine Latexallergie für den Betroffenen?

Betroffene sollten Latex vermeiden und alternative alltägliche Gebrauchsgegenstände verwenden. In medizinischen Fällen dürfen sie mit keinen Objekten aus Latex in Berührung gebracht werden. Deshalb ist es notwendig, dass Allergiker einen Allergiepass mit allen wichtigen Informationen bei sich tragen, sodass das medizinische Personal in Notfällen Bescheid weiß. Operationssäle müssen dementsprechend angepasst werden. Dazu gehören eine gründliche Reinigung und der Austausch von latexhaltigen Gegenständen mit latexfreien Produkten. Zudem sollten Betroffene ein Notfallset mit Notfallmedikamenten mitführen, um das Schlimmste zu verhindern. Gehörst Du zu den sehr gefährdeten Personen, solltest Du stets Adrenalin im Notfallset dabei haben, um im Falle eines allergischen Schocks sofort darauf zurückgreifen zu können.

Wie lässt sich eine Latexallergie behandeln?

Die einzige Behandlung, die es bisher gibt, ist den Kontakt mit Latex zu vermeiden. Auch eine Hyposensibilisierung, die oft bei anderen Allergien angewendet wird, zeigte bei einer Latexallergie bisher keine Wirkung. Die Symptome können durch antiallergische Medikamente oder Kortisonpräparate gelindert werden. Falls zusätzlich allergisches Asthma bronchiale auftritt, kann Dir der Arzt Inhalationen mit Substanzen wie Salbutamol verschreiben. Im Falle eines anaphylaktischen Schocks musst Du sofort in die Notaufnahme gebracht werden, um eine Injektion von Adrenalin zu bekommen.

Worauf sollte ich bei einer Latexallergie unbedingt achten?

 

  • Vermeide alle Latexprodukte und ersetze sie durch latexfreie Materialien
  • Achte bei einer Kreuzallergie darauf, dass Du benannte Nahrungsmittel und Pflanzen meidest
  • Trage immer einen Allergiepass und ein Notfallset mit Dir
  • Informiere das medizinische Personal bei Eingriffen oder bei einem Krankenhausaufenthalt über Deine Allergie

Welche Kreuzallergien können bei einer Latexallergie auftauchen?

Es gibt eine Reihe von Früchten und Gemüse sowie Pflanzen, die Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen und somit auf eine Latex-Allergie hinweisen können:

Nahrungsmittel

Acerola-Kirsche, Ananas, Avocado, Banane, Esskastanie, Kartoffel, Kiwi, Mango, Maracuja, Papaya, Pfirsich, Sellerie

Pflanzen

Ficus benjamina (Birkenfeige), Gummibaum, Kaktus, Oleander, Weihnachtsstern

Es gibt eine Reihe von Früchten und Gemüse sowie Pflanzen, die Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen und somit auf eine Latex-Allergie hinweisen können

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Für etwaige Allergietests und medizinischen Untersuchungen bei einem Hautarzt übernehmen die Krankenversicherungsanstalten die Kosten. Sollte ein Krankenhausaufenthalt notwendig sein, können für Dich Kosten anfallen. Informationen dazu findest Du auf den jeweiligen Websites der Krankenhäuser. Du kannst die Kosten in der Regel auch telefonisch erfragen.


Dauer Dauer

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Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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Das Wichtigste zusammengefasst

Eine Latexallergie ist eine Überreaktion des Immunsystems auf Naturlatex oder synthetisch hergestellte Latexprodukte


Das Immunsystem entwickelt Antikörper gegen das Material, wobei die Medizin zwischen einem „Sofort-Typ“ und einen „Spät-Typ“ unterscheidet


Eine Latexallergie bleibt ein Leben lang und kann bisher nicht behandelt werden. Lediglich die Symptome lassen sich durch Medikamente lindern. Vor allem medizinisches Personal ist häufig von einer Latexallergie betroffen


Typische Symptome sind eine gerötete, juckende und brennende Haut, Störungen im Verdauungstrakt oder der Atemwege. Im schlimmsten Fall kann es zu Kreislaufproblemen oder einem allergischen Schock kommen

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