Latexallergie

Bei einer Latexallergie reagiert das Immunsystem allergisch auf Naturlatex. Vor allem medizinisches Personal leidet daher häufig unter einer Latexallergie. Typische Symptome sind eine gerötete, juckende und brennende Haut an den Kontaktstellen bei Betroffenen. In schwereren Fällen kann es zu Kreislaufschwierigkeiten oder sogar zu einem allergischen Schock kommen. Um Spätfolgen zu verhindern, sollten Menschen mit einer Latexallergie den Kontakt zu Latex-Produkten unbedingt vermeiden. Bisher gibt es allerdings keine Behandlungsmethode, lediglich die Symptome können durch Medikamente gelindert werden.


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Medizinische Expertin

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Online-Redaktion

Dieser Text wurde nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Medizinern geprüft.


Zuletzt aktualisiert: 16. September, 2021

INHALTSVERZEICHNISInhaltsverzeichnis

Der Mediziner versteht unter einer Latexallergie eine überschießende Reaktion des Immunsystems auf den Kontakt mit Latex-Produkten. Besonders häufig tritt diese bei Personen auf, die im Gesundheitswesen arbeiten.

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Zu den häufigsten Symptomen einer Latexallergie gehören der allergische Schnupfen, tränende Augen, Husten, Quaddeln oder Ekzeme der Haut. Im Extremfall kann ein anaphylaktischer Schock auftreten.

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Die Latexallergie entsteht aufgrund einer Reaktion des Immunsystems auf den eigentlich nicht schädlichen Naturlatex. Dabei unterscheidet der Mediziner die Soforttyp- oder Spättyp-Allergie.

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Durch ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch kann der Arzt bereits die Vermutung auf eine Latexallergie stellen. Durch eine Blutuntersuchung und einen Hauttest kann er seine Diagnose bestätigen.

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Bis dato gibt es keine Behandlung der Latexallergie. Durch gewisse Medikamente können Patienten jedoch ihre Symptome lindern. Außerdem ist das Vermeiden von latexhaltigen Produkten die beste Vorbeugung der allergischen Symptome.

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Allergiker sollten Latex-Produkte tunlichst vermeiden und auf latexfreie Alternativen zurückgreifen. Zudem ist es notwendig, vor medizinischen Behandlungen das Personal über die vorhandene Allergie zu informieren.

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Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für diagnostische und therapeutische Maßnahmen bei einer Latexallergie.

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Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

Menschen mit einer Latexallergie reagieren mit verschiedenen Symptomen auf den Kontakt mit latexhaltigen Produkten. Es handelt sich hierbei um eine überschießende Reaktion des Immunsystem.


Es gibt die Soforttyp- und die Spättyp-Allergie, die sich sowohl in ihren Symptomen als auch in ihrer Entstehung unterscheiden.


Allergiker berichten von allergischem Schnupfen, Husten, tränenden Augen oder Quaddeln. Bei der Spättyp-Allergie tritt nach meist mehr als zwölf Stunden ein Ekzem auf.


Es gibt keine Heilung der Latexallergie, jedoch können gewisse Medikamente die Symptome lindern. Die wichtigste Maßnahme in der Behandlung einer Latexallergie ist allerdings das Vermeiden von latexhaltigen Produkten.

Was versteht die Medizin unter einer Latexallergie?

Unter einer Latexallergie versteht der Mediziner eine überschießende Reaktion des menschlichen Immunsystems auf Naturlatex. Dies kann den Alltag beeinflussen, da Latex in vielen verschiedenen Formen zum Einsatz kommt. Denn als Latex wird der milchige Saft des Kautschukbaumes bezeichnet, der durch verschiedene Verarbeitungsschritte zu Gummi wird. Dieser ist in den unterschiedlichsten Alltagsgegenständen vorzufinden; von der Türdichtung zu den Gummi-Handschuhen bis hin zu Schwimmbrillen und Kondomen. Eine Allergie gegen Latex kann deshalb besonders tückisch sein, da man damit in vielen Bereichen seines Alltags in Berührung kommt.
 
Besonders häufig von einer Latexallergie betroffen sind Personen, die regelmäßigen Kontakt mit dem Stoff haben, weshalb eine Latexallergie auch zu den sogenannten Kontaktallergien gezählt wird. Zu dieser Risikogruppe zählen unter anderem medizinisches Personal, Reinigungskräfte oder Arbeitende in der Lebensmittelindustrie. Aufgrund des täglichen Gebrauchs von Einmalhandschuhen fällt besonders bei Ärzten und Pflegepersonal der hohe Prozentsatz von Betroffenen mit etwa zehn Prozent auf. Im Vergleich dazu haben nur rund ein bis zwei Prozent der Durchschnittsbevölkerung eine Latexallergie.

Latexallergie - Was versteht die Medizin unter einer Latexallergie?

Welche Formen der Latexallergie gibt es?

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Formen der Latexallergie. Diese unterscheiden sich unter anderem in ihrem Entstehungsmechanismus.

Bei der Soforttyp-Allergie (Typ I) reagiert das Immunsystem auf Eiweiße, die im Normalfall dem Körper nicht schaden würden. Aufgrund verschiedener Faktoren kann jedoch das Immunsystem eines der in Latex erhaltenen Eiweiße als schädlich einstufen und sogenannte IgE-Antikörper zur Abwehr des Allergens bilden. Bei dieser Allergieform benötigen Betroffene einen Erstkontakt, der das Immunsystem auf Latex sensibilisiert. Kommt es zu einem weiteren Kontakt mit dem Allergen, berichten Betroffene von rasch auftretenden, verschiedenen allergischen Symptomen, wie beispielsweise Schnupfen, tränenden Augen oder Quaddeln auf der Haut.

Die Spättyp-Allergie (Typ IV) zeigt sich erst mehrere Stunden nach dem Kontakt mit dem Allergen. Hierbei reagiert der Körper jedoch nicht auf Eiweiße, die im milchigen Saft des Kautschukbaumes zu finden sind, sondern auf Zusatzstoffe, die während der Gummi-Produktion zum Einsatz kommen. Häufig ist bei der Spättyp-Allergie ein Ekzem in dem Bereich, der mit Latex in Berührung kam, zu erkennen.

Was sind die Symptome einer Latexallergie?

Latexallergie - Was sind die Symptome einer Latexallergie?

Die Symptome einer Latexallergie unterscheiden sich zwischen den verschiedenen Allergieformen und mehreren individuellen Faktoren.

Bei der Soforttyp-Allergie reagiert der Körper innerhalb von einer Stunde auf den Latex-Kontakt. Dabei können sich bei Hautkontakt juckende Quaddeln bilden. Häufiger jedoch zeigen sich die Soforttyp-Allergien durch Symptome im Bereich der Atemwege. Bei gepuderten Handschuhen ist es beispielsweise möglich, dass beim An- und Ausziehen Latex-Partikel mit dem Puder in die Atemluft gelangen. Atmet schließlich ein Allergiker diese Partikel ein, können allergischer Schnupfen, tränende Augen, Atemnot oder Husten folgen. Im schlimmsten Falle reagiert das gesamte System auf den Latex-Kontakt und die Betroffenen erleben einen anaphylaktischen Schock, der mitunter fatale Folgen haben kann.
 
Bei der Spättyp-Allergie treten die Beschwerden erst rund zwölf Stunden nach Latex-Kontakt auf. Die Betroffenen bemerken dann einen Hautausschlag an der Körperstelle, die mit dem Latex in Berührung kam. Seltener kann auch ein Ekzem der gesamten Haut auftreten. Typischerweise ist eine Hautrötung und Bläschen- oder Knötchenbildung zu erkennen. Bei häufiger Anwendung der Latex-Produkte trotz Allergie kann das Ekzem chronisch werden und dauerhafte Hautschäden verursachen.
 
Im Normalfall treten die beschriebenen Symptome nur nach Kontakt mit dem Allergen auf, weshalb die beste Vorbeugung das Vermeiden von Latex-Produkten ist. Verwenden Betroffene diese jedoch weiterhin, kann es sowohl bei Soforttyp- als auch bei Spättyp-Allergien zur Chronifizierung und dauerhaften Beschwerden kommen. So kann beispielsweise die Entwicklung von Asthma bronchiale oder einem chronischen Ekzem folgen.

Latexallergie - Welche Ursachen hat eine Latexallergie?

Welche Ursachen hat eine Latexallergie?

Eine Latexallergie ist immer ein Ausdruck einer überschießenden Reaktion des Immunsystems. Während bei der Soforttyp-Allergie die Antikörper des Typs IgE für die rasche Immunantwort sorgen, reagieren bei der Spättyp-Allergie T-Zellen auf die enthaltenen Zusatzstoffe.
 
Besonders bei einer Latexallergie sind auch Kreuzallergien zu berücksichtigen. Das bedeutet, dass bei Menschen, die auf Eiweiße des Naturlatex allergisch reagieren, ähnliche Proteine ebenso allergische Reaktionen hervorrufen können. Bei Latex betreffen die Kreuzallergien häufig tropische Früchte, wie beispielsweise Kiwis, Bananen, Maracujas oder Mangos. Doch auch auf gewisse Nüsse oder Gemüsearten können Betroffene negativ reagieren. Diese Kreuzallergien treten bei rund 30 bis 40 Prozent der Latexallergiker auf und werden unter der Bezeichnung Latex-Frucht-Syndrom zusammengefasst. Im Umkehrschluss können jedoch auch Latexallergien als Kreuzallergie von zugrunde liegenden Fruchtallergien resultieren. Aus diesem Grunde ist eine ärztliche Abklärung zu empfehlen.

Welche Risikofaktoren begünstigen eine Latexallergie?

Latexallergie - Welche Risikofaktoren begünstigen eine Latexallergie?

Gewisse Menschen haben ein höheres Risiko, eine Latexallergie zu entwickeln als andere. Allen voran sind hierbei Personen, die sehr häufig Kontakt mit Latex-Produkten haben. Besonders im Gesundheitswesen häufen sich die Betroffenen aufgrund der Anwendung von Latex-Handschuhen. Doch auch Personen, die von Neurodermitis betroffen sind, neigen eher zu einer Allergieentwicklung.

Latex ist sowohl im Alltag als auch im medizinischen Bereich in verschiedensten Produkten vorzufinden. Im Gesundheitssektor ist allen voran der Einmalhandschuh zu erwähnen, doch auch Pflaster, Verbände, Kompressionsstrümpfe, Katheter oder Manschetten von Blutdruckmessgeräten enthalten häufig Latex.
 
Alltagsgegenstände, die Latex aufweisen, sind unter anderem Luftballons, Dichtungen, Schnuller, Windeln oder Kondome. Aufgrund besonderer Verarbeitungsprozesse gelangt der enthaltene Latex jedoch im Normalfall nicht ausreichend in den Körper, um für eine Sensibilisierung im Sinne einer Soforttyp-Allergie zu sorgen, kann allerdings bei Allergikern zu Symptomen führen.

Wie wird eine Latexallergie diagnostiziert?

Wichtig in der Diagnostik einer Latexallergie ist ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch. Berichtet der Patient, dass er beispielsweise Missempfindungen beim Tragen von Latex-Handschuhen bemerkt oder tropische Früchte nicht verträgt, sollte der Arzt eine Latexallergie in Betracht ziehen. Aufgrund des verstärkten Aufkommens im Gesundheitswesen sollte auch eine Berufsanamnese durchgeführt werden.

 

Zusätzlich können durch eine Blutuntersuchung IgE-Antikörper gegen Latex festgestellt werden. Dieser Test ist jedoch nicht in allen Fällen aussagekräftig, da Menschen sowohl symptomlos Antikörper als auch keine Antikörper trotz Latexallergie aufweisen können. Ebenso kann der sogenannte Pricktest in der Diagnostik einer Latexallergie zum Einsatz kommen. Dabei ritzt ein Arzt die Haut des Patienten an und träufelt eine Lösung, die die Latexallergene enthält, auf ebendiese Stelle. Bei einer Allergie bildet sich nach einigen Minuten eine Quaddel. Auch ein Provokationstest kann als diagnostisches Mittel Anwendung finden. Dabei trägt der Patient einen Latex-Handschuh für 20 Minuten und beobachtet, ob Hautveränderungen oder andere Symptome auftreten.

Latexallergie - Wie wird eine Latexallergie diagnostiziert?

Wie lässt sich eine Latexallergie behandeln?

Im Gegensatz zu gewissen anderen Allergien gibt es für die Latexallergie keine Hyposensibilisierungstherapie. Das bedeutet, dass diese Allergie nicht direkt behandelbar ist.
 
Die Symptome, wie beispielsweise Ekzeme oder allergischer Schnupfen, können mithilfe von Antihistaminika oder Cortison gemildert werden. Dennoch ist die beste Behandlung der Latexallergie das Vermeiden von latexhaltigen Produkten. Heutzutage sind die meisten Handschuhe, die im Krankenhaus zum Einsatz kommen, entweder aus synthetischen Latex-Alternativen oder besonders verarbeitet und nicht-gepudert, damit seltener eine Sensibilisierung stattfindet.

Latexallergie - Wie lässt sich eine Latexallergie behandeln?

Was kann ich selbst bei einer Latexallergie tun?

Die wichtigste Maßnahme, die Menschen mit einer Latexallergie treffen können, ist das Vermeiden von Produkten, die Latex beinhalten. Dadurch minimieren die Betroffenen das Auftreten von Symptomen und das Risiko einer Chronifizierung. Für fast alle Produkte gibt es heutzutage latexfreie Alternativen, die auf synthetischen Kautschuk basieren.
 
Besonders wichtig ist außerdem, dass die Allergiker bei jeglichen medizinischen Behandlungen Bescheid geben, dass sie unter einer Latexallergie leiden. Dadurch können Ärzte und Pflegepersonal auf latexfreie Alternativen zurückgreifen und schwere Reaktionen, beispielsweise wenn Latex bei Operationen direkt ins Blut gelangen würde, vermeiden.
 
Wir empfehlen Dir außerdem einen Allergiepass, der eine Auflistung der jeweiligen Allergien darstellt und in medizinischen Notfällen äußerst relevant ist.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung einer Latexallergie?

Latexallergie - Kosten

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten von medizinisch notwendigen Diagnosewegen und Therapien. Dementsprechend kommt sie für diagnostische Maßnahmen und etwaige Therapien bei einer Latexallergie auf.


Über die Autorin: Dr. Simone Hermanns

Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe


Dr. med. Simone Hermanns ist als Fachärztin am Universitätsspital Zürich tätig und unterstützt MOOCI seit Februar 2020 als medizinische Expertin für den Bereich der Gynäkologie und Geburtshilfe.

Seit nunmehr 7 Jahren arbeitet sie voller Energie und Lebenslust als Ärztin in verschiedenen klinischen Fachbereichen in Deutschland und der Schweiz. Die Liebe zur Medizin entdeckte Sie besonders im operativen Bereich,da die Vielfältigkeit dieses Bereichs immer wieder aufs Neue fasziniert.

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Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

Menschen mit einer Latexallergie reagieren mit verschiedenen Symptomen auf den Kontakt mit latexhaltigen Produkten. Es handelt sich hierbei um eine überschießende Reaktion des Immunsystem.


Es gibt die Soforttyp- und die Spättyp-Allergie, die sich sowohl in ihren Symptomen als auch in ihrer Entstehung unterscheiden.


Allergiker berichten von allergischem Schnupfen, Husten, tränenden Augen oder Quaddeln. Bei der Spättyp-Allergie tritt nach meist mehr als zwölf Stunden ein Ekzem auf.


Es gibt keine Heilung der Latexallergie, jedoch können gewisse Medikamente die Symptome lindern. Die wichtigste Maßnahme in der Behandlung einer Latexallergie ist allerdings das Vermeiden von latexhaltigen Produkten.

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