Du gibst die Werte aus Deinem Laborbefund ein: Gesamtcholesterin, HDL-Cholesterin und Triglyzeride, optional ein gemessenes LDL-Cholesterin. Der Rechner zeigt LDL-HDL-Quotient, Gesamtcholesterin-HDL-Quotient, Non-HDL-Cholesterin und, falls kein LDL eingetragen ist, das LDL nach Friedewald in mg/dl und mmol/l.
Das Wichtigste in Kürze
Der LDL-HDL-Quotient setzt das LDL-Cholesterin ins Verhältnis zum HDL-Cholesterin. Die europäischen Leitlinien nutzen ihn nicht als Zielgröße, weil Behandlungsentscheidungen sich am LDL-Cholesterin und am Gesamtrisiko orientieren.
Aussagekräftiger sind das LDL-Cholesterin selbst, das Non-HDL-Cholesterin und bei ausgewählten Personen Apolipoprotein B und Lipoprotein(a). Welcher LDL-Wert angestrebt wird, hängt von der persönlichen Risikokategorie ab.
Das LDL nach Friedewald ist eine Schätzung aus Gesamtcholesterin, HDL und Triglyzeriden. Bei Triglyzeriden ab 400 mg/dl ist die Formel nicht anwendbar, bei niedrigem LDL und erhöhten Triglyzeriden wird sie ungenau.
Erhöhte Blutfette verursachen meist keine Beschwerden. Einordnung und mögliche Behandlung gehören in die hausärztliche, internistische oder kardiologische Praxis.
Der LDL-HDL-Quotient steht auf vielen Laborbefunden, oft ohne Erklärung, was die Zahl bedeutet. Er beschreibt, wie viel LDL-Cholesterin im Blut auf eine Einheit HDL-Cholesterin kommt. Für Behandlungsentscheidungen spielt er in den aktuellen europäischen Leitlinien aber keine Rolle mehr.
Wichtiger sind das LDL-Cholesterin, das Non-HDL-Cholesterin und das persönliche Herz-Kreislauf-Risiko, das Ärzte und Ärztinnen aus mehreren Faktoren abschätzen. Dieser Rechner liefert deshalb mehrere Kennzahlen nebeneinander und ordnet sie nach der Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie ein. Hier erfährst Du, wie die Werte berechnet werden, was sie bedeuten und wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist.
Was ist der LDL-HDL-Quotient?
Cholesterin ist ein fettähnlicher Stoff, den der Körper für Zellwände, Hormone und Gallensäuren braucht. Weil Cholesterin nicht wasserlöslich ist, wird es im Blut in Transportteilchen aus Fett und Eiweiß befördert, den sogenannten Lipoproteinen. Der LDL-HDL-Quotient vergleicht zwei dieser Transportformen miteinander.
Das Ergebnis ist eine Verhältniszahl ohne Einheit. Ein Quotient von 2,5 bedeutet, dass zweieinhalbmal so viel LDL-Cholesterin wie HDL-Cholesterin gemessen wurde. Er sagt nichts darüber, ob beide Werte hoch oder niedrig sind.
Was ist LDL-Cholesterin?
LDL steht für Low-Density-Lipoprotein, also Lipoprotein niedriger Dichte. Diese Teilchen transportieren Cholesterin von der Leber in die Gewebe. Die European Atherosclerosis Society (EAS) stellte 2017 in einem Konsenspapier um Ference fest, dass LDL nach genetischen, epidemiologischen und randomisierten Studien eine Ursache der Arteriosklerose ist, also der Gefäßverkalkung, die zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen kann.
Je höher das LDL-Cholesterin und je länger es erhöht ist, desto größer ist das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ein hohes LDL verursacht in der Regel keine Symptome und wird nur durch einen Bluttest erkannt.
Was ist HDL-Cholesterin?
HDL steht für High-Density-Lipoprotein, also Lipoprotein hoher Dichte. Diese Teilchen nehmen überschüssiges Cholesterin aus den Geweben auf und bringen es zur Leber zurück. In Beobachtungsstudien gehen niedrige HDL-Werte mit einem höheren Herz-Kreislauf-Risiko einher. Frauen haben vor den Wechseljahren im Mittel höhere HDL-Werte als Männer.
Daraus folgt aber nicht, dass ein möglichst hohes HDL schützt. Medikamente, die das HDL anheben, haben in großen Studien keine Ereignisse verhindert, und sehr hohe HDL-Werte waren in einer dänischen Kohortenstudie mit höherer Sterblichkeit verbunden. Der Abschnitt zum gesunden Altern erklärt die Studienlage.
Welche weiteren Kennzahlen berechnet der Rechner?
Das Non-HDL-Cholesterin ist das Gesamtcholesterin minus HDL-Cholesterin. Es erfasst alle Lipoproteine, die Arteriosklerose fördern können, und ist auch bei erhöhten Triglyzeriden aussagekräftig. Die Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) und der EAS von 2019 nennt es als zweites Behandlungsziel nach dem LDL.
Der Gesamtcholesterin-HDL-Quotient teilt das Gesamtcholesterin durch das HDL. Er wird in einigen Risikorechnern und Laboren verwendet. Für ihn gilt dasselbe wie für den LDL-HDL-Quotienten: Er ist eine Zusatzinformation, keine Zielgröße.
Wie wird der LDL-HDL-Quotient berechnet?
Der Rechner braucht die Werte eines Lipidprofils, wie es Labore als Standard ausgeben. Er rechnet intern in Milligramm pro Deziliter und zeigt die Ergebnisse zusätzlich in Millimol pro Liter. Alle Formeln stehen offen im Text, damit Du die Berechnung selbst nachvollziehen kannst.
Wie lautet die Formel?
Die Formel ist einfach: LDL-HDL-Quotient gleich LDL-Cholesterin geteilt durch HDL-Cholesterin. Beide Werte müssen in derselben Einheit vorliegen, dann ist das Ergebnis in mg/dl und mmol/l identisch. Der Gesamtcholesterin-HDL-Quotient ergibt sich entsprechend aus Gesamtcholesterin geteilt durch HDL.
Ist im Befund ein direkt gemessenes LDL angegeben, verwendet der Rechner diesen Wert. Fehlt er, schätzt der Rechner das LDL mit der Friedewald-Formel.
Wie wird LDL nach Friedewald berechnet?
Friedewald, Levy und Fredrickson veröffentlichten die Formel 1972 in Clinical Chemistry. In mg/dl lautet sie: LDL gleich Gesamtcholesterin minus HDL minus Triglyzeride geteilt durch fünf. In mmol/l werden die Triglyzeride durch 2,2 geteilt.
Die Formel beruht auf der Annahme, dass das Cholesterin in den sehr triglyzeridreichen Lipoproteinen (VLDL) einem festen Fünftel der Triglyzeride entspricht. Das stimmt nur näherungsweise. Friedewald und Kollegen und Kolleginnen schlossen deshalb schon 1972 Proben mit Triglyzeriden ab 400 mg/dl, das entspricht etwa 4,5 mmol/l, aus. Der Rechner berechnet dann kein LDL und empfiehlt eine direkte Messung.
Wie rechnet man mg/dl in mmol/l um?
In Deutschland sind Angaben in mg/dl üblich, in Österreich ebenfalls häufig, in der Schweiz und in vielen Laboren international mmol/l. Für Cholesterin, also Gesamtcholesterin, LDL, HDL und Non-HDL, gilt: Wert in mg/dl geteilt durch 38,67 ergibt mmol/l. Für Triglyzeride ist der Faktor 88,57, weil das Molekül schwerer ist.
Die Faktoren ergeben sich aus der molaren Masse der Stoffe. Für Lipoprotein(a) gibt es keinen festen Umrechnungsfaktor zwischen mg/dl und nmol/l, weil die Teilchen je nach Erbanlage unterschiedlich groß sind. Der Rechner rechnet Lipoprotein(a) deshalb nicht um.
Wie sieht ein Rechenbeispiel aus?
Nimm als Beispiel einen Befund mit 220 mg/dl Gesamtcholesterin, 55 mg/dl HDL-Cholesterin und 150 mg/dl Triglyzeriden ohne gemessenes LDL. Nach Friedewald ergibt sich ein LDL von 220 minus 55 minus 30, also 135 mg/dl oder 3,49 mmol/l. Der LDL-HDL-Quotient beträgt 135 geteilt durch 55, gerundet 2,45.
Das Non-HDL-Cholesterin liegt bei 220 minus 55, also 165 mg/dl oder 4,27 mmol/l. Der Gesamtcholesterin-HDL-Quotient beträgt vier. Ob ein LDL von 135 mg/dl behandlungsbedürftig ist, hängt allein von der Risikokategorie ab, nicht vom Quotienten.
Was bedeutet das Ergebnis des LDL-HDL-Quotient-Rechners?
Der LDL-HDL-Quotient beschreibt ein Verhältnis, das Risiko eines Menschen beschreibt er nicht. Zwei Personen mit demselben Quotienten können sehr unterschiedliche LDL-Werte haben. Die ESC/EAS-Leitlinie von 2019 und ihr Focused Update von 2025 nennen deshalb Zielwerte für das LDL, nicht für den Quotienten.
Warum ist der LDL-HDL-Quotient keine Zielgröße?
Feste Grenzwerte für den Quotienten, die auf manchen Laborbefunden oder in älteren Ratgebern stehen, stammen nicht aus den aktuellen europäischen Leitlinien. Ein günstiger Quotient kann ein hohes LDL verdecken, wenn gleichzeitig das HDL hoch ist. Gerade bei sehr hohem HDL wäre das ein Trugschluss, weil HDL das LDL-Risiko nicht ausgleicht.
Auch die deutsche Bundesregierung hielt im Februar 2026 in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage (Drucksache 21/3845) fest, dass Behandlungsempfehlungen nicht allein auf Cholesterinwerten beruhen. Sie berücksichtigen das mit Risikorechnern ermittelte Herz-Kreislauf-Risiko und bestehende Erkrankungen.
Welche LDL-Zielwerte nennen die europäischen Leitlinien?
Die ESC/EAS-Leitlinie von 2019 ordnet Menschen in vier Risikokategorien ein und nennt je Kategorie einen LDL-Zielwert. Das Focused Update von Mach und Kollegen und Kolleginnen aus dem Jahr 2025 bestätigt diese Zielwerte unverändert:
- Sehr hohes Risiko: LDL unter 55 mg/dl (1,4 mmol/l) und mindestens eine Halbierung gegenüber dem Ausgangswert.
- Hohes Risiko: LDL unter 70 mg/dl (1,8 mmol/l) und mindestens eine Halbierung gegenüber dem Ausgangswert.
- Moderates Risiko: LDL unter 100 mg/dl (2,6 mmol/l).
- Niedriges Risiko: LDL unter 116 mg/dl (3,0 mmol/l).
Welche Kategorie zutrifft, legen Ärzte und Ärztinnen fest. Für Patienten und Patientinnen mit sehr hohem Risiko bedeutet das oft eine intensive, wesentlich stärkere Senkung als bei niedrigem Risiko. Bei Menschen ohne bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung schätzen sie das Zehnjahresrisiko seit dem Focused Update 2025 mit den Risikomodellen SCORE2 (bis 69 Jahre) und SCORE2-OP (ab 70 Jahren). In die Risikomodelle fließen unter anderem Alter, das männliche oder weibliche Geschlecht, Blutdruck, Rauchen und Cholesterin ein. Diabetes, chronische Nierenerkrankung, familiäre Hypercholesterinämie und eine bereits bestehende Gefäßerkrankung führen direkt in höhere Kategorien.
Was sagen Non-HDL-Cholesterin, ApoB und Lipoprotein(a)?
Für das Non-HDL-Cholesterin nennt die ESC/EAS-Leitlinie von 2019 als Ziel unter 85 mg/dl bei sehr hohem, unter 100 mg/dl bei hohem und unter 130 mg/dl bei moderatem Risiko. Apolipoprotein B, kurz ApoB, ist das Eiweiß auf jedem LDL- und VLDL-Teilchen und zählt damit die Teilchen, die Arteriosklerose fördern. Die Leitlinie nennt als Ziel unter 65, unter 80 und unter 100 mg/dl für dieselben drei Kategorien und empfiehlt ApoB besonders bei erhöhten Triglyzeriden, Diabetes, Adipositas oder sehr niedrigem LDL.
Lipoprotein(a) ist ein erblich festgelegtes Lipoprotein, das sich durch Ernährung und Bewegung kaum verändert. Das Focused Update 2025 empfiehlt, es bei jedem Erwachsenen mindestens einmal im Leben zu bestimmen, und wertet Werte über 50 mg/dl beziehungsweise über 105 nmol/l als risikoerhöhend. Ein Medikament, das durch Senkung von Lipoprotein(a) nachweislich Herzinfarkte verhindert, gibt es bisher nicht. Eine große Endpunktstudie mit mehr als 8.000 Teilnehmenden und einem Lipoprotein(a)-senkenden Wirkstoff verfehlte nach Mitteilung des Herstellers vom September 2026 ihren Hauptendpunkt, obwohl der Wert sank; die vollständigen Ergebnisse waren bei Redaktionsschluss noch nicht veröffentlicht.
Wie genau ist ein LDL-HDL-Quotient-Rechner?
Der Rechner rechnet exakt, die Genauigkeit hängt an den eingegebenen Laborwerten und an der Friedewald-Schätzung. Laborwerte schwanken von Messung zu Messung, und das geschätzte LDL kann vom gemessenen abweichen. Ein einzelner Wert ist deshalb eine Momentaufnahme.
Wo liegen die Grenzen der Friedewald-Formel?
Martin und Kollegen und Kolleginnen verglichen 2013 im Journal of the American Medical Association (JAMA) die Friedewald-Schätzung mit direkt gemessenem LDL in einem sehr großen Labordatensatz aus den USA. Bei Triglyzeriden unter 400 mg/dl ordnete die Friedewald-Formel 85,4 Prozent der Proben in dieselbe Leitlinienkategorie ein wie die direkte Messung, ihre neue Methode 91,7 Prozent. Die größten Fehler traten bei LDL-Werten unter 70 mg/dl mit gleichzeitig erhöhten Triglyzeriden auf.
Die Methode nach Martin und Hopkins nutzt statt des festen Teilers fünf einen Faktor aus einer Tabelle mit 180 Feldern. Sampson und Kollegen und Kolleginnen stellten 2020 in JAMA Cardiology eine weitere Formel des US-amerikanischen National Institutes of Health vor. Viele Labore geben das LDL inzwischen nach einer dieser Methoden oder direkt gemessen aus; dann ist der Laborwert dem Rechnerwert vorzuziehen.
Die Datenlage zu diesen Methoden stammt überwiegend aus US-amerikanischen Labordaten. Ob die Abweichungen in Laboren in Deutschland, Österreich und der Schweiz gleich groß sind, hängt von den verwendeten Messverfahren ab.
Welche Rolle spielen Nüchternheit und Messschwankungen?
Nordestgaard und Kollegen und Kolleginnen hielten 2016 in einem gemeinsamen Konsens von EAS und der Europäischen Föderation für Klinische Chemie und Labormedizin (EFLM) fest, dass Blutfette für die Routine nicht nüchtern bestimmt werden müssen. Nach einer Mahlzeit steigen die Triglyzeride leicht an, das LDL ändert sich kaum. Bei sehr hohen Triglyzeriden kann eine Wiederholung im nüchternen Zustand sinnvoll sein.
Akute Infekte, Operationen, ein Herzinfarkt, Schwangerschaft und starker Gewichtsverlust verändern die Blutfette vorübergehend. Auch starker Stress und Schlafmangel können einzelne Werte verschieben. Eine Kontrolle unter stabilen Bedingungen ist aussagekräftiger als ein einzelner auffälliger Wert. Schnelltests aus der Apotheke und Tests für zuhause aus Kapillarblut können vom Laborwert abweichen; nicht alles, was solche Gesundheitstests anzeigen, eignet sich für eine Behandlungsentscheidung.
Für wen gilt der Rechner nicht?
Der Rechner ist für Erwachsene mit einem Standard-Lipidprofil gedacht. Er gilt nicht oder nur eingeschränkt für:
- Kinder und Jugendliche, für die andere Referenzbereiche gelten.
- Schwangere, bei denen die Blutfette physiologisch ansteigen.
- Proben mit Triglyzeriden ab 400 mg/dl, bei denen das LDL nicht nach Friedewald geschätzt werden kann.
- Menschen mit bekannter familiärer Hypercholesterinämie oder anderen erblichen Fettstoffwechselstörungen, deren Werte fachärztlich begleitet werden.
- Menschen, die bereits Lipidsenker einnehmen und deren Zielwerte ärztlich festgelegt sind.
Welche Rolle spielen Cholesterinwerte für gesundes Altern?
Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu den häufigsten Todesursachen. Ein über Jahrzehnte niedriges LDL ist der am besten belegte Laborfaktor, der mit weniger Arteriosklerose einhergeht. Für das HDL und den Quotienten ist die Datenlage deutlich schwächer.
Was ist über LDL-Cholesterin gesichert?
Das EAS-Konsenspapier von Ference und Kollegen und Kolleginnen aus dem Jahr 2017 wertete genetische Studien, prospektive Kohorten und randomisierte Behandlungsstudien gemeinsam aus. Alle drei Studientypen zeigten übereinstimmend, dass mehr LDL über längere Zeit mit mehr Arteriosklerose verbunden ist und dass eine Senkung das Risiko verringert. Diese Übereinstimmung unterscheidet LDL von vielen anderen Laborwerten.
Daraus folgt nicht, dass jeder Mensch mit erhöhtem LDL Medikamente braucht. Bei niedrigem Gesamtrisiko stehen Ernährung, Bewegung und Nichtrauchen im Vordergrund, und eine Behandlung wird individuell abgewogen.
Warum schützt viel HDL nicht automatisch?
Voight und Kollegen und Kolleginnen werteten 2012 im Lancet Genvarianten aus, die das HDL lebenslang anheben. Menschen mit diesen Varianten hatten kein geringeres Herzinfarktrisiko, was gegen eine ursächliche Schutzwirkung des HDL spricht. Diese Methode, die Mendelsche Randomisierung, nutzt angeborene Unterschiede als natürliches Experiment, hat aber eigene Annahmen und Grenzen.
Madsen, Varbo und Nordestgaard fanden 2017 im European Heart Journal in zwei Kopenhagener Kohorten mit zusammen rund 116.000 Teilnehmenden, dass sehr hohe HDL-Werte mit einer höheren Gesamtsterblichkeit verbunden waren. Auch das ist eine Beobachtung, kein Ursachenbeweis. Für den Quotienten heißt das: Ein sehr hohes HDL macht ihn günstig, ohne dass das Risiko sinkt.
Was beeinflusst die Blutfette im Alltag?
Ein gesunder Lebensstil mit Rauchstopp, regelmäßiger Bewegung, einem gesunden Körpergewicht und einer ballaststoffreichen Ernährung mit wenig gesättigten Fetten verbessert die Blutfette. Koch, Kjeldsen und Frikke-Schmidt fassten 2023 im European Heart Journal randomisierte Studien zusammen, in denen vegetarische und vegane Ernährungsformen das LDL-Cholesterin gegenüber Mischkost senkten. Die Studien waren meist kurz und unterschiedlich angelegt. Ob Veganer und Veganerinnen oder Vegetarier und Vegetarierinnen dadurch langfristig seltener Herzinfarkte haben, wurde in ihnen nicht gemessen.
Ein Sportler oder eine Sportlerin mit viel Ausdauertraining hat oft ein höheres HDL, das LDL verändert sich durch Sport weniger. Omega-3-Fettsäuren senken vor allem die Triglyzeride, kaum das LDL. Weder ein Vitamin noch andere Nahrungsergänzungsmittel sind nach dem Focused Update 2025 nicht zur Senkung des LDL oder des Herz-Kreislauf-Risikos angezeigt. Für gesunde, gut versorgte Menschen ist ein Nutzen von Präparaten für die Blutfette nicht nachgewiesen.
Was kostet die Bestimmung der Cholesterinwerte?
Ein Lipidprofil mit Gesamtcholesterin, LDL, HDL und Triglyzeriden gehört zu den häufigsten Laboruntersuchungen. Ob die Kosten übernommen werden, hängt vom Land, vom Anlass und vom Umfang ab. Für ApoB und Lipoprotein(a) gelten engere Regeln als für das Standardprofil.
Welche Regeln gelten in Deutschland?
Gesetzlich Versicherte können die allgemeine Gesundheitsuntersuchung nach Paragraf 25 des Fünften Sozialgesetzbuchs zwischen 18 und 34 Jahren einmalig und ab 35 Jahren alle drei Jahre nutzen. Nach der Antwort der Bundesregierung vom Februar 2026 (Drucksache 21/3845) umfasst sie ab 35 Jahren eine Bestimmung von Gesamtcholesterin, LDL- und HDL-Cholesterin, bei 18- bis 34-Jährigen nur bei Risikofaktoren wie familiärer Vorbelastung oder Adipositas. Bei medizinischem Anlass übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung weitere Kontrollen.
ApoB und Lipoprotein(a) werden bei ärztlich begründeter Indikation in der Regel als Kassenleistung abgerechnet. Ohne Indikation sind sie eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL), deren Preis Du vorab in der Praxis erfragen solltest. Private Krankenversicherungen erstatten nach Tarif.
Welche Regeln gelten in Österreich?
Die Vorsorgeuntersuchung der Sozialversicherung steht Erwachsenen ab 18 Jahren einmal jährlich kostenlos zur Verfügung. Laut dem öffentlichen Gesundheitsportal Österreichs gehören Cholesterin und Triglyzeride zur Blutuntersuchung. Eine genauere Aufschlüsselung der Blutfette sowie ApoB oder Lipoprotein(a) werden bei medizinischem Anlass auf Zuweisung von der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) oder dem zuständigen Versicherungsträger übernommen.
Wer eine Wahlärztin oder einen Wahlarzt aufsucht, erhält einen Teil der Kosten zurück; die Erstattung orientiert sich am Kassentarif. Laboruntersuchungen ohne medizinischen Anlass auf eigenen Wunsch sind selbst zu zahlen.
Welche Regeln gelten in der Schweiz?
Die obligatorische Krankenpflegeversicherung übernimmt Laboranalysen, die eine Ärztin oder ein Arzt zur Abklärung oder Behandlung veranlasst, nach der Analysenliste des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Dabei fallen Franchise und Selbstbehalt an. Eine Untersuchung auf eigenen Wunsch ohne medizinischen Anlass wird nicht in jedem Fall übernommen.
Zusatzversicherungen erstatten Vorsorgeuntersuchungen je nach Vertrag teilweise. Vor einer Untersuchung von ApoB oder Lipoprotein(a) lohnt sich die Rückfrage bei der Versicherung.
Wann sollte ein auffälliger LDL-HDL-Quotient ärztlich abgeklärt werden?
Ein auffälliger LDL-HDL-Quotient allein ist kein Notfall und kein Grund zur Sorge. Sinnvoll ist eine Abklärung, wenn das LDL oder das Non-HDL-Cholesterin hoch ist, wenn in der Familie früh Herzinfarkte oder Schlaganfälle aufgetreten sind oder wenn weitere Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck oder Diabetes bestehen. Die Berechnung auf dieser Seite läuft vollständig in Deinem Browser, es werden keine Daten gespeichert.
Welche Werte sprechen für eine genauere Abklärung?
Folgende Befunde sollten in der Praxis besprochen werden:
- Ein LDL ab 190 mg/dl (4,9 mmol/l), das nach der ESC/EAS-Leitlinie von 2019 für sich allein ein hohes Risiko anzeigt und an eine familiäre Hypercholesterinämie denken lässt.
- Triglyzeride ab 400 mg/dl, bei denen das LDL direkt gemessen werden sollte, und sehr hohe Triglyzeride, die eine Bauchspeicheldrüsenentzündung begünstigen können.
- Ein Lipoprotein(a) über 50 mg/dl beziehungsweise 105 nmol/l, das nach dem Focused Update 2025 das Risiko erhöht.
- Gelbliche Fettablagerungen an Augenlidern oder Sehnen und ein heller Ring am Rand der Hornhaut vor dem 45. Lebensjahr.
Erhöhte Blutfette können auch Folge anderer Erkrankungen sein, etwa einer Schilddrüsenunterfunktion, einer Nierenerkrankung, eines Gallestaus oder eines Überschusses an Cortisol. Auch Medikamente und hoch dosiertes Testosteron verändern die Werte. Ein Schilddrüsenfunktionstest und gegebenenfalls eine weitere Hormonuntersuchung gehören deshalb bei auffälligen Werten oft zur Abklärung.
Welche Fachrichtung ist zuständig?
Erste Anlaufstelle sind Hausärzte und Hausärztinnen in der Allgemeinmedizin oder Inneren Medizin. Sie schätzen das Gesamtrisiko ab und klären mögliche Ursachen. Bei sehr hohen Werten, Verdacht auf eine erbliche Fettstoffwechselstörung oder wenn die Zielwerte trotz Behandlung nicht erreicht werden, überweisen sie an die Kardiologie, die Endokrinologie oder eine Lipidambulanz.
Wann ist ärztliche Hilfe nötig?
Sofort den Notruf wählen solltest Du bei:
- Druck, Enge oder Schmerz in der Brust, der in Arm, Hals, Kiefer oder Oberbauch ausstrahlen kann, besonders mit Atemnot, Schweiß oder Übelkeit.
- Plötzlicher Lähmung, Taubheit einer Körperseite, Sprach- oder Sehstörung, die auf einen Schlaganfall hinweisen.
- Starken, gürtelförmigen Oberbauchschmerzen bei bekannt sehr hohen Triglyzeriden.
Der Notruf ist 112 in Deutschland und 144 in Österreich und in der Schweiz. Bei Gedanken, sich selbst zu schaden, hilft die Telefonseelsorge in Deutschland unter 0800 111 0 111, in Österreich unter 142 und in der Schweiz unter 143.
Quellen
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Friedewald, W. T.; Levy, R. I.; Fredrickson, D. S. (1972): Estimation of the concentration of low-density lipoprotein cholesterol in plasma, without use of the preparative ultracentrifuge. Clinical Chemistry, 18(6), 499–502. PMID: 4337382
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