Einmal im Jahr zur Vorsorgeuntersuchung, Blut abnehmen lassen und anschließend wissen, wie es um die eigene Gesundheit steht. Diese Erwartung ist verständlich. Das gesetzliche Programm dient tatsächlich dazu, häufige Erkrankungen und wichtige Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen.
Laborseitig ist die Untersuchung jedoch schmaler, als der Begriff „Gesundheits-Check“ vermuten lässt. Sie umfasst keine vollständige Analyse von Hormonen, Mikronährstoffen, Organfunktionen und modernen Risikomarkern.
Das ist kein Versehen. Ein öffentliches Vorsorgeprogramm soll Untersuchungen anbieten, deren Nutzen für eine große Gruppe belegt ist und aus deren Ergebnissen sinnvolle weitere Schritte folgen. Wer darüber hinaus ein umfassenderes Laborprofil wünscht, benötigt eine konkrete medizinische Fragestellung oder muss die zusätzlichen Werte häufig selbst bezahlen.
Das Wichtigste in Kürze
Die österreichische Vorsorgeuntersuchung umfasst im Blut Nüchternglukose, Gesamtcholesterin, HDL- und LDL-Cholesterin, Triglyzeride und Gamma-GT. Bei Frauen wird zusätzlich ein rotes Blutbild bestimmt. Nicht automatisch enthalten sind unter anderem CRP, Ferritin, Vitamin D, Vitamin B12, Schilddrüsen- und Sexualhormone, ApoB sowie Lipoprotein(a). Solche Werte werden bei einer konkreten medizinischen Fragestellung oder als Zusatzleistung bestimmt.
Umfang und Anspruch unterscheiden sich zwischen den Ländern. In Deutschland hängt das Laborprogramm auch vom Alter und Risikoprofil ab. In der Schweiz übernimmt die Grundversicherung nur bestimmte gesetzlich vorgesehene Präventionsleistungen und medizinisch begründete Laboranalysen. Möglichst viele Werte zu messen ist nicht automatisch sinnvoll. Zusätzliche Untersuchungen sollten zu Beschwerden, Vorgeschichte und persönlichem Risiko passen und eine nachvollziehbare medizinische Konsequenz haben.
Welche Laborwerte sind in der österreichischen Vorsorge enthalten?
Die österreichische Vorsorgeuntersuchung steht Menschen mit Wohnsitz in Österreich ab dem vollendeten 18. Lebensjahr einmal jährlich kostenlos zur Verfügung. Sie umfasst ein Anamnesegespräch, eine körperliche Untersuchung, Beratung und ausgewählte Laboruntersuchungen.
Im Blut wird folgendes bestimmt:
- Nüchternblutzucker
- Gesamtcholesterin
- HDL-Cholesterin
- LDL-Cholesterin
- Triglyzeride
- Gamma-GT
- bei Frauen zusätzlich Werte des roten Blutbilds
Zum roten Blutbild gehören im österreichischen Vorsorgeformular Erythrozyten, Hämoglobin und Hämatokrit. Ein vollständiges kleines oder großes Blutbild ist damit nicht automatisch enthalten.
Der Blutzucker dient der Früherkennung eines Diabetesrisikos. Das Lipidprofil unterstützt die Beurteilung des Herz-Kreislauf-Risikos. Gamma-GT kann Hinweise auf Veränderungen von Leber oder Gallenwegen geben, ist allein aber kein umfassender Leberfunktionstest.
Gehört nur die Blutabnahme zur Vorsorge?
Nein. Ein wesentlicher Teil besteht aus dem Gespräch und der körperlichen Untersuchung. Dazu gehören unter anderem Blutdruck, Gewicht, Body-Mass-Index, gesundheitliche Vorgeschichte und die Einschätzung persönlicher Risiken.
Auch Bewegung, Ernährung, Rauchen und Alkoholkonsum werden besprochen. Bei Menschen ab 65 Jahren wird zusätzlich stärker auf Hör- und Sehvermögen geachtet.
Die Vorsorge ist daher nicht allein anhand der Zahl der Laborwerte zu beurteilen. Auffälligkeiten im Gespräch oder bei der Untersuchung können gezielte weitere Tests begründen, die dann nicht mehr zur allgemeinen Vorsorge, sondern zur medizinischen Abklärung gehören.
Sind erweiterte Laborpakete Teil des Programms?
Manche Praxen bestimmen zusätzlich Blutbild, Nierenwerte, Leberwerte, Ferritin, Schilddrüsenwerte oder Vitamine. Das kann bei einer passenden Fragestellung sinnvoll sein.
Solche erweiterten Panels gehören aber nicht automatisch zum gesetzlichen Standard. Ohne medizinische Indikation können dafür private Kosten entstehen. Vor der Blutabnahme sollte deshalb geklärt werden, welche Werte enthalten sind, warum sie untersucht werden und welche Kosten anfallen.
Wie sieht die Vorsorgeuntersuchung in Deutschland und der Schweiz aus?
Deutschland
Gesetzlich Versicherte zwischen 18 und 34 Jahren haben einmalig Anspruch auf eine Gesundheitsuntersuchung. Blutuntersuchungen werden in dieser Altersgruppe nur bei einem entsprechenden Risikoprofil durchgeführt. Eine routinemäßige Urinuntersuchung gehört bei unter 35-Jährigen nicht dazu.
Ab dem 35. Geburtstag besteht alle drei Jahre Anspruch auf:
- vollständiges Lipidprofil mit Gesamtcholesterin, LDL, HDL und Triglyzeriden
- Nüchternplasmaglukose
- Urinstreifentest auf Eiweiß, Glukose, Erythrozyten, Leukozyten und Nitrit
Zusätzlich besteht ab 35 einmalig Anspruch auf ein Screening auf Hepatitis B und Hepatitis C. Ein Blutbild, Entzündungsmarker, Ferritin, Vitamine und Hormone sind nicht Bestandteil des regulären Check-ups.
Schweiz
In der Schweiz gibt es für Erwachsene kein mit der österreichischen jährlichen Vorsorgeuntersuchung vergleichbares einheitliches Laborprogramm. Die obligatorische Grundversicherung übernimmt bestimmte Präventionsmaßnahmen, die ausdrücklich in der Krankenpflege-Leistungsverordnung aufgeführt sind. Weitere Untersuchungen werden übernommen, wenn sie medizinisch erforderlich sind und die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen.
Laboranalysen müssen zudem in der Analysenliste der obligatorischen Krankenpflegeversicherung enthalten sein. Dass ein Wert technisch auf dieser Liste steht, bedeutet jedoch nicht, dass er ohne medizinischen Anlass als allgemeiner Gesundheitscheck bezahlt wird.
Allgemeine, frei gewählte Vorsorgeuntersuchungen oder umfassende Laborprofile können daher selbst zu bezahlen sein. Zusatzversicherungen können abhängig vom Vertrag weitere Leistungen abdecken.
Welche Laborwerte fehlen im Standardprogramm?
Die folgende Liste bedeutet nicht, dass jeder Mensch alle diese Werte benötigt. Sie zeigt lediglich, welche häufig diskutierten Untersuchungen in der österreichischen Standardvorsorge nicht automatisch enthalten sind.
Entzündungswerte
Weder gewöhnliches CRP noch hochsensitives CRP gehören zum regulären Laborumfang. CRP kann bei Verdacht auf eine Infektion oder entzündliche Erkrankung bestimmt werden.
Hochsensitives CRP erfasst niedrigere Konzentrationen und kann in ausgewählten Situationen die Einschätzung des Herz-Kreislauf-Risikos ergänzen. Es ist aber kein allgemeiner Test auf „stille Entzündungen“ und kein Longevity-Marker.
Eisenstatus und Blutbild
Bei Frauen enthält das österreichische Programm Teile des roten Blutbilds. Ferritin, Transferrin und Transferrinsättigung gehören jedoch nicht automatisch dazu.
Das ist relevant, weil sich die Eisenspeicher leeren können, bevor Hämoglobin und Hämatokrit eindeutig verändert sind. Eine Ferritinbestimmung ist besonders bei starken Regelblutungen, Blutarmut, anhaltender Erschöpfung oder weiteren Risikofaktoren sinnvoll.
Für Männer ist auch das rote Blutbild nicht allgemein Bestandteil des österreichischen Standardprogramms.
Vitamine und Mineralstoffe
Vitamin D, Vitamin B12, Folsäure, Zink, Selen und Magnesium werden nicht routinemäßig mitbestimmt. Ihre Untersuchung ist vor allem bei passenden Beschwerden, Erkrankungen, Ernährungsformen oder Medikamenten sinnvoll.
Eine ungezielte Messung aller Mikronährstoffe bei beschwerdefreien Menschen führt nicht automatisch zu einem gesundheitlichen Nutzen.
Schilddrüse und Sexualhormone
TSH, fT4 und weitere Schilddrüsenwerte sind nicht Bestandteil des österreichischen Standardprogramms. Sie werden bei Beschwerden oder Risikofaktoren gezielt angefordert.
Dasselbe gilt für Östradiol, Progesteron, Testosteron, FSH, LH und Cortisol. Einzelne Hormonwerte sind zudem häufig nur unter Berücksichtigung von Alter, Tageszeit, Zyklusphase, Beschwerden und Medikamenten sinnvoll interpretierbar.
Erweiterte Herz-Kreislauf-Marker
ApoB und Lipoprotein(a) werden nicht automatisch bestimmt. ApoB kann in bestimmten Stoffwechselsituationen zusätzliche Informationen über die Zahl atherogener Lipoproteinpartikel liefern.
Lipoprotein(a) ist überwiegend genetisch festgelegt. Die europäischen Leitlinien empfehlen, eine Messung mindestens einmal im Erwachsenenleben zu erwägen. Diese Empfehlung bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die Bestimmung Bestandteil der gesetzlichen Vorsorge oder ohne weitere Voraussetzungen eine Kassenleistung ist.
Homocystein und der Omega-3-Index gehören ebenfalls nicht zum Standardprogramm. Ihre routinemäßige Bestimmung bei allen beschwerdefreien Menschen ist nicht allgemein empfohlen.
Organ- und Stoffwechselwerte
Neben Gamma-GT sind weitere Leberwerte wie ALT, AST, alkalische Phosphatase und Bilirubin nicht automatisch enthalten. Auch Kreatinin, eGFR, Harnstoff, Cystatin C, Albumin und HbA1c gehören nicht zum festen österreichischen Laborumfang.
Solche Werte können jedoch aufgrund von Alter, Beschwerden, Medikamenten, Bluthochdruck, Diabetesrisiko oder bekannten Erkrankungen medizinisch begründet sein.
Was leisten Harn- und Stuhluntersuchungen?
Harnuntersuchung
In Österreich gehört ein Harnstreifentest zur Vorsorgeuntersuchung. Er erfasst:
- Leukozyten
- Eiweiß
- Glukose
- Nitrit
- Urobilinogen
- Blut
Auffälligkeiten können Hinweise auf Erkrankungen von Nieren oder Harnwegen sowie auf erhöhten Blutzucker geben. Ein Streifentest allein stellt jedoch keine Diagnose. Positive oder unklare Ergebnisse müssen bei Bedarf gezielt abgeklärt werden.
Ein einfacher Eiweißnachweis im Harn ist zudem nicht mit einer quantitativen Messung des Albumin-Kreatinin-Verhältnisses gleichzusetzen. Letztere kann besonders bei Diabetes, Bluthochdruck oder erhöhtem Nierenrisiko zusätzliche Informationen liefern.
Stuhluntersuchung und Darmkrebsvorsorge
Seit 2025 ist die kostenlose österreichische Darmkrebsvorsorge für Menschen ab 45 Jahren erweitert. Angeboten werden ein Test auf nicht sichtbares Blut im Stuhl sowie alternativ beziehungsweise ergänzend eine Koloskopie in einem Abstand von zehn Jahren.
Der immunologische Stuhltest erkennt menschliches Blut, das mit bloßem Auge nicht sichtbar ist. Ein positives Ergebnis beweist keinen Darmkrebs. Auch Polypen, Hämorrhoiden und andere Veränderungen können bluten. Es muss aber durch eine Darmspiegelung abgeklärt werden.
Ein negatives Ergebnis schließt Darmkrebs oder Polypen nicht vollständig aus, da Veränderungen nicht ständig bluten. Deshalb ist die regelmäßige Teilnahme am vorgesehenen Früherkennungsprogramm wichtiger als ein einzelner unauffälliger Test.
Gehört der Pap-Abstrich ebenfalls dazu?
Frauen können im Rahmen der österreichischen Vorsorge einen Gebärmutterhalsabstrich durchführen lassen. Er erfolgt entweder in der allgemeinmedizinischen oder in der gynäkologischen Praxis. Der Pap-Abstrich ist keine Blutuntersuchung, gehört aber zum Vorsorgeangebot für Frauen.
Was kosten zusätzliche Laborwerte?
Zusätzliche Untersuchungen ohne medizinische Indikation müssen häufig selbst bezahlt werden. Die Kosten hängen vom Wert, vom Labor, von der Abrechnungsform und vom Land ab.
Einzelne Parameter liegen häufig im niedrigen zweistelligen Bereich. Ferritin, hochsensitives CRP oder Vitamin B12 kosten je nach Anbieter oft etwa zehn bis 30 Euro. Eine Vitamin-D-Bestimmung kann ebenfalls in diesem Bereich liegen, teilweise aber auch mehr kosten. Hinzukommen können Kosten für die Blutabnahme, das ärztliche Gespräch und die Befundinterpretation.
Umfangreichere Zusammenstellungen mit Hormonen, Vitaminen oder Spurenelementen erreichen schnell dreistellige Beträge. Aktuelle Selbstzahlerangebote in Deutschland reichen beispielsweise von rund 74 Euro für ein erweitertes Basispaket bis über 400 Euro für sehr umfangreiche Vitaminprofile. Diese Preise sind nur Beispiele und kein allgemeingültiger Tarif.
Auch in der Schweiz unterscheiden sich die Preise deutlich. Einzelne veröffentlichte Selbstzahlerpreise reichen beispielsweise von rund sieben Franken für Ferritin bis knapp 50 Franken für Vitamin D. Zusätzlich können Kosten für Beratung und Blutabnahme entstehen.
Vor der Untersuchung ist deshalb ein Kostenvoranschlag sinnvoll. Darin sollte erkennbar sein:
- welche Werte bestimmt werden
- was jeder Wert kostet
- ob Blutabnahme und Beratung enthalten sind
- ob die Versicherung einen Teil übernimmt
- welche medizinische Konsequenz ein auffälliges Ergebnis hätte
Viele Anbieter verkaufen fertige Panels. Diese können günstiger sein als dieselben Einzelwerte, enthalten aber häufig Untersuchungen, die für Deine konkrete Frage wenig beitragen. Ein Paket ist nur dann sinnvoll, wenn sein Inhalt zur Fragestellung passt.
In der Schweiz gelten für Analysen, die über die Grundversicherung abgerechnet werden, die Tarife und Voraussetzungen der Analysenliste. Zum 1. Juli 2026 wurden diese Tarife gesenkt. Daraus folgt jedoch kein Anspruch auf eine Untersuchung ohne medizinische Indikation.
Wann ist eine erweiterte Bestimmung sinnvoll?
Die naheliegende Reaktion auf die Liste fehlender Werte ist der Wunsch, möglichst alles messen zu lassen. Das ist selten der beste Weg.
Je mehr Werte ohne konkrete Fragestellung bestimmt werden, desto wahrscheinlicher ist mindestens ein leicht auffälliges Ergebnis. Das kann weitere Untersuchungen und unnötige Sorgen auslösen, ohne einen gesundheitlichen Nutzen zu bringen.
Sinnvoller ist der umgekehrte Weg: Zuerst steht eine konkrete Frage, daraus ergeben sich die passenden Werte.
Bei anhaltender Erschöpfung können je nach Situation beispielsweise Blutbild, Ferritin, TSH, Blutzucker sowie Leber- und Nierenwerte sinnvoll sein. Vitamin B12 oder Vitamin D werden ergänzt, wenn Beschwerden, Ernährung, Medikamente oder weitere Risiken dazu passen.
Bei frühen Herzinfarkten oder Schlaganfällen in der Familie können neben dem klassischen Lipidprofil zusätzliche Marker wie Lipoprotein(a) oder ApoB sinnvoll sein.
Bei veganer Ernährung können je nach Lebensmittelauswahl und Supplementierung Vitamin B12, Blutbild und Eisenstoffwechsel relevant sein. Nicht jeder Mikronährstoff muss routinemäßig untersucht werden.
Wer Beschwerden hat, befindet sich außerdem nicht mehr ausschließlich in der Vorsorge. Es handelt sich dann um eine medizinische Abklärung. Sind zusätzliche Werte für diese Abklärung notwendig, können sie je nach Land, Versicherung und Indikation regulär übernommen werden.
Vor einer privaten Untersuchung sind deshalb drei Fragen hilfreich:
- Welche konkrete Frage soll der Wert beantworten?
- Würde ein auffälliges Ergebnis die Behandlung verändern?
- Ist die Untersuchung wegen meiner Beschwerden möglicherweise eine Kassenleistung?
Ein preiswerter Wert ohne medizinische Konsequenz ist keine gute Investition.
Wie bereitet man sich auf die Blutabnahme vor?
Die Vorbereitung hängt davon ab, welche Werte untersucht werden. Für die Nüchternblutzuckerbestimmung ist eine Blutabnahme nach einer Fastenphase üblich. Das österreichische Gesundheitsportal empfiehlt für bestimmte Untersuchungen eine morgendliche Abnahme und nennt für Nüchternwerte den Verzicht auf Nahrung ab dem Vorabend. Kleine Mengen Wasser oder ungesüßter Tee sind erlaubt.
Für Deinen Termin gelten die Anweisungen der Praxis oder des Labors. Medikamente solltest Du nicht eigenständig absetzen.
Intensiver Sport am Vortag kann unter anderem Muskelenzyme beeinflussen. Alkohol kann Leberwerte und Triglyzeride verändern. Auch Schlafmangel, Stress und Flüssigkeitsmangel können einzelne Ergebnisse verschieben.
Bei einem akuten Infekt können Leukozyten, CRP, Ferritin und weitere Werte verändert sein. Dient die Blutabnahme nur der allgemeinen Vorsorge, kann eine Verschiebung sinnvoll sein. Medizinisch notwendige Untersuchungen solltest Du dagegen nicht ohne Rücksprache aufschieben.
Auch die Tageszeit kann wichtig sein. Cortisol und Testosteron folgen einem ausgeprägten Tagesrhythmus und werden deshalb häufig morgens bestimmt. Weibliche Sexualhormone hängen zusätzlich von Zyklusphase, Alter und hormoneller Medikation ab.
Informiere die Praxis außerdem über Nahrungsergänzungsmittel. Besonders hoch dosiertes Biotin kann bestimmte Laborverfahren beeinflussen und beispielsweise bei Schilddrüsen-, Hormon- oder Herzmarkern falsche Ergebnisse erzeugen.
Was sagt ein Referenzbereich aus?
Der Referenzbereich ist keine scharfe Grenze zwischen gesund und krank. Bei vielen Laborwerten umfasst er die Ergebnisse von 95 Prozent einer gesunden Vergleichsgruppe. Damit liegen etwa fünf von 100 gesunden Menschen außerhalb des Bereichs.
Eine leichte Abweichung bedeutet deshalb nicht automatisch, dass eine Erkrankung vorliegt. Umgekehrt schließt ein Wert innerhalb des Referenzbereichs eine Erkrankung nicht sicher aus.
Für die Einordnung sind entscheidend:
- das Ausmaß der Abweichung
- weitere Laborwerte
- Beschwerden und Vorgeschichte
- Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel
- frühere Ergebnisse
- mögliche Einflüsse rund um die Blutabnahme
Referenzbereiche können sich zwischen Laboren unterscheiden, weil unterschiedliche Methoden, Geräte und Vergleichsgruppen verwendet werden. Sie können außerdem vom Alter, biologischen Geschlecht und von der Tageszeit abhängen.
Wenn Du einen Wert im Verlauf beobachten möchtest, ist dasselbe Labor hilfreich. Bei einem Laborwechsel sollten Einheit und Referenzbereich mitverglichen werden.
Warum sagt ein einzelner Wert so wenig?
Ein Laborwert beschreibt eine Momentaufnahme. Viele Werte schwanken im Tagesverlauf oder reagieren auf Schlaf, Stress, Ernährung, Bewegung, Flüssigkeitshaushalt und akute Erkrankungen. Auch die Messung selbst besitzt eine gewisse Streuung. Bei einem Ergebnis nahe der Referenzgrenze kann diese mitentscheiden, ob der Wert knapp innerhalb oder außerhalb des Bereichs liegt. Deshalb werden unerwartet auffällige Ergebnisse häufig zunächst kontrolliert. Das ist kein Zögern, sondern ein wichtiger Bestandteil guter Diagnostik.
Der eigentliche Erkenntnisgewinn liegt in drei Bereichen:
Verlauf
Eine wiederholte Bewegung in dieselbe Richtung kann mehr aussagen als ein einzelner Ausreißer. Dabei sollten Abnahmezeitpunkt, Vorbereitung und Messverfahren möglichst vergleichbar sein.
Muster
Verwandte Werte werden gemeinsam beurteilt. Ferritin ergibt beispielsweise zusammen mit Hämoglobin, MCV, Transferrinsättigung und Entzündungswerten ein aussagekräftigeres Bild als allein.
Beschwerden und Risikoprofil
Ein unauffälliger Befund bei anhaltenden Beschwerden kann bedeuten, dass andere Ursachen untersucht werden müssen. Ein auffälliger Wert ohne Beschwerden kann eine harmlose Schwankung sein, aber auch auf eine frühe Veränderung hinweisen.
Aus dem Fettdruck auf dem Befund allein lässt sich nicht ableiten, welche dieser Möglichkeiten zutrifft. Das österreichische Gesundheitsportal weist ausdrücklich darauf hin, dass aus einem einzelnen Laborwert nicht auf eine Krankheit geschlossen werden darf.
Wie geht man praktisch vor?
Überlege vor dem Termin, welche Frage Du beantworten möchtest. Nimm vorhandene Befunde mit, damit die Entwicklung über die Zeit beurteilt werden kann.
Frage im Gespräch konkret:
- Welche Werte sind im Standardprogramm enthalten?
- Welche zusätzlichen Werte passen zu meiner Situation?
- Besteht dafür eine medizinische Indikation?
- Welche Kosten entstehen?
- Was würde sich bei einem auffälligen Ergebnis ändern?
- Wann wäre eine Kontrolle sinnvoll?
Die meisten Werte müssen nicht nach wenigen Wochen erneut bestimmt werden. Der passende Abstand hängt vom Parameter, vom Ausgangswert und von einer möglichen Behandlung ab. Nach Beginn einer Behandlung können Kontrollen nach einigen Monaten sinnvoll sein. Bei stabilen Werten ohne Beschwerden sind häufig längere Abstände ausreichend.
Lies den Befund möglichst vor dem Besprechungstermin und notiere offene Fragen. Frage auch nach unauffälligen Ergebnissen, wenn Du deren Bedeutung nicht verstehst. Häufig liegt die eigentliche Information in der Kombination mehrerer Werte.
Ein unauffälliger Vorsorgebefund ist eine gute Nachricht, aber kein vollständiges Gesundheitszeugnis. Bewegung, Ernährung, Schlaf, psychische Belastung und körperliche Leistungsfähigkeit lassen sich nicht umfassend aus einer Blutprobe ablesen.
Dasselbe gilt für zusätzliche Longevity-Tests, den Omega-3-Index oder Verfahren zur Schätzung des biologischen Alters. Solche Untersuchungen sind häufig privat zu bezahlen und liefern nicht automatisch einen nachgewiesenen gesundheitlichen Nutzen.
Eine Zahl sollte daher immer der Beginn einer medizinischen Einordnung sein, nicht ihr Endpunkt.
Quellen
Gesundheit Österreich, Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz: Vorsorgeuntersuchung und Laborbefund, gesundheit.gv.at
Österreichische Gesundheitskasse: Vorsorgeuntersuchung (Gesundenuntersuchung), Leistungsbeschreibung
Gemeinsamer Bundesausschuss: Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie (Check-up), Deutschland
Medizinischer Dienst Bund: Berichte zu individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL-Report)
Deutsche Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin: Empfehlungen zur Präanalytik
European Atherosclerosis Society: Consensus Statement zu Lipoprotein(a), 2022
Bundesamt für Gesundheit Schweiz: Leistungen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung
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