Du gibst Alter, Geschlecht und optional Deinen Ruhepuls ein und erhältst die geschätzte maximale Herzfrequenz nach mehreren Formeln sowie Deine Herzfrequenzzonen nach Prozent der maximalen Herzfrequenz und nach der Karvonen-Methode. Die Berechnung läuft vollständig in Deinem Browser, es werden keine Daten gespeichert oder übertragen.
Das Wichtigste in Kürze
Die maximale Herzfrequenz ist die höchste Zahl an Herzschlägen pro Minute, die der Körper unter voller Belastung erreicht. Sie sinkt mit dem Lebensalter und lässt sich mit Formeln nur schätzen.
Als genaueste einfache Altersformel gilt heute die Tanaka-Formel aus dem Jahr 2001 mit 208 minus 0,7 mal Alter. Die alte Faustregel 220 minus Alter unterschätzt den Maximalpuls bei älteren Menschen.
Einzelne Menschen weichen deutlich vom berechneten Wert ab, die HUNT-Studie aus dem Jahr 2013 nennt einen Schätzfehler von rund elf Schlägen pro Minute. Wer genaue Trainingszonen braucht, lässt die maximale Herzfrequenz im Belastungstest messen.
Bei Herzerkrankungen, unter Betablockern oder in der Schwangerschaft gelten die Formeln nicht. Brustschmerz, Atemnot oder Herzstolpern unter Belastung gehören ärztlich abgeklärt.
Wer die maximale Herzfrequenz berechnen möchte, will meist sein Training über den Puls steuern und wissen, in welchem Bereich Grundlagenausdauer, Tempo oder intensive Intervalle liegen. Dafür braucht es einen Ausgangswert, von dem sich alle Trainingszonen ableiten. Weil kaum jemand seinen echten Maximalpuls kennt, wird er in der Regel aus dem Alter geschätzt.
Genau hier beginnen die Unterschiede: Je nach Formel liegt der berechnete Maximalpuls für dieselbe Person um mehr als zehn Schläge auseinander, und der echte Wert kann noch einmal abweichen. Welche Formel ist am besten belegt, wie genau ist das Ergebnis tatsächlich und wann ist eine ärztliche Abklärung der bessere Weg? Hier erfährst Du, wie der Herzfrequenz-Rechner arbeitet, wie Du Dein Ergebnis einordnest und wo seine Grenzen liegen.
Was ist die maximale Herzfrequenz?
Die maximale Herzfrequenz, abgekürzt HFmax und umgangssprachlich Maximalpuls genannt, ist die höchste Zahl an Herzschlägen pro Minute, die ein Mensch bei größtmöglicher körperlicher Belastung erreicht. Sie ist eine körperliche Obergrenze und kein Trainingsziel. Im Alltag und bei den meisten Trainingsformen wird sie nicht erreicht, sondern nur bei einer vollständigen Ausbelastung, etwa am Ende eines Stufentests auf dem Laufband oder dem Fahrradergometer.
Die maximale Herzfrequenz sagt für sich genommen nichts über die Fitness aus. Zwei gleich alte Menschen mit gleich guter Ausdauer können sich im Maximalpuls deutlich unterscheiden. Ein hoher Wert bedeutet also nicht, dass das Herz leistungsfähiger ist, und ein niedriger Wert nicht, dass es schwächer ist. Wichtig wird die maximale Herzfrequenz vor allem als Bezugsgröße, aus der sich die individuellen Trainingsbereiche berechnen lassen.
Was unterscheidet Puls und Herzfrequenz?
Die Herzfrequenz beschreibt, wie oft sich das Herz pro Minute zusammenzieht. Der Puls ist die Druckwelle, die dabei durch die Arterien läuft und an Handgelenk oder Hals tastbar ist. Bei gesunden Menschen stimmen beide Werte in der Regel überein. Bei bestimmten Herzrhythmusstörungen, etwa beim Vorhofflimmern, kann der tastbare Puls niedriger sein als die tatsächliche Herzfrequenz, weil nicht jeder Herzschlag eine spürbare Pulswelle erzeugt. Für den Herzfrequenz-Rechner werden beide Begriffe im üblichen Sinn gleich verwendet, wie es auch bei Begriffen wie Trainingspuls oder Pulsrechner geschieht.
Warum sinkt die maximale Herzfrequenz mit dem Alter?
Mit zunehmendem Lebensalter nimmt die maximale Herzfrequenz ab, und zwar weitgehend unabhängig davon, wie viel jemand trainiert. Als Ursache gelten vor allem Veränderungen im Sinusknoten, dem natürlichen Taktgeber des Herzens, und eine geringere Ansprechbarkeit auf die Stresshormone des vegetativen Nervensystems. Regelmäßiges Ausdauertraining verbessert zwar viele Funktionen von Herz und Kreislauf, verhindert diesen altersbedingten Rückgang des Maximalpulses aber nicht. Deshalb steht das Alter im Mittelpunkt aller gängigen Formeln.
Wie lässt sich die maximale Herzfrequenz berechnen?
Es gibt zwei grundsätzliche Wege: messen oder schätzen. Gemessen wird die maximale Herzfrequenz bei einer Ausbelastung, entweder ärztlich überwacht im Labor oder in einem Feldtest. Geschätzt wird sie mit Formeln, die aus großen Gruppen von Menschen abgeleitet wurden und nur das Alter, teils auch das Geschlecht berücksichtigen. Der Herzfrequenz-Rechner nutzt diese Schätzformeln und zeigt mehrere davon nebeneinander, damit die Unsicherheit sichtbar bleibt.
Was besagt die Fox-Formel 220 minus Alter?
Die bekannteste Faustregel lautet: maximale Herzfrequenz = 220 − Lebensalter in Jahren. Sie geht auf eine Übersichtsarbeit von Fox, Naughton und Haskell aus dem Jahr 1971 in den Annals of Clinical Research zurück. Die Sportwissenschaftler Robergs und Landwehr zeigten im Jahr 2002 im Journal of Exercise Physiology Online, dass diese Formel nicht aus einer eigenen Studie stammt, sondern aus einer grafischen Zusammenschau von etwa elf älteren Datenquellen. Sie bewerteten die Formel für die Trainingssteuerung als wissenschaftlich nicht ausreichend begründet. Trotzdem ist die Formel bis heute in vielen Pulsuhren und Trainingsplänen voreingestellt, weil sie einfach zu rechnen ist.
Was ändert die Tanaka-Formel?
Der Physiologe Hirofumi Tanaka und Kollegen und Kolleginnen werteten im Jahr 2001 im Journal of the American College of Cardiology 351 Studien mit insgesamt 18.712 gesunden Erwachsenen in einer Metaanalyse aus, also einer statistischen Zusammenfassung vieler Einzelstudien. Daraus ergab sich die Formel: maximale Herzfrequenz = 208 − 0,7 × Lebensalter. Das Forschungsteam prüfte die Formel zusätzlich an 514 gesunden Menschen im eigenen Labor und kam auf nahezu dieselbe Gleichung. Nach den Daten dieser Arbeit unterschied sich der Zusammenhang zwischen Alter und Maximalpuls nicht zwischen Männern und Frauen und auch nicht zwischen trainierten und untrainierten Menschen. Die alte Faustregel unterschätzt laut Tanaka den Maximalpuls vor allem bei älteren Menschen. Der Herzfrequenz-Rechner nutzt die Tanaka-Formel deshalb als Standard.
Warum gibt es eine eigene Formel für Frauen?
Die Kardiologin Martha Gulati und das Forschungsteam untersuchten im Jahr 2010 in der Zeitschrift Circulation 5.437 Frauen ohne Herzbeschwerden, die im Jahr 1992 einen Belastungstest bis zur Erschöpfung absolviert hatten. Daraus leiteten sie die Formel ab: maximale Herzfrequenz = 206 − 0,88 × Lebensalter. Für eine 50-jährige Frau ergibt das 162 Schläge pro Minute, die Faustregel 220 minus Alter dagegen 170. Die Autoren und Autorinnen folgerten, dass die Faustregel den Maximalpuls von Frauen überschätzt. Die Gulati-Formel stammt aus einer Gruppe von Frauen aus den USA mit einem mittleren Alter von 52 Jahren und wurde in Europa seltener überprüft. Der Rechner zeigt sie für Frauen deshalb zusätzlich an und lässt die Wahl, welche Formel für die Zonen verwendet wird.
Welche weiteren Formeln gibt es?
Aus der norwegischen HUNT-Studie stammt die Formel: maximale Herzfrequenz = 211 − 0,64 × Lebensalter. Bente Nes und Kollegen und Kolleginnen leiteten sie im Jahr 2013 im Scandinavian Journal of Medicine and Science in Sports aus Belastungstests von 3.320 gesunden Männern und Frauen ab. Ältere Formeln unterschätzten in dieser Gruppe den gemessenen Maximalpuls bei Menschen über 30 Jahren. Daneben kursieren in Laufzeitschriften und Trainingsratgebern weitere Formeln, die nach einzelnen Trainern benannt sind und Körpergewicht oder Trainingszustand einrechnen. Für diese Varianten fehlen größere veröffentlichte Prüfungen, deshalb nutzt der Rechner sie nicht.
Wie sieht ein Rechenbeispiel aus?
Nehmen wir einen 45-jährigen Mann mit einem Ruhepuls von 62 Schlägen pro Minute. Nach der Tanaka-Formel ergibt sich 208 − 0,7 × 45 = 208 − 31,5 = 176,5, gerundet also 177 Schläge pro Minute. Die Faustregel nach Fox liefert 220 − 45 = 175, die HUNT-Formel 211 − 0,64 × 45 = 182,2, gerundet 182. Die Spanne zwischen den Formeln beträgt bei ihm also sieben Schläge, die tatsächliche Streuung zwischen einzelnen Menschen ist noch größer. Im nächsten Schritt berechnet der Rechner aus dem Tanaka-Wert die Herzfrequenzreserve: 177 − 62 = 115 Schläge. Für eine moderate Belastung zwischen 40 und 59 Prozent der Herzfrequenzreserve ergibt sich 62 + 0,40 × 115 = 108 bis 62 + 0,59 × 115 = 129,85, gerundet also ein Bereich von 108 bis 130 Schlägen pro Minute.
Wie kann man Herzfrequenzzonen berechnen?
Herzfrequenzzonen, auch Trainingszonen oder Pulszonen genannt, sind Bereiche der Herzfrequenz, die einer bestimmten Belastungsintensität entsprechen. Sie helfen, das Training gezielt zu dosieren: lockere Einheiten für die Grundlagenausdauer, mittlere Belastungen für das Tempo und kurze harte Abschnitte für intensive Intervalle. Es gibt zwei verbreitete Methoden, um die Herzfrequenzzonen zu berechnen.
Welche Zonen ergeben sich aus Prozent der maximalen Herzfrequenz?
Die einfachste Methode legt feste Prozentwerte der maximalen Herzfrequenz fest. Das American College of Sports Medicine, kurz ACSM, ordnete in seiner Stellungnahme von Garber und Kollegen und Kolleginnen aus dem Jahr 2011 in Medicine and Science in Sports and Exercise die Intensität so ein: unter 57 Prozent sehr leicht, 57 bis 63 Prozent leicht, 64 bis 76 Prozent moderat, 77 bis 95 Prozent intensiv und ab 96 Prozent nahezu maximal. In Sportvereinen und auf Pulsuhren ist außerdem ein Schema mit fünf Zonen in Zehn-Prozent-Schritten zwischen 50 und 100 Prozent verbreitet. Dieses Fünf-Zonen-Schema stammt aus der Trainingspraxis und ist keine Leitlinienempfehlung, die Grenzen unterscheiden sich je nach Hersteller und Trainingslehre. Der Rechner zeigt beide Darstellungen und kennzeichnet sie entsprechend.
Was ist die Karvonen-Methode?
Der finnische Physiologe Martti Karvonen beschrieb im Jahr 1957 in den Annales Medicinae Experimentalis et Biologiae Fenniae eine Methode, die zusätzlich den Ruhepuls einbezieht. Dafür wird zuerst die Herzfrequenzreserve bestimmt: maximale Herzfrequenz minus Ruhepuls. Der Trainingspuls ergibt sich dann als Ruhepuls plus gewünschter Prozentanteil mal Herzfrequenzreserve. Das ACSM nennt im Jahr 2011 für diese Methode 40 bis 59 Prozent der Herzfrequenzreserve als moderat und 60 bis 89 Prozent als intensiv. Weil der Ruhepuls bei gut trainierten Menschen niedriger liegt, verschiebt die Karvonen-Methode die Zonen individuell. Sie gilt deshalb als genauer als reine Prozentwerte, bleibt aber von der geschätzten maximalen Herzfrequenz abhängig.
Wie misst man den Ruhepuls richtig?
Der Ruhepuls wird am besten morgens direkt nach dem Aufwachen gemessen, noch im Liegen und vor dem ersten Kaffee. Dafür zählt man die Pulsschläge am Handgelenk oder am Hals über eine volle Minute oder misst mit einem Brustgurt. Weil der Wert von Tag zu Tag schwankt, ist der Mittelwert aus drei bis fünf Messungen an verschiedenen Tagen aussagekräftiger als eine Einzelmessung. Infekte, wenig Schlaf, Alkohol am Vorabend oder Stress erhöhen den Ruhepuls vorübergehend. Bei Erwachsenen gilt nach Angaben der American Heart Association ein Ruhepuls zwischen 60 und 100 Schlägen pro Minute als üblicher Bereich, ausdauertrainierte Sportler und Sportlerinnen liegen oft darunter.
Was bedeutet das Ergebnis des Herzfrequenz-Rechners?
Der Herzfrequenz-Rechner liefert eine Schätzung, keinen Messwert. Das Ergebnis beschreibt, wo die maximale Herzfrequenz eines durchschnittlichen gesunden Menschen in Deinem Alter liegt. Ob Dein persönlicher Wert darüber oder darunter liegt, kann keine Formel sagen.
Wie lassen sich die Trainingszonen nutzen?
Für die Grundlagenausdauer wird meist im leichten bis moderaten Bereich trainiert, also in einem Tempo, bei dem man sich noch in ganzen Sätzen unterhalten kann. Intensive Bereiche eignen sich für kürzere Abschnitte und setzen eine ausreichende Grundfitness voraus. Die Weltgesundheitsorganisation, kurz WHO, empfiehlt Erwachsenen in ihrer Leitlinie von Bull und Kollegen und Kolleginnen aus dem Jahr 2020 im British Journal of Sports Medicine pro Woche 150 bis 300 Minuten Ausdauerbewegung mit moderater Intensität oder 75 bis 150 Minuten mit hoher Intensität oder eine Kombination aus beidem. Die Trainingszonen aus dem Rechner helfen, diese Intensitäten im Alltag grob zu treffen.
Warum passt die berechnete Zone manchmal nicht zum Gefühl?
Wenn sich ein berechneter moderater Bereich sehr anstrengend oder auffallend leicht anfühlt, liegt das häufig daran, dass der persönliche Maximalpuls von der Formel abweicht. Hinzu kommen Faktoren wie Hitze, Höhe, Flüssigkeitsmangel, Schlafmangel oder ein beginnender Infekt, die den Puls bei gleicher Belastung erhöhen. Ergänzend zur Herzfrequenz eignet sich die subjektive Anstrengung, die der schwedische Psychologe Gunnar Borg im Jahr 1982 in Medicine and Science in Sports and Exercise als Skala beschrieb. Stimmen Pulszone und Empfinden dauerhaft nicht überein, ist eine gemessene maximale Herzfrequenz sinnvoller als eine andere Formel.
Wie genau kann man die maximale Herzfrequenz berechnen?
Alle Altersformeln treffen den Durchschnitt großer Gruppen recht gut, den Einzelfall aber nur ungefähr. Die Abweichung ist so groß, dass Trainingszonen aus einer Formel für manche Menschen spürbar zu hoch oder zu niedrig liegen.
Wie groß ist die Streuung?
In der HUNT-Studie von Nes und Kollegen und Kolleginnen aus dem Jahr 2013 lag der Standardschätzfehler der Altersformel bei 10,8 Schlägen pro Minute. Der Standardschätzfehler beschreibt, wie weit gemessene Werte typischerweise um den berechneten Wert streuen. Etwa zwei Drittel der Menschen liegen innerhalb dieser Spanne, ein Drittel weicht stärker ab. Robergs und Landwehr berichteten im Jahr 2002 über mehrere Jahrzehnte Forschung hinweg Schätzfehler zwischen sieben und elf Schlägen pro Minute. Für einen 45-jährigen Mann mit berechneten 177 Schlägen kann der tatsächliche Maximalpuls also ohne Weiteres zwischen etwa 166 und 188 liegen, in Einzelfällen noch weiter entfernt. Diese Unsicherheit gilt für jede Formel, auch für die Tanaka-Formel und die Gulati-Formel.
Welche Messmethoden sind genauer?
Genauer ist eine Messung bei echter Ausbelastung. Im ärztlichen Umfeld geschieht das mit einem Belastungs-EKG, bei dem während einer stufenweise steigenden Belastung auf Fahrrad oder Laufband die Herzströme aufgezeichnet werden. Noch umfassender ist die Spiroergometrie, bei der zusätzlich die Atemgase gemessen werden. Sie gilt als Goldstandard der Leistungsdiagnostik und erlaubt es, Trainingsbereiche über die Stoffwechselschwellen statt über Prozentwerte festzulegen. Als Alternative nutzen Sportler und Sportlerinnen einen Feldtest, etwa mehrere ansteigende Läufe bis zur Erschöpfung mit Brustgurt. Ein solcher Feldtest ist nur für Gesunde geeignet, die regelmäßig trainieren und keine Herzbeschwerden haben, und ersetzt keine ärztliche Untersuchung.
Wie zuverlässig sind Pulsuhren?
Viele Sportuhren schätzen die maximale Herzfrequenz automatisch aus Trainingsdaten oder übernehmen eine Altersformel. Die Messung am Handgelenk erfolgt optisch über Lichtsensoren und kann bei schnellen Tempowechseln, Kälte oder lockerem Sitz vom tatsächlichen Wert abweichen. Brustgurte, die die elektrischen Herzsignale erfassen, gelten bei intensiven Belastungen als zuverlässiger. Validierungsstudien prüfen meist einzelne Modelle unter Laborbedingungen an jungen Gesunden, ihre Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf andere Geräte oder ältere Menschen übertragen.
Bei wem lässt sich die maximale Herzfrequenz berechnen und bei wem nicht?
Die Formeln wurden an gesunden Erwachsenen ohne herzwirksame Medikamente entwickelt. Für folgende Gruppen sind die Ergebnisse nicht aussagekräftig:
- Menschen, die Betablocker oder andere herzfrequenzsenkende Medikamente einnehmen: Diese Wirkstoffe senken Ruhepuls und maximale Herzfrequenz, die berechneten Zonen liegen dann zu hoch.
- Menschen mit bekannter Herzerkrankung, mit Herzschrittmacher, nach Herzinfarkt oder mit Herzrhythmusstörungen: Hier legt das Behandlungsteam die Belastungsgrenzen fest, meist auf Basis eines Belastungstests.
- Schwangere: Herzfrequenz und Kreislauf verändern sich in der Schwangerschaft, deshalb wird die Intensität in der Regel über das Anstrengungsempfinden und nach Rücksprache mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt gesteuert.
- Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: Die Formeln wurden an Erwachsenen abgeleitet.
- Leistungssportler und Leistungssportlerinnen: Für eine präzise Trainingssteuerung reicht eine Schätzung nicht aus, hier ist eine Leistungsdiagnostik üblich.
Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie, kurz ESC, empfiehlt in ihrer Leitlinie zur Sportkardiologie von Pelliccia und Kollegen und Kolleginnen aus dem Jahr 2020 für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine individuelle Trainingsverordnung, möglichst auf Grundlage eines Belastungstests.
Welche Rolle spielt die Herzfrequenz für gesundes Altern?
Die maximale Herzfrequenz selbst lässt sich durch Training kaum beeinflussen und ist kein Ziel für gesundes Altern. Aufmerksamkeit in der Forschung erhalten eher drei andere Werte: der Ruhepuls, der Anstieg der Herzfrequenz unter Belastung und die Erholung danach.
Was zeigen Studien zum Ruhepuls?
In großen Beobachtungsstudien und deren Zusammenfassungen, etwa der Metaanalyse von Zhang und Kollegen und Kolleginnen aus dem Jahr 2016 im Canadian Medical Association Journal, ging ein höherer Ruhepuls mit einer höheren Sterblichkeit einher. Beobachtungsstudien zeigen aber nur einen Zusammenhang und keinen Beweis für Ursache und Wirkung. Ein erhöhter Ruhepuls kann Ausdruck von geringer Fitness, Übergewicht, Rauchen, Schlafmangel, einer Schilddrüsenüberfunktion oder einer noch unerkannten Erkrankung sein. Ob ein gezielt gesenkter Ruhepuls bei Gesunden das Leben verlängert, ist nicht belegt.
Was sagt der Anstieg unter Belastung aus?
Steigt die Herzfrequenz unter Belastung nicht ausreichend an, sprechen Fachleute von chronotroper Inkompetenz. In der Studie von Gulati aus dem Jahr 2010 war ein geringerer Anstieg bei den untersuchten Frauen nach Berücksichtigung anderer Risikofaktoren mit einem höheren Sterberisiko verbunden. Ähnliches gilt für eine langsame Erholung der Herzfrequenz nach Belastungsende, die Cole und Kollegen und Kolleginnen im Jahr 1999 im New England Journal of Medicine an Menschen nach einem Belastungstest beschrieben. Beides wird ärztlich im Belastungs-EKG beurteilt und lässt sich mit einem Online-Rechner nicht erfassen. Was für gesundes Altern belegt ist, betrifft die Reihenfolge Schlaf, regelmäßige Bewegung und ausgewogene Ernährung, ergänzt durch die ärztliche Kontrolle von Blutdruck und Blutfetten.
Wann sollte man die Herzfrequenz ärztlich abklären lassen?
Eine ärztliche Untersuchung vor dem Trainingsbeginn ist sinnvoll, wenn jemand nach längerer Pause wieder intensiv trainieren möchte und Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen, starkes Übergewicht oder Herzerkrankungen in der Familie hat. Auch ein Ruhepuls, der wiederholt über dem von der American Heart Association genannten üblichen Bereich bis 100 Schlägen pro Minute liegt, gehört abgeklärt, ebenso ein sehr niedriger Ruhepuls mit Schwindel oder Müdigkeit und ein auffallend unregelmäßiger Puls.
Wann ist ärztliche Hilfe nötig?
Bei folgenden Warnzeichen sofort die Belastung beenden und ärztliche Hilfe holen, im Notfall den Notruf 112 in Deutschland und Österreich oder 144 in der Schweiz wählen:
- Schmerzen, Druck oder Engegefühl in der Brust, auch mit Ausstrahlung in Arm, Kiefer oder Oberbauch.
- Plötzliche Atemnot, die nicht zur Belastung passt.
- Schwindel, Benommenheit oder kurze Bewusstlosigkeit während oder nach dem Training.
- Herzrasen, Herzstolpern oder ein Puls, der in Ruhe nicht wieder sinkt.
Welche Fachrichtung ist zuständig?
Erste Anlaufstelle ist die hausärztliche Praxis. Für Belastungs-EKG, Herzultraschall und die Abklärung von Rhythmusstörungen ist die Kardiologie zuständig, für die Leistungsdiagnostik im Sport die Sportmedizin. Fachärzte und Fachärztinnen der Kardiologie und Sportmedizin findest Du in der Arztsuche.
Wer übernimmt die Kosten für Belastungstests?
In Deutschland übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung ein Belastungs-EKG oder eine Spiroergometrie, wenn ein medizinischer Grund vorliegt, etwa Beschwerden oder eine bekannte Herzerkrankung. Eine reine Trainingsdiagnostik ohne medizinischen Anlass ist in der Regel eine Selbstzahlerleistung, die Kosten sollten vorab erfragt werden.
In Österreich wird ein Belastungstest bei ärztlicher Zuweisung und medizinischer Notwendigkeit von der Krankenversicherung übernommen. Bei Wahlärzten und Wahlärztinnen orientiert sich die Erstattung am Kassentarif, eine sportmedizinische Leistungsdiagnostik ohne Krankheitsbezug wird meist privat bezahlt.
In der Schweiz übernimmt die obligatorische Krankenpflegeversicherung ärztlich angeordnete Untersuchungen bei medizinischer Indikation, abzüglich Franchise und Selbstbehalt. Eine Leistungsdiagnostik für das Training gehört nicht zum Leistungskatalog und wird privat oder über eine Zusatzversicherung bezahlt.
Quellen
Borg, G. A. (1982): Psychophysical bases of perceived exertion. Medicine and Science in Sports and Exercise, 14(5), 377-381. DOI: 10.1249/00005768-198205000-00012
Bull, F. C. et al. (2020): World Health Organization 2020 guidelines on physical activity and sedentary behaviour. British Journal of Sports Medicine, 54(24), 1451-1462. DOI: 10.1136/bjsports-2020-102955
Cole, C. R. et al. (1999): Heart-rate recovery immediately after exercise as a predictor of mortality. New England Journal of Medicine, 341(18), 1351-1357. DOI: 10.1056/NEJM199910283411804
Fox, S. M., Naughton, J. P., Haskell, W. L. (1971): Physical activity and the prevention of coronary heart disease. Annals of Clinical Research, 3(6), 404-432. PMID: 4945367
Garber, C. E. et al. (2011): Quantity and quality of exercise for developing and maintaining cardiorespiratory, musculoskeletal, and neuromotor fitness in apparently healthy adults. Medicine and Science in Sports and Exercise, 43(7), 1334-1359. DOI: 10.1249/MSS.0b013e318213fefb
Gulati, M. et al. (2010): Heart rate response to exercise stress testing in asymptomatic women: the St. James Women Take Heart Project. Circulation, 122(2), 130-137. DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.110.939249
Karvonen, M. J., Kentala, E., Mustala, O. (1957): The effects of training on heart rate; a longitudinal study. Annales Medicinae Experimentalis et Biologiae Fenniae, 35(3), 307-315. PMID: 13470504
Nes, B. M. et al. (2013): Age-predicted maximal heart rate in healthy subjects: The HUNT fitness study. Scandinavian Journal of Medicine and Science in Sports, 23(6), 697-704. DOI: 10.1111/j.1600-0838.2012.01445.x
Pelliccia, A. et al. (2021): 2020 ESC Guidelines on sports cardiology and exercise in patients with cardiovascular disease. European Heart Journal, 42(1), 17-96. DOI: 10.1093/eurheartj/ehaa605
Robergs, R. A., Landwehr, R. (2002): The surprising history of the „HRmax = 220 – age“ equation. Journal of Exercise Physiology Online, 5(2), 1-10.
Tanaka, H., Monahan, K. D., Seals, D. R. (2001): Age-predicted maximal heart rate revisited. Journal of the American College of Cardiology, 37(1), 153-156. DOI: 10.1016/S0735-1097(00)01054-8
Zhang, D., Shen, X., Qi, X. (2016): Resting heart rate and all-cause and cardiovascular mortality in the general population: a meta-analysis. Canadian Medical Association Journal, 188(3), E53-E63. DOI: 10.1503/cmaj.150535
American Heart Association (2024): All About Heart Rate (Pulse). Zur Seite der American Heart Association: https://www.heart.org/en/health-topics/high-blood-pressure/the-facts-about-high-blood-pressure/all-about-heart-rate-pulse
Stell sie anonym. Die MOOCI-Redaktion prüft jede Frage und holt die Antwort einer Fachärztin oder eines Facharztes ein. Beantwortete Fragen erscheinen hier auf der Seite, ohne Namen. Bei akuten Beschwerden wende Dich bitte direkt an Deine Praxis oder den ärztlichen Notdienst.
Häufige Fragen
Dieser Beitrag wurde von der internen MOOCI-Redaktion erstellt, inhaltlich geprüft und freigegeben. Bei der Recherche und Aufbereitung setzen wir auch KI-gestützte Werkzeuge ein; jeder Text wird vor der Veröffentlichung von unserer Redaktion fachlich gegengelesen. Die redaktionelle Verantwortung trägt Nadja Sukalia, Content Managerin bei MOOCI. Die medizinische Prüfung erfolgt durch Ärztinnen und Ärzte aus unserem Fachnetzwerk.
