Wenn bei einer Kontrolle ein größerer Defekt durch Karies festgestellt wird, stellt sich die Frage nach der passenden Versorgung. Für kleinere Schäden reicht häufig eine klassische Zahnfüllung. Ist der Defekt größer, aber noch genügend stabile Zahnsubstanz vorhanden, kann ein Inlay eine Möglichkeit sein. Dabei handelt es sich um eine Einlagefüllung, die außerhalb des Mundes angefertigt und anschließend passgenau in den Zahn eingesetzt wird.
Inlays kommen vor allem bei Backenzähnen zum Einsatz und können bei guter Pflege viele Jahre halten. Auf dieser Seite erfährst Du, was ein Inlay genau ist, wie es sich von Füllung, Onlay und Zahnkrone unterscheidet, welche Materialien zur Auswahl stehen, wie die Behandlung abläuft und mit welchen Kosten Du rechnen solltest.
Das Wichtigste in Kürze
Ein Inlay ist eine passgenau angefertigte Einlagefüllung für größere Zahndefekte, besonders im Bereich der Backenzähne. Keramikinlays sind zahnfarben und ästhetisch unauffällig. Goldinlays fallen optisch stärker auf, sind dafür seit Jahrzehnten für ihre lange Haltbarkeit bekannt.
Klassisch sind für ein Inlay zwei Termine notwendig. Mit einem digitalen CAD/CAM Verfahren kann ein Keramikinlay teilweise innerhalb einer Sitzung hergestellt und eingesetzt werden. Die Kosten hängen von Material, Größe und Herstellungsverfahren ab. In Deutschland beteiligt sich die gesetzliche Krankenkasse über die entsprechende Kassenfüllung, die darüber hinausgehenden Mehrkosten trägst Du selbst.
Auf einen Blick
- Einsatzbereich: vor allem größere Defekte an Backenzähnen, wenn ausreichend stabile Zahnsubstanz vorhanden ist
- Materialien: Keramik, Gold oder Komposit
- Betäubung: örtliche Betäubung
- Dauer: klassisch zwei Termine, mit CAD/CAM teilweise in einer Sitzung möglich
- Herstellung: im zahntechnischen Labor oder computergestützt direkt in der Zahnarztpraxis
- Haltbarkeit: bei guter Pflege viele Jahre, abhängig von Material, Defektgröße und Belastung
- Kosten: je nach Material und Land etwa 250 bis 1.500 Euro beziehungsweise Franken
Was ist ein Inlay?
Ein Inlay ist eine individuell angefertigte Einlagefüllung, mit der ein Defekt im Zahn versorgt wird. Anders als eine plastische Füllung wird es nicht direkt im Mund geformt und ausgehärtet. Stattdessen entsteht es im zahntechnischen Labor oder mithilfe eines digitalen CAD/CAM Verfahrens direkt in der Zahnarztpraxis. Anschließend wird das fertige Inlay in den vorbereiteten Zahn eingesetzt und befestigt.
Inlays werden vor allem im Seitenzahnbereich eingesetzt. Typische Gründe sind größere Kariesdefekte, der Austausch defekter oder undichter Füllungen und Schäden an bestehenden Restaurationen. Entscheidend ist, dass nach der Vorbereitung des Zahnes noch ausreichend stabile Zahnsubstanz vorhanden ist. Sind auch die Zahnhöcker stark geschwächt, kann stattdessen ein Onlay, eine Teilkrone oder eine Krone notwendig sein.
Was ist der Unterschied zwischen Inlay, Füllung, Onlay und Krone?
Welche Versorgung geeignet ist, hängt vor allem von Größe und Lage des Zahndefekts sowie von der verbleibenden Zahnsubstanz ab.
Eine direkte Füllung aus Komposit eignet sich häufig für kleine bis mittelgroße Defekte. Komposit ist ein zahnfarbener Kunststoff, der mit feinen Füllstoffen verstärkt ist. Das Material wird direkt im Zahn verarbeitet und in derselben Sitzung ausgehärtet.
Ein Inlay wird dagegen außerhalb des Mundes angefertigt und anschließend eingesetzt. Es liegt innerhalb der Kaufläche und ersetzt keine Zahnhöcker.
Ein Onlay ist größer und bedeckt zusätzlich einen oder mehrere Zahnhöcker. Ein Overlay umfasst einen noch größeren Teil der Kaufläche. Die Übergänge zwischen Onlay, Overlay und Teilkrone sind nicht immer eindeutig und die Begriffe werden in der Zahnmedizin teilweise unterschiedlich verwendet.
Eine Krone umfasst einen großen Teil der sichtbaren Zahnsubstanz. Sie kommt infrage, wenn der Zahn so stark geschädigt oder geschwächt ist, dass eine kleinere Versorgung nicht mehr ausreicht. Auch nach einer Wurzelbehandlung kann eine Krone notwendig sein, sie ist jedoch nicht automatisch bei jedem wurzelbehandelten Zahn erforderlich.
Grundsätzlich gilt: So viel gesunde Zahnsubstanz wie möglich sollte erhalten bleiben. Welche Versorgung dafür geeignet ist, entscheidet Dein Zahnarzt anhand des individuellen Befunds.
Aus welchen Materialien bestehen Inlays?
Für Inlays werden vor allem Keramik, Goldlegierungen und Komposit verwendet. Die Materialien unterscheiden sich in Aussehen, Verarbeitung, Haltbarkeit und Kosten.
Keramikinlay
Keramik ist eine häufig verwendete Möglichkeit für zahnfarbene Inlays. Die Farbe lässt sich an den natürlichen Zahn anpassen, sodass die Versorgung optisch kaum auffällt. Moderne Dentalkeramiken sind formstabil und gut körperverträglich. Ein weiterer Vorteil ist, dass Keramik kein Metall enthält. Keramikinlays werden in der Regel adhäsiv befestigt. Adhäsiv bedeutet, dass das Inlay über ein spezielles Befestigungssystem fest mit der Zahnsubstanz verklebt wird.
Goldinlay
Goldinlays bestehen aus speziellen Goldlegierungen und gehören zu den am längsten eingesetzten Inlay Materialien. Sie lassen sich sehr präzise verarbeiten und können bei guter Mundhygiene und günstiger Belastung viele Jahre bis Jahrzehnte halten. Der deutlichste Nachteil ist die sichtbare goldene Farbe. Deshalb werden Goldinlays heute vor allem im hinteren Seitenzahnbereich eingesetzt. Auch der Materialpreis kann die Behandlung verteuern.
Kompositinlay
Kompositinlays bestehen aus zahnfarbenen, kunststoffbasierten Materialien mit anorganischen Füllstoffen. Im Gegensatz zu einer direkten Kompositfüllung werden sie außerhalb des Mundes gefertigt und ausgehärtet. Sie können eine ästhetische Alternative zu Keramik oder Gold sein und sind häufig günstiger. Welches Material im Einzelfall sinnvoll ist, hängt unter anderem von der Größe des Defekts, der Belastung des Zahnes und Deinen ästhetischen Ansprüchen ab.
Wie läuft die Behandlung mit einem Inlay ab?
Vor der Behandlung untersucht Dein Zahnarzt den betroffenen Zahn und prüft, wie viel gesunde Zahnsubstanz vorhanden ist. Je nach Befund kann zusätzlich ein Röntgenbild notwendig sein. Anschließend bespricht er mit Dir, ob ein Inlay geeignet ist, welches Material infrage kommt und welche Kosten entstehen.
Zahn vorbereiten
Zu Beginn wird der Zahn in der Regel örtlich betäubt. Dein Zahnarzt entfernt die alte Füllung und kariös veränderte Zahnsubstanz so weit, wie es medizinisch notwendig ist. Anschließend wird die sogenannte Kavität vorbereitet. Damit ist der Defekt beziehungsweise Hohlraum im Zahn gemeint, in den später das Inlay eingesetzt wird. Die Form muss so gestaltet sein, dass das Inlay stabil sitzt und ausreichend Materialstärke besitzt.
Abdruck oder digitaler Scan
Im klassischen Verfahren wird anschließend ein Abdruck genommen. Alternativ kann der Zahn digital mit einem Intraoralscanner erfasst werden. Die Daten werden an das zahntechnische Labor übermittelt, das daraus das individuelle Inlay herstellt. Bis zur Fertigstellung erhältst Du normalerweise eine provisorische Versorgung, die den Zahn schützt.
Inlay einsetzen
Nach der Fertigstellung wird das Provisorium entfernt und das Inlay eingesetzt. Dein Zahnarzt kontrolliert Passung, Kontakt zu den Nachbarzähnen und Biss. Keramikinlays und viele Kompositinlays werden adhäsiv verklebt. Goldinlays können mit geeigneten Befestigungszementen eingesetzt werden. Abschließend werden die Übergänge kontrolliert, die Oberfläche poliert und der Biss angepasst.
Inlay mit CAD/CAM in einer Sitzung
Mit einem computergestützten CAD/CAM Verfahren kann die Herstellung teilweise direkt in der Praxis erfolgen. CAD steht für computergestützte Konstruktion, CAM für computergestützte Fertigung. Beim CEREC Verfahren wird der vorbereitete Zahn digital gescannt. Anschließend wird die Versorgung am Computer konstruiert und meist aus einem Keramikblock gefräst. Dadurch kann das Inlay je nach Praxis und Befund noch am selben Tag eingesetzt werden. Ein Provisorium und ein zweiter Behandlungstermin können dadurch entfallen.
Wie lange hält ein Inlay?
Ein Inlay kann bei guter Pflege viele Jahre halten. Wie lange genau, hängt vom Material, der Größe und Lage des Inlays, der verbleibenden Zahnsubstanz und der Belastung beim Kauen ab.
Keramikinlays zeigen auch nach mehr als zehn Jahren gute Langzeitergebnisse. In einer aktuellen Langzeituntersuchung lag die Überlebensrate keramischer Inlays und Onlays nach durchschnittlich rund 15 Jahren bei etwa 94 Prozent. Goldinlays sind ebenfalls für ihre hohe Haltbarkeit bekannt und können 20 Jahre oder länger erhalten bleiben.
Entscheidend für die Lebensdauer ist aber nicht nur das Material. Wichtig sind vor allem:
- eine gründliche Mundhygiene
- regelmäßige zahnärztliche Kontrollen
- die Reinigung der Zahnzwischenräume
- ein möglichst kariesfreies Umfeld am Rand des Inlays
- eine angemessene Belastung des Zahnes
Neue Karies am Rand oder unter einer bestehenden Versorgung wird als Sekundärkaries bezeichnet und kann einen Austausch notwendig machen. Auch Frakturen, ein Verlust der Haftung oder Probleme am behandelten Zahn können dazu führen, dass ein Inlay erneuert werden muss.
Wenn Du stark mit den Zähnen knirschst oder presst, spricht man von Bruxismus. Dadurch werden Zähne und Restaurationen zusätzlich belastet. In solchen Fällen kann eine individuell angefertigte Aufbissschiene sinnvoll sein.
Für wen ist ein Inlay geeignet?
Ein Inlay eignet sich vor allem für mittelgroße bis größere Defekte an Backenzähnen, wenn für eine direkte Zahnfüllung bereits viel Zahnsubstanz ersetzt werden müsste, aber noch genügend stabile Zahnsubstanz für eine Einlagefüllung vorhanden ist.
Auch beim Austausch einer beschädigten oder undichten alten Füllung kann ein Inlay infrage kommen. Nach der Entfernung einer alten Amalgamfüllung entscheiden sich manche Patienten beispielsweise für ein metallfreies Keramikinlay. Mehr zum Umgang mit alten Amalgamfüllungen erfährst Du auf unserer Seite zur Amalgamsanierung.
Ein Inlay ist dagegen nicht für jeden Defekt die beste Lösung. Bei kleinen Schäden ist eine direkte Kompositfüllung häufig ausreichend und schont mehr gesunde Zahnsubstanz. Ist der Zahn bereits stark geschwächt und müssen auch Zahnhöcker geschützt werden, kann ein Onlay, eine Teilkrone oder eine Zahnkrone besser geeignet sein.
Auch starkes unbehandeltes Zähneknirschen, eine ungünstige Bisssituation oder Erkrankungen des Zahnhalteapparates können die Wahl der Versorgung beeinflussen. Bei Kindern und Jugendlichen werden häufiger direkte Füllungen eingesetzt. Welche Lösung sinnvoll ist, entscheidet Dein Zahnarzt anhand des individuellen Befunds.
Was kostet ein Inlay?
Die Kosten für ein Inlay hängen vom Material, von der Größe des Defekts, von der Anzahl der betroffenen Zahnflächen sowie vom Aufwand in Zahnarztpraxis und Labor ab. Auch die Herstellung mit einem CAD/CAM Verfahren kann den Preis beeinflussen.
Die folgenden Preise dienen als Orientierung pro Zahn:
Die tatsächlichen Kosten können je nach Praxis, Labor, Größe des Inlays und Material deutlich abweichen. Vor der Behandlung solltest Du Dir deshalb einen individuellen Kostenvoranschlag geben lassen.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für ein Inlay?
Deutschland
Ein Inlay gehört nicht zur regulären Kassenversorgung. Entscheidest Du Dich für eine Einlagefüllung, rechnet Dein Zahnarzt die entsprechende Kassenleistung für eine Zahnfüllung mit der gesetzlichen Krankenkasse ab. Die darüber hinausgehenden Kosten für das Inlay zahlst Du selbst. Dafür wird vor der Behandlung eine Mehrkostenvereinbarung abgeschlossen.
Seit dem 1. Januar 2025 stehen für Seitenzähne andere zuzahlungsfreie Füllungsmaterialien zur Verfügung, nachdem Amalgam grundsätzlich nicht mehr verwendet werden darf. Deshalb lässt sich der Kassenanteil nicht sinnvoll mit einem pauschalen Betrag von 30 bis 60 Euro angeben.
Eine private Zahnzusatzversicherung kann je nach Tarif einen Teil der Mehrkosten übernehmen. Bei einer privaten Krankenversicherung richtet sich die Erstattung ebenfalls nach dem vereinbarten Tarif.
Österreich
In Österreich hängt die Kostenübernahme von Deinem Krankenversicherungsträger und vom konkreten Befund ab. Inlays werden häufig als Privatleistung verrechnet. Unter bestimmten Voraussetzungen kann jedoch ein Kostenzuschuss möglich sein.
Wie hoch dieser ausfällt, lässt sich nicht allgemein festlegen. Deshalb solltest Du vor der Behandlung einen Kostenvoranschlag bei Deinem zuständigen Krankenversicherungsträger einreichen.
Schweiz
In der Schweiz werden gewöhnliche Zahnbehandlungen grundsätzlich nicht von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung übernommen. Das gilt in der Regel auch für ein Inlay.
Ausnahmen bestehen bei bestimmten schweren Erkrankungen des Kausystems oder Allgemeinerkrankungen sowie unter bestimmten Voraussetzungen nach einem Unfall. Ansonsten trägst Du die Kosten selbst oder reichst sie bei einer vorhandenen Zahnzusatzversicherung ein.
Quellen
Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV): Einlagefüllungen, Stand Januar 2025 – https://www.kzbv.de/patienten/medizinische-infos/karies-und-fuellungen/einlagefuellungen/
Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Zahnfüllungen und Inlays – https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/zaehne/zahnbehandlungen/fuellungen-inlays.html
Bundesamt für Gesundheit Schweiz: Zahnärztliche Behandlung in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung – https://www.bag.admin.ch/de/zahnaerztliche-behandlung
Krug R, Droste L, Schreiber C et al.: Long-term performance of ceramic in/-onlays vs. cast gold partial crowns – a retrospective clinical study. Clinical Oral Investigations 2024 – https://doi.org/10.1007/s00784-024-05682-7
Donovan T, Simonsen RJ, Guertin G, Tucker RV: Retrospective clinical evaluation of 1,314 cast gold restorations in service from 1 to 52 years. Journal of Esthetic and Restorative Dentistry 2004 – https://doi.org/10.1111/j.1708-8240.2004.tb00034.x
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