Warum die Nase nach der Gipsabnahme stärker geschwollen ist
Der Gips oder die Kunststoffschiene liegt sieben bis zehn Tage auf der Nase und drückt die Haut an das neu geformte Gerüst. In dieser Zeit wird das Gewebe komprimiert, deshalb wirkt die Nase am Tag der Abnahme oft überraschend schmal und definiert. Sobald der Druck wegfällt, dehnt sich das Gewebe wieder aus und nimmt Flüssigkeit auf. Gleichzeitig läuft die eigentliche Heilung erst an: Über der abgetragenen Stelle am Nasenrücken und entlang der Osteotomien, also der kontrollierten Knochenschnitte, bildet der Körper Narben- und Kallusgewebe. Dieses Gewebe ist zwischen Woche zwei und sechs am dicksten.
Das Ergebnis ist genau das, was Du beschreibst. Die Nase wirkt eine bis drei Wochen nach der Gipsabnahme breiter, die Spitze fühlt sich hart und taub an und der Übergang zwischen Rücken und Spitze wölbt sich. Viele Patient:innen fürchten an dieser Stelle, dass der Höcker zurückgekommen ist. Das kann anatomisch nicht passieren, denn abgetragener Knochen und Knorpel wachsen nicht nach. Was Du tastest, ist in aller Regel Schwellung über der Abtragungsfläche.
Wie lange das dauert, ist gut untersucht. Eine dreidimensionale Vermessungsstudie an Rhinoplastiken (PRS Global Open, 2019) zeigte, dass das Nasenvolumen zwischen Tag sieben und Tag 14 am größten ist und erst nach mehr als 250 Tagen nahezu den Endzustand erreicht. Der größte Sprung passiert früh: Nach zwei bis drei Monaten sind 70 bis 80 % der Schwellung verschwunden. Der Rest verteilt sich auf sechs bis zwölf Monate, bei dicker Haut oder nach umfangreichen Knorpeltransplantaten auch länger.
Woran Du normale Schwellung von einem echten Problem unterscheidest
Normale Schwellung fühlt sich weich und leicht teigig an, ist auf Druck etwas empfindlich und verändert sich im Tagesverlauf. Sie ist morgens stärker als abends und nimmt nach Sport, Hitze, Alkohol oder salzigem Essen zu. Sie erreicht meist in Woche drei bis vier ihren Höhepunkt und wird danach von Woche zu Woche weniger. Auch eine Nase, die in den ersten Monaten schief wirkt, ist in dieser Phase fast immer Schwellung, weil die beiden Seiten selten gleich schnell abschwellen.
Aufhorchen solltest Du, wenn Du eine harte, unverschiebliche Vorwölbung mit einer klaren Kante tastest, die über Woche sechs hinaus größer wird. Dahinter kann ein Kallus stecken, also überschießende Knochenneubildung, oder ein belassener Knorpelrest, aus dem später ein Pseudohöcker entsteht. Sofort in ärztliche Hände gehört eine Schwellung, die rot, heiß und pochend schmerzhaft ist oder mit Fieber einhergeht, denn dann steht eine Infektion im Raum. Infektionen treten nach Rhinoplastiken in 0,2 bis 2 % der Fälle auf, häufiger nach Revisionen und bei Transplantaten.
Selbst tun kannst Du wenig, aber es hilft: Schlaf zwei Wochen mit erhöhtem Oberkörper, verzichte acht bis zwölf Wochen auf Kontaktsport, halte sechs Wochen die Brille vom Nasenrücken fern und schütze die Haut ein halbes Jahr mit hohem Lichtschutzfaktor.
Der nächste Schritt für Dich
Mach ab sofort alle zwei Wochen ein Profil- und ein Frontfoto bei gleichem Licht und gleichem Abstand. Diese Serie ist das wertvollste Werkzeug, das Du und Dein Operateur habt, denn im Spiegel siehst Du jeden Tag dieselbe Nase und bemerkst die langsame Abnahme nicht. Zeigt die Serie über Woche sechs hinaus eine Zunahme oder tastest Du eine harte Kante, zieh den Kontrolltermin vor. Dein Operateur kann tasten, mit Taping arbeiten und bei Bedarf eine niedrig dosierte Kortison-Injektion setzen. Beurteilt wird das Ergebnis einer Nasenkorrektur erst nach zwölf Monaten, das gilt auch für jede Entscheidung über eine Nachkorrektur. Wie der Verlauf Woche für Woche aussieht, wie häufig nachkorrigiert wird und welche Komplikationen es gibt, liest Du auf der Seite zu den Erfahrungen, Risiken und Komplikationen der Nasenkorrektur.
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