Was sind Alexandrit- und Nd:YAG-Laser?
Beide Geräte gehören zu den Lasersystemen, die in der ästhetischen Medizin und Dermatologie eingesetzt werden. Sie unterscheiden sich vor allem durch ihre Wellenlänge, also die Art des Lichts, das sie aussenden. Der Alexandritlaser arbeitet mit 755 Nanometern, der Nd:YAG-Laser mit 1064 Nanometern.
Das Wirkprinzip ist bei beiden ähnlich und beruht auf der sogenannten selektiven Photothermolyse. Das Laserlicht wird gezielt von einem Farbstoff im Gewebe aufgenommen, dem Chromophor. Bei der Haarentfernung ist dieser Farbstoff das Melanin in der Haarwurzel, bei Gefäßbehandlungen das Hämoglobin im Blut. Die aufgenommene Lichtenergie wird in Wärme umgewandelt und kann die Zielstruktur schädigen, ohne das umliegende Gewebe stark zu belasten.
Weil sich die beiden Wellenlängen in ihrer Eindringtiefe und ihrer Aufnahme durch Melanin unterscheiden, ergänzen sie sich gut. Genau deshalb gibt es zahlreiche Kombigeräte, die beide Laser in einem System vereinen.
Worin unterscheiden sich 755 nm und 1064 nm?
Der zentrale Unterschied liegt darin, wie stark das Licht von Melanin aufgenommen wird und wie tief es in die Haut eindringt. Das kürzerwellige Licht des Alexandritlasers mit 755 Nanometern wird sehr gut von Melanin absorbiert. Das macht ihn bei dunklem Haar auf heller Haut besonders wirksam, weil viel Energie an der Haarwurzel ankommt.
Genau diese starke Melaninaufnahme kann aber bei dunkler oder gebräunter Haut zum Nachteil werden, weil dann auch das Melanin in der Oberhaut Energie aufnimmt. Hier kommt der Nd:YAG-Laser ins Spiel. Sein längerwelliges Licht mit 1064 Nanometern wird weniger stark von Melanin aufgenommen und dringt tiefer ein. Dadurch lässt sich die Oberhaut besser schonen, was ihn zu einer geeigneteren Option für dunkle Hauttypen und für tiefer liegende Strukturen wie Gefäße macht.
Vereinfacht gesagt punktet der Alexandritlaser bei Kontrast zwischen heller Haut und dunklem Haar, der Nd:YAG-Laser bei Sicherheit auf dunkler Haut und bei tieferen Zielen.
Welcher Laser für welchen Hauttyp (Fitzpatrick)?
Zur Einordnung der Haut nutzt man die Fitzpatrick-Skala, die Hauttypen von I (sehr hell) bis VI (sehr dunkel) einteilt. Sie hilft dabei, die passende Wellenlänge und Einstellung zu wählen.
Für die helleren bis mittleren Hauttypen, etwa Fitzpatrick I bis III, wird häufig der Alexandritlaser eingesetzt, weil hier ein guter Kontrast zwischen Haut und Haar besteht. Bei dunkleren Hauttypen, insbesondere Fitzpatrick V bis VI, sowie bei gebräunter Haut gilt der Nd:YAG-Laser meist als sicherere Wahl, weil er das Risiko von Verbrennungen oder Pigmentverschiebungen in der Oberhaut verringern kann.
Bei mittleren Hauttypen oder gemischten Voraussetzungen sind Kombigeräte praktisch, weil die behandelnde Person je nach Areal und Reaktion der Haut zwischen den Wellenlängen wechseln kann. Eine sorgfältige Voruntersuchung und ein Probeareal sind in jedem Fall sinnvoll, um die individuell passenden Einstellungen zu finden. Eine Garantie für ein bestimmtes Ergebnis lässt sich daraus aber nicht ableiten.
Wofür wird Nd:YAG außer Haarentfernung genutzt (Gefäße, Beinvenen)?
Der Nd:YAG-Laser ist vielseitiger als reine Haarentfernung. Weil sein Licht tief eindringt und vom Hämoglobin im Blut aufgenommen wird, kommt er auch bei oberflächlichen Gefäßveränderungen zum Einsatz. Dazu zählen feine erweiterte Äderchen im Gesicht, sogenannte Teleangiektasien, sowie kleine Besenreiser und feine Beinvenen.
Bei der Gefäßbehandlung wird die Lichtenergie in Wärme umgewandelt, die das Blut im Gefäß erhitzt. Ziel ist es, das Gefäß zu verschließen, sodass es vom Körper nach und nach abgebaut wird. Studien beschreiben den langgepulsten 1064-Nanometer-Nd:YAG-Laser als grundsätzlich geeignete und nicht-invasive Option bei oberflächlichen Gefäßveränderungen. Er kann beispielsweise dann interessant sein, wenn eine Verödung mit der Nadel nicht infrage kommt oder die Gefäße sehr fein sind.
Wie gut das Ergebnis ausfällt, hängt von Größe, Tiefe und Art der Gefäße ab. Oft sind mehrere Sitzungen nötig, und nicht jedes Gefäß spricht gleich gut an. Wichtig zu wissen: Gefäßbehandlungen fallen in Deutschland unter den Arztvorbehalt, dazu unten mehr.
Welche Geräte und Hersteller sind führend?
Im professionellen Bereich gibt es einige etablierte Systeme, die häufig in Kliniken und Praxen zu finden sind. Viele davon sind Kombigeräte mit beiden Wellenlängen.
Von Candela stammen die Systeme GentleMax Pro Plus und GentleLase. Die GentleMax-Reihe ist ein Alexandrit-Nd:YAG-Kombigerät und bekannt für große Behandlungsspots sowie eine integrierte Kühlung. Cynosure bietet mit Apogee+ und Elite iQ ebenfalls Dual-Wellenlängen-Systeme an, wobei das Elite iQ über eine Funktion zur Messung des Hautmelanins verfügt, die bei der Wahl der Einstellungen unterstützen kann.
Lutronic ist mit dem Clarity II vertreten, das Alexandrit und Nd:YAG vereint und variable Spotgrößen für kleine wie große Areale bietet. Von Deka kommen die Geräte der Motus-Reihe (PRO, AX, AY) mit der Moveo-Technologie, einem gleitenden Verfahren, das die Behandlung auch bei dunkleren Hauttypen angenehmer gestalten soll. Lumenis bietet mit dem Splendor X ein System, das Alexandrit- und Nd:YAG-Licht gleichzeitig abgeben kann und mit einem quadratischen Spot arbeitet.
Welches Gerät am besten passt, hängt weniger vom Markennamen als von Hauttyp, Behandlungsziel und vor allem von der Erfahrung der behandelnden Person ab.
Alexandrit vs. Diodenlaser: Worin liegen die Unterschiede?
Neben Alexandrit und Nd:YAG ist der Diodenlaser eine weit verbreitete Technologie zur Haarentfernung. Diodenlaser arbeiten meist mit Wellenlängen um 800 bis 810 Nanometer, also zwischen Alexandrit und Nd:YAG.
Der Alexandritlaser gilt mit seiner starken Melaninaufnahme als besonders wirksam bei hellem Hauttyp mit dunklem Haar. Der Diodenlaser deckt durch seine mittlere Wellenlänge ein etwas breiteres Spektrum an Hauttypen ab und wird häufig wegen seiner Wirtschaftlichkeit und der oft hohen Behandlungsgeschwindigkeit eingesetzt. Manche Anbieter werben damit, dass der Alexandritlaser bei geeigneten Voraussetzungen effektiver sei als Diodenlaser oder IPL. Solche Vergleichsangaben stammen jedoch oft von Anbietern selbst und sollten nicht als allgemeingültiges Versprechen verstanden werden.
In der Praxis kommt es weniger auf die reine Technologie an als darauf, dass Wellenlänge, Einstellung und Hauttyp zusammenpassen und die Behandlung fachgerecht durchgeführt wird.
Wer darf in DACH behandeln (NiSV und Arztvorbehalt)?
In Deutschland gilt die NiSV, die Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen nichtionisierender Strahlung. Sie zieht eine klare Grenze: Die Behandlung von Gefäßveränderungen und pigmentierten Hautveränderungen mit dem Laser sowie die Entfernung von Tätowierungen ist Ärzten und Ärzten mit entsprechender Fortbildung vorbehalten. Diese Anwendungen darf seit Ende 2020 nur ärztliches Personal durchführen.
Die dauerhafte Haarentfernung mit Laser oder IPL ist in Deutschland dagegen auch im kosmetischen Bereich erlaubt, sofern eine nachgewiesene Fachkunde vorliegt. Dafür sieht die NiSV entsprechende Schulungsmodule vor. Seit 2024 sind zusätzlich Anforderungen an Beratung und Dokumentation konkretisiert worden.
In Österreich darf die Laser-Haarentfernung von entsprechend ausgebildeten und gewerblich berechtigten Kosmetikern angeboten werden. Medizinische Haut-, Gefäß- oder Pigmentveränderungen gehören dagegen in ärztliche Hände.
In der Schweiz ist für viele kosmetische Laserbehandlungen ist ein Sachkundenachweis erforderlich. Bestimmte Anwendungen dürfen jedoch nur ärztlich durchgeführt werden. Dazu gehört unter anderem der langgepulste Nd. Auch Behandlungen von Besenreisern und anderen Gefäßveränderungen fallen meist unter den Arztvorbehalt.
Was kostet die Laserbehandlung?
Die Preise hängen vom Körperareal, dem Gerät und dem Anbieter ab. Die folgenden Angaben dienen daher nur als grobe Orientierung pro Sitzung.
In Deutschland kosten kleine bis mittlere Bereiche meist etwa 45 bis 170 Euro. Größere Areale und Kombinationspakete können mehrere Hundert Euro kosten.
In Österreich beginnen kleine Bereiche wie Oberlippe oder Achseln häufig bei etwa 30 bis 50 Euro. Für größere Bereiche wie die kompletten Beine werden ungefähr 150 bis 300 Euro berechnet. Umfangreiche Pakete oder Ganzkörperbehandlungen können etwa 250 bis 700 Euro kosten.
In der Schweiz liegen kleine Bereiche meist bei etwa 80 bis 150 Franken. Für mittlere Bereiche werden häufig 120 bis 300 Franken, für komplette Beine etwa 400 bis 600 Franken berechnet. Größere Kombinationen oder Ganzkörperpakete können rund 780 bis 1.100 Franken kosten.
Für Gefäßbehandlungen gelten meist eigene Preise, die sich nach Größe und Aufwand richten. Da für die Haarentfernung mehrere Sitzungen nötig sind, solltest Du immer die Gesamtkosten betrachten. Paketpreise können günstiger sein als einzelne Behandlungen.
Wie finde ich einen passenden Anbieter?
Achte bei der Auswahl auf die Qualifikation der behandelnden Person, eine sorgfältige Voruntersuchung inklusive Bestimmung Deines Hauttyps und ein passendes Gerät für Dein Anliegen. Bei Gefäß- oder Pigmentbehandlungen in Deutschland sollte die Behandlung in ärztlicher Hand liegen. Frage ruhig nach, welches System verwendet wird, wie viele Sitzungen voraussichtlich nötig sind und welche Risiken bestehen. Über MOOCI kannst Du Anbieter vergleichen und ein Beratungsgespräch anfragen, um die für Dich passende Lösung zu finden.
Über die MOOCI Arztsuche findest Du passende Ärztinnen, Ärzte und Studios in Deiner Nähe und kannst Behandlungen und Bewertungen vergleichen.
Quellen
Anderson, R.R., Parrish, J.A. (1983): Selective Photothermolysis: Precise Microsurgery by Selective Absorption of Pulsed Radiation. Science, 220(4596), 524–527. DOI: 10.1126/science.6836297
Dorgham, N., Dorgham, D. (2020): Lasers for reduction of unwanted hair in skin of colour: a systematic review and meta‐analysis. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology, 34(5), 948–955. DOI: 10.1111/jdv.15995
Haedersdal, M., Gøtzsche, P.C. (2006): Laser and photoepilation for unwanted hair growth. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2010(1). DOI: 10.1002/14651858.CD004684.pub2
Baldaia, L., Dias-Neto, M., Almeida Pinto, J. (2025): Long-pulsed 1064nm Nd:YAG laser in the treatment of leg veins: Systematic review. Vascular, 33(1), 151–166. DOI: 10.1177/17085381241236587
Bundesministerium der Justiz (o. J.): Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen nichtionisierender Strahlung bei der Anwendung am Menschen (NiSV), § 5. Zur Webseite
Bundesamt für Gesundheit BAG (o. J.): Behandlungen mit nichtionisierender Strahlung und Schall: FAQs. Zur Webseite
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