Was ist ein Pikosekundenlaser?
Ein Pikosekundenlaser ist ein medizinisches Lasersystem, das Lichtenergie in extrem kurzen Pulsen abgibt. Eine Pikosekunde ist eine billionstel Sekunde, die Pulsdauern moderner Geräte liegen typischerweise im Bereich von einigen hundert Pikosekunden. Diese Kürze ist der entscheidende Punkt: Je kürzer der Puls, desto stärker wirkt die Energie auf das Pigment, ohne dass sich die Wärme nennenswert ins umliegende Gewebe ausbreiten kann.
Eingesetzt werden Pikosekundenlaser vor allem zur Entfernung von Tätowierungen und Pigmentflecken sowie zunehmend zur Verbesserung des Hautbildes. Der Vorteil gegenüber älteren Systemen liegt darin, dass Farbpigmente in besonders feine Partikel zerlegt werden, die der Körper anschließend über das Lymphsystem abtransportiert. In der Praxis bedeutet das oft weniger Sitzungen als bei reiner Nanosekundentechnik, eine pauschale Zahl lässt sich aber nicht versprechen, weil Farbe, Tiefe, Alter und Qualität eines Tattoos stark variieren.
Worin unterscheidet er sich vom Q-switched-Laser?
Der Q-switched-Laser ist die ältere und sehr bewährte Technologie. Er arbeitet im Nanosekundenbereich, also in milliardstel Sekunden. Damit sind seine Pulse rund tausendmal länger als beim Pikosekundenlaser. Der Q-switched-Laser zerlegt Pigmente überwiegend photothermisch, also durch eine sehr kurze, intensive Hitzeentwicklung, die das Pigment zum Bersten bringt.
Der Pikosekundenlaser verschiebt diesen Mechanismus in Richtung eines photoakustischen Effekts. Durch die extrem kurze Einwirkzeit entsteht weniger Hitze und mehr mechanische Druckwirkung, die das Pigment regelrecht zertrümmert. Daraus ergeben sich in der Theorie feinere Bruchstücke, ein potenziell schonenderer Umgang mit dem umliegenden Gewebe und bei einigen schwierigen Farben bessere Chancen. Das heißt nicht, dass die Nanosekundentechnik überholt wäre: Bei vielen schwarzen Tattoos liefern gute Q-switched-Systeme solide Ergebnisse, und sie sind häufig kostengünstiger. Die Wahl hängt von Befund, Farbspektrum und Hauttyp ab und sollte in einer ärztlichen Beratung getroffen werden.
Wie entfernt der Laser Tattoos und Pigmente?
Tätowierfarbe besteht aus Pigmentpartikeln, die in der Lederhaut liegen und für das körpereigene Immunsystem zu groß sind, um sie abzutransportieren. Genau hier setzt der Laser an. Er gibt einen sehr kurzen, energiereichen Lichtimpuls ab, der gezielt vom Pigment aufgenommen wird. Die schlagartige Energieaufnahme lässt die Partikel zerspringen, beim Pikosekundenlaser vorrangig über den beschriebenen photoakustischen Effekt.
Die so entstandenen feinen Fragmente sind klein genug, dass die Fresszellen des Immunsystems sie erfassen und über das Lymphsystem nach und nach abbauen können. Deshalb wird ein Tattoo nicht in einer Sitzung verschwinden, sondern verblasst über mehrere Behandlungen hinweg. Zwischen den Sitzungen braucht der Körper Zeit für diesen Abtransport, üblich sind Abstände von etwa vier bis sechs Wochen. Dasselbe Prinzip gilt für medizinische Pigmentveränderungen wie Altersflecken oder bestimmte Pigmentmale, wobei deren Beurteilung zwingend in ärztliche Hände gehört, da hinter einer Pigmentveränderung auch eine abklärungsbedürftige Hautveränderung stecken kann.
Welche Wellenlänge für welche Tattoofarbe?
Entscheidend für den Erfolg ist, dass die Wellenlänge des Lasers zur Farbe des Pigments passt. Eine Farbe lässt sich nur dann gut zerlegen, wenn sie das eingesetzte Licht auch absorbiert. Deshalb sind moderne Geräte häufig mit mehreren Wellenlängen ausgestattet.
Als grobe Orientierung gilt: Schwarze und dunkle Pigmente sprechen sehr gut auf 1064 Nanometer an und sind meist am leichtesten zu behandeln. Rote und warme Töne reagieren auf 532 Nanometer. Grüne und blaue Pigmente gehören zu den hartnäckigsten Farben und benötigen längere Wellenlängen, klassisch 694 Nanometer (Rubinlaser) oder 755 Nanometer (Alexandrit). Gerade bei Grün und Blau zeigt sich, warum ein System mit mehreren Wellenlängen von Vorteil ist. Helle, gemischte und besonders gelbe oder weiße Farben bleiben generell schwierig, hier ist häufig kein vollständiges Ergebnis erreichbar. Eine seriöse Beratung benennt diese Grenzen offen, statt eine restlose Entfernung zu versprechen.
Welche Geräte und Hersteller sind führend?
Der Markt bietet eine Reihe etablierter Systeme, die in Praxen und Kliniken im DACH-Raum verbreitet sind. Im Pikosekundenbereich zählen dazu PicoWay von Candela, PicoSure Pro von Cynosure, Discovery Pico von Quanta System, PicoPlus und Hollywood Spectra von Lutronic, enlighten von Cutera, PicoStar von Asclepion sowie StarWalker MaQX von Fotona. Diese Geräte decken in unterschiedlichen Kombinationen die wichtigen Wellenlängen ab und werden sowohl für Tattoos als auch für Pigment- und Hautbildindikationen eingesetzt.
Im Q-switched-Bereich sind unter anderem TattooStar von Asclepion sowie die gütegeschalteten Rubinlaser RubyStar und NanoStar von Asclepion verbreitet. Der Rubinlaser mit 694 Nanometern hat dabei seine besondere Stärke bei grünen und blauen Tattoopigmenten sowie bei bestimmten Pigmentveränderungen wie Café-au-lait-Flecken. Welches Gerät im Einzelfall am besten passt, hängt vom Befund ab. Wichtiger als der Markenname ist, dass die Praxis die passende Wellenlänge für Deine Farben bereitstellt und das Gerät fachgerecht bedient.
Pikosekundenlaser auch für Hautbild und Aknenarben?
Neben der Tattoo- und Pigmententfernung werden Pikosekundenlaser zunehmend zur Verbesserung des Hautbildes eingesetzt. Möglich wird das durch spezielle Aufsätze, die das Laserlicht so verteilen, dass in der Haut viele winzige Zonen stimuliert werden. Dieser Mechanismus kann körpereigene Reparaturprozesse anregen und wird unter anderem bei feinen Linien, unregelmäßiger Pigmentierung und Aknenarben genutzt.
Die Ergebnisse fallen individuell unterschiedlich aus und entwickeln sich über mehrere Sitzungen hinweg. Eine Garantie auf ein bestimmtes Resultat gibt es nicht, und gerade bei dunkleren Hauttypen ist eine sorgfältige ärztliche Einschätzung wichtig, um das Risiko von Pigmentverschiebungen gering zu halten. Auch hier gilt: Eine realistische Erwartungshaltung und eine fundierte Beratung sind die Basis für ein zufriedenstellendes Ergebnis.
Wer darf Tattoos und Pigmente lasern?
Die rechtliche Lage unterscheidet sich zwischen den Ländern und ist für Deine Sicherheit zentral. In Deutschland gilt seit Inkrafttreten der Verordnung zum Schutz vor schädlicher Wirkung nichtionisierender Strahlung, kurz NiSV, ein Arztvorbehalt. Tattooentfernung, die Entfernung pigmentierter Hautveränderungen und die Behandlung von Gefäßveränderungen per Laser dürfen ausschließlich von approbierten Ärzten mit nachgewiesener Zusatzqualifikation durchgeführt werden. Für Kosmetiker sind diese Behandlungen damit nicht erlaubt. Verstöße können mit empfindlichen Bußgeldern geahndet werden.
In Österreich ist die Regelung ähnlich streng: Eine Tattooentfernung darf nur ärztlich vorgenommen werden und gilt als medizinischer Eingriff mit entsprechender Aufklärungspflicht. In der Schweiz wurde die Lage über die Verordnung zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung und Schall geregelt. Seit dem 1. Juni 2024 dürfen entsprechende Laserbehandlungen, einschließlich Tattoo- und Permanent-Make-up-Entfernung, nur noch von Ärzten oder von Personen mit anerkanntem Sachkundenachweis durchgeführt werden. Wer eine Tattooentfernung plant, sollte sich daher in jedem Land vergewissern, dass die behandelnde Person die erforderliche Qualifikation besitzt.
Was kostet eine Tattooentfernung?
Die Kosten hängen vor allem von Größe, Farbe und Tiefe des Tattoos sowie vom verwendeten Laser ab. Die folgenden Angaben sind grobe Orientierungswerte pro Sitzung.
In Deutschland kostet eine Tattooentfernung meist etwa 80 bis 520 Euro. Kleine Tattoos liegen häufig bei rund 80 bis 120 Euro, große Flächen können mehrere Hundert Euro kosten. Die Behandlung einzelner Pigmentflecken beginnt häufig bei etwa 100 bis 150 Euro.
In Österreich liegen die Kosten für eine Tattooentfernung meist bei etwa 50 bis 300 Euro pro Sitzung. Kleine Tattoos kosten häufig rund 80 bis 120 Euro, größere oder mehrfarbige Motive entsprechend mehr. Pigmentbehandlungen beginnen je nach Umfang häufig bei etwa 100 bis 250 Euro.
In der Schweiz kostet eine Tattooentfernung meist etwa 150 bis 650 Franken pro Sitzung. Kleine Tattoos beginnen häufig bei 150 bis 250 Franken, große Flächen können 500 Franken oder mehr kosten. Für Pigmentflecken werden ungefähr 150 bis 450 Franken berechnet.
Da oft sechs bis zehn oder mehr Behandlungen nötig sind, solltest Du neben dem Einzelpreis immer die voraussichtlichen Gesamtkosten betrachten. Beratung, Betäubung und Nachkontrollen können zusätzlich berechnet werden.
Wie finde ich einen passenden Arzt?
Eine erfolgreiche und sichere Tattoo- oder Pigmententfernung steht und fällt mit der Qualifikation der behandelnden Person und dem passenden Gerät. Achte bei der Auswahl auf eine ärztliche Praxis oder Klinik mit Erfahrung in der Laserbehandlung, auf ein System mit den für Deine Farben nötigen Wellenlängen und auf eine ehrliche Beratung, die Chancen und Grenzen klar benennt. Über MOOCI findest Du Ärzte, die diese Behandlungen anbieten, und kannst Dich vorab informieren, bevor Du einen Termin zur persönlichen Beratung vereinbarst.
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Quellen
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Kurniadi, I., Tabri, F., Madjid, A. et al. (2021): Laser tattoo removal: Fundamental principles and practical approach. Dermatologic Therapy, 34(1). DOI: 10.1111/dth.14418
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Vasold, R., Naarmann, N., Ulrich, H. et al. (2004): Tattoo pigments are cleaved by laser light – the chemical analysis in vitro provide evidence for hazardous compounds. Photochemistry and Photobiology. DOI: 10.1562/2004-05-17-RA-170
Bundesministerium der Justiz (o. J.): Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen nichtionisierender Strahlung bei der Anwendung am Menschen (NiSV), § 5. Zur Webseite
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