Das Toxische Schocksyndrom (TSS)

Tatsächlich wissen nur wenige Menschen, was unter dem toxischen Schocksyndrom zu verstehen ist. Grundsätzlich handelt es sich dabei um eine seltene aber sehr gefährliche Infektion. Es kann Männer, Frauen und Kinder betreffen, aber in mehr als der Hälfte der Fälle sind Frauen davon betroffen. Die Häufigkeit liegt bei drei bis sechs Fällen auf 100.000 Frauen im sexuell aktiven Alter. Jedoch erkranken zunehmend auch Männer daran. In Europa ist die Zahl der TSS-Erkrankungen um einiges niedriger als beispielsweise in den USA. Dies könnte vor allem auf ein erhöhtes Maß an Aufklärung zurückzuführen sein.


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Medizinische Expertin

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Online-Redaktion


Zuletzt aktualisiert: 14. Juli, 2020

Was ist unter dem Toxischen Schocksyndrom zu verstehen?

Beim toxischen Schocksyndrom produziert eine bestimmte Art von Bakterien, entweder Staphylococcus aureus oder Streptokokken, Giftstoffe im Körper, die zu einem schweren Organ- und Kreislaufversagen führen können. Die Bakterien gelangen über eine offene Wunde oder über die Gebärmutter in den Blutkreislauf. Das Gift, das dabei entsteht, löst einen Schock im Körper aus, der im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen kann.

Das Toxische Schocksyndrom wird durch Bakterien verursacht.

Was sind die Ursachen für TSS?

Das Toxische Schocksyndrom wird durch die Bakterien Staphylokokken und Streptokokken verursacht. Dabei handelt es sich eigentlich um „Allerweltskeime“, welche vor allem in der Nase, in den Atemwegen und auf der Haut in geringen Mengen auftreten. Sobald die Bakterien unters Gewebe kommen, setzen sie Giftstoffe frei. Die meisten Menschen entwickeln Antikörper gegen diese Toxine. Warum nicht jede Person dagegen Antikörper bildet, ist allerdings noch immer nicht bekannt. Menschen ohne diese Antikörper haben ein größeres Risiko an TSS zu erkranken.
 
Das Toxische Schocksyndrom wird oft im Zusammenhang mit dem Gebrauch von Tampons und Menstruationstassen beschrieben. Es kann aber auch unabhängig von der Menstruation auftreten, wenn keine Tampons beziehungsweise andere Hygieneprodukte verwendet werden. Die Infektion ist grundsätzlich nicht nur auf menstruierende Frauen beschränkt.
 
Menstruationsabhängiges TSS
 
Die genannten Bakterien kommen häufig in geringen Mengen in der Vagina vor. Durch die Monatsblutung ändert sich meistens der pH-Wert der Scheide, was einen besseren Nährboden für Keime und Bakterien darstellt. Durch winzige Verletzungen oder Druckstellen können diese Keime dann leichter ins Blut gelangen. Die Benutzung von Tampons kann die Bildung von Giftstoffen durch Staphylokokken zudem begünstigen.
 
Besonders saugfähige Tampons binden Magnesium und verändern so das Scheidenmilieu. In dieser magnesiumarmen Umgebung produzieren die Bakterien vermehrt Giftstoffe. Durch die Störung der Schleimhautbarriere wird der Übertritt der Gifte in die Blutbahn oder die Gebärmutter erleichtert. Für Frauen, die keine Antikörper gegen diese Bakterien besitzen, kann die Vergiftung zur Gefahr werden.
 
Nicht menstruationsabhängiges TSS
 
Das Toxische Schocksyndrom kann auch aus jeder Staphylokokken-Infektion entstehen und somit gleichermaßen Frauen, Männer und Kinder betreffen. Grundsätzlich kann jede eitrige Wunde zu TSS führen. Demnach betrifft die Krankheit nicht nur Frauen.
 
Mögliche Infektionsherde sind:

  • Wunden (nach kürzlich erfolgter Operation)
  • Fremdkörperverletzungen
  • vaginale Infektionen nach einer Geburt oder Fehlgeburt
  • Infektionen und Verletzungen der Haut
  • Verbrennungen oder Stiche

Wie sehen die Symptome bei einem Toxischen Schocksyndrom aus?

Die Symptome des Toxischen Schocksyndroms können ganz unterschiedlich sein. Da vorwiegend Frauen während oder nach der Menstruation davon betroffen sind, kannst Du Dich auf einige Warnsignale verlassen. Wenn Du Dich während der Menstruation plötzlich sehr krank fühlst und folgende Symptome auftreten, kann dies auf TSS hinweisen:

  • plötzlich auftretendes hohes Fieber (39 °C oder mehr)
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Kopfschmerzen und Benommenheit
  • Halsschmerzen
  • Schwindelgefühl
  • Ohnmacht
  • Muskelschmerzen
  • sonnenbrand-ähnlicher Hautausschlag

Typisch für das TSS ist das schnelle Fortschreiten der Erkrankung. Denn durch den schockbedingten starken Blutdruckabfall kann es innerhalb weniger Tage zu Funktionsstörungen der inneren Organe bis hin zum Multiorganversagen kommen. Zudem sind die Symptome auch abhängig davon, welches Bakterium das TSS ausgelöst hat.
 
Das TSS durch Staphylokokken verläuft meist weniger schwerwiegend und 97 Prozent der Patienten können geheilt werden. In diesem Fall sind Symptome wie Erbrechen, Durchfall, Verwirrung und Abschuppungen der Haut an Hand- und Fußsohlen häufig. Im Blutbild fallen erhöhte CK-Werte (Kreatinkinase), eine Schädigung der Leberzellen und eine Verminderung der Blutplättchen auf.
 
Das TSS durch Streptokokken verläuft oft schwerwiegend. Neben starken Schmerzen an der Stelle der Infektion kommt es bei der Hälfte der Patienten zu einem akuten Atemnotsyndrom. Hinzu kommt eine schwere Leberschädigung mit nachfolgender Blutgerinnungsstörung.

Besonders bei Tampons besteht die Gefahr des Toxischen Schocksyndroms.

Was muss ich tun, wenn der Verdacht auf TSS besteht?

Die Diagnose für das Toxische Schocksyndrom wird anhand der Symptome und des Erregernachweises gestellt. Dazu werden Proben von dem verdächtigen Infektionsort (Wunde, Nase, Rachen, Vagina) entnommen und auf das Vorhandensein des Erregers untersucht. Handelt es sich um Streptokokken, kann der Erreger auch im Blut nachgewiesen werden. Befindet sich der Infektionsherd im Inneren des Körpers, so kann er durch eine MRT- oder CT-Untersuchung lokalisiert werden.
 
Wenn Du befürchtest, an TSS erkrankt zu sein, solltest Du umgehend einen Arzt kontaktieren. Notiere Dir auch Symptome, die nicht mit dem Grund des Arzttermins zu tun haben, sowie persönliche Informationen über Deine derzeitige Lebenssituation. Erstelle eine Liste mit Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln oder bestimmten Lebensmitteln, die Du zuletzt konsumiert hast. Außerdem solltest Du den Zeitraum Deiner letzten Periode wissen.  

Wie lässt sich das Toxische Schocksyndrom behandeln?

Unbehandelt kann das Toxische Schocksyndrom ein Multi-Organ-Versagen auslösen und bis zum Tod führen. Da die Vergiftung sehr schnell fortschreitet, ist eine akute intensivmedizinische Behandlung erforderlich:

  • Desinfektion verdächtiger Infektionsstellen und Wundsäuberung, gegebenenfalls auch chirurgisch
  • medikamentöse Therapie mittels Antibiotika und Arzneimitteln zur Anhebung des Blutdrucks
  • Flüssigkeitsersatztherapie wie Blutprodukte
  • Verabreichung von Immunglobulinen zur Neutralisierung der Bakterientoxine
  • engmaschige Kontrolle der Organfunktionen (Leber, Niere, Herz, Lunge, Blut)
  • sofortige Entfernung des Tampons, Diaphragmas oder anderer auslösender Fremdkörper

Wie beuge ich dem Toxischen Schocksyndrom am besten vor?

  • Verwende Tampons und Binden abwechselnd
  • Wasche Dir immer vor und nach dem Tamponwechsel die Hände
  • Wechsle Deine Tampons häufig (mindesten 4 – 8 Stunden)
  • Vermeide besonders saugfähige Tampons
  • Passe die Tampongröße an Deine Blutungsstärke an
  • Verwende nur originalverpackte saubere Tampons
  • Verzichte auf Tampons beim Schlafen

Frauen, die schon einmal das TSS hatten, sollten gänzlich auf die Verwendung von Tampons oder Diaphragmen verzichten, um eine weitere Infektion zu vermeiden.

Das Toxische Schocksyndrom tritt plötzlich auf und schreitet schnell voran.

Welche Menstruationsprodukte gibt es als Alternative zu Tampons?

Neben Tampons gibt es noch zahlreiche andere Möglichkeiten, die während der Monatsblutung verwendet werden können. Immer wieder kommen neue Produkte auf den Markt, die nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt rücken.

  • Binden und Slipeinlagen
  • Menstruationstasse
  • Soft-Tampons
  • Periodenhose
  • Stoffbinden
  • Menstruationsschwamm
  • Nachhaltige Tampons und Binden
  • Free Bleeding: Dafür wird kein Produkt verwendet. Du spürst, sobald das Menstruationsblut kommt, und kannst rechtzeitig eine Toilette aufsuchen

 



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