Internationaler Anti-Drogen-Tag: Kampf den Drogen!

Am 26. Juni findet weltweit der Anti-Drogen-Tag statt. Dieser wurde im Jahr 1987 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen und soll auf die weltweite Problematik des steigenden Drogenkonsums und für die Bekämpfung der Abhängigkeit aufmerksam machen. Laut des aktuellen Jahresberichts der UNO sind weltweit rund 200 Millionen Menschen drogenabhängig. Im Jahr 2017 sind aufgrund von Drogenkonsum und damit zusammenhängenden Krankheiten weltweit etwa 585 000 Menschen gestorben. In unserem Blog erfahrt ihr alles rund um dieses wichtige Thema.


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Medizinischer Experte

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Online-Redaktion


Zuletzt aktualisiert: 26. Juni, 2020

Was ist unter einer Droge zu verstehen?

In der Medizin werden als Drogen psychoaktive Substanzen bezeichnet, die beim Konsumenten eine Bewusstseinsänderung hervorrufen. Obwohl auch legale Drogen wie Alkohol und Nikotin unter Drogen fallen, werden vor allem im Volksmund unter Drogen meist unerlaubt missbrauchte Substanzen verstanden. Das Gefährliche an Drogen ist, dass diese eine starke Abhängigkeit verursachen können.
 
Die Zahl der Drogenabhängigen steigt bereits über viele Jahre weiter an

Welche Drogen gibt es?

Allgemein lassen sich Drogen durch ihre Wirkung und durch die Art des Stoffes klassifizieren. Vereinfacht lassen sich Drogen aber auch in Upper (stimulierende Substanzen), Downer (dämpfende Substanzen) und halluzinogene Drogen (bewusstseinsverändernde Substanzen) unterteilen.
 
Upper
Diese Drogen haben eine aufputschende Wirkung, sie vertreiben die Müdigkeit und stimulieren. Auch legale Drogen wie Nikotin und Koffein haben eine aufputschende Wirkung und können den Organismus anregen. Die bekanntesten Drogen mit stimulierendem Effekt sind:
 

  • Nikotin
  • Koffein
  • Ritalin
  • Kokain
  • Amphetamin
  • Methamphetamin
  • MDMA (Ecstasy)
  • Crack

Downer
Die Wirkung ist zentral dämpfend, sie macht müde, entspannt und kann angst-lösend sein. Grundsätzlich lassen sich alle Beruhigungsmittel und Schlafmittel, Benzodiazepine, Opiate, Sedativa, Hypnotika und Narkotika in diese Gruppe einordnen. Bekannte Drogen darunter sind:
 

  • Alkohol
  • Cannabis
  • Ketamin
  • Heroin
  • Methadon
  • Opium
  • 
Halluzinogene Drogen

Halluzinogene sind psychotrope Substanzen, die eine deutlich veränderte Wahrnehmung der Realität hervorrufen können. Psychoaktive Drogen finden sich häufig in der Natur und deren Konsum geht weit bis in die Menschheitsgeschichte zurück. Psychedelika, Dissoziativa und Delirantia sind halluzinogene Drogen und auch stimulierende Drogen wie MDMA oder Downer wie Cannabis können eine psychedelische Wirkung hervorrufen. Bekannt sind vor allem:
 

  • LSD
  • Psilocybin (Pilze)
  • Mescalin
  • DMT
  • Ketamin
  • Engelstrompete, Tollkirsche

Drogen können, je nach psychischer und körperlicher Verfassung des Konsumenten, unterschiedliche Wirkungen erzeugen. Die Wirkung ist auch von Faktoren wie Größe und Gewicht einer Person, sowie von der Konzentration der Droge abhängig.
 
Es gibt legale Drogen, wie Alkohol und Nikotin und illegale Drogen, wie beispielsweise Heroin oder LSD

Ist Gras wirklich eine harmlose Droge?

Cannabis richtet im Vergleich zur legalen Droge Alkohol weniger körperliche Schäden an. Die Pflanze birgt viele Vorteile und wird sogar als Heilmittel verwenden. Unterschätzen sollte man die Droge allerdings trotzdem nicht. Die Wirkung ist bei jedem Menschen anders und kann auch Psychosen auslösen.
 
Auch Alkohol und Zigaretten werden als harmlose Drogen bezeichnet und sind im Gegensatz zu Cannabis legal. Doch eines haben die Drogen gemeinsam: Sie können alle abhängig machen und dadurch mehr oder weniger gravierende körperliche und psychische Folgen anrichten. In der internationalen Fachliteratur wird davon ausgegangen, dass bis zu zehn Prozent der Cannabis-Konsumenten in eine Abhängigkeit rutschen.
 
Als Einstiegs Droge ist Cannabis allerdings längst nicht mehr zu bezeichnet, das legt auch die deutsche Drogenstatistik offen. Etwa 26 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland haben laut Drogenbericht schon einmal eine illegale Droge konsumiert – zum Großteil Cannabis. Der Anteil der Erwachsenen, die schon einmal härtere Drogen probierten, liegt bei etwa sieben Prozent. Daraus lässt sich schließen, dass nur eine Minderheit der Cannabis-Konsumenten auf andere Drogen umsteigt.

Was passiert im Körper und im Gehirn, wenn man Drogen zu sich nimmt?

Die eingenommenen Substanzen gelangen über den Blutstrom ins Gehirn und binden sich dort an spezifische Rezeptoren auf der Oberfläche der Nervenzellen. Dieses Andocken löst verschiedene Reaktionen im Gehirn aus, zum Beispiel die Ausschüttung von Glückshormonen. In der Folge können sich Stimmung, Wahrnehmung, Gefühlsempfindungen und das Denken verändern.
 
Die Reaktion von Drogen auf den Körper können ganz unterschiedlich ausfallen. Stimulierende Drogen lassen Puls und Blutdruck ansteigen und erweitern die Pupillen. Downer wie Heroin dagegen bewirken das Gegenteil: Der Blutdruck sinkt, und die Pupillen verengen sich bis auf die Größe eines Stecknadelkopfs. Je nach Art der Droge und der eingenommenen Menge können sich die körperlichen Reaktionen unterscheiden:
 

  • Gleichgewichts- und Orientierungsprobleme
  • Trockene Schleimhäute
  • Die Darmfunktion verändert sich, es kann zu Verstopfung als auch Diarrhö kommen
  • Verringerte sexuelle Leistungsfähigkeit
  • Schluckbeschwerden
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Kältegefühl oder Schweißausbrüche
  • Augenrötung, fahle Haut
  • Gesteigertes oder gemindertes Hungergefühl
  • Verminderte Alkoholempfindlichkeit
  • Bestimmte Substanzen wie Amphetamine können zudem einen epileptischen Anfall auslösen und auch eine versteckte Epilepsie aktivieren.
  • Psychoaktive und halluzinogene Substanzen können eine Psychose auslösen oder einen „Horrortrip“ verursachen

Sobald der Rausch nachlässt, stellen sich oftmals Niedergeschlagenheit und Müdigkeit ein. Manche Menschen sinken in einen Dämmerschlaf, andere finden trotz Erschöpfung keinen erholsamen Schlaf.
 
Während einige Drogen den Konsumenten aufputschen, versetzen andere Drogen die Person in eine Art Trance

Welche Phasen der Abhängigkeit gibt es?

In den meisten Fällen entwickelt sich zunächst eine psychische Abhängigkeit, die später schleichend in eine körperliche übergeht.
 
Probierphase
Am Anfang überwiegt die Neugier. Zusammen mit Freunden wird auf Partys Alkohol konsumiert oder der erste Joint geraucht. Manche Jugendliche probieren Drogen öfter aus, andere hören damit sofort wieder auf.
 
Missbrauchsphase
Es wird experimentiert. Der Konsum steigert sich, Grenzen werden ausgetestet, Vorlieben definiert. Es wird gezielt nach Entspannung, Ablenkung und dem Rausch gesucht.
 
Abhängigkeitsphase
Der Konsum ist trotz Risikos zum Alltag geworden, es wird häufiger und mehr konsumiert. Auch allein werden Drogen genommen. Der Konsument kann und möchte damit nicht aufhören.
 
Sucht
Auf die Gewohnheit folgt der Kontrollverlust. Der Konsum der Droge steht im Mittelpunkt. Der Konsument distanziert sich möglicherweise von Familie und Freunden, die nicht konsumieren. Dieser Punkt nimmt erst die Wendung, wenn der Abhängige erkennt, dass sein Konsum vieles zerstört und er auf Hilfe angewiesen ist.

Ab wann spricht man von einer Drogensucht?

Mediziner ordnen sechs typische Anzeichen einer Drogenabhängigkeit zu. Sind drei der genannten Symptome zutreffend, lässt sich daran eine Drogensucht erkennen:
 

  • Intensives Verlangen nach der Droge
  • Kontrollverlust
  • Entzugssymptome
  • Toleranzentwicklung
  • Vernachlässigung von Interessen und Aufgaben
  • Konsum trotz negativer Konsequenzen

Wer ist besonders anfällig für die Entwicklung einer Drogensucht?

Genetische Faktoren
Wie hoch das Risiko für eine Suchterkrankung ist, bestimmen unsere Gene entscheidend mit. Sie beeinflussen vor allem, wie sich Suchtmittel im Körper und auf die Psyche auswirken.
 
Psychische Faktoren
Wer besonders belastet ist und keine anderen Strategien hat, mit Problemen und Stress umzugehen, ist stärker gefährdet. Seelische Faktoren wie Traumata, psychische Erkrankungen, Depressionen und Ängste begünstigen eine Drogensucht.
 
Soziale Faktoren
Das soziale Umfeld spielt eine zentrale Rolle bei der Suchtentwicklung. Erleben Personen bereits in ihrer Kindheit den Drogenkonsum in ihrem Umfeld, beeinflusst sie dies auch im späteren Leben. Aber auch der Wunsch dazuzugehören und fehlende Anerkennung, können den Konsum bestärken.
 
Gras ist ebenfalls eine Droge, welche nicht unterschätzt werden sollte

Was passiert bei einem Drogenentzug in meinem Körper?

Bei einem Drogenentzug wird der Organismus dem Suchtmittel entwöhnt. Die körperliche Entgiftung ist meist nach ein paar Tagen geschafft, die psychische Entwöhnung besteht aus einem langwierigen Prozess. Sie kann Monate bis Jahre dauern.

Wie verläuft ein Drogenentzug?

Der Drogenentzug lässt sich in vier Phasen unterteilen.
 
Motivationsphase
In dieser Phase konsumiert der Abhängige meist noch. Das Ziel der Phase ist es, die Motivation für eine Drogentherapie zu stärken. Dies geschieht in Form von Beratungsgesprächen, Therapie und Gruppensitzungen.
 
Entgiftung
Im Rahmen des körperlichen Drogenentzugs wird der Organismus entgiftet. Schon wenige Stunden nach der letzten Drogendosis können je nach Substanz und Schweregrad der Abhängigkeit verschiedene Symptome auftreten. Typische Entzugssymptome sind:
 

  • Kälteschübe/Schweißausbrüche
  • Zittern
  • Brechreiz
  • Magenkrämpfe
  • Herzrasen
  • Kreislaufprobleme
  • Delirium (Wahrnehmungsstörungen)

Entwöhnung

Nach der Entgiftung kommt die Entwöhnung. Um die psychische Abhängigkeit zu überwinden, braucht es Zeit. Dafür gibt es keinen allgemeinen Behandlungsweg. Folgende Punkte sollte eine Entwöhnungstherapie umfassen:
 

  • Ursachen der Sucht klären
  • Alternative Verhaltensweisen ohne Drogen aufzeigen
  • Motivation stärken
  • Stressreduktion durch gezielte Entspannungstechniken
  • Rückfälle verhindern
  • Unterstützung bei der Wiedereingliederung in das Leben

Stabilisierung
Nach erfolgreicher Entwöhnung schließt ein Drogenentzug mit der Stabilisierungsphase ab. Diese kann bei einem Therapeuten oder Selbsthilfegruppen erfolgen. Ziel ist es die Abstinenz im Alltag nicht aus den Augen zu verlieren und Rückfälle zu verhindern.
 
Ein Drogenentzug ist keine leichte Sache. Hier ist die Unterstützung von Therapeuten, Familie und Freunden gefragt

Welche Entzugsmethoden gibt es?

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten des Entzugs. Die wichtigste Voraussetzung ist aber immer noch der eigene Wille des Süchtigen.
 
Kalter Entzug
Das Suchtmittel wird abrupt abgesetzt, die Entgiftung erfolgt ohne Medikamente. Die teils heftigen Entzugserscheinungen muss der Süchtige ohne medikamentöse Hilfe “aussitzen”. Dauer: 1 – 2 Wochen
 
Warmer Entzug
Mithilfe von Medikamenten werden die Entzugssymptome gelindert. Zum Einsatz kommen zum Beispiel sedierende Antidepressiva. Es besteht die Gefahr, dass es zu unerwünschten Wechselwirkungen kommt. Dauer: 20 Tage
 
Substitutionstherapie
Dabei wird Heroinabhängigen als Ersatz für die Droge ein anderes Opioid verordnet, dessen Dosierung schrittweise verringert wird. Für diese Substitution wird meist Methadon verwendet. Dauer: 6 – 12 Monate
 
Turbo-Entzug
Ist nur bei Opioid-Abhängigkeit möglich. Dabei wird der Betroffene auf der Intensivstation innerhalb weniger Stunden und unter Narkose einem beschleunigten Drogenentzug unterzogen. Diese Form des Entzugs ist nicht bei Mehrfachabhängigkeiten sinnvoll.
 
Der körperliche Drogenentzug ist eine gesundheitlich riskante Situation und wird daher meist stationär im Krankenhaus oder in einer Entzugsklinik durchgeführt. Fachpersonal betreut und unterstützt die Entgiftung. Bei weniger starken Drogen und wenig schwerer Abhängigkeit kann der Entzug auch ambulant erfolgen.

Was ist unter einer Co-Abhängigkeit zu verstehen?

Familienmitglieder, Lebenspartner und Angehörige wissen oft nicht mit der Drogensucht einer nahestehenden Person umzugehen. Ihr Leben ist von der Sucht des Angehörigen überschattet und sie entwickeln Strategien im Umgang mit der Erkrankung, die ihnen selbst schaden. Oft fühlen sich Co-Abhängige mitverantwortlich und glauben etwas falsch gemacht zu haben. Anfänglich unterstützen Angehörige den Konsum sogar, indem sie den Süchtigen z.B. in der Arbeit  krankmelden oder ihm Geld leihen.
 
An wen kann ich mich wenden, wenn ich mit einer Drogensucht zu kämpfen habe oder jemanden mit Drogenproblem kenne:
 
Österreich
Sucht- und Drogenberatung für Jugendliche u. Angehörige Kolping Österreich: Tel. 01 / 581-53-03

checkit! – Kompetenzzentrum für Freizeitdrogen: Tel. 01 4000 53655

Suchthilfe Wien: Tel. 01 4000 53799
 
Deutschland
Bundesweite Sucht- und Drogen-Hotline (24 Stunden): Tel. 1805 – 31 30 31

Informationstelefon zur Suchtvorbeugung: Tel. 0221-89 20 31
 
Schweiz
Sucht Schweiz Gratisnummer für Rat & Hilfe: Tel. 0800 104 104

 

Quellen
Therapie.de
ÄrzteZeitung
ORF
Kinder- und Jugendärzte im Netz
Kinder- und Jugendärzte im Netz
MedizinInfo
 



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