Panaritium

Von einer Nagelbettentzündung hast Du wahrscheinlich schon etwas gehört, da sie sehr verbreitet ist. Die unangenehme Entzündung in der Haut rund um den Finger- oder Zehennagel kann durch kleinste Verletzungen und Risse entstehen und heilt in der Regel von allein wieder ab. Eine Nagelbettentzündung kann allerdings auch zu einer tieferen Entzündung, einem Panaritium, führen. Worum es sich dabei handelt und wie Du es vermeiden kannst, liest Du hier.


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Zuletzt aktualisiert: 10. März, 2020



Was versteht die Medizin unter einem Panaritium?

Unter Panaritium versteht man eine oft eitrige Entzündung der Haut unter oder um den Nagel herum, die entweder nur vereinzelt an einem Finger oder Zeh auftreten, oder sich über die gesamte Hand oder den Fuß zeigen kann und an den betroffenen Stellen Rötungen, Eiteransammlungen, Juckreiz oder Schmerzen verursacht. Geläufig ist der Begriff der Nagelbettentzündung, die in der Medizin als Paronychie bezeichnet wird und in ihrem weiteren Verlauf zu einem Panaritium führen kann. Bei Letzterem ist die Entzündung jedoch über das Nagelbett hinaus tiefer ins Gewebe gewandert und bildet dort eine eitrige Entzündung.

Unter Panaritium versteht man eine oft eitrige Entzündung der Haut unter oder um den Nagel herum, die entweder nur vereinzelt an einem Finger oder Zeh auftreten, oder sich über die gesamte Hand oder den Fuß zeigen kann und an den betroffenen Stellen Rötungen, Eiteransammlungen, Juckreiz oder Schmerzen verursacht

Zurückführen lässt sich ein Panaritium auf feine Verletzungen der Nagelhaut und dem Nagelwall, eingewachsene Nägel und mangelnde körperliche Hygiene. Wird das Nagelhäutchen oder der Nagelwall beschädigt, können Erreger, die auf der Haut leben, ins Innere gelangen, wo es zu einer Abwehrreaktion des Körpers gegen die Eindringlinge kommt. Behandelt wird das Panaritium in der Regel chirurgisch, Antibiotika sind meist falsch. Wird es schnell erkannt und korrekt behandelt, heilt eine es ohne bleibende Schäden wieder ab.

Welche Formen des Panaritiums gibt es?

Je nach Ausmaß und Ort der Entzündung unterscheidet man zwischen:

  • Panaritium cutaneum: Hierbei ist nur die oberste Hautschicht von der Entzündung betroffen.
  • Panaritium subcutaneum: Hier ist auch das Unterhautgewebe entzündet, die Eiteransammlung befindet sich im Fettgewebe unter der Haut.
  • Panaritium paraunguale, auch Paronychie genannt: Nagelbettentzündung, betrifft den seitlichen oder hinteren Nagelwall („Umlauf“), zeigt sich durch Rötung und Schwellung.
  • Panaritium subunguale: Entzündung des Nagelbetts und Nagelfalzes, Eiter befindet sich unter dem gesamten Nagel; die Infektion kann sich auf tiefere Strukturen wie Sehnen, Gelenke oder Knochen ausweiten, dabei handelt es sich um tiefe Panaritien, die dringend behandelt werden müssen.
  • Panaritium tendinosum: Auf Sehnen ausgebreitete Entzündung (mögliche Folge ist eine Sehnennekrose, also ein Absterben der Sehne) und/oder eine Versteifung der Fingergelenke.
  • Panaritium articulare: Auf Gelenke ausgebreitete Entzündung.
  • Panaritium ossale: Auf Knochen ausgebreitete Entzündung.

Wie sehen die Symptome bei einem Panaritium aus?

Zu Beginn der Infektion zeigen sich rote Ränder um den Nagel und die Haut beginnt zu jucken. Dann schwillt die betroffene Hautstelle meist an und rötet sich, wobei die Rötung von leicht und verteilt bis stark und rötlich glänzend gehen kann. Auch kommt es zu einer lokalen Überwärmung und Druckempfindlichkeit oder pochenden Schmerzen. Die Beweglichkeit des betroffenen Fingers oder Zehs kann eingeschränkt sein. Ist die Entzündung weiter fortgeschritten, bilden sich Eiteransammlungen unter dem Nagel, die entweder von allein irgendwann aufplatzen, sodass sich der Eiter entleeren kann, oder operativ geöffnet werden müssen. Bleibt das Panaritium lange unbehandelt, kann es passieren, dass sich der Nagel wegen des ständigen Unterdrucks vom Nagelbett ablöst.

Zu Beginn der Infektion zeigen sich rote Ränder um den Nagel und die Haut beginnt zu jucken

Was sind die Ursachen für das Panaritium?

Ursache für eine Nagelbettentzündung oder ein Panaritium ist in vielen Fällen eine Infektion mit Bakterien, wie Staphylokokken und Streptokokken, sowie Hefepilze und Herpesviren. Diese verursachen auf der gesunden Haut keinen Schaden, können durch Verletzungen aber in die Haut eindringen und zu einer Abwehrreaktion des Körpers, etwa einer akuten Entzündung, Schwellung, Rötung oder Erhitzen der Hautstelle führen.

Diese Verletzungen befinden sich dabei oftmals in der Nagelpfalz, der Haut um den Nagel, oder dem Nagelwall und können durch Splitter, Schnitte, eingewachsene Nägel, Nägelkauen oder Quetschungen, durch beispielsweise zu enge Schuhe, entstehen. Zudem ist zu beachten, dass eine mangelhafte, nachlässige Nagelpflege den Bakterien den Weg in die Haut und eine schnelle Vermehrung erleichtern.

Wie diagnostiziert der Arzt ein Panaritium?

Wenn Du den Verdacht auf eine Nagelbettentzündung hast, ist der Hausarzt oder ein niedergelassener Chirurg oder Handchirurg der beste Ansprechpartner. Dieser wird wahrscheinlich zunächst eine Anamnese durchführen, also Deine Krankheitsgeschichte erfragen, um die Art der Beschwerden und dessen Entstehung besser nachvollziehen zu können. Dann wird er die betroffene Stelle untersuchen und durch Abtasten feststellen, ob Du Schmerzen hast.

Meistens reichen die typischen sichtbaren Symptome aus, um auf eine Entzündung schließen zu können. Oft entnimmt der Arzt zusätzlich einen Abstrich der entzündeten Stelle und lässt diesen dann im Labor untersuchen. Auch kann der Arzt, wenn er den Verdacht auf eine bereits tiefer liegende Entzündung hat, ein Röntgenbild des betroffenen Fingers oder Zehs anfertigen lassen und so feststellen, ob möglicherweise schon Gelenke oder Knochen von der Infektion betroffen sind.

Was kann ich selbst bei einem Panaritium tun?

Im Anfangsstadium, also bis zu drei Tagen nach ersten Entzündungszeichen, kannst Du versuchen, eine Nagelbettentzündung mit verschiedenen Maßnahmen selbst zu behandeln. Du kannst zum Beispiel damit beginnen, die Füße oder Finger jeden Tag mehrmals in warmem Wasser, dem gegebenenfalls Kamille oder Jod zugesetzt wird, zu baden. Diese Wasserbäder verbessern die Durchblutung und ermöglichen es dem Eiter leichter abzufließen.

Wasserbäder mit Kamille können bei der Entzündung helfen

Im Anschluss kannst Du den Finger oder Zeh verbinden, sodass er zunächst nicht mehr bewegt werden kann. Den Verband solltest Du aber regelmäßig mit frisch gewaschenen Händen auswechseln. Nach Verbandswechsel solltest Du ebenfalls die Hände gründlich waschen. Wenn Du Dir unsicher bist oder die Symptome sich nicht nach ein paar Tagen verbessern, solltest Du einen Arzt aufsuchen.

Wie lässt sich ein Panaritium behandeln?

Klingt die Entzündung nicht ab und spürst Du zunehmend mehr Schmerzen an und um die betroffene Stelle, auch wenn Du den Finger oder Zeh nicht bewegst, solltest Du einen Arzt aufsuchen, denn es ist wichtig, dass der Eiter schnell abfließen kann. Nur, wenn Du frühzeitig eine Behandlung einleitest, lassen sich Spätschäden verhindern.

Bei einem Panaritium im Frühstadium werden meistens lokale Maßnahmen, wie Salben oder Bäder verwendet. Wenn die Entzündung jedoch trotz dieser Maßnahmen nicht zurückgeht und die Infektion bereits weit fortgeschritten ist, kann es notwendig werden, den Eiterherd chirurgisch zu öffnen, um so den Eiter ablaufen lassen. Dieser Eingriff erfolgt unter lokaler Betäubung oder Narkose, und die betroffene Hand oder der betroffene Fuß wird im Anschluss verbunden und sollte täglich gereinigt und gegebenenfalls neu verbunden werden.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Anfällig für Panaritien sind Menschen, die oft in Kontakt mit Wasser oder verschiedenen Chemikalien kommen. Auch bei Frauen, die eine übertriebene oder falsche Nagelpflege betreiben, und bei Menschen mit trockener Haut, kommt es besonders häufig zu einer Nagelbettentzündung. Ebenfalls zur Risikogruppe zählen Menschen mit einem geschwächten Immunsystem und Krebspatienten, die bestimmte Arzneimittel einnehmen, sowie Diabetiker und Patienten mit peripherer Gefäßerkrankung.

Kann ich einem Panaritium vorbeugen?

Hier sind vor allem Öle und Feuchtigkeitscremes zu nennen, die dafür sorgen, dass die Haut geschmeidig bleibt und nicht einreißt. Eine gute Feuchtigkeitsversorgung der Haut ist wichtig, damit es nicht zu Rissen kommt. Außerdem hilft es, auf eine sorgfältige Nagelpflege zu achten, das bedeutet, dass Du Deine Nägel regelmäßig schneiden und beim Feilen sehr vorsichtig vorgehen solltest, sodass die Nägel nicht einreißen oder an den Seiten zu kurz werden.

Hier sind vor allem Öle und Feuchtigkeitscremes zu nennen, die dafür sorgen, dass die Haut geschmeidig bleibt und nicht einreißt

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Handelt es sich um eine medizinische Notwendigkeit, weil die Entzündung eine ärztliche Begutachtung oder sogar einen operativen Eingriff erfordert, kommen die Krankenkassen in der Regel für die entstandenen Kosten auf.


Dauer Dauer

15-30 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu 14 Tage

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

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Das Wichtigste zusammengefasst

Unter Panaritium versteht man eine oft eitrige Entzündung der Haut unter oder um den Nagel herum, die an den betroffenen Stellen Rötungen, Eiteransammlungen, Juckreiz oder Schmerzen verursacht


Ursache für eine Nagelbettentzündung oder ein Panaritium ist meist eine Infektion mit Bakterien, die durch feine Verletzungen in die Haut eindringen können


Im Anfangsstadium, also bis zu drei Tagen nach ersten Entzündungszeichen, kannst Du versuchen, eine Nagelbettentzündung selbst zu behandeln, beispielsweise mit Wasserbädern, Bandagieren und Ruhigstellen der betroffenen Stelle


Suche frühzeitig einen Facharzt auf, denn eine nicht richtig behandelte Entzündung kann zu gravierenden Bewegungseinschränkungen und auch Schmerzen führen

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