Läuse

Entgegen einer weitverbreiteten Auffassung, handelt es sich bei Läusen oftmals nicht um die Konsequenz eines Hygieneproblems. Besonders in Schulen und Kindergärten kann sich theoretisch jedes Kind die blutsaugenden Parasiten zuziehen. Doch auch Filzläuse können für Erwachsene eine sehr unangenehme Situation darstellen. Was zu tun ist, um die zwar harmlose, aber lästige Plage schnell wieder loszuwerden, liest Du hier.


AUTOR

Medizinische Expertin

CO-AUTOR

Online-Redaktion

Dieser Text wurde nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Medizinern geprüft.


Zuletzt aktualisiert: 28. Februar, 2020



Was versteht die Medizin unter einem Läusebefall?

Läuse sind kleine, flügellose Insekten, die mit bloßem Auge erkennbar sind und durch engen Körper-/ Kopfkontakt zwischen Menschen übertragen werden. Sie können den Kopf, den Körper oder die Schamregionen befallen und ernähren sich durch das Saugen von Blut an der betroffenen Körperstelle. Ein Lausbefall wird in der Medizin als Pedikulose bezeichnet und handelt es sich speziell um einen Befall am Kopf, spricht man von Pediculosis capitis. Die uns bekannte menschliche Kopflaus (Pediculus humanus capitis) ist ein blutsaugender Parasit, der sich nur auf dem Menschen vermehren kann.

Läuse sind kleine, flügellose Insekten, die mit bloßem Auge erkennbar sind und durch engen Körper-/ Kopfkontakt zwischen Menschen übertragen werden

Läuse kommen weltweit vor und verbreiten sich in erster Linie direkt von Mensch zu Mensch und finden sich vermehrt dort, wo enger Körperkontakt herrscht, wie in Kindergärten und Schulen. Daher sind Kinder im Alter zwischen fünf und 13 Jahren besonders häufig betroffen. Zwar verursachen Kopfläuse einen unangenehmen und teilweise sehr starken Juckreiz, weshalb sie so bald wie möglich erkannt und mit den richtigen Techniken beseitigt werden sollten, sie übertragen jedoch keine Krankheiten und sind deshalb als harmlos anzusehen.

Woher kommt der Juckreiz?

Um an unser Blut zu gelangen, ritzen Läuse die oberste Schicht der Haut mit ihren Mundwerkzeugen ein und injizieren gleichzeitig ihren Speichel in die winzig kleine Wunde. Dieser enthält ein bestimmtes Sekret, welches die Blutgerinnung an der aufgebissenen Stelle verhindern soll. Bestimmte Inhaltsstoffe dieses Sekrets erkennt unser Immunsystem als Fremdstoff, was den Juckreiz auslöst. Das Kratzen als Reaktion darauf hat die Funktion, die blutsaugenden Parasiten zu entfernen.

Welche Arten von Läusen gibt es?

Bei den menschlichen Läusen unterscheidet man Kopfläuse (2-3mm lang), Filzläuse (ca. 2mm, rundlich, flach) und Kleiderläuse (ca. 4mm lang). Die Eier der Läuse nennt man Nissen.

Kopfläuse

Die Kopflaus ist 2-3mm groß und befällt das Haar und die Kopfhaut. Dabei sitzt sie am häufigsten hinter den Ohren, an den Schläfen und im Nackenbereich. Ihre Farbe passt sich der Haarfarbe an, was sie mit freiem Auge schwer zu erkennen macht. Mit einer Lupe sind sie jedoch auffindbar. Die kleinen durchsichtig-weißen Eier bzw. leeren Eihüllen, die Nissen, klebt sie am Haaransatz an. Der Befall von Kopfläusen überträgt sich durch engen Körperkontakt und möglicherweise durch die gemeinsame Nutzung von Kämmen, Bürsten, Hüten und anderen persönlichen Gegenständen und kommt am häufigsten bei Kindern zwischen fünf und 13 Jahren vor.

Die Kopflaus ist 2-3mm groß und befällt das Haar und die Kopfhaut

Körperläuse

Körperläuse werden oftmals auch Kleiderläuse genannt, weil sie auf Kleidung und Bettwäsche leben, die in Kontakt mit der Haut sind, und nicht auf den Menschen selbst. Es kommt zu starkem Juckreiz und roten, durch Läusebisse hervorgerufene Pünktchen auf der Haut an den betroffenen Stellen. Diese sind insbesondere Schulter und Taille. Körperläuse breiten sich durch befallene Kleidung und Bettwäsche aus und kommen, im Gegensatz zu Kopfläusen, in den meisten Fällen aufgrund mangelnder Hygiene vor. Anders als Kopfläuse können Körperläuse Überträger fiebriger Erkrankungen (wie zum Beispiel dem sogenannten Fleckfieber) sein, weshalb in diesem Fall ein Arzt aufgesucht werden sollte. In Europa treten Körperläuse nur in sehr seltenen Fällen auf.

Filzläuse

Filzläuse befallen primär die Behaarung im Scham-, Brust- und Achselbereich und werden typischerweise unter Erwachsenen und Heranwachsenden durch intensiven Körperkontakt, zum Beispiel durch Geschlechtsverkehr, übertragen. Es kommt zu Juckreiz und kleinen blauen Flecken an den Einstichstellen. Eine Übertragung von Filzläusen kann auch über Objekte wie Handtücher, Bettwäsche und Kleider erfolgen.

Wie sehen die Symptome bei einem Läusebefall aus?

Das typische Läusesymptom ist der (starke) Juckreiz an den befallenen Stellen. Bei Kopfläusen ist das Jucken besonders stark hinter den Ohren oder im Nacken am Haaransatz. Es kann bei einem Erstbefall vier bis sechs Wochen dauern, bis es zum „Kopfjucken“ kommt. Während eines späteren Befalls geht dies oft schneller (innerhalb einer Woche). Zudem kommt es an den Bissstellen der Läuse zu ganz kleinen, roten, nadelstichähnlichen Löchern in der Haut, die bei sorgfältigem Untersuchen erkennbar sind.

Diese sogenannten Papeln jucken besonders stark. Außerdem haben Betroffene oft Kratzspuren. Wenn die Haut stark aufgekratzt wurde, kann es sogar zu einer bakteriellen Infektion kommen. Kinder bemerken Kopfläuse oftmals selbst kaum oder spüren unter Umständen nur eine Kopfhautreizung mit leichtem Jucken und auch eine Diagnose mit bloßem Auge ist schwierig, da die Insekten nur bis etwa 3mm groß sind und sich in ihrer Farbe sehr gut an die Haarfarbe angepasst haben.

Wie übertragen sich Läuse?

Die Übertragung von Mensch zu Mensch erfolgt durch direkten Kopf- oder Körperkontakt, durch das gemeinsame Benutzen von Kämmen, Mützen, Handtüchern, Bettlaken etc. aber auch durch ausgefallene, mit Nissen belegte Haare. Läuse kommen häufig in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten oder Schulen vor, in denen es zu engem Körperkontakt mit anderen Kindern kommt und die Läuse so leicht von einem Kind zum anderen wandern können. Kopfläuse können nicht springen oder fliegen, der direkte physische Kontakt ist also Voraussetzung.
Ohne regelmäßige Blutzufuhr sterben Läuse innerhalb von drei Tagen ab. Wenn Du also Kleidung und Bettwäsche, die möglicherweise mit Läusen in Kontakt waren, isolierst und für einige Tage liegen lässt, sollte die Gefahr eines erneuten Befalls durch diese Wäsche minimal sein.

Die Übertragung von Mensch zu Mensch erfolgt durch direkten Kopf- oder Körperkontakt

Wie kann ich Läuse selbst erkennen?

Wenn Du selbst überprüfen möchtest, ob ein Lausbefall bei Dir oder Deinem Kind vorliegt, gehst Du am besten wie folgt vor:

Einen speziellen Läusekamm erhältst Du in jeder Apotheke. Er hat sehr eng stehende Zinken, mit denen sich Läuse und Nissen aus den Haaren kämmen und somit eindeutig identifizieren lassen. Die Haare sollten gescheitelt und sehr gründlich untersucht werden. Dafür streichst Du die Haare am besten Strähne für Strähne von der Kopfhaut bis zu den Spitzen mit dem Läusekamm durch. Hinter den Ohren und am Nacken verstecken sich die Kopfläuse am liebsten. Nach jeder Strähne solltest Du den Kamm mit einem weißen Papiertuch säubern, um die gegebenenfalls enthaltenen Läuse oder Nissen aus dem Kamm zu entfernen.

Läuse erkennst Du an ihrer länglichen Gestalt, ihrer grau bis bräunlichen Farbe und ihrer Größe von etwa zwei bis drei Millimetern. Die Nissen, also die Hüllen der Kopflauseier, sind kleiner als die Läuse (etwa ein Millimeter groß), aber aufgrund ihrer weißlichen Farbe etwas besser zu erkennen. Außerdem sollten die Nissen zahlmäßig überlegen sein, da ein Lausweibchen mehrere Nissen pro Tag legen kann. Solltest Du Dir dennoch schwertun, kann auch eine Lupe helfen, die winzigen Ungeziefer ausfindig zu machen. Im Fall von Filzläusen werden diese– diesmal vom Arzt – sorgfältig mit ultraviolettem Licht untersucht oder eine Analyse mit dem Mikroskop gemacht, um die Tierchen zu finden. Zudem kommt hier dazu, dass Filzläuse dunkelbraune Flecken (Kot) auf der Haut oder der Unterwäsche hinterlassen.

Wann sollte Ich zum Arzt gehen?

Da Kopfläuse keine Krankheiten übertragen, ist ein Arztbesuch bei Läusebefall in der Regel nicht notwendig. Eine Ausnahme besteht dann, wenn das Kind jünger als drei Jahre ist oder bereits entzündete oder wundgekratzte Stellen auf dem Kopf erkennbar sind. Auch Schwangeren und stillenden Müttern wird empfohlen, einen Arzt zu konsultieren, wenn sie Läuse bei sich finden oder vermuten, denn einige Präparate gegen Läuse dürfen während dieser Zeit nicht eingesetzt werden. Zudem kannst Du einen Arzt aufsuchen, wenn Du Dir nicht sicher bist, ob es sich bei den weißlichen Fleckchen tatsächlich um Nissen handelt.

Solltest Du einen Verdacht auf Körperläuse haben, da sich der Juckreiz nicht auf den Kopfbereich beschränkt, sondern evtl. im Taillen- oder Schulterbereich befindet und Du dort auch rote Pünktchen beobachtest oder der Juckreiz von enormer Stärke ist (starke psychische Belastung, Aufkratzen der Haut), solltest Du auf jeden Fall einen Arzt konsultieren. Körperläuse können Überträger ernstzunehmender Krankheiten sein.

Nach der Haarwäsche solltest Du die Nissen mit einem Läusekamm aus dem feuchten Haar herauskämmen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Läusebefall?

Behandlung von Kopfläusen

Um die Läuse zu entfernen und abzutöten, reichen handelsübliche Haarwaschmittel nicht aus. Es ist wichtig, dass Du Deine Haare gründlich mit einem speziellen Shampoo aus der Apotheke wäschst. Dazu stehen zahlreiche rezeptpflichtige sowie rezeptfreie Mittel zur Verfügung. Rezeptfreie Shampoos und Cremes, die Pyrethroide und Piperonylbutoxid enthalten, musst Du lediglich zehn Minuten lang einwirken lassen und anschließend gut auswaschen.

Aber auch andere Substanzen in Form von Shampoo, Gel oder Spray haben eine nachgewiesene Wirkung bei der Bekämpfung von Kopfläusen (beispielsweise Allethrin). Welches dieser Mittel am besten geeignet ist, hängt unter anderem vom Alter des Kindes ab. Diese Läuseshampoos sind mittlerweile sehr gut verträglich und schonend zur Kopfhaut. Nach der Haarwäsche solltest Du die Nissen mit einem Läusekamm aus dem feuchten Haar herauskämmen.

Nach etwa acht bis zehn Tagen solltest Du das Mittel ein weiteres Mal verwenden. Auf diese Weise kannst Du Läuse, welche beim ersten Durchgang noch im Ei waren und durch das Kämmen nicht entfernt wurden, gleich unschädlich machen. Es ist zudem empfehlenswert, generell zwei Wochen lang die Haare alle drei bis vier Tage mit dem Läusekamm durchzugehen.
Den Wohnraum und Möbel solltest Du mit einem Staubsauger gut absaugen und anschließend den Staubsaugerbeutel entsorgen, um Haare und Läuse außerhalb der Kopfhaare zu entfernen. Außerdem solltest Du Dich um Kleidung, Bettzeug und Handtücher kümmern, die mit der befallenen Person in Kontakt waren und diese bei mindestens 60° waschen.

Behandlung von Körperläusen

Kleiderläuse können mit wirksamen Läusemitteln schnell behandelt werden. Es kommen die gleichen chemischen Wirkstoffe zum Einsatz wie bei Kopfläusen, zum Beispiel Allethrin.

Beim Behandeln der besiedelten Kleidungsstücke oder Bettwäschen /-laken, solltest Du darauf achten, vor allem Nähte und Säume mit den chemischen Mitteln zu erwischen.

Zusätzlich ist es wichtig, dass die Kleidungsstücke, Unterwäsche und Bettwäsche etc. desinfiziert und chemisch gereinigt oder bei 60°C gewaschen werden. Bei Waschtemperaturen von 60 Grad und mehr reicht eine Stunde oft aus, um die Läuse abzutöten.

Behandlung von Filzläusen

Auch hier stehen wirksame Anti-Läusemittel (wie das in der Apotheke erhältliche Linicin) zur Verfügung, um den Lausbefall schnell zu beenden. Vor der Behandlung sollten befallenen Körperbereiche (hier vor allem Scham- und Brustbereich) gründlich mit Seife gewaschen werden. Die Anti-Läusemittel werden dann sorgfältig auf die Haare aufgetragen und nach Ablauf der Einwirkzeit ausgespült. Es empfiehlt sich hier eine Mituntersuchung des Sexualpartners, auch wenn bei diesem kein Filzlausbefall festgestellt wurde. Zudem sollte auf engen Körperkontakt und Geschlechtsverkehr verzichtet werden, bis die Behandlung abgeschlossen ist.

Bei Waschtemperaturen von 60 Grad und mehr reicht eine Stunde oft aus, um die Läuse abzutöten

Welche Folgen haben Läuse für den Betroffenen?

Obwohl Kopfläuse keine Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren übertragen, kann das ständige Kratzen an den juckenden Stellen entzündliche Wunden verursachen. Darüber können die Bakterien eindringen und eine Infektion, wie Streptokokken, auslösen können. Anders sieht es bei Körperläusen aus. Diese können Träger einer Vielzahl von, vor allem fiebrigen, Krankheiten, wie Fleckfieber, das Fünf-Tage-Fieber und des Rückfallfiebers sein. Falls der Verdacht auf Körperläuse besteht, solltest Du also immer unmittelbar ein Arzt aufsuchen. Filzläuse gehören zwar zu den Geschlechtskrankheiten, sind aber eine relativ unkomplizierte Plage, da sie sich mit den richtigen Mitteln gut behandeln lassen. Unbehandelt können sich die Läuse jedoch auf weitere Bereiche, wie die Oberschenkelbehaarung, ausbreiten.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Sollte ein (Kinder-)Arzt aufgesucht worden sein und dieser verschreibt ein rezeptpflichtiges Mittel, übernehmen die Krankenkassen in der Regel die Kosten für die gängigsten Anti-Läuse Mittel. Ohne ein Rezept musst Du selbst für die gesamten Kosten aufkommen.


Dauer Dauer

14 Tage

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

Top Ärzte auf diesem Fachgebiet

Dermatologie
Dr. med. Nikolaus Schicher

Dr. med. Nikolaus Schicher

Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten

Henselstraße 5 , Klagenfurt am Wörthersee

Dermatologie
Prof. Dr. med. Peter Arne Gerber

Prof. Dr. med. Peter Arne Gerber

Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten

Luegplatz 3 , Düsseldorf

Dermatologie
Dr. med. Kerstin Ortlechner

Dr. med. Kerstin Ortlechner

Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten

Wattgasse 48 , Wien

Das Wichtigste zusammengefasst

Die uns bekannte menschliche Kopflaus (Pediculus humanus capitis) ist ein blutsaugender Parasit, der sich nur auf dem Menschen vermehren kann


Sie verbreiten sich in erster Linie direkt von Mensch zu Mensch und finden sich vermehrt dort, wo enger Körperkontakt herrscht, wie Kindergarten und Schulen


Neben der Kopflaus gibt es noch die Filzlaus und die Körperlaus, die beim Menschen vorkommen


Die Kopflaus ist zwar lästig und sollte mit geeigneten Methoden, wie chemischen Anti-Läuse Mitteln und einem feingliedrigen Läusekamm beseitigt werden, sie überträgt aber, im Gegensatz zur Kleiderlaus, keine Krankheiten

Arzt finden
×