Du gibst Alter, Geschlecht, Größe, Körpergewicht und Deine Alltagsaktivität ein und erhältst eine Schätzung Deines Grundumsatzes und Deines täglichen Kalorienbedarfs nach mehreren Formeln. Die Berechnung läuft vollständig in Deinem Browser, es werden keine Daten gespeichert oder übertragen.
Das Wichtigste in Kürze
Der tägliche Kalorienbedarf setzt sich aus dem Grundumsatz und dem Energieverbrauch für Bewegung zusammen. Er lässt sich mit Formeln aus Alter, Geschlecht, Größe und Körpergewicht schätzen.
Als zuverlässigste Schätzformel für den Ruheenergieverbrauch gilt nach einer Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2005 die Mifflin-St-Jeor-Formel. Den Aktivitätsanteil bildet der PAL-Wert ab, den die Deutsche Gesellschaft für Ernährung in fünf Stufen beschreibt.
Auch die beste Formel liegt bei einem Teil der Menschen um mehr als zehn Prozent neben dem gemessenen Wert. Genauer ist eine Messung des Ruheumsatzes über die Atemgase, die indirekte Kalorimetrie.
Der Rechner ist für Erwachsene gedacht und nicht für Schwangere, Stillende, Leistungssport oder Menschen mit Essstörungen. Wer stark und schnell abnehmen möchte, sollte das ärztlich begleiten lassen.
Wer den Kalorienbedarf berechnen möchte, will meist wissen, wie viel Energie der Körper an einem normalen Tag verbraucht, um das Gewicht zu halten, gezielt abzunehmen oder Muskeln aufzubauen. Ein Kalorienrechner liefert dafür eine schnelle Zahl. Hinter dieser Zahl stecken allerdings Formeln, die aus Messungen an Gruppen von Menschen entstanden sind und für den Einzelfall nur eine Orientierung geben.
Dazu kommt, dass der Energiebedarf von Tag zu Tag schwankt und sich mit dem Gewicht, dem Alter und der Bewegung verändert. Welche Formel ist am besten untersucht, wie groß ist die Ungenauigkeit tatsächlich und ab wann gehört das Essverhalten in ärztliche Hände? Hier erfährst Du, wie der Rechner arbeitet, wie Du Dein Ergebnis einordnest und wo seine Grenzen liegen.
Woraus setzt sich der Kalorienbedarf zusammen?
Der Kalorienbedarf, fachlich Energiebedarf genannt, ist die Menge an Nahrungsenergie, die nötig ist, damit Energiezufuhr und Energieverbrauch ausgeglichen sind. Er wird in Kilokalorien, kurz kcal, oder in Kilojoule angegeben, wobei eine Kilokalorie 4,184 Kilojoule entspricht. Der Gesamtverbrauch eines Tages besteht aus drei Teilen: dem Grundumsatz, dem Energieverbrauch für körperliche Aktivität und dem Energieaufwand für die Verdauung.
Was ist der Grundumsatz?
Der Grundumsatz ist die Energie, die der Körper in völliger Ruhe für lebenswichtige Funktionen wie Atmung, Herzschlag, Gehirn, Organe und die Körpertemperatur braucht. Bei den meisten Menschen mit wenig Bewegung im Alltag ist er der größte Posten des Tagesverbrauchs. Er hängt vor allem von der fettfreien Masse ab, also von Muskeln, Organen und Knochen, und damit indirekt von Körpergewicht, Größe, Geschlecht und Alter. Mit zunehmendem Alter sinkt der Grundumsatz in der Regel, weil die fettfreie Masse abnimmt.
Was unterscheidet Grundumsatz und Ruheenergieverbrauch?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, kurz DGE, erklärt in ihren Fragen und Antworten zur Energiezufuhr von 2015 den Unterschied über die Messbedingungen. Der Grundumsatz wird streng standardisiert gemessen: morgens nach etwa acht Stunden Schlaf, nüchtern und bei angenehmer Raumtemperatur. Der Ruheenergieverbrauch wird unter weniger strengen Bedingungen bestimmt und liegt nach Angaben der DGE etwa zehn Prozent höher. Die meisten Formeln, auch die im Rechner, schätzen streng genommen den Ruheenergieverbrauch, im Alltag werden beide Begriffe aber meist gleich verwendet.
Was ist der Leistungsumsatz?
Als Leistungsumsatz bezeichnet man die Energie, die über den Grundumsatz hinaus für Arbeit, Alltagswege, Sport und auch für unbewusste Bewegungen wie Zappeln oder Stehen verbraucht wird. Dieser Anteil ist der variabelste Teil des Kalorienbedarfs. Nach Angaben der DGE aus dem Jahr 2015 kann sich der Energieverbrauch von Menschen mit ähnlichem Körpergewicht allein durch Beruf, Freizeit und unbewusste Bewegung um bis zu 1.900 kcal pro Tag unterscheiden. Hinzu kommt der Energieaufwand für die Verdauung und Verarbeitung der Nahrung, der in den Formeln nicht einzeln ausgewiesen wird.
Wie lässt sich der Kalorienbedarf berechnen?
Die Berechnung erfolgt in zwei Schritten. Zuerst wird mit einer Formel der Ruheenergieverbrauch geschätzt. Danach wird dieser Wert mit dem PAL-Wert multipliziert, der die körperliche Aktivität im Alltag abbildet. Das Ergebnis ist der geschätzte Gesamtbedarf pro Tag, bei dem das Körpergewicht ungefähr gleich bleibt.
Was berechnet die Mifflin-St-Jeor-Formel?
Mark Mifflin, Sachiko St Jeor und Kollegen und Kolleginnen entwickelten die Formel im Jahr 1990 im American Journal of Clinical Nutrition anhand von Messungen an 498 gesunden Erwachsenen mit Normalgewicht und Übergewicht. Sie lautet für Männer: 10 × Gewicht in Kilogramm + 6,25 × Größe in Zentimetern − 5 × Alter in Jahren + 5. Für Frauen gilt dieselbe Formel, nur wird am Ende 161 abgezogen statt fünf addiert. Eine Übersichtsarbeit von Frankenfield und Kolleginnen und Kollegen im Journal of the American Dietetic Association aus dem Jahr 2005 bewertete diese Formel im Vergleich mehrerer Gleichungen als die zuverlässigste für gesunde Erwachsene mit und ohne Adipositas. Der Rechner verwendet sie deshalb als Standard.
Was ist die Harris-Benedict-Formel?
Die Harris-Benedict-Formel stammt ursprünglich aus dem Jahr 1919 und ist die älteste bekannte Formel zur Schätzung des Grundumsatzes. Roza und Shizgal überarbeiteten sie im Jahr 1984 im American Journal of Clinical Nutrition. In dieser Fassung lautet sie für Männer: 88,362 + 13,397 × Gewicht in Kilogramm + 4,799 × Größe in Zentimetern − 5,677 × Alter in Jahren. Für Frauen gilt: 447,593 + 9,247 × Gewicht + 3,098 × Größe − 4,330 × Alter. Die Formel liefert bei vielen Menschen etwas höhere Werte als die Mifflin-St-Jeor-Formel. Der Rechner zeigt sie zum Vergleich an.
Welche Formel verwendet die DGE?
Die DGE nutzt für ihre Richtwerte zur Energiezufuhr seit 2015 eine Formel, die auf Daten aus Deutschland beruht und von der Arbeitsgruppe um Manfred Müller im Jahr 2004 im American Journal of Clinical Nutrition veröffentlicht wurde. Sie berücksichtigt Gewicht, Alter und Geschlecht, aber nicht die Körpergröße. Für Frauen lautet sie: (0,047 × Gewicht in Kilogramm − 0,01452 × Alter in Jahren + 3,21) × 239. Für Männer werden in der Klammer zusätzlich 1,009 addiert. Das Ergebnis ist der Ruheenergieverbrauch in Kilokalorien pro Tag. Auch diese Formel zeigt der Rechner zum Vergleich.
Was ist der PAL-Wert?
PAL steht für physical activity level, auf Deutsch körperliches Aktivitätsniveau. Der Wert gibt an, um welchen Faktor der Gesamtverbrauch eines Tages über dem Ruheenergieverbrauch liegt. Die DGE beschreibt in ihren Fragen und Antworten zur Energiezufuhr von 2015 folgende Stufen:
- PAL 1,2 bis 1,3: gebrechliche, immobile oder bettlägerige Menschen mit ausschließlich sitzender oder liegender Lebensweise.
- PAL 1,4 bis 1,5: ausschließlich sitzende Tätigkeit wie im Büro, mit wenig oder keiner anstrengenden Freizeitaktivität.
- PAL 1,6 bis 1,7: überwiegend sitzende Tätigkeit mit zeitweiligem Gehen und Stehen, etwa im Labor oder im Studium.
- PAL 1,8 bis 1,9: überwiegend gehende und stehende Arbeit, etwa im Verkauf, in der Gastronomie oder im Handwerk.
- PAL 2,0 bis 2,4: körperlich anstrengende Arbeit, etwa auf dem Bau oder in der Landwirtschaft, oder sehr aktive Freizeit wie im Leistungssport.
Wer zusätzlich vier- bis fünfmal pro Woche 30 bis 60 Minuten Sport treibt, kann nach der DGE pro Tag 0,3 PAL-Einheiten hinzurechnen. Die meisten Menschen schätzen ihre Aktivität eher zu hoch ein, deshalb ist im Zweifel die niedrigere Stufe die realistischere.
Wie sieht ein Rechenbeispiel aus?
Nehmen wir eine 40-jährige Frau mit einer Größe von 165 Zentimetern und einem Körpergewicht von 68 Kilogramm, die im Büro arbeitet und in der Freizeit kaum Sport macht. Nach der Mifflin-St-Jeor-Formel ergibt sich 10 × 68 + 6,25 × 165 − 5 × 40 − 161, also 680 + 1.031,25 − 200 − 161 = 1.350,25 kcal. Ihr geschätzter Ruheenergieverbrauch liegt damit bei rund 1.350 kcal pro Tag. Mit einem PAL-Wert von 1,4 ergibt sich 1.350,25 × 1,4 = 1.890,35, also ein Gesamtbedarf von rund 1.890 kcal pro Tag. Die Harris-Benedict-Formel nach Roza und Shizgal kommt für dieselbe Frau auf rund 1.410 kcal Ruheverbrauch und 1.980 kcal Gesamtbedarf, die DGE-Formel auf rund 1.390 und 1.950 kcal. Die Spanne von etwa 90 kcal zwischen den Formeln zeigt, dass jede Angabe auf die Kilokalorie eine Genauigkeit vortäuscht, die es nicht gibt.
Was bedeutet das Ergebnis des Kalorienrechners?
Das Ergebnis beschreibt, wie viel Energie ein durchschnittlicher gesunder Mensch mit Deinen Angaben pro Tag ungefähr verbraucht. Es ist ein Startwert für die Selbstbeobachtung und keine Vorgabe, wie viel man essen muss oder darf.
Wie nutzt man das Ergebnis, um das Gewicht zu halten?
Wer sein Körpergewicht halten möchte, kann den berechneten Gesamtbedarf als grobe Orientierung nehmen. Ob er stimmt, zeigt sich erst über mehrere Wochen: Bleibt das Gewicht bei normaler Ernährung stabil, passt die Größenordnung. Einzelne Tage schwanken stark, unter anderem durch Wassereinlagerungen, Salzgehalt der Mahlzeiten und den Zyklus. Aussagekräftiger als das tägliche Wiegen ist deshalb der Verlauf über einen längeren Zeitraum.
Warum ist der Kalorienbedarf kein Ernährungsplan?
Die Zahl sagt nichts darüber aus, woraus die Energie stammen sollte. Nach den Umrechnungsfaktoren der EU-Lebensmittelinformationsverordnung von 2011 liefern Kohlenhydrate und Protein pro Gramm vier Kilokalorien, Fett neun. Für die Gesundheit zählt neben der Energiemenge auch die Zusammensetzung aus Kohlenhydraten, Fett, Protein, Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen. Für Protein nennen die Ernährungsgesellschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in den gemeinsamen D-A-CH-Referenzwerten seit 2017 für Erwachsene von 19 bis unter 65 Jahren 0,8 Gramm je Kilogramm Körpergewicht und Tag als Referenzwert, ab 65 Jahren einen Schätzwert von 1,0 Gramm. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel Gemüse, Vollkorn und Hülsenfrüchten ist für die meisten Menschen wichtiger als das genaue Zählen von Kalorien.
Wie hilft es beim Abnehmen, den Kalorienbedarf berechnen zu lassen?
Wer abnehmen möchte, braucht über längere Zeit ein Kaloriendefizit, also eine Energiezufuhr unter dem Verbrauch. Der Kalorienrechner hilft, die Größenordnung des eigenen Verbrauchs einzuschätzen und das Defizit realistisch zu planen. Er gibt dafür bei einem Body-Mass-Index ab 25 eine vorsichtige Orientierung aus und keine Diätvorgabe.
Wie groß sollte ein Kaloriendefizit sein?
Die S3-Leitlinie zur Prävention und Therapie der Adipositas der Deutschen Adipositas-Gesellschaft nannte in ihrer Fassung von 2014 ein tägliches Energiedefizit von etwa 500 kcal als Richtgröße, in Einzelfällen auch mehr. Die aktualisierte Fassung 5.0 vom Oktober 2024 setzt weiterhin auf eine energiereduzierte Ernährung zusammen mit Bewegung und Verhaltensänderung als Basis der Behandlung. Wie viel Gewicht sich mit einem bestimmten Defizit verliert, ist individuell. Kevin Hall und Kollegen und Kolleginnen zeigten im Jahr 2011 in The Lancet mit einem mathematischen Modell, dass die verbreitete Regel von rund 7.000 kcal pro Kilogramm Körperfett die Abnahme auf längere Sicht überschätzt. Der Grund ist, dass der Energieverbrauch mit sinkendem Gewicht ebenfalls sinkt.
Warum sind sehr starke Defizite problematisch?
Sehr niedrige Kalorienmengen führen zu einem größeren Verlust an fettfreier Masse, also auch an Muskulatur, und erschweren es, das Gewicht später zu halten. Bei sehr schneller Gewichtsabnahme steigt zudem das Risiko für Gallensteine. Die S3-Leitlinie Adipositas sieht Formuladiäten mit sehr wenig Energie nur für Menschen mit Adipositas und unter ärztlicher Betreuung vor. Der Rechner zeigt deshalb keinen Zielwert an, der unter dem geschätzten Grundumsatz liegt, und gibt Menschen mit Normal- oder Untergewicht keinen Abnehmwert aus.
Welche Rolle spielen Muskeln und Muskelaufbau?
Muskeln verbrauchen auch in Ruhe Energie, deshalb haben Menschen mit mehr Muskelmasse bei gleichem Gewicht einen höheren Grundumsatz. Krafttraining während einer Gewichtsabnahme hilft, die fettfreie Masse zu erhalten. Für einen gezielten Muskelaufbau braucht der Körper eher einen leichten Energieüberschuss und ausreichend Protein. Wie groß dieser Überschuss sein sollte, ist individuell und in Studien uneinheitlich untersucht, deshalb gibt der Rechner dafür keinen Wert aus.
Wie genau kann man den Kalorienbedarf berechnen?
Jede Formel beschreibt den Durchschnitt der Menschen, an denen sie entwickelt wurde. Viele Faktoren beeinflussen den tatsächlichen Verbrauch. Je stärker jemand von dieser Gruppe abweicht, zum Beispiel durch viel Muskelmasse, hohes Alter, ausgeprägte Adipositas oder eine andere Herkunft, desto größer ist der mögliche Fehler.
Wie groß ist die Ungenauigkeit der Formeln?
In der Übersichtsarbeit von Frankenfield aus dem Jahr 2005 traf die Mifflin-St-Jeor-Formel den gemessenen Ruheumsatz bei mehr Menschen auf zehn Prozent genau als jede andere geprüfte Formel. Trotzdem lag sie auch dort bei einem Teil der Untersuchten um mehr als zehn Prozent daneben, teils nach oben, teils nach unten. Die Autorinnen und Autoren wiesen darauf hin, dass ältere Menschen und viele Herkunftsgruppen in den Studien kaum vertreten waren. Für einen geschätzten Ruheumsatz von 1.350 kcal bedeutet eine Abweichung von zehn Prozent bereits rund 135 kcal pro Tag. Über den PAL-Wert kommt eine zweite Unsicherheit hinzu, weil sich die eigene Aktivität nur grob einschätzen lässt.
Welche Messmethoden sind genauer?
Genauer als jede Formel ist die indirekte Kalorimetrie. Dabei atmet man in Ruhe über eine Maske oder Haube, ein Gerät misst den Sauerstoffverbrauch und die abgegebene Menge an Kohlendioxid und berechnet daraus den Ruheenergieverbrauch. Die Methode wird vor allem in der klinischen Ernährungsmedizin, in Kliniken für Adipositas und in der Sportmedizin eingesetzt. Den Gesamtverbrauch im Alltag misst in der Forschung die Methode des doppelt markierten Wassers, die für die Praxis aber zu aufwendig ist. Eine Messung der Körperzusammensetzung, etwa über bioelektrische Impedanzanalyse, schätzt die fettfreie Masse und kann die Berechnung verbessern, ist aber selbst ungenau.
Wie zuverlässig sind Fitness-Tracker?
Fitness-Tracker und Sportuhren schätzen den Kalorienverbrauch aus Herzfrequenz, Schritten und Bewegungssensoren. Der Herzschlag lässt sich damit recht gut messen, der Energieverbrauch dagegen deutlich ungenauer. Die angezeigten Werte eignen sich deshalb eher zum Vergleich der eigenen Tage untereinander als zur genauen Planung der Kalorienzufuhr.
Bei wem lässt sich der Kalorienbedarf berechnen und bei wem nicht?
Die Formeln wurden an gesunden Erwachsenen entwickelt. Für folgende Gruppen sind die Ergebnisse nicht aussagekräftig oder sollten nur nach ärztlicher Rücksprache genutzt werden:
- Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: Wachstum braucht zusätzliche Energie, ein Kaloriendefizit ist in diesem Alter ohne ärztliche Begleitung nicht angebracht.
- Schwangere und Stillende: Die DGE nennt seit 2015 Zuschläge von 250 kcal pro Tag im zweiten Schwangerschaftsdrittel und 500 kcal im letzten Drittel sowie beim ausschließlichen Stillen, die aber nur bei Normalgewicht vor der Schwangerschaft gelten.
- Leistungssportler und Leistungssportlerinnen: Hoher Trainingsumfang und viel Muskelmasse machen die Schätzung ungenau.
- Menschen mit Erkrankungen, die den Stoffwechsel verändern: dazu gehören Schilddrüsenerkrankungen, Krebserkrankungen, schwere Herz-, Lungen- oder Nierenerkrankungen und ein insulinbehandelter Diabetes.
- Ältere Menschen mit ungewolltem Gewichtsverlust: Hier steht die Vermeidung von Mangelernährung im Vordergrund und nicht ein Kaloriendefizit.
- Menschen mit einer Essstörung oder einem Verdacht darauf: Kalorienzählen kann ein gestörtes Essverhalten verstärken.
Welche Rolle spielt der Kalorienbedarf für gesundes Altern?
In Tierversuchen beeinflusst eine dauerhafte Kalorienrestriktion, also eine deutlich verringerte Energiezufuhr ohne Mangelernährung, die Gesundheit und teilweise die Lebensspanne. Ob das auf Menschen übertragbar ist, ist offen.
Was zeigt die Forschung beim Menschen?
Die größte kontrollierte Studie dazu ist CALERIE 2. William Kraus und Kollegen und Kolleginnen berichteten im Jahr 2019 in The Lancet Diabetes and Endocrinology über 218 gesunde Erwachsene ohne Adipositas, die per Los entweder ihre Kalorienzufuhr um 25 Prozent senken sollten oder normal weiter aßen. Tatsächlich erreichten die Teilnehmenden über zwei Jahre im Mittel eine Reduktion von rund zwölf Prozent. Blutdruck, Blutfette und andere Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbesserten sich. Die Studie war weder dafür angelegt noch lange genug, um Aussagen über Lebenserwartung, Herzinfarkte oder Pflegebedürftigkeit zu machen, und sie wurde an jungen bis mittelalten Menschen durchgeführt.
Warum ist im Alter eher Mangelernährung ein Thema?
Mit zunehmendem Alter sinkt der Energiebedarf, der Bedarf an Protein, Vitaminen und Mineralstoffen sinkt aber kaum. Die S3-Leitlinie Klinische Ernährung und Hydrierung im Alter der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin von 2025 betont deshalb, ungewollten Gewichtsverlust und Mangelernährung früh zu erkennen. Für ältere Menschen ist eine Gewichtsabnahme ohne ärztliche Begleitung oft nicht sinnvoll, weil sie mit dem Verlust von Muskelmasse einhergeht. Für gesundes Altern belegt sind vor allem ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung mit Krafttraining und eine ausgewogene Ernährung, ergänzt durch die ärztliche Kontrolle von Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten.
Wann sollte man das Essverhalten ärztlich abklären lassen?
Eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll bei ungewollter Gewichtsabnahme oder Gewichtszunahme ohne erkennbaren Grund, bei starkem Übergewicht mit Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes und vor einer stärkeren Gewichtsabnahme mit Vorerkrankungen. Auch wenn sich Gedanken ständig um Essen, Kalorien und Gewicht drehen, ist ein Gespräch in der hausärztlichen Praxis ein guter erster Schritt.
Wann ist ärztliche Hilfe nötig?
Bei folgenden Warnzeichen sollte zeitnah ärztliche Hilfe gesucht werden, im Notfall über den Notruf 112 in Deutschland und Österreich oder 144 in der Schweiz:
- Ohnmacht, Herzrasen, starke Schwäche oder Verwirrtheit bei sehr geringer Nahrungsaufnahme oder nach Erbrechen.
- Rascher, ungewollter Gewichtsverlust, Fieber oder Nachtschweiß.
- Häufiges Erbrechen nach dem Essen, Missbrauch von Abführmitteln oder Essanfälle mit Kontrollverlust.
- Gedanken, sich selbst zu verletzen oder nicht mehr leben zu wollen: Das ist ein psychiatrischer Notfall, hier hilft der Notruf oder die Telefonseelsorge in Deutschland unter 0800 111 0 111, in Österreich unter 142 und in der Schweiz die Dargebotene Hand unter 143.
Wo gibt es Hilfe bei Essstörungen?
In Deutschland bietet das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, kurz BIÖG und früher Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, ein Beratungstelefon zu Essstörungen unter 0221 892031 sowie eine Datenbank mit Beratungsstellen an.
In Österreich berät die Hotline für Essstörungen kostenlos und anonym unter 0800 20 11 20, auch per E-Mail.
In der Schweiz bietet die Arbeitsgemeinschaft Ess-Störungen, kurz AES, Beratung für Betroffene und Angehörige an, rund um die Uhr ist zudem die Dargebotene Hand unter 143 erreichbar.
Welche Fachrichtung ist zuständig?
Erste Anlaufstelle ist die hausärztliche Praxis. Je nach Ursache gehören Endokrinologie und Diabetologie, Ernährungsmedizin, Psychiatrie und Psychotherapie oder bei Kindern und Jugendlichen die Kinder- und Jugendmedizin dazu. Für die Ernährungstherapie arbeiten Ärzte und Ärztinnen mit Diätassistenten und Diätassistentinnen sowie Fachkräften der Ernährungsberatung zusammen.
Wer übernimmt die Kosten der Ernährungsberatung?
In Deutschland bezuschussen viele gesetzliche Krankenkassen zertifizierte Präventionskurse zur Ernährung. Bei Erkrankungen wie Adipositas oder Diabetes kann eine Ernährungstherapie nach ärztlicher Bescheinigung ganz oder teilweise übernommen werden, die Regeln unterscheiden sich je nach Kasse und sollten vorab erfragt werden.
In Österreich bieten Krankenversicherungsträger teils eigene Programme und Ernährungsberatung an, bei Wahlärzten und Wahlärztinnen orientiert sich die Erstattung am Kassentarif.
In der Schweiz übernimmt die obligatorische Krankenpflegeversicherung Ernährungsberatung auf ärztliche Anordnung bei bestimmten Erkrankungen, darunter Adipositas und Diabetes, abzüglich Franchise und Selbstbehalt.
Quellen
Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2015): Ausgewählte Fragen und Antworten zur Energiezufuhr. Zur FAQ der DGE: https://www.dge.de/fileadmin/dok/gesunde-ernaehrung/faq/DGE-FAQ-Energie-2015.pdf
Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung, Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (2017): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, Protein. Bonn.
Deutsche Adipositas-Gesellschaft (2014): Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Prävention und Therapie der Adipositas, Version 2.0. AWMF-Register 050-001 (abgelaufen, ersetzt durch Version 5.0).
Deutsche Adipositas-Gesellschaft (2024): S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Adipositas, Version 5.0, Oktober 2024. AWMF-Register 050-001. Zur Leitlinie: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/050-001
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Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (2025): Essstörungen, Beratung und Hilfe. Zur Seite des BIÖG: https://essstoerungen.bioeg.de
Wiener Programm für Frauengesundheit: Hotline für Essstörungen. Zur Seite der Hotline: https://www.essstoerungshotline.at
Arbeitsgemeinschaft Ess-Störungen AES. Zur Seite der AES: https://www.aes.ch
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