Du bekommst Deine Laborergebnisse und siehst zunächst eine Menge Zahlen, Abkürzungen und Referenzbereiche. Manche Werte sind vielleicht mit einem Pfeil markiert, andere liegen knapp innerhalb des Normalbereichs. Doch was bedeutet das eigentlich für Deine Gesundheit? Und welche Blutwerte sind wirklich wichtig, wenn Du möglichen Erkrankungen frühzeitig vorbeugen möchtest?
Blutwerte können Hinweise auf Deinen Stoffwechsel, Deine Organfunktionen und bestimmte Gesundheitsrisiken liefern, oft schon bevor Du Beschwerden bemerkst. Allerdings ist nicht jeder Wert für jeden Menschen gleichermaßen sinnvoll. Wir erklären Dir, welche Laborwerte bei der Vorsorge eine Rolle spielen, wie Du Deine Ergebnisse besser verstehst und welche Untersuchungen von der Krankenkasse übernommen werden.
Das Wichtigste in Kürze
Das kleine und große Blutbild untersucht vor allem die Blutzellen. Für die langfristige Gesundheitsvorsorge sind weitere Laborwerte wichtig.
Blutzucker, Blutfette sowie ausgewählte Leber-, Nieren- und Nährstoffwerte können helfen, gesundheitliche Risiken frühzeitig zu erkennen. Welche Untersuchungen sinnvoll sind, hängt von Deinen persönlichen Risikofaktoren ab.
Referenzbereiche zeigen, welche Werte bei einer Vergleichsgruppe üblich sind. Sie sind nicht automatisch mit den medizinisch empfohlenen Zielwerten gleichzusetzen.
Ein auffälliger Blutwert bedeutet nicht zwangsläufig, dass Du krank bist. Entscheidend ist, wie die Ergebnisse im Zusammenhang mit Deiner Gesundheit beurteilt werden.
Was steht eigentlich im kleinen und großen Blutbild?
Das kleine Blutbild untersucht vor allem die verschiedenen Blutzellen. Dazu gehören die roten Blutkörperchen, die weißen Blutkörperchen und die Blutplättchen. Zusätzlich werden unter anderem Hämoglobin und Hämatokrit bestimmt. Diese Werte können beispielsweise Hinweise auf eine Blutarmut, Infektionen oder Veränderungen der Blutplättchenzahl liefern. Weitere Werte beschreiben die Größe und den Hämoglobingehalt der roten Blutkörperchen und helfen dabei, die Ursache einer Blutarmut genauer einzugrenzen.
Beim großen Blutbild kommt das sogenannte Differentialblutbild hinzu. Dabei werden die weißen Blutkörperchen in ihre verschiedenen Untergruppen aufgeteilt. Das kann zusätzliche Hinweise auf Infektionen, allergische Erkrankungen oder bestimmte Störungen des blutbildenden Systems liefern. Ob eine Infektion beispielsweise durch Bakterien oder Viren verursacht wird, lässt sich daraus allein aber nicht zuverlässig erkennen.
Für die langfristige Gesundheitsvorsorge reicht das Blutbild allein nicht aus. Es zeigt hauptsächlich Veränderungen der Blutzellen, während beispielsweise der Zuckerstoffwechsel, die Blutfette oder die Organfunktionen durch zusätzliche Untersuchungen beurteilt werden.
Welche Werte zeigen den Zuckerstoffwechsel?
Zu den wichtigsten Laborwerten für den Zuckerstoffwechsel gehören der Nüchternblutzucker und der HbA1c. Der Nüchternblutzucker zeigt, wie hoch Dein Blutzuckerspiegel nach einer längeren Zeit ohne Nahrungsaufnahme ist. Er kann unter anderem durch Stress, Schlafmangel oder Erkrankungen beeinflusst werden. Der HbA1c wird dagegen auch als Langzeitblutzucker bezeichnet, weil er die durchschnittliche Blutzuckerbelastung der vergangenen zwei bis drei Monate widerspiegelt.
Beide Werte helfen dabei, einen Diabetes mellitus oder bereits dessen Vorstufe, den sogenannten Prädiabetes, zu erkennen. Allerdings kann schon vorher eine Insulinresistenz bestehen. Dabei reagieren die Körperzellen weniger empfindlich auf Insulin, sodass der Körper zunächst mehr davon ausschütten muss, um den Blutzucker im normalen Bereich zu halten.
Zusätzliche Untersuchungen wie der Nüchterninsulinwert oder der daraus berechnete HOMA-Index können Hinweise auf eine Insulinresistenz liefern. Für die allgemeine Diabetesvorsorge werden sie jedoch nicht routinemäßig empfohlen, da ihre Aussagekraft für individuelle Behandlungsentscheidungen begrenzt ist. Welche Untersuchungen sinnvoll sind, hängt deshalb von Deinen Risikofaktoren und bisherigen Blutzuckerwerten ab.
Welche Blutfette sind wirklich aussagekräftig?
Das klassische Lipidprofil umfasst Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin und Triglyceride. Besonders das LDL-Cholesterin spielt eine wichtige Rolle, da erhöhte Werte die Entstehung von Ablagerungen in den Blutgefäßen begünstigen und damit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen können.
Neben diesen klassischen Werten gewinnen zwei weitere Laborwerte an Bedeutung:
- Apolipoprotein B (ApoB) befindet sich auf den meisten Partikeln, die zur Entstehung von Gefäßverkalkungen beitragen können. Der Wert gibt Auskunft über die Anzahl dieser Partikel und kann insbesondere bei Diabetes, erhöhten Triglyceriden oder Übergewicht zusätzliche Informationen zum Herz-Kreislauf-Risiko liefern.
- Lipoprotein(a) ist größtenteils genetisch festgelegt und stellt einen eigenständigen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar. Da er sich im Laufe des Lebens meist nur wenig verändert, empfehlen europäische Fachgesellschaften, Lipoprotein(a) mindestens einmal im Erwachsenenleben bestimmen zu lassen.
Welche Blutfettwerte für Dich besonders wichtig sind, hängt von Deinem persönlichen Risiko ab. Dazu zählen beispielsweise Dein Alter, Dein Blutdruck, mögliche Vorerkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Familie.
Was sagen Entzündungswerte aus?
Ein wichtiger Entzündungswert ist das C-reaktive Protein, kurz CRP. Es wird vor allem bei Verdacht auf akute Infektionen oder entzündliche Erkrankungen bestimmt. Steigt der Wert an, kann das auf eine Entzündung im Körper hinweisen. Woher diese kommt, lässt sich anhand des CRP-Werts allein allerdings nicht feststellen.
Daneben gibt es das hochsensitive CRP, kurz hsCRP. Mit diesem Test lassen sich auch sehr geringe CRP-Konzentrationen messen. Dauerhaft leicht erhöhte Werte können mit einer sogenannten niedriggradigen Entzündung zusammenhängen, die unter anderem bei Übergewicht, Rauchen und bestimmten Stoffwechselerkrankungen vorkommen kann. Solche Entzündungsprozesse stehen auch mit einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko in Verbindung.
Allerdings kann bereits ein leichter Infekt den hsCRP-Wert vorübergehend erhöhen. Deshalb können bei auffälligen Ergebnissen wiederholte Messungen in beschwerdefreiem Zustand sinnvoll sein. Für gesunde Menschen ohne besondere Risikofaktoren gehört die regelmäßige Bestimmung des hsCRP jedoch nicht zur allgemein empfohlenen Vorsorge.
Welche Werte zeigen Leber und Nieren?
Auch die Leber- und Nierenwerte können wichtige Hinweise auf Deine Gesundheit liefern. Bei der Leber werden häufig die sogenannten Transaminasen ALT und AST sowie Gamma-GT und alkalische Phosphatase untersucht. Erhöhte Transaminasen können beispielsweise auf eine Schädigung von Leberzellen hinweisen. Veränderungen der Gamma-GT oder alkalischen Phosphatase können unter anderem bei Erkrankungen der Leber oder Gallenwege auftreten.
Eine häufige Lebererkrankung ist die metabolisch dysfunktionsassoziierte steatotische Lebererkrankung, kurz MASLD, die früher als nicht alkoholische Fettleber bezeichnet wurde. Sie steht häufig mit Übergewicht, Insulinresistenz und anderen Stoffwechselstörungen in Verbindung. Allerdings können die Leberwerte auch bei einer bestehenden Fettleber unauffällig sein.
Bei den Nieren gehört Kreatinin zu den wichtigsten Laborwerten. Daraus wird die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate, kurz eGFR, berechnet, die Auskunft über die Filterleistung der Nieren gibt. Da Kreatinin auch von der Muskelmasse beeinflusst wird, kann ergänzend Cystatin C bestimmt werden. Dieser Wert ist weitgehend unabhängig von der Muskelmasse und kann helfen, die Nierenfunktion genauer einzuschätzen.
Zusätzlich kann eine Urinuntersuchung sinnvoll sein. Dabei wird unter anderem geprüft, ob vermehrt Eiweiß, insbesondere Albumin, ausgeschieden wird. Das kann bereits auf eine Nierenschädigung hinweisen, bevor sich die Filterleistung deutlich verschlechtert.
Welche Nährstoffe lohnt es sich zu messen?
Nicht jeder Nährstoff muss regelmäßig im Blut untersucht werden. Sinnvoll sind solche Untersuchungen vor allem dann, wenn Beschwerden oder bestimmte Risikofaktoren auf einen Mangel hindeuten.
Zu den häufig untersuchten Nährstoffen gehören beispielsweise:
- Vitamin D kann bei einem konkreten Verdacht auf einen Vitamin-D-Mangel oder bestimmten Risikofaktoren sinnvoll sein. Für gesunde Menschen ohne Beschwerden wird eine regelmäßige Messung jedoch nicht allgemein empfohlen.
- Vitamin B12 kann besonders bei veganer Ernährung, im höheren Alter oder bei bestimmten Erkrankungen und Medikamenten sinnvoll sein.
- Eisen: Der Ferritinwert gibt Auskunft über die Eisenspeicher. Ein Eisenmangel kann unter anderem Müdigkeit und Erschöpfung verursachen, auch wenn noch keine Blutarmut vorliegt. Da Ferritin bei Entzündungen ansteigen kann, müssen die Ergebnisse entsprechend eingeordnet werden.
Weitere Werte wie Magnesium, Zink oder Selen können bei einer konkreten medizinischen Fragestellung untersucht werden. Teilweise werden diese Nährstoffe auch im Rahmen einer Vollblutanalyse bestimmt, bei der das gesamte Blut einschließlich der Blutzellen untersucht wird. Ob diese Methode sinnvoll ist, hängt allerdings vom jeweiligen Nährstoff ab.
Von umfangreichen Mikronährstoffprofilen ohne konkreten Anlass wird eher abgeraten. Denn je mehr Werte untersucht werden, desto wahrscheinlicher sind zufällige Abweichungen, die nicht unbedingt auf eine Erkrankung hinweisen.
Was bedeuten Referenzbereiche wirklich?
Ein Referenzbereich zeigt, welche Laborwerte bei einer bestimmten Vergleichsgruppe üblich sind. Dafür werden meist die Werte vieler gesunder Menschen untersucht. In der Regel umfasst der Referenzbereich die mittleren 95 Prozent dieser Messwerte. Das bedeutet allerdings auch, dass rund fünf Prozent gesunder Menschen außerhalb dieses Bereichs liegen können, ohne tatsächlich krank zu sein.
Wichtig ist außerdem der Unterschied zwischen Referenzbereich und medizinischem Zielwert. Beim LDL-Cholesterin hängt der empfohlene Zielwert beispielsweise vom persönlichen Herz-Kreislauf-Risiko ab. Nach einem Herzinfarkt wird ein deutlich niedrigerer LDL-Wert angestrebt als bei einem Menschen ohne besondere Risikofaktoren. Deshalb solltest Du Deine Laborergebnisse nicht nur anhand der angegebenen Referenzbereiche beurteilen, sondern immer gemeinsam mit Deinem Arzt oder Deiner Ärztin einordnen.
Welche Untersuchungen zahlt die Krankenkasse?
Welche Blutuntersuchungen von der Krankenkasse übernommen werden, hängt vom jeweiligen Land, Deinem Alter und möglichen gesundheitlichen Risikofaktoren ab.
Deutschland
Zwischen 18 und 34 Jahren übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung einmalig einen Gesundheits-Check-up. Blutuntersuchungen auf Blutzucker und Blutfette sind in diesem Alter bei entsprechendem Risikoprofil vorgesehen. Ab 35 Jahren besteht alle drei Jahre Anspruch auf einen Check-up, bei dem diese Laborwerte regulär untersucht werden.
Österreich
Ab 18 Jahren kannst Du einmal jährlich eine kostenlose Vorsorgeuntersuchung in Anspruch nehmen. Dazu gehören unter anderem die Bestimmung von Blutzucker, Blutfetten und Gamma-GT als Leberwert. Weitere Untersuchungen können bei medizinischer Notwendigkeit ergänzt werden.
Schweiz
Hier gibt es kein direkt vergleichbares, einheitliches Vorsorgeprogramm. Die obligatorische Krankenpflegeversicherung übernimmt bestimmte Vorsorgeuntersuchungen sowie medizinisch notwendige Laboranalysen unter den jeweils geltenden Voraussetzungen. Dabei können Franchise und Selbstbehalt anfallen.
Spezielle Untersuchungen wie ApoB, Lipoprotein(a), hochsensitives CRP oder Nüchterninsulin gehören in der Regel nicht zu den allgemeinen Vorsorgeprogrammen. Besteht allerdings eine konkrete medizinische Indikation, können einzelne Untersuchungen von der Krankenversicherung übernommen werden. Kläre deshalb am besten vorab, welche Kosten tatsächlich auf Dich zukommen.
Wie oft sollte man die Blutwerte kontrollieren?
Wie häufig eine Blutuntersuchung sinnvoll ist, hängt von Deinem Gesundheitszustand und Deinen persönlichen Risikofaktoren ab. Für gesunde Erwachsene ohne besondere Risiken können die regulären Vorsorgeuntersuchungen eine gute Orientierung bieten. Bei Übergewicht, Bluthochdruck, Rauchen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Familie können kürzere Kontrollabstände sinnvoll sein.
Wenn bereits eine Erkrankung vorliegt oder eine Behandlung begonnen wurde, richtet sich die Häufigkeit nach den jeweiligen Laborwerten. Der HbA1c wird bei Menschen mit Diabetes beispielsweise häufig nach etwa drei Monaten kontrolliert, um den Verlauf der Blutzuckereinstellung zu beurteilen. Bei Lipoprotein(a) reicht dagegen meist eine einmalige Bestimmung im Erwachsenenalter aus.
Entscheidend ist nicht, möglichst oft oder möglichst viele Werte messen zu lassen. Viel wichtiger ist, dass die Untersuchungen eine konkrete Fragestellung beantworten und aus den Ergebnissen bei Bedarf sinnvolle Maßnahmen abgeleitet werden können.
Quellen
Bundesministerium für Gesundheit (Deutschland): Gesundheits-Check-up
Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV): Check-up
European Society of Cardiology (ESC): 2025 Focused Update of the 2019 ESC/EAS Guidelines for the Management of Dyslipidaemias
American Diabetes Association (ADA): Guidelines and Recommendations for Laboratory Analysis in the Diagnosis and Management of Diabetes Mellitus
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Gesundheitsinformation.de
Österreichisches Gesundheitsportal: Laborbefund und Vorsorgeuntersuchung
Österreichisches Gesundheitsportal: Ablauf der Vorsorgeuntersuchung
Bundesamt für Gesundheit (BAG), Schweiz: Krankenversicherung: Massnahmen der medizinischen Prävention
US Preventive Services Task Force (USPSTF): Vitamin D Deficiency in Adults: Screening
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