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Akkermansia

Akkermansia

Akkermansia muciniphila lebt in der Darmschleimschicht und wird erforscht, Humanstudien sind klein und Abnehmversprechen unzulässig.

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Das Wichtigste in Kürze

Akkermansia muciniphila gilt in der Forschung als Hinweis auf eine stabile Darmschleimhaut. Beobachtungsstudien zeigen Zusammenhänge mit Stoffwechselwerten, beweisen aber keine Ursache.

Die ersten kontrollierten Humanstudien mit pasteurisierter Akkermansia umfassen jeweils weniger als 150 Teilnehmende. Einzelne Stoffwechselwerte verbesserten sich, die Hauptendpunkte wurden nicht immer erreicht.

Eine Alternative zur Abnehmspritze ist Akkermansia nach heutigem Stand nicht. Arzneimittel mit GLP-1-Wirkung senken das Gewicht in Zulassungsstudien deutlich stärker.

Rechtlich ist pasteurisierte Akkermansia muciniphila in der EU und in der Schweiz als Zutat für Nahrungsergänzungsmittel verkehrsfähig. Gesundheitsversprechen sind dafür nicht zugelassen.

Akkermansia muciniphila gehört zu den am intensivsten untersuchten Darmbakterien der letzten zwei Jahrzehnte. Das Bakterium lebt in der Schleimschicht, die die Darmschleimhaut bedeckt, und ernährt sich von deren Schleimstoffen. In Werbung und sozialen Medien wird Akkermansia inzwischen als Abnehmhilfe oder natürliche Alternative zur Abnehmspritze dargestellt.

Die Studienlage ist jedoch deutlich vorsichtiger, als es diese Botschaften vermuten lassen. Viele Effekte stammen aus Versuchen an Mäusen, und die wenigen Humanstudien sind klein und kurz. Was ist Akkermansia genau, was zeigen die Studien an Menschen, und was ist rechtlich erlaubt?

Akkermansia

Was ist Akkermansia muciniphila?

Akkermansia muciniphila ist ein Bakterium des menschlichen Dickdarms. Der Name ehrt den niederländischen Mikrobiologen Antoon Akkermans, der Artname „muciniphila“ bedeutet „Schleim liebend“. Das Bakterium ist gramnegativ, wächst nur ohne Sauerstoff und bildet keine Sporen. Genau diese Empfindlichkeit gegenüber Sauerstoff ist einer der Gründe, warum lebende Akkermansia für Nahrungsergänzungsmittel schwer herzustellen ist.

Wie wurde das Bakterium entdeckt?

Das Forschungsteam um Muriel Derrien am Labor für Mikrobiologie der Universität Wageningen beschrieb das Bakterium 2004 erstmals (Derrien und Kollegen 2004). Die Forschenden verdünnten Stuhlproben so lange in einem sauerstofffreien Nährmedium, bis nur noch Bakterien wuchsen, die Mucin aus dem Magen als einzige Kohlenstoff- und Stickstoffquelle nutzen konnten. Mucin ist der Hauptbestandteil des Darmschleims. Der so isolierte Stamm erhielt die Bezeichnung MucT und ist bis jetzt der Referenzstamm der Art. Er gehört zu einer eigenen Bakteriengruppe, den Verrucomicrobia, und war damals keiner bekannten Gattung zuzuordnen.

Wo lebt Akkermansia im Darm?

Die Darmschleimhaut ist im Dickdarm von einer Schleimschicht bedeckt. Sie trennt die Zellen der Darmwand von den Billionen Mikroorganismen im Darminhalt und ist damit eine wichtige Funktion der Darmbarriere. Akkermansia siedelt an dieser Schleimschicht und baut Mucin ab. Das klingt zunächst schädlich, doch der Körper erneuert den Schleim laufend. Beim Abbau entstehen unter anderem kurzkettige Fettsäuren wie Acetat und Propionat sowie Zucker, die andere Darmbakterien nutzen. Akkermansia ist damit Teil eines Netzwerks, in dem sich Bakterien gegenseitig mit Nährstoffen versorgen.

Wie häufig kommt Akkermansia im Mikrobiom vor?

Mit einer eigens entwickelten Gensonde wies das Forschungsteam um Derrien 2008 nach, dass Akkermansia muciniphila bei untersuchten Erwachsenen mehr als ein Prozent aller Bakterienzellen im Stuhl ausmachte (Derrien und Kollegen 2008). Neuere Übersichtsarbeiten nennen für gesunde Erwachsene teils höhere Anteile, stützen sich dabei aber auf unterschiedliche Messmethoden.

Wie stark der Anteil zwischen Bevölkerungsgruppen schwankt, zeigt eine japanische Untersuchung von 2026. Bei 786 älteren Erwachsenen ab 65 Jahren war Akkermansia bei 356 Personen, also 45,3 Prozent, gar nicht nachweisbar, bei den übrigen lag der Anteil im Median bei etwa 0,35 Prozent (Naito und Kollegen 2026). Die Zahlen stammen aus einer einzigen Querschnittsstudie mit einer Messmethode und lassen sich nicht auf Menschen in Deutschland, Österreich oder der Schweiz übertragen. Sie zeigen aber, dass es keinen allgemein gültigen „Normalwert“ gibt.

Akkermansia

Welche Rolle spielt Akkermansia muciniphila für Darmbarriere und Stoffwechsel?

Akkermansia muciniphila steht im Mittelpunkt der Forschung, weil das Bakterium in mehreren Studien mit einer intakten Darmbarriere und günstigen Stoffwechselwerten zusammenhing. Ob das Bakterium diese Gesundheit verursacht oder nur in einem gesunden Darm besser gedeiht, ist bis jetzt nicht geklärt.

Was zeigen Beobachtungsstudien zu Übergewicht und Typ-2-Diabetes?

In einer französischen Studie untersuchte das Forschungsteam um Maria Carlota Dao 49 Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas, davon 41 Frauen, während einer sechswöchigen Kalorienreduktion und einer anschließenden sechswöchigen Stabilisierungsphase (Dao und Kollegen 2016). Zu Studienbeginn hatten Personen mit mehr Akkermansia im Stuhl niedrigere Nüchternblutzuckerwerte, ein günstigeres Verhältnis von Taillen- zu Hüftumfang und kleinere Fettzellen im Unterhautfettgewebe. Sie profitierten zudem stärker von der Diät, gemessen an Markern der Insulinempfindlichkeit.

Diese Ergebnisse beschreiben einen Zusammenhang, keine Ursache. Menschen mit mehr Akkermansia hatten auch insgesamt ein artenreicheres Mikrobiom, und Ernährung, Bewegung oder Medikamente können beides gleichzeitig beeinflussen. Beobachtung ist nicht Kausalität: Aus solchen Daten lässt sich nicht ableiten, dass die Einnahme von Akkermansia den Blutzucker senkt.

Was zeigen Tierstudien?

Die Annahme, dass Akkermansia selbst etwas bewirkt, stammt vor allem aus Mausversuchen. Das Forschungsteam um Amandine Everard zeigte 2013, dass Mäuse mit fettreicher Ernährung weniger Akkermansia im Darm hatten und dass die Gabe lebender Bakterien Fettzunahme, Entzündungszeichen im Fettgewebe und Insulinresistenz verringerte (Everard und Kollegen 2013). Hitzeabgetötete Bakterien wirkten in diesem Versuch nicht. Drei Jahre später fand das Team um Hubert Plovier das Gegenteil: Pasteurisierte Akkermansia verbesserte bei Mäusen Fettmasse, Insulinresistenz und Blutfette sogar stärker als die lebende Form (Plovier und Kollegen 2017). Als möglichen Wirkstoff identifizierten die Forschenden ein hitzestabiles Eiweiß aus der äußeren Zellhülle, Amuc_1100, das an einen Rezeptor des Immunsystems auf Darmzellen bindet.

Mausdaten beeinflussen die Forschung stark, lassen sich aber nicht direkt auf Menschen übertragen. Labormäuse leben unter kontrollierten Bedingungen, erhalten eine standardisierte Ernährung und haben ein anderes Mikrobiom. Die widersprüchlichen Befunde zu lebenden und pasteurisierten Bakterien zeigen zudem, dass die Wirkmechanismen noch nicht verstanden sind.

Wie hängt Akkermansia mit GLP-1 zusammen?

GLP-1, kurz für Glucagon-like Peptide 1, ist ein Darmhormon. Es wird nach dem Essen von sogenannten L-Zellen der Darmschleimhaut ausgeschüttet, fördert die Insulinfreisetzung und verstärkt das Sättigungsgefühl. Auf diesem Hormon beruhen die Wirkstoffe der Abnehmspritze.

Ein koreanisches Forschungsteam um Hyo Shin Yoon beschrieb 2021 ein von Akkermansia ausgeschiedenes Eiweiß namens P9 (Yoon und Kollegen 2021). In Zellkulturen und bei Mäusen mit fettreicher Ernährung reichte gereinigtes P9 aus, um die GLP-1-Ausschüttung zu steigern und die Wärmebildung im braunen Fettgewebe anzuregen. Es handelt sich um eine Tierstudie. Ob P9 beim Menschen in nennenswerter Menge entsteht und ob es die GLP-1-Spiegel messbar verändert, ist nicht belegt. P9 ist daher eine Mechanismus-Hypothese, keine nachgewiesene Wirkung.

Die Suche nach „GLP-1 natürlich erhöhen“ führt oft zu solchen Mechanismusstudien. Ein Übersichtsartikel von 2026 wertete 26 Studien zu Akkermansia und GLP-1 aus, davon 23 Tier- oder Laborstudien und nur drei klinische Studien (Dinkov 2026). Der Autor beschreibt das Zusammenspiel ausdrücklich als hypothetisches Modell.

Was zeigen Studien mit Akkermansia muciniphila am Menschen?

Kontrollierte Humanstudien mit Akkermansia muciniphila gibt es erst seit 2019. Sie sind klein, laufen über wenige Monate und wurden überwiegend von Forschenden durchgeführt, die Patente auf die Anwendung halten oder an Herstellerfirmen beteiligt sind. Das schließt gute Forschung nicht aus, ist aber bei der Bewertung zu berücksichtigen.

Was zeigte die erste Pilotstudie 2019?

Das Forschungsteam um Clara Depommier untersuchte in Brüssel Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas und Insulinresistenz in einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Pilotstudie (Depommier und Kollegen 2019). Randomisiert bedeutet, dass das Los über die Gruppenzuteilung entschied, doppelblind, dass weder Teilnehmende noch Studienteam wussten, wer welches Präparat erhielt. Von 40 aufgenommenen Personen schlossen 32 die Studie ab. Sie erhielten drei Monate lang täglich lebende oder pasteurisierte Akkermansia oder ein Placebo, also ein Scheinpräparat. Hauptendpunkte waren Sicherheit, Verträglichkeit und Stoffwechselwerte.

Beide Formen wurden gut vertragen. In der Gruppe mit pasteurisierten Bakterien verbesserte sich die Insulinempfindlichkeit im Vergleich zu Placebo um 28,6 Prozent, der Insulinspiegel sank um 34,1 Prozent und das Gesamtcholesterin um 8,7 Prozent (Depommier und Kollegen 2019). Das Körpergewicht sank im Mittel um 2,3 Kilogramm stärker als unter Placebo, dieser Unterschied war statistisch nicht gesichert. Die Zusammensetzung des Mikrobioms veränderte sich insgesamt kaum.

Die Studie war als Machbarkeitsstudie angelegt. Mit wenigen Teilnehmenden pro Gruppe, einem einzigen Studienzentrum und drei Monaten Dauer kann sie keine klinischen Effekte belegen. Mehrere Autoren waren laut Interessenerklärung Erfinder von Patenten und Mitgründer einer Herstellerfirma.

Was zeigen neuere Studien bei Typ-2-Diabetes und metabolischem Syndrom?

In Schanghai erhielten 58 Erwachsene mit Übergewicht und Typ-2-Diabetes zwölf Wochen lang lebende Akkermansia eines anderen Stammes oder Placebo, zusätzlich zu Lebensstilberatung (Zhang und Kollegen 2025). Beide Gruppen nahmen ab und verbesserten ihren Langzeitblutzucker HbA1c, ein Unterschied zwischen den Gruppen zeigte sich nicht. Nur bei Teilnehmenden mit niedrigem Akkermansia-Ausgangswert siedelte sich das Bakterium an, und nur in dieser Untergruppe sanken Gewicht, Fettmasse und HbA1c stärker. Untergruppenanalysen in kleinen Studien gelten als hypothesenbildend, nicht als Beweis.

Eine größere Studie in Irland und Deutschland mit 142 Erwachsenen mit metabolischem Syndrom, einem Zusammentreffen von Bauchfett, erhöhtem Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten, verfehlte ihren Hauptendpunkt (Suenaert und Kollegen 2026). Die Teilnehmenden erhielten vier Monate lang täglich Kapseln mit 30 Milliarden Zellen pasteurisierter Akkermansia oder Placebo. Die Insulinempfindlichkeit des ganzen Körpers unterschied sich in der Auswertung aller randomisierten Personen, der sogenannten Intention-to-treat-Analyse, nicht von Placebo. Erst in nachträglichen Analysen zeigten sich Verbesserungen bei Untergruppen, etwa bei Personen mit Prädiabetes, ab 63 Jahren oder mit niedrigen Akkermansia-Werten, sowie ein stärkerer GLP-1-Anstieg nach einem Zuckerbelastungstest. Mehrere Autoren sind Angestellte, Berater oder Mitgründer der Herstellerfirma.

Was zeigt die Studie zur Gewichtserhaltung 2026?

Die bislang größte Aufmerksamkeit erhielt eine Studie aus Maastricht (Mount und Kollegen 2026). 90 Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas nahmen zunächst mit einer achtwöchigen kalorienarmen Diät mindestens acht Prozent ihres Gewichts ab. Danach aßen sie 24 Wochen lang frei nach gesunden Empfehlungen und erhielten täglich pasteurisierte Akkermansia oder Placebo. Hauptendpunkt war die Wiederzunahme. Unter Akkermansia nahmen die Teilnehmenden im Mittel 1,2 Kilogramm wieder zu, unter Placebo 3,2 Kilogramm. Schwere Nebenwirkungen, die auf das Präparat zurückgingen, traten nicht auf.

Die Autoren nennen selbst die kurze Dauer als Einschränkung. Ein Unterschied von etwa zwei Kilogramm über sechs Monate ist statistisch messbar, klinisch aber begrenzt, und ob er über Jahre anhält, ist offen. Auch hier sind Studienautoren an der Herstellerfirma beteiligt oder halten Patentanmeldungen.

Warum hängt die Wirkung offenbar vom Ausgangswert ab?

Drei der genannten Studien deuten darauf hin, dass vor allem Menschen mit wenig Akkermansia im Darm reagieren. Das wäre plausibel, weil ein Bakterium, das bereits reichlich vorhanden ist, wenig zusätzlichen Effekt haben dürfte. Diese Beobachtung stammt aber aus Untergruppen, die nicht von vornherein als Hauptfrage geplant waren. Eine Studie, die gezielt nur Personen mit niedrigem Ausgangswert aufnimmt und an harten Endpunkten wie Diabetes-Neuerkrankungen misst, fehlt bis jetzt.

Ist Akkermansia eine Alternative zur Abnehmspritze?

Nein. Akkermansia ist nach heutigem Stand keine Alternative zur Abnehmspritze, weder in der Wirkung noch rechtlich. Die Abnehmspritze enthält Arzneimittel, die GLP-1 nachahmen oder verstärken, sogenannte GLP-1-Rezeptor-Agonisten oder duale GIP/GLP-1-Rezeptor-Agonisten. Sie wirken pharmakologisch direkt am Rezeptor, in Dosen weit über den körpereigenen Hormonspiegeln.

Wie groß sind die Effekte im Vergleich?

In der Zulassungsstudie STEP 1 erhielten 1.961 Erwachsene mit Adipositas oder Übergewicht mit Begleiterkrankung 68 Wochen lang wöchentlich Semaglutid oder Placebo, jeweils mit Lebensstilberatung (Wilding und Kollegen 2021). Das Körpergewicht sank unter Semaglutid im Mittel um 14,9 Prozent, unter Placebo um 2,4 Prozent. Die Studie wurde vom Hersteller finanziert, die Ergebnisse wurden in weiteren Studien aber bestätigt.

Die Akkermansia-Studien messen dagegen Unterschiede von wenigen Kilogramm über drei bis sechs Monate, teils statistisch nicht gesichert. Die Studien sind zu klein und zu verschieden, um sie seriös mit Arzneimittelstudien zu verrechnen. Eindeutig ist nur, dass für Akkermansia keine vergleichbar großen Gewichtseffekte beschrieben sind. Wer mit Übergewicht und Begleiterkrankungen eine medizinische Behandlung erwägt, sollte das mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen, nicht mit Werbeaussagen.

Können Probiotika beim Abnehmen helfen?

Die Suche nach „Probiotika abnehmen“ oder „Darmbakterien abnehmen“ gehört zu den häufigsten Fragen rund um das Mikrobiom. Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die in ausreichender Menge einen gesundheitlichen Nutzen haben sollen. Für Gewichtsabnahme gibt es kein Bakterium mit belegtem, klinisch relevantem Effekt. Akkermansia ist dabei keine Ausnahme: Die vorliegenden Studien zeigen eher Veränderungen bei Insulin und Blutfetten als beim Gewicht.

Was ist von „GLP-1 natürlich“ zu halten?

Körpereigenes GLP-1 wird nach jeder Mahlzeit ausgeschüttet und nach wenigen Minuten abgebaut. Ballaststoffe, Eiweiß und die Zusammensetzung der Mahlzeit beeinflussen diese Ausschüttung. Das ist physiologisch sinnvoll, erreicht aber nicht die Wirkstärke eines Arzneimittels. Die Formulierung „natürliche Abnehmspritze“ ist daher irreführend, unabhängig davon, ob sie für Akkermansia, Berberin oder Pflanzenextrakte verwendet wird.

Akkermansia

Worin unterscheiden sich lebende und pasteurisierte Akkermansia?

Die meisten Präparate in Europa enthalten keine lebenden Bakterien, sondern pasteurisierte Akkermansia muciniphila. Pasteurisieren bedeutet, dass die Bakterien kurz erhitzt und dadurch abgetötet werden. Ihre Zellhülle und Eiweiße wie Amuc_1100 bleiben dabei weitgehend erhalten.

Was sind Postbiotika?

Nach der Definition der International Scientific Association for Probiotics and Prebiotics (ISAPP) ist ein Postbiotikum eine „Zubereitung aus unbelebten Mikroorganismen und/oder ihren Bestandteilen, die dem Wirt einen gesundheitlichen Nutzen bringt“ (Salminen und Kollegen 2021). Postbiotika müssen also inaktivierte Zellen oder Zellbestandteile enthalten, reine Stoffwechselprodukte zählen nicht dazu. Präbiotika sind dagegen Stoffe, die das Wachstum nützlicher Darmbakterien fördern, etwa bestimmte Ballaststoffe.

Pasteurisierte Akkermansia wird häufig als Postbiotikum bezeichnet. Streng genommen erfüllt sie die Definition nur, wenn ein gesundheitlicher Nutzen nachgewiesen ist. Diesen Nachweis sehen Behörden bisher nicht als erbracht an.

Warum wird Akkermansia pasteurisiert?

Lebende Akkermansia stirbt an der Luft schnell ab und ist schwer zu lagern. Die pasteurisierte Form ist stabiler, und in den Mausversuchen von Plovier und Kollegen 2017 wirkte sie sogar stärker. In der Pilotstudie am Menschen von 2019 zeigte ebenfalls die pasteurisierte Form die deutlicheren Veränderungen. Zudem kann ein abgetötetes Bakterium sich nicht im Darm vermehren, was das Sicherheitsprofil vereinfacht. Ob pasteurisierte oder lebende Bakterien beim Menschen langfristig günstiger sind, ist nicht untersucht.

Wie ist Akkermansia muciniphila rechtlich eingeordnet?

Pasteurisierte Akkermansia muciniphila ist ein neuartiges Lebensmittel, im EU-Recht Novel Food genannt. Das sind Lebensmittel, die vor Mai 1997 in der EU nicht in nennenswertem Umfang verzehrt wurden und vor dem Verkauf eine Sicherheitsprüfung durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und eine Zulassung durch die Europäische Kommission brauchen.

Welche Regeln gelten in der EU?

Die EFSA bewertete pasteurisierte Akkermansia 2021 als sicher bis höchstens 3,4 × 10¹⁰ Zellen pro Tag, das sind 34 Milliarden Zellen, für Erwachsene mit Ausnahme von Schwangeren und Stillenden (EFSA-Gremium für Ernährung, neuartige Lebensmittel und Lebensmittelallergene 2021). Darauf folgte die Durchführungsverordnung (EU) 2022/168 vom 8. Februar 2022. Sie erlaubt die Verwendung in Nahrungsergänzungsmitteln und in Lebensmitteln für besondere medizinische Zwecke. Auf Nahrungsergänzungsmitteln musste der Hinweis stehen, dass sie nur für Erwachsene, nicht für Schwangere und Stillende bestimmt sind. Die Zulassung war mit einem Datenschutz für den ersten Antragsteller verbunden, der am 1. März 2027 endet.

2025 prüfte die EFSA eine Erweiterung. Sie bewertete die Verwendung für Jugendliche von zwölf bis unter 14 Jahren bis 2,1 × 10¹⁰ Zellen pro Tag und von 14 bis unter 18 Jahren bis 3,0 × 10¹⁰ Zellen pro Tag als sicher, die Sicherheit für Schwangere und Stillende sah sie dagegen als nicht belegt an (EFSA-Gremium 2025). Mit der Durchführungsverordnung (EU) 2026/391 vom 23. Februar 2026 wurden die Verwendungsbedingungen und die Kennzeichnung daraufhin geändert. Diese Behördenwerte beschreiben eine Sicherheitsgrenze, keine empfohlene Einnahme.

Für lebende Akkermansia ist in der Unionsliste der neuartigen Lebensmittel keine eigene Zulassung eingetragen. Die EFSA hält Akkermansia muciniphila zudem nicht für geeignet für den Status „qualifizierte Sicherheitsannahme“, der bestimmten Mikroorganismen eine vereinfachte Bewertung erlaubt. Das Gremium für biologische Gefahren begründete das 2024 mit Sicherheitsbedenken und widersprüchlichen Daten, die auf unterschiedliche Stämme zurückgehen könnten (EFSA-Gremium 2025).

Welche Regeln gelten in Deutschland?

In Deutschland gilt die EU-Zulassung unmittelbar. Nahrungsergänzungsmittel mit pasteurisierter Akkermansia müssen beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit angezeigt werden und sind in Apotheke, Drogerie und Onlinehandel frei verkäuflich. Die Lebensmittelüberwachung der Länder kontrolliert Kennzeichnung und Werbeaussagen.

Welche Regeln gelten in Österreich?

In Österreich gilt die EU-Zulassung ebenso unmittelbar. Nahrungsergänzungsmittel werden beim zuständigen Gesundheitsministerium gemeldet, die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) begutachtet Proben im Rahmen der amtlichen Kontrolle.

Welche Regeln gelten in der Schweiz?

Die Schweiz übernimmt EU-Zulassungen für neuartige Lebensmittel über Anhang 1 der Verordnung des Eidgenössischen Departements des Innern über neuartige Lebensmittel. Laut Liste des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) mit Stand 24. Juli 2026 sind sowohl die Zulassung von 2022 als auch die Änderung von 2026 aufgeführt. Pasteurisierte Akkermansia ist damit in der Schweiz verkehrsfähig, sofern die Bedingungen der EU-Durchführungsverordnungen eingehalten werden (BLV 2026). Es handelt sich um ein Lebensmittel, nicht um ein von Swissmedic zugelassenes Arzneimittel.

Welche Gesundheitsversprechen sind erlaubt?

Im EU-Register der nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben ist für Akkermansia muciniphila kein zugelassener Health Claim eingetragen. Aussagen wie „stärkt die Darmbarriere“, „fördert die Darmgesundheit“ oder „unterstützt das Abnehmen“ sind für das Bakterium daher nicht erlaubt. Die Health-Claims-Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 verbietet zudem in Artikel 12 Angaben über Dauer oder Ausmaß einer Gewichtsabnahme.

Manche Präparate enthalten zusätzlich Riboflavin, also Vitamin B2. Für Riboflavin ist in der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 die Angabe zugelassen, dass es „zur Erhaltung normaler Schleimhäute beiträgt“. Diese Aussage bezieht sich auf das Vitamin, nicht auf Akkermansia. Ein Claim für ein Vitamin in einem Produkt sagt nichts über die Wirkung der Bakterien aus.

Kann man Akkermansia natürlich erhöhen?

Ob und wie man Akkermansia über Ernährung oder Lebensstil erhöhen kann, ist beim Menschen nur in Ansätzen untersucht. Die meisten Hinweise stammen aus Tierversuchen oder aus Studien, in denen Akkermansia ein Nebenbefund war.

Welche Rolle spielen Polyphenole und Ballaststoffe?

Polyphenole sind Pflanzenstoffe, etwa in Beeren, Trauben, Tee oder Kakao. In einem Mausversuch erhöhte ein Extrakt aus Cranberrys, also Moosbeeren, bei fett- und zuckerreicher Ernährung den Anteil von Akkermansia und verringerte Gewichtszunahme und Insulinresistenz (Anhê und Kollegen 2015). Ob sich das auf Menschen und auf normale Lebensmittelmengen übertragen lässt, zeigt diese Tierstudie nicht.

Eine Metaanalyse von 2026 fasste 50 randomisierte Studien mit insgesamt 2.042 Erwachsenen zusammen, in denen Polyphenole als Nahrungsergänzung gegeben wurden (Alshatari und Ziarno 2026). Akkermansia nahm in der Hälfte der Studien zu, die diesen Wert berichteten. Die Autorinnen und Autoren betonen selbst, dass es sich um Zusammenhänge handelt und offen ist, ob diese Veränderungen klinisch relevant sind.

Ballaststoffe wie Inulin dienen Darmbakterien als Nahrung. In Mäusen normalisierte eine präbiotische Fütterung den Akkermansia-Anteil (Everard und Kollegen 2013). Beim Menschen sind die Ergebnisse uneinheitlich. Für „Akkermansia-Lebensmittel“ im Sinne einzelner Produkte mit nachgewiesener Wirkung gibt es keine Belege. Eine Ernährung mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkorn, Obst und Nüssen ist unabhängig davon gut belegt für die Darmgesundheit und den Stoffwechsel.

Welchen Einfluss haben Metformin, Fasten und Kalorienreduktion?

Metformin ist ein Diabetes-Medikament. Bei Mäusen mit fettreicher Ernährung erhöhte es den Anteil von Akkermansia und die Zahl der schleimbildenden Becherzellen im Darm (Shin und Kollegen 2014). In einer randomisierten Studie an Menschen mit neu festgestelltem Typ-2-Diabetes veränderte Metformin das Darmmikrobiom über vier Monate deutlich, und ein Teil der blutzuckersenkenden Wirkung ließ sich im Tierversuch über das veränderte Mikrobiom übertragen (Wu und Kollegen 2017). Metformin ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel und kein Mittel, um Darmbakterien gezielt zu verändern.

Zum Fasten und zur Kalorienreduktion ist die Lage widersprüchlich. In der Studie von Dao und Kollegen 2016 sank der Akkermansia-Anteil während der Kalorienreduktion sogar etwas, blieb aber bei Personen mit hohem Ausgangswert höher. Ein Anstieg von Akkermansia ist also nicht automatisch ein Zeichen für eine gelungene Ernährungsumstellung.

Ist Akkermansia muciniphila sicher?

In den bisherigen Humanstudien mit pasteurisierter oder lebender Akkermansia muciniphila wurden keine schweren Nebenwirkungen berichtet, die auf das Präparat zurückgingen. Die Studien dauerten jedoch höchstens rund ein halbes Jahr und schlossen nur ausgewählte Erwachsene ein. Seltene oder langfristige Risiken lassen sich damit nicht ausschließen.

Welche Gegenbefunde gibt es?

Mehrere Befunde mahnen zur Vorsicht. Eine Übersichtsarbeit von 2026 weist darauf hin, dass einige Studien unter bestimmten Bedingungen oder in hohen Mengen entzündungsfördernde Effekte beschreiben (Rojas und González 2026). Ein US-Forschungsteam fand 2026 bei Menschen mit schubförmiger Multipler Sklerose verstärkte Immunreaktionen gegen Akkermansia, und in einem Mausmodell der Erkrankung verschlechterte die Besiedlung mit dem Bakterium den Krankheitsverlauf (Lin und Kollegen 2026). Auch in Studien zur Parkinson-Krankheit wird überwiegend ein erhöhter Akkermansia-Anteil beschrieben, in einer großen Untersuchung mit 490 Erkrankten und 234 Kontrollpersonen zeigte sich allerdings nur ein nicht signifikanter Trend (Wallen und Kollegen 2022).

Diese Befunde beweisen nicht, dass Akkermansia schadet. Sie zeigen aber, dass dasselbe Bakterium je nach Stamm, Umgebung und Gesundheitszustand unterschiedlich wirken kann. Ein pauschales Urteil „gutes Bakterium“ ist wissenschaftlich nicht haltbar.

Wer sollte Akkermansia nicht ohne Rücksprache einnehmen?

Folgende Personen sollten eine Einnahme vorab ärztlich besprechen:

  • Schwangere und Stillende, weil die EFSA die Sicherheit für diese Gruppe 2025 als nicht belegt eingestuft hat.
  • Kinder unter zwölf Jahren, für die es keine Zulassung gibt.
  • Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, weil das Bakterium Mucin abbaut und Daten zu diesen Erkrankungen fehlen.
  • Menschen mit Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose oder mit geschwächtem Immunsystem, etwa unter Chemotherapie oder nach Organtransplantation.
  • Menschen, die Diabetes-Medikamente oder eine Abnehmspritze verwenden, weil Wechselwirkungen auf Blutzucker und Darm nicht untersucht sind.

Wann ist ärztliche Hilfe nötig?

Akkermansia ersetzt keine Abklärung von Darmbeschwerden. Bei folgenden Warnzeichen sollte zeitnah eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden:

  • Blut im Stuhl oder schwarzer, teerartiger Stuhl.
  • Ungewollter Gewichtsverlust, Fieber oder Nachtschweiß.
  • Anhaltender Durchfall über mehrere Tage oder neu auftretende Veränderungen der Stuhlgewohnheiten ab dem mittleren Lebensalter.
  • Starke oder zunehmende Bauchschmerzen, ein aufgeblähter, harter Bauch oder Erbrechen.
  • Bei Diabetes: wiederholt sehr niedrige oder sehr hohe Blutzuckerwerte.

Bei plötzlichen starken Bauchschmerzen, Kreislaufproblemen, Bewusstseinsstörungen oder Erbrechen von Blut ist der Notruf 112 zu wählen, der in Deutschland, Österreich und der Schweiz erreichbar ist.

Lässt sich Akkermansia im Stuhl messen?

Viele Stuhltests und Mikrobiom-Analysen weisen einen Akkermansia-Wert aus, oft mit einer Ampel oder der Empfehlung, den Wert zu „erhöhen“. Dafür gibt es keine etablierten Referenzbereiche. Die Ergebnisse hängen stark vom Messverfahren ab, etwa ob nur ein Abschnitt des bakteriellen Erbguts, die 16S-rRNA, oder das gesamte Erbgut sequenziert wird, und sie schwanken mit Ernährung und Medikamenten von Woche zu Woche.

Auch aus den Studien, in denen Personen mit niedrigem Ausgangswert stärker reagierten, ergibt sich noch kein Test für die Praxis. Die Grenzwerte waren dort studienintern festgelegt und sind nicht auf Laborbefunde übertragbar. Entscheidend ist, ob das Ergebnis eine medizinische Entscheidung verändern würde. Für einen einzelnen Akkermansia-Wert ist das derzeit nicht der Fall. Ein „Leaky Gut“, also eine durchlässige Darmwand, lässt sich mit einem solchen Wert ebenfalls nicht feststellen.

Kann Akkermansia gesundes Altern unterstützen?

Akkermansia wird in der Longevity-Szene als Bakterium des gesunden Alterns beworben. Ein Ausgangspunkt dafür ist eine italienische Untersuchung, die das Mikrobiom von Menschen zwischen 105 und 109 Jahren mit dem jüngerer Erwachsener verglich (Biagi und Kollegen 2016). Bei den sehr Alten waren unter anderem Akkermansia, Bifidobakterien und Christensenellaceae häufiger oder in größerem Anteil vorhanden.

Solche Beobachtungen an Hundertjährigen beschreiben Unterschiede, keine Ursachen. Sehr alte Menschen unterscheiden sich in Ernährung, Medikamenten, Wohnumfeld und Genetik von jüngeren. In der japanischen Studie von Naito und Kollegen 2026 hing Akkermansia bei älteren Erwachsenen zudem weder mit Griffkraft noch mit Muskelmasse oder Gebrechlichkeit zusammen. Studien, die zeigen, dass die Einnahme von Akkermansia beim Menschen Krankheiten des Alters verhindert oder die Lebenserwartung beeinflusst, gibt es nicht.

Für gesunde, gut versorgte Menschen ist ein Nutzen von Akkermansia als Nahrungsergänzung nicht nachgewiesen. Nahrungsergänzungsmittel ersetzen keine ausgewogene Ernährung, und wer Vorerkrankungen hat oder Medikamente einnimmt, sollte eine Einnahme vorher ärztlich abklären.

Quellen

Derrien, M., Vaughan, E. E., Plugge, C. M., de Vos, W. M. (2004): Akkermansia muciniphila gen. nov., sp. nov., a human intestinal mucin-degrading bacterium. International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology, 54(Pt 5), 1469–1476. DOI: 10.1099/ijs.0.02873-0

Derrien, M., Collado, M. C., Ben-Amor, K., Salminen, S., de Vos, W. M. (2008): The mucin degrader Akkermansia muciniphila is an abundant resident of the human intestinal tract. Applied and Environmental Microbiology, 74(5), 1646–1648. DOI: 10.1128/AEM.01226-07

Naito, Y., Kitae, H., Mizushima, K. et al. (2026): Low Prevalence and Abundance of Akkermansia in Older Japanese Adults: Inverse Association with a Noodle-Based Dietary Pattern but Not with Physical Function. Microorganisms, 14(8), 1729. DOI: 10.3390/microorganisms14081729

Dao, M. C., Everard, A., Aron-Wisnewsky, J. et al. (2016): Akkermansia muciniphila and improved metabolic health during a dietary intervention in obesity: relationship with gut microbiome richness and ecology. Gut, 65(3), 426–436. DOI: 10.1136/gutjnl-2014-308778

Everard, A., Belzer, C., Geurts, L. et al. (2013): Cross-talk between Akkermansia muciniphila and intestinal epithelium controls diet-induced obesity. Proceedings of the National Academy of Sciences, 110(22), 9066–9071. DOI: 10.1073/pnas.1219451110

Plovier, H., Everard, A., Druart, C. et al. (2017): A purified membrane protein from Akkermansia muciniphila or the pasteurized bacterium improves metabolism in obese and diabetic mice. Nature Medicine, 23(1), 107–113. DOI: 10.1038/nm.4236

Yoon, H. S., Cho, C. H., Yun, M. S. et al. (2021): Akkermansia muciniphila secretes a glucagon-like peptide-1-inducing protein that improves glucose homeostasis and ameliorates metabolic disease in mice. Nature Microbiology, 6(5), 563–573. DOI: 10.1038/s41564-021-00880-5

Dinkov, B. (2026): Akkermansia muciniphila and GLP-1-Based Therapies: Bidirectional Interactions and Implications for Type 2 Diabetes and MASLD/MASH. Biomedicines, 14(6), 1235. DOI: 10.3390/biomedicines14061235

Depommier, C., Everard, A., Druart, C. et al. (2019): Supplementation with Akkermansia muciniphila in overweight and obese human volunteers: a proof-of-concept exploratory study. Nature Medicine, 25(7), 1096–1103. DOI: 10.1038/s41591-019-0495-2

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Häufige Fragen

Was bewirkt Akkermansia muciniphila im Darm?
Akkermansia muciniphila baut Mucin aus der Schleimschicht der Darmschleimhaut ab und versorgt dabei andere Bakterien mit Nährstoffen. In Tierstudien stärkte das Bakterium die Darmbarriere und verbesserte Stoffwechselwerte. Beim Menschen sind diese Effekte nur in kleinen, kurzen Studien untersucht und nicht als gesundheitlicher Nutzen anerkannt.
Kann ich mit Akkermansia abnehmen?
Ein relevanter Abnehmeffekt ist nicht belegt. In einer Pilotstudie von 2019 war der Gewichtsunterschied zu Placebo statistisch nicht gesichert, in einer Studie von 2026 nahmen Teilnehmende nach einer Diät etwa zwei Kilogramm weniger wieder zu. Werbeaussagen zum Abnehmen sind für Akkermansia rechtlich nicht zulässig.
Woran erkenne ich einen Akkermansia-Mangel?
Einen definierten Akkermansia-Mangel gibt es nicht, ebenso wenig typische Symptome. Bei vielen gesunden Menschen ist das Bakterium kaum oder gar nicht nachweisbar. Stuhltests geben zwar Werte aus, es fehlen aber anerkannte Referenzbereiche. Beschwerden wie Blähungen oder Durchfall sollten ärztlich abgeklärt werden, statt sie einem Einzelwert zuzuschreiben.
Ist pasteurisierte Akkermansia muciniphila ein Probiotikum?
Nein, pasteurisierte Akkermansia muciniphila enthält abgetötete Bakterien und ist damit kein Probiotikum, denn Probiotika enthalten lebende Mikroorganismen. Fachlich wird sie als mögliches Postbiotikum eingeordnet. Rechtlich ist sie in der EU ein neuartiges Lebensmittel, das in Nahrungsergänzungsmitteln und Lebensmitteln für besondere medizinische Zwecke verwendet werden darf, ohne zugelassenes Gesundheitsversprechen.
Darf ich Akkermansia in der Schwangerschaft einnehmen?
Die EFSA hat 2025 festgestellt, dass die Sicherheit pasteurisierter Akkermansia für Schwangere und Stillende nicht belegt ist. Die EU-Zulassung umfasst diese Gruppe daher nicht. Wer schwanger ist, stillt oder eine Schwangerschaft plant, sollte Nahrungsergänzungsmittel grundsätzlich mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt besprechen.
Wie lange dauert es, bis Akkermansia wirkt?
Dazu gibt es keine belastbare Antwort. Die bisherigen Humanstudien liefen drei bis sechs Monate und zeigten Veränderungen bei einzelnen Stoffwechselwerten, nicht bei allen Teilnehmenden. Ob und wann ein spürbarer Effekt eintritt, ist nicht untersucht. Ein bestimmter Zeitraum lässt sich daher nicht seriös nennen.
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Dieser Beitrag wurde von der internen MOOCI-Redaktion erstellt, inhaltlich geprüft und freigegeben. Bei der Recherche und Aufbereitung setzen wir auch KI-gestützte Werkzeuge ein; jeder Text wird vor der Veröffentlichung von unserer Redaktion fachlich gegengelesen. Die redaktionelle Verantwortung trägt Nadja Sukalia, Content Managerin bei MOOCI. Die medizinische Prüfung erfolgt durch Ärztinnen und Ärzte aus unserem Fachnetzwerk.

Dr. Benjamin Gehl

Dr. Benjamin Gehl

Facharzt für plastische, ästhetische & rekonstruktive Chirurgie

Als Facharzt für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie liegt die Leidenschaft von Dr. Gehl schon immer im Bereich der medizinischen Contentproduktion. Aufgrund seiner Ausbildung, einer langjährigen Einsatzzeit in der rekonstruktiven und plastischen Chirurgie, sowie zahlreichen Auslandseinsätzen in Indien, Afrika und Amerika weiß er, welche Techniken und Behandlungen für medizinische Indikationen international Anwendung finden und State of the art sind. Weiterhin beschäftigt er sich täglich mit neuen Trends und Techniken in der operativen und nicht-operativen Chirurgie. Fortbildungen sowie Studien zählen genauso zu seiner Leidenschaft wie die Veröffentlichung wissenschaftlicher Arbeiten zu den neuesten fachspezifischen Themen.

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