Künstliche Befruchtung

Viele Paare wünschen sich, ein Kind zu bekommen – doch aus verschiedenen Gründen will es einfach nicht klappen. In diesem Fall kommt eine künstliche Befruchtung infrage. Was genau darunter zu verstehen ist, welche Methoden es gibt und wie die Verfahren ablaufen, erfährst Du hier. Außerdem klären wir Dich über alle rechtlichen und finanziellen Aspekte auf, die oftmals eine große Rolle beim Kinderwunsch spielen.


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Zuletzt aktualisiert: 29. September, 2020



ICD-10-GM-2020 Z31.

Was versteht die Medizin unter einer künstlichen Befruchtung?

Die Medizin bezeichnet die künstliche Befruchtung auch als assistierte Reproduktion. Meist kommt sie bei Paaren zum Einsatz, die auf natürlichem Weg durch Geschlechtsverkehr keine Kinder zeugen können.
 
Die Ärzte führen durch verschiedene medizinische Maßnahmen eine Schwangerschaft herbei. Diese zielen darauf ab, die Ei- und Samenzelle auf dem Weg zueinander unterstützen. Häufig ist zunächst eine Hormonbehandlung erforderlich. Die Verschmelzung der beiden Geschlechtszellen kann anschließend entweder innerhalb oder außerhalb des weiblichen Körpers erfolgen, somit spricht man je nach Verfahren von einer internen oder externen künstlichen Befruchtung.
 
Rechtlich gesehen handelt es sich bei der assistierten Reproduktion um einen schweren Eingriff in den Zeugungsakt und die Sexualität der Menschen. Aus diesem Grund müssen laut Gesetzgeber bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, damit die Verfahren überhaupt zum Einsatz kommen können.
 
Die Medizin bezeichnet die künstliche Befruchtung auch als assistierte Reproduktion. Meist kommt sie bei Paaren zum Einsatz, die auf natürlichem Weg durch Geschlechtsverkehr keine Kinder zeugen können

Wann kommt eine künstliche Befruchtung zum Einsatz und für wen ist eine künstliche Befruchtung geeignet?

Eine künstliche Befruchtung findet Anwendung, wenn auf natürlichem Weg keine Schwangerschaft zustande kommt. Hierbei müssen heterosexuelle Paare allerdings bedenken, dass es auch bei regelmäßigem ungeschützten Geschlechtsverkehr einige Zeit dauern kann, bis die Verschmelzung von Ei- und Samenzelle erfolgreich ist. Es gibt keinen Grund zur Beunruhigung, wenn die Frau innerhalb der ersten zwölf Monate noch nicht schwanger geworden ist, vor allem wenn sie zuvor länger hormonelle Verhütungsmittel angewandt hat.
 
Wenn nach eineinhalb bis zwei Jahren trotz regelmäßigem Sex ohne Empfängnisverhütung noch immer keine Schwangerschaft vorliegt, geht die Medizin davon aus, dass eine herkömmliche Befruchtung nicht mehr eintreten wird. Nach einer gründlichen Untersuchung des Paares diagnostiziert der Arzt dann häufig eine Unfruchtbarkeit (Sterilität) beim Mann oder der Frau. In diesem Fall ist es häufig möglich, durch eine künstliche Befruchtung nachzuhelfen.
 
Sind die Partner hingegen vollständig zeugungsunfähig, kann auch eine assistierte Reproduktion nicht immer zu einer Schwangerschaft führen. Eine künstliche Befruchtung nützt ebenso nichts, wenn die Frau zwar prinzipiell fruchtbar ist, aber beispielsweise kein Kind im Bauch austragen kann. Das bezeichnet die Medizin als Infertilität.
 
In manchen Ländern kommt eine assistierte Reproduktion auch bei vollkommen gesunden Personen infrage, zum Beispiel bei lesbischen Paaren. Die Samenspende kommt hierbei häufig von einem nahen Verwandten der Partnerin, sodass sich die Gene stark ähneln.
 
Alleinstehende Frauen sehen sich oft danach, sich ihren Kinderwunsch durch eine künstliche Befruchtung mit einem Spermium eines beliebigen Samenspenders zu erfüllen. Das ist medizinisch realisierbar, allerdings in vielen Staaten rechtlich nicht erlaubt.

Was ist unter Unfruchtbarkeit zu verstehen?

Ärzte unterscheiden zwei Arten von Unfruchtbarkeit. Eine primäre Sterilität liegt vor, wenn die Frau trotz regelmäßigem ungeschützten Geschlechtsverkehr nach ein bis zwei Jahren noch immer nicht schwanger ist oder der Mann noch kein Kind gezeugt hat. Als sekundäre Sterilität bezeichnen Mediziner das Phänomen, dass nach einer vorausgegangenen erfolgreichen Schwangerschaft keine weiteren mehr zustande kommen.
 
Die Ärzte in einer Reproduktionsklinik versuchen hauptsächlich, den Ursachen für den unerfüllten Kinderwunsch auf den Grund zu gehen. Dann können sie Maßnahmen ergreifen, um die Unfruchtbarkeit zu beheben oder eine geeignete Methode der künstlichen Befruchtung auswählen. Die Gründe für die Sterilität sind vielfältig und variieren nach dem Geschlecht. Bei Frauen sind meist folgende Auslöser verantwortlich:
 
Später Kinderwunsch
Heutzutage tendieren viele Frauen und Paare dazu, erst Kinder zu bekommen, wenn sie schon etwas älter sind. Im Laufe des Lebens altern die vorhandenen Eizellen jedoch ebenso und die Anzahl nimmt von Monat zu Monat ab. In höherem Alter treten zudem häufiger Störungen der Eizellreifung oder der Gelbkörperproduktion auf. Dadurch sind die biologischen Voraussetzungen für eine Schwangerschaft nicht mehr optimal und Unfruchtbarkeit kann die Folge sein.
 
Übergewicht
Das Fettgewebe des Menschen produziert männliche Hormone. Bei Übergewicht kann es zu einem erhöhten Anteil dieser sogenannten Androgene kommen. Das stört wiederum die Eizellreifung und somit sinkt die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden.
 
Hormonelle Ursachen
Ist der Hormonhaushalt der Frau beeinträchtigt, kann das zu Veränderungen an den Eizellen, der Gebärmutterschleimhaut oder dem Zervixschleim führen. Beispielsweise können eine Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion sowie Diabetes verantwortlich für Hormonprobleme sein.
 
Organische Ursachen
In vielen Fällen sind Verwachsungen der Gebärmutter, Endometriose, Zysten oder Tumore im Intimbereich verantwortlich für die Sterilität. Durch Entzündungen und Infektionen kann es außerdem zu einem Eileiterverschluss kommen, was den Transport der weiblichen Geschlechtszellen behindert.
 
Angeborene Fehlbildungen
Bei manchen Frauen liegt bereits von Geburt an eine Fehlbildung der Fortpflanzungsorgane vor.
 
Die Notwendigkeit einer künstlichen Befruchtung kann unterschiedliche Gründe haben
 
Als Ursachen für eine Unfruchtbarkeit des Mannes kommen folgende Aspekte in Betracht:
 
Verminderte Qualität der Spermien
Ein Milliliter Samenflüssigkeit beinhaltet in der Regel mindestens 20 Millionen männliche Geschlechtszellen. Sind mehr als die Hälfte davon in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt, gehen Ärzte von einer Sterilität des Mannes aus. Häufig sind hormonelle Ursachen ausschlaggebend für eine  verminderte Spermienqualität.
 
Gestörte Spermienproduktion
In manchen Fällen ist eine verminderte Produktion von Samenzellen erblich bedingt, meist liegt sie jedoch an einem direkt nach der Geburt auftretenden Hodenhochstand oder einer Krampfader am Hoden. Durch eine Mumpserkrankung kann es in gewissen Fällen sogar zu einer vollständigen Hodenfehlfunktion kommen.
 
Blockade der Samenwege
Bildet der Mann zwar ausreichend Samenzellen, welche dann aber nicht durch die Samenleiter in das Ejakulat gelangen, spricht die Medizin von einer Blockade der Samenwege beziehungsweise einer Azoospermie. Auslöser dafür können Verletzungen, Geschlechtskrankheiten, Entzündungen oder angeborene Fehlbildungen sein.
 
Antikörper
Der Hoden des Mannes ist prinzipiell von der Blutbahn abgeteilt. Heben Verletzungen oder Entzündungen diese Trennung auf, kann das dazu führen, dass der Körper Antikörper gegen die eigenen Spermien bildet. Das macht die Samenzellen funktionsunfähig.
 
Durch einen gesunden Lebensstil können sowohl Männer als auch Frauen ihre Fruchtbarkeit begünstigen. Hast Du Probleme dabei, ein Kind zu zeugen, verzichte auf den Konsum von Alkohol, Nikotin und anderen Drogen. Stress, psychische und körperliche Belastungen solltest Du ebenso vermeiden. Sorge für eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und gönne Dir auch Entspannungsphasen.

Welche rechtlichen Voraussetzungen müssen bei einer künstlichen Befruchtung erfüllt sein?

Die Rechtslage im Hinblick auf künstliche Befruchtung variiert von Land zu Land. Hier findest Du einen Überblick über die gesetzlichen Bestimmungen im deutschsprachigen Raum.
 
Deutschland
Die Rechtsgrundlage in Deutschland ist das Embryonenschutzgesetz (ESchG). Verboten ist die Eizellspende, also das Übertragen einer gespendeten Eizelle auf eine andere Frau. Die Leihmutterschaft steht ebenso unter Strafe, somit darf keine Frau das Kind eines anderen Paares austragen. Es ist außerdem nicht erlaubt, einen Embryo zu entnehmen und an einen anderen Körper zu übergeben – schon gar nicht gegen Geld, die kommerzielle Verwendung einer Embryonenspende handhabt das Gesetz besonders streng. Die Strafen treffen allerdings nicht die Spenderin oder Empfängerin der Eizelle oder des Embryos, sondern jene Mediziner, die solche verbotenen Verfahren durchführen.
 
Das Spenden von Sperma ist vom Embryonenschutzgesetz nicht betroffen. Prinzipiell dürfte jede Frau eine Samenspende bekommen. Manche Ärzte und Samenbanken weigern sich allerdings, lesbische, unverheiratete oder alleinstehende Frauen zu behandeln.
 
Im Hinblick auf die assistierte Reproduktion ist außerdem noch wichtig, dass in Deutschland das Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung gilt. Seit 1. Juli 2018 gibt es dazu ein Gesetz, das alle betrifft, die vermuten oder wissen, nach diesem Datum durch eine künstliche Befruchtung mit Samenspende gezeugt worden zu sein. Sie dürfen ab dem 16. Geburtstag beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) Auskunft über die Identität des Samenspenders verlangen.
 
Österreich
In Österreich stützen sich die meisten Regelungen zur künstlichen Befruchtung auf das Fortpflanzungsmedizingesetz.
 
Eine assistierte Reproduktion ist in Österreich für Ehepaare und Paare, die in eheähnlicher Gemeinschaft leben, erlaubt – darunter fallen auch lesbische Paare. Nur alleinstehende Frauen dürfen keine künstliche Befruchtung in Anspruch nehmen.
 
In vielen Ländern gelten für eine künstliche Befruchtung strenge Auflagen
 
Die Embryonenspende und die Leihmutterschaft sind in Österreich ebenso verboten. Die Eizellenspende ist erlaubt, wenn die Spenderin mindestens 18 Jahre und maximal 30 Jahre alt ist. Die Empfängerin muss jünger als 45 Jahre sein. Spenderinnen müssen keinen Unterhalt für das Kind zahlen, dürfen für die Spende aber auch kein Geld verlangen. Wenn Paare nicht verheiratet sind, müssen sie sich per Gericht oder Notar über die rechtlichen Folgen der künstlichen Befruchtung aufklären lassen und eine schriftliche Zustimmung erteilen.
 
Samenspenden können vom Lebenspartner oder auch von Dritten stammen, letzteres aber nur falls der Partner komplett zeugungsunfähig ist. Handelt es sich um eine Spende von einer fremden Person, ist eine Rechtsberatung vorgeschrieben.
 
Ein durch eine gespendete Samen- oder Eizelle gezeugtes Kind darf nach Vollendung des 14. Lebensjahres Auskunft über den leiblichen Vater beziehungsweise die biologische Mutter verlangen.
 
Nur speziell ausgebildete Ärzte dürfen assistierte Reproduktionstechniken durchführen. Stehen mehrere Methoden zur Auswahl, müssen sie diejenige mit den geringsten Risiken auswählen. Es ist ihnen nicht erlaubt, mehr Eizellen als notwendig zu befruchten oder Embryonen zu Forschungszwecken zu verwenden.
 
Schweiz
Auch in der Schweiz regelt das Fortpflanzungsmedizingesetz die Situation. Nach ihm sind assistierte Reproduktionstechniken nur erlaubt, wenn andere Methoden, um den Kinderwunsch zu erfüllen, nicht funktioniert haben oder aussichtslos sind. Daneben dürfen Paare künstliche Befruchtung in Anspruch nehmen, um das Vererben einer unheilbaren Krankheit auf die Kinder zu verhindern.
 
Wie in Deutschland sind auch in der Schweiz die Eizellen- und Embryonenspende sowie die Leihmutterschaft verboten.
 
Erlaubt sind die assistierten Reproduktionsmethoden Insemination, In-Vitro-Fertilisation und die intrazytoplasmatische Spermieninjektion. Vor Beginn der Behandlung ist eine Aufklärung des Paares über die Alternativen, die Behandlungsmöglichkeiten und die Risiken durch einen Arzt vorgesehen. Zur Verwendung von fremden Samenspenden sind nur Ehepaare berechtigt, wenn der Mann unfruchtbar ist. Alleinstehende Frauen und lesbische Paare dürfen keine Samenzellen von Spendern bekommen.
 
Kinder, die durch eine Samenspende gezeugt wurden, können ab dem 18. Geburtstag beim Eidgenössischen Amt für das Zivilstandswesen Auskunft über den biologischen Vater verlangen.

Was muss ich vor einer künstlichen Befruchtung beachten?

Eine Kinderwunschbehandlung startet immer mit einer ausführlichen Beratung. Oft stehen mehrere Gespräche mit dem Arzt an, in denen er die medizinische Vorgeschichte und individuelle Situation abklärt. Du erhältst alle notwendigen Informationen und kannst auch selbst Fragen stellen.
 
Danach untersucht der Mediziner beide Partner ausführlich, um die Ursachen für das Ausbleiben einer Schwangerschaft herauszufinden. Bei Frauen führt er normalerweise eine Ultraschalluntersuchung durch und beobachtet den Zyklus sowie den Hormonhaushalt. Manchmal sind außerdem eine Gebärmutter- oder Bauchspiegelung notwendig. Beim Mann kontrolliert er die Spermienqualität und die Hormonbildung. Wenn nötig, durchleuchtet er mittels Ultraschall den Hoden und entnimmt eine Gewebeprobe daraus.
 
Um die Frau körperlich auf die künstliche Befruchtung vorzubereiten, ist häufig eine Hormonstimulation erforderlich. Die Stoffe gelangen über Tabletten oder Spritzen in den Körper. Dort stimulieren sie die Eierstöcke, sodass diese mehrere Eibläschen gleichzeitig reifen lassen. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass mehrere befruchtungsfähige Eizellen entstehen. Folgende Hormone können zum Einsatz kommen:
 

  • Follikelstimulierendes Hormon (FSH)
  • Humanes Menopausen-Gonadotropin (HMG)
  • Clomifen
  • Humanes Choriongonadotropin (HCG)
  • GnRH-Analoga und -Antagonisten

Um die Frau körperlich auf die künstliche Befruchtung vorzubereiten, ist häufig eine Hormonstimulation erforderlich. Die Stoffe gelangen über Tabletten oder Spritzen in den Körper
 
Neben der physischen Vorbereitung ist auch die psychische essenziell. Im Zuge einer Kinderwunschbehandlung durchläuft das Paar sehr viele Emotionen. Die Verfahren gehen mit Hoffnungen einher, die sich leider nicht immer erfüllen. Oft braucht es sehr viele Versuche, bis die künstliche Befruchtung klappt. Die Erfolgsaussichten einer assistierten Reproduktion sind allerdings generell eher niedrig.
 

  • Hier ein paar Tipps, um besser mit der seelischen Belastung klarzukommen:
  • Setzt Euch als Paar zusammen und geht gemeinsam durch, welche Informationen ihr bereits bekommen habt und welche Euch noch fehlen. Äußert beim nächsten Gespräch mit dem Arzt ehrlich Eure Fragen, Bedenken und Wünsche. So kann dieser noch besser auf Eure individuelle Situation eingehen
  • Macht Euch bewusst, dass körperliche und psychische Strapazen auf Euch zukommen. Seid offen zueinander und sprecht negative Empfindungen offen beim Partner an.
  • Zwischen den Behandlungszyklen tut es gut, Pausen einzulegen, um sich von der Belastung zu erholen.
  • Entspannungstechniken wie Yoga, Autogenes Training und Progressive Muskelentspannung können helfen, das seelische Gleichgewicht wiederherzustellen.
  • Holt Euch psychologische Betreuung, um mit den Höhen und Tiefen umgehen zu lernen.

Welche Arten der künstlichen Befruchtung gibt es?

Es gibt verschiedene assistierte Reproduktionstechniken. Welche am besten geeignet ist, hängt von der individuellen Situation und Vorgeschichte ab.
 
In-Vitro-Fertilisation (IVF)
Die wohl bekannteste Methode der künstlichen Befruchtung ist die In-Vitro-Fertilisation. Auf Deutsch bedeutet das so viel wie „Befruchtung im Glas“, es ist somit ein externes Verfahren.
 
Die IVF kommt nur infrage, wenn die Gebärmutter und mindestens ein Eierstock intakt sind und die Spermienqualität des Mannes ausreicht. Die Eileiter der Frau müssen nicht unbedingt komplett durchgängig sein.
 
Für die IVF ist zunächst eine Hormonbehandlung der Frau unerlässlich. Anschließend leitet der Arzt den Eisprung mithilfe von Medikamenten ein. Mit einer dünnen Hohlnadel entnimmt er die Eizellen unter Ultraschallkontrolle durch die Scheide und gibt sie in ein Reagenzglas. Diesen Vorgang nennt die Medizin Follikelpunktion. Der Eingriff dauert circa zehn Minuten und erfordert eine leichte Narkose.
 
Zur Befruchtung sind außerdem Samenzellen notwendig. Entweder kann der Mann sich direkt in der Klinik selbst befriedigen oder frisches Sperma von zu Hause mitbringen. Stammt die Samenspende von Dritten, ist sie bis zum Gebrauch eingefroren und wird rechtzeitig aufgetaut. In einem Labor bringt der Mediziner den speziell aufbereiteten Samen und das Ei in einer sogenannten Petrischale mit Nährlösung zusammen und gibt sie anschließend in einen Brutkasten. Mit etwas Glück findet die Befruchtung darin auf natürlichem Weg statt.
 
Sind die Geschlechtszellen erfolgreich miteinander verschmolzen, setzt der Arzt nach zwei bis fünf Tagen maximal drei Embryonen in die Gebärmutter ein. Mithilfe eines dünnen Schlauches, eines Katheters, führt er sie durch die Scheide in den Körper der Frau. Den Vorgang überwacht er mittels Ultraschall. Nach wenigen Minuten ist der schmerzfreie Eingriff überstanden.
 
Zwei Wochen nach dem Embryotransfer stellt der Arzt fest, ob die befruchtete Eizelle sich erfolgreich in der Gebärmutter eingenistet hat und die Frau schwanger ist. Das macht er, indem er ihr Blut abnimmt und es auf das Schwangerschaftshormon HCG testet. Die Erfolgsrate bei der IVF beträgt rund 20 Prozent.
 
Die Behandlung dauert aufgrund der hormonellen Vorbehandlung insgesamt mehrere Wochen und ist auf den Zyklus der Frau abgestimmt. Das Geschlecht des Kindes kann das Paar nicht aussuchen, ausgenommen es liegt eine geschlechtsgebundene Erbkrankheit vor.
 
Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)
Auch die intrazytoplasmatische Spermieninjektion zählt zu den externen Verfahren der künstlichen Befruchtung. Eine andere Bezeichnung für diese Methode ist Mikroinjektion.
 
Die ICSI kommt im deutschsprachigen Raum am häufigsten zur künstlichen Befruchtung zum Einsatz. Sie ist sinnvoll, wenn der Kinderwunsch an der Fruchtbarkeit des Mannes scheitert, also wenn dieser beispielsweise verminderte Spermienqualität oder nicht-intakte Samenleiter aufweist.
 
Die Mikroinjektion läuft im Prinzip komplett gleich ab wie die In-Vitro-Fertilisation. Der einzige Unterschied ist, dass der Arzt den Samen häufig operativ aus dem Hoden oder Nebenhoden entnimmt und dieser anschließend nicht wie bei der IVF auf natürliche Weise in die Eizelle gelangt. Der Mediziner spritzt ihn stattdessen mithilfe einer Mikropipette direkt in die weibliche Geschlechtszelle. Das hat den Vorteil, dass sich mit höherer Wahrscheinlichkeit ein Embryo entwickelt. In etwa 25 Prozent der Versuche kommt es erfolgreich zu einer Schwangerschaft.
 
Es gibt die unterschiedlichsten Varianten der künstlichen Befruchtung. Welche zum Einsatz kommt, bespricht der Arzt zuvor mit dem Paar
 
Physiologische ICSI (PICSI)
Die Physiologische intrazytoplasmatische Spermieninjektion funktioniert gleich wie die klassische ICSI. Allerdings selektiert der Arzt die Samenzellen, bevor er der Eizelle eine beifügt. Durch einen Hyaluronsäure-Test trennt er die reifen Spermien von unreifen. Ist die männliche Geschlechtszelle reif und genetisch gesund, ist Hyaluron nämlich ein fixer Bestandteil der Hülle. Außerdem überprüft der Mediziner das Aussehen und die Beweglichkeit des Spermiums. So kann er nur die besten Samenzellen zur Befruchtung verwenden und die Chance einer Schwangerschaft steigt leicht. Diese Variante empfiehlt sich für Paare, bei denen andere Verfahren bereits erfolglos waren, kostet allerdings mehr. Die Erfolgsrate liegt bei etwa 50%.
 
In-Vitro-Maturation (IVM)
Die In-Vitro-Maturation ist praktisch eine Ergänzung zur In-Vitro-Fertilisation und somit auch ein externes Befruchtungsverfahren. Der Vorteil bei dieser Methode ist, dass die Frau keine oder nur eine geringfügige Hormontherapie durchlaufen muss. Der Arzt entnimmt nämlich unreife Eizellen aus den Eierstöcken der Frau und lässt sie unter Zugabe von Hormonen im Reagenzglas künstlich reifen. Der Eingriff ist komplizierter als die Entnahme einer bereits reifen Zelle und erfordert daher mehr Zeit und Erfahrung des Arztes. Nach ein bis zwei Tagen kann er dann die Samenzelle hinzugeben. Das passiert meist wie bei einer ICSI. Insgesamt dauert die Behandlung kürzer als andere Verfahren, da die Hormonbehandlung wegfällt.
 
Die IVM ist auch für Frauen geeignet, die keine Zugabe von Hormonen vertragen würden, beispielsweise aufgrund einer Krebserkrankung. Da die Methode relativ neu ist, liegen noch keine sicheren Daten zur Erfolgsquote vor. Es steht aber fest, dass die Wahrscheinlichkeit deutlich geringer ist als bei der IVF und ICSI.
 
Intrauterine Insemination (IUI)
Insemination bedeutet so viel wie „Einsetzen von Samenzellen“ Sie findet nicht wie die vorangegangenen Verfahren außerhalb des Körpers statt, sondern innerhalb und zählt somit zu den internen Methoden der künstlichen Befruchtung. Sie findet Anwendung, wenn der Mann zu wenig Samenzellen produziert oder diese nicht beweglich genug sind und wenn die Frau Veränderungen am Gebärmutterhals oder Zervixschleim aufweist.
 
Bei der intrauterinen Insemination setzt der Arzt die zuvor im Labor aufbereiteten Spermien direkt in die Gebärmutter der Frau ein. Der Eingriff findet zum Zeitpunkt des Eisprungs und unter Zuhilfenahme eines Katheters oder einer Spritze statt. Das Verfahren ist relativ einfach und schmerzfrei. Es kommt meist in Kombination mit einer Hormontherapie zum Einsatz, um die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft zu erhöhen.
 
Bei der homologen Insemination stammt die Samenzelle vom Partner der Frau. In fünf bis zehn Prozent der Fälle ist diese erfolgreich. Die heterologe Insemination nutzt hingegen ein Spermium eines fremden Spenders. Sie ist sinnvoll, wenn der Mann unfruchtbar ist und führt bei rund 20 von 100 Frauen zu einer Schwangerschaft.
 
Intratubarer Gametentransfer (GIFT – Gamete Intrafallopian Transfer)
Der intratubare Gametentransfer ist ebenso ein internes Verfahren. Als Gameten bezeichnet die Medizin die Geschlechtszellen des Menschen. Der GIFT findet häufig Anwendung, wenn die Ursachen der Unfruchtbarkeit unbekannt sind oder die Frau an Endometriose leidet.
 
Bei dieser Methode ist ebenfalls zunächst eine Hormontherapie notwendig. Der Arzt entnimmt die Eizellen entweder durch eine Follikelpunktion oder eine Bauchspiegelung (Laparoskopie). Gemeinsam mit den aufbereiteten Samenzellen spült er sie anschließend über die Bauchdecke oder mithilfe eines Katheters über den Muttermund in den Körper der Frau. Dort sollen die Zellen auf natürliche Weise miteinander verschmelzen.
 
Die Erfolgsquote des GIFT liegt bei etwa 20 Prozent, allerdings ist das Verfahren risikoreicher als beispielsweise eine IVF. Aus diesem Grund kommt es heute nur noch selten zum Einsatz.

Was muss ich nach der künstlichen Befruchtung beachten?

Nach der künstlichen Befruchtung solltest Du versuchen, Deinen normalen Alltag fortzuführen. Regelmäßige Bewegung ist von Vorteil, exzessiver Sport allerdings nicht. Auf sehr heiße Bäder, Saunagänge und Sonnenbaden solltest Du am besten vorübergehend verzichten, um Deinen Körper nicht zusätzlicher Belastung auszusetzen. Achte außerdem darauf, dass Du Dich gesund und ausgewogen ernährst. Alkohol und Zigaretten lässt Du am besten vollständig weg. Geschlechtsverkehr ist nach dem Embryotransfer weiterhin erlaubt. Dadurch steigern oder vermindern sich die Chancen einer Schwangerschaft nicht.
 
Der Prozess der künstlichen Befruchtung ist oftmals langwierig und kosten nicht nur viel Geld, sondern auch einiges an Nerven.

Welche Komplikationen können bei einer künstlichen Befruchtung auftreten?

Komplikationen treten bei den meisten assistierten Reproduktionstechniken eher selten auf. Möglich sind folgende Probleme:
 

  • Überstimulationssyndrom, bei dem der Körper der Frau auf die Hormone überreagiert, was Bauchschmerzen, Übelkeit und Kurzatmigkeit zur Folge hat
  • Bakterielle Infektionen
  • Verletzungen an der Blase, am Darm oder an den Blutgefäßen durch die Follikelpunktion
  • Erhöhtes Risiko einer Fehlgeburt, meist bedingt durch das höhere Alter der Frau
  • Mehrlingsschwangerschaften, die zu Früh- oder Kaiserschnittgeburt neigen
  • Geringfügig höheres Risiko für Fehlbildungen des Babys
  • Psychische Belastung

Was passiert mit überzähligen Eizellen und Embryonen?

Die überzähligen Samen, Eizellen und Embryonen können zugelassene Kliniken für eventuelle Folgeversuche einfrieren. Das bezeichnet die Medizin als Kryokonservierung. Die Dauer der Aufbewahrung und Möglichkeiten der weiteren Verwendung sind gesetzlich genau definiert. In den meisten Ländern müssen die Bestände nach maximal zehn Jahren oder nach dem Tod des Spenders vernichtet werden.

Wie oft darf eine Frau die künstliche Befruchtung in Anspruch nehmen?

Prinzipiell darf es eine Frau immer wieder probieren, durch eine künstliche Befruchtung schwanger zu werden. Allerdings steuern die meisten deutschen Krankenkassen beziehungsweise der österreichische IVF-Fonds nur bei maximal vier Versuchen Geld bei. Für jede weitere assistierte Reproduktionsbehandlung muss man selbst aufkommen.

Was kostet eine künstliche Befruchtung?

Die Kosten variieren nach dem jeweiligen Verfahren und danach, wie viele Versuche und welche Medikamente notwendig sind.
 
Eine In-Vitro-Fertilisation kostet rund 3.000 Euro pro Durchführung. Bei einer Insemination muss man mit 200 Euro rechnen, wenn man auf die hormonelle Stimulation verzichtet. Ist diese notwendig, steigen die Kosten auf 1.000 Euro pro Versuch. Da eine künstliche Befruchtung häufig nicht beim ersten Mal glückt, summiert sich der Betrag sehr schnell. Außerdem kommen noch die Ausgaben für die erforderlichen Medikamente dazu. Insgesamt beträgt der Aufwand für die meisten Paare zwischen 10.000 und 30.000 Euro.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für eine künstliche Befruchtung?

Es ist von Land zu Land und von Krankenkasse zu Krankenkasse verschieden, ob die Kosten übernommen werden. Für nähere Informationen wendest Du Dich daher am besten direkt an Deinen Sozialversicherungsträger.
 
Ein gewisser Beitrag ist normalerweise immer selbst zu leisten, häufig gibt es aber Zuschüsse. Deutschland gewährt diese allerdings beispielsweise nur Ehepaaren in einem gewissen Alter und nur bei einer bestimmten Anzahl von Befruchtungsversuchen. In Österreich gibt es mit dem IVF-Fonds eine gesetzlich geregelte Möglichkeit zur finanziellen Unterstützung von Kinderwunschpaaren. Diese gilt aber zum Beispiel nicht für die intrauterine Insemination und nicht jedes Paar hat Anspruch darauf.

 


Dauer Dauer

Je nach Behandlung

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

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Das Wichtigste zusammengefasst

Bei der künstlichen Befruchtung unterstützen Ärzte die Ei- und Samenzellen auf ihrem Weg zueinander und führen somit künstlich eine Schwangerschaft herbei


Nicht jeder darf eine künstliche Befruchtung in Anspruch nehmen und nicht alles, was medizinisch möglich wäre, ist rechtlich erlaubt. Die Gesetzeslage ist von Land zu Land verschieden


Je nachdem ob die Geschlechtszellen innerhalb oder außerhalb des Körpers der Frau zusammengebracht werden, spricht die Medizin von internen oder externen assistierten Reproduktionstechniken. Die wichtigsten Verfahren sind die In-Vitro-Fertilisation, die intrazytoplasmatische Spermieninjektion und die intrauterine Insemination


Die Kosten für eine künstliche Befruchtung sind sehr hoch, vor allem da die Krankenkassen meist nur in gewissen Situationen Zuschüsse beisteuern

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