Gonarthrose

Eine Arthrose ist eine Gelenkabnutzung, die umgangssprachlich auch als Gelenkverschleiß bezeichnet wird. Wenn die Arthrose speziell das Kniegelenk betrifft, so spricht man von Gonarthrose. Die fortschreitende Gelenkerkrankung bewirkt eine Zerstörung des Gelenkknorpels im Knie und dies wiederum führt zu Schmerzen und zu einer Bewegungseinschränkung. Der Knorpel ist eine schützende Schicht, die sich auf den beiden Knochenenden befindet, die zusammen ein Gelenk bilden. Die gesunde Knorpelschicht fungiert als Stoßdämpfer bei plötzlichen Bewegungen und ermöglicht somit eine reibungslose Bewegung. Bei der Gonarthrose liegt ein Verlust der Stoßdämpferfunktion des Gelenks vor, daher wird die Knorpeloberfläche rau und es entstehen immer tiefere Risse.


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Zuletzt aktualisiert: 25. Februar, 2020



Hinweis: Dieser Beitrag dient zur Information über die Gonarthrose. Es ist jedoch möglich, dass einzelne der hier aufgeführten Leistungen noch nicht von unseren Ärzten angeboten werden. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, Dir bald für weitere Behandlungsfelder einen Spezialisten bieten zu können. Bei Fragen zu unserem Leistungsspektrum kannst Du Dich gerne jederzeit bei uns melden!

Was versteht die Medizin unter einer Gonarthrose?

Unter einer Arthrose verstehen Ärzte in der Medizin die Abnutzung eines Gelenks. Gonarthrose ist der lateinische Begriff für Kniearthrose und bezeichnet eine Arthrose im Kniegelenk. Die häufigste Ursache für eine Kniearthrose ist eine anhaltende Überbelastung, wobei sie auch in Folge einer Verletzung oder einer Gelenksentzündung entstehen kann. Zu Beginn der Gonarthrose ist ein Defekt des Knorpelüberzugs vorhanden. Durch die steigende Abnutzung des Knorpels steigt der Druck auf den Knochen, welcher unmittelbar darunter liegt. Zum Ausgleich vergrößert sich die Gelenkfläche im Zwischenbereich und es bilden sich knöcherne Spitzen. Somit wird das Kniegelenk unbeweglicher, die Knochen rücken näher zusammen und der Gelenkspalt verengt sich. Im fortgeschrittenen Stadium ist diese Knorpelschicht schon nahezu abgebaut und die Knochen liegen beinahe ungeschützt aufeinander. Wenn dieser Gelenkspalt jedoch vollständig verschwunden ist, so wird das Kniegelenk steif und verursacht Schmerzen.

Gonarthrose

Wie sehen die Symptome der Gonarthrose aus?

Da sich die Gelenkerkrankung sozusagen schleichend entwickelt, verläuft sie anfangs meist symptomlos. Erst später zeigt sich ein sogenannter Anlaufschmerz im betroffenen Kniegelenk. Dieser Schmerz tritt vor allem am Morgen nach dem Aufstehen oder nach längerem Sitzen auf und wird nach einer kurzen Zeit wieder besser. Im weiteren Verlauf treten Schmerzen vermehrt nach Belastungen auf, vor allem beim Treppensteigen. Somit kann es auch zu Bewegungseinschränkungen, aber auch zu Muskelschmerzen und Gelenkschmerzen kommen, die vom Betroffenen nicht genau lokalisierbar sind. Folglich kommt es oft zur Entzündung der Gelenkschleimhaut, was zusätzlich eine Schwellung des Gelenks mit sich bringt.

Welche Ursache hat die Erkrankung?

Eine Gelenkabnutzung ist zwar ein normaler Teil des Alterungsprozesses, jedoch kann eine Gonarthrose auch in Folge von Unfällen, Fehlstellungen der Knochen oder Überlastung entstehen. Wenn eine Arthrose als Folge des natürlichen Alterungsprozesses auftritt, spricht man von einer primären Arthrose. Diese kann aber auch aufgrund vererbter Veranlagung auftreten. Die sekundäre Arthrose hingegen tritt in Folge von Unfällen oder Überlastung auf. Aufgrund der lebenslang andauernden Belastung beim Gehen und Stehen sind die Knie einer starken Abnutzung unterworfen. Hinzu kommen auch noch Übergewicht, Bewegungsmangel oder ein Beruf, der die Knie ganz besonders beansprucht. 
Ein weiterer Auslöser der Kniearthrose sind angeborene oder erworbene Fehlstellungen der Beine. Die bekannten X- oder O-Beine beispielsweise können ebenso zur Entstehung der Gonarthrose beitragen.

Wie diagnostiziert ein Arzt Gonarthrose?

Die Diagnose erfolgt durch eine genaue Erhebung der Symptomatik, eine klinische Untersuchung und in weiterer Folge durch eine Röntgenuntersuchung. Im Röntgen sind Arthrosezeichen wie eine Verschmälerung des Gelenkspalts deutlich zu erkennen.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Arthrosen sind die häufigsten Gelenkerkrankungen und betreffen sowohl Männer als auch Frauen. Speziell ab einem Alter von 60 Jahren tritt die Gonarthrose sehr häufig auf. Zwar können auch jüngere Menschen unter einer Gonarthrose leiden, die Zahl der Erkrankten nimmt aber mit dem Alter deutlich zu.

Welche Folgen hat die Kniegelenksarthrose für die Patienten?

Die Gonarthrose gehört zu den häufigsten Abnutzungserscheinungen der Gelenke. Der Gelenkverschleiß führt dazu, dass der Knorpel des Gelenks zerstört wird. Schließlich kannst Du das Gelenk meist nicht mehr schmerzfrei bewegen und im Extremfall versteift es sogar.

Welche Stadien der Gonarthrose gibt es?

Je nach Abnutzung des Gelenks unterscheiden Ärzte bei der Gonarthrose zwischen vier Schweregraden.

Grad I: Hierbei kommt es noch nicht zu Beschwerden und das Gelenk ist noch intakt, jedoch ist der Knorpel weich.

Grad II: Die Zellstruktur des Knorpels im Knie zeigt erste Schädigungen und weist eine angeraute Oberfläche auf, aber auch in diesem Stadium treten kaum Schmerzen auf.

 

Gonarthrose

Grad III: Es entstehen einzelne Risse und Schäden an der Knorpeloberfläche und daher leiden Betroffene hierbei unter Schmerzen.

Grad IV: Die Knochen reiben direkt aufeinander, denn es ist kein Knorpel mehr vorhanden und somit geht die Schutzschicht verloren. Durch diesen Verschleiß schwillt das Knie an und es entsteht eine Entzündung. Die Folgen hierbei sind deutliche Schmerzen und Gelenkergüsse.

Welche nicht-operativen Methoden zur Behandlung der Gonarthrose gibt es?

Im Allgemeinen erfolgt die Behandlung einer Gonarthrose im Anfangsstadium immer durch eine konservative Therapie. In erster Linie erfolgt die Behandlung durch eine medikamentöse Schmerztherapie, orthopädische Hilfsmittel sowie durch Bewegungsübungen und Muskelaufbau in Form von einer physikalischen Therapie.

Ziel jeder Therapie ist es die Schmerzen zu lindern, sowie ein Fortschreiten der Arthrose zu verhindern. Die konservative Behandlung richtet sich dabei primär nach der Ursache und dem Schweregrad der Kniearthrose. Ärzte versuchen immer die Ursache der Arthrose zu beheben und zu behandeln. Falls beispielsweise eine Fehlstellung die Ursache darstellt und nur ein Teil des Gelenks betroffen ist, so kann durch eine Korrektur der vorhandenen Fehlstellung ein weiteres Fortschreiten der Arthrose verhindert werden. Folgende konservative Therapien kann Dein Arzt anwenden, um Deine Schmerzen zu reduzieren, die Funktion des Kniegelenkes zu verbessern und somit den operativen Eingriff verhindern:

Physikalische Therapie

Spezielle gelenkspezifische Übungen stärken die Muskulatur des Knies und können so den Gelenkknorpel mit den nötigen Nährstoffen versorgen.

Orthopädische Hilfsmittel

Orthopädische Hilfsmittel werden von außen an Knie angelegt und helfen dabei, Knieschmerzen zu lindern.

Hyaluronsäure-Spritzen

Zusätzlich kann Hyaluronsäure ins Kniegelenk gespritzt werden, um die Gelenkschmiere zu verbessern und so den Knorpel zu entlasten.

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Bei einer fortgeschrittenen Arthrose und einer erfolglosen konservativen Therapie ist eine operative Behandlung sinnvoll. Abhängig vom Stadium der Gelenkzerstörung entscheidet Dein Arzt, welche operative Methode zur Anwendung kommt. Ärzte unterscheiden hier grundsätzlich zwischen zwei Möglichkeiten:

Arthroskopie ohne vollständige Eröffnung des Kniegelenks

Bei der Arthroskopie handelt es sich um eine sogenannte Gelenkspiegelung, bei der über einen kleinen Schnitt eine Kamera in das Gelenk eingebracht wird. Diese Kniegelenkarthroskopie kann Deinem Arzt dabei helfen eine bessere Diagnose zu stellen und gleichzeitig kaputte Knorpel sowie Knochen zu entfernen – ohne einen großen Schnitt zu benötigen. Zudem kann er entzündliche Stoffe aus Deinem Knie ausschwemmen und es damit wieder beweglicher machen und Dich auch von Schmerzen befreien.

Knieprothese als Gelenkersatzplastik

Sollten weder nicht-operative Behandlungen noch die Arthroskopie eine Besserung hervorrufen, kann sich Dein Arzt für ein künstliches Kniegelenk entscheiden. Oft sind davon Patienten mit Gonarthrose Grad IV betroffen. In solchen Fällen haben die Patienten meistens bereits eine starke Bewegungseinschränkung und leiden unter starken Schmerzen.

Was muss ich vor einer Operation beachten?

Vor der Entscheidung für eine Knieprothese solltest Du Dich mit den individuellen Risiken und Erwartungen auseinanderzusetzen. In einem ausführlichen Gespräch besprichst Du mit Deinem Arzt alle Vor- und Nachteile einer Knieprothese. Selbstverständlich plant ihr vor der Operation auch die Größe und den Typ der Knieprothese am Computer. Außerdem bereitet Dich Dein Arzt internistisch und anästhesiologisch auf die Implantation des künstlichen Kniegelenks vor und klärt über mögliche Komplikationen auf. Etwa 14 Tage vor der Operation solltest Du blutverdünnende Medikamente, wie beispielsweise Aspirin, Marcoumar, Plavix, ASS oder Thrombo ASS, absetzen. Das gilt ebenfalls für Schlafmittel. Du kannst dies mit Deinem Arzt besprechen, eventuell verschreibt er Dir einen Ersatz. Alkohol und Nikotin solltest Du auch weglassen, denn diese beiden Stoffe können sich negativ auf Deine Wundheilung auswirken.

Gonarthrose

Wie verläuft die Operation bei einer Gonarthrose?

Je nach Schweregrad der Gonarthrose unterscheiden Ärzte zwischen zwei unterschiedlichen operativen Behandlungsmethoden.

Arthroskopie: Im Zuge der Arthroskopie wird das Kniegelenk gespült und die Gelenkschleimhaut debridiert (entfernt), wenn diese das Knie mechanisch beeinträchtigt.

Knieprothese: Die Implantation eines künstlichen Gelenks ist die letzte Maßnahme zur Behandlung einer Kniearthrose. Dabei werden die betroffenen Gelenkanteile entfernt und ein künstliches Gelenk eingesetzt. Ärzte unterscheiden hierbei zwischen einen Ersatz des gesamten Kniegelenks durch eine Prothese von einem Teilgelenkersatz, bei dem nur die beschädigten Schichten des Kniegelenks ersetzt werden.

Bei stark geschädigten Gelenken wird sehr häufig eine Total-Endoprothese (TEP) eingesetzt. Je nach Variante befestigt Dein Arzt die Prothese entweder mit Zement am Knochen oder verankert sie direkt im Knochen selbst. Für eine Verankerung im Knochen entscheiden sich Ärzte eher bei jüngeren Patienten, da ein fester Knochen vorhanden sein muss. Teilprothesen hingegen lassen große Teile des Knochens unangetastet.

Was muss ich nach der Operation beachten?

Zu einer guten Prothesenfunktion gehört auch ein verantwortungsvolles Verhalten der Patienten. Ärzte betonen sehr häufig, dass Extremsport beispielsweise vermieden werden sollte. Denn das künstliche Kniegelenk könnte sich frühzeitig lockern – sollten sich dadurch Bakterien im Körper streuen, können sie das Implantat besiedeln und ebenso damit infizieren. Im Allgemeinen ist eine erhöhte Wachsamkeit bei Wunden, Abszessen und Entzündungen wesentlich für die Prothesenhaltbarkeit. Die vollständige Rehabilitationsdauer beträgt etwa zwei Jahre. Währenddessen verbessert sich die Funktion des Kniegelenks und Muskelapparats.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Während und auch nach der Implantation eines künstlichen Kniegelenks, können einerseits allgemeine Komplikationen, die bei jedem operativen Eingriff möglich sind, aber andererseits auch spezielle Komplikationen, die speziell die Knieprothese betreffen, auftreten.

 Allgemeine Komplikationen sind unter anderem Thrombosen in den Beinen, Infektionen der betroffenen Stelle, Verletzungen der Blutgefäße sowie Schwellungen und Schmerzen. Außerdem können im Zusammenhang mit der Narkose Komplikationen wie Übelkeit, Erbrechen und Kreislaufstörungen vorkommen.

Komplikationen, die speziell das künstliche Kniegelenk betreffen, sind unter anderem das Risiko einer bakteriellen Infektion der Knieprothese. Dies ist auch der Grund warum meist vorbeugend vor und nach der Implantation des künstlichen Kniegelenks Antibiotika verabreicht werden. Wenn Du das operierte Knie an den Tagen nach der Implantation der Knieprothese nicht ausreichend bewegst, kann es zudem zu Verklebungen im künstlichen Kniegelenk kommen, daher solltest Du Dich nach dem Eingriff ausreichend bewegen.

Zusätzlich stellen ein starkes Übergewicht sowie Begleiterkrankungen wie Diabetes, Rheuma und neurologische Erkrankungen ein erhöhtes Risiko für ein Implantatversagen dar. Außerdem darf nicht unerwähnt bleiben, dass Deine psychische Verfassung einen starken Einfluss auf die Zufriedenheit mit der Prothese hat.

Kann ich die Gonarthrose vorbeugen?

Wie bei vielen anderen Krankheitsbildern, ist auch bei einer vorliegenden Gonarthrose Eigeninitiative gefragt. Vor allem eine gesunde Lebensführung und regelmäßige Bewegung helfen bei einer vorliegenden Kniearthrose die Beschwerden zu lindern bzw. eine Entstehung zu verhindern. Regelmäßiger Sport dient nicht nur dem Muskelaufbau, sondern auch der Nährstoffversorgung der betroffenen Knorpel. Übungen wie bei einem Koordinationstraining tragen zum Erhalt der Beweglichkeit bei und können sogar zu einer Verbesserung der Gelenkfunktion führen. Auch überflüssige Kilos über viele Jahre hinweg belasten die Kniegelenke noch zusätzlich und dies wiederum steigert das Arthroserisiko. Denn durch das zusätzliche Gewicht kommt es leichter zu einer Gelenkabnutzung.

Gonarthrose

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten je nach Behandlungsmethode und daher nicht in allen Fällen. Beispielsweise bei Hyaluronsäure-Spritzen übernimmt der Krankenkasse die Kosten meistens nicht und Du musst die Therapie daher privat bezahlen. Steht jedoch aus gesundheitlichen Gründen ausschließlich die Implantation einer Prothese zur Verfügung, so übernehmen die Krankenkassen meist die Kosten komplett. Informiere Dich am besten vor dem Eingriff bei Deiner Krankenkasse über die genaue Kostenübernahme.

 

Quellen

Arthrose. Gesundheitsberichterstattung des Bundes; Heft 54. Herausgeber: Robert Koch-Institut, Berlin 2013. (Letzter Zugriff: 22.05.2019)

Imhoff, A. B.; Linke, R.; Baumgartner, R.: Checkliste Orthopädie. 3., komplett überarbeitete und erweiterte Auflage Stuttgart: Thieme 2014.

Wirth CJ, ZichnerL: Orthopädie und Orthopädische Chirurgie: Knie. Thieme Verlag 2005


Dauer Dauer

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Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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Das Wichtigste zusammengefasst

Wenn die Arthrose speziell das Kniegelenk betrifft, so spricht man von Gonarthrose


Die Gelenkerkrankung bewirkt eine Zerstörung des Gelenkknorpels und dies wiederum führt zu Schmerzen


In erster Linie erfolgt die Behandlung durch eine medikamentöse Schmerztherapie, orthopädische Hilfsmittel sowie durch Bewegungsübungen in Form von einer Physikalischen Therapie


Vor allem eine gesunde Lebensführung und regelmäßige Bewegung helfen die Beschwerden zu lindern bzw. die Entstehung von Gonarthrose zu verhindern

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