Steifer Nacken (Meningismus, Nackensteifigkeit)

Ein steifer Nacken ist nicht nur mit starken Schmerzen verbunden, sondern in den meisten Fällen auch ein Warnhinweis für eine ernste Erkrankung. Die Nackensteifigkeit, in der Medizin Meningismus genannt, kann unterschiedlichen Ursachen unterliegen. Meistens sind jedoch Erkrankungen oder Reizungen der Hirnhäute für die Schmerzen zuständig, die letztendlich dazu führen, dass der Betroffene seinen Kopf nicht aktiv zum Brustbein beugen kann. Was wir unter dem Meningismus genau verstehen, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und was Du selbst gegen die Schmerzen unternehmen kannst, erfährst Du im nachstehenden Beitrag.


AUTOR

Medizinische Expertin

CO-AUTOR

Online-Redaktion

Dieser Text wurde nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Medizinern geprüft.


Zuletzt aktualisiert: 5. Oktober, 2020



ICD-10-GM-2020 M54.0

Was versteht die Medizin unter einem Meningismus?

Unter dem Begriff „Meningismus“, abgeleitet vom medizinischen Fachausdruck „Meningen“ (=Hirnhäute), verstehen wir schmerzhafte Nackensteifigkeit. Der steife Nacken tritt vor allem bei Erkrankungen oder Reizungen der Hirnhäute auf und führt zu Schmerzen und Verspannungen der Nackenmuskulatur. Diese Verspannungen ermöglichen letztendlich kein aktives Vorbeugen des Kopfes zum Brustbein, was zur Folge hat, dass der Eindruck einer Nackensteifigkeit entsteht, obwohl weder die Halswirbel noch die Nackenmuskulatur an sich tatsächlich beeinträchtigt sind.
 
Typischerweise leiden die Betroffenen zusätzlich noch unter Kopfschmerzen, Übelkeit und einer erhöhten Licht- und Geräuschempfindlichkeit (Fotophobie beziehungsweise Phonophobie genannt). All diese Beschwerden, sowohl den steifen Nacken, als auch die Begleitsymptome, fassen Ärzte unter der Bezeichnung „meningeales Symptom“ zusammen.
 
Unter dem Begriff „Meningismus“, abgeleitet vom medizinischen Fachausdruck „Meningen“ (=Hirnhäute), verstehen wir schmerzhafte Nackensteifigkeit
 

Was sind die Symptome bei einem Meningismus?

Eine Nackensteifigkeit kann sich durch unterschiedliche Symptome bemerkbar machen.
 
Die häufigsten Symptome sind starke Nackenschmerzen, schmerzhafte Bewegungsbeeinträchtigung im Bereich des Nackens, starke Kopfschmerzen sowie Schwindel (Vertigo) und Übelkeit bis hin zum Erbrechen. Darüber hinaus haben Betroffene oft hohes Fieber, sind leichter gereizt und verwirrt, fühlen sich allgemein krank und lethargisch (Antriebsarmut). Außerdem reagieren die Betroffenen sehr empfindlich auf Licht und Geräusche jeglicher Art und kriegen manchmal sogar epileptische Anfälle.

Wie entstehen die Schmerzen im Nacken?

Jeder Mensch hat um sein Gehirn drei Hirnhäute, die schichtweise übereinander liegen und das gesamte Hirn sowie das Rückenmark umgeben. Diese Hirnhäute teilen sich in die innere (Pia mater) und die mittlere (Arachnoidea) Haut auf, die als weiche Hirnhäute gelten. Die äußere (Dura mater) ist die harte Hirnhaut. Alle drei Hirnhäute haben eine Schutzfunktion und spielen eine sehr wichtige Rolle beim Blutfluss und der Nährstoffversorgung.
 
Sind die Hirnhäute gereizt, so führt dies teils zu starken Kopfschmerzen, wobei vor allem die äußere Hirnhaut sehr schmerzempfindlich ist. Beugt ein Meningismus-Patient den Kopf nach vorne, übt das einen leichten Zug auf die Hirnhäute aus und verstärkt somit den bereits vorhandenen Schmerz in Kopf- und Nackenbereich. Sind die Hirnhäute nur leicht gereizt oder befindet sich deren Erkrankung noch in einem frühen Stadium, so besteht im Ruhezustand gegebenenfalls (noch) kein Schmerz. Zum Schmerz kommt es erst dann, wenn der Betroffene seinen Kopf nach vorne beugt.

Welche Ursachen hat ein Meningismus?

Im Normalfall unterliegt ein Meningismus einer Hirnhautentzündung (=Meningitis), wobei der steife Nacken als erstes Symptom auftritt. Auslöser einer Meningitis sind meistens bestimmte Bakterien oder Viren, in seltenen Fällen auch Pilze oder Parasiten. Jedoch ist zu beachten, dass der Meningismus nicht automatisch jede Hirnhautentzündung begleitet. Erkranken beispielsweise Neugeborene an einer Meningitis, so bildet sich keine Nackensteifigkeit.

Welche Krankheiten können einen steifen Nacken auslösen?

Neben einer Hirnhautentzündung durch bestimmte Erreger gibt es noch einige andere Krankheiten, die eine Reizung der Hirnhäute und in weiterer Folge einen Meningismus, verursachen. Dazu gehört unter anderem eine Subarachnoidalblutung, die ähnliche Symptome wie ein Schlaganfall auslösen kann und zu Blutungen zwischen der inneren und mittleren Hirnhaut führt. Das erste Warnsignal für diese Blutungen sind plötzliche und sehr starke Kopfschmerzen.
 
Neben einer Hirnhautentzündung durch bestimmte Erreger gibt es noch einige andere Krankheiten, die eine Reizung der Hirnhäute und in weiterer Folge einen Meningismus, verursachen
 
Eine weitere mögliche Ursache ist die sogenannte Meningeosis neoplastica. Hierbei handelt es sich um eine Absiedelung von Tumorzellen in den weichen Hirnhäuten, die im Spätstadium verschiedener Krebserkrankungen auftreten kann.
 
Auch ein Blutgerinnsel in den großen Blutabflüssen (Sinus) des Gehirns, eine sich in der harten Hirnhaut auftretende Sinusthrombose, kann zur Nackensteifigkeit führen.
 
Weiter ist oft eine Sepsis, also eine Blutvergiftung, für Meningismus verantwortlich. Dabei breiten sich Bakterien oder Pilze von einem Entzündungsherd in den gesamten Blutkreislauf aus und dies hat zur Folge, dass verschiedene Organe, wie in diesem Fall die Hirnhäute, befallen werden.
 
Genauso kann sich auch durch eine Bleivergiftung Meningismus entwickeln. Neben den Entzündungen der Hirngefäße (Bleienzephalopathie) sind bei Betroffenen unter anderem auch Krämpfe möglich. Im weiteren Verlauf reagieren die Hirnhäute gereizt und es kommt zu einem steifen Nacken.
 
Außerdem kommt es auch bei einem Sonnenstich aufgrund der längeren direkten Sonneneinstrahlung auf Kopf und Nacken zu Entzündungsreaktionen der Hirnhäute, die zu einer Nackensteifigkeit führen.

Auf welche Krankheiten kann ein steifer Nacken hinweisen?

Es gibt einige Krankheiten, die auf einen Meningismus hinweisen können. Dazu gehören neben den bereits erwähnten (u.a. Hirnhautentzündung, Tumorzellen, Blei- und Blutvergiftung oder Sonnenstich) ein Aneurysma (= ballonartige Aussackung der Wand von Blutgefäßen, meist Arterien), eine Borreliose (=bakterielle Infektionskrankheit), eine Hirnblutung, ein Hitzschlag, Bandscheibenvorfälle im Bereich der Halswirbelsäule, Arthrose im Bereich der Halswirbelgelenke, Frakturen der Halswirbel, eine Angina tonsillaris (=Mandelentzündung), Muskelstarre oder Muskelsteifheit (= Rigor) sowie eine Migräne. Informiere Dich deshalb am besten gleich über Deine Symptome und suche einen Arzt auf, um Dich gründlich untersuchen zu lassen.

Wann sollte ich mit einem steifen Nacken zum Arzt gehen?

Bei einem Meningismus handelt es sich immer um einen Notfall, der ärztlich begutachtet werden sollte, denn der steife Nacken deutet fast immer auf eine ernste Erkrankung hin. Deshalb solltest Du Dich, unabhängig von möglichen weiteren Symptomen, schnellstmöglich in eine Notaufnahme begeben oder einen Notarzt rufen. Auch wenn bei Dir gegebenenfalls manche Beschwerden ausbleiben, solltest Du dennoch umgehend ärztliche Hilfe aufsuchen, wenn bei Dir eine plötzliche Nackensteife auftreten sollte.

Wie diagnostiziert der Arzt einen Meningismus?

Besteht ein Verdacht auf Meningismus, so fragt Dich der Arzt als allererstes nach Deiner Anamnese (=Krankengeschichte) und ob noch weitere Beschwerden auftreten. Im Patientengespräch ergeben sich meistens Hinweise darauf, ob die Nackensteife noch anderen Ursachen unterliegt.
 
Beim Lasègue-Zeichen hebt der Arzt Dein gestrecktes Bein während Du auf dem Rücken liegst. Sind die Hirnhäute tatsächlich gereizt, so führt diese Bewegung ab einer gewissen Beugung zu Schmerzen in Bein, Gesäß oder Rücken
 
Anschließend kommt es zur körperlichen Untersuchung, bei der der Arzt Deinen Kopf nach vorne beugt, während dieser auf dem Rücken liegt. Dabei achtet der behandelnde Arzt darauf, ob die Kopfbeugung erschwert ist und fragt Dich, ob Du dabei Schmerzen verspürst. Schmerzen beim Beugen des Kopfes nach vorne sind nämlich erste Hinweise auf einen Meningismus.
 
Außerdem gibt es noch weitere Anzeichen für die Nackensteifigkeit, die der Arzt überprüft – die sogenannten Nervendehnungszeichen. Hierbei dehnt der Arzt durch bestimmte Manöver Deine Hirnhäute, was zu Schmerzen führt. Diese Zeichen heißen aus dem Grund Nervendehnungszeichen, da während dieser Testmanöver nicht nur bei einem Meningismus Schmerzen auftreten, sondern auch bei einer Reizung der Nervenwurzeln am Rückenmark. Sollte dies der Fall sein, fehlt zumeist das Symptom des steifen Nackens jedoch.
 
Hat sich der Verdacht auf Meningismus bestätigt, so ordnet der Arzt weitere wichtige Untersuchungen an, um die konkrete Ursache des steifen Nackens zu finden. Dazu gehören eine Computertomografie (CT), eine Lumbalpunktion (= Punktion des Duralsacks im Bereich der Lendenwirbel, um Nervenwasser zu entnehmen) und bestimmte neurologische Untersuchungen. Je früher der Arzt diese Untersuchungen durchführt, desto besser, denn umso eher kann er mit der richtigen Therapie anfangen.

Welche Zeichen helfen dem Arzt bei der Diagnosestellung?

Die sogenannten Nervendehnungszeichen helfen dem Arzt die richtige Diagnose zu stellen. Hierbei ist die Rede von bestimmten Manövern, mit denen der Arzt Deine Hirnhäute dehnt, was zu Schmerzen führt. Zu diesen Zeichen gehören die Lasègue-, die Kernig- und die Brudzinski-Zeichen.
 
Beim Lasègue-Zeichen hebt der Arzt Dein gestrecktes Bein während Du auf dem Rücken liegst. Sind die Hirnhäute tatsächlich gereizt, so führt diese Bewegung ab einer gewissen Beugung zu Schmerzen in Bein, Gesäß oder Rücken.
 
Im Rahmen des Kernig-Zeichens befindest Du Dich in Rückenlage und hast das Bein in Hüft- und Kniegelenk gebeugt. Danach streckt der Arzt langsam das Bein im Kniegelenk, wobei die gleichen Schmerzen wie beim Lasègue-Zeichen auftreten.
 
Beim Untersuchen des Brudzinski-Zeichens liegst Du wieder auf dem Rücken. Der Arzt beugt Deinen Kopf nach vorne, woraufhin Du reflexartig die Beine anziehst, um Schmerzen zu vermeiden. All diese Nervendehnungszeichen verhelfen dem Arzt bei der körperlichen Untersuchung, um herauszufinden, ob er die Diagnose Meningismus stellen kann.

Wie lässt sich ein Meningismus behandeln?

Welche Behandlungsmöglichkeit der Arzt anordnet, hängt von der auslösenden Ursache des Meningismus ab.
 
Welche Behandlungsmöglichkeit der Arzt anordnet, hängt von der auslösenden Ursache des Meningismus ab
 
Liegt eine Hirnhautentzündung vor, so erhältst Du entweder Antibiotika, die gegen Bakterien vorgehen, oder antivirale Arzneimittel. In vielen Fällen ist auch eine intensivmedizinische Therapie nötig, um möglichen Komplikationen, wie beispielsweise epileptischen Anfällen, entgegenzuwirken. In der Regel helfen aber bereits die Antibiotika, denn diese erzielen eine rasche Besserung der Beschwerden.
 
Sind jedoch Erkrankungen der Halswirbelsäule für die schmerzhafte Nackensteifigkeit zuständig, muss der Arzt noch vor der Therapie feststellen, welche Strukturen genau betroffen sind. Nach den Ergebnissen richten sich dann die nächsten Schritte, seien es die Gabe von Medikamenten, physiotherapeutische Behandlungen oder eine Kombination von beidem. Im Falle eines ausgeprägten Bandscheibenvorfalls, der zu schmerzhaftem Meningismus führt, muss in der Regel ein chirurgischer Eingriff stattfinden.

Was kann ich selbst bei einem steifen Nacken tun?

Solltest Du unter Nackensteifigkeit leiden, so kannst Du, neben dem Besuch eines Arztes und einer gründlichen Untersuchung, teilweise auch selbst etwas dagegen unternehmen. Am besten hilft eine Selbstmassage, die Du auf den hinteren und seitlichen Bereich Deines Halses durchführen solltest, denn hier sitzen die Muskeln, die letztendlich zu einem steifen Nacken führen. Dazu kannst Du entweder Deine Finger oder einen Ball verwenden. Präzise Massagestriche sowie eine bestimmte Druck-Bewegungstechnik sollten Dich von den Schmerzen befreien.

Wie ist die Prognose bei einem Meningismus?

Der Krankheitsverlauf sowie die Prognose hängen von der auslösenden Ursache ab. Kommt es zu einem Meningismus im Rahmen einer fieberhaften allgemeinen Infektionserkrankung, so ist dies eine (relativ) harmlose Begleiterscheinung und verschwindet dementsprechend auch relativ schnell wieder. Bei einer bakteriell verursachten Meningismus-Form kann es jedoch zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommen. Deshalb ist es umso wichtiger, schnell einen Arzt aufzusuchen und sich untersuchen zu lassen, denn unbehandelt verstirbt ein Großteil der Betroffenen. Genauso hat ein Meningismus, der infolge einer Pneumokokkeninfektion auftritt, eine schlechte Prognose.

Was ist ein Pseudomeningismus?

Wenn die Ursache der schmerzhaften Nackensteifigkeit nicht in den gereizten Hirnhäuten liegt, sprechen wir von einem Pseudomeningismus. Hierbei gelten andere Faktoren als Auslöser der Schmerzen, beispielsweise Brüche, Bandscheibenvorfälle oder Verschleißerscheinungen (Arthrose) in der Halswirbelsäule. Aber auch eine Migräne oder bestimmte Tumore können einen Pseudomeningismus hervorrufen.
 
In der Regel fehlen bei einem Pseudomeningismus Beschwerden wie Übelkeit und Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Dennoch sollte sich der Betroffene umgehend in eine Notaufnahme begeben oder sich von einem Notarzt untersuchen lassen, denn die Symptome weisen meist auf eine ernste Krankheit hin.
 
In der Regel fehlen bei einem Pseudomeningismus Beschwerden wie Übelkeit und Licht- und Geräuschempfindlichkeit
 

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung eines Meningismus?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen übernimmt die zuständige Sozialversicherung. Jedoch kann es passieren, dass bei bestimmten Leistungen (zum Beispiel bei einer Physiotherapie) ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfällt. Deshalb solltest Du am besten individuell bei Deiner Krankenversicherung nachfragen und Dich beraten lassen.

 


Dauer Dauer

Je nach Ursache

Ausfallzeit Ausfallzeit

Je nach Ursache

Stationärer Aufenthalt Stationär

Je nach Ursache

Das Wichtigste zusammengefasst

Unter dem Begriff „Meningismus“ verstehen wir schmerzhafte Nackensteifigkeit. Die Bezeichnung ist vom medizinischen Fachausdruck „Meningen“ abgeleitet, der für Hirnhäute steht


Der steife Nacken unterliegt vor allem Erkrankungen und Reizungen der Hirnhäute


Betroffene leiden typischerweise zusätzlich zu den starken Nackenschmerzen noch unter starken Kopfschmerzen, Übelkeit und einer erhöhten Licht- und Geräuschempfindlichkeit


Da es sich bei einem Meningismus um einen Notfall handelt, solltest Du immer sofort eine Notaufnahme aufsuchen oder einen Notarzt rufen, um Dich gründlich untersuchen zu lassen und die Ursache zu finden

Dr. Benjamin Gehl

Dr. Simone Hermanns

Gibt es eine Frage an unsere Ärzt*innen?

Schritt 1 von 2

50%