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VO2max

VO2max

Was die VO2max über Deine Ausdauerleistung und Deine Lebenserwartung aussagt.

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Kaum ein Messwert hat den Sprung vom Leistungssport in die Präventionsmedizin so schnell geschafft wie die maximale Sauerstoffaufnahme. Jahrzehntelang war sie eine Größe für Trainingsplanung im Radsport, im Laufen und im Skilanglauf. Inzwischen taucht sie auf Smartwatches auf, wird in Longevity-Podcasts diskutiert und in Präventionsprogrammen erhoben.

Der Grund dafür liegt in einer Reihe großer Untersuchungen, die die kardiorespiratorische Fitness mit der Sterblichkeit in Beziehung gesetzt haben. Der Zusammenhang ist bemerkenswert stabil und in seiner Größenordnung mit klassischen Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck und Diabetes vergleichbar. Anders als das Alter oder die genetische Ausstattung lässt sich die VO2max zudem durch Training verändern. Genau das macht sie für die Vorsorge interessant.

Zugleich wird der Wert häufig missverstanden. Er ist keine Zahl, die für sich allein steht, und er ist nicht identisch mit der Frage, wie leistungsfähig Du in einem Wettkampf bist. Diese Seite ordnet ein, was er beschreibt und was nicht.

VO2max: Maximale Sauerstoffaufnahme messen und verbessern

Das Wichtigste in Kürze

Die VO2max misst die maximale Sauerstoffaufnahme und ist der zentrale Kennwert der Ausdauerleistungsfähigkeit. Der Goldstandard ist die Spiroergometrie mit Atemgasanalyse, alle anderen Verfahren liefern Schätzwerte.

Studien zeigen einen starken Zusammenhang zwischen kardiorespiratorischer Fitness und der Gesamtsterblichkeit. Verbessern lässt sich der Wert durch eine Kombination aus umfangreichem Grundlagentraining und gezielten Intervallen.

Was bedeutet die VO2max genau?

Die Abkürzung setzt sich zusammen aus dem V für Volumen, dem O2 für Sauerstoff und dem Zusatz max für Maximum. Gemeint ist das größte Sauerstoffvolumen, das Dein Körper pro Minute aufnehmen, transportieren und in der arbeitenden Muskulatur verwerten kann. Angegeben wird sie entweder absolut in Litern pro Minute oder, für Vergleiche geeigneter, relativ in Millilitern pro Kilogramm Körpergewicht und Minute.

Physiologisch beschreibt sie die Obergrenze des aeroben Stoffwechsels, also jener Energiebereitstellung, die mit Sauerstoff arbeitet. Wird die Belastung darüber hinaus gesteigert, steigt die Sauerstoffaufnahme nicht weiter an, die zusätzliche Energie stammt dann aus Prozessen ohne Sauerstoff, die nur kurz durchzuhalten sind.

Welche Faktoren begrenzen diesen Wert? Der wichtigste ist das Herz, genauer das Herzzeitvolumen, also die Blutmenge, die pro Minute ausgeworfen wird. Hinzu kommen die Sauerstofftransportkapazität des Blutes, die von Hämoglobin und Blutvolumen abhängt, sowie die Fähigkeit der Muskulatur, den angebotenen Sauerstoff tatsächlich zu nutzen. Letzteres hängt an der Dichte der Kapillaren und der Menge sowie Leistungsfähigkeit der Mitochondrien in den Muskelzellen. Die Lunge ist bei Gesunden meist nicht der begrenzende Faktor.

Weil der Wert üblicherweise auf das Körpergewicht bezogen wird, verändert er sich rechnerisch auch dann, wenn sich das Gewicht ändert, ohne dass sich am Herz-Kreislauf-System etwas getan hätte. Das ist bei der Interpretation von Verläufen zu bedenken.

Wie wird die VO2max gemessen?

Der Goldstandard ist die Spiroergometrie, auch als Ergospirometrie bezeichnet. Dabei fährst Du auf einem Fahrradergometer oder läufst auf einem Laufband, während die Belastung stufenweise gesteigert wird. Über eine Maske oder ein Mundstück werden die ein- und ausgeatmete Luft, ihr Volumen sowie der Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalt kontinuierlich gemessen. Parallel laufen ein Elektrokardiogramm und regelmäßige Blutdruckmessungen mit.

Die Untersuchung wird bis zur Ausbelastung geführt. Ob diese erreicht wurde, wird an mehreren Kriterien beurteilt, unter anderem an einem Plateau der Sauerstoffaufnahme trotz weiter steigender Belastung, am Verhältnis von abgeatmetem Kohlendioxid zu aufgenommenem Sauerstoff und an der erreichten Herzfrequenz. Wird kein echtes Plateau erreicht, was im Alltag häufig ist, spricht man korrekterweise von einer VO2peak, also dem höchsten erreichten Wert.

Die Spiroergometrie liefert weit mehr als eine Zahl. Sie zeigt, ob die Leistungsbegrenzung eher vom Herz-Kreislauf-System, von der Lunge oder von der Muskulatur ausgeht, sie erfasst die ventilatorischen Schwellen und macht Auffälligkeiten sichtbar, die in Ruhe verborgen bleiben. Deshalb wird sie in der Kardiologie, der Pneumologie und der Sportmedizin auch diagnostisch eingesetzt, etwa bei ungeklärter Belastungsluftnot, vor größeren Operationen oder zur Verlaufsbeurteilung bei Herzschwäche. Wegen der maximalen Ausbelastung gehört sie in ärztliche Hände, insbesondere bei Vorerkrankungen, ab dem mittleren Lebensalter und bei bislang untrainierten Menschen.

Daneben existieren Feldtests. Der bekannteste ist ein Zwölf-Minuten-Lauf, bei dem aus der zurückgelegten Strecke ein Schätzwert berechnet wird. Ähnlich funktionieren Stufentests mit ansteigendem Lauftempo sowie submaximale Tests, die aus der Herzfrequenz bei definierter Belastung hochrechnen. Solche Verfahren sind praktikabel und für Verlaufsvergleiche brauchbar, ihre Genauigkeit für die einzelne Messung ist jedoch begrenzt, weil sie auf Annahmen über die maximale Herzfrequenz und die Laufökonomie beruhen.

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Wie zuverlässig sind die Werte aus Smartwatches?

Sportuhren und Fitnessringe geben inzwischen standardmäßig einen VO2max-Wert aus. Gemessen wird dabei kein Sauerstoff. Die Geräte schätzen den Wert aus dem Verhältnis von Geschwindigkeit oder Leistung zur Herzfrequenz, unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Gewicht und teilweise weiteren Angaben. Die Grundüberlegung ist plausibel: Wer bei gleicher Herzfrequenz schneller läuft, ist leistungsfähiger.

Die Genauigkeit hängt an mehreren Voraussetzungen. Die Herzfrequenzmessung am Handgelenk ist bei gleichmäßiger Belastung brauchbar und bei schnellen Wechseln ungenau. Die hinterlegte maximale Herzfrequenz stammt oft aus einer Altersformel, die für viele Menschen deutlich danebenliegt. Laufuntergrund, Steigung, Wind, Hitze und Trainingszustand beeinflussen das Verhältnis zusätzlich. Untersuchungen finden im Mittel eine passable Übereinstimmung mit Laborwerten, im Einzelfall aber Abweichungen, die zweistellig ausfallen können.

Praktisch heißt das: Nimm die absolute Zahl nicht für bare Münze, achte aber auf ihre Richtung über Monate. Wenn der Wert bei gleichbleibenden Bedingungen und vergleichbaren Einheiten steigt, ist das ein sinnvolles Signal. Ein Vergleich zwischen zwei Personen mit unterschiedlichen Geräten ist dagegen wenig aussagekräftig.

Ein weiterer Unterschied betrifft die Sportart. Die VO2max wird laufend meist höher gemessen als radfahrend, weil beim Laufen mehr Muskelmasse beteiligt ist. Wer seine Werte aus verschiedenen Sportarten vergleicht, vergleicht deshalb nicht dasselbe. Für Verlaufsbeobachtungen ist es sinnvoll, bei einer Belastungsform zu bleiben.

Wie kannst Du Deine VO2max selbst berechnen?

Wenn Du weder eine Spiroergometrie machen möchtest noch eine Sportuhr trägst, kannst Du Deinen Wert mit einfachen Feldtests abschätzen. Alle diese Verfahren beruhen auf Formeln, die aus Laufleistung oder Herzfrequenz auf die Sauerstoffaufnahme hochrechnen. Sie liefern keine Messung, sondern eine Näherung mit einer Unsicherheit von mehreren Punkten. Für die Frage, wo Du ungefähr stehst und ob sich etwas verändert, reichen sie aus.

Der bekannteste ist der Zwölf-Minuten-Lauf. Du läufst auf einer flachen, abgemessenen Strecke, zum Beispiel einer Laufbahn, zwölf Minuten lang so weit wie möglich. Aus der zurückgelegten Strecke in Metern ergibt sich der Schätzwert nach der Formel: Strecke minus 505, geteilt durch 45. Wer in zwölf Minuten 2.400 Meter schafft, landet bei etwa 42 Millilitern pro Kilogramm und Minute. Bei 2.000 Metern sind es rund 33, bei 2.800 Metern etwa 51. Der Test setzt voraus, dass Du Dich wirklich ausbelastest, und er ist deshalb nur für Menschen geeignet, die bereits regelmäßig laufen und keine Herz-Kreislauf-Beschwerden haben.

Schonender ist ein Gehtest über eine Meile, also etwa 1.600 Meter, den Du so zügig wie möglich gehst. In die Berechnung fließen Zeit, Herzfrequenz am Ende, Alter, Geschlecht und Körpergewicht ein. Der Test ist für Einsteigerinnen und Einsteiger sowie für ältere Menschen entwickelt worden und lässt sich mit einem Brustgurt oder einer Uhr mit Pulsmessung ohne Weiteres durchführen. Rechner für die Formel gibt es online, wichtig ist nur, dass Du die Werte unter denselben Bedingungen wiederholst.

Am einfachsten ist eine Abschätzung aus dem Ruhepuls. Dazu misst Du morgens vor dem Aufstehen Deinen Puls und setzt ihn ins Verhältnis zu Deiner maximalen Herzfrequenz. Der Schätzwert ergibt sich aus 15 mal dem Quotienten aus maximaler Herzfrequenz und Ruhepuls. Bei einem Ruhepuls von 60 und einer maximalen Herzfrequenz von 180 wären das 45. Diese Formel ist die ungenaueste der drei, weil die maximale Herzfrequenz meist nur aus einer Altersformel stammt, die für viele Menschen um zehn oder mehr Schläge danebenliegt. Sie taugt als grobe Orientierung, nicht als Grundlage für Trainingsentscheidungen.

Neu hinzugekommen sind Apps, die Bewegungen über die Smartphone-Kamera erkennen und Übungen automatisch zählen. Solche Verfahren messen ebenfalls keinen Sauerstoff, sie machen aber einfache Tests zu Hause standardisierbar, weil Zeit und Wiederholungen nicht mehr von Hand erfasst werden. Für die Verlaufsbeobachtung ist das ein Fortschritt, ein Ersatz für die ärztliche Messung ist es nicht.

Für alle Selbsttests gilt: Nimm den ersten Wert als Ausgangspunkt und nicht als Urteil. Wiederhole den Test nach acht bis zwölf Wochen Training unter möglichst gleichen Bedingungen, also gleiche Strecke, ähnliche Tageszeit, ausgeruht und nicht in der Hitze. Die Veränderung zwischen zwei Messungen ist aussagekräftiger als jede einzelne Zahl. Und wenn Du seit Jahren nicht trainiert hast, über 40 bist oder Vorerkrankungen hast, gehört vor einen Ausbelastungstest eine ärztliche Untersuchung.

Was ist ein guter VO2max-Wert?

Die Einordnung erfolgt immer nach Alter und Geschlecht, weil beide den Wert erheblich beeinflussen. Untrainierte Erwachsene bewegen sich üblicherweise im Bereich von etwa 30 bis 40 Millilitern pro Kilogramm und Minute, gut ausdauertrainierte Freizeitsportlerinnen und -sportler deutlich darüber. Spitzenwerte in Ausdauersportarten liegen etwa beim Doppelten des Durchschnittswertes untrainierter Gleichaltriger. Frauen liegen im Mittel um etwa zehn bis 20 Prozent niedriger als Männer, was vor allem an Unterschieden bei Herzgröße, Hämoglobinmenge und Körperzusammensetzung liegt.

Mit dem Alter sinkt der Wert bei untrainierten Menschen im Mittel um mehrere Prozent pro Jahrzehnt, der Rückgang beschleunigt sich in höherem Alter. Ein erheblicher Teil dieses Verlusts geht allerdings nicht auf das Alter selbst zurück, sondern auf abnehmende körperliche Aktivität und zunehmendes Körpergewicht. Menschen, die über Jahrzehnte trainieren, verlieren langsamer.

Wichtiger als ein absoluter Zielwert ist die Frage, in welchem Bereich der Altersverteilung Du liegst. In den Studien zur Sterblichkeit ist der größte Unterschied nicht zwischen guten und sehr guten Werten zu finden, sondern zwischen dem untersten Fünftel und dem Rest. Der größte gesundheitliche Gewinn entsteht also dort, wo aus sehr geringer Fitness eine mittlere wird.

Welche VO2max-Werte gelten nach Alter und Geschlecht?

Weil der Wert mit dem Alter sinkt und zwischen Frauen und Männern systematisch verschieden ausfällt, ist eine einzelne Zielzahl wenig hilfreich. Sinnvoll ist der Vergleich mit Gleichaltrigen desselben Geschlechts. Die folgende Tabelle zeigt gängige Orientierungsbereiche in Millilitern pro Kilogramm Körpergewicht und Minute, wie sie in sportmedizinischen Referenzwerken verwendet werden. Die Grenzen unterscheiden sich je nach Quelle um einige Punkte, sie sind als Einordnung gedacht und nicht als Diagnose.

Alter Frauen: niedrig Frauen: durchschnittlich Frauen: gut Männer: niedrig Männer: durchschnittlich Männer: gut
20 bis 29 Jahre unter 30 30 bis 36 über 36 unter 38 38 bis 46 über 46
30 bis 39 Jahre unter 28 28 bis 34 über 34 unter 35 35 bis 42 über 42
40 bis 49 Jahre unter 25 25 bis 31 über 31 unter 32 32 bis 39 über 39
50 bis 59 Jahre unter 22 22 bis 28 über 28 unter 28 28 bis 35 über 35
60 bis 69 Jahre unter 20 20 bis 25 über 25 unter 25 25 bis 31 über 31

Angaben in ml/kg/min. Bereiche für untrainierte bis freizeitsportlich aktive Erwachsene. Ausdauersportlerinnen und Ausdauersportler liegen deutlich darüber.

Beim Lesen der Tabelle sind drei Dinge wichtig. Erstens beziehen sich die Werte auf eine Messung bis zur Ausbelastung oder auf eine gute Schätzung daraus. Der Wert Deiner Sportuhr kann davon abweichen, wie im Abschnitt zu den Smartwatches beschrieben. Zweitens sind die Unterschiede zwischen Frauen und Männern zum großen Teil durch Körperzusammensetzung, Herzgröße und Hämoglobinmenge erklärt und sagen nichts über Trainingsfleiß aus. Drittens gilt die wichtigste Grenze für die Gesundheit nicht zwischen „durchschnittlich“ und „gut“, sondern zwischen „niedrig“ und allem darüber. Wer im untersten Bereich seiner Altersgruppe liegt, hat in den großen Kohortenstudien das deutlich höhere Risiko, und genau dort bringt Training den größten Gewinn.

Für die Einordnung im Zeitverlauf ist eine zweite Perspektive nützlich. Bei körperlich inaktiven Menschen sinkt der Wert ab dem dritten Lebensjahrzehnt um grob zehn Prozent pro Jahrzehnt, nach dem 60. Lebensjahr schneller. Wer mit 40 Jahren bei einem durchschnittlichen Wert startet und nichts tut, rutscht statistisch mit Ende 60 in den unteren Bereich. Wer regelmäßig trainiert, hält den Rückgang etwa auf die Hälfte. Der Abstand zwischen beiden Verläufen ist im Alltag der Unterschied zwischen einer Treppe, die anstrengend ist, und einer Treppe, die man nicht bemerkt.

Warum gilt die VO2max als Marker für die Lebenserwartung?

Große Kohortenstudien, in denen Zehntausende Menschen mit Belastungstests untersucht und über Jahre nachverfolgt wurden, zeigen einen ausgeprägten Zusammenhang zwischen kardiorespiratorischer Fitness und Gesamtsterblichkeit. Der Zusammenhang bleibt bestehen, wenn für Alter, Geschlecht, Rauchen, Blutdruck, Blutfette und Diabetes gerechnet wird. Fachgesellschaften haben deshalb vorgeschlagen, die kardiorespiratorische Fitness als eigenständiges Vitalzeichen zu behandeln.

Ein Teil der Erklärung liegt darin, dass die VO2max viele Systeme gleichzeitig abbildet. Sie hängt vom Herzen ab, von den Gefäßen, vom Blut, von der Lunge, von der Muskulatur und vom Stoffwechsel. Ein hoher Wert setzt voraus, dass all diese Systeme funktionieren. Damit ist sie weniger ein isolierter Risikofaktor als ein zusammenfassendes Maß körperlicher Robustheit.

Bei aller Deutlichkeit bleiben es Beobachtungsdaten. Sie zeigen einen Zusammenhang und keinen Beweis, dass eine gezielte Steigerung des Wertes die Lebenszeit verlängert. Dass regelmäßiges Ausdauertraining Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugt, ist allerdings unabhängig davon gut belegt, sodass die praktische Schlussfolgerung dieselbe bleibt.

Wie verbesserst Du Deine VO2max?

Untrainierte Menschen erleben die größten Zuwächse, teils im zweistelligen Prozentbereich innerhalb weniger Monate. Je höher das Ausgangsniveau, desto kleiner werden die Fortschritte und desto gezielter muss trainiert werden.

Die Grundlage bildet ein ausreichender Umfang an Ausdauertraining in niedriger bis moderater Intensität. Dieser Bereich verbessert vor allem die peripheren Voraussetzungen, also Kapillarisierung und Mitochondrien in der Muskulatur, und lässt sich in großen Mengen absolvieren, ohne die Erholung zu überfordern. Wie dieser Bereich abgegrenzt wird und welche Rolle Herzfrequenzzonen und Laktatschwelle dabei spielen, ist auf einer eigenen Seite zum Zone-2-Training ausführlich beschrieben.

Für die zentrale Komponente, also die Pumpleistung des Herzens, braucht es zusätzlich Belastungen nahe der maximalen Sauerstoffaufnahme. Üblich sind Intervalle von wenigen Minuten in hoher Intensität mit dazwischenliegenden Erholungsphasen, ein- bis zweimal pro Woche. Die verbreitete Aufteilung, den überwiegenden Teil des Trainings sehr locker und einen kleinen Teil sehr hart zu gestalten, hat sich in der Trainingswissenschaft als günstig erwiesen und wird als polarisiertes Training bezeichnet.

Ergänzend wirken mehrere Faktoren. Ein niedrigerer Körperfettanteil verbessert den auf das Gewicht bezogenen Wert rechnerisch, ohne dass sich die absolute Leistungsfähigkeit ändern muss, weshalb eine Gewichtsabnahme nicht mit einer Trainingsanpassung verwechselt werden sollte. Krafttraining verbessert die Bewegungsökonomie und schützt die Muskulatur, ersetzt aber kein Ausdauertraining. Ein Eisenmangel begrenzt die Sauerstofftransportkapazität und sollte abgeklärt werden, wenn die Leistung trotz Training stagniert. Schlaf und Erholung entscheiden darüber, ob Trainingsreize überhaupt in Anpassung münden.

Wenn Du bisher nicht regelmäßig trainiert hast, älter als 40 Jahre bist oder Vorerkrankungen mitbringst, gehört vor den Start ein ärztlicher Check, insbesondere bevor Du hochintensive Intervalle aufnimmst.

VO2max

Wie verbesserst Du Deine VO2max im Alter?

Die gute Nachricht zuerst: Die Trainierbarkeit bleibt bis ins hohe Alter erhalten. Studien mit Menschen zwischen 60 und 80 Jahren zeigen nach einigen Monaten strukturierten Ausdauertrainings Zuwächse von zehn bis 20 Prozent, also in derselben Größenordnung wie bei Jüngeren. Was sich ändert, ist nicht die Fähigkeit zur Anpassung, sondern die Ausgangslage, die Erholungszeit und die Bedeutung der Sicherheit.

Der erste Schritt ist deshalb kein Trainingsplan, sondern ein ärztlicher Check. Ab dem mittleren Lebensalter, bei längerer Inaktivität oder bei Vorerkrankungen sollte vor dem Einstieg in intensives Training ein Belastungs-EKG oder eine Spiroergometrie stehen. Sie klärt, ob das Herz die Belastung verträgt, und liefert zugleich die Herzfrequenzbereiche, mit denen Du anschließend trainierst. Das ist wichtiger als jede Altersformel, weil die maximale Herzfrequenz im Alter individuell stark streut.

Die Struktur des Trainings unterscheidet sich im Kern nicht von der bei Jüngeren. Die Basis bilden drei bis vier Einheiten pro Woche in einer Intensität, bei der Du noch in ganzen Sätzen sprechen kannst, also im Bereich, der auf unserer Seite zum Zone-2-Training beschrieben ist. Zügiges Gehen, Radfahren, Schwimmen oder Ergometertraining sind dafür gleichermaßen geeignet, entscheidend ist die Gelenkschonung und die Regelmäßigkeit. Nach einigen Wochen Grundlage kommt ein- bis zweimal pro Woche ein Intervalltraining hinzu. Bewährt hat sich das Schema von vier Belastungen über je vier Minuten bei einer Intensität, bei der Sprechen nur noch in Bruchstücken möglich ist, mit jeweils drei Minuten lockerer Pause. Genau dieses Format ist in Studien mit älteren Teilnehmenden geprüft worden und hat sich bei ärztlicher Freigabe als sicher erwiesen.

Im Alter wird die Muskulatur zum limitierenden Faktor, und zwar auf zwei Wegen. Zum einen bestimmt die Muskelmasse, wie viel Sauerstoff überhaupt verwertet werden kann. Zum anderen entscheidet die Kraft in den Beinen darüber, ob Du das Ausdauertraining überhaupt in der nötigen Intensität durchhalten kannst. Der altersbedingte Muskelabbau, die Sarkopenie, und das Ausdauertraining hängen deshalb direkt zusammen: Wer die Beinmuskulatur verliert, verliert auch die Möglichkeit, das Herz-Kreislauf-System zu fordern. Zwei Krafteinheiten pro Woche gehören daher ab 50 zum Ausdauertraining dazu, nicht als Ergänzung, sondern als Voraussetzung. Wie ein solches Krafttraining aufgebaut wird, beschreibt unsere Seite zum Krafttraining ab 40.

Die Erholung braucht im Alter mehr Zeit. Zwischen zwei intensiven Einheiten sollten mindestens zwei Tage liegen, und ein Trainingsplan, der Woche für Woche steigert, braucht regelmäßig eine leichtere Woche. Anhaltende Müdigkeit, ein steigender Ruhepuls oder schlechter Schlaf sind Zeichen, dass die Belastung zu hoch ist. Ein sinkender Wert auf der Sportuhr in solchen Phasen ist kein Rückschritt im Training, sondern ein Hinweis auf fehlende Erholung.

Zuletzt der Blick auf das Ziel. Mit 65 Jahren geht es nicht darum, den Wert eines 30-Jährigen zu erreichen. Es geht darum, aus dem unteren Bereich der eigenen Altersgruppe herauszukommen oder den mittleren Bereich zu halten. Der Unterschied von fünf Millilitern pro Kilogramm und Minute, den ein halbes Jahr Training bringen kann, entspricht in den Kohortenstudien einer deutlich niedrigeren Sterblichkeit und im Alltag einer spürbar größeren Reserve für Treppen, Einkäufe und lange Spaziergänge. Das ist der eigentliche Grund, warum die VO2max in der Präventionsmedizin so viel Aufmerksamkeit bekommt.

Was sagt die VO2max über den Alltag aus?

Für Menschen, die keinen Wettkampf bestreiten, ist die entscheidende Größe nicht die Zahl selbst, sondern die Reserve, die sie beschreibt. Alltagstätigkeiten wie Treppensteigen, Gartenarbeit, Einkäufe tragen oder ein zügiger Spaziergang erfordern einen bestimmten Sauerstoffumsatz. Je höher Deine Obergrenze liegt, desto kleiner ist der Anteil, den eine solche Tätigkeit davon beansprucht, und desto weniger anstrengend fühlt sie sich an.

Mit dem Alter rückt diese Obergrenze näher an den Bedarf des Alltags heran. Unterschreitet sie eine bestimmte Schwelle, werden alltägliche Verrichtungen zur Belastungsgrenze, was der Beginn eines Kreislaufs aus weniger Bewegung, weiterem Fitnessverlust und zunehmender Einschränkung ist. Aus dieser Perspektive ist Ausdauertraining im mittleren Lebensalter weniger eine Frage sportlicher Ziele als eine Investition in die spätere Selbstständigkeit.

Ein zweiter Punkt betrifft die Belastbarkeit in Krankheitsphasen. Vor größeren Operationen wird die Ausdauerleistungsfähigkeit zunehmend als Maß für die Reserve herangezogen, mit der jemand einen Eingriff verkraftet. Programme, die Menschen in den Wochen vor einer geplanten Operation gezielt trainieren lassen, werden in mehreren Fachbereichen erprobt.

Was kostet eine Spiroergometrie im deutschsprachigen Raum?

In Deutschland ist die Spiroergometrie eine Kassenleistung, wenn eine medizinische Indikation vorliegt, etwa zur Abklärung von Luftnot unter Belastung, bei Herzinsuffizienz, vor bestimmten Operationen oder in der kardiologischen Rehabilitation. Als reine Leistungsdiagnostik ohne Beschwerden ist sie eine Selbstzahlerleistung und kostet üblicherweise einen Betrag im niedrigen dreistelligen Eurobereich, je nach Umfang der Auswertung und Beratung.

In Österreich gilt eine vergleichbare Systematik, die Untersuchung wird bei medizinischer Indikation über die Sozialversicherung abgerechnet, sportmedizinische Leistungsdiagnostik ist dagegen privat zu zahlen, ebenfalls meist im niedrigen dreistelligen Bereich. In der Schweiz übernimmt die Grundversicherung die Untersuchung bei ärztlicher Indikation unter Berücksichtigung von Franchise und Selbstbehalt, während Leistungsdiagnostik im sportmedizinischen Kontext privat abgerechnet wird, üblicherweise im niedrigen dreistelligen Frankenbereich.

Für die meisten Menschen ohne Beschwerden ist die entscheidende Frage nicht, ob eine Labormessung möglich ist, sondern was sich daraus ändern würde. Wer regelmäßig trainiert und den Verlauf über eine Uhr verfolgt, gewinnt durch eine einmalige Labormessung vor allem Genauigkeit und die Sicherheit einer ärztlichen Beurteilung. Wer nach Jahren der Inaktivität wieder einsteigt, gewinnt durch eine Untersuchung mit Elektrokardiogramm vor allem Sicherheit vor dem Beginn.

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Häufige Fragen

Kann ich meine VO2max ohne Gerät abschätzen?
Näherungsweise ja, etwa über die in zwölf Minuten gelaufene Strecke oder über die Zeit auf einer bekannten Distanz. Solche Formeln liefern grobe Anhaltspunkte und ersetzen keine Messung, eignen sich aber gut, um Fortschritte zu verfolgen.
Warum sinkt mein angezeigter Wert, obwohl ich regelmäßig trainiere?
Häufige Ursachen sind Hitze, Höhe, ein Infekt, unzureichende Erholung oder eine veränderte Trainingsstruktur mit weniger schnellen Einheiten. Auch ein Wechsel des Untergrunds oder ein neues Gerät kann die Schätzung verschieben.
Ist ein hoher Wert bei Übergewicht überhaupt möglich?
Der auf das Körpergewicht bezogene Wert fällt bei höherem Gewicht rechnerisch niedriger aus, die absolute Sauerstoffaufnahme kann dennoch gut sein. Für die gesundheitliche Einordnung wird üblicherweise der gewichtsbezogene Wert verwendet.
Wie lange dauert es, bis sich Training auswirkt?
Erste messbare Veränderungen zeigen sich meist nach sechs bis zwölf Wochen regelmäßigen Trainings. Wie groß der Zuwachs ausfällt, hängt stark vom Ausgangsniveau und von der Veranlagung ab.
Ist die VO2max genetisch festgelegt?
Sowohl das Ausgangsniveau als auch die Fähigkeit, auf Training anzusprechen, sind zu einem erheblichen Teil erblich. Trainierbar ist der Wert dennoch bei nahezu allen Menschen, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß.
Welcher VO2max-Wert ist mit 50 Jahren gut?
Für Männer zwischen 50 und 59 gilt ein Wert über 35 Millilitern pro Kilogramm und Minute als gut, für Frauen ein Wert über 28. Als niedrig gelten Werte unter 28 beziehungsweise unter 22. Die Bereiche sind Orientierungen aus sportmedizinischen Tabellen und unterscheiden sich je nach Quelle leicht.
Kann ich meine VO2max mit 60 noch verbessern?
Ja. Die Anpassungsfähigkeit an Ausdauertraining bleibt bis ins hohe Alter erhalten, Zuwächse von zehn bis 20 Prozent innerhalb weniger Monate sind in Studien mit älteren Menschen dokumentiert. Voraussetzung ist ein ärztlicher Check vor dem Einstieg und ein Aufbau, der mit Grundlagentraining beginnt und Intervalle erst nach einigen Wochen hinzunimmt.
Welche Herzfrequenz brauche ich für VO2max-Training?
Intervalle, die die maximale Sauerstoffaufnahme gezielt ansprechen, liegen bei etwa 90 bis 95 Prozent der maximalen Herzfrequenz. Weil die Altersformel für die maximale Herzfrequenz oft ungenau ist, sollten die Bereiche besser aus einem Belastungstest stammen. Als Faustregel gilt: In der Belastung sind nur noch einzelne Worte möglich, in der Pause solltest Du wieder ganze Sätze sprechen können.
Redaktionelle Verantwortung

Dieser Beitrag wurde von der internen MOOCI-Redaktion erstellt, inhaltlich geprüft und freigegeben. Bei der Recherche und Aufbereitung setzen wir auch KI-gestützte Werkzeuge ein; jeder Text wird vor der Veröffentlichung von unserer Redaktion fachlich gegengelesen. Die redaktionelle Verantwortung trägt Nadja Sukalia, Content Managerin bei MOOCI. Die medizinische Prüfung erfolgt durch Ärztinnen und Ärzte aus unserem Fachnetzwerk.

Dr. Benjamin Gehl

Dr. Benjamin Gehl

Facharzt für plastische, ästhetische & rekonstruktive Chirurgie

Als Facharzt für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie liegt die Leidenschaft von Dr. Gehl schon immer im Bereich der medizinischen Contentproduktion. Aufgrund seiner Ausbildung, einer langjährigen Einsatzzeit in der rekonstruktiven und plastischen Chirurgie, sowie zahlreichen Auslandseinsätzen in Indien, Afrika und Amerika weiß er, welche Techniken und Behandlungen für medizinische Indikationen international Anwendung finden und State of the art sind. Weiterhin beschäftigt er sich täglich mit neuen Trends und Techniken in der operativen und nicht-operativen Chirurgie. Fortbildungen sowie Studien zählen genauso zu seiner Leidenschaft wie die Veröffentlichung wissenschaftlicher Arbeiten zu den neuesten fachspezifischen Themen.

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