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Liquid Biopsy KI-generiertes Bild

Liquid Biopsy

Liquid Biopsy sucht Tumorspuren im Blut: etabliert in der Krebstherapie, umstritten als Früherkennung bei Gesunden.

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Ein einziger Bluttest, der Krebs erkennt, bevor er Beschwerden macht: Dieses Versprechen taucht seit einigen Jahren in Nachrichten, in Werbung und in Gesprächen über Longevity auf. Dahinter steht ein Verfahren, das in der Krebsmedizin tatsächlich viel verändert hat. Es heißt Liquid Biopsy, auf Deutsch flüssige Biopsie, und sucht im Blut nach Spuren, die ein Tumor hinterlässt.

Die Sache hat allerdings zwei Seiten, die Du auseinanderhalten solltest. Bei Menschen, die bereits an Krebs erkrankt sind, liefert die Analyse von Tumor-DNA im Blut heute wertvolle Informationen für die Behandlung. Bei gesunden Menschen, die sich vorsorglich testen lassen möchten, sieht die Datenlage deutlich zurückhaltender aus. Diese Seite erklärt Dir, wie das Verfahren funktioniert, was die Studien zeigen, wer davon profitieren könnte und warum die klassischen Vorsorgeuntersuchungen weiterhin an erster Stelle stehen.

Liquid Biopsy KI-generiertes Bild

Das Wichtigste in Kürze

Liquid Biopsy analysiert Tumorspuren im Blut, vor allem zirkulierende Tumor-DNA, zirkulierende Tumorzellen und Methylierungsmuster. In der Onkologie ist das Verfahren bei mehreren Tumorarten etabliert, um Therapien zu steuern und Rückfälle früh zu erkennen.

Als Früherkennung bei Gesunden erkennen Multi-Cancer-Tests frühe Stadien nur selten, und positive Befunde sind oft falsch. Ein solcher Test ist im deutschsprachigen Raum eine Selbstzahlerleistung und ersetzt keine der bewährten Vorsorgeuntersuchungen.

Was ist eine Liquid Biopsy?

Bei einer klassischen Biopsie entnimmt Dein Arzt ein Stück Gewebe aus einem verdächtigen Bereich, das anschließend unter dem Mikroskop und molekular untersucht wird. Eine Liquid Biopsy ersetzt die Gewebeprobe durch eine Blutprobe. Der Gedanke dahinter ist einfach: Tumorzellen sterben ab, teilen sich oder lösen sich aus dem Gewebeverband, und dabei gelangen Bruchstücke ihres Erbguts sowie ganze Zellen in den Blutkreislauf. Wer diese Spuren aufspürt und auswertet, erfährt etwas über den Tumor, ohne ihn direkt anzustechen.

Der Begriff ist ein Sammelbegriff. Gemeint ist nicht ein einzelner Test, sondern eine Gruppe von Verfahren, die sich in dem unterscheiden, wonach sie im Blut suchen. Manche Labore analysieren außerdem andere Körperflüssigkeiten wie Urin, Speichel oder Nervenwasser. Für die Fragen der Krebsvorsorge und Therapiesteuerung steht aber fast immer das Blut im Mittelpunkt, genauer gesagt das Blutplasma, also der flüssige Anteil ohne Blutzellen.

Ein wichtiger Punkt vorweg: Die Analyse ist technisch anspruchsvoll. Die Spuren eines Tumors machen oft nur einen winzigen Bruchteil der gesamten im Blut zirkulierenden Erbsubstanz aus. Der Rest stammt aus normalen Körperzellen, vor allem aus Blutzellen, die laufend erneuert werden. Die Labore müssen also die Nadel im Heuhaufen finden, und wie gut das gelingt, hängt stark von der Tumorgröße und der Tumorart ab.

Wonach wird im Blut gesucht?

Die häufigste Zielgröße ist die zirkulierende Tumor-DNA, abgekürzt ctDNA. Jeder Mensch hat eine gewisse Menge zellfreier DNA im Blut, sogenannte cfDNA, die aus absterbenden Zellen stammt. Bei einer Krebserkrankung mischt sich darunter Erbgut aus Tumorzellen. Dieses trägt die typischen Veränderungen des Tumors, also Mutationen, die in gesunden Zellen nicht vorkommen. Mit hochempfindlichen Sequenzierverfahren lässt sich dieser Anteil nachweisen und auf bekannte Treibermutationen untersuchen. Der Anteil der Tumor-DNA an der gesamten zellfreien DNA wird als Tumorfraktion bezeichnet und liegt bei kleinen Tumoren oft weit unter einem Prozent.

Die zweite Zielgröße sind zirkulierende Tumorzellen, kurz CTCs. Das sind ganze Zellen, die sich aus dem Tumor gelöst haben und mit dem Blut transportiert werden. Sie sind noch seltener als Tumor-DNA, weshalb spezielle Anreicherungsverfahren notwendig sind. Ihr Vorteil: Weil es sich um vollständige Zellen handelt, können auch Eiweiße auf der Zelloberfläche untersucht werden, die für bestimmte Therapien bedeutsam sind. Die Zahl der zirkulierenden Tumorzellen gibt bei manchen Krebsarten zudem Hinweise auf den Verlauf der Erkrankung.

Die dritte Zielgröße sind Methylierungsmuster. Methylgruppen sind kleine chemische Anhängsel am Erbgut, die steuern, welche Gene in einer Zelle aktiv sind. Jedes Gewebe hat sein eigenes charakteristisches Muster, und Tumorzellen zeigen wiederum ein verändertes Muster. Tests, die auf Methylierung setzen, erkennen deshalb nicht nur, dass Tumor-DNA vorhanden ist, sondern können oft auch abschätzen, aus welchem Organ sie stammt. Genau dieser Ansatz liegt den meisten Multi-Cancer-Früherkennungstests zugrunde, die derzeit diskutiert werden.

Wo ist die Liquid Biopsy in der Krebsmedizin bereits etabliert?

Bei Menschen mit einer bekannten Krebserkrankung gehört die Untersuchung von Tumor-DNA im Blut heute bei mehreren Tumorarten zur Routine. Der Grund liegt in der sogenannten Präzisionsmedizin. Viele moderne Krebsmedikamente wirken nur, wenn der Tumor eine bestimmte Mutation trägt. Diese Mutation muss vor Beginn der Behandlung nachgewiesen werden. Klassisch geschieht das am Gewebe. Wenn aber kein Gewebe entnommen werden kann, etwa weil der Tumor an einer schwer zugänglichen Stelle sitzt oder eine erneute Biopsie zu belastend wäre, kann die Analyse aus dem Blut die Lücke schließen. Beim Lungenkrebs ist das seit Jahren ein anerkannter Weg, um die passende zielgerichtete Therapie auszuwählen.

Der zweite große Einsatzbereich ist die Therapiesteuerung im Verlauf. Tumoren verändern sich unter Behandlung. Manche entwickeln neue Mutationen, die das Medikament unwirksam machen. Solche Resistenzmutationen lassen sich im Blut oft erkennen, bevor der Tumor in der Bildgebung wieder wächst. Dein behandelndes Team kann die Therapie dann anpassen, ohne auf eine erneute Gewebeentnahme zu warten. Bei Brustkrebs, Darmkrebs, Prostatakrebs und Lungenkrebs gibt es dafür inzwischen definierte Mutationen, deren Nachweis im Blut die Wahl eines bestimmten Medikaments begründet.

Der dritte Bereich ist die Rezidivüberwachung nach einer Operation. Wenn ein Tumor vollständig entfernt wurde, bleibt manchmal eine winzige Resterkrankung zurück, die kein bildgebendes Verfahren zeigt. Studien deuten darauf hin, dass ein Nachweis von Tumor-DNA im Blut nach der Operation ein starker Hinweis auf ein späteres Wiederauftreten ist, teils Monate vor dem Nachweis im CT. Beim Darmkrebs wird derzeit in großen Studien geprüft, ob sich anhand dieses Ergebnisses entscheiden lässt, wer eine Chemotherapie nach der Operation braucht und wer darauf verzichten kann. Erste Daten sind vielversprechend, endgültige Behandlungsempfehlungen stehen aber noch aus.

Diese Anwendungen haben eines gemeinsam: Es ist bereits bekannt, dass ein Tumor vorhanden ist oder war. Das Labor weiß, wonach es suchen muss. Das erleichtert den Nachweis enorm und ist der zentrale Unterschied zur Früherkennung bei Gesunden.

Kann eine Liquid Biopsy Krebs bei gesunden Menschen früh erkennen?

Genau hier setzt die Idee der Multi-Cancer-Früherkennung an, im Englischen Multi-Cancer Early Detection, abgekürzt MCED. Ein einziger Bluttest soll Dutzende Krebsarten gleichzeitig erfassen, darunter viele, für die es bislang gar kein Vorsorgeprogramm gibt, etwa Bauchspeicheldrüsen-, Eierstock- oder Leberkrebs. Die Tests analysieren meist Methylierungsmuster der zellfreien DNA und berechnen daraus, ob ein Tumorsignal vorliegt und aus welchem Organ es voraussichtlich stammt.

Das Konzept ist verlockend, weil viele Krebsarten erst in fortgeschrittenen Stadien Beschwerden machen und dann schwer behandelbar sind. Die entscheidende Frage lautet jedoch, ob ein solcher Test Tumoren tatsächlich in einem Stadium findet, in dem eine Behandlung noch etwas ändert. Und ob die Zahl der falschen Alarme in einem vertretbaren Verhältnis zum Nutzen steht. Beide Fragen sind nach heutigem Wissensstand nicht abschließend beantwortet.

Ein grundsätzliches Problem lässt sich aus der Biologie ableiten: Kleine, frühe Tumoren geben nur sehr wenig DNA ins Blut ab. Je früher das Stadium, desto geringer ist die Chance, dass genügend Tumor-DNA für einen Nachweis vorhanden ist. Ausgerechnet dort, wo Früherkennung den größten Nutzen hätte, ist der Test am unempfindlichsten. Das ist keine Schwäche einzelner Anbieter, sondern eine Eigenschaft der Methode.

Was zeigen die Studien zur Multi-Cancer-Früherkennung?

Die Kennzahl, die bei Früherkennungstests zuerst interessiert, ist die Sensitivität: Wie viele der tatsächlich vorhandenen Krebserkrankungen erkennt der Test? In den Validierungsstudien der derzeit am weitesten entwickelten Multi-Cancer-Tests lag die Sensitivität über alle Stadien hinweg bei etwa 50 Prozent. Aufgeschlüsselt nach Stadium sieht das Bild anders aus: Im Stadium I wurden nur rund 17 Prozent der Tumoren erkannt, im Stadium II etwa 40 Prozent, im Stadium III rund 77 Prozent und im Stadium IV etwa 90 Prozent. Die hohe Gesamtzahl entsteht also vor allem durch fortgeschrittene Erkrankungen, die häufig auch anderweitig aufgefallen wären. Diese Werte stammen zudem aus Studien, in denen bereits diagnostizierte Krebserkrankte mit Gesunden verglichen wurden, was die Leistung eines Tests in der Regel überschätzt.

Die zweite wichtige Kennzahl ist die Spezifität: Wie viele Gesunde erhalten korrekt ein unauffälliges Ergebnis? Hier schneiden die Tests mit über 99 Prozent gut ab. Das klingt beruhigend, muss aber zusammen mit der Häufigkeit von Krebs in der getesteten Gruppe gelesen werden. Wenn in einer Gruppe von 1.000 beschwerdefreien Menschen mittleren Alters etwa fünf bis zehn eine unentdeckte Krebserkrankung haben, dann erkennt der Test vielleicht drei bis fünf davon, erzeugt aber gleichzeitig fünf bis zehn falsch-positive Befunde bei Gesunden. Das Verhältnis ist mit der Bedeutung des positiven Vorhersagewerts beschrieben: der Anteil der positiven Testergebnisse, hinter denen wirklich Krebs steckt.

Eine US-amerikanische Studie mit rund 6.600 Teilnehmenden ab 50 Jahren hat genau diese Frage im Praxisalltag untersucht. Etwa ein Prozent der Getesteten erhielt ein Krebssignal. Bei rund 38 Prozent dieser Personen wurde anschließend tatsächlich eine Krebserkrankung gefunden, bei den übrigen 62 Prozent nicht. Der positive Vorhersagewert lag also deutlich unter der Hälfte. Wer ein Krebssignal ohne bestätigte Erkrankung erhielt, durchlief im Schnitt mehrere Monate an Bildgebung, teils auch invasive Eingriffe, bis der Verdacht ausgeräumt war. Etwa ein Drittel der falsch-positiven Befunde erhielt eine Untersuchung mit Eingriff.

Die größte Untersuchung zu diesem Thema läuft in Großbritannien: eine große britische Studie mit rund 140.000 Teilnehmenden im staatlichen Gesundheitssystem, die zufällig auf eine Testgruppe und eine Kontrollgruppe verteilt wurden. Sie soll klären, ob der Bluttest die Zahl der spät entdeckten Krebserkrankungen senkt. Erste Ergebnisse aus dem Jahr 2024 wurden vom Gesundheitssystem als nicht überzeugend genug bewertet, um den Test breit einzuführen. Vollständige Daten zur zentralen Frage, ob durch den Test weniger Menschen an Krebs sterben, werden erst in den kommenden Jahren erwartet. Bis dahin fehlt der wichtigste Beleg, den ein Früherkennungstest liefern muss.

Warum ist ein positives Ergebnis nicht gleich Krebs?

Wenn Du einen Test mit einem Krebssignal in der Hand hältst, beginnt in der Regel eine Kaskade an weiteren Untersuchungen. Der Test nennt ein wahrscheinliches Ursprungsorgan, und dieses wird zuerst untersucht, meist per CT, MRT oder Endoskopie. Findet sich dort nichts, folgen weitere Organe. In einem Teil der Fälle bleibt am Ende gar kein Tumor. Das Signal kann durch gutartige Veränderungen, Entzündungen oder eine altersbedingte Veränderung der blutbildenden Zellen entstehen, die sogenannte klonale Hämatopoese, bei der Blutstammzellen Mutationen tragen, ohne dass eine Leukämie vorliegt.

Neben den falsch-positiven Befunden gibt es das Problem der Überdiagnose. Damit ist die Entdeckung eines echten Tumors gemeint, der ohne den Test nie Beschwerden verursacht hätte, weil er sehr langsam wächst oder der Mensch an etwas anderem gestorben wäre. Beim Prostatakrebs und beim Schilddrüsenkrebs ist dieses Phänomen aus klassischen Screenings gut belegt. Bei Multi-Cancer-Tests ist noch nicht klar, wie hoch der Anteil solcher Diagnosen ist. Jede Überdiagnose bedeutet aber eine Behandlung mit Nebenwirkungen ohne Überlebensvorteil.

Umgekehrt kann ein unauffälliges Ergebnis falsche Sicherheit vermitteln. Wer im Stadium I nur in einem von sechs Fällen erkannt wird, hat nach einem negativen Test keineswegs die Gewissheit, gesund zu sein. Es gibt Hinweise aus Befragungen, dass Menschen nach einem negativen Bluttest andere Vorsorgeuntersuchungen aufschieben. Genau das wäre ein Schaden, der den möglichen Nutzen des Tests übersteigt.

Für wen könnte eine Liquid Biopsy zur Früherkennung in Frage kommen?

Je höher Dein persönliches Krebsrisiko, desto eher verschiebt sich das Verhältnis zugunsten des Tests. Das liegt an der Mathematik des positiven Vorhersagewerts: In einer Gruppe mit vielen Erkrankten ist ein positives Signal häufiger echt. Menschen mit einer nachgewiesenen erblichen Tumorveranlagung, etwa Mutationen in Brustkrebs-Genen oder ein Lynch-Syndrom, tragen ein deutlich erhöhtes Risiko für mehrere Krebsarten gleichzeitig. Für sie werden ergänzende Bluttests in Studien untersucht, allerdings zusätzlich zu den engmaschigen Vorsorgeprogrammen, die für diese Gruppen ohnehin vorgesehen sind, und nicht als Ersatz.

Auch Menschen mit einer ausgeprägten familiären Vorbelastung ohne bekannte Genmutation, mit einer früheren Krebserkrankung oder mit bestimmten Vorerkrankungen wie einer Leberzirrhose gehören zu den Gruppen, bei denen eine Diskussion über zusätzliche Verfahren nachvollziehbar ist. Wichtig ist, dass diese Entscheidung mit einer Ärztin oder einem Arzt getroffen wird, die den Befund einordnen und die Abklärung organisieren können.

Für Menschen ohne besondere Risikofaktoren gibt es nach aktuellem Wissensstand keine Grundlage für eine Empfehlung. Die Fachgesellschaften in Deutschland, Österreich und der Schweiz raten von einem breiten Einsatz außerhalb von Studien ab. Wenn Du dennoch einen Test in Erwägung ziehst, solltest Du das Ergebnis als das nehmen, was es ist: ein statistisches Signal, das weitere Untersuchungen auslöst, keine Diagnose und keine Entwarnung.

Wie verhält sich Liquid Biopsy zu den etablierten Krebsvorsorgeuntersuchungen?

Die bewährten Screenings haben etwas, das kein Multi-Cancer-Test bisher vorweisen kann: den Nachweis, dass sie Krebstodesfälle verhindern. Die Darmspiegelung findet Vorstufen, die entfernt werden, bevor daraus Krebs entsteht. Die Mammographie erkennt Brustkrebs in Stadien, in denen die Heilungschancen hoch sind. Das Hautkrebs-Screening entdeckt verdächtige Muttermale, die ein Bluttest gar nicht erfassen kann, weil frühe Hauttumoren kaum DNA ins Blut abgeben. Der Abstrich zur Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge und die Testung auf humane Papillomviren haben die Sterblichkeit an dieser Krebsart drastisch gesenkt.

Ein Bluttest kann diese Untersuchungen nicht ersetzen. Er könnte sie in Zukunft ergänzen, vor allem bei Krebsarten, für die es kein Screening gibt. Ob das gelingt, hängt von den laufenden Studien ab. Bis dahin gilt die Reihenfolge: Zuerst die Programme mit belegtem Nutzen wahrnehmen, dann über Ergänzungen sprechen.

In Deutschland umfasst das gesetzliche Krebsfrüherkennungsprogramm unter anderem die Darmkrebsvorsorge ab 50 Jahren, das Mammographie-Screening zwischen 50 und 75 Jahren, das Hautkrebs-Screening ab 35 Jahren sowie die Untersuchungen auf Gebärmutterhals- und Prostatakrebs. In Österreich stehen Dir mit der e-card die jährliche Vorsorgeuntersuchung ab 18 Jahren, das Brustkrebs-Früherkennungsprogramm und die Darmspiegelung ab 45 Jahren offen. In der Schweiz übernimmt die Grundversicherung je nach Kanton das Mammographie-Screening und die Darmkrebsvorsorge ab 50 Jahren, abzüglich Franchise und Selbstbehalt.

Was kostet eine Liquid Biopsy und wer zahlt sie?

Für Menschen mit einer Krebserkrankung ist die Situation klar geregelt. Wenn eine Mutationsanalyse aus dem Blut für die Therapieentscheidung notwendig ist, übernehmen die gesetzlichen und privaten Kassen in Deutschland, die Sozialversicherung in Österreich und die Grundversicherung in der Schweiz die Kosten, sofern das Verfahren für die jeweilige Fragestellung anerkannt ist. Dein onkologisches Team stellt die Indikation und veranlasst die Untersuchung in einem spezialisierten Labor.

Als Früherkennung bei Beschwerdefreiheit ist ein Multi-Cancer-Test in allen drei Ländern eine reine Selbstzahlerleistung. Die Preise liegen je nach Anbieter, Umfang der Analyse und ärztlicher Begleitung meist zwischen etwa 900 und 1.500 Euro pro Test, in der Schweiz entsprechend in Franken etwas höher. Hinzu kommen die Kosten der Abklärung bei einem positiven Signal. Bildgebung und Endoskopie werden dann in der Regel als Kassenleistung abgerechnet, weil ein Verdacht besteht, was das Gesundheitssystem mit Kosten belastet, die durch einen privat gekauften Test ausgelöst wurden. Private Krankenversicherungen in Deutschland und Zusatzversicherungen in Österreich und der Schweiz erstatten solche Tests bisher nur in Ausnahmefällen.

Manche Tests verlangen, dass die Probe ins Ausland versandt wird. Erbgutdaten sind besonders schützenswert, deshalb solltest Du vor der Einsendung wissen, wer die Daten speichert, wie lange und zu welchem Zweck.

Wie ist die Rechtslage und warum gehört der Test in ärztliche Hände?

Eine Liquid Biopsy untersucht Erbgut, allerdings nicht Dein vererbtes Erbgut, sondern erworbene Veränderungen in Tumorzellen. Deshalb fällt sie in Deutschland in der Regel nicht unter das Gendiagnostikgesetz, das für Untersuchungen auf angeborene genetische Eigenschaften gilt. Ähnlich ist die Lage beim österreichischen Gentechnikgesetz und beim Schweizer Bundesgesetz über genetische Untersuchungen beim Menschen. Sobald ein Test aber auch Aussagen über vererbte Risikogene trifft, greifen diese Gesetze mit ihrer Pflicht zur ärztlichen Aufklärung und Beratung. Für Dich bedeutet das: Frage vorher, was genau analysiert wird.

Unabhängig von der gesetzlichen Pflicht ist die ärztliche Begleitung aus medizinischen Gründen unverzichtbar. Ein Krebssignal ohne Plan löst Angst aus und führt zu ungeordneten Untersuchungen. Eine Ärztin oder ein Arzt kann vorab Deine Risikosituation einschätzen, mit Dir besprechen, ob der Test überhaupt sinnvoll ist, und bei einem positiven Ergebnis die Abklärung in der richtigen Reihenfolge organisieren. In der Schweiz und in Österreich sind Tests, die auf Krankheitsrisiken schließen lassen, ohnehin nur über Ärztinnen und Ärzte zugänglich. In Deutschland verlangen die seriösen Anbieter ebenfalls eine ärztliche Anforderung.

Welche Rolle spielt Liquid Biopsy in der Longevity-Medizin?

In der Präventionsmedizin wird Krebsfrüherkennung zunehmend als Teil eines Gesamtkonzepts betrachtet, das Herz-Kreislauf-Risiko, Stoffwechsel, Muskelmasse und Krebsrisiko gemeinsam betrachtet. Multi-Cancer-Tests passen auf den ersten Blick gut in dieses Bild, weil sie viele Krebsarten mit einer einzigen Blutabnahme abdecken. Auf den zweiten Blick zeigt sich, dass die Evidenz für die klassischen Bausteine deutlich stärker ist. Ein Lipidprofil, ein Blutdruckwert, eine Darmspiegelung und ein Hautkrebs-Screening sind mit Überlebensdaten belegt. Ein Multi-Cancer-Test ist es noch nicht.

Sinnvoll eingesetzt kann eine Liquid Biopsy in einem präventiven Programm eine Rolle spielen, wenn drei Bedingungen erfüllt sind. Erstens hast Du die bewährten Vorsorgeuntersuchungen wahrgenommen. Zweitens besteht ein erhöhtes Risiko, das den Test rechtfertigt. Drittens ist eine Ärztin oder ein Arzt eingebunden, die das Ergebnis einordnen und die weitere Abklärung übernehmen. Wo eine dieser Bedingungen fehlt, ist der Test eher ein Ausdruck von Sorge als ein Baustein von Vorsorge.

Was Du tatsächlich beeinflussen kannst, liegt oft näher: Nichtrauchen, Normalgewicht, wenig Alkohol, Bewegung, Sonnenschutz und die Impfung gegen humane Papillomviren senken das Krebsrisiko. Ein Bluttest ändert an Deinem Risiko nichts, er kann es nur beschreiben.

Wie läuft die Untersuchung ab, wenn Du Dich dafür entscheidest?

Der Ablauf beginnt mit einem Gespräch, in dem Deine persönliche und familiäre Vorgeschichte, bisherige Vorsorgeuntersuchungen und Deine Erwartungen geklärt werden. Dabei sollte auch besprochen werden, wie Du mit einem positiven Signal umgehen würdest und welche Untersuchungen dann anstehen. Anschließend wird Blut aus der Armvene entnommen, meist zwei bis drei Röhrchen. Eine besondere Vorbereitung ist nicht nötig, allerdings sollte die Probe innerhalb kurzer Zeit verarbeitet werden, weil sich die zellfreie DNA nach der Abnahme verändert.

Im Labor wird das Plasma abgetrennt und die zellfreie DNA isoliert. Die Analyse mit Sequenzierverfahren und die Auswertung durch Rechenmodelle dauert je nach Test zwei bis vier Wochen. Das Ergebnis erhältst Du über die anfordernde Praxis, nicht direkt vom Labor. Bei einem Krebssignal folgt die gezielte Abklärung des genannten Ursprungsorgans. Ist der Befund unauffällig, bleibt der Hinweis bestehen, dass frühe Tumoren häufig übersehen werden und die regulären Vorsorgetermine unverändert gelten.

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Häufige Fragen

Gibt es Alternativen zu den amerikanischen Multi-Cancer-Bluttests?
Ja, allerdings keine, die grundsätzlich bessere Daten hätte. Mehrere Labore in Europa und Asien entwickeln eigene Tests auf Basis von Methylierungsmustern, Fragmentmustern der zellfreien DNA oder Eiweißmarkern, teils für einzelne Krebsarten wie Darm- oder Leberkrebs. Für einzelne dieser Tests laufen Zulassungsstudien in Europa. Die belastbarste Alternative bleibt derzeit die Kombination aus den etablierten Screenings und, bei erhöhtem Risiko, gezielten Untersuchungen wie einer MRT. Lass Dich zu den Optionen von einer Ärztin oder einem Arzt beraten, die Deine Risikosituation kennen.
Wie zuverlässig ist ein negatives Ergebnis?
Ein unauffälliger Test schließt Krebs nicht aus. In frühen Stadien werden nach den Validierungsstudien nur etwa ein Sechstel bis zwei Fünftel der Tumoren erkannt. Ein negatives Ergebnis sagt also vor allem, dass zum Zeitpunkt der Abnahme keine nachweisbare Menge an Tumor-DNA im Blut war. Die regulären Vorsorgeuntersuchungen bleiben davon unberührt und sollten wahrgenommen werden.
Kann eine Liquid Biopsy die Gewebebiopsie ersetzen?
In der Therapie bei bekannter Krebserkrankung kann sie eine Gewebeprobe in bestimmten Situationen ersetzen, etwa wenn eine Entnahme zu riskant ist oder eine Resistenzmutation gesucht wird. Für die Erstdiagnose bleibt die Gewebeuntersuchung der Standard, weil nur sie den Tumortyp sicher bestimmt. Bei einem negativen Blutbefund wird häufig zusätzlich Gewebe untersucht, weil die Tumor-DNA im Blut fehlen kann.
Wie oft müsste man einen solchen Test wiederholen?
Die Hersteller schlagen meist jährliche Wiederholungen vor, weil ein einzelner Test nur eine Momentaufnahme liefert. Ob dieser Rhythmus sinnvoll ist, wurde bisher nicht in Studien mit Überlebensdaten belegt. Mit jeder Wiederholung steigt außerdem die Wahrscheinlichkeit, irgendwann ein falsch-positives Signal zu erhalten. Wer sich für den Test entscheidet, sollte diesen Punkt vorher mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen.
Ab welchem Alter wird ein solcher Test überhaupt diskutiert?
Die vorliegenden Studien haben überwiegend Menschen ab 50 Jahren eingeschlossen, weil das Krebsrisiko mit dem Alter steigt und der positive Vorhersagewert dann günstiger ausfällt. Bei jüngeren Menschen ohne Risikofaktoren ist die Wahrscheinlichkeit eines falschen Alarms im Verhältnis zu einer echten Erkrankung besonders hoch. Ausnahmen sind erbliche Tumorsyndrome, bei denen die Vorsorge ohnehin früher beginnt und ärztlich gesteuert wird.
Redaktionelle Verantwortung

Dieser Beitrag wurde von der internen MOOCI-Redaktion erstellt, inhaltlich geprüft und freigegeben. Bei der Recherche und Aufbereitung setzen wir auch KI-gestützte Werkzeuge ein; jeder Text wird vor der Veröffentlichung von unserer Redaktion fachlich gegengelesen. Die redaktionelle Verantwortung trägt Nadja Sukalia, Content Managerin bei MOOCI. Die medizinische Prüfung erfolgt durch Ärztinnen und Ärzte aus unserem Fachnetzwerk.

Dr. Benjamin Gehl

Dr. Benjamin Gehl

Facharzt für plastische, ästhetische & rekonstruktive Chirurgie

Als Facharzt für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie liegt die Leidenschaft von Dr. Gehl schon immer im Bereich der medizinischen Contentproduktion. Aufgrund seiner Ausbildung, einer langjährigen Einsatzzeit in der rekonstruktiven und plastischen Chirurgie, sowie zahlreichen Auslandseinsätzen in Indien, Afrika und Amerika weiß er, welche Techniken und Behandlungen für medizinische Indikationen international Anwendung finden und State of the art sind. Weiterhin beschäftigt er sich täglich mit neuen Trends und Techniken in der operativen und nicht-operativen Chirurgie. Fortbildungen sowie Studien zählen genauso zu seiner Leidenschaft wie die Veröffentlichung wissenschaftlicher Arbeiten zu den neuesten fachspezifischen Themen.

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