Warum die Beine nach der Fettabsaugung dicker als vorher wirken
Diese Beobachtung machen viele Operierte, meist zwischen dem sechsten und zwölften Monat, und sie fühlen sich damit oft nicht ernst genommen. Es gibt vier Erklärungen, die Du der Reihe nach prüfen solltest. Die erste ist die Schwellung. An den Beinen muss das Gewebewasser gegen die Schwerkraft abtransportiert werden, deshalb hält sie hier am längsten an. Bis zu sechs Monate nach dem Eingriff können die Oberschenkel abends messbar dicker sein als morgens, und in dieser Phase ist das Bein tatsächlich umfangreicher als ohne Operation.
Die zweite Erklärung ist das Gewicht. Der Körper verteidigt seine Fettmasse. In einer randomisierten Studie hatten Operierte nach einem Jahr wieder dieselbe Gesamtfettmasse wie die Vergleichsgruppe, das Fett saß nur an anderen Stellen, bevorzugt im Bauchraum und in nicht abgesaugten Zonen. Eine weitere Untersuchung zeigte, dass das Bauchfett ohne Training rund sechs Monate nach der Absaugung um etwa 10 % zunahm, während regelmäßiges Ausdauer- und Krafttraining diesen Effekt verhinderte. Drei Kilogramm mehr sitzen dann eventuell an den Innenknien, am Gesäß oder direkt oberhalb der abgesaugten Zone, und der Kontrast lässt das Bein dicker wirken.
Die dritte Erklärung ist ein Lipödem, eine schmerzhafte, symmetrische Fettverteilungsstörung mit Wassereinlagerung. Eine rein ästhetische Absaugung behandelt sie nicht, und die Beine können sich danach sogar praller anfühlen. Wenn Deine Beine druckempfindlich sind, leicht blaue Flecken bekommen und trotz Diät nicht schlanker werden, lass das nach der aktuellen Leitlinie abklären. Die vierte Erklärung ist eine echte Konturunregelmäßigkeit. In einer Meta-Analyse mit 29.368 Patient:innen traten Dellen, Wellen und Asymmetrien bei etwa 2,4 % auf, bei klassischer Absaugung bis 3,4 %.
Was Du jetzt tun kannst
Nach acht Monaten bist Du an dem Punkt, an dem sich das Ergebnis beurteilen lässt. Das Endergebnis gilt nach Angaben der Fachgesellschaften ab sechs bis neun Monaten als stabil, an den Beinen manchmal etwas später. Mach Fotos im Stehen, bei gleichem Licht und gleicher Haltung, von vorn, von der Seite und von hinten, und leg sie neben die Aufnahmen von vor dem Eingriff. Miss den Oberschenkelumfang an einer markierten Stelle morgens und abends. Wieg Dich und vergleiche mit dem Gewicht vor der Operation.
Mit diesen Unterlagen gehst Du zum Erst-Operateur. Eine wellige Innenseite bei schlaffer Haut ist keine Komplikation, sondern die Folge einer Haut, die nicht mehr ausreichend schrumpft, das hätte vorher besprochen gehört. Eine umschriebene Einziehung dagegen lässt sich behandeln, meist mit Eigenfett unterfüttert und mit einer feinen Kanüle angeglichen. Eine Nachkorrektur sollte frühestens sechs, besser zwölf Monate nach dem Ersteingriff stattfinden. Wenn Du dem Gespräch nicht traust, hol eine Zweitmeinung bei einer Fachärztin oder einem Facharzt für Plastische Chirurgie ohne Verbindung zur ersten Praxis.
Der nächste Schritt für Dich
Vereinbare einen Ergebnistermin beim Erst-Operateur und bring Fotos, Umfangsmessungen, Gewichtsverlauf, Aufklärungsbogen und Operationsbericht mit. Bitte zusätzlich um eine Einschätzung zum Lipödem, wenn Deine Beine druckempfindlich sind. Was andere Operierte erlebt haben, wie häufig Dellen wirklich sind, wie lange das Mieder getragen wird und welche Wege es bei einem unbefriedigenden Ergebnis in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt, liest Du auf der Seite zu den Erfahrungen, Risiken und Komplikationen der Fettabsaugung.
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